„ob es in der Nacht Luftalarm in Odessa gab“ Tamara Lukasheva, Musikerin _ Köln 9.6.2022

Liebe Tamara, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Das Allererste, was ich seit dem Kriegsanfang direkt nach dem Aufwachen tue – ich gucke auf mein Handy. Ich sehe dort, ob es in der Nacht Luftalarm in Odessa
gab und wie viele. Dann rufe ich meine Mutter an oder schreibe meiner Schwester,
ob alles ok ist. Erst danach fängt mein Tag an.

Ich mache mir Kaffee, sortiere meinen Tagesablauf und versuche zu arbeiten. Die
Nachrichten gucke ich mir erst abends, wenn der Tag vorbei ist, an. Sonst ist es
schwierig, mich auf die Musik zu konzentrieren.

Tamara Lukasheva, Musikerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Wir leben in der Zeit der Veränderung. Es ist nicht nur ein Wort, sondern eine große Umstrukturierung, die viel Kraft braucht, nun sehe ich es sogar eher positiv, weil, es wird schon wieder eine Chance geben, es endlich mal gut und richtig zu machen. Und damit verbinde ich solche globalen Aspekte, wie Klimawandel, Gerechtigkeit, Menschenrechte.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?

Die heutige Situation zeigt uns ganz klar, wer wir sind und wer unsere Mitmenschen sind. Die Masken sind weggefallen. Dabei sehe ich die Rolle der Kunst und Musik uns zu helfen auf einer tieferen Ebene zu reflektieren und zu sehen, dass wir eigentlich gar nicht so schlecht sind, wie wir uns vorkommen.

Dass wir gemeinsam was sehr Schönes und Wertvolles gestalten können. Dass wir zusammen lachen und weinen können, ohne uns überhaupt zu kennen und ein Wort miteinander austauschen müssen. Es geht uns alle an, egal von welcher Nationalität man spricht, und es ist wunderbar!

Was liest Du derzeit?

Neulich habe ich Gedichte von Marianna Kiyanovska über Babii Yar gelesen. Es ging um die Shoa im II.Weltkrieg. Erstaunlich und grausam ist es heute zu lesen, wenn vor allem solche Orte, wie Irpen’ oder Butcha genannt sind….

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Alles wird gut!

Tamara Lukasheva, Musikerin

Vielen Dank für das Interview liebe Tamara, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Tamara Lukasheva, Musikerin

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7.6.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Rom verstehen“ Das römische Reich in Infografiken. John Scheid/Nicolas Guillerat. dtv Verlag.

Es ist ein Weltreich, das 1500 Jahre lang Kontinente umspannte und das Leben von Mensch und Gesellschaft umfassend formte und bis heute prägt. Unterschiedliche Herrschaftsformen kennzeichnen den Zeitraum des römischen Reiches zwischen dem 8.Jahrhundert vor Chr. und dem 7.Jahrhundert nach Chr.. Es sind Persönlichkeiten, deren Namen bis heute klingen und deren Leben und Herrschaft im Lichte neuer Forschung auch neu zu beurteilen ist. Wie war es nun wirklich damals im römischen Reich? Wie lebten die Römer im Alltag? Wie war Leben, Gesellschaft, Religion, Wirtschaft, Militär organisiert?

Viele Fragen begleiten diese faszinierende Menschheitsepoche und viele Forschungsprojekte, Bücher, Dokumentationen, Filme gibt es dazu.

Der vorliegende Band zu römischer Geschichte in verschiedensten Blickwinkel ist nun ein ganz besonderes Projekt und Beitrag zur historischen Forschung. In einmaliger Weise verbindet dieses Sachbuch umfassende historische Information mit faszinierender Grafikkunst. Das Ergebnis ist ein großformatiger Überblicksband, der zu allen wesentlichen Aspekten römischen Lebens kompakte grafische Darstellungen bietet.

