„Eine gute Mischung zwischen Nachrichten-Konsum und der Vermeidung dessen“ Lisa-Lena Tritscher, Schauspielerin_Wien 16.4.2021

Liebe Lisa-Lena, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Erstaunlich geregelt (sagte sie stolz J). Ich bin viel in der Natur und beginne gerade wieder zu proben. Außerdem konnte ich mich aufraffen, mit der Umsetzung einiger eigener Projekte zu beginnen.

Lisa-Lena Tritscher, Schauspielerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Nach innen zu gehen, weil das außen manchmal ganz schön deprimierend sein kann. Eine gute Mischung zwischen Nachrichten-Konsum und der Vermeidung dessen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Ich tu mir immer schwer damit solche Dinge für die Gegenwart zu beantworten. Geschichte schreibt sich doch immer erst im Nachhinein. Ich darf gespannt darauf warten, welche Rolle dem Theater im Zusammenhang mit der Coronakrise zuteil wird, wenn die Spielstätten uns wieder empfangen dürfen.

Was liest Du derzeit?

Christoph Schlingensief „Kein falsches Wort jetzt“

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Ich nehm` noch ein Schlückchen Eierlikör, das Leben muss ja irgendwie weitergehen“ Harpe Kerkeling

Vielen Dank für das Interview liebe Lisa-Lena, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Schauspiel-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Lisa-Lena Tritscher, Schauspielerin

Lisa-Lena Tritscher – österreichische Schauspielerin und Model

17.3.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Ausgewählte Lyrik“ Zdenka Becker. Podium Porträt 112. Verlag Podium.

Ausgewählte Gedichte_Zdenka Becker_Podium Verlag

Zdenka Becker, mehrfach ausgezeichnete Schriftstellerin, trifft schon mit dem ersten Gedicht „diese einladung“ Ihres neu erschienen Lyrikbandes in das Herz von Leserin und Leser.

Es ist eine einzigartige Kraft und Wucht mit der die Autorin Mensch, Liebe und Welt in Ihren Wortbogen spannt und die poetischen Pfeile landen treffsicher im Erleben, Erfahren von Rausch und Schmerz, Sehnsucht und Erfüllung, Drama und Hoffnung des Menschen. Beeindruckend ist die Virtuosität von Sprache, welche gleichsam die Essenz von Liebe reduziert und wirkmächtig auf den Punkt bringt und erfasst. Es ist ein Mitgerissenwerden, dem ein Staunen und Ergeben folgt in diesen faszinierenden poetischen Kosmos, der Gedanke und Wiedererkennen öffnet und nicht loslässt.

Die Gedichte Zdenka Beckers sind Spiel und Mitte des Lebens. Es geht darin immer um alles. Um Begegnung mit Menschen und Orten. Um Leichtigkeit, Offenheit wie um Einsamkeit und Kraft im Fortgehen und Erinnern.

Gedichte als Mut zu Leben und Sein. Zur Liebe. Ohne Kompromiss.

„Ein poetisches Geschenk zur richtigen Zeit. Ein mitreißendes Plädoyer für Mensch, Liebe, Welt, Mut“

Walter Pobaschnig 4_2021

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„Ingeborg Bachmann geht es nicht um Perfektion sondern um das Leben“ Patricia Trageser_ Schauspielerin_ Station bei Bachmann_Wien 16.4.2021

Patricia Trageser, Schauspielerin

Ingeborg Bachmann ist so vielseitig. Da ist Kraft wie Zerbrechlichkeit.

Im Schreiben ist ganz dieses Ankommen zu spüren. Reflexion, Mut und Direktheit. Dieses Bei-Sich-Sein, das Ängste nicht ausschließt, sondern an- und aufnimmt, vielleicht um diese zu verwandeln, in jedem Fall um diese auszusprechen für sich und andere, schonungslos.

Wenn Bachmann schreibt ist sie Zuhause. Da ist innerlich Haus und Grund. Auch Abgrund. Natürlich steckt da viel Persönliches drin und das macht verletzbar.

Auch auf der Bühne ist es so. In jeder Rolle steckt viel aus dem eigenen Leben und es ist ein Preisgeben davon. Das ist Überwindung, Angst und Befreiung.

Der Roman Malina ist da sehr exponiert. Das ist einzigartig. 

Rollen mit großer „Fallhöhe“ interessieren mich sehr. Das geht an das Innerste, greift über Konvention hinaus und führt weiter in der eigenen Persönlichkeit.

Bei Ingeborg Bachmann geht es nicht um Perfektion sondern um das Leben. In allen Schattierungen. Es geht um Dasein im Doppelsinn. Die Welt wahrzunehmen und mein Da-Sein – „Ich bin da!“. Das ist ein Wert und Weg.

