Meistens unspektakulär: Um neun sitze ich mit Kaffee am Schreibtisch. Mittag gib es zwischen 12h und 14h. Nachmittags gehe ich eine Stunde spazieren. Manchmal denke ich, ich könnte auch Tagespläne für Altenheime schreiben.
Nora Bossong, Schriftstellerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Die Nerven zu bewahren.
Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Literatur hilft uns, Perspektiven zu wechseln, und das brauchen wir gerade dringend. Durch die Pandemie haben sich viele in ihre eigene Misere zurückgezogen, um irgendwie durchzukommen. Dadurch ging aber oft auch der Blick dafür verloren, dass es anderen schlecht, vielleicht sogar noch schlechter ging. Jede Gruppe kämpfte für sich. Das Bewusstsein für die eigene Verletzlichkeit zu bewahren, ohne dieses in ein gesellschaftliches Gegeneinander umschlagen zu lassen, wäre ein Ziel.
Was liest Du derzeit?
Gerade lese ich Habermas „Die neue Unübersichtlichkeit“ und lerne, dass auch die 80er schon mies waren. Retrospektiv wissen wir immerhin, dass der Atomschlag damals doch ausblieb. Wüssten wir ähnlich Erleichterndes über die Klimakrise, wäre uns wohl leichter ums Herz. Vielleicht fielen wir dann aber auch in Passivität zurück.
Welches Zitat, Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Als es noch darum ging, die Freiheit zu erringen, wusste man sehr gut, wen man zu fürchten hatte und was man dagegen tun konnte. Nun ist die Freiheit errungen, und es gilt, in ihr zu bestehen. Das ist eine ebenso großartige wie harte Aufgabe.“ Richard von Weizsäcker in seiner Weihnachtsansprache 1990.
Vielen Dank für das Interview liebe Nora, viel Freude weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Nora Bossong, Schriftstellerin
Nora Bossong, geboren 1982 in Bremen, studierte in Berlin, Leipzig und Rom. Sie lebt als freie Schriftstellerin in Berlin, veröffentlicht Romane, Essays und Gedichte und meldet sich regelmäßig zu aktuellen gesellschaftspolitischen Themen zu Wort. 2019 gelangte ihr Roman Schutzzone auf die Longlist des Deutschen Buchpreises. Bossong wurde vielfach ausgezeichnet, zuletzt mit dem Thomas-Mann-Preis (2020) und dem Joseph-Breitbach-Preis (2020). Sie ist Mitglied im ZdK und Kolumnistin des Philosophie-Magazins.
am 24. Februar 2022 erscheint bei Ullstein das Buch „Die Geschmeidigen – Meine Generation und der neue Ernst des Lebens“ von Nora Bossong.
(Info _Ullstein Verlag)
Foto_Heike Steinweg.
2.12.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.
Liebe Susanna, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Derzeit sehr gemixt. Einerseits sitze ich viel vor dem Computer und erledige Nacharbeiten, Subventionsabrechnungen oder schreibe Projektberichte für unser Festival theaterzeit//Freistadt. Gleichzeitig sind wir bereits am Planen für zukünftige Projekte, das betrifft einerseits die nächste Festivalausgabe 2023, aber auch u.a. ein größeres Filmprojekt. Parallel versuche ich mich in meinem neuen Autorendasein zurechtzufinden und mir einen groben Überblick zu verschaffen, was ich nun damit tun könnte, sollte oder müsste.
Wenn es sich irgendwie zeitlich ausgeht (viel zu oft bleib ich an meiner ToDo-List hängen) treffe ich mich mit Freund*innen. Und dann gibts viel Theater, Ausstellungen und kulturelle Veranstaltungen in meinem Terminkalender. Momentan versuche ich noch, so viel wie möglich rauszukommen und Sonne zu tanken, bevor die Wolkendecke Wien bis zum Frühling wieder mit einem Earl Grey-Schleier zudeckt.
Susanna Bihari_Schauspielerin, Festivaldirektorin, Autorin und Sprecherin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Impfen. Bitte! Ist es wirklich so schwierig zu verstehen, warum das jetzt mehr als sinnvoll wäre? Das geht mir nicht in den Kopf. Wir kommen nur gemeinsam aus dieser Situation raus und je früher, desto kollektiv unbeschadeter, lebendiger und verlustfreier.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater, der Literatur, der Kunst an sich zu?
Die zugespitzte politische Wackelsituation in Österreich kombiniert mit eineinhalb Jahren Pandemie rüttelt ordentlich an unser aller Nerven. Man muss davon ausgehen, dass die nächsten Jahre keine leichten sein werden. Der große Aufschrei der Kulturszene im vergangenen Jahr ist inzwischen ziemlich verebbt, weil für alle möglichen Bereiche eine zeitlang teilweise großzügig Gelder ausgeschüttet wurden. Dieses Budget wird aber natürlich zukünftig eingespart werden müssen bzw. fehlt es jetzt teilweise schon stark, da viel weniger Menschen das kulturelle Angebot nutzen und die Besucherzahlen oft trotz der Öffnungen ausgedünnt sind.
