„Kunst kann Orientierung geben, das Leben bereichern und Hoffnungen spiegeln“ Karin Czermak, Künstlerin _ Waldegg/NÖ 20.12.2020
Liebe Karin, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Wirrwarr prägt meinen Tagesablauf, eine sich konstant ändernde Routine. Wir haben zwei Schulkinder und ein Kindergartenkind. Durch die Schule vorgegebene Fixpunkte sind einmal da, dann wieder weg. Wir jonglieren mit sich laufend ändernden Rahmenbedingungen. Die Herausforderung für mich ist, Prioritäten so zu setzen, dass sich alle Termine, Aufgaben, Wünsche und Bedürfnisse vereinbaren lassen und ich dabei auch genug Zeit für meine kreative Tätigkeit finde. Im Moment gibt es wieder mehr Struktur, da die Kinder am Vormittag außer Haus sind. Diese Zeit nütze ich für meine Lehrtätigkeit und meine Arbeit im Atelier. Am Nachmittag, wenn alle Arbeiten für die Schule erledigt sind, bin ich gerne mit meinem Skizzenblock im Wald hinterm Haus unterwegs. Pleinairzeichnen ist ein wichtiger Ausgleich für mich geworden!

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Flexibilität, die es uns ermöglicht, sich auf ändernde Rahmenbedingungen einzustellen und handlungsfähig zu bleiben.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?
Mit drei Kindern zu Hause, ist mein Fokus natürlich auch auf deren Wohlergehen gerichtet. So ist es für mich persönlich wesentlich, meinen Kindern einen positiven/angstfreien Weg in die Zukunft zu ermöglichen. Eine Zukunft, in der soziale Interaktionen wieder Normalität sein können. Ohne Frage, die Möglichkeit, Kommunikation in den virtuellen Raum zu verlegen, hat dazu beigetragen, das Gefühl von Isolation abzuschwächen. Doch ersetzen kann ein Call den Besuch bei den Großeltern nicht.

Auch für meine künstlerische Tätigkeit bin ich auf virtuelle Präsentationsflächen ausgewichen und habe erstmals an online Ausstellungen teilgenommen bzw. eigene organisiert. Ich bin jedoch der Meinung, dass das analoge Begehen einer Ausstellung dadurch nicht ersetzt werden kann. Durch das Bespielen eines virtuellen Ausstellungsraumes werden aber andere Möglichkeiten eröffnet. So lassen sich nicht bloß internationale Ausstellungsbeteiligungen leichter umsetzen, der virtuelle Raum, kann auch von vielen Ländern aus betreten werden.

Kunst ist in ihrem jeweiligen historischen Kontext eingebunden. Sie kann soziale Hoffnungen spiegeln, politische Ansprüche konterkarieren, Orientierung geben und das Leben bereichern. Ich glaube, die Rolle der Kunst ist facettenreich und wird es bleiben.