Es ist viel zu lernen von Ingeborg Bachmann.

Das Feuer stellt ja bei Bachmann eine wesentliche Chiffre für Kunst und Leben dar. Und ist natürlich ganz unmittelbare Tragik. In meiner Kindheit hatte ich selbst große Angst vor Feuer, ich träumte davon und konnte kein Feuerzeug in die Hand nehmen.

Ich muss jetzt wieder stark daran denken. Dieses Brennen wie die Angst vor dem Feuer ist ja eine Metapher für Kunst. Der Wille, das Bemühen, die Herausforderung um die Flamme der Anerkennung und des Erfolges im Beruf Künstlerin und gleichzeitig die Angst, die Enttäuschung. Das liegt sehr nahe beieinander. Flamme und Asche.

Feuer hat eine große Kraft wie Macht. Da ist Spiel, Faszination und Zerstörung. Kunst, Liebe, Leben trägt all das in sich. Der Roman erzählt davon. Da ist alles kompromisslos.

Auch diese Lust zu Begegnung bei Bachmann kommt mir da in den Sinn. Gerade in einer Stadt wie Wien ist es ja wunderbar möglich sich zu treffen und auszutauschen. Bachmann lebte das und es ist hoffentlich bald wieder so gut möglich. Kunst lebt wesentlich davon. Begegnung ist natürlich auch Netzwerk, das trägt. Gerade in diesen Tagen.

Begegnung ist ebenso ein Entdecken der eigenen Persönlichkeit. Ein ganz wichtiges. Das fehlt ja jetzt großteils in der unmittelbaren Form. Wir müssen uns da wieder finden und wohl neu entdecken.

Im Roman Malina geht es um Kopf und Herz. Um den Zwiespalt dabei, den Widerstreit. Das kennen wir alle. Aber wer traut sich das so schonungslos auszusprechen?

Leben heißt riskieren. Auch den Schmerz.

Frau kann ihre Konflikte selbständig lösen, dazu braucht es keinen Mann.

Frau ist so viel – aber nicht das Schneewittchen, das auf den Prinzen wartet.

Heute muss alles sehr schnell gehen. Auch das Kennenlernen. Das ist der falsche Weg.

Es fehlt oft das Interesse für das Gegenüber in einer Beziehung. Der echte Kontakt. Da ist viel Oberfläche aber keine Tiefe.

Sympathie auf den ersten Blick gibt es, nicht Liebe.

Liebe ist Arbeit.

Nur die ersten 4/5 Monate ist honeymoon.

Unsere Gesellschaft ist gekennzeichnet von Erwartung und Überforderung. Das ist auch in der Liebe so.

Eine Stadt, ein Ort trägt Liebe. Im Entflammen, Erleben, Zelebrieren wie dem Erlöschen.

Jede Stadt trägt die Flamme und die Asche der Liebe. Das prägt, lässt nicht los. Bleibt unvergessen. Der Roman erzählt davon.

Ingeborg Bachmann _ Foto _Heinz Bachmann

Männer suchen nach Rechtfertigungen, Frauen stellen Fragen. Frauen sind im Selbstreflexionsprozess weiter. Männer haben da noch einen Weg vor sich.

Diversität in der Kunst sollte mehr strukturell angesprochen und thematisiert werden. Es gibt viel zu tun.

Ingeborg Bachmann war mir bisher über Fotos und Berichte bekannt. In der Erarbeitung dieses Projektes zum Romanjubiläum ist sie mir aber sehr schnell nahegekommen. Da ist eine starke Verbindung fühlbar geworden. Diese Entdeckungsreise ist sehr interessant.

Ingeborg Bachmann ist Vorbild und Inspiration. Es geht darum aufmerksam und neugierig sein. Nach Außen wie nach Innen. Zurückzuschauen wie ich was ich geworden bin und immer weiterzugehen in Leben und Kunst.

Patricia Trageser, Schauspielerin

50 Jahre Malina _ Roman _ Ingeborg Bachmann _ im Gespräch:

Patricia Elisabeth Trageser, Schauspielerin _Wien.