Das kollektive Mitfühlen, das in den ersten Zügen der Pandemie den Künstler*innen entgegengebracht wurde, ist im Laufe des Kampfes jede/r/s Einzelnen, die zunehmend nervenfordernde Pandemie halbwegs zu überleben, genauso verpufft wie die Anerkennung und der Applaus für das Krankenhauspersonal.
Bei einem Neubeginn nach dieser Krise ist sicher wichtig, die auseinander gedrifteten gesellschaftlichen Gruppen wieder zusammenzubringen, hier Kommunikation zu pushen. Schön wäre (!) eventuell auch eine Politik, in der es nicht um Machtkämpfe, sondern um konsensorientierte, produktive und professionelle gemeinsame Arbeit geht.
Die Rolle der Kunst darf man als verbindendes gesellschaftliches Element niemals unterschätzen. Sozialkritische Themen oder Probleme werden durch das künstlerische Sprachrohr von Musik, Literatur, Theater oder Malerei so vermittelt, dass wir Informationen nicht nur über unser Denken, sondern durch unsere Sinne, unsere Emotionen wahrnehmen. Es entsteht eine tiefgründigere Reflexion von Inhalten, als es z.B. im bloßen Gespräch möglich ist. Kunst hat Kraft, das dürfen wir niemals vergessen.
Was liest Du derzeit?
Wolf unter Wölfen / Hans Fallada
Fremdes Licht / Michael Stavaric
Der Geschichtenerzähler / Patricia Highsmith
Der lange Abschied / Raymond Chandler
Über den Schmerz / C.S. Lewis
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Wer in schönen Dingen einen schönen Sinn entdeckt, hat Kultur. Für solche besteht noch Hoffnung.
Oscar Wilde
Vielen Dank für das Interview liebe Susanna, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Theater-, Schauspiel-, Kunst-, Textprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Susanna Bihari_Schauspielerin, Festivaldirektorin, Autorin und Sprecherin
Foto_Johannes Siglär
4.11.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.
Liebe Cornelia, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Meine Tage folgen der Monotonie immer gleicher Abläufe. An ein ausgiebiges Frühstück als Eingangsvoraussetzung für einen gelingenden/geglückten Tag (Peter Handke) reihen sich Routinearbeiten, die ich rasch erledige, um mich dem Lesen von Zeitungen/Büchern und dem Verfassen von Texten/Textfragmenten zu widmen.
Ich kann und möchte nicht für alle sprechen. Ich kann hier nur meine persönlichen Auffassungen darlegen. Wichtig erscheint mir, sich auf Wesentliches zu fokussieren und ab und an Prioritäten neu zu setzen. Komplexitätsreduktion, so wie es Niklas Luhmann formulierte.
Momentan konzentriere ich mich auf die zu lesenden Rezensionsexemplare und die zeitgerechte Abgabe der dazugehörigen Besprechungen. Das erfordert ein gewisses Maß an Struktur und Disziplin. Das im Kalender mit Signalgelb markierte Abgabedatum leuchtet jeden Tag auf, erzeugt Spannung.
Zeit, um mich von Negativmeldungen ablenken zu lassen, bleibt daher wenig. Ein gesundes Vertrauen in das Ende aller Katastrophen, so auch der Pandemie, mindert den persönlichen Stresslevel wesentlich und trägt dazu bei, den (stoischen) Tagesablauf konsequent durchzuziehen sowie eigens gesteckte Ziele zu erreichen, was am Ende des Tages für einen ruhigen Schlaf sorgt.
Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Gesellschaften unterliegen permanenten Veränderungen. Die „Baustellen“ des Neoliberalismus und Kapitalismus wachsen ununterbrochen. Die Pandemie hat die soziale Spaltung innerhalb gesellschaftlicher Ungleichheiten zunehmend verstärkt. Wichtig erscheint mir, solidarisch zu handeln und einen achtsamen Umgang mit Menschen und der Natur zu pflegen. Politisch gilt es, künftig die richtigen Weichen zu stellen, insbesondere den Ausstieg aus der Atomenergie zu forcieren. Das Theaterstück „Tschernobyl“ (Werk X), welches im Oktober 2021 im Odeon gezeigt wurde, erinnerte an die Atomreaktorkatastrophe von 1986 in Tschernobyl. Die Folgen sind bis in die Gegenwart spürbar, die Schäden irreparabel. Diskussionen über die Weiternutzung von Atomkraftwerken, wie ich unlängst in einem Artikel las: „Kann Atomenergie eine grüne Alternative sein?“ (Wiener Zeitung, 6./7.11.2021), erzeugen Unverständnis (und Proteste!).
