„Kunst kann man nicht abschalten. Nicht mal für einen Tag“ Katharina Köller, Schriftstellerin und Theatermacherin _ Wien 14.2.2022

Liebe Katharina, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Schwer zu sagen. Drei Dinge, die ich täglich mache: Aufstehen, Essen, Schreiben. Alles andere hat keinen so routinellen Charakter.

Katharina Köller, Schriftstellerin und Theatermacherin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Die Klimakrise aufhalten. Das Gesundheitssystem verbessern. Die Pflegeberufe aufwerten. Millionäre besteuern. Sich nicht über Impfgegner ärgern. Auf sich selbst und auf andere aufpassen, damit niemand zu viel Angst vor dem Blackout und den Verschwörungstheoretiker*innen bekommt.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Ich habe seit Beginn der Pandemie viel über die Systemrelevanz von Kunst gestritten. Viele gehen davon aus, dass man zuerst wichtigere Grundbedürfnisse decken muss, bevor man sich der Kunst zuwenden kann. Dabei stimmt das nicht. Niemand, kein Mensch kann ohne Geschichten, ohne Bilder oder ohne Musik leben. Und niemand tut es.

Über die sozialen Medien wurde voriges Jahr diskutiert, ob man alle Kunst für einen Tag offline stellen sollte, um den Leuten zu zeigen, wie dringend sie gebraucht wird. Das geht natürlich nicht. Online Content ist ja nur ein winziger Bereich der täglich konsumierten Kunst und man kann ja nicht in Privatwohnungen einbrechen und Galerien und Bibliotheken ausrauben, Festplatten mitnehmen oder Plattenspieler und Soundsysteme konfiszieren. Man kann niemandem seine Kopfhörer wegnehmen. Oder seinen E-Reader, oder Laptop. Nicht mal für einen Tag.

Mir haben diese Überlegungen gezeigt, dass Kunst so tief in jedem einzelnen Leben verwurzelt ist, so tief drinnen in den privatesten Räumen, in den intimsten Momenten, so wesentlich für alle täglichen Wege, so über allem stehend systemrelevant, in Aufbruch und Neubeginn genauso wie im immer gleichen grauen Alltag. Kunst kann Nahrung, Wärme, Sicherheit und Gesellschaft substituieren. Sie ist das aller Wertvollste, das wir haben und zum Glück ist sie auch noch unvernichtbar. Man kann sie nicht abschalten. Nicht mal für einen Tag.

Was liest Du derzeit?

Corona-News, Instagram-Beiträge, Standard, Falter und Facebook-Posts. Außerdem Recherche-Material für meine noch geheimen Texte.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

She told him to Stoppit and he Stoppited.

Katharina Köller, Schriftstellerin und Theatermacherin

Vielen Dank für das Interview liebe Katharina, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literatur-, Schauspielprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Katharina Köller, Schriftstellerin und Theatermacherin

https://katharinakoeller.wixsite.com/official

Fotos_ 1 Dominik Izaquiel Tomé; 2 privat.

10.1.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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