„Give me a moment to realize…“ Larissa Tomassetti, Künstlerin _ Give Peace A Chance _ Gmünd/Ktn. 19.6.2022

GIVE PEACE A CHANCE

Give me a moment to realize…

I had no idea something like that could happen again

Veeringly I am watching the war from outside

Everything seems like an unreal nightmare



Please let this cruelty end soon

Every life saved counts

Away with all these destructive acts

Can this world finally get better?

Every day new children are born



A wonderful fact that gives hope



Can we give peace a chance?

How real is the chance to save our planet?

Are we able to tame our egoism?

Nature is a wonder that needs to be protected

Can we finally let love rule?

Even if it’s a naive dream?



Larissa Tomassetti, 14.6.2022

„cohesive orbit”

Larissa Tomassetti “DS cohesive orbit”, Dynamic Stills-series 2021

Chaos and order determine our universe, everything seems to pulsate and constantly change. The circle holds the torn shapes together and resembles a black orbit that brings movement to rest

Interpretation:

The series of works “cohesive orbit” shows how fragile our world is. There are many levels, insights and outlooks, color tones, fractures, shadings or networks, all of which form a large, fragile whole. Space and time meet, overlap and determine each other. Everything is in dynamic motion and at the same time seems to stand still or keep returning. Cycles determine our existence, the life on our planet, every action has an impact, everything seems to be an interdependent part of a large „cohesive orbit“.

Formal analysis:

The first impression shows a fragile circle that holds together but seems fragile. The work consists of several levels that flow into each other, the foreground, middle and background show connecting lines. The vertical stripes add rhythm to the painting and create a flickering effect. the indicated circle seems to hold everything together, resulting in a cohesive unit. The colors are reminiscent of our earth seen from the universe. It reflects a golden light but the gold layer seems to be crumbling.

Technique:

A mixed technique of acrylic and oil painting is used in this work. Several layers of paint are applied one after the other and then removed again. The vertical stripes are created using a decollage technique.

Larissa Tomassetti, Künstlerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Larissa Tomassetti, Künstlerin

https://www.larissa-tomassetti.com/

Fotos_Larissa Tomassetti

Walter Pobaschnig _ 14.6.2022.

https://literaturoutdoors.com

„Mut! Mut zur Veränderung, Mut zur Hoffnung, Mut um durchzuhalten“ Ines Klary, Schauspielerin _ Wien 19.6.2022

Liebe Ines, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich habe normalerweise keinen regelmäßigen Tagesablauf. Und ich mag es so sehr gerne, da jeden Tag etwas anderes ansteht.

Ich beginne meinen Tag aber fast immer mit einer gemütlichen Tasse Kräutertee. Diese Woche hatte ich beispielsweise zwei Drehtage für einen Kurzfilm, eine Abendvorstellung im Theater Spektakel, einen Workshop mit einer Casting Direktorin aus Deutschland und ein ganztägiges Meeting mit meiner Kollegin Hannah Monty Bacher bezüglich der nächsten Produktion unseres gemeinsamen Künstlerinnenkollektiv RELIÉE.

Ich versuche jede Woche mindestens einen Tag zu finden, an dem ich meine „Büroarbeit“ erledigen kann, also das Verschicken von Bewerbungen, Fotoshootings planen, Casting- und Jobausschreibungen sichten, E-Mails beantworten usw. Auch ein ganz freier Tag in der Woche ist mir sehr wichtig (allerdings leider nicht immer möglich).

Ines Klary, Schauspielerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Mut! Mut zur Veränderung, Mut zur Hoffnung, Mut um durchzuhalten. Ich denke, dass Mut für uns in der aktuellen Situation sehr wichtig ist, um Veränderungen, die unaufhaltbar und oft auch gut sind, zuzulassen und nicht die Hoffnung zu verlieren. Wenn wir uns unseren Mut bewahren, können wir uns aus einer passiven „Opferhaltung“ befreien und eine aktive, handlungsfähige Position einnehmen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Ich denke eine „Superkraft“ des Theaters und somit auch des Schauspiels ist es, Themen auf eine Metaebene zu bringen, aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten und damit zu reflektieren. Es wird möglich, Umstände in einen neuen Kontext, eine neue Perspektive zu setzten, sie zu kritisieren und Umgangsmöglichkeiten und deren Konsequenzen in einem geschützten Raum durchzuspielen.

Wesentlich ist daher denke ich auch, dass in der Gesellschaft diese vielfältigen Möglichkeiten des Theaters und der Kunst und ihres enormen Wertes, den sie für das Leben haben, anerkannt und gefördert werden. Das Theater bietet eine einzigartige Möglichkeit mit Themen wie Aufbruch und Neubeginn umzugehen, diese Themen zu reflektieren und erfahrbar zu machen.

Was liest Du derzeit?

Überleben im Darsteller Dschungel von Mathias Kopetzki

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Feiere dich selbst!“ – Stephanie Maile

Ines Klary, Schauspielerin

Vielen Dank für das Interview liebe Ines, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Theater-, Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Ines Klary, Schauspielerin

Über uns

Fotos_ 1 Martin Jordan; 2 Christine Hofstätter

8.6.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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Bachmannpreis 2022_“Verlier dich nicht, versuche wahrhaftig zu bleiben, und nimm dir, was du kriegen kannst“ Franzobel, Schriftsteller, Bachmannpreisträger 1995 _im Rückblick Interview II_ Wien 19.6.2022

Fortsetzung_Interview _Bachmannpreis Rückblick:

Lieber Stefan, wir sitzen hier zum Interview bei prächtigem Frühlingswetter im schattigen Garten eines Praterrestaurants.