Literatur und Kunst haben die Aufgabe, politische Missstände auf´s Tapet zu bringen, zu benennen, anzuprangern. Sie ermöglichen, Welten und Utopien zu imaginieren, in denen ein solidarisches Miteinander selbstverständlich ist, Konkurrenzdenken aus der Mode gerät und ein gleichberechtigter, wohlwollender Umgang miteinander gelebt wird.
Die Zunahme von Gewalt, insbesondere gegen Frauen, empfinde ich als besorgniserregend. Einen wichtigen Schritt in Richtung Bewusstseinsbildung und im Aufbrechen tradierter Rollenbilder leistet hier durchaus Kinder- und Jugendliteratur. „Was Sara verbirgt“ von Kathrine Nedrejord, Urachhaus, 2021, steht beispielgebend dafür, wie Tabuthemen wie Vergewaltigungen literarisch bearbeitet werden können, um Diskussionen im gesellschaftlichen bzw. schulischen Kontext anzustoßen.
Was liest Du derzeit?
Täglich lese ich in Gesichtern der Menschen und versuche, ein Stimmungsbild unserer Gegenwart einzufangen. Gesichter als Seismographen gesellschaftlicher Zustände. Besorgte, verärgerte, ängstliche Menschen. Dazwischen Lichtblitze.
Terézia Mora spiegelt in „Fleckenverlauf“ (2021) ebenfalls ein Stimmungsbild. Sie erzählt darin vom Mangel an Zeit in der Mitte des Lebens, vom Umgang mit Freunden, der anfänglichen Bearbeitung von „Oberflächen“ in Gesprächen, um anschließend in die Tiefe gehen zu können. Dazu kommt es meistens nicht, da jede/r weiterzieht, mit sich selbst beschäftigt ist. Am Ende bleibt der schale Nachgeschmack von Einsamkeit.
Parallele Lektüre: „Stephen Hawking. Eine Biographie“ (2021), von Charles Seife, eine Art Rückkoppelung zu Raoul Eiseles wunderbarem Lyrikband „Einmal hatten wir schwarze Löcher gezählt“ (2021). Weitere Bücher sind zum Beispiel „Zwischen Schaumstoff“ von Didi Drobna (2014) und „Der Präsident“ von Clemens Berger (2020). Literarische Kostbarkeiten, die ich 2022 im Lesekreis des BÖS (Berufsverband Österreichischer Schreibpädagog*innen) mit Teilnehmenden besprechen werde.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Michel Foucault verweist in „Zur Genealogie der Ethik“ auf die Rolle der Kunst:
„Daß Kunst etwas Gesondertes ist, das von Experten, nämlich Künstlern gemacht wird. Aber könnte nicht das Leben eines jeden ein Kunstwerk werden? Warum sollte die Lampe oder das Haus ein Kunstgegenstand sein, nicht aber unser Leben?“ (Michel Foucault: „Zur Genealogie der Ethik“ in: Hubert Dreyfus/ Paul Rabinow: Michel Foucault: Jenseits von Strukturalismus und Hermeneutik. 1982/ Zitat Ausgabe 1987).
Vielen Dank für das Interview liebe Cornelia, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literatur-, Journalismusprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Cornelia Stahl verantwortet als Radiojournalistin die Sendung Literaturfenster Österreich beim Freien Radio Orange, Wien. Seit 2014 schreibt sie Rezensionen für bn-Bibliotheksnachrichten Salzburg, Die Alternative, AUGUSTIN und etcetera der LitGes, Literarische Gesellschaft St.Pölten. Zudem organisiert sie dort seit 2015 als Juryvorsitzende den Jugendliteraturwettbewerb LitArena. Letzte Veröffentlichung: Jahrbuch Lyrik, Edition Art Science, St.Wolfgang, 2021.
Foto_privat.
18.11.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.
Die sieben fulminanten Performer*innen legen in „Cfulnam&Up“ eine Wort- Bewegungs-, und Gesangsrevue im endlich wieder strahlenden Bühnenlicht hin, welche die Sterne vom trüben Winterhimmel reißt und mit Verve, Witz wie unglaublicher Zärtlichkeit und Dynamik des Ausdrucks begeistert!
Ausgehend vom persönlichen Dunkel der Scham, katapultieren die großartigen Darsteller*innen Emotion, Expression und Lebenslust in Musikgenres von Musical bis Disco, Chansons bis Punk und zerfetzen so gleichsam in „soul on fire“ alles Be- und Erdrückende eines Spiegel- und Selbstbildes.