Es ist ein wunderbarer Zugang zu der so weiten und vielschichtigen Lebenswelt und -art der Römer und lässt auf eine ganz neue Weise in Zeit und Form eintauchen! Dazu ist herzlich zu gratulieren wie zu danken!

„Ein einmaliger Einblick in römisches Leben wie es ihn bisher noch nicht gab!“

Walter Pobaschnig

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„Worüber wir reden müssen, ist die Bezahlung von Musiker*innen“ Elke Galvin, Singer/Songwriterin_St.Veit an der Glan/K 8.6.2022

Liebe Elke, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich versuche, viel Bewegung und Frischluft in meinen Alltag zu bringen, weil ich merke, dass das auch meinen Geist beweglich hält. Also gleich in der Früh raus in die Natur, und wenn ich danach schreibe, dann zumindest 2-3 Stunden pro Tag am Stehpult. Ich arbeite gerade an meinem neuen Album in Kooperation mit einem australischen Produzenten – da erhalte ich meistens in der Früh die verarbeitete Version des „Rohstoffs“, den wir am Vorabend hingeschickt haben. Das ist sehr spannend! Gleichzeitig beginnt die Arbeit an der Artwork für das Album – man darf gespannt sein.

Tatsächlich läuft jetzt auch die Konzertschiene wieder an, und es ist viel unglamourös Administratives dafür zu erledigen. Gegen Nachmittag und Abend hin beginnt dann der künstlerische Teil – ich beschäftige mich mit meinen Songs. Ein Geschenk des Schicksals oder meiner Psyche ist, dass ich „Writer’s Block“ nicht kenne. Ich schreibe sehr viel neues Material. Um mich herum und in mir passiert so viel, das in Songs gefasst werden muss!

Elke Galvin, Singer/Songwriterin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich denke, wir müssen alle raus aus einer sich aufschaukelnden Reiz-Reaktion-Hyperventilation-Automatik. Diese ist so erschöpfend und destruktiv. Atmen wir doch durch, kommen wir zur Ruhe, lösen wir uns vom Zwang, sofort empört zu reagieren. Konzentrieren wir uns auf das Wesentliche – und das sind bessere zwischenmenschliche Beziehungen und Umwelt- und Klimaschutz. Eigentlich ist letzteres eine ablenkende Bezeichnung für das, worum es geht: Das Sicherstellen unseres eigenen Überlebens auf diesem Planeten. Als Band widmet sich „Galvin’s Garden“ auch diesem Thema, und zwar ganz praktisch. Wir setzen für jeden Gig 1 Baum. In Kürze werde ich Reforestationsprojekte in Irland besuchen, die ich unterstützen will. Ich bin zwar in England geboren, aber meine familiären Wurzeln liegen in Irland, und ich habe viel Zeit dort verbracht. Irland war ursprünglich bewaldet – bevor die Schiffe der britischen Flotte gebaut wurden. Und wir brauchen Wälder. Sauerstoff wird nicht in der Flasche gemacht!

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt der Musik, der Kunst an sich zu?

Kunst drückt aus, was gespürt im zwischenmenschlichen Raum schwebt. Diese diagnostische und/oder verändernde Kraft ist nicht zu unterschätzen! Wir Menschen sind künstlerische Wesen – alle! – und gerade in der Musik entsteht die Magie zwischen Musikern und Auditorium. Deswegen war ich so unglücklich ohne Livemusik, nur mit Online-Konzerten – da fehlte ein wesentlicher Teil meiner Performance: das Publikum.

In der Musik gibt es einerseits die Tendenz zur „Entmenschlichung“: Virtuelle NFT-Bands, getunte Stimmen und Körper, mittels Künstlicher Intelligenz geschriebene Hits, die von Plattenfirmen gepusht werden. Kommerziell durchaus sinnvoll – keine lästigen, unberechenbaren Künstler mehr. Diese Welle rollt auf uns zu. Gut finde ich diese Entwicklung nicht. Ich denke, sie löst Unbehagen aus, weil sie uns als Menschen nicht entspricht. Der Unterschied ist wie engineered Fast Food zu ursprünglichem Essen.

