„Autos“ Enis Maci. Begeisternde Uraufführung am Schauspielhaus Wien. 12.1.2019

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Du fährst deinen Bildern im Kopf hinterher. Denen der Herkunft und denen der Zukunft. Ein Leben lang. Deine Autobahnmelodie…

Enis Maci, 2017 mit dem Hans-Gratzer-Stipendium ausgezeichnet, bringt so kurzgefasst moderne Existenz auf den Punkt. Zwei namenlose Geschwister machen sich auf den Weg. Entlang der Autobahnroute, die seit der Kindheit der 1970er Jahre von der südlichen Herkunftsregion in die Zentralräume Europas führt. Lebensgeschwindigkeit am glühenden Asphalt zwischen Herkunft und Arbeitssuche. Dazu Bilder umgebenden und vieler Leben. Das Autoradio weht ihnen zwischen seinem lullenden LaLaLa tragische Lebensspuren zu. Weiter und immer weiter bis zum stummen Dunkel ihres eigenen Todes…

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Maci ist mit „Autos“ ganz nah an den Grundfragen moderner Existenz im Erarbeiten, Erhoffen wie Scheitern persönlicher wie sozialer Lebensansprüche dran. Diese sind ganz wesentlich von beruflicher Bewegung und damit topographischer Flexibilität und Bindungsverlust, -stabilität geprägt. Die Verbindung von Herkunft und Zukunft ist die Autobahn. Also die Lebensgeschwindigkeit, die von Illusion und Melancholie getragen ist. Das Lalala der lullenden Radiomelodie ist Ausdruck davon. Das „Selbst“, das persönliche Ankommen, fährt immer hinterher. Standpunkte kann sich niemand in den verzweifelten gesellschaftlichen Etablierungsversuchen leisten. Identität ist auf der Autobahn passe. Nur Gaspedal und manchmal der Rück- und Seitenspiegel zu den Anderen neben und mit mir. Bis zum letzten Halt. Dem Tod. Dem letzten globalen Ortswechsel.

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Der Inszenierung von Franz-Xaver Mayr gelingt ein genialer Bühnenkunstgriff, der antikes Drama in seiner existentiellen Dichte ausdrucksstark mit zeitkritischem Transfer verbindet und so Grundfragen von Schuld und Verhängnis im Zusammenhang von Freiheit und Scheitern in moderner Gesellschaft thematisiert. In beeindruckender Schauspiel-, Bühnen- und Kostümpräsenz, die schon im Stillleben dramatisch wie poetisch anspricht, wird ein Seelenroadmovie in mitreißender existentieller Gänsehaut konzipiert, das in Aufmerksamkeit und Erschütterung nicht loslässt – Gratulation an Regie, Ensemble, Kostüm- und Bühnenbild wie Musik und Technik.

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Walter Pobaschnig 15.1.2019

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„Die Illusion der Gewissheit“ Essays. Siri Hustvedt. Neuerscheinung Rowohlt Verlag.

 

„Die Illusion der Gewissheit“ Essays. Siri Hustvedt. Neuerscheinung Rowohlt Verlag.

Siri Hustvedt beginnt am Ausgangspunkt. Der Gewissheit der Geburt aus dem Mutterleib. Eine physische Verbindung und Entwicklung, die unmittelbare und fixe Gewissheit ist. Wie der Blick ans Ende – den Tod. Dazwischen findet das Leben zu seiner Existenz und Form. In Zeit und Raum. Die Voraussetzungen dazu sind nicht wählbar. Geburt ist ein Glücksrad in Zeit und Kontinent. Und das Leben dazwischen nun? Wie weit ist das Denken autonom? Wie unabhängig ist es von den physischen Bedingtheiten, vom Körper? Was macht schließlich Individualität aus? Gibt es diese im geisteswissenschaftlichem Verständnis abendländischer Trafdition?