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Es ist ein einmaliger Theaterabend, der in Ausschöpfung der Ideenkraft und Möglichkeiten modernen Theaters in der Verbindung von Wort, Bewegung und Musik ein „set the night on fire“ kreiert, welches das Publikum mit lang anhaltendem Applaus sehr, sehr dankbar begeistert bejubelt.
Eine Musikperformance als kollektive Seelenperformance zur richtigen Zeit, die von den Sitzplätzen reißt und mitschwingen lässt – schamlos!
Gratulation und danke für dieses „night on fire“ Theatergeschenk!
Welche Bedeutung hat das Wiener Cafè für Dich als Künstlerin?
Das Wiener Cafè war und ist immer auch ein Ort der Kunst. Viele Werke, Ideen der Literatur, des Theaters, der Musik, der vielen Formen von Kunst sind hier entstanden.
Das Cafè ist ein Ort der Begegnung, des Zusammenkommens. Dies trifft besonders für die Kunst zu.
Hier im Cafè Prückel befindet sich ja auch ein Theater im Untergeschoß. Ebenso im Cafè Landtmann und weiteren Cafès.
Das Cafè hier ist auch wie eine Zeitreise. Das ist Wiener Vintage im Original (lacht) und ist auch eine wesentliche Form von Kunst.
Die Innenarchitektur der Wiener Cafès ist etwas ganz Besonderes.
Das Wiener Cafè gibt es nur in Wien.
Du hast jetzt eine Clementine in das derzeit (Lockdown, Anm.) leere Cafè mitgebracht. Ist das Cafè für Dich auch ein Vitamin für Kunst und Leben?
Ja, das ist es, wie auch die Theater, Museen, die Architektur und vor allem die Menschen der Stadt, das ist immer Inspiration.
Vitamin ist natürlich auch die umgebende Natur der Stadt, der Wienerwald. Zumindest einmal die Woche gehe ich da spazieren und tanke innerlich richtig auf. Ich komme da zur Ruhe.
Ein Stadtrhythmus muss für mich mit Natur verbunden sein.
Eine Stadt erfordert auch viel Kraft, nimmt auch. Die Natur gibt nur. Ich schätze diese Verbindung Von Stadtleben und Naturerleben in Wien sehr.
Was sind Deine derzeitigen künstlerischen Projekte?
Es war ein intensiver künstlerischer Sommer. Ich habe im Wiener Lustspielhaus Theater gespielt und war dabei auch in der Regieassistenz tätig.
Das war ein sehr spannender intensiver Prozess für mich. Täglich zu spielen, in jeder wechselnden persönlichen Tagesverfassung auf die Bühne zu gehen, war eine neue Herausforderung.
Theater ist kein Komfortzustand und es ist wichtig sich den inneren Emotionen zu stellen, auch den Ängsten, die damit verbunden sind. Jede Überwindung bringt einem, mich, da weiter. Das lässt mich künstlerisch reifen und macht mich stärker. Das war jetzt vielleicht etwas pathetisch ausgedrückt (lacht).
Derzeit drehe ich eine Dokumentation zum Thema Rituale. Dabei stehen vor allem die Rituale von Künstler*innen vor und nach Auftritten im Mittelpunkt.
In den Interviews zur Dokumentation merke ich, dass viele Rituale gar nicht bewusst sind. Erst in der Aufzählung dann kommt es zum Bewusstsein wie sehr Rituale ein Teil des künstlerischen Prozesses sind.
Ich habe Rituale gefilmt und Interviews geführt. Diese Dokumentation ist Teil meines Master Studiumabschlusses.
Auch arbeite ich hinter der Kamera und bin bei verschiedenen Drehs dabei.
Welche Rituale hat Judith Thaler vor einem Bühnenauftritt oder vor einem Fotoshooting?
(lacht) Eine Bühne, auch ein Fotoshooting, hat immer viel mit persönlicher Energie zu tun und da muss dieser Schalter in mir Klick-machen. Wenn es das tut, ist es ein Energierausch.
Bei Bühnenauftritten ist für mich das Anziehen des Kostüms so ein Ritual des Vorbereitens, Einstimmens.
Ebenso sind Stimmübungen für mich vor einem Auftritt wichtig.
Die Stimme ist ein ganz besonderer Raum und diesen zu betreten bei einem Bühnenauftritt, da nehme ich mir Raum und Zeit davor und dafür.
Gehört-Zu-Werden ist ganz wesentlich in der Kunst, gut gehört zu werden.
Was sind Deine derzeitigen musikalischen Projekte?
Es gibt derzeit ein paar Ideen ein Ensemble betreffend, aber das ist noch nicht spruchreif.
Seit acht Jahren singe ich in einem Chor. Wir arbeiten derzeit an der H-Moll Messe von J.S.Bach, die sehr anspruchsvoll ist.
Im November haben wir im Stephansdom das Mozart Requiem gesungen.
