„Wir alle müssen eine Praxis des Lernens entwickeln“ Tatyana von Leys _ Künstlerin, Tegernsee/D 13.4.2021

Liebe Tatyana, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich steh meistens um 6 Uhr morgens auf, mach mich frisch für den Tag, brauche mindestens 3 Tassen Kaffee und lass Social Media vor Yoga und Gymnastik auf mich wirken. Im Laufe des Tages wird der „Gesundheitsblock“ nachgeholt, oft ergänzt durch Streifzüge am Tegernsee, wo ich seit einigen Jahren arbeite und lebe.

Nach der täglichen Routine im Haushalt fische ich im Netz ein paar wissenschaftliche oder philosophische Texte, die mich durch ihre erneuernden Gedanken stärken, um den ganzen Wahnsinn einer total absurden Welt auszuhalten. Dann treibt es mich in mein Studio, wo ich an meinen Leinwänden an der Serie „Posthuman Studies“ und „Transhumane Verstrickung“ arbeite, stets in Begleitung von Vorträgen oder Musik.

Zwischendurch ein kurzer Chat mit meinen, inzwischen erwachsenen Kids, die ich durch die neuen Bedingungen leider nur mehr selten sehen kann. (2 Söhne leben in Österreich, meine Tochter studiert in München).

Eine gesunde und abwechslungsreiche Küche ist mir wichtig, die ich gerne mit einem schrecklich komplizierten, höchst eigenwilligen WG-Bewohner in einem Haus am Tegernsee teile.

Relativ unspektakulär und doch verbunden, unter dem Titel: Lebe so, als wäre es dein letzter Tag!

Tatyana von Leys _ Künstlerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Akzeptanz! Das Corona Virus hat uns gezeigt, dass wir doch nicht so groß und wichtig sind.

Wir leben in einer Übergangsgesellschaft. Die Fragen diesbezüglich sind:

Gibt es nun einen moralischen Fortschritt oder nicht? Kann uns die Technik retten? Können wir uns eingestehen, dass wir nicht die Krone der Schöpfung sind? Können wir neu denken?

Einen plausiblen Zugang bieten uns Gedanken zum Trans- und Posthumanismus.

(In meinem Buch: „das kleine Buch zum neuen Denken“
ISBN 978-3-7460-5451-3 habe ich den Weg des Transhumanismus in Form von Essays beschrieben) – als Einstieg für weiteres gedacht.  

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?

Die Wahrnehmung von Kunst verändert sich durch neue Medien. Es ist die Geburt neuer Formen, virtueller Formen. Der virtuelle Raum des Digitalen hat die Realität eingeholt und ist Teil unserer Realität.

Was liest Du derzeit?

Ich studiere „Unruhig bleiben“ (die Verwandtschaft der Arten im Chthuluzän) von Donna J. Haraway

und  „Nietzschean Meditations/Untimely Thoughts at the Dawn of the Transhuman Era“ von Steve Fuller

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Wir alle müssen eine Praxis des Lernens entwickeln, die es uns ermöglicht, uns auf allen Ebenen weiter zu bilden – auf der geistigen, körperlichen und emotionalen.

Vielen Dank für das Interview liebe Tatyana, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Tatyana von Leys _ Künstlerin

Visual Artist – Tatyana Leys (tatyana-leys.com)

16.3.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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