Ist so ein Platz wie hier auch ein Schreibort für Dich bzw. welche Orte bevorzugst Du beim Schreiben und gibt es auch bestimmte Schreibzeiten?

Der Schreibort ist bei mir das Bett. Ich schreibe im Liegen. Das hat sich einfach so ergeben.

Zu Anfang meines Schreibens habe ich eher nachts geschrieben. Meine ersten Texte sind alle erst ab Mitternacht entstanden. Mit den Kindern hat sich das völlig umgedreht, jetzt schreibe ich in der Früh. Es ist oft so, dass ich um fünf, sechs Uhr morgens beginne und schreibe, solange der Kopf klar ist.

Franzobel, Schriftsteller _ Wien _
Bachmannpreisträger 1995

Du beeindruckst auch sehr und hast viel Erfolg mit Deinen neuen großen historischen Romanen – „Das Floß der Medusa“ (2017) und „Die Eroberung Amerikas“ (2021), alle Paul Zsolnay Verlag, Wien.

Wie gestaltet sich der Entstehungsprozess eines solchen Romanprojektes?

Es gibt den Stoff, der mich fasziniert, und dann versuche ich möglichst viel zu recherchieren und Material zum Thema zu finden. Das ist heute aufgrund des Internets viel leichter, weil man etwa online bei Antiquaren Sachliteratur auswählen kann. Ich wüsste nicht, wie ich das vorher gemacht hätte (lacht). Dann gibt es Streamingdienste, auf denen ich mir Filme anschauen kann, die in der Zeit spielen, das ist hilfreich, wenn man in andere Zeiten eintauchen will. So komme ich in das Erzählen. Im Idealfall bin ich dann so im Schreiben, dass es meinen ganzen Tag bestimmt. Es geistern immer viele Ideen im Kopf herum und es fallen mir dann etwa im Halbwachzustand Szenen ein, die dann ein Ganzes ergeben.

Es ist ein strahlender Frühlingstag heute. Ist das Schreiben auch jahreszeitabhängig bzw. inspiriert bei Dir?

Nein, eigentlich nicht.

Das Schreiben ist ja oft durch Lesereisen unterbrochen und da gibt es Momente, an denen ich denke, jetzt möchte ich lieber beim Text bleiben. Ich muss dann aber nach Mannheim, Düsseldorf oder Dortmund.

Natur ist fantastisch, wie jetzt hier im Praterfrühling, wenn die kahlen Bäume ausschlagen. Aber jede Jahreszeit hat etwas. Sommer, Herbst, Winter, ich mag jede Jahreszeit und wir sind in Österreich da privilegiert in dieser Vielfalt völlig unterschiedlicher Jahreszeiten.

Gibt es so etwas wie einen Teamgedanken der teilnehmenden Schriftsteller:innen in Klagenfurt und ist man etwa im regelmäßigen Kontakt auch nachher und trifft sich auch bewusst als Gruppe?

Nein, eigentlich überhaupt nicht.

Es hat damals geheißen, es sei ein durchschnittlicher literarischer Jahrgang, aber da waren viele Persönlichkeiten und literarische Qualitäten. Ingo Schulze gewann den dritten Preis. Ilija Trojanow hat einen Preis gewonnen. Radek Knapp war dabei, Händl Klaus, Gundi Fyrer. Ulrike Kolb hat den zweiten Preis gewonnen, war wahnsinnig nett, ist dann aber in meiner Wahrnehmung völlig verschwunden. Und alle anderen trifft man immer wieder im Literaturbetrieb. Etwa Trojanow, wir waren beide in der Endauswahl um den Bachmannpreis. Es ging der Juryentscheid damals, glaube ich, 7:4 für mich aus, es war relativ knapp. Durch diese etwas komische Sache mit Preisvorschlag und Abstimmung damals, hat er dann fast gar nichts gewonnen. Trojanow gewann dann den vierten Preis. Wenn wir uns treffen, flachsen wir schon über den Bachmannpreis (lacht).

Du bist Bachmannpreisträger 1995. 2023 wird des fünfzigsten Todestages der Namensgeberin Ingeborg Bachmann (Schriftstellerin, *1926 Klagenfurt +1973 Rom) gedacht, auch mit einer Ausstellung im Literaturmuseum Wien.

Welche Bezüge gibt es von Dir zu Ingeborg Bachmann? 

Ich habe einmal ein Theaterstück über Jack Unterweger (*1950 +1944, Schriftsteller; verurteilter, angeklagter Mörder; in Kärnten wie Ingeborg Bachmann aufgewachsen; Anm.) geschrieben und da gibt es eine Szene, in der Unterweger Bachmann in der Bahnhofsrestauration Klagenfurt trifft. Dieser Plot eines möglichen Zusammentreffens gefiel mir gut.

Ich finde die Gedichte, auch die Lebensgeschichte Bachmanns, sehr spannend. Ihren Roman Malina habe ich versucht zu lesen, aber kam da nicht recht rein.

Bachmann ist für mich ein Typ österreichischer Frau, die aus Bürgerlichkeit und Gesellschaft ausbrechen will. Das war ja zu ihrer Zeit noch viel schlimmer. Ich hatte auch immer wieder Begegnungen mit Frauen, die rebellieren und Ketten sprengen wollten.

Die Liebe zu Rom verbindet uns sicher auch (lacht).

Du bist wie Ingeborg Bachmann nach Wien gezogen. Was bedeutet Dir Wien?