„Das Theater und die Kunst haben nun die Möglichkeit ganz neue Wege zu gehen“ Patricia Elisabeth Trageser_Schauspielerin, Wien 16.12.2020 | Literatur outdoors – Worte sind Wege

Station bei Ingeborg Bachmann- alle Fotos/Interview_Walter Pobaschnig _ Hotel Kempinski_Wien_15.1..2021

Walter Pobaschnig _ 4_2021

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„Die regenerierende und heilende Wirkung von Musik und Kunst wird immer bewusster“ Desirée Mostetschnig, Musikerin, Klagenfurt 15.4.2021

Liebe Desirée, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Im Moment starte ich den Tag unter der Woche mit meinen beiden Kindern (5  und 9) und bringe meinen Sohn nach den mütterlichen Morgengeschäften in  den Kindergarten – die Große besteht darauf selbst mit dem Bus zu fahren 🙂 Im Idealfall gehe ich danach jeden zweiten Tag eine kleine Runde laufen oder setze mich aufs Ergometer. Dann stehen oft Termine in Vorbereitung für Studiotage, Gigs oder Projekte im Sommer an. An den Vormittagen übe, transkribiere, oder bearbeite ich eigene Lieder, arbeite an Homepage und Socialmedia Präsenz, oder bereite den nächsten Singlerelease in Ton und Bild vor. Mittwochs habe ich einen regelmäßigen Probetermin mit einem Kollegen.

Vor Ostern begann die Projektarbeit mit einer vierten Volksschulklasse der BAfEP Klagenfurt – Voice meets Music – da bin ich dann bis Juni immer montagvormittags in der Schule. Nachdem ich meinen Sohn zwischen 14h und 15h wieder vom Kindergarten abgeholt habe, betreue ich an ein bis zwei Nachmittagen Klienten in vokalen Einzelsessions, weswegen ich mich auch regelmäßig selbst oder am Messegelände testen lasse. Grundsätzlich brauchen mich meine Kinder nachmittags im Moment sehr: wir verbringen Zeit miteinander, lernen, üben Klavier, ich unterstütze sie bei ihren Nachmittagsaktivitäten z.B. die Online-Treffen des Theaterclubs oder der Gang zum Kieferorthopäden …. Abends essen wir gemeinsam.

Wenn die Kinder dann schlafen, geht die Arbeit an den Projekten meist weiter. Es kann aber auch vorkommen, dass ich einfach mit ihnen einschlafe. Wochenends versuche ich mir Kreativzeit einzurichten, nehme Probentermine wahr, mache Aufnahmen mit einer Grazer Kollegin oder bearbeite das was unter der Woche liegen geblieben ist. Sonntags verbringe ich zumindest nachmittags voll und ganz mit meinen Kindern. Alle 2-3 Wochen ca. brauche ich eine intensive Pause für ca. 2-3 Tage – dann geht es wieder weiter.

Desirée Mostetschnig, Musikerin, Komponistin, Trainerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Neben dem, dass die Fähigkeit der persönlichen Selbsteinschätzung noch nie so wichtig war wie heute (was braucht mein System gerade, wie hoch ist mein Stresspegel, muss jetzt unbedingt was raus oder: wie aufnahmefähig bin ich gerade etc. …) ist es wichtig, dass jeder seinen individuellen Umgang findet. Für mich persönlich ist es gut mich vor allem zeitlich in längeren Spektren zu bewegen und die Vorausschau zu pflegen, auch wenn dies schwierig erscheint in solch instabilen Zeiten. Das Arbeiten an Ausrichtung und lebendigen Zielen und  der respektvolle Umgang mit meinen eigenen Bedürfnissen schenkt mir Kraft – und die ist für uns alle gerade besonders wichtig denke ich.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?

Ich denke wesentlich wird sein wie agil sich der Mensch auf neue Umstände fähig ist einzulassen und sich der Veränderung zu stellen: Dies sind fordernde und anstrengende Prozesse für uns „Gewohnheitstiere“. In der Rezeption von Musik wird es auch in der Popularmusik immer weniger um reine Unterhaltung gehen. Den Menschen wird die regenerierende, rekreative und heilende Wirkung von Musik und Kunst unabhängig ihrer Genres und Sparten immer bewusster. Auch das dem Menschen innewohnende Bedürfnis danach die eigene Kreativität auszuleben und dadurch mental selbstregulierend tätig zu sein gewinnt immer mehr an Bedeutung.

Was liest Du derzeit?

Im Moment lese ich wieder Hermann Hesse´s Siddhartha.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Das folgende Zitat hat mich bereits durch einige krisenhafte Momente hindurch getragen, da ihm die Hoffnung innewohnt die uns in dunklen Zeiten oft verlässt. Und so möchte ich es an dieser Stelle gerne teilen:

„Was die Raupe Ende der Welt nennt, nennt der Rest der Welt

Schmetterling.“ (Laotse)

Desirée Mostetschnig, Musikerin, Komponistin, Trainerin

Vielen Dank für das Interview liebe Desirée , viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Desirée Mostetschnig, Musikerin, Komponistin, Trainerin

www.desireemostetschnig.com

https://desireemostetschnig.bandcamp.com

Fotos_Gernot Gleiss

18.3.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Literatur kann Raum für Veränderung schaffen“ Franziska Hauser, Schriftstellerin_Berlin 15.4.2021

Liebe Franziska, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich überlege jeden Morgen neu, ob die Prioritäten von gestern heute noch stimmen. An meinem neuen Roman schreibe ich zwar jeden Tag und verbringe die Abende mit meinem Mann und meiner Tochter, aber oft mache ich auch ganz sinnlose Sachen, weil ich zu wenig Arbeit habe. Einerseits tut es ganz gut, nicht mehr so einen effektiven Alltag zu haben, andererseits ist es auch sehr irritierend. Die finanzielle Abhängigkeit, die ich bisher immer vermieden habe, finde ich jetzt beängstigend.