Die studierte Literaturwissenschaftlerin und gefeierte Bestsellerautorin, die auch als Lehrende an der psychiatrischen Abteilung des Weill Medical College in Cornell tätig ist, Siri Hustvedt, legt einen umfassenden Essayband vor, in dem sie der Grundfrage menschlicher Erkenntnismöglichkeit, -voraussetzungen und –bedingtheiten in philosophischer, psychologischer, existentieller und sozialgesellschaftlicher Perspektive nachgeht. Beeindruckend ist dabei, dass der weite Rahmen von Geistesgeschichte und aktuellem wissenschaftlichen Forschungsstand in eine solch gut erläuternde Zusammenfassung und Darstellung zu bringen ist. Da zeigt sich einerseits die ausgezeichnete Erzählerin wie auch die brilliant analysierende und schlussfolgernde Autorin. Hustvedt bietet mit diesem Essayband eine Kritik moderner Theorien zu Welt- und Menschenverständnis und setzt selbstbewusst eigene Thesen, welche sie ausführlich vorstellt und begründet. Das Ergebnis ist so ein wissenschaftlich wie sprachlich herausragendes Buch, welches an große Geistestraditionen philosophischer wie literarischer universaler Weltschau anschließt.

„Ein Ereignis geisteswissenschaftlicher Zusammenschau und Analyse in herausragender Sprachkraft, Erzähldarstellung und Schlussfolgerung.“

 

Walter Pobaschnig, Wien 12_2018

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„David Bowie. Ein Leben“ Dylan Jones. Neuerscheinung Rowohlt Verlag.

 

„David Bowie. Ein Leben“ Dylan Jones. Neuerscheinung Rowohlt Verlag.

Ein Leben für die Musik. Die Kunst. Eine Hochschaubahn schwieriger Jahre und schließlich bahnbrechenden Erfolges. Ein Künstler, der Musik ganz neu als umfassendes Kunstwerk definierte und die Zusammenarbeit und Inspiration unterschiedlichster Kreativitätsbereiche suchte und damit experimentierte. Film, Mode, Literatur, Malerei, Fotografie und mehr. Ein Ausnahmetalent – David Bowie (1947-2016).

Ein Künstler im Rampenlicht. Doch auch ein Mensch in Stille und tiefen Gedanken, den seine Familie, seine Herkunft, sein Werden beschäftigte. Ein Familienmensch, der in Aufmerksamkeit und Zuneigung die Talente seiner Kinder begleitete. Ein Neugieriger, der die Welt bereiste und offen Sinnes und Denkens für Zeit und Leben war.

Wie sich nun dem Künstler, dem Phänomen, dem Menschen David Bowie nähern? Wie zwischen all den Mythen und Geschichten unterscheiden?

Dylan Jones, Herausgeber des GQ und erfahrener Autor von Musik-Biografien, geht dabei den Weg authentischer Mitteilungen von FreundInnen, KollegInnen, WeggefährtInnen eines Musikerlebens über die Jahrzehnte seiner musikalischen Entwicklung. Es kommen dabei Musik-Größen wie John Lennon, Madonna oder Elton John zu Wort. Aber auch enge Musikgefährten wie Iggy Pop, Lou Reed oder Mick Ronson. Ebenso Filmregisseure wie Martin Scorsese (Bowie spielte im Film „Die letzte Versuchung Christi“ die Rolle des Pilatus) oder Nicolas Roeg. Weiters Manager, AssistentInnen, Künstler und auch Menschen, die Bowie in seinen letzten schweren Jahren begleitet haben.

 

„Eine Musikerbiografie in umfassenden Interviews von musikalischen und privaten WeggefährtInnen, die in Fülle und Detailinformation beeindruckt“

 

Walter Pobaschnig, Wien 1_2019

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„Klagenfurt 1518 – Eine Stadt im Aufbruch“ Werner Drobesch/Wilhelm Wadl (Hgg.). Neuerscheinung Verlag des Geschichtsvereins für Kärnten.