Ich habe in der Volksschule gewusst, dass ich nach Wien gehen werde. Heute fahre ich zwar immer wieder gerne weg, aber ich komme auch gerne zurück, das ist ein gutes Zeichen (lacht). Ich mag Wien sehr.

Wien hat sich sehr verändert. Ich bin in den 80er Jahren nach Wien übersiedelt, da war es sehr viel grauer, sumpfiger, und es gab weniger Möglichkeiten. Leute erzählen mir von den 60er Jahren, dass es zwei Lokale gab, Cafe Sport und noch etwas im Grätzl, mehr war da nicht.

Das hat sich heute sehr verändert und es ist viel spannender und gibt eine gute Mischung mit dem Wiener Grant.

Ich habe in den letzten Jahren aufgehört über Wien zu schreiben. Es hat am Anfang für mich eine Rolle gespielt, das Wienerische zu verarbeiten, jetzt bin ich über Österreich hinausgekommen, ist es mir nicht mehr so wichtig.

Ich könnte mir aber nach wie vor keine andere Stadt als Wien zum Leben vorstellen. Hamburg mag ich, aber zum Leben ist für mich Wien unersetzbar.

Wir sind hier ganz in der Nähe des Ernst Happel Stadions. Fußball ist auch eine Leidenschaft wie literarisches Thema bei Dir.

Im Blick zum Stadium – was macht für Dich die Faszination Fußball aus und gibt es ein historisches Fußballspiel, das Du in Spannung, Dramatik hervorheben möchtest?

Fußball definiert sich ja auch über Antipathie. Meine Freude, wenn Bayern München verliert, ist größer als die, wenn Rapid Wien gewinnt (lacht). Das Finalspiel zwischen Bayern München und Manchester United, in dem es in der Nachspielzeit zwei entscheidende Tore für United gab, war für mich ein persönliches Highlight (Champions League Finale 1999; Bayern München führt bis zur Nachspielzeit 1:0, United gelingt dann der überraschende Umschwung und Sieg;  Anm.).

Generell schaue ich mir Fußball gerne an und freue mich über ein schönes Spiel. Gestern war ich mit meinem Sohn beim Wiener Derby Rapid:Austria in der Rapid Fankurve. Ich freue mich, wenn Rapid gewinnt, aber ich bin kein Fan im Sinne von „Rapid ist mein Leben“. Es gibt dann doch Wichtigeres im Leben (lacht).

Die Virtuosität der Sprache ist ein Kennzeichen Deines Schreibens? Gibt es Virtuosität im Fußball heute noch oder erliegt dies den ökonomischen Sachzwängen?

Das Niveau im Fußball ist in jedem Fall besser geworden. Wenn man sich die Spiele der 70er Jahre ansieht, dann macht da einer ein paar Tricks und der Rest steht. Heute gibt es da ständig Bewegung von allen und auch die unglaubliche Passgenauigkeit über das halbe Feld und die perfekte Ballannahme ist beeindruckend. Wenn man selbst spielt, weiß man, wie schnell sich so ein blöder Ball verspringt (lacht). Das Niveau in der Champions League und der Nationalmannschaften ist schon gewaltig.

Das „Zaubern“ im Fußball, das die Spieler ja auch vermögen, sieht man aber seltener, und man freut sich, wenn es doch aufblitzt. Kylian Mbappe (französischer Nationalspieler, Anm.) schätzte ich etwa sehr.

Fußball selbst ist kommerzialisiert worden. Vor dreißig Jahren konntest Du nicht ein ganzes Leben mit einer Fußballerkarriere finanzieren. Da hast du in Österreich eine Trafik oder Tankstelle bekommen. War auch nicht schlecht (lacht). Heute gibt es Einkommen, die sind höher als das Bruttosozialprodukt eines afrikanischen Staates. Das ist jenseits von allem.

Gibt es ein Fußball WM Spiel, das Dir in besonderer Erinnerung ist?

Es gibt immer wieder so Spiele wie das 7:0 der Deutschen gegen Brasilien bei der WM 2014 in Brasilien, die sich einprägen.

Die wichtigsten Spiele waren für mich sind jene, die ich in der Kindheit gesehen habe. Etwa 1974, Deutschland:Schweden auf einem flimmernden sw Fernseher. Dann die 1978 WM Spiele, vor allem jene der Österreicher. 1982 habe ich intensiv wahrgenommen, da war ich großer Italien Fan. Bruno Conti habe ich da sehr geschätzt mit seinen Sturmläufen und Vorlagen für Paolo Rossi. Dann hat diese Begeisterung etwas nachgelassen. Es gab Jahre, in denen ich Fußball gar nicht konsumiert habe. Später ist es wieder gekommen. Diese enorme emotionale Bindung habe ich aber nicht mehr. Als ich meinem Sohn sagte, dass 2014 Deutschland und nicht Argentinien Weltmeister geworden ist, war das eine Tragödie für ihn (lacht).

Wie hast Du den Bachmannpreis in den letzten Jahren mitverfolgt?

Es gab Jahre, da habe ich ihn gar nicht mitverfolgt, und es hat Jahre gegeben, in denen ich am Bildschirm intensiv dabei war. Das ist von Jahr zu Jahr unterschiedlich.

Manchmal kippe ich rein und denke, das ist total spannend und manchmal denke ich, das interessiert mich überhaupt nicht. Es ist mal so, mal so

Hast Du in den letzten beiden Jahren die digitale Version des Bachmannpreises miterlebt?

Nein.