Franziska Hauser, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Der Hoffnung, dass alles wieder so wird wie es war, sollten wir nicht so viel Raum geben, sondern lieber herausfinden was wir ändern müssen. Ich habe mich, gerade im Frühling, oft total daneben gefühlt, wenn alle unter rosa Kirschblüten, Milchkaffee schlürfend auf den Straßen saßen und die komplette Sorglosigkeit zelebriert haben. Die haben wir jetzt nicht mehr und ich will eigentlich nicht, dass alles wieder wird, wie es war. Diesen Hochleistungsalltag will ich auch nicht zurückhaben, weil ich glaube, dass die Hochleistung und die Selbstoptimierung auch die Vergnügungssucht bedingt. Ich hab mir immer mehr Ernsthaftigkeit und Vernunft gewünscht und gedacht: Irgendwann kommt ein Monster und schlägt uns die Kaffeetassen aus den Händen. Jetzt ist das Monster da und gibt uns einen Auftrag: „Wenn ihr klug und mutig seid, könnt ihr euch retten!“ Jede Bewegung erzeugt ja eine Gegenbewegung und es ist jetzt eine Chance, etwas zu ändern, wenn man sich am Alten nicht mehr festhalten kann. So viele Missstände zeigen sich jetzt und können nicht mehr so leicht verdeckt und ignoriert werden. Vielleicht wissen wir ja in Wahrheit schon immer alles was wir wirklich wissen müssen. Dass wir den Klimawandel und die Ausbeutung von Menschen und Ressourcen so sehr vorangetrieben haben, liegt ja nicht daran, dass wir nicht anders könnten, sondern vor allem daran, dass uns bisher noch Nichts daran gehindert hat. Vermutlich ist es leider keine Hilfe fürs Klima, oder für unsere Besinnung, oder Achtsamkeit, wie ich es in meinem Harmoniebedürfnis gerne hätte. Aber wenn wir nicht wollen, dass die Pandemie einfach nur eine von vielen Katastrophen ist, sollten wir nicht nur versuchen uns selbst zu retten, sondern auch sehen was sich jetzt besser machen lässt, um auch die Zukunft unserer Kinder zu retten.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Ich glaube, die wichtigste Aufgabe der Literatur ist es den Lesern die Angst zu nehmen. Die Sorglosigkeit ist genauso falsch wie die Angst. Man kann mit Literatur Raum für Veränderung schaffen, weil wir uns Veränderungen ja immer erstmal vorstellen müssen, bevor wir sie umsetzen können. Die Literatur kann diese Vorstellung sein.

Was liest Du derzeit?

Fräulein Nettes kurzer Sommer von Karen Duve mag ich gerade sehr, weil es so schön respektlos geschrieben ist, sodass ich als Leser selbst entscheiden darf, wen ich sympathisch finde und wen nicht. Das gefällt mir.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Alles wandelt sich. Neu beginnen
Kannst du mit dem letzten Atemzug.
Aber was geschehen ist, ist geschehen. Und das Wasser
Das du in den Wein gossest, kannst du
Nicht mehr herausschütten.

Bertolt Brecht

Franziska Hauser, Schriftstellerin

Vielen Dank für das Interview liebe Franziska, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literatur-, Fotoprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Franziska Hauser, Schriftstellerin, Fotografin

Autorin (foto-haus.info)

Alle Fotos_Selbstporträts_Franziska Hauser

17.3.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Griffen – wie es früher einmal war“ Ein Zeitbild um 1910. Valentin Hauser. Hermagoras Verlag

Es ist eine Zeit des Innehaltens. Und damit auch des Erinnerns, des Rückblicks in nähere und entferntere Vergangenheit. Dies lässt für Augenblicke die großen Anforderungen der pandemischen Gegenwart etwas vergessen. Wie war es damals? Was magst Du erzählen? Ein Buch ist da ein wunderbarer wissender Reisegefährte in Wirklichkeit und Traum der Menschheitsgeschichte…

Der österreichische Buchautor und Komponist, Valentin Hauser, lädt dazu ein, anhand von Lebenserinnerungen in Wort und Bild die Kärntner Gemeinde Griffen in Leben und Gesellschaft Ende des 19. und Anfang des 20.Jahrhunderts nacherleben zu können. Und es ist vielfältig, erstaunlich und spannend was es da zu sehen und lesen gibt…