 

„Klagenfurt 1518 – Eine Stadt im Aufbruch“ Werner Drobesch/Wilhelm Wadl (Hgg.). Neuerscheinung Verlag des Geschichtsvereins für Kärnten.

Klagenfurt stand 2018 im Zeichen eines besonderen Stadtjubiläums. Vor 500 Jahren kam es zur Schenkung der Stadt von Kaiser Maximilian I an die Landstände und damit auch zu einem vielschichtigen Aufbruch in Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und Religion. Ein landesgeschichtliches Ereignis, das auch an einer weltgeschichtlichen Epochenwende in den geistesgeschichtlichen Kontexten des Humanismus und der Reformation steht. So wird eine Stadt zum Beispiel und Experiment eines vielschichtigen Aufbruches eines Kontinentes, in dem Bildung, Emanzipation und Vision Raum greifen. Eine Zeit, die auch über Jahrhunderte hinweg interessant wie inspirativ bleibt und deren traditionsgeschichtliche Spuren bis heute eine Stadt prägen und zu Aufmerksamkeit einladen.

Der vorliegende Sammelband historischer Studien und Perspektiven geht auf ein diesjähriges wissenschaftliches Symposium an der Alpen Adria Universität Klagenfurt zurück, welches wesentlich von der Stadt Klagenfurt ermöglicht und von Geschichtsverein und Landesarchiv Kärnten betreut und begleitet wurde und schließlich in der vorliegenden Publikation ediert wird.

In vier Überblickskapitel – Kaiser Maximilian I, Landstände, Städte, Klagenfurt – werden wesentliche politische, gesellschafts- und kulturhistorische Voraussetzungen und Gegebenheiten des beginnenden 16.Jahrhundert dargestellt und in den Kontext der weiteren Stadtentwicklung gestellt. Hervorzuheben ist dabei der multiperspektivische wie unmittelbar stadt- und landesübergreifende Ansatz, der immer österreichische wie europäische Politik- wie Kulturgeschichte mit im Blick hat.

Besondere Beachtung findet auch die Perspektive Klagenfurts als Stadt des Humanismus und der Reformation. Die Bedeutung Klagenfurts ist in diesem Zusammenhang eine sehr wesentliche und erstaunliche, deren historische Spuren auch in der Gegenwart viel erzählen.

„Eine wissenschaftliche wie inspirative Zeitreise in ein besonderes Jubiläumsjahr einer Stadt und deren Gesellschaft in Aufbruch und Vision“

 

Walter Pobaschnig, Wien 12_2018

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„Heilige Nacht“ Die Weihnachtsgeschichte und ihre Bilderwelt. Hrsg.Stefan Roller. Neuerscheinung Hirmer Verlag.

 

„Heilige Nacht“ Die Weihnachtsgeschichte und ihre Bilderwelt. Hrsg.Stefan Roller. Neuerscheinung Hirmer Verlag.

Es ist eine Botschaft, die seit 2000 Jahren weitergesagt, gelesen, gesungen und betrachtet wird. Eine Botschaft, die um die Welt geht und verändert, eine „frohe“ Botschaft, die an vielen Orten und in vielen Formen präsent war und ist. Der Kunst kommt da eine besondere Bedeutung zu. Sie versucht das Ereignis der Weihnachtsgeschichte, die Geburt Christi, in Fülle und Form sichtbar zu machen. Dabei gibt es viele individuelle Zugänge und Perspektiven über Jahrhunderte hinweg. Die Kunst versucht zu sehen und darzustellen. Das Unsagbare und Unaussprechbare. Das still zu Erfahrende.

Eine Ausstellung in der Skulpturensammlung Liebieghaus in Frankfurt/Main widmete sich 2016/2017 der reichen Motivgeschichte und den vielfältigen Bezugsrahmen der künstlerischen Darstellung der Weihnachtsgeschichte. Der kunsthistorische Schwerpunkt liegt dabei auf der Schaffensperiode zwischen dem 5. Und dem 16.Jahrhundert.