Was liest Du derzeit?
Mein Lesestoff ist zurzeit sehr kinderlastig. Ich lese Kinderbücher vor. Da sind Drachen gerade die beliebtesten Helden – ganz ehrlich: Ich mag sie auch! Im Moment lesen wir „Die geheime Drachenschule“ von Emily Skye und Pascal Nöldner.
Ansonsten blättere ich immer gerne in aktuellen Kunstzeitschriften.
Wieder hervorgeholt habe ich auch Nigel Frederick Barley’s „The Innocent Anthropologist“. Ich vermisse das Reisen.
Welches Zitat, Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ — Antoine de Saint-Exupéry, Der kleine Prinz
Vielen Dank für das Interview liebe Karin, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Kunstprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an KünstlerInnen:
Karin Czermak, Künstlerin
Alle Fotos_Karin Czermak.
12.12.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.
„Für mich ist das Weitermachen entscheidend, die Arbeit, der Rhythmus“ Peter Neumann, Schriftsteller_ Berlin, 20.12.2020
Lieber Peter, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Um ehrlich zu sein: nicht anders als vorher. (Der regelmäßige Gang in die Bibliothek fällt weg, aber der Rhythmus ist geblieben.) Ich arbeite in drei Einheiten: vormittags Arbeit am Buch, nachmittags Orga und Kram, abends Lektüre, Abseitiges, Querverbindendes. Dazwischen gehe ich viel Laufen, der Rücken, der Rücken (doch etwas Neues; don’t know, was ich ohne den Schlosspark Charlottenburg täte). Am Montag und Dienstag kommen die beiden Seminare dazu, die ich an der Universität Oldenburg gebe: „Methoden der Philosophiegeschichtsschreibung“ und „Philosophie der Landschaft“. Eigentlich müsste ich in Oldenburg sein. Und natürlich ist es ein Vorteil, nicht pendeln zu müssen. Aber mir fehlt der Kontakt zu den Kommiliton*innen. Gerade in der Philosophie, die vom gemeinsamen Gespräch, der geteilten Aufmerksamkeit, lebt, lässt sich der Präsenzunterricht kaum kompensieren.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Das kann ich nicht beantworten. Ich kann nur für mich sprechen. Für mich ist das Weitermachen entscheidend, die Arbeit, der Rhythmus, wozu natürlich auch das Lesen gehört. Unbedingt. Das Lesen ist eine ständige Erinnerung an die Pflicht, die ich gegenüber meinem Beruf, meiner Tätigkeit als Schriftsteller habe.
Ansonsten (more than ever): Liebe, Freundschaft, Solidarität.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Ich weiß nicht, ob wir vor einem Neubeginn stehen. Schön wär’s, vielleicht! Aber der Sommer hat auch gezeigt, dass alte Verhaltensmuster stark sind und schneller zurück sein können, als den meisten von uns lieb ist. Ich habe den Ausbruch der Corona-Pandemie in Venedig erlebt. Für mich war das ein einschneidendes Erlebnis. Die leere Stadt, erst der Mut, der Stolz, dann die Traurigkeit der Menschen. In Deutschland wollte damals (Mitte Februar) noch niemand aus seiner comfort zone heraus. (Ein Virus, in Deutschland, bei uns, niemals!) Literatur ist Arbeit an der Form. Und diese Form hat gerade ungeheuer viel und ausgesprochen aggressives Material zu bewältigen.
Was liest Du derzeit?
Wenn ich das selbst so genau wüsste. Ich lese und durchkämme vor allem Recherchematerial, das ich für mein Buch brauche, ein Längsschnitt durch die Erfahrungsgeschichten des 20. Jahrhunderts. Gerade stecke ich im Winter 1949/50: Hannah Arendt kehrt im Auftrag der Jewish Cultural Reconstruction zum ersten Mal nach dem Krieg wieder nach Deutschland zurück und findet ein verducktes statt Schuld begreifendes Volk vor – eine Spurensuche beginnt.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Benjamin zitiert in seinem Kafka-Essay ein Wort, das von Max Brod überliefert ist. Auf die Frage, ob die Welt ein Sündenfall oder nur eine schlechte Laune Gottes sei, ein schlechter Tag, ja, was es angesichts des heutigen Europas und des Verfalls der Menschheit überhaupt zu hoffen gebe, soll Kafka geantwortet haben: „Oh, Hoffnung genug, unendlich viel Hoffnung – nur nicht für uns.“
Vielen Dank für das Interview lieber Peter, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an KünstlerInnen:
Peter Neumann_Schriftsteller
Foto_Dirk Skiba
10.12.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.
„Vienna Calling – Der Alarm ist rot“ Lola Lindenbaum, Künstlerin_Station bei Theophil Hansen_Wien _ 18.12.2020
„Two, one, zero, der Alarm ist rot Wien in Not….“

„Hello, oho, Vienna calling
Hello, oho, Vienna calling…“



Theophil, allein schon der Name klingt nach Großem….nach Weltgewandtheit, nach Tiefe.