Ich hatte ja selbst viele digitale Lesungen, aber davon halte ich nicht viel. Es ist besser als nichts, aber in einem Raum die Atmosphäre zu spüren ist schon etwas anderes, als wenn jeder Zuhause im Wohnzimmer ist und sich mit dem Handy ablenkt.

Wie hast Du privat und beruflich die letzten beiden Jahre, die ja von einer Pandemie geprägt waren, erlebt?

Zuerst fand ich es spannend, weil da etwas passiert ist, das die Gesellschaft auf die Probe gestellt hat. Man hat gespürt, es geht jetzt nicht mehr um die Freiheit des Einzelnen, sondern um das Überleben der Gesamtheit. Eine interessante Erfahrung, die ich bisher so nicht hatte. Man spürte, du musst dich jetzt der Pandemie fügen, dich an die Vorgaben halten.

Ich habe in dieser Pandemie Zeit versucht, trotzdem ein paar Reisen zu machen. Insgesamt war es keine große Einschränkung. Natürlich waren viel weniger Lesungen und Auftritte, was ist mir auch abgegangen ist, besonders die Begegnungen, das Reden mit Leuten, das Zusammenzusitzen.

Privat haben wir viel gekocht, Rezepte ausprobiert. Das war eine Weile lang ganz lustig, aber irgendwann wird diese Enge, Nähe doch zu viel. Aber insgesamt war es fast romantisch schön.

Woran arbeitest Du aktuell?

Es ist ein literarisches roadmovie über das Amerika der letzten 40 Jahren. Aktuell arbeite ich über einen Pathologen, der das Gehirn von Albert Einstein entnommen und vierzig Jahre damit gelebt hat. Moderne Physik und was ihre Erkenntnisse mit sich bringen, finde ich sehr spannend. Dabei sind Fragen der Gehirnforschung wie auch der Religion im Blickpunkt. Was ist Zeit, Raum?

Wie gelingt es in solche Spezialgebiete literarisch vorzudringen?

Ich versuche viel aufzusaugen, das erfordert viel Arbeit, und es gibt auch Grenzen, wo ich aussteigen muss. Die literarische Aufgabe ist es dann, dieses Wissen umsetzen, ohne im Schreiben zu umfangreich, zu detailliert naturwissenschaftlich zu sein.

Die Literatur ist Dein Schwerpunkt. Gibt es auch weitere künstlerische Wege, die Du gehst?

Nein, nur Literatur.

Ich habe früher gedacht, dass ich Talent für die Malerei hätte und ich habe diese Liebe immer noch. Aber ich bin mit Literatur derart ausgelastet, dass ich schlicht keine Zeit, anderes zu tun.

Was ich manchmal mache, ist schnitzen. Mein verstorbener Onkel war ein guter Schnitzer und ich habe da Schnitzwerkzeug geerbt und ich arbeite gerne hin und wieder handwerklich.

Das Schreiben selbst, am Computer, ist ja körperlos, hat nichts Sinnliches, und da habe ich dann Lust etwas Haptisches zu tun, sei es kochen oder schnitzen oder im Garten Erde umgraben (lacht).

Ist der Garten auch eine Leidenschaft von Dir?

Wir haben uns in Pandemiezeiten ein Stelzenhäuschen gekauft, das war relativ günstig und hat einen sehr großen Garten. Das Sein, das Beobachten des Lebens in der Natur, das habe ich schon gern und es ist auch etwas, das einen runterholt. Man merkt dann, wie unwichtig und klein oft die Probleme sind.

Es gibt ja in vielen Bereichen des Lebens, etwa in der Schule, ein Buddy System, das Neuankommende begleitet. Gibt es, wünscht man sich das auch in der Literatur, dass Erfahrungen, Tipps ausgetauscht und Hilfestellungen bei einem großen Wettbewerb wie dem Bachmannpreis untereinander angeboten werden?

Was ich festgestellt habe ist, dass junge Schriftsteller von sich aus zur Gruppenbildung neigen. Da ist das kein Thema, sie ergänzen sich, wollen wissen, wie es funktioniert und es gibt keine Konkurrenz, was sehr angenehm ist.

Wenn dann einer der Gruppe berühmt wird, ist das sofort der Böse, der sich verkauft hat. Das hat man auch nach der Ostöffnung gut verfolgen können. Als einige westliche Verlage hatten und ihre Bücher gut verkauft wurden, waren sie die Verräter der Gruppe.

Aufgrund der Kapitalisierung des Literaturbetriebes gibt es eine große Konkurrenz untereinander. Es geht um Werbeflächen, wer ist in der Buchhandlung vorne und wer hinten. Was schade ist, weil da ein Gemeinschaftsgefühl zerstört wird.

Der Sommer steht vor der Tür. Wie sieht der ideale Sommer für Dich aus?

Ich bin im Sommer gerne in Österreich am Land, gerne im Garten und in der Natur. Meist auch für eine Woche in Griechenland zum Tauchen, Schnorcheln. Aber nicht einmal das müsste sein. Die Möglichkeit hier im Sommer draußen zu sein, ist schon faszinierend (lacht).

Mir ist der österreichische Winter immer zu lang und da versuche ich, irgendwohin zu fliehen.

Welche Erinnerung hast Du an die Sommertage des Bachmannpreises und die Stadt Klagenfurt?

Das Radfahren fällt mir da ein. Mit dem Fahrrad kam man ja überallhin und wir sind meist zum Wörthersee, zum Bad Maria Loretto gefahren. Ich mochte die Seenähe. Es waren auch wettertechnisch sehr schöne Sommertage.

Was möchtest Du der Bachmannpreisträgerin, dem Bachmannpreisträger 2022 mitgeben?