Die besondere hier vorliegende Edition des Hirmer Verlages ist eindrucksvoll. Sie eröffnet die Möglichkeit gleichsam im meditativen Blättern der Ausdruckskraft von Objektkunst zu folgen und diese mitzuerleben. Einführende Essays zum christlichen Weihnachtsfestkreis, der künstlerischen Rezeption des Visionsberichtes der Brigitta von Schweden und der Erläuterung der Weihnachtsgeschichte sowie hinführende Erklärungen zur Ausstellungsthematik, in welcher der Prolog der Weihnachtsgeschichte, der Weg nach Bethlehem, Geburt Christi und Anbetung des Kindes, Beschneidung und Namensgebung Jesu, die Heiligen Drei Könige und die Folgen, die Flucht der heiligen Familie nach Ägypten und ihre Rückkehr sowie Weihnachtskrippen im Mittelpunkt stehen, leiten zum Hauptteil des Ausstellungskatalogs über. Das Literaturverzeichnis, Impressum und Abbildungsverzeichnis runden diese abwechslungsreiche künstlerisch-theologische Epochenreise und Inspiration ab.

„Eine besondere Einladung der Kunst auf die Weihnachtsgeschichte zu blicken, die unerwartete Horizonte und Inspirationen öffnet.“

 

Walter Pobaschnig, Wien 11_2018

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„Da Josef und seine Briada“ Altes Testament auf Wienerisch II. Roland Kadan. Neuerscheinung Braumüller Verlag.

 

„Da Josef und seine Briada“ Altes Testament auf Wienerisch II. Roland Kadan. Neuerscheinung Braumüller Verlag.

 „I schrei zum Scheff, weul i so am Sand bin, und ea head mi a…“ (Psalm 120,1) – es sind vor allem auch die Übersetzungen der Psalmen, in denen Roland Kadan beeindruckend und faszinierend die ganze Kraft und Wucht der Dialektsprache gleichsam auf das Papier schmettert und das so melancholische und widersprüchliche Wienerherz genial beim Kragen packt. Da spielst Du, lieber Roland, mit deinen biblischen Liedermacherkollegen im ganz großen hermeneutischen Duett und dabei hören wir und bestimmt auch Teuschl, Freud und Qualtinger gebannt und auch sehr still werdend zu. Da reißt ein sprachliches Gespür für biblische wie wienerische Seelenmelodie Herz und Himmel auf und blickt „frank“ ins „Reindl“ von Leben, Liebe, Glaube und Hoffnung. Da knallt die Seele schonungslos ihr lebensverschwitztes „Leibal“ gegen das (Himmels)Tor wie seinerzeit Ernst Happel die „Wuchtl“ auf der Pfarrwiese von Hütteldorf in Richtung Favoriten. Ja, Religion ist Anschauung und Gefühl, erinnert uns Friedrich Schleiermacher 2018 und Roland Kadan nimmt dies fulminant in bester Wiener Sprach- und Liedtradition in seiner vorliegenden Buchfortsetzung  auf.

Wenn Roland Kadan unterrichtet, singt und nicht zuletzt schreibt, dann ist das „ka schales Gmachtl“. Dies war schon eindrucksvoll in „Da David und sei Pantscherl“ Das Alte Testament auf Wienerisch (2017) zu lesen und zu erleben. Auch in dem zweiten Teil seines biblischen Übersetzungsprojektes des Alten Testamentes in die Wiener Dialektsprache schafft er es, biblisches Erzählen, Klagen, Jubeln und Mahnen mit Geschichte und Kunstgeschichte einer Stadt wie politischer Bildung zu verbinden und einzigartig kantig und ausdrucksstark zu verdichten.  Bibelthematisch werden im vorliegenden Band II die Schöpfungserzählung (priesterschriftliche Tradition), die Sintfluterzählung, die Josefsnovelle oder Susanna im Bade (Buch Daniel) und weitere Texte wie Psalmen vorgestellt. Es ist eine form- wie wirkungsgeschichtlich sehr treffende Auswahl, welche die Bandbreite an biblischen Textvarianten ausgezeichnet beachtet und die Fülle biblischen Erzählstoffes in lebensgeschichtlicher und gesellschaftskritischer Perspektive öffnet.

