„Der Astronom und die Hexe“ Johannes Kepler und seine Zeit. Ulinka Rublack. Neuerscheinung Klett-Cotta Verlag.

 

„Der Astronom und die Hexe“ Johannes Kepler und seine Zeit. Ulinka Rublack. Neuerscheinung Klett-Cotta Verlag.

Eine Zeitenwende. Das Mittelalter findet seinen Übergang zur Neuzeit in neuen politischen, sozialen und nicht zuletzt Erkenntnissen der Naturwissenschaft, die in Beobachtung kausale Schlüsse über Welt und Universum zieht. Die theologischen Grundfesten der Jahrhunderte geraten nun aber in Spannung zu diesen mathematischen Zugängen und Erkenntnissen. Der 1571 in Baden-Württemberg geborene und in weiterer Folge in Graz, Prag und Linz arbeitende Mathematiker im Landes- wie pädagogischem Dienst Johannes Kepler (+1530) ist sich dieser Herausforderung bewusst. Er weiß, es muss eine naturwissenschaftliche Beweislage geben, die stichhaltig ist und die in aller Vorsicht und Rücksicht zum geltenden theologisch geprägten Weltbild bleiben muss. Seine Erkenntnisse der Optik (Lehre vom Licht, Zusammenhang zur Materie) werden jedoch wegweisend. Zu Beginn des verheerenden Kriegsgeschehens (Dreißigjähriger Krieg 1618-1648) im 17.Jahrhundert erscheint sein Hauptwerk Harmonices mundi  (1619). Kepler blickt auf ein stets mit Widerstand ringendes, wissenschaftliches Schaffen zurück. Doch jetzt gerät alles ins Wanken. Die konfessionellen Gegensätze im Reich wie Europa brechen in aller Gewalt und Grausamkeit politisch militärisch auf. Kepler ist evangelisch und seine Existenz ist in Gefahr. Der schwerste persönliche Schlag ist jedoch 1620 die Anklage seiner Mutter Katharina wegen Hexerei. Katharina ist eine kräuterkundige Frau und hilft wie teilt ihr Wissen. In Zeiten, in denen die Scheiterhaufen verurteilter Hexen/er in ganz Europa brennen, ist das lebensgefährlich. Johannes Kepler reist nach Baden-Württemberg, um seine Mutter zu verteidigen. Seine wohl schwerste Aufgabe beginnt…

Ulinka Rublack, Professorin für Europäische Geschichte der Frühen Neuzeit am St.John`s College in Cambridge, schafft mit der vorliegendem exemplarischen Zeitreise zu Aufbruch und Abgründen einer Zeitenwende ein Meisterwerk historischer Spannung und Vermittlung, das an den großen Namen Umberto Eco erinnert. Wenngleich es kein Roman sondern eine geschichtliche Darstellung (wunderbar anschaulich illustriert) ist, verbindet die Autorin im packenden Schreibstil Ereignis und Wortkraft und lässt anerkennend staunen.

„Ein Buch, das im packenden Schreibstil zweifellos Maßstäbe in der historischen Darstellung in kritischer Fragestellung, Erzählkraft und Spannung setzt.“

Walter Pobaschnig, Wien 12_2018

https://literaturoutdoors.com

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