„Was will ich der nächsten Generation mitgeben? Was für ein Vorbild möchte ich sein?“ Miriam Grimm, Bühnenbildnerin_Hannover 17.12.2020

Liebe Miriam, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Als Freiberuflerin darf ich mir jeden Tag aussuchen, wie mein Tagesablauf aussieht. Aktuell sieht mein Tagesablauf so aus, dass ich mich in das 3D Zeichenprogramm Blender einarbeite, um mich in Zukunft beruflich wieder „technischer“ aufzustellen. Ich habe zu Beginn meiner Laufbahn als Bühnenbildnerin gearbeitet, aber wurde in den letzten Jahren überwiegend als Kostümbildnerin wahrgenommen und gebucht. Heute reizt es mich, mich in neue Medien (3D , VR) einzuarbeiten. Im “Bund der Szenografen e.V.” arbeite ich in einer Fachgruppe “AG Digitaler Raum” mit. Der “Bund der Szenografen e.V.” unterstützt uns Bildner. Deswegen: Werdet Mitglied, liebe Kollegen!

Miriam Grimm, Bühnen-, Kostümbildnerin

Ich möchte sowohl im Kostüm als auch im Bühnenbild beruflich „zuhause“ sein. Politisch ist es wichtig, beide Gewerke im Blick zu behalten, auch um wirtschaftliche Forderungen kommunizieren zu können. Es ist notwendig und unentbehrlich, dass künstlerische Berufe in der Öffentlichkeit und in den Medien sichtbar sind. Heute und in Zukunft. Ich pflege meine Accounts auf Facebook und Instagram und kommuniziere dort im Klartext, was mich aktuell beschäftigt und welche Nöte es durchaus zu bewältigen gibt. Auf der anderen Seite teile ich künstlerische Ideen und vertraue auf Kunst als Multiplikator in Bildern / Gedanken / Sichtweisen.

@ Alen Ljubic  GÖTZ VON BERLICHINGEN
URFASSUNG VON JOHANN WOLFGANG VON GOETHE
THEATER IM PFALZBAU LUDWIGSHAFEN
REGIE UND BÜHNE TILMAN GERSCH

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Das zu tun, was das eigene Herz erfreut. Mit allen Mitteln, die uns zur Verfügung stehen. Unser Gehirn ist limitiert- es kann nur eine Sache aufs Mal: Angst haben oder keine Angst haben. Deshalb sollten wir unserem Gehirn keinen Platz für Angst lassen. Unser Gehirn kennt kein NEIN. „Keine Angst haben“ kann es nicht denken! Deswegen liegt es an uns, was wir unserem Gehirn zu denken geben. Mir helfen momentan z.B. körperliche Tätigkeiten, die mich entspannen (u.a. in die Natur gehen). Wichtig kann es sein, sich auf sein Bauchgefühl zu verlassen- ein wichtiger Indikator für unser Empfinden und unsere Bedürfnisse.

@ Gisle Bjorneby / ULRIKE MARIA STUART/
VON ELFRIEDE JELINEK
NATIONALTHEATER OSLO
REGIE MELANIE MEDERLIND

Wichtig finde ich auch, Dinge „groß“ zu denken! Nicht im JETZT verharren, sondern einen „weiten Blick“ pflegen. Heute an Morgen denken. Was will ich der nächsten Generation mitgeben? Was für ein Vorbild möchte ich sein? Möchte ich passiv auf Geschehnisse reagieren oder aktiv an meiner und unserer Situation mitwirken? Und wenn ja, mit welchen Mitteln?

© Miriam Grimm / AUFSTIEG UND FALL DER STADT MAHAGONNY
OPER VON KURT WEILL – TEXT VON BERTOLT BRECHT
THEATER KOBLENZ
REGIE MARCUS LOBBES

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Zum Glück haben wir keine Kristallkugel und können nicht in die Zukunft gucken. Wir mögen es nicht, Dinge nicht kontrollieren zu können. Das macht uns zu schaffen. Wir mögen Ambivalenz und Unklarheit nicht. Alles soll möglichst planbar, kontrollierbar und geordnet sein. Deswegen erklären sich Menschen gegenseitig die Welt. Für mich beantwortet und „kontrolliert“ Kunst nichts. Für mich dient sie dazu, aus einer Frage viele Fragen zu entwickeln. Ich erlaube mir, Offenheit zu ertragen. Ich erlaube mir, Dinge in unterschiedliche Richtungen zu denken. Das kann- denke ich- eine Aufgabe der Kunst bleiben: Einen offenen Raum ermöglichen, in dem Kunst entsteht. Evolutionär bedingt können wir nicht Angst haben und dabei kreativ sein. Entweder Angst oder Kreativität. Ich empfinde es als meine Aufgabe zu verhindern, dass Menschen mit Angst darüber entscheiden, wie meine Generation und die nachfolgenden Generationen Kunst erleben darf.

@Andreas J. Etter / OEDIPUS
VON SENECA
STAATSTHEATER MAINZ
REGIE MARCUS LOBBES
Bühne: Marcus Lobbes

Was liest Du derzeit?

Ich lese viele Bücher gleichzeitig. Jack Kornfield „Das weise Herz“, Milton Erickson, Ernest L. Rossi, Sheila L. Rossi „Hypnose“, Rolf Dobelli „Die Kunst des guten Lebens“ , Rainer Maria Rilke „Neue Gedichte“, Mascha Kaléko Gedichte „In meinen Träumen läutet es Sturm“, u.a.

© Miriam Grimm / THE RAKE´S PROGRESS (DAS LEBEN EINES WÜSTLINGS)
VON IGOR STRAWINSKY
PFALZTHEATER KAISERSLAUTERN
REGIE TILMAN GERSCH

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Das ursprüngliche Bewusstsein des Menschen ist prämental und hat nichts zu tun mit Erkenntnis. Es ist das gleiche Bewusstsein wie das der Tiere. Und dieses prämentale Bewusstsein bleibt, solange wir leben, die mächtige Wurzel und der Körper unseres Bewusstseins. Der Verstand ist nur die letzte Blüte, die Sackgasse.“ (D.H. Lawrence, Psychoanalysis and the Unconscious)

© Miriam Grimm / THE RAKE´S PROGRESS (DAS LEBEN EINES WÜSTLINGS)
VON IGOR STRAWINSKY
PFALZTHEATER KAISERSLAUTERN
REGIE TILMAN GERSCH

Vielen Dank für das Interview liebe Miriam, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Kunstprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Miriam Grimm, Bühnen-, Kostümbildnerin

www.miriamgrimm.de

www.grimm-psychotherapie.de

www.white-rabbit-coaching.de

www.bos-coaching.de

Foto_Porträt_Maike Hüls-Gräning Fotos_Bühne_im Text.

13.12.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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