Bach und Mozart, das ist auch ein ganz besonders Einlassen auf Komposition wie Komponisten. Die Anforderungen für die Stimme sind ganz andere und es ist sehr schön da gleichsam eine musikalische Denkweise mit- und erleben zu dürfen.
Was nimmst Du von solch einem intensiven Chorauftritt mit?
Ich nehme da viel Energie mit. Wenn man sich da wirklich darauf einlässt auf diesen Prozess der Musik, diesen Flow Zustand, dann ist es ganz besonders und schwer zu beschreiben.
Liest Du gerne?
Ja, ich lese sehr gerne. Aktuell lese ich mit Schwerpunkt Psychologie, etwa Werke von Erich Fromm. Paul Watzlawick schätze ich auch sehr. Von Verena Kast lese ich derzeit ein Buch über Angst. Ebenso lese ich die „Wolfsfrau“ von Clarissa Pinkola Estés.
Wenn Freunde Geburtstag haben (lacht), schenke ich derzeit gerne psychologische Bücher, etwa E.Fromm „Die Kunst zu lieben“, „Haben oder Sein“ oder eben „Die Wolfsfrau“ von Clarissa Pinkola Estés. Das ist ja auch sehr aktuell alles.
Wie gehst Du persönlich mit Kommunikation um?
Bei mir ist die Kommunikation fest im Körper verankert (lacht). Ein Freund sagte neulich zu mir als ich erzählte und mich bewegte „Du erzählst immer ganz mit Dir“ (lacht). Ja (lacht).
Ich habe auch impulsive Seiten und bin da sehr direkt.
Ich kommuniziere auch gerne mit Fotos und verschicke diese dann – „Wo bist Du gerade? Oder wie geht es Dir gerade?“
Man kommuniziert ja mit viel mehr als nur der verbalen Sprache. Für mich ist körperliche Präsenz und Bildsprache im Ausdruck sehr wichtig.
Wie siehst Du die Wege und Ängste in der Kommunikation heute in Liebe und Leben?
Liebe ist immer Kommunikation, mit und ohne Worte. Es gibt da kein Nicht-Kommunizieren.
Liebe ist immer ein Risiko.
In der Liebe, in Beziehungen ist bewusste Kommunikation ganz wichtig.
Sich zu öffnen in der Liebe, diesem Risiko, auch Ängsten gegenüber, ist wesentlich. Sonst gibt es keinen Gewinn nur Verlust.
Der Gewinn in der Liebe ist Nähe, ist das Verstandenwerden.
Es gibt kein vollständiges Verstehen in der Liebe. Aber Menschen können sich annähern in der Liebe. Das ist sehr viel und es ist sehr wertvoll.
Zeit und Aufmerksamkeit zu schenken, zuzuhören, das ist das Geschenk der Liebe.
Wir nähern uns in der Liebe mit Neugierde. Uns selbst und einander.
Die meisten unserer Ängste in der Liebe sind unbewusst.
Ich versuche mich aus der unbewussten Unmündigkeit im Weg der Nähe zu befreien, in dem ich versuche hinzusehen – „ah, da ist eine Angst oder da habe reagiert, weil ich getriggert wurde“.
Ängste verschließen den Menschen. Und das Leben ist zu schön, um sich zu verschließen. Und das Leben ist zu kurz dafür (lacht).
Ängste bewusst zu machen, ist der Weg der Weiterentwicklung und Stärke zu gewinnen.
Liebe ist das schönste Risiko.
Liebe ist der schönste Gewinn, um ein Risiko einzugehen.
Wie gehst Du mit dem Risiko in der Liebe um?
Für mich ist die Liebe, eine Beziehung, eine bewusste Entscheidung. Das ist Voraussetzung, um mich zu öffnen und geben zu können. Das Damokles Schwert des Scheiterns ist immer dabei.
Es gibt keine Garantie in der Liebe. Das wäre anmaßend.
Es ist erlaubt sich zu entlieben. Wenn man sich committet hat, kann es trotzdem ein Loslösen geben.
Stagnation ist ein innerer Tod.
Der Titel dieser Wiener Interviewreihe „Vienna Calling“ nimmt auf die Musikepoche der 1980er Jahre Bezug. Gibt es Musikepochen moderner Musik, die Dich inspirieren?
Ich höre da gerne in und zwischen den Musikepochen hindurch. Eine bestimmte Vorliebe gibt es da nicht.
Mir ist allerdings bei vielen Popsongs schnell langweilig. Ich kann sie dann nicht mehr hören. Weil es so vorhersehbar ist (lacht).
Früher hörte ich etwa gerne Pink Floyd und ich mag auch klassische Musik sehr gerne.
Komponierst, textest bzw. schreibst Du auch selbst?