„Olsdan – kummts, marschierts“ – lesen Sie das Buch, hören Sie Roland Kadan so oft es geht live. Und vor allem nehmen Sie das Buch in Schule, Gemeinde und Haus und Hof mit – diesseits und jenseits des Semmerings.

Walter Pobaschnig 24.11.18

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Lucas Cranach der Ältere, Meister – Marke – Moderne. Kunstbildband. Hirmer Verlag.

 

Lucas Cranach der Ältere, Meister – Marke – Moderne. Kunstbildband. Hirmer Verlag.

Es war ein turbulentes Leben im Sturm der Reformationsjahre, welches der in eine kinderreiche Familie um 1472 geborene Lucas Cranach (+16.10.1553) führte. Die Kunst war dabei die wesentliche Mitte. Seit 1505 war er als Hofmaler bei Kurfürsten Friedrich dem Weisen von Sachsen in Wittenberg tätig, aber auch weitere Berufszweige (Gastwirt, Apotheker, Buch- und Papierhändler) kennzeichneten seinen Lebensweg. Eine enge Freundschaft mit dem Reformator Martin Luther und dessen Professorenkollegen Philipp Melanchthon drücken seine Nähe zum kirchen- und gesellschaftsverändernden Anspruch der Reformation wie auch seine Loyalität aus. 1525 ist Cranach auch Trauzeuge des Ehepaares Martin Luther und Katharina von Bora sowie auch der Taufpate ihres ersten Sohnes Johannes. Porträts der Familie machen diese Freundschaft auch künstlerisch sichtbar. Doch auch Cranach prägt, in Analogie zum Reformator Luther, einen eigenen persönlichen Stil des ästhetischen Ausdrucks, den er in Traditionskritik, Auseinandersetzung und Originalität erarbeitet und weiterentwickelt. Es wird gleichsam eine Marke der Kunstdarstellung etabliert. Dieser persönliche wie soziale Prozess ist durchaus mit dem theologischen Denken Luthers zu  vergleichen. Bilder der Tradition werden mit neuer  Perspektivität und Farbpalette in die Welt gesetzt. Reflektiert, konsequent und ausdrucksstark – in der Mitte von Zeit und Leben.

Der vorliegend beeindruckende Bildband bietet nun einen umfassenden Einblick in das künstlerische Schaffen, das Leben sowie Zeit und Gesellschaft im Wirken Lucas Cranach. Namhafte KunsthistorikerInnen widmen sich den Themenkreisen des malerischen und grafischen Ausdrucks, der Motivwahl, der Beziehung zu Luther und der Reformation sowie der weiteren Rezeption in der Moderne. Großformatige Abbildungen lassen diese Zugänge sehr anschaulich und lebendig werden.

„Ein sensationeller Bildband zum bedeutenden Maler der Reformation Lucas Cranach, der einzigartig staunen und bewundern lässt.“

Walter Pobaschnig, Wien 12_2018

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„Der Astronom und die Hexe“ Johannes Kepler und seine Zeit. Ulinka Rublack. Neuerscheinung Klett-Cotta Verlag.

 

„Der Astronom und die Hexe“ Johannes Kepler und seine Zeit. Ulinka Rublack. Neuerscheinung Klett-Cotta Verlag.