Nomen ist omen – Theophil Hansen, der in Kopenhagen geboren wurde, lebte zw. 1837 und 1846 in Athen, ehe es ihn nach Wien verschlug. Die byzantinischen Einflüsse ziehen sich auch durch sein umfassendes architektonisches Oevre, wobei seine Bauweise zu Beginn von der Spätromantik und später v. der Renaissance geprägt war. Er war der prägende Architekt der Ringstraßenarchitektur.

Hansen persönlich nannte seine Bauweise „Wiener Stil“. Dabei war jedes Detail – hauptsächlich im Inneren – sichtbar genau geplant, was das jeweilige Bauwerk zu einem einheitlichen Gesamtkunstwerk machte.





Erstaunlich ist die universelle, unvergängliche Schönheit seiner Bauwerke. Seine Bauten leben von der kohärenten Beziehung aller Elemente, wobei man erahnen kann, welche Mühe es gekostet hat, sie zu errichten. Wie viele Generationen bereits diese bewohnt, besucht oder bestaunt haben und nichts haben sie an Glanz und Glamour verloren. Der Weg durch die Zeiten – „Wien, nur Wien du kennst mich up, kennst mich down….“ all dies kann dem Ringstraßenpalais nichts anhaben, die Resilienz des Mauerwerks lässt die Stadt unbeeindruckt und souverän erstrahlen.



„Die Antithese wird bedungen
Gefälligkeitskultur ist konsumierbar
in ihrer Banalität
klischeehaft
antlitzlos
und doch
löst sie aus
Sehnsucht
nach dem Unglatten
Wahrhaften
Uneinfangbaren
Verlangen nach dem Stachel“

Acryl, Ölkreide auf Leinwand, 80×100, 2020

Der Wiener Stil, so wie ihn Hansen nannte, führt uns über ein Jahrhundert zu „Der Alarm ist rot…..Wien in Not“ aus Falco´s „Vienna Calling“.


Der Wiener Stil im weiteren und nicht ausschließlich architektonischen Sinn ist per Definition ambivalent konnotiert. Es sind Farben. Es ist Vergnügen und Melancholie. Das Spiel und der Rhythmus. Das Leichte und die Traurigkeit.


„Nur Wien, nur Wien, du nur allein…“


Die Kunstfigur Falco war Teil des Wiener Stil´s der 1980er-Jahre und zugleich auch lustvoller wie augenzwinkernd kritischer Spiegel von Stadt und Lebenswelt.
In der Mitte des Wiener Herzens – die Lebenslust.
Der Augenblick und Ausblick.




Wien- wunderschön und augenzwinkernd. Im Schmäh und Walzer. In Kraft und Mitte.
In Licht und Dunkel.
Immer im mutigen Blick zur Welt.


Ich liebte die Natter
im Bach
besonders
in den Achtzigern
war sie lebendig
und träumerisch
alles war möglich zu Peter Schilling
lebäugeln mit anderen
Nattern
amerikanisch
sprachen sie und
schlagartig
wurde sie ans Ufer geschleudert
und strandete mit einem Stoss
die Illusion schwamm allein weiter
wehmütig war sie
denn nun waren die Achtziger
vorbei und sie
erwachsen.

„Wien, nur Wien du kennst mich up, kennst mich down
Du kennst mich
Nur Wien, nur Wien, du nur allein…Vienna Calling“