Ich habe lange Geige gespielt und auch E-Geige in einer Band.
Bisher habe ich noch nicht so viel getextet.
Im Moment schreibe ich nur meine Masterarbeit (lacht) und Tagebuch.
Du bist in Wien geboren und aufgewachsen. Was bedeutet Dir diese Stadt?
Wien ist für mich Heimat.
Es sind die Freunde, Orte, die Wien zum Zuhause machen.
Ich bin in Wien viel umgezogen. Auch Kärnten war und ist immer ein Bezugspunkt, das Haus der Großeltern.
Es ist urschön, wenn man ein soziales Netz hat ob in der Stadt oder auf dem Land.
Darf ich Dich zu spontanen Assoziationen zu „Vienna Calling“ bitten?
„Wien wartet“ (lacht).
Es ist eine Superstadt mit vielen Möglichkeiten.
Gibt es Lieblingsplätze von Dir in Wien?
Ich schätze die Weinberge um Wien und auch die Parkanlagen. Da gehe ich gerne spazieren. Und es gibt viele weitere Plätze, die ich gerne mag (lacht).
Ich bin sehr gerne in der Natur in Wien. Auch im grünen Innenhof meiner Wohnung.
Kunst begleitet Dich im wahrsten Sinne des Wortes auch bis in die Fingerspitzen. Du hast auch die Ringe an Deinen Fingern selbst hergestellt. Wie führte Dein Weg zur Kunst?
Ich habe eine Waldorfschule besucht. Da gab es besondere Unterrichtsfächer wie etwa Sternenkunde oder auch Praktisches wie Gartenarbeit. Auch das Klassenzimmer war immer nach den Jahreszeiten geschmückt. Daher kommt vielleicht auch mein Interesse an Ritualen? (lacht)
Ich habe in der Schulzeit eine Ästhetik erlebt, die auch etwa vom umgebenden Park geprägt war. Das hatte eine Schönheit und Wärme. Und Kunst kann das auch.
Dieser Weg der Schönheit in der Kunst im Entdecken, Erleben und Fortschreiten ist ganz besonders.
Der Kunstbereich ist auch deshalb mein Berufs- und Interessensfeld geworden, weil dieser meiner Neugierde Raum gibt.
Kunst ist ein großer Raum der Fantasie, der nicht beschränkt ist. Natürlich spielen Rahmenbedingungen, formale Voraussetzungen eine Rolle.
Vom Geistigen her gesehen, ist Kunst ein unendlicher Raum der Fantasie, aus dem man schöpfen kann.
Man hat in der Kunst nicht diese Grenzen unserer Gesellschaft. Und genau das interessiert mich. Darin steckt das Potential der Kunst.
Ich war nie eine Person, die sagte, dies will ich machen und nichts anderes. Ich habe viele Interessen und öffne diese so weit es möglich ist.
Die visuelle Kunst ist derzeit mein Schwerpunkt.
Du trägst mehrere Ringe. Gibt es da besondere Bezüge, über die Du sprechen möchtest?
Ich habe die beiden Silberringe in einer Goldschmiedewerkstatt hergestellt, habe mich intensiv damit beschäftigt.
Ein weiterer Ring ist von einem Roadtrip durch die USA. An einer Tankstelle im Nirgendwo verkaufte eine Frau Silberringe, die sie aus Löffelchen herstellte. Ich habe da zwei gekauft. Einen habe ich leider am Flughafen verloren.
Den einen Ring mag ich besonders, weil er nicht so perfekt gemacht hat aber so viel Schönheit hat.
Ich mag die unterschiedlichen Formen meiner Ringe, sie spiegeln meine Persönlichkeit (lacht).
Und ich fühle mich mit meinen Ringen immer gut angezogen (lacht).
Ein Schmuck stärkt auch.
Kunst, Stadt und Natur haben eine große Bedeutung für Dich. Haben da auch die Jahreszeiten eine besondere Akzentuierung, Schwerpunktsetzung?
Der Herbst und Winter sind Zeiten der inneren Einkehr und der Ruhe für mich. Auch der Reflexion, Analyse und der Regeneration.
Ich finde es auch schön, wenn es jetzt früher dunkel wird. Dieser besondere Rhythmus, das darf alles sein.
Der Winter hat einen ganz eigenen Geistesprozess, den ich sehr schätze.
Diese ruhigen Jahreszeiten sind auch ganz wesentlich für künstlerische Projektprozesse. Da ist viel stille Konfrontation und damit auch innere Produktivität.
Die Jahreszeiten spiegeln unser Leben in Emotion, Denken, Liebe und Stille.
Ein neues Jahr steht bevor. Welche Pläne, Ziele, Wünsche hast Du?
Beruflich ist es jetzt die Fertigstellung meines Films. Und ich bin neugierig auf neue Projekte.