Andererseits findet in der Musik eine ungeheure Do-It-Yourself-Bewegung statt. Jeder kann heute Songs schreiben, aufnehmen und veröffentlichen. Das finde ich gut. Darauf gehört stärker mit neuen Formaten reagiert. Es ist doch spannend, wie viel einzigartige Musik geschaffen wird.

Worüber wir reden müssen, ist die Bezahlung von Musikern. Es ist doch absurd, dass ausgerechnet dort, wo sich die Musik mehr und mehr abspielt – nämlich digital – kein vernünftiges Einnahmenmodell zu finden ist. Da muss etwas geschehen. Wir brauchen eine Lobby.

Band_ „Galvin’s Garden“

Was liest Du derzeit?

John Ironmonger: The Whale at the End of the World. Ein wunderschönes Buch, das ich jedem empfehlen kann. Ich habe es mit einem Lächeln aus der Hand gelegt.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Aus meinem Song „Nothing is Ever Perfect”:

“And yet we strive to create a broken kind of beauty

Some hindsight, explanation, some justification

And yet this crazy idea of how every life still matters,

Vielen Dank für das Interview liebe Elke, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Elke Galvin, Singer/Songwriterin

Elke Galvin ist eine österreichisch-britische Singer/Songwriterin, Ihre Band heißt „Galvin’s Garden“. Elke lebt in Kärnten und Oberösterreich.

Buy Galvin’s Garden: @bandcamp
Follow Elke Galvin: http://www.fb.com/elkegalvin
Follow & book Galvin’s Garden: www.fb.com/galvinsgarden or Instagram: @galvinsgarden or search #galvinsgarden
www.galvinsgarden.com

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2.5.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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Bachmannpreis 2022 _“Ich hoffe auf einen echten Dialog über Literatur“ Eva Sichelschmidt, Schriftstellerin _ Berlin 8.6.2022

Liebe Eva Sichelschmidt, herzliche Gratulation zur Teilnahme am Ingeborg Bachmannpreis 2022!

Wie gestalte sich der Text- und Bewerbungsprozess und wie hast Du Deine Teilnahmebekanntmachung erlebt? Welche Reaktionen gab es?

Jeder Text ist zunächst ein Hirngespinst, das auf Papier Form annimmt. Wenn an dem Textkorpus ausreichend gefeilt ist – und man wird nie genau wissen wann das ist, ob man wie der Steinmetz zu viel stehengelassen oder bereits Entscheidendes entfernt hat – zeigt man ihn mit klopfendem Herzen dem ersten Leser. Tritt man mit seinen Zeilen aus dem Privaten in die Öffentlichkeit, dann ist das Stress, aber in gewisser Weise ein positiver. Die Erleichterung und die Freude waren groß, als die Zusage zum Wettbewerb kam.

Eva Sichelschmidt, Schriftstellerin _
Bachmannpreisteilnehmerin 2022

Wie gehst Du jetzt auf den Wettbewerb zu? Welche besonderen Vorbereitungen wird es geben?

Schreiben, immer nur schreiben. Die Nominierung gibt mir Kraft, eine Kraft, die ich nutzen muss. Ich glaube an Konzentration. Ich gehe in mich und frage mich, warum tue ich das, was ich hier im Verborgenen treibe. Und warum will ich damit an die Öffentlichkeit? Ich arbeite gerade viel und kritisiere jede Nacht mich selbst. Das ist natürlich ein Trick, um so gut wie jeden Vorwurf schon einmal gehört zu haben.

