„Die Rolle der Kunst darf man als verbindendes gesellschaftliches Element niemals unterschätzen“ Susanna Bihari, Schauspielerin _ Wien 17.12.2021

Liebe Susanna, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Derzeit sehr gemixt. Einerseits sitze ich viel vor dem Computer und erledige Nacharbeiten, Subventionsabrechnungen oder schreibe Projektberichte für unser Festival theaterzeit//Freistadt. Gleichzeitig sind wir bereits am Planen für zukünftige Projekte, das betrifft einerseits die nächste Festivalausgabe 2023, aber auch u.a. ein größeres Filmprojekt. Parallel versuche ich mich in meinem neuen Autorendasein zurechtzufinden und mir einen groben Überblick zu verschaffen, was ich nun damit tun könnte, sollte oder müsste.

Wenn es sich irgendwie zeitlich ausgeht (viel zu oft bleib ich an meiner ToDo-List hängen) treffe ich mich mit Freund*innen. Und dann gibts viel Theater, Ausstellungen und kulturelle Veranstaltungen in meinem Terminkalender. Momentan versuche ich noch, so viel wie möglich rauszukommen und Sonne zu tanken, bevor die Wolkendecke Wien bis zum Frühling wieder mit einem Earl Grey-Schleier zudeckt.

Susanna Bihari_Schauspielerin, Festivaldirektorin, Autorin und Sprecherin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Impfen. Bitte! Ist es wirklich so schwierig zu verstehen, warum das jetzt mehr als sinnvoll wäre? Das geht mir nicht in den Kopf. Wir kommen nur gemeinsam aus dieser Situation raus und je früher, desto kollektiv unbeschadeter, lebendiger und verlustfreier.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater, der Literatur, der Kunst an sich zu?

Die zugespitzte politische Wackelsituation in Österreich kombiniert mit eineinhalb Jahren Pandemie rüttelt ordentlich an unser aller Nerven. Man muss davon ausgehen, dass die nächsten Jahre keine leichten sein werden. Der große Aufschrei der Kulturszene im vergangenen Jahr ist inzwischen ziemlich verebbt, weil für alle möglichen Bereiche eine zeitlang teilweise großzügig Gelder ausgeschüttet wurden. Dieses Budget wird aber natürlich zukünftig eingespart werden müssen bzw. fehlt es jetzt teilweise schon stark, da viel weniger Menschen das kulturelle Angebot nutzen und die Besucherzahlen oft trotz der Öffnungen ausgedünnt sind. 

Das kollektive Mitfühlen, das in den ersten Zügen der Pandemie den Künstler*innen entgegengebracht wurde, ist im Laufe des Kampfes jede/r/s Einzelnen, die zunehmend nervenfordernde Pandemie halbwegs zu überleben, genauso verpufft wie die Anerkennung und der Applaus für das Krankenhauspersonal.

Bei einem Neubeginn nach dieser Krise ist sicher wichtig, die auseinander gedrifteten gesellschaftlichen Gruppen wieder zusammenzubringen, hier Kommunikation zu pushen. Schön wäre (!) eventuell auch eine Politik, in der es nicht um Machtkämpfe, sondern um konsensorientierte, produktive und professionelle gemeinsame Arbeit geht.

Die Rolle der Kunst darf man als verbindendes gesellschaftliches Element niemals unterschätzen. Sozialkritische Themen oder Probleme werden durch das künstlerische Sprachrohr von Musik, Literatur, Theater oder Malerei so vermittelt, dass wir Informationen nicht nur über unser Denken, sondern durch unsere Sinne, unsere Emotionen wahrnehmen. Es entsteht eine tiefgründigere Reflexion von Inhalten, als es z.B. im bloßen Gespräch möglich ist. Kunst hat Kraft, das dürfen wir niemals vergessen.

Was liest Du derzeit?

Wolf unter Wölfen / Hans Fallada

Fremdes Licht / Michael Stavaric

Der Geschichtenerzähler / Patricia Highsmith

Der lange Abschied / Raymond Chandler

Über den Schmerz / C.S. Lewis

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Wer in schönen Dingen einen schönen Sinn entdeckt, hat Kultur. Für solche besteht noch Hoffnung.

Oscar Wilde

Vielen Dank für das Interview liebe Susanna, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Theater-, Schauspiel-, Kunst-, Textprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Susanna Bihari_Schauspielerin, Festivaldirektorin, Autorin und Sprecherin

Foto_Johannes Siglär

4.11.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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