„Vienna Calling – Der Alarm ist rot“ _
Lola Lindenbaum ,Künstlerin _Station bei Theophil Hansen_ Hotel Kempinski_Palais Hansen_Wien
http://www.lolalindenbaum.com/de/
Alle Bilder/Gedichte_ Lola Lindenbaum
Style/Requisite_Lola Lindenbaum/Walter Pobaschnig.
Text_Lola Lindenbaum/Walter Pobaschnig.
„Vienna Calling“ lyrics_Falco.
Alle Fotos_Walter Pobaschnig_Hotel Kempinski_Palais Hansen Wien.
Herzlichen Dank an Frau Nina Haas, PR&Communications Manager, Palais Hansen Kempinski, für die freundliche Ermöglichung und Begleitung!
5 Sterne Luxus Hotel im Zentrum Wien | Palais Hansen Kempinski Vienna
Wien_18.12.2020
„Kaffee und Radio und kaltes Wasser ins Gesicht“ Anna Rot, Schauspielerin _ Wien 19.12.2020
Liebe Anna, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Das Einzige, was wirklich wirklich immer gleich ist: Kaffee und Radio und kaltes Wasser ins Gesicht. Und dann schau ich in den Tag und bin oft euphorisch ob der vielen Möglichkeit, dann fang ich an, tausend Sachen zu machen und das geht dann in einer Kurve (die Euphorie und die Produktivität) hinunter zum Abend hin. Die Abende finden ja jetzt wirklich immer zuhause statt, mit Wein dann, statt Kaffee. Und komischerweise bin ich dann auch erschöpft und freue mich wahnsinnig über das weiche glatte Bett.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Dass wir uns nicht an diesen Zustand gewöhnen!!!
Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen.
Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem
Schauspiel/Theater, der Kunst an sich zu?
Ich habe das Gefühl, dass wir in Österreich theoretisch oft vor einem Aufbruch stehen, und dass völlig klar ist, dass der nie passiert. Dafür geht es uns zu gut oder wir sind zu benebelt vom Fernsehen. Außerdem fehlt eine Streik-Kultur. Aha, ich denke bei Aufbruch natürlich an Auflehnung gegen die Politik. Das war ein bitteres Check-Up dieses Jahr, zu sehen wo die Kunst- und Kulturszene für Politik und (die meisten) Medien stehen. Wir machen hier ja sehr konformes und publikumsfreundliches Theater – ja, im besten Fall kann es im einzelnen Menschen was bewirken.
Was liest Du derzeit?
Ich lese jetzt weiter „Der Matrose von Gibraltar“ von Marguerite Duras, in einer
Gesamtausgabe, wo die Seiten durcheinander sind! Aufregend! Das ist so dick
wie ein Telefonbuch, deshalb hat es hier auf mich gewartet als ich jetzt in
Deutschland war. Unterwegs hab ich „Ich weiß, ich war’s“ von Christoph
Schlingensief gelesen. Beides mag ich sehr.
Welches Zitat, Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Man wird nicht der, der man sein wollte, man kann es gar nicht werden, weil
die Unschärfe ins Spiel kommt und man permanent neu belichtet wird.“
(schlingensief)
Vielen Dank für das Interview liebe Anna, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an KünstlerInnen:
Anna Rot, Schauspielerin
Foto_Sven Serkis
14.12.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.
„Kunst kann und soll uns wieder neugierig machen“ Elvira Maria Kalev_Sängerin _ Wien 19.12.2020
Liebe Elvira, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Ich gehe jeden Tag nach dem Frühstück spazieren, Gott sei Dank habe
ich eine sehr schöne Natur quasi direkt vor der Haustüre, und den Rest der
Zeit versuche ich zu nützen, um mich weiter zu entwickeln, aber auch
um einfach für mich da zu sein. Ich freue mich, Dinge tun zu können, für
die ich mir sonst kaum Zeit nehme, wie zB zu lesen. Ich trainiere
jeden Tag, zb. Bauchtanz, den ich für meine Show brauche, habe
wieder angefangen Klavier zu spielen und genieße es alte Stücke aufzuwärmen, nehme mir Zeit zu meditieren, und kümmere mich um
meine Show, mein für mich wichtigstes künstlerisches Projekt „Dreams
of a Gypsy“. Ich knüpfe Kontakte und versuche etwas für das
kommende Jahr aufzubauen.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Ich glaube dass es für uns alle kein Fehler ist, einmal kurz in dieser unfassbar schnellen Welt, die immer rasanter und rasanter geworden
ist, innezuhalten, um uns die Möglichkeit zu geben, nachzuspüren,
wohin wir, jeder persönlich, und als Menschheit auf dieser Erde
wollen. Es ist fast unmöglich dieses Rad, das so schnell geworden ist, zu
stoppen, diese Maschinerie von der wir ein Teil sind.
Ist es wirklich so wie wir leben wollen? Wir verschließen vor vielen Dingen
die Augen, es gibt viel Leid bei unseren direkten Nachbaren oder auf
anderen Teilen der Erde. Unser Lebensstil hat einen hohen Preis.
Wollen wir so weiter leben? Durch das Leben eilen mit Scheuklappen,
denn ohne sie könnten wir das Leid um uns herum nicht ertragen? Es
ist eine große Chance etwas zu ändern, die vielleicht so nicht wieder
kommt.