Der Autor, ein Freund des österreichischen Nobelpreisträgers Peter Handke, welcheraus Griffen gebürtig ist,lässt auch diesen prominenten Sohn der Gemeinde zu Wort kommen. Peter Handke schreibt ein Vorwort und dabei gleich einen Preis aus. Seien Sie gespannt…

Neben der inhaltlichen sehr gelungen kompakten Zusammenstellung, der eine umfassende Recherche zugrunde liegt, die in höchstem Maße zu würdigen und anzuerkennen ist, ist auch das Druckformat und der Satz von Wort und Bild hervorzuheben – dies ist einmalig gelungen. Besonders auch die Präsentation historischer Fotos in so guter Qualität und die Textabstimmung dazu.

Als diese Besprechung verfasst wird, höre ich im Radio gerade, dass Hugo Portisch, der anerkannte österreichische Journalist und eine Legende zeitgeschichtlicher Präsentation gestorben ist. Wie Portisch so viel für das österreichische Geschichtsbewusstsein geleistet hat, so ist auch das vorliegende Buch ein wichtiger Mosaikstein regionaler wie österreichischer Identität.

Walter Pobaschnig 4_21

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„Die Situation ist zermürbend“ David Czifer, Schauspieler_Wien 14.4.2021

Lieber David, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Da man ja Gott sei Dank proben kann, habe ich meinen gewohnten Tagesablauf wieder. Max Mayerhofer und ich planen momentan die Tour mit unserem Verein LASTKRAFTTHEATER und versuchen die Spieltermine unseres zweiten Vereins ergo arte zu verschieben. Hier haben wir DER LECHNER EDI SCHAUT INS PARADIES von Jura Soyfer unter der Regie von Peter Pausz bereits im Jänner fertig geprobt und nun hoffen wir das Stück bald zeigen zu können, beim Lastkrafttheater sind wir mit HÖLLENANGST gerade mitten in den Proben. Wir hoffen natürlich, dass wir bald wieder bei unserem Publikum sein und auftreten können. Aber die Situation ist zermürbend und man hat den Eindruck von der Politik vergessen zu sein. Insofern ist mein Alltag durch Corona um einiges stressiger und sorgenvoller geworden, so wie der Alltag der meisten Menschen, denke ich.

David Czifer_Schauspieler_Lastkrafttheater 2021

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich glaube, dass wir als Gesellschaft wieder zusammenwachsen müssen und keineswegs noch gespaltener werden dürfen. Es ist wichtig, dass wir trotzdem das Verbindende suchen. Seit einem Jahr gibt es nur noch ein Thema und das muss sich wieder ändern. Die Gesellschaft muss wieder zusammenhalten und zusammenkommen: Corona sollte nicht mehr unsere Diskussionen dominieren. Hier sind auch die Medien gefragt: Sie sollten sich ihrer großen Verantwortung in der Pandemie stärker bewusstwerden und die Berichterstattung nicht nur an Verkaufszahlen orientieren.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Theater, Schauspiel und Kunst im Allgemeinen können ein Bindeglied für die Gesellschaft sein. Deswegen kommt der Kunst an sich eine noch wichtigere Rolle zu, als sie vor der Pandemie ohnehin schon innehatte. Kunst kann Räume zur Begegnung schaffen und kann ein Mittel sein unsere Gesellschaft zu stärken. Wir brauchen Kunst und Kultur stärker denn je und es muss auch ganz klar gesagt werden, dass Kunst vom Live-Moment lebt, Online-Streaming ist also nur ein mickriger Ersatz. Es müssen einfach von der Politik schnellstens Rahmenbedingungen geschaffen werden, sodass Kunst und Kultur auch in der Pandemie wieder möglich werden können, denn unsere Gesellschaft braucht sie!

Was liest Du derzeit?

Momentan lese ich eine Biografie über Jura Soyfer, dessen Stück Der Lechner Edi schaut ins Paradies wir im Verein ergo arte unter der Regie von Peter Pausz auch geprobt haben und hoffentlich bald zeigen können.

Er war ein unglaublich inspirierender und interessanter Mensch, der tolle Briefe und Stücke hinterlassen hat, von denen viele heute aktueller denn je sind.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

In Der Lechner Edi schaut ins Paradies sagt der Motor zu Edi folgende Sätze, die aktueller denn je sind und auch heute für uns im Bereich der Digitalisierung, Forschung und Entwicklung Gültigkeit haben sollten.