Ingeborg Bachmann sagte zu den Anfängen Ihres Schreibens: „Manchmal werde ich gefragt, wie ich, auf dem Land großgeworden, zur Literatur gefunden hätte. – Genau weiß ich es nicht zu sagen; ich weiß nur, dass ich in dem Alter, in dem man Grimms Märchen liest, zu schreiben anfing, dass ich gern am Bahndamm lag und meine Gedanken auf Reisen schickte…“

Wo bist Du geboren, aufgewachsen und wo liegen die Anfänge, Wurzeln, Inspirationen Deines Schreibens?

Der Trost. Als ich ein kleines trauriges Kind war, tröstete es mich, wenn mir die Großmutter vorlas. Später hörte ich jeden Tag Märchenplatten und Kassetten, mit spannenden Geschichten oder Krimis. Aber ich schaffte es einfach nicht ein Buch zu lesen. Die Konzentration reichte nie für mehr als eine Seite. Als ich jedoch anfing zu schreiben, füllten sich die Blätter fast von allein. Und je mehr ich schrieb, umso besser konnte ich auch lesen. Stolz zeigte ich meine Geschichten den Erwachsenen, doch die waren entsetzt: Die Rechtschreibfehler (manche Buchstaben schrieb ich spiegelverkehrt) ließen sie so gut wie unleserlich erscheinen. Außerdem seien die Dinge, von denen ich berichtete, alle gelogen, so das Urteil. Da begann ich mich zu schämen. So sehr, dass ich für Jahre nichts mehr schrieb. Aber dafür las ich nun wie besessen. Ich bekam einfach nicht genug von den Lügen der Anderen, von denen ich bald wusste, dass sie unzählige Wahrheiten sind.

Als mein Vater gestorben war, konnte ich meinen ersten Roman beginnen.

Was ist Dir in Deinem Schreiben wichtig und welche aktuellen Projekte gibt es?

„Schreiben was wahr ist“ hat Ágotá Kristóf es genannt. Das ist so unendlich schwer! Man kann daran verzweifeln. Manchmal denke ich: Du musst einen Film machen, Bilder lügen nicht. Aber das ist bei genauerer Betrachtung natürlich auch nicht wahr. Dann wieder möchte ich musizieren können, um nur noch eine überschaubare Menge an Tönen zur Verfügung zu haben. Leider bin ich dafür erwiesenermaßen unbegabt. Also kehre ich jeden Tag wieder zurück zum Schreiben. Genauer, exakter werden, mutig werden und mutig bleiben, das ist die Devise.

Was kommt unbedingt auch in den Reisekoffer für Klagenfurt?

Die Hoffnung: Ich hoffe auf einen echten Dialog über Literatur. Einen wie ihn schon lange nicht mehr erlebt habe.

Eva Sichelschmidt, Schriftstellerin _
Bachmannpreisteilnehmerin 2022

Vielen Dank für das Interview! Viel Freude und Erfolg in Klagenfurt!

Bachmannpreis 2022 _ Teilnehmer:innenvorstellung:

Eva Sichelschmidt, Schriftstellerin _ Berlin/Rom

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Walter Pobaschnig, 31.5.2022

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„Granaten auf erblühende Felder“ Anne-Marie Kenessey, Schriftstellerin _ Give Peace A Chance _ Zürich 8.6.2022

GIVE PEACE A CHANCE

Granaten auf erblühende Felder

Im Frühling 2022 werden Minen

Verstreut dabei gebs Korn statt

Entwurzelung der Baum wirft mir



Polinas Taschentücher zu Alaine Polcz

Eine Schöne mit Schießpatronenkranz

Aufm Kopf wie viele werden zur Frau an der Front

Chor der Ausgehungerten das Davaj Csaszi

Echo der Unvergangenzeit – Her mit der Uhr!



All der Nachholbedarf an Freude. 



Comeback der Soldatensprache

Heute fällt mir nur der Knieschuss ein

Apollinaires erdolchte Taube wir fassten es

Nicht das Glück vor über dreißig Jahren in

Charkiw spielt die Violinistin Bachs Chaconne

Eine Verwaiste schmiegt sich an ihr Huhn.


