„Die Kunst schöpft aus der Natur“ Reinhard Trinkler_Künstler, Wien 13.4.2021

Lieber Reinhard, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Der hat sich eigentlich nicht großartig verändert im Vergleich zu jenem der Prä-Corona-Epoche. Ich bin nicht selten ein Nachtarbeiter, da herrscht Ruhe und es lenkt nichts ab, wie schönes Sonnenwetter, ein Ausflug in die Natur oder ein Museumsbesuch, der jetzt wieder möglich ist Gott sei Dank. Das heißt aber nicht, dass ich nicht auch tagsüber zeichne und male. Was wegfällt sind die Abendveranstaltungen wie Theater, Lesungen und Vernissagen. Die vermisse ich, aber ich zweifle nicht daran, dass sie in Zukunft wieder florieren werden.

Reinhard Trinkler, Künstler

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Nicht zu verzweifeln und nicht zu resignieren. Haltung bewahren und den Verstand benutzen, wäre nicht schlecht.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?

Die Kunst wird weiterhin eine Oase des Wahren, Schönen und Guten sein und ein Austrittsticket aus dem grauen Alltag (ebenso die Kultur) – sogar oder gerade dann, wenn sie unangenehme Themen behandelt bzw. behandeln muss, die sehr real und unmittelbar aus dem Leben gegriffen sind. Das geht einfach nicht anders. Sie ist etwas so Konstantes in der Geschichte der Menschheit. Man muss aber ebenso bedenken, dass es sie nur solange geben wird, solange es die Menschen gibt und diese sich nicht gegenseitig komplett zerstört haben und ihren Lebensraum. Denn dann passiert das, was man in Tschernobyl oder in Yucatan bei den Maya-Tempeln (und an anderen versunkenen Kulturen) bereits jetzt sieht, die Natur holt sich alles zurück. Das hat aber auch eine ganz besondere Poesie. Die Kunst schöpft aus der Natur, versucht sie zu ersetzen, wird aber letztendlich in einiger Zeit, in Millionen oder viel weniger Jahren selbst zu Natur.

Was liest Du derzeit?

Quer durch das Gemüsebeet, wie man so sagt: Sachbücher, Künstler-Biografien , die Bücher von Prof. Otto Koenig ebenso wie Bücher über Theatergeschichte, die Maya und Azteken. Je nachdem, was mich gerade inspiriert.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Ein Satz aus einer Fernsehsendung von Prof. Otto Koenig (österr. Verhaltensforscher) aus dem Jahr 1973 beschäftigt mich in diesen Zeiten, da er prophezeit hat, was jetzt eingetreten ist. Hier das Originalzitat: „Was ist das für eine Welt in der wir leben,in der ein Fortschritt gepriesen wird, in der von einer Zukunft gesprochen wird, von einem Wohlstand, der nur mit Gasmasken genossen werden kann…“ Koenig hat schon lange vor Greta Thunberg gewarnt vor der Zerstörung der (Um)Welt durch den Menschen. Viele haben ihn damals als Pessimisten abgetan, heute ist vieles eingetreten, wovor er gewarnt hat. Gasmasken tragen wir (noch) keine, aber ich bin zu sehr Realist, als das ich glauben könnte, die Menschheit als Ganzes wird sich in Zukunft bessern oder komplett umdenken. Ich würde mich dennoch nicht als „Schwarzseher“ einstufen und meine die vorangegangenen Worte nicht zynisch oder defätistisch. Sondern nach dem Motto: carpe diem.

Vielen Dank für das Interview lieber Reinhard, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Reinhard Trinkler, Künstler

https://reinhard-trinkler.de.tl/

Foto_Sven Eisermann

16.3.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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