Merk dir, Edi, wir Motoren sind dazu auf der Welt, dass wir euren Willen vollstrecken. Ihr druckts aufn Starter, wir parieren. Du hast an halben Gedanken ausgedacht- i hab ihn zu Ende gedacht und die Konsequenzen gezogen. Jetzt, wo ihr Menschen uns Maschinen geschaffen habts, müsst ihr halt vorsichtiger sein mitn Herumphantasieren. Auf ja und na wird die Phantasie zur Wirklichkeit. Wir sind die dienstbaren Geister, und ihr seids die Zauberlehrlinge.

Vielen Dank für das Interview lieber David, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an KünstlerInnen:

David Czifer_Schauspieler

Lastkrafttheater

Foto_Nikolaus_Similache

16.3.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Ein Gedicht rettet den Tag“ Anton G. Leitner, Schriftsteller_Weßling/D 14.4.2021

Lieber Anton, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Auch im Lockdown gehe ich ab dem späteren Vormittag ein Haus weiter, in meinen Verlag, wie früher auch. Alles ist jetzt nur wesentlich aufwändiger und kostenintensiver: Vorher eine FFP3-Einweg-Maske aufsetzen, Hände desinfizieren etc. Ich bin selbst Hochrisikopatient und muss besonders darauf achten, mir nicht dieses verdammte Corona-Virus einzufangen. Ansonsten fühl ich mich jetzt in unseren Redaktionsräumen bisweilen etwas einsam und verloren, keine freien MitarbeiterInnen sind da, mit denen man scherzen könnte, höchstens meine langjährige Angestellte Gabriele Trinckler, wenn sie nicht im Homeoffice ist. Bei offenem Fenster arbeiten, auch bei Eiseskälte, auf mögliche Alarmwerte unserer CO-2-Ampeln reagieren, ggf. die Vorfilter unserer mobilen Hepa-Filteranlagen reinigen, natürlich ebenfalls unter Beachtung der Coronaregeln. Außerdem mache ich mir Gedanken und Sorgen, wie ich meine Festkosten weiter bedienen kann. Ich bekomme absurderweise keine staatlichen Coronahilfen mehr, weil seit der zweiten Stufe der Corona-Hilfsmaßnahmen in Deutschland das Jahr 2019 zur Beurteilung der Höhe des Umsatzrückganges als Referenzjahr herangezogen wird. Ausgerechnet 2018 fiel ich durch eine doppelseitige Lungenembolie mehrere Monate lang aus, 2019 durch einen Herzinfarkt fast sechs Monate, vorher hatte ich 26 Jahre ohne größere gesundheitliche Probleme praktisch durchgearbeitet. Da 2019 krankheitsbedingt genauso schlecht lief wie das Coronajahr 2020 mit seinen Lockdowns bekomme ich keine Unterstützung vom Staat, für einen normal denkenden Menschen vollkommen unbegreiflich, für die deutsche Bürokratie kein Grund, sich um einen Härtefallausgleich zu bemühen. So werde ich jetzt auch noch für meine Krankheiten doppelt bestraft.

Anton G.Leitner_Schriftsteller

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Zu überleben, psychisch und physisch und wirtschaftlich. Und sich die Hoffnung auch von streckenweise dilettantisch agierenden KrisenmanagerInnen aus der Politik und ihrer unbeweglichen, kafkaesk anmutenden allmächtigen Bürokratie nicht nehmen lassen, was mir zunehmend schwerer fällt. Deshalb schreibe ich so viel wie selten in meinem Leben, denn wirklich relevante Literatur entsteht meines Erachtens ja immer in existenziellen Lebenssituationen, wie wir sie gerade erleben.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Ich breche ja eigentlich schon seit 2018 jährlich neu auf, nach so schweren Erkrankungen fühle ich mich mit 25 Kilo weniger gleichsam neugeboren, insofern hat mich die Coronakrise zu einem Zeitpunkt getroffen, als ich mich wieder in der Lage fühlte, ganze Bäume auszureißen. Der Lockdown hat dann ja alle Veranstaltungspläne ersatzlos vernichtet. Aber zunächst hoffe ich auf eine Impfung, sofern bis dahin Deutschland endlich ausdiskutiert hat, wer wann wo von wem womit in welcher Reihenfolge geimpft werden darf oder nicht. Literaturschaffende wie ich wurden vom hiesigen Staat schlecht, von ihren Leserinnen und Lesern allerdings sehr gut behandelt. Ohne deren Unterstützung und Solidarität hätte ich nach meinen Krankheitsausfällen die Coronakrise nicht mehr stemmen können. Insofern freue ich mich unbändig darauf, meinem Publikum nach der Krise wieder persönlich begegnen zu können. Mich verbinden mit diesen Menschen inzwischen viele Freundschaften, weit über die Grenzen Deutschlands hinaus. Und das gilt natürlich in ganz besonderer Weise für all meine Poetenfreundinnen und -Freunde. Gemeinsam werden wir dann dem Motto frönen: Ein Gedicht rettet den Tag.