Eine Zeitenwende. Das Mittelalter findet seinen Übergang zur Neuzeit in neuen politischen, sozialen und nicht zuletzt Erkenntnissen der Naturwissenschaft, die in Beobachtung kausale Schlüsse über Welt und Universum zieht. Die theologischen Grundfesten der Jahrhunderte geraten nun aber in Spannung zu diesen mathematischen Zugängen und Erkenntnissen. Der 1571 in Baden-Württemberg geborene und in weiterer Folge in Graz, Prag und Linz arbeitende Mathematiker im Landes- wie pädagogischem Dienst Johannes Kepler (+1530) ist sich dieser Herausforderung bewusst. Er weiß, es muss eine naturwissenschaftliche Beweislage geben, die stichhaltig ist und die in aller Vorsicht und Rücksicht zum geltenden theologisch geprägten Weltbild bleiben muss. Seine Erkenntnisse der Optik (Lehre vom Licht, Zusammenhang zur Materie) werden jedoch wegweisend. Zu Beginn des verheerenden Kriegsgeschehens (Dreißigjähriger Krieg 1618-1648) im 17.Jahrhundert erscheint sein Hauptwerk Harmonices mundi  (1619). Kepler blickt auf ein stets mit Widerstand ringendes, wissenschaftliches Schaffen zurück. Doch jetzt gerät alles ins Wanken. Die konfessionellen Gegensätze im Reich wie Europa brechen in aller Gewalt und Grausamkeit politisch militärisch auf. Kepler ist evangelisch und seine Existenz ist in Gefahr. Der schwerste persönliche Schlag ist jedoch 1620 die Anklage seiner Mutter Katharina wegen Hexerei. Katharina ist eine kräuterkundige Frau und hilft wie teilt ihr Wissen. In Zeiten, in denen die Scheiterhaufen verurteilter Hexen/er in ganz Europa brennen, ist das lebensgefährlich. Johannes Kepler reist nach Baden-Württemberg, um seine Mutter zu verteidigen. Seine wohl schwerste Aufgabe beginnt…

Ulinka Rublack, Professorin für Europäische Geschichte der Frühen Neuzeit am St.John`s College in Cambridge, schafft mit der vorliegendem exemplarischen Zeitreise zu Aufbruch und Abgründen einer Zeitenwende ein Meisterwerk historischer Spannung und Vermittlung, das an den großen Namen Umberto Eco erinnert. Wenngleich es kein Roman sondern eine geschichtliche Darstellung (wunderbar anschaulich illustriert) ist, verbindet die Autorin im packenden Schreibstil Ereignis und Wortkraft und lässt anerkennend staunen.

„Ein Buch, das im packenden Schreibstil zweifellos Maßstäbe in der historischen Darstellung in kritischer Fragestellung, Erzählkraft und Spannung setzt.“

Walter Pobaschnig, Wien 12_2018

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„Bösland“ Bernhard Aichner. Neuerscheinung btb Verlag.

 

„Bösland“ Bernhard Aichner. Neuerscheinung btb Verlag.

  1. Ben ist den Schmerz gewohnt. Doch die Angst und der Schrecken, wenn ihn der Vater die Stiegen hoch auf den Dachboden ins „Bösland“ zerrt, lassen ihn dennoch jedesmal die Augen weit aufreißen und sein Gesicht erstarren. Stumm erträgt er die Schläge. Die Mutter sieht weg. Es darf nicht sein, was hier geschieht. Niemand soll das erfahren. Ben ist der rohen Gewalt hilflos ausgesetzt. Der Vater, der von seiner Arbeit als LKW-Fahrer gekündigt worden war, weil er wiederholt Benzin gestohlen hatte, trinkt und starrt in die Dunkelheit. Eines Tages findet ihn sein Sohn Ben tot am Dachboden. Mit dem eigenen Gürtel erhängt. Ben holt seinen Freund Kux. Sie blicken zum schaukelnden Toten. Die Angst weicht nur langsam aus Ben. Tränen und Mitleid hat er schon lange nicht mehr…
  2. Ein Mädchen wird ermordet auf dem Dachboden gefunden. Ben wird sofort verhaftet. Er schweigt, doch das Dunkle zieht schwer über seine Seele und die Jahre im Dorf…doch der Schrecken, der Tod kehrt wieder und jetzt sind alle starr und ahnungslos was das dunkle Geheimnis wirklich ist…