Verlier dich nicht, versuche wahrhaftig zu bleiben, und nimm dir, was du kriegen kannst.

Franzobel, Schriftsteller _ Wien _
Bachmannpreisträger 1995

Vielen herzlichen Dank für das Interview, lieber Stefan, viel Freude mit dem diesjährigen Bachmannpreis und eine wunderschöne Sommerzeit!

Bachmannpreis 2022 _ im Rückblick _Interview:

Franzobel, Schriftsteller, Bachmannpreisträger 1995 Wien

https://www.hanser-literaturverlage.de/autor/franzobel/

Alle Fotos_Walter Pobaschnig _ Riesenrad/Prater Wien _ Mai 2022.

Walter Pobaschnig 6_22

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Bachmannpreis 2022_ „Dass dieses Etwas, das mitgeteilt werden möchte, das Wichtigste bleibt“ Ana Marwan_Schriftstellerin _ Wolfsthal/NÖ 18.6.2022

Liebe Ana Marwan, herzliche Gratulation zur Teilnahme am Ingeborg Bachmannpreis 2022!

Wie gestalte sich der Text- und Bewerbungsprozess und wie hast Du Deine Teilnahmebekanntmachung erlebt? Welche Reaktionen gab es?

Mein Verlag hat mich gefragt, ob ich eine Geschichte für den Wettbewerb schreiben möchte, und ich habe mich gefreut, eine Aufgabe und eine Frist zu bekommen, denn es war Winter und ich habe wieder widerwillig hiberniert. Der Vorschlag war für mich ich also eine Motivation, mich wieder an den Schreibtisch zu setzen, und das war gleichzeitig auch schon das Ziel. Dass ich tatsächlich zum Wettbewerb eigeladen werde, hielt ich, angesichts der Anzahl der Autoren und einer noch größeren Anzahl guter Texte, für sehr unwahrscheinlich. Also war ich, und bin es immer noch, erstaunt, nach Klagenfurt eingeladen zu werden. Normalerweise werden Dinge, sobald sie passieren, schnell selbstverständlich; in diesem Fall kann ich das nicht behaupten.

Ana Marwan_Schriftstellerin 

Wie gehst Du jetzt auf den Wettbewerb zu? Welche besonderen Vorbereitungen wird es geben?

Ich bereite mich nicht besonders vor, ich habe meinen Text zweimal meinem Hund vorgelesen und einmal meinem Mann, damit ich die vorgeschriebenen 25min nicht überschreite, und ich habe mir ein Paar Samtschuhe gekauft. Sonst wüsste ich nicht, wie ich mich vorbereiten könnte. Für mich ist das eine Art Ereignis, für das man nie wirklich bereit seit kann, weil so vieles daran unvorhersehbar ist.

Ingeborg Bachmann sagte zu den Anfängen Ihres Schreibens: „Manchmal werde ich gefragt, wie ich, auf dem Land großgeworden, zur Literatur gefunden hätte. – Genau weiß ich es nicht zu sagen; ich weiß nur, dass ich in dem Alter, in dem man Grimms Märchen liest, zu schreiben anfing, dass ich gern am Bahndamm lag und meine Gedanken auf Reisen schickte…“

Wo bist Du geboren, aufgewachsen und wo liegen die Anfänge, Wurzeln, Inspirationen Deines Schreibens?

Ich habe schon als Kind vor dem Schlafengehen Dinge auf kleine Telefonzettel notiert und sie unter dem Polster aufbewahrt. Rückblickend denke ich, es war schon immer klar, dass ich Schriftstellerin werde. Nach vorne blickend hatte ich jedoch bis vor drei Jahren keine Ahnung gehabt, was ich „werden möchte“. Ich habe die meiste Zeit meines Lebens geglaubt, ich bin noch nicht, ich werde etwas. Jetzt fühle ich mich als Schriftstellerin. Ich glaube aber gleichzeitig auch: Wenn ich z.B. Gärtnerin geworden wäre, würde ich auch einen Weg sehen, der sich seit meiner Kindheit bis heute klar durchziehen würde und als offensichtlichste Wahl erscheint.

Was ist Dir in Deinem Schreiben wichtig und welche aktuellen Projekte gibt es?

An meinem Schreiben ist mir wichtig, dass es weiterhin aus meinem eigenen Bedürfnis, etwas mitzuteilen, entsteht. Dass dieses Etwas, das mitgeteilt werden möchte, das Wichtigste bleibt und weder dem Mitteilenden noch dem Empfänger Vorrang gibt.

Ich würde auch echt ungern ein tour de main, eine Handfertigkeit entwickeln, die mir das Schreiben leicht machen würde. Eine künstlerische Geste kann man leicht nachmachen, die ist dann aber von allen möglichen leeren Gesten die unnötigste.

Was kommt unbedingt auch in den Reisekoffer für Klagenfurt?

Meine neuen Samtschuhe. Ich möchte nicht oberflächlich klingen, aber alle meine Schuhe sind dreckig, ich gehe seit Jahren sehr wenige Asphaltwege, und ich erfreue mich ihrer sanften Unbenutztheit.

Vielen Dank für das Interview! Viel Freude und Erfolg in Klagenfurt!

Bachmannpreis 2022 _ Teilnehmer:innenvorstellung:

Ana Marwan_Schriftstellerin 

Foto_Marijan Močivnik

Walter Pobaschnig 6_22

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„Gestern“ Beate Kniescheck_Autorin _ Give Peace A Chance _ Wien 18.6.2022

GIVE PEACE A CHANCE

Gestern

Im Schlaf

Vodka gerochen und

Erbrochen



Palisaden

Errichtet

Ausstaffiert mit

Camouflageanzügen von

Edelweisspiraten



Aufgewacht. Seither



Changieren zwischen

Hilflosigkeit und

Alptraumhafter Lähmung.