Ich bemerke, das, ganz abgesehen vom Weltgeschehen, auch bei mir selber in dieser Zeit, ich lief fast schon blindlings immer weiter in die Richtung, in die ich glaubte, laufen zu müssen, und habe kaum gemerkt, dass mein Körper eigentlich schon außer Atem ist, dass ich das Leben im Jetzt kaum genieße, weil ich glaube gegen die Zeit ankämpfen zu
müssen, und mir Druck mache, ein bestimmtes Ziel zu erreichen.

Natürlich ist diese Frage eigentlich so individuell wie die Menschen selbst, aber ich glaube diese Zeit kann, neben all den Herausforderungen
und all den Schwierigkeiten, und dem Leid, das sie leider auch mit sich
bringt, auch eine große Chance sein.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle
gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein
und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?
Ich glaube, dass Kunst immer die Aufgabe hat, und wie kaum etwas
Anderes die Möglichkeit hat, zu einem Teil in uns zu sprechen, der
tiefer liegt, der ursprünglicher ist, der keine Worte benötigt. Dieser
Teil, der neuen Mut, neue Kraft, Inspiration, und Hoffnung in uns
wecken kann.

Kunst kann und soll uns wieder neugierig machen, sie vermag es
diesen Funken in uns wieder zum Erstrahlen zu bringen der Inspiration
und Lebensmut bringt. Sie gibt unserer Seele eine Auszeit und das
kann sehr heilsam für uns sein.

Was liest Du derzeit?
Den Roman „Shantaram“ von Gregory David Roberts
Und „The Work“ von Byron Katie


Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Ich würde gerne Katie Byron zitieren, der Titel des Buches das ich
gerade von ihr lese heisst auf Deutsch „Lieben was ist“ – es steckt
unendlich viel Weisheit in diesem simplen Satz.