Ich hoffe das Neue Jahr ermöglicht auch kontinuierliche Projektprozesse. Derzeit ist ja leider vieles immer on hold.
Es gibt im Leben schwierige Phasen, Krisen, doch dann kommt wieder der Frühling und damit neue Kraft und Stärke. Ich freue mich auf das Neue Jahr und neue Möglichkeiten und wünsche dies uns allen!
Liebe Ulrike, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Kommt darauf an, was zu tun ist, zum Glück sind in meinem Beruf die Tage immer unterschiedlich. Am Tag erledige ich meistens Büroarbeiten, schreibe oder ich produziere Kolumnen für das Radio. Am Abend sind dann Lesungen oder Auftritte oder nichts von alldem findet statt, dann ist meistens was anderes.
Ulrike Haidacher _ Schriftstellerin/Kabarettistin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Wir könnten uns weniger an der Empörung über die jeweils anderen erfreuen.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Ich glaube nicht, dass die Literatur oder die Kunst eine einzige bestimmte Aufgabe hat. Aber eine könnte sein, das was passiert, zu begleiten und zu benennen, von möglichst vielen unterschiedlichen Menschen aus möglichst vielen unterschiedlichen Blickwinkeln.
Was liest Du derzeit?
„Es muss schreien, es muss brennen“ von Leslie Jamison.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Noch immer gut: „Wir sind in die Welt gevögelt und können nicht fliegen“ vom Werner Schwab
Ulrike Haidacher _ Schriftstellerin/Kabarettistin
Vielen Dank für das Interview liebe Ulrike, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literatur-, Kabarettprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Leben braucht Gedächtnis. Und Gedächtnisorte. Friedhöfe sind solche sehr persönlichen wie auch über Jahrzehnte, Jahrhunderte kulturgeschichtlich gewordene Denkmäler als stilles wie waches Erinnern an Lebensraum, Lebenswege und Lebensträume, in leichter wie schwerer Erde.
Der Kärntner Historiker Ferdinand Kühnel legt mit „Ruhe in Frieden?“ eine fundierte wissenschaftliche Bestandsaufnahme kulturgeschichtlichen Erinnerns mit Schwerpunkt Friedhofskultur in Kärnten vor. Thematisch stehen dabei slowenische Grabsteine wie Erinnerungsspuren im regionalen röm.kath. Kirchenbereich im Mittelpunkt.
Es ist eine beeindruckende Studie in Wort und Bild, die in ihrer Bandbreite und dem dazugehörigen Forschungsaufwand größten Respekt zollen lässt. Da verbindet sich Forschungsanliegen mit einem großen Herz an Verbundenheit zu Land und Kultur.
Das Buch bietet in seiner chronologischen Anordnung mehrere spannende Zugänge. Einerseits als wissenschaftliche Aufarbeitung und Fragestellung, anderseits auch als besonderer Reiseführer zu Kultur und steinernem Gedächtnis eines Landes.
„Ein beeindruckendes Werk zu Tod, Gedächtnis und stillem Herz eines Landes“
Berlin. Grunewald. Da ist das Wasser und der Weg in den Wald zum Friedhof, Grunewald Forst. Dann das Grab „Nico 1938 – 1988“. Begraben gemeinsam mit ihrer Mutter. Es ist still hier und die Wege im Wald verlieren sich leicht. Die Wege zu Nico, dem Model Superstar, der Sängerin, der Poetin verlieren sich ebens leicht…Wer war sie?
Ibiza 1988. Da sind die Gespräche an der Bar. Träume und Visionen der Sängerin. Ein Musikprojekt mit David Bowie. Ein Buch. Er sitzt ihr Gegenüber, schreibt alles auf. Die Kindheit im Krieg, der Weg als Model nach Paris, dann nach Rom und schließlich der neue Weg in New York, Andy Warhol, die Kunst, und die Musik, Velvet Underground…
Da sind Begegnungen, etwa mit Jim Morrison, Gespräche und jetzt all die Erinnerungen. Alle Orte und Gesichter kommen wieder…ein Leben in Bildern, schnell, ohne Kompromisse…
Alles erzählen, wie es war… – „Die Sängerin der Nacht“….
Die Berliner Journalistin und Übersetzerin Mari Roth legt mit „Nico – Die Sängerin der Nacht“ ihren Debütroman vor, der in Spannung und Sprachkraft ein kompromissloses Künstlerinleben und –sein mitreißend erzählt. Beeindruckend ist dabei einerseits das Detailwissen über Biographie und Musik-, Kunstgeschichte der Zeit wie anderseits die sprachliche Komposition, die in Ansprache und Rhythmik, Geheimnis und Dramatik, an ein Konzert der Sängerin selbst erinnert.