Was liest Du derzeit?

Im Bereich der Prosa den Roman „Was uns erinnern lässt“ von Kati Naumann (HarperCollins Germany). Im Bereich der Lyrik kehre ich zurück zu meinen Lesewurzeln aus der Jugend, nämlich zu Charles Bukowski. Da lese ich parallel zum amerikanischen Orignal („Storm for the Living an the Dead“, herausgegeben von Bukowski-Kenner Abel Debritto bei ecco / HarperCollins) die deutsche Ausgabe „Dante Baby, das Inferno ist da. 94 unzensierte Gedichte“, erschienen im MaroVerlag, übersetzt von Esther Ghionda-Breger. Wunderbar politisch unkorrekte Gedichte in einer Zeit, in der manche damit beginnen möchten, die Märchen gendergerecht umzuschreiben.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

»Die Zukunft war früher auch besser.« und »Ein Optimist ist ein Mensch, der die Dinge nicht so tragisch nimmt, wie sie sind.« Zwei wunderbar treffende Zitate des Komikers Karl Valentin, vom offiziellen München lange Zeit unterschätzt, aber von den Münchnern selbst schon seit jeher geliebt. Und von mir natürlich auch.

Vielen Dank für das Interview lieber Anton, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Anton G.Leitner, Schriftsteller

Anton G. Leitner wurde 1961 in München geboren. Der examinierte Jurist lebt als Lyriker, Herausgeber und Verleger in Weßling (Landkreis Starnberg). Er publizierte bislang dreizehn Gedichtbände. Im April 2021 erscheint sein neuer Band »Wadlbeissn. Zupackende Verse« (Volk Verlag, München). Leitners Gedichte wurden in neun Sprachen sowie in diverse Dialekte (u. a. Schottisch, Londoner Cockney und Damaszenisch) übersetzt. Neben 28 Folgen der buchstarken Jahresschrift »Das Gedicht« edierte er über 40 Anthologien, zuletzt bei Reclam »Gedichte für alle Liebeslagen« (März 2021). Leitner wurde vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem »Bayerischen Poetentaler« und dem »Tassilo«-Kulturpreis der Süddeutschen Zeitung.

www.AntonLeitner.de

www.dasgedichtblog.de

www.dasgedicht.de

Foto_Volker Derlath_München

16.3.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Wir alle müssen eine Praxis des Lernens entwickeln“ Tatyana von Leys _ Künstlerin, Tegernsee/D 13.4.2021

Liebe Tatyana, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich steh meistens um 6 Uhr morgens auf, mach mich frisch für den Tag, brauche mindestens 3 Tassen Kaffee und lass Social Media vor Yoga und Gymnastik auf mich wirken. Im Laufe des Tages wird der „Gesundheitsblock“ nachgeholt, oft ergänzt durch Streifzüge am Tegernsee, wo ich seit einigen Jahren arbeite und lebe.

Nach der täglichen Routine im Haushalt fische ich im Netz ein paar wissenschaftliche oder philosophische Texte, die mich durch ihre erneuernden Gedanken stärken, um den ganzen Wahnsinn einer total absurden Welt auszuhalten. Dann treibt es mich in mein Studio, wo ich an meinen Leinwänden an der Serie „Posthuman Studies“ und „Transhumane Verstrickung“ arbeite, stets in Begleitung von Vorträgen oder Musik.

Zwischendurch ein kurzer Chat mit meinen, inzwischen erwachsenen Kids, die ich durch die neuen Bedingungen leider nur mehr selten sehen kann. (2 Söhne leben in Österreich, meine Tochter studiert in München).

Eine gesunde und abwechslungsreiche Küche ist mir wichtig, die ich gerne mit einem schrecklich komplizierten, höchst eigenwilligen WG-Bewohner in einem Haus am Tegernsee teile.

Relativ unspektakulär und doch verbunden, unter dem Titel: Lebe so, als wäre es dein letzter Tag!

Tatyana von Leys _ Künstlerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Akzeptanz! Das Corona Virus hat uns gezeigt, dass wir doch nicht so groß und wichtig sind.

Wir leben in einer Übergangsgesellschaft. Die Fragen diesbezüglich sind:

Gibt es nun einen moralischen Fortschritt oder nicht? Kann uns die Technik retten? Können wir uns eingestehen, dass wir nicht die Krone der Schöpfung sind? Können wir neu denken?

Einen plausiblen Zugang bieten uns Gedanken zum Trans- und Posthumanismus.