Nie wieder. haben wir gesagt. Und jetzt?

Courage, sie zieht weiter, stumm und verschwiegen

Erreichen wir ihn noch, den Frieden?


Beate Kniescheck, 3.6.2022

Beate Kniescheck_Autorin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Beate Kniescheck_Autorin

www.kniescheck.com

Foto_Ferry Nielsen

Walter Pobaschnig _ 3.6.2022.

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„Wir müssen lernen füreinander und auch für uns selbst da zu sein“ Nelly Trebing, Schauspielerin _ Köln 18.6.2022

Liebe Nelly, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Morgens mache ich ein paar Sonnengrüße um wach zu werden. Nach dem Frühstück folgen verschiedene Schauspiel- und Stimmübungen. Mittags treffe ich mich mit Freunden in der Mensa. In der Bibliothek kümmere ich mich um Organisatorisches und schreibe Bewerbungen.

Wenn ich wieder nach Hause komme arbeite ich an einem Monolog oder nehme ein E-Casting auf. Dann koche ich.

Abends bekomme ich nochmal richtig Lust zu tanzen und danach schaue ich ein bisschen Netflix. Wenn ich mich ins Bett lege meditiere ich und schlafe dadurch relativ schnell ein.

Nelly Trebing, Schauspielerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Neben der Bewältigung der Klimakrise und dem Krieg in der Ukraine ist meiner Meinung nach das Ausleben von Emotionen dringend nötig. Dass man auf die Frage: „Wie geht es dir?“ nicht mehr aus Höflichkeit mit „gut“ antwortet. Meistens ist das sowieso gelogen.

Dass man selbstbewusst zu dem stehen kann, was man ist und was man fühlt. Unabhängig von Geschlecht, Herkunft, Glauben etc. Wir müssen lernen füreinander und auch für uns selbst da zu sein. Das aus dem Gegeneinander ein Miteinander wird. Nur gemeinsam können wir wachsen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Es ist dringend nötig, dass wir wieder zu uns selbst zurückfinden, alte Wunden heilen und gemeinsam glücklicher und nachhaltiger zusammenleben.

Die Kunst ist da für mich wie ein Spiegel. Oder ein Ort, der mir ermöglicht meine Emotionen auszuleben und zu erkunden. Sobald man das teilt, kann man anderen Menschen zeigen, dass sie nicht allein sind. Dass das was sie fühlen eine Berechtigung hat. Dass wir als Individuum genau so richtig sind, wie wir sind und jeder seine Stärken einbringen kann.

Was liest Du derzeit?

How to Stop Acting – Harold Guskin

Offene See – Benjamin Myers

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Was dich anders oder seltsam macht, das ist deine Stärke.“ – Meryl Streep

Vielen Dank für das Interview liebe Nelly, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Nelly Trebing, Schauspielerin

Foto_Torsten Schepers.

6.5.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Der Anfang meines Schreibens war kein Ort, sondern die Unruhe“ Bachmannpreis 2022 _ Behzad Karim-Khani, Schriftsteller _ Berlin 17.6.2022

Lieber Behzad, herzliche Gratulation zur Teilnahme am Ingeborg Bachmannpreis 2022!

Wie gestalte sich der Text- und Bewerbungsprozess und wie hast Du Deine Teilnahmebekanntmachung erlebt? Welche Reaktionen gab es?

Der Text ist ein Ausschnitt aus meinem in August erscheinenden Roman „Hund, Wolf, Schakal“. Die Passagen entstanden ungefähr vor einem Jahr.

Ich hatte die letzten Wettbewerbe mitverfolgt und Phillipp Tingler war mir besonders aufgefallen, seine strenge, für mich nicht immer durchschaubare Art, mit der er es mit jeder meiner Romanfiguren aufnehmen könnte. Dass der Verlag ausgerechnet ihm meinen Text gab, machte mir zunächst Angst. Dann schrieb er mir aber und gratulierte zu dem Text. Das war für mich, als hätte ich schon gewonnen. Das sagte ich ihm auch gleich.

Die beste Reaktion auf die Bekanntgabe kam von meiner Verlobten, die gleich am drauffolgenden Tag anfing, mich für den Fall zu coachen, dass ich nicht gewinnen sollte. Ich glaube, sie hält mich für keinen guten Verlierer.

Behzad Karim-Khani, Schriftsteller 

Wie gehst Du jetzt auf den Wettbewerb zu? Welche besonderen Vorbereitungen wird es geben?

Es geht hier um mein Debüt und gleich für einen so wichtigen Wettbewerb nominiert zu sein, ist natürlich eine große Sache für mich. Ich bin aber überraschend unaufgeregt. Ich meditiere aber auch wieder mehr.

Ingeborg Bachmann sagte zu den Anfängen Ihres Schreibens: „Manchmal werde ich gefragt, wie ich, auf dem Land großgeworden, zur Literatur gefunden hätte. – Genau weiß ich es nicht zu sagen; ich weiß nur, dass ich in dem Alter, in dem man Grimms Märchen liest, zu schreiben anfing, dass ich gern am Bahndamm lag und meine Gedanken auf Reisen schickte…“

Wo bist Du geboren, aufgewachsen und wo liegen die Anfänge, Wurzeln, Inspirationen Deines Schreibens?