Anne-Marie Kenessey, 26.5.2022

Anne-Marie Kenessey, Schriftstellerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Anne-Marie Kenessey, Schriftstellerin

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Walter Pobaschnig _ 26.5.2022.

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„Wir dürfen lachen“ Daniela Dangl, Schriftstellerin _ Waldviertel/AT 7.6.2022

Liebe Daniela, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Um 6:00 Uhr läutet mein Wecker. An jenen Tagen, an denen ich an einer humanberuflichen Schule unterrichte, fahre ich 35 Minuten zur Arbeit, unterrichte 5 – 8 Stunden/Tag, fahre heim, bereite vor, korrigiere, bin Mama, Haus- und Ehefrau, völlig unspektakulär. Manchmal quietscht das Hamsterrad, meistens ist es gut geölt.

Ich versuche, meinem Körper und meiner Seele Gutes zu tun, indem ich zum Denken in den Wald gehe. In guten freien Zeiten verlier ich mich in Texten, die ich lese oder schreibe.

Daniela Dangl, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich weiß es nicht.

Ich weiß nicht, wieviel WIR mein Denken inkludiert. Für das Umfeld, auf das ich mich beziehen kann – ein privilegiertes Umfeld by the way – finde ich Folgendes nicht verkehrt:

Wir tun gut daran, zu erkennen, dass sich mit mehr Wissen, mehr Erkenntnis unsere Meinung verändern darf, vielleicht sogar verändern muss.

Wir sollten verstehen, dass immer alles irgendwie zusammenhängt.

Wir müssen uns hinterfragen und Menschen, die das nicht tun, mit Skepsis begegnen.

Wir haben Verantwortung der Demokratie und der Gemeinschaft gegenüber.

Wer kann, soll helfen, wenn andere Hilfe brauchen.

Wir dürfen lachen.

Wir sollten vorsichtig sein, wenn PolitikerInnen, PhilosophInnen, KünstlerInnen auf alles eine Antwort haben.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Wesentlich ist, der lähmenden Hilflosigkeit in den Hintern zu treten! Die Angst vor Veränderung ist kein guter Ratgeber. Die Angst vorm Scheitern auch nicht. Wir brauchen Mut, Innovation, Menschlichkeit, globales Engagement – und wirkliches Handeln.

Kunst hat unterschiedliche Zugänge. Kunst kann unterhalten, kann Hebamme für die Emotionen, für die Energie des Auditoriums sein; sie lässt uns staunen, lachen, weinen; wir spüren uns intensiver. Das kann einen Anstoß geben, die Trägheit zu überwinden.

Kunst kann manipulieren; sie setzt Energie frei, die in jede Richtung genutzt werden kann. Kunst ist ein Instrument, sie kann das Beste und das Schrecklichste in uns zum Schwingen bringen.

Kunst kann genauer auf das Leben schauen, weil sich KünstlerInnen intensiv mit ihrer Welt auseinandersetzen und vielleicht dabei Oberflächen abkratzen. Kunst zeigt uns, was tiefer liegt. Manchmal verändert sich dadurch auch der Blick des/der Kunstschaffenden – und der RezipientInnen.

Kunst überschätzt sich aber auch gerne; laut Maslowscher Bedürfnispyramide wird sie erst relevant, wenn alles andere gedeckt ist. Und trotzdem: Kunst ist zutiefst Teil unserer Existenz.

Was liest Du derzeit?

Klausurarbeiten.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest du uns mitgeben?

Lichtung

manche meinen

lechts und rinks

könne man nicht velwechsern

werch ein illtum

(Ernst Jandl)

Vielen Dank für das Interview liebe Daniela, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Daniela Dangl, Schriftstellerin

Foto_Lisa Neudert.

10.5.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Bei mir Kind“ Peter Reutterer. Prosa. Bibliothek der Provinz.