Vielen Dank für das Interview liebe Elvira, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Musikprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:
Elvira Maria Kalev, Sängerin
https://www.elviramariakalev.com/
Alle Fotos_Walter Pobaschnig _ Palais Auersperg Wien _ 11.12.2020
19.11.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.
„Ich liege auf dem Sofa und warte auf Einfälle“ Christoph Simon, Schriftsteller, Bern _ 18.12.2020
Lieber Christoph, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Ich liege auf dem Sofa und warte auf Einfälle. Dazwischen mache ich Hausbesuche zu unglücklich verheirateten Frauen. Die Abende gehe ich ruhiger an.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Wenn uns diese unsicheren Zeiten etwas lehren, dann wohl dies: Wie wir das Beste draus machen.
Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Wenn das grosse Impfen beginnt, wird sich die Aktienbörse erholen, man wird wieder ins Grossraumbüro dürfen, die Affen im Zoo werden wieder Menschen beobachten. Von der Rolle der Literatur habe ich keine Ahnung. Ich schreibe bloss.
Was liest Du derzeit?
Bevor ich wieder lesen darf, überarbeite ich Gedichte und Prosa für die Publikationen im Frühling. Freuen tu ich mich aufs Nachholen der Jahresproduktion von schreibenden Freunden: Daniela Dills Spoken Word Texte, Raphael Reifts Gedichte, Rhaban Straumanns Essays, Giuliano Musios Roman.
Welches Zitat, Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Mir gefällt sehr, was der Profi-Pokerspieler Doyle Brunson 2012 gesagt hat: „Good judgment comes from experience. Experience comes from bad judgment.“
In dem Sinn: Frohes Versuchen immerzu!
Vielen Dank für das Interview lieber Christoph, viel Freude weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Ich danke dir.
5 Fragen an KünstlerInnen:
Christoph Simon_Schriftsteller, Kabarettist
Christoph Simon | Schriftsteller / Autor aus Bern
Foto__Ulrike Meutzner
7.12.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.
„Im Theater muss es ein Umdenken geben. Wir müssen uns neu positionieren“ Lisa Hörtnagl, Schauspielerin _ Innsbruck 18.12.2020
Liebe Lisa, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Die meiste Zeit verbringe ich in den Wäldern. Den Rest des Tages verbringe ich mit Vorbereitungen auf die nächste Produktion, mit dem im Frühjahr 2020 gegründeten Theaterverein „Die Volkskantine“.
Weil ich aufgrund vom ersten Lock-Down diverse Jobs verloren habe, gründete ich aus der Not heraus den Verein „Die Volkskantine“ und innerhalb von 2 Monaten brachten wir „Die Dreigroschenoper“ als Freiluftproduktion mit über 40 Mitwirkenden auf die Bühne. Die Spielstätte war das Schloss Mentlberg in Innsbruck. Alles war aufregend, neu, unglaublich anstrengend und schön. Es war eine Herausforderung, da ich ja auch noch nie mit so viel Geld und Verantwortung zu tun hatte. Und gleich in der ersten Produktion über 30 Leute beschäftigt habe. Da gab es einige schlaflose Nächte. Aber wir hatten Arbeit. Der Zusammenhalt in Innsbruck von Künstlern, Journalisten, Politikern und Publikum war ein schönes Zeichen in den Zeiten.
Jetzt wo sie uns das zweite Mal den Saft abgedreht haben, wird es ermüdender. Ich war gerade am Rheinischen Landestheater in Neuss beschäftigt, wir haben bis zur Generalprobe geprobt und das war‘s wieder. Ich versuche so aktiv wie möglich zu sein, an meinen Drehbüchern zu arbeiten, aber mein Antrieb ist momentan auf Sparflamme. Es ist wohl eher ein Kampf in meiner Mitte zu bleiben und mich im Loslassen zu üben.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Ach Gott gibt es da vieles. Die Zeit zeigt meines achtens nach so viel auf, dass wir vergessen haben. Fangen wir bei was Banalen an. Andere Meinungen zu akzeptieren. Sich nicht entzweien lassen. Rücksicht. Mitgefühl. Eigenverantwortung. (Dann können auch die Schilder auf den Almen wieder weg) Dieses Denunziantentum. Anstatt zusammen zu helfen, zeigen sich die Leute anonym gegenseitig an. Das gehört meines Erachtens nach sofort verboten. Anonyme Anzeigen in Bezug auf Corona gehören sofort abgeschafft. Ich empfinde das als sehr gefährlich.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel und der Kunst an sich zu?
Im Theater muss es ein Umdenken geben. Wir müssen uns neu positionieren. Wir dürfen uns nicht an den Rand drücken lassen. Wir sind keine Bittsteller. Warum machen wir denn Theater überhaupt? Was möchte man denn Aussagen, was den Menschen vermitteln? Sicherlich keine Gleichgültigkeit. Also machen wir das bitte auch. Die Kultur hat den selben Auftrag, wie früher der Narr. Die Wahrheit vermitteln. Ich möchte auf der Bühne sagen und machen können was ich möchte, ohne dabei Gefahr zu laufen, zensiert zu werden. Ohne, dass sich dabei jemand auf den Schlips getreten fühlt. Wir sind da, um Menschen im besten Fall die „Wahrheit“ aufzuzeigen. Ohne Pardon, mit Liebe, mit der Brechstange, mit Fingerspitzengefühl und mit Leidenschaft.
Was liest Du derzeit?
NERDS retten die Welt: Gespräche mit denen, die es wissen
von Sibylle Berg
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Faust: „Mich dünkt die Alte spricht im Fieber.“
Mephisto: „Das ist noch lange nicht vorüber, …“
Vielen Dank für das Interview liebe Lisa, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schauspielprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Vielen Dank zurück!
5 Fragen an KünstlerInnen:
Lisa Hörtnagl, Schauspielerin
Lisahoertnagl-com (lisa-hoertnagl.com)
Foto_Gerhard Beer
13.12.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.
„Wichtig ist jetzt, den Kopf nicht zu verlieren, nach vorne zu schauen“ Anna Schellberg, Künstlerin_ Hamburg, 17.12.2020
Liebe Anna, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Nach dem Aufstehen folgt ein Lauf um die Alster, danach wird gemeinsam frisch gekocht und dann male ich ….