Ich bin ein Geflüchteter, ein Flüchtling. Auch dort, wo meine Heimat hätte sein können, war ich das. Die ersten vier Schulklassen besuchte ich an vier verschiedenen Schulen, in drei verschiedenen Städten, in zwei verschiedenen Ländern, auf zwei verschiedenen Kontinenten. Ich wohnte in den letzten 20 Jahren in zwölf, vielleicht aber auch in fünfzehn verschiedenen Wohnungen, an die ich mich teilweise nur mit einem „Ach ja! Die gab es ja auch noch.“ erinnere und die allesamt aussahen, als wohnte ich bei jemandem, der gerade verreist war oder als wäre ich dabei auszuziehen. In mindestens zwei Wohnungen packte ich die Kartons nicht einmal aus, in eine weitere trug ich meinen Kram erst gar nicht rein. Das hat aber nichts Problematisches oder gar Dramatisches für mich. Ganz im Gegenteil.

Die Schwere, das zufällig Gewachsene, das unkontrolliert Wuchernde, das sich mit dem Bleiben zwangsläufig ergibt, fand ich immer beklemmend. Ich weiß nicht, wie die Verbundenheit mit einem Ort aussehen soll. Wie es sich anfühlt, wenn ein Berg, ein Stadtteil einen inspirieren. Und so habe ich Heimatprosa nie verstanden. Der Anfang meines Schreibens war kein Ort, sondern die Unruhe.

Was ist Dir in Deinem Schreiben wichtig und welche aktuellen Projekte gibt es?

Bei meinem aktuellen Roman ging es sprachlich darum, einen neuen Ton zu kreieren. Rhythmus, Bildsprache, Intensität, Dichte. Darum, Pathos zu wagen, aber auch zu dosieren. Melancholie zu wagen, aber ihr auch eine Härte, eine erzählerische Kühle entgegenzusetzen.

Das zweite Buch, an dem ich gerade arbeite, ist anders. Es trägt sich nicht über einen Sound. Es ist die gleiche Handschrift, aber es soll kein Stil erkennbar sein. Stil ist eine Falle. Es geht dort darum, ein neues post-Nachkriegsdeutschland zu erdenken.

Das tue ich, indem ich versuche zwischen meinem Vater und meinem Sohn, mein gesellschaftliches Ich zu verhandeln. Dafür gilt es, meinen Vater zu verstehen. Seine Wandlung, seine Liebe, sein Schweigen, seine Müdigkeit, sein Deutschland.

Was kommt unbedingt auch in den Reisekoffer für Klagenfurt?

Nicht viel. Das Nötige.

Vielen Dank für das Interview! Viel Freude und Erfolg in Klagenfurt!

Bachmannpreis 2022 _ Teilnehmer:innenvorstellung:

Behzad Karim-Khani, Schriftsteller 

Foto_privat.

Walter Pobaschnig 6_22

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„Liebe Friedensgenossen!“ Dirk Huelstrunk, Schriftsteller _ Give Peace A Chance _ Frankfurt/Main 17.6.2022

Sehr geehrter Herr Präsident Putin!

Bitte betrachten Sie dies als letzte Warnung. Geben sie dem Frieden eine Chance. Ansonsten sieht sich die Europäische Friedenspoesie-Bewegung gezwungen, JEDEN Tag ein neues Friedensgedicht zu schreiben, so lange, bis sie diesen brutalen und sinnlosen Krieg beenden. Wir werden alle Friedensgedichte online veröffentlichen. Manche von uns werden sie sogar laut lesen. Lassen Sie es nicht so weit kommen. Geben Sie dem Frieden eine Chance.

GIVE PEACE A CHANCE

Liebe Friedensgenossen!

G eben? Von was denn? Was wollt ihr von mir?

I mmer wollt ihr, dass ich etwas gebe

V ersteht ihr nicht, dass ich keine Lust mehr habe

E s ist effektiver, sich zu nehmen, was man möchte



P oesie führt zu Muskelschwund und Haltlosigkeit

E lementare Bedürfnisse eines Führers dürfen nicht missachtet werden

A ndernfalls kann der Führer für nichts mehr garantieren

C hancen müssen ergriffen werden, wenn sie reif sind

E hrgeizige Ziele müssen mit allen Mitteln umgesetzt werden



A ndernfalls gäbe es noch die nukleare Option



C hemische Waffen haben wir noch gar nicht erwähnt

H alten sie uns besser nicht auf mit ihrem Friedensgeschwätz

A mbitionslose Menschen lieben den Frieden

N atürlich will ich das alles nicht, ich bin gezwungen

C harmeoffensiven wären mir auch lieber

E rklären sie sich einfach mit meinen Bedingungen einverstanden

& we will give peace a chance


Dirk Huelstrunk, 16.6.2022

Dirk Huelstrunk   _Schriftsteller, Soundpoet, Audiokünstler

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Dirk Huelstrunk, Schriftsteller, Soundpoet, Audiokünstler

www.dirkhuelstrunk.de 

Foto_Büro für Gebrauchsgrafik.

Walter Pobaschnig _ 16.6.2022

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„Als Künstler:in durchzukommen, ohne sich dafür aufzuopfern“ Yasemin Cetinkaya, Filmemacherin _ Wien 17.6.2022

Liebe Yasemin, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Mein Tagesablauf richtet sich nach meinen Kindern sowie meiner Arbeit. Ich bin nebenberuflich selbstständig als Filmemacherin und versuche Beruf-ung und meine Liebsten zeitlich unter einen Hut zu bekommen. Da bleibt nicht viel Zeit für mich selbst. Aber ich genieße jede Minute, ob jetzt mit meiner Familie oder in meinen Projekten.