Da ist der Blick in den Spiegel. Die Erinnerung. Die Mutter. Das Lesen in der Kirche. Und dann der Tod –

„Wir standen an der Grabeskante, gewillt, zu überleben. Rasch und radikal galt es, die Emotionen einzufrieren. Um gegen den Ansturm von außen und die Verzweiflung von innen gewappnet zu sein…“

Der Vater. Dienstpflicht. Das Oberhaupt. Kein Halt. Keine Grenzen. Seine Jugend und dann das Zerfallen des Körpers…

Wolfgang sagt, ich war still. Fleischwerdung. Demaskierung.

„Am Schreibtisch beginne ich von meinem Stummsein zu erzählen. Auf diese Weise verliere ich meine Sprachlosigkeit…“

Lebensfreude. Jahreszeiten. Trotz allem. Mit allem. Da und dort sein. Ein Leben…

Peter Reutterer, Schriftsteller und Musiker, gelingt mit „Bei mir Kind“ ein genial autobiographisch formal experimenteller Roman, der mit außergewöhnlicher Sprachwucht und -virtuosität in Lebensetappen, -, ereignisse und -erinnerungen gleichsam hineinkatapultiert und dabei in Erschütterung wie Spannung fesselt.

Die mosaikartig orientierte Erzählform ist eine sehr direkte, die im Wechselspiel von Schilderung, Erinnerung wie literarischen Referenzen Lebensbilder, Umrisse Kontur gewinnen, wie auch wieder im Fortgang eines Lebens verschwinden lässt.

Es ist ein mitreißender Blickwechsel im Spannungsfeld eines Lebens in großer Aufmerksamkeit, Kritik wie Empathie gegenüber der Existenz und Mit-Existenz in Ort, Zeit und gemeinsamen Weg.

„Ein autobiographischer Roman wie ein Sturm, der an größte österreichische Literaturtraditionen anschließt“

Walter Pobaschnig 6_22

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„Abkehr“ Simon Bethge, Schriftsteller _ Give Peace A Chance _ Frankfurt/Oder 7.6.2022

GIVE PEACE A CHANCE

Abkehr


Ganz wohl ist mir nicht dabei,

In dieser Form über etwas zu schreiben,

Von dem ich nur verstehe, was

Entlang meiner Timeline passiert



Periodisch wird das Grauen klarer;

Erfühle ich, was es heißen muss,

Abgeschnitten,

Clusterfucked und ganz allgemein

Erodiert zu sein, also innerlich



Aber



Charakter, zumindest meinen, bildet das nicht

Habe so viel Ähnliches – wenn es das gibt – über-

All gesehen und keine Schlüsse gezogen

Nein, mein

Charakter

Entfernt sich einfach


Simon Bethge, 26.5.2022

Simon Bethge, Schriftsteller

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Simon Bethge, Schriftsteller

Foto_Dave Grossmann

Walter Pobaschnig _ 26.5.2022.

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„Antisemitismus in Österreich nach 1945“ Christina Hainzl/Marc Grimm, Hentrich&Hentrich Verlag 2022

„Antisemitismus ist ein aktuelles Problem“ schreiben die Historikerin und Politologin, Leiterin des Research Labs „Society in Transition“ an der Donauuniversität Krems/AT, Christina Hainzl, und Marc Grimm, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Prävention und Intervention im Kindes- und Jugendalter an der Universität Bielefeld, in ihrem Vorwort zum aktuellen, wissenschaftlich sehr vielseitigen, Studienband zur aktuellen Situation des Antisemitismus und dessen Geschichte nach 1945 in Österreich.

Der Band umfasst Analysen unterschiedlicher Experten:innen aus den Bereichen Geschichte, Politologie, Religion und Kulturwissenschaft und beeindruckt in der Expertise von Geschichte, Analyse und Ausblick. Ebenso in der grundlegenden Erläuterung von historischen und gesellschaftlichen Kontexten in einer umfassenden Aufarbeitung von Datenanalysen, -erhebungen wissenschaftlicher Studien der letzten Jahrzehnte.