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Wichtig ist jetzt, den Kopf nicht zu verlieren, nach vorne zu schauen

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?
Die Leute werden nach „dieser Sache“ einfach riesig Durst nach Schönem haben, Lust auf Kunst

Was liest Du derzeit?
Ich lese gerade einen Don Winslow Krimi – sehr unterhaltsam; Winslow ist ein fantastischer Rechercheur und beherrscht einen großartigen Wortwitz; ich lese alles im englischsprachigen Original – sonst geht zu viel verloren

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Mein Lebensmotto: Paint or Die


Vielen Dank für das Interview liebe Anna, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Kunstprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an KünstlerInnen:
Anna Schellberg, Künstlerin
Anna Schellberg – anna-schellberg.com (anna-schellberg.com)
Alle Fotos_Anna Schellberg.
13.12.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.
„Was will ich der nächsten Generation mitgeben? Was für ein Vorbild möchte ich sein?“ Miriam Grimm, Bühnenbildnerin_Hannover 17.12.2020
Liebe Miriam, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Als Freiberuflerin darf ich mir jeden Tag aussuchen, wie mein Tagesablauf aussieht. Aktuell sieht mein Tagesablauf so aus, dass ich mich in das 3D Zeichenprogramm Blender einarbeite, um mich in Zukunft beruflich wieder „technischer“ aufzustellen. Ich habe zu Beginn meiner Laufbahn als Bühnenbildnerin gearbeitet, aber wurde in den letzten Jahren überwiegend als Kostümbildnerin wahrgenommen und gebucht. Heute reizt es mich, mich in neue Medien (3D , VR) einzuarbeiten. Im “Bund der Szenografen e.V.” arbeite ich in einer Fachgruppe “AG Digitaler Raum” mit. Der “Bund der Szenografen e.V.” unterstützt uns Bildner. Deswegen: Werdet Mitglied, liebe Kollegen!

Ich möchte sowohl im Kostüm als auch im Bühnenbild beruflich „zuhause“ sein. Politisch ist es wichtig, beide Gewerke im Blick zu behalten, auch um wirtschaftliche Forderungen kommunizieren zu können. Es ist notwendig und unentbehrlich, dass künstlerische Berufe in der Öffentlichkeit und in den Medien sichtbar sind. Heute und in Zukunft. Ich pflege meine Accounts auf Facebook und Instagram und kommuniziere dort im Klartext, was mich aktuell beschäftigt und welche Nöte es durchaus zu bewältigen gibt. Auf der anderen Seite teile ich künstlerische Ideen und vertraue auf Kunst als Multiplikator in Bildern / Gedanken / Sichtweisen.