Jeder Tag sieht deshalb etwas anders aus. Sobald die Kinder versorgt sind, kommt die Arbeit, danach wieder die Kinder und/oder Meetings für diverse Projekte und deren Vorbereitung sowie Umsetzung.

Yasemin Cetinkaya, Filmemacherin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Das wir uns nicht beirren lassen, sondern auf das konzentrieren, was wirklich wichtig ist für einen selbst. Solange wir das machen können und dürfen, was uns erfüllt, sollten wir es auch machen und dankbar dafür sein.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?  

Wesentlich wird sein, dass wir alle zusammenhalten, gerade jetzt in so schwierigen Zeiten ist es enorm wichtig, dass wir als Gesellschaft mehr Rücksicht aufeinander nehmen. Es wird auch eine Zeit nach der Pandemie und des Krieges geben und wir sollten uns danach noch in die Augen schauen können.

Es bringt nichts, wenn ich zu Hause einen vollen Kühlschrank habe und weiß, dass nur ein paar Hundert Meter von mir entfernt jemand hungert und ich unternehme nichts dagegen. Hunger ist die größte Not in unserer Zeit und dass wir unsere Augen nicht davor verschließen, ist denke ich das Wichtigste im Moment.

Auch was die künstlerischen Berufe betrifft, kann ich nur sagen, dass es noch nie so wichtig war, dass diese endlich ihre verdiente Wertschätzung bekommen! Es ist eine große Herausforderung für eine/n Künstler:in durchzukommen, das machen zu können, wofür man brennt, ohne sich selbst dafür aufzuopfern. „Ohne Kunst ist es still!“

Was liest Du derzeit?

Zurzeit lese ich „Feig, faul & frauenfeindlich“ von meinem guten Freund Omar

Khir Alanam

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Ein Filmzitat vom Film „American Shaolin“ aus dem Jahr 1991, Regie: Lucas Lowe

San De: „…. Du kommst mir vor, wie jemand, der im Süßwasser schwimmt und schreit, mich dürstet. Was du suchst, ist hier alles vorhanden…

Vielen Dank für das Interview liebe Yasemin, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Filmprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Yasemin Cetinkaya, Filmemacherin

Foto_privat.

18.5.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Anwesend zu sein im eigenen Leben“ Sarah Kerneza, Schauspielerin _ Wiener Neustadt 16.6.2022

Liebe Sarah, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich liebe es morgens bei mir anzukommen, Ideen und Eingebungen zu sammeln.

Dann geht’s auch schon auf ins Studio zum täglichen Training mit meiner „LEMOUR- Familie“, das sind Miriam und Ben, wir leiten gemeinsam die Company. Nach gegenseitigem Update und Besprechung über alles, was ansteht folgt der Hauptteil unserer Arbeit: intensives Proben am aktuellen Stück.

Sarah Kerneža _ Schauspielerin,
künstlerische Leitung von LEMOUR-Physical Theatre 

Abends möchte mein Hund dann eine große Runde drehen und irgendwann zwischendurch versuche ich Zeit für Emails, Anrufe, Onlinepräsenz, kreative Prozesse, Schreiben von Bewerbungstexten aller Art, Regeneration und Familie zu finden.

An Vorstellungstagen ist es anders, da ballt sich die ganze Konzentration jeder Handlung auf den „heiligen“ Moment des Auftritts hin und ich erlebe den ganzen Tag mit Warmup, Anreise, Aufbau, Schminken, Einschwingen als bedeutsames Ritual.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Anwesend zu sein im eigenen Leben. Den eigenen Funken immer wieder neu zu entfachen und – viiiel Humor.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Ich kann dabei nur von meiner eigenen, der Vision von LEMOUR sprechen:
wir sehen uns als wortlose Geschichtenerzähler. Geschichten sind zeitlos und wir Menschen mochten sie immer schon, da sie Nahrung für die Seele sind. Sie geben Halt und Orientierung, amüsieren und bringen zum Lachen oder Weinen. Die richtige Geschichte im richtigen Moment kann für einen Menschen heilsam sein, denn sie kann einen Menschen in Berührung mit sich selbst bringen. Und wenn ich in Berührung mit mir selbst bin, dann kann ich meine Welt – und somit im Endeffekt die ganze Welt, denn jeder große Wandel beginnt im Kleinen innen drin – bewusst gestalten. Und erst dann kann Aufbruch und Neubeginn zu etwas Wünschenswerterem führen.

Ich würde sagen Künstler*innen sind die Priester*innen der neuen Zeit. Und wir haben damit auch eine Menge Verantwortung, denn wir erschaffen (innere) Bilder – und Bilder sind Möglichkeiten. Möglichkeiten sind die Leitsterne der Menschen.

Was liest Du derzeit?

Rock Your Life von Rudolf Schenker und Lars Amend.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Einen Teil von Charlie Chaplins Gedicht, der auch unser aktuelles Stück inspiriert hat:

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich verstanden, dass ich immer und bei jeder Gelegenheit,
zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin und dass alles, was geschieht, richtig ist von da an konnte ich ruhig sein.
Heute weiß ich: Das nennt man VERTRAUEN.

Sarah Kerneža _ Schauspielerin,
künstlerische Leitung von LEMOUR-Physical Theatre 

Vielen Dank für das Interview liebe Sarah, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Theater-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Sarah Kerneža _ Schauspielerin,
künstlerische Leitung von LEMOUR-Physical Theatre 

Fotos_Dritter.Akt.

29.5.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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