Der österreichische Schriftsteller Bernhard Aichner, dessen Totenfrau-Triologie zum internationalen Thriller-Bestseller wurde, legt mit „Bösland“ erneut einen abgründigen Spannungsroman vor, in dem ein tödliches Beziehungs- und Sozialgeflecht alles an Wert und Leben mit sich reißt. In großer rasanter Sprachdichte wechselnder Stilmittel (Interview, Rückblende, Erzählbögen) werden Leserin und Leser Seite um Seite näher an Geheimnis und Schrecken von Trauma, Gesellschaft und Gewalt geführt. Der Autor vermag dabei gekonnt zu überraschen und zeigt, was ein moderner Thriller an Spannung- und Sprachraffinesse bieten kann.

„Ein Thriller, der Spannung und Textvariation in einzigartiger Weise verbindet.“

 

Walter Pobaschnig, Wien 12_2018

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„Pilger, Priester und Propheten“ Alltag und Religionen im Römischen Reich. Robert Knapp. Neuerscheinung Klett-Cotta Verlag.

 

„Pilger, Priester und Propheten“ Alltag und Religionen im Römischen Reich. Robert Knapp. Neuerscheinung Klett-Cotta Verlag.

Ein Weltreich bisher ungekanntem Ausmaßes erstreckt sich unter Kaiser Trajan zu Beginn des 2.Jahrhunderts über drei Kontinente. Latein als Amtssprache, kodifzierte Rechtssprechung, eine straff strukturierte Gesellschaftsordnung in Militär- und Zivilwesen sind wesentliche Säulen auf denen das römische Imperium ruht und sich weiter auszudehnen und zu festigen sucht. Den wechselnden Staatsspitzen von Senat, Kaiser und Diktatoren ist bewusst, dass es auch eine innere Mitte braucht, eine geistige Kraft und Halt, die über das täglich Fordernde hinausgreift und ebenso das Imperium hält. So gibt es eine Fülle von Kulten, Ritualen und Opfervollzügen, welche das Leben des Volkes wie der Herrschenden bestimmen. Auch da ist der Gedanke der Ordnung und regelmäßigen Struktur wichtig. Die Glaubenswelt selbst bleibt offen und nimmt Elemente aus den eroberten Gebieten auf und gibt diese weiter. So ist es ein lebendiges wie buntes Miteinander von Pilger, Priester und Propheten, welche Glaube, Zeit und Leben bestimmen. Eine Vielfalt, die das Leben der Menschen in Stadt und Land, Kriegsschauplätzen, Arenen wie im Senat und am Thron besser verstehen lässt. Und nicht zuletzt eine Vielfalt, welche auch die kommende Staatsreligion des Christentums wesentlich beeinflussen wird…

Robert Knapp, emeritierter Professor für Alte Geschichte in Berkeley, University of California, schafft es mit dem vorliegenden Sachbuch zu Alltag und Religion im Römischen Reich,  in großer Anschaulichkeit eine historisch ferne Lebenswelt in ihrer geistigen Mitte und Dynamik beeindruckend zu öffnen und so geschichtliche Prozesse, Entwicklungen und Brüche verstehbar zu machen. Der Autor, ein erwiesener Kenner der Antike und deren politischen-, sozial- und geistesgeschichtlichen Grundlagen, findet im gewohnt sachlich klaren und informativen Stil auch einen erstaunlich unmittelbaren Zugang, der Leserin und Leser in Wort und Bild eine spannende Zeitreise zu Erde und Himmel im Römischen Reich unternehmen lässt.

Ein beeindruckender farbiger Bildteil wie ein ausführlicher Anhang mit Literaturverweisen, Quellenangaben, Karten, Glossar vertieft diese besondere Lesereise und bietet weitere Ausblicke.

„Ein Sachbuch, das in der Informationsbreite wie Erzählkraft begeistert.“

Walter Pobaschnig 12_18

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