URFASSUNG VON JOHANN WOLFGANG VON GOETHE
THEATER IM PFALZBAU LUDWIGSHAFEN
REGIE UND BÜHNE TILMAN GERSCH
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Das zu tun, was das eigene Herz erfreut. Mit allen Mitteln, die uns zur Verfügung stehen. Unser Gehirn ist limitiert- es kann nur eine Sache aufs Mal: Angst haben oder keine Angst haben. Deshalb sollten wir unserem Gehirn keinen Platz für Angst lassen. Unser Gehirn kennt kein NEIN. „Keine Angst haben“ kann es nicht denken! Deswegen liegt es an uns, was wir unserem Gehirn zu denken geben. Mir helfen momentan z.B. körperliche Tätigkeiten, die mich entspannen (u.a. in die Natur gehen). Wichtig kann es sein, sich auf sein Bauchgefühl zu verlassen- ein wichtiger Indikator für unser Empfinden und unsere Bedürfnisse.

VON ELFRIEDE JELINEK
NATIONALTHEATER OSLO
REGIE MELANIE MEDERLIND
Wichtig finde ich auch, Dinge „groß“ zu denken! Nicht im JETZT verharren, sondern einen „weiten Blick“ pflegen. Heute an Morgen denken. Was will ich der nächsten Generation mitgeben? Was für ein Vorbild möchte ich sein? Möchte ich passiv auf Geschehnisse reagieren oder aktiv an meiner und unserer Situation mitwirken? Und wenn ja, mit welchen Mitteln?

OPER VON KURT WEILL – TEXT VON BERTOLT BRECHT
THEATER KOBLENZ
REGIE MARCUS LOBBES
Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Zum Glück haben wir keine Kristallkugel und können nicht in die Zukunft gucken. Wir mögen es nicht, Dinge nicht kontrollieren zu können. Das macht uns zu schaffen. Wir mögen Ambivalenz und Unklarheit nicht. Alles soll möglichst planbar, kontrollierbar und geordnet sein. Deswegen erklären sich Menschen gegenseitig die Welt. Für mich beantwortet und „kontrolliert“ Kunst nichts. Für mich dient sie dazu, aus einer Frage viele Fragen zu entwickeln. Ich erlaube mir, Offenheit zu ertragen. Ich erlaube mir, Dinge in unterschiedliche Richtungen zu denken. Das kann- denke ich- eine Aufgabe der Kunst bleiben: Einen offenen Raum ermöglichen, in dem Kunst entsteht. Evolutionär bedingt können wir nicht Angst haben und dabei kreativ sein. Entweder Angst oder Kreativität. Ich empfinde es als meine Aufgabe zu verhindern, dass Menschen mit Angst darüber entscheiden, wie meine Generation und die nachfolgenden Generationen Kunst erleben darf.

VON SENECA
STAATSTHEATER MAINZ
REGIE MARCUS LOBBES
Bühne: Marcus Lobbes
Was liest Du derzeit?
Ich lese viele Bücher gleichzeitig. Jack Kornfield „Das weise Herz“, Milton Erickson, Ernest L. Rossi, Sheila L. Rossi „Hypnose“, Rolf Dobelli „Die Kunst des guten Lebens“ , Rainer Maria Rilke „Neue Gedichte“, Mascha Kaléko Gedichte „In meinen Träumen läutet es Sturm“, u.a.

VON IGOR STRAWINSKY
PFALZTHEATER KAISERSLAUTERN
REGIE TILMAN GERSCH
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Das ursprüngliche Bewusstsein des Menschen ist prämental und hat nichts zu tun mit Erkenntnis. Es ist das gleiche Bewusstsein wie das der Tiere. Und dieses prämentale Bewusstsein bleibt, solange wir leben, die mächtige Wurzel und der Körper unseres Bewusstseins. Der Verstand ist nur die letzte Blüte, die Sackgasse.“ (D.H. Lawrence, Psychoanalysis and the Unconscious)

VON IGOR STRAWINSKY
PFALZTHEATER KAISERSLAUTERN
REGIE TILMAN GERSCH
Vielen Dank für das Interview liebe Miriam, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Kunstprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an KünstlerInnen:
Miriam Grimm, Bühnen-, Kostümbildnerin
Foto_Porträt_Maike Hüls-Gräning Fotos_Bühne_im Text.
13.12.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.