„Da Josef und seine Briada“ Altes Testament auf Wienerisch II. Roland Kadan. Neuerscheinung Braumüller Verlag.

 

„Da Josef und seine Briada“ Altes Testament auf Wienerisch II. Roland Kadan. Neuerscheinung Braumüller Verlag.

 „I schrei zum Scheff, weul i so am Sand bin, und ea head mi a…“ (Psalm 120,1) – es sind vor allem auch die Übersetzungen der Psalmen, in denen Roland Kadan beeindruckend und faszinierend die ganze Kraft und Wucht der Dialektsprache gleichsam auf das Papier schmettert und das so melancholische und widersprüchliche Wienerherz genial beim Kragen packt. Da spielst Du, lieber Roland, mit deinen biblischen Liedermacherkollegen im ganz großen hermeneutischen Duett und dabei hören wir und bestimmt auch Teuschl, Freud und Qualtinger gebannt und auch sehr still werdend zu. Da reißt ein sprachliches Gespür für biblische wie wienerische Seelenmelodie Herz und Himmel auf und blickt „frank“ ins „Reindl“ von Leben, Liebe, Glaube und Hoffnung. Da knallt die Seele schonungslos ihr lebensverschwitztes „Leibal“ gegen das (Himmels)Tor wie seinerzeit Ernst Happel die „Wuchtl“ auf der Pfarrwiese von Hütteldorf in Richtung Favoriten. Ja, Religion ist Anschauung und Gefühl, erinnert uns Friedrich Schleiermacher 2018 und Roland Kadan nimmt dies fulminant in bester Wiener Sprach- und Liedtradition in seiner vorliegenden Buchfortsetzung  auf.

Wenn Roland Kadan unterrichtet, singt und nicht zuletzt schreibt, dann ist das „ka schales Gmachtl“. Dies war schon eindrucksvoll in „Da David und sei Pantscherl“ Das Alte Testament auf Wienerisch (2017) zu lesen und zu erleben. Auch in dem zweiten Teil seines biblischen Übersetzungsprojektes des Alten Testamentes in die Wiener Dialektsprache schafft er es, biblisches Erzählen, Klagen, Jubeln und Mahnen mit Geschichte und Kunstgeschichte einer Stadt wie politischer Bildung zu verbinden und einzigartig kantig und ausdrucksstark zu verdichten.  Bibelthematisch werden im vorliegenden Band II die Schöpfungserzählung (priesterschriftliche Tradition), die Sintfluterzählung, die Josefsnovelle oder Susanna im Bade (Buch Daniel) und weitere Texte wie Psalmen vorgestellt. Es ist eine form- wie wirkungsgeschichtlich sehr treffende Auswahl, welche die Bandbreite an biblischen Textvarianten ausgezeichnet beachtet und die Fülle biblischen Erzählstoffes in lebensgeschichtlicher und gesellschaftskritischer Perspektive öffnet.

„Olsdan – kummts, marschierts“ – lesen Sie das Buch, hören Sie Roland Kadan so oft es geht live. Und vor allem nehmen Sie das Buch in Schule, Gemeinde und Haus und Hof mit – diesseits und jenseits des Semmerings.

Walter Pobaschnig 24.11.18

https://literaturoutdoors.com

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