„Ein mitreißender Roman über ein kompromissloses wie charismatisches Künstlerinleben – ein Ereignis!“
Lieber Martin, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Nicht viel anders als zu „normalen“ Zeiten. Nachdem meine Tochter in die erste Klasse geht und ich sie jeden Tag zur Schule bringe, stehe ich – ungewöhnlich für einen Musiker – gegen ¾ sieben auf. Mehrmals pro Woche laufe ich dann gleich am Morgen zwischen 8-10 Kilometer, das macht frisch im Kopf und ich bin oft auch schon während des Sports kreativ. Nicht wenige meiner Songs und Texte entstanden zumindest in Teilen während des Laufens.
Ansonsten versuche ich in der konzertfreien Zeit,mir so viel Normalität wie möglich zu erhalten. Jeden Tag mehrere Stunden für die Musik, ob in Form von kreativer Arbeit wie Songwriting oder Komposition sowie auch notwendiges wie Social Media und Organisation.
Martin Nero, Musiker und Komponist
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
In Bewegung bleiben, kreativ bleiben, sich nicht resignativ eingraben. Offen bleiben , nicht in simplen Schwarz/ Weiss – Schemata, sondern differenziert und vor allem selbst denken. Und das allerwichtigste: Freundschaft und Zusammenhalt. Im Prinzip also alles, wofür es Ausdauer, Tiefe und Auseinandersetzung braucht – und das man sich mit keinem Geld der Welt kaufen kann.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?
Ich glaube seit jeher (von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen) nicht daran, das Musik bzw. Kunst die Kraft hat, die Welt zu verändern, sondern dies individuell in einzelnen Personen geschieht – und in diesen Menschen dann die Welt verändert. So wie es auch bei mir geschehen ist. Wenige Töne genügen manchmal, um Emotionen zu erzeugen, die einzigartig sind – nichts außer Musik verfügt über eine solche Kraft.
Was liest Du derzeit?
„Nevernight“ von Jay Christoph und „Eine kurze Geschichte der Zeit“ von Stephen Hawking – also Fantasy und Naturwissenschaft, viel weiter auseinander gehts vermutlich nicht…
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Es geht ned ums herzeigen, es geht immer nur ums spüren“ aus dem Rautöne – Song „Nimm da a Foab“. Du kannst noch so viel kaufen, es wird dich nicht zufriedener machen. Aktueller den je und vermutlich das, was immer mehr Menschen genau so empfinden.
Martin Nero, Musiker und Komponist
Vielen Dank für das Interview lieber Martin, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Martin Nero, Musiker und Komponist
rautoene.net
facebook.com/martin.nero.music
Fotos_Thomas Cadek.
2.12.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.
Lieber Jakob, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Als der erste Lockdown kam, hab ich es ehrlich gesagt sogar ein wenig genossen, spät aufzustehen, in den Tag hinein zu leben, oder einfach vor der Glotze zu hängen. Mittlerweile habe ich mir einen Tagesablauf zurecht gelegt, um kreativ am Ball zu bleiben und mich mit wichtigeren Dingen zu beschäftigen. Ebenso wichtig ist mir Bewegung, d.h. rausgehen, frische Luft, neue Gedanken oder den Kopf einfach mal frei zu bekommen. Darauf achte ich jeden Tag. Die Uhrzeit und die Reihenfolge spielt da eher eine Nebenrolle 🙂
Jakob Elsenwenger, Schauspieler
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Nun ich denke, dass Zusammenhalt und respektvoller Umgang Miteinander wichtiger sind denn je. Wir sollten uns nicht spalten lassen und wieder mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede finden.
Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/ Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Wir werden wohl oder übel mit diesem Virus umgehen lernen müssen! Ich denke nicht, dass Corona von heute auf morgen verschwinden wird. Mit Hygienekonzepten etc. haben viele Häuser einen Spielbetrieb ermöglicht und das Publikum steht uns wacker zur Seite. Für mich ist offensichtlich, dass da in der Politik einiges (milde gesagt) schiefgelaufen ist. Es ist jedoch selten zu spät sich zu entschuldigen und sich Fehler einzugestehen.
Die Kunst und damit meine ich all meine KollegInnen, aus den verschiedensten Sparten/Abteilungen etc., ist nicht tot zu kriegen. Wir werden unser Publikum weiter zum Lachen, Weinen und Nachdenken anregen. KUNST IST LEBEN und das Leben ist Kunst!
Was liest Du derzeit?
STAN – von John Connolly
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtet Du uns mitgeben?
„Es ist der Reiz des Lebens, dass man nicht alles für selbstverständlich hält, sondern noch bereit ist, sich zu wundern.“ -Loriot
Vielen Dank für das Interview lieber Jakob, viel Freude weiterhin für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Jakob Elsenwenger, Schauspieler
Foto_Andreas Hunger.
2.12.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.