(In meinem Buch: „das kleine Buch zum neuen Denken“
ISBN 978-3-7460-5451-3 habe ich den Weg des Transhumanismus in Form von Essays beschrieben) – als Einstieg für weiteres gedacht.  

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?

Die Wahrnehmung von Kunst verändert sich durch neue Medien. Es ist die Geburt neuer Formen, virtueller Formen. Der virtuelle Raum des Digitalen hat die Realität eingeholt und ist Teil unserer Realität.

Was liest Du derzeit?

Ich studiere „Unruhig bleiben“ (die Verwandtschaft der Arten im Chthuluzän) von Donna J. Haraway

und  „Nietzschean Meditations/Untimely Thoughts at the Dawn of the Transhuman Era“ von Steve Fuller

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Wir alle müssen eine Praxis des Lernens entwickeln, die es uns ermöglicht, uns auf allen Ebenen weiter zu bilden – auf der geistigen, körperlichen und emotionalen.

Vielen Dank für das Interview liebe Tatyana, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Tatyana von Leys _ Künstlerin

Visual Artist – Tatyana Leys (tatyana-leys.com)

16.3.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Die Kunst schöpft aus der Natur“ Reinhard Trinkler_Künstler, Wien 13.4.2021

Lieber Reinhard, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Der hat sich eigentlich nicht großartig verändert im Vergleich zu jenem der Prä-Corona-Epoche. Ich bin nicht selten ein Nachtarbeiter, da herrscht Ruhe und es lenkt nichts ab, wie schönes Sonnenwetter, ein Ausflug in die Natur oder ein Museumsbesuch, der jetzt wieder möglich ist Gott sei Dank. Das heißt aber nicht, dass ich nicht auch tagsüber zeichne und male. Was wegfällt sind die Abendveranstaltungen wie Theater, Lesungen und Vernissagen. Die vermisse ich, aber ich zweifle nicht daran, dass sie in Zukunft wieder florieren werden.

Reinhard Trinkler, Künstler

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Nicht zu verzweifeln und nicht zu resignieren. Haltung bewahren und den Verstand benutzen, wäre nicht schlecht.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?

Die Kunst wird weiterhin eine Oase des Wahren, Schönen und Guten sein und ein Austrittsticket aus dem grauen Alltag (ebenso die Kultur) – sogar oder gerade dann, wenn sie unangenehme Themen behandelt bzw. behandeln muss, die sehr real und unmittelbar aus dem Leben gegriffen sind. Das geht einfach nicht anders. Sie ist etwas so Konstantes in der Geschichte der Menschheit. Man muss aber ebenso bedenken, dass es sie nur solange geben wird, solange es die Menschen gibt und diese sich nicht gegenseitig komplett zerstört haben und ihren Lebensraum. Denn dann passiert das, was man in Tschernobyl oder in Yucatan bei den Maya-Tempeln (und an anderen versunkenen Kulturen) bereits jetzt sieht, die Natur holt sich alles zurück. Das hat aber auch eine ganz besondere Poesie. Die Kunst schöpft aus der Natur, versucht sie zu ersetzen, wird aber letztendlich in einiger Zeit, in Millionen oder viel weniger Jahren selbst zu Natur.

Was liest Du derzeit?

Quer durch das Gemüsebeet, wie man so sagt: Sachbücher, Künstler-Biografien , die Bücher von Prof. Otto Koenig ebenso wie Bücher über Theatergeschichte, die Maya und Azteken. Je nachdem, was mich gerade inspiriert.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Ein Satz aus einer Fernsehsendung von Prof. Otto Koenig (österr. Verhaltensforscher) aus dem Jahr 1973 beschäftigt mich in diesen Zeiten, da er prophezeit hat, was jetzt eingetreten ist. Hier das Originalzitat: „Was ist das für eine Welt in der wir leben,in der ein Fortschritt gepriesen wird, in der von einer Zukunft gesprochen wird, von einem Wohlstand, der nur mit Gasmasken genossen werden kann…“ Koenig hat schon lange vor Greta Thunberg gewarnt vor der Zerstörung der (Um)Welt durch den Menschen. Viele haben ihn damals als Pessimisten abgetan, heute ist vieles eingetreten, wovor er gewarnt hat. Gasmasken tragen wir (noch) keine, aber ich bin zu sehr Realist, als das ich glauben könnte, die Menschheit als Ganzes wird sich in Zukunft bessern oder komplett umdenken. Ich würde mich dennoch nicht als „Schwarzseher“ einstufen und meine die vorangegangenen Worte nicht zynisch oder defätistisch. Sondern nach dem Motto: carpe diem.

Vielen Dank für das Interview lieber Reinhard, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Reinhard Trinkler, Künstler

https://reinhard-trinkler.de.tl/

Foto_Sven Eisermann

16.3.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com