Es werden dabei konkrete politische Analysen wie auch weltpolitische Kontexte und generationenübergreifende Fragestellungen behandelt und in kritischem Dialog gebracht.

Die Vielfalt und die unterschiedlichen Forschungsansätze der Autor:innen ergeben so ein aktuelles wie perspektivenreiches Lesen und Verstehen von verschiedensten Tendenzen und Ereignissen der Gegenwart im unmittelbar gesellschaftlichen Leben, etwa in Sprache, Codes und Kommunikation.

„Ein beeindruckendes aktuelles Studienbuch, das umfassend fundiert und informiert wie auch zu Verantwortung und Stellungnahme, individuell und gesellschaftlich, auffordert“ 

Walter Pobaschnig 5_22

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„Das größte und eigentliche Schlachtfeld befindet sich in uns“ Marcel Mohab, Schauspieler _ Wien 6.6.2022

Lieber Marcel, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Wenn ich drehe, dann steh ich auf, geh aufs Set, komme zurück und geh schlafen. Wenn ich Theater probe steh ich auf, geh zur Probe, komme zurück und gehe… schlafen.

Wenn ich frei hab, was Gott sei dank öfters vorkommt, steh ich auf und lebe in den Tag hinein, oder bin auf Reisen.

Marcel Mohab, Schauspieler, Comedian, Drehbuch Co-Autor

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Den Kampf mit sich selbst kämpfen, und nicht mit anderen. Das größte und eigentliche Schlachtfeld befindet sich in uns.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, dem Kabarett, der Kunst an sich zu?

Ich glaube nicht, dass dem Theater oder Kabarett heute eine gesellschaftsprägende Rolle zuteil wird. Daran ist aber nicht das Theater per se schuld.

Ich war letzte Woche in der Doku über Alexej Nawalny und war der einzige Besucher im Kino. 20.30 Prime Time! Bin alleine im Saal gesessen.

Wir sind eine Gesellschaft, die gerne wegsieht. Das fängt beim Blick des/der einzelnen auf sich selbst an und hört bei Netflix auf. Das ist ja nichts Neues. aber vielleicht ist der unbewusste Wille zur Verdrängung gerade historisch beispiellos. Who knows..

Was liest Du derzeit?

Ich lese gerade Donald Kalscheds „Trauma and the Soul.“ Kalsched ist ein Jungianer der  versucht das Psychologische mit dem Sprituellen zu verbinden. Das ergreifendste Buch was ich seit langen gelesen habe. Gleichzeitig versuche ich zum wahrscheinlich 10ten mal  Prousts „Combray“ zu lesen. Das ist der erste Teil seiner berühmten Suche nach der verlorenen Zeit. Leider ist es, wie jedes mal, furchtbar öde. Die Fallhöhe war allerdings hoch, denn zuvor habe ich drei Romane von Chimamanda Ngozi Adichie verschlungen. Sie ist für mich eine der hellsten und pointiertesten Schriftstellerinnnen unserer Zeit.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

To keep the mind empty is a feat, a very healthful feat too. To be silent the whole day long, see no newspaper, hear no radio, listen to no gossip, be thoroughly and completely indifferent to the fate oft he world is the finest medicine a man/woman can give him/herself.

Henry Miller

nicht erinnert werden

Wir haben einen zustand erreicht als gesellschaft, in dem wir keine antworten suchen. Nur zwischenlösungen. Anders gesagt: wir trauen uns nur noch fragen zu stellen auf die man

Marcel Mohab, Schauspieler, Comedian, Drehbuch Co-Autor

Vielen Dank für das Interview lieber Marcel, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Film-, Schauspiel-, Kabarett-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Marcel Mohab, Schauspieler, Comedian, Drehbuch Co-Autor

https://marcelmohab.com/

Fotos_2 u. 4 Tina Herzl; 1 privat; 3 someone.

19.5.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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