„In dieser unsicheren Zeit sind Kunst und Kultur extrem wichtig für unsere Seele“ Petra Kreuzer, Schauspielerin _ Wien 9.7.2022

Liebe Petra, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Mein Tagesablauf hängt natürlich von verschiedenen Jobs ab!

Um 7h aufstehen, meistens erledige ich Mails und organisatorische Dinge noch im Bett, oder ich schreibe Ideen, Inputs für neue Shows, Choroes oder Comedyeinlagen auf ( auf meinen Handy Notizen)

Dann Proben, nachmittags Unterricht und abends Vorstellung!

Entweder alles auf einmal oder zumindest proben…

Petra Kreuzer, Schauspielerin, Comedienne, Director

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

… wichtig ist es derzeit durchzuhalten, den Mut nicht zu verlieren und kreativ zu bleiben und positiv in die Zukunft blicken.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

In dieser unsicheren Zeit sind Kunst und Kultur extrem wichtig für unsere Seele. Musik und Theater lassen  einem die Realität für einen Moment vergessen und in eine andere Welt entfliehen…die Fantasie wird angeregt und man fühlt sich einfach gut.

Was liest Du derzeit?

Wolf Haas „Müll“

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Seid vernünftig, verlangt das Unmögliche

Vielen Dank für das Interview liebe Petra, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Schauspiel-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Petra Kreuzer, Schauspielerin, Comedienne, Director

https://www.petrakreuzer.com/

Foto_Andrea Peller

26.6.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Gib dem Unbekannten eine Chance“ Lea Schlenker, Schriftstellerin _ Give Peace A Chance _ Bern 9.7.2022

Gib dem Unbekannten eine Chance

Auch wenn es dich sticht und kitzelt

Ich habe die Nachrichten satt

Ich habe die Berichterstattung satt

Ich habe die fremden Tränen in meinen Albträumen satt

Versuche mal das Unbekannte

Auch wenn du nichts darüber weisst

Es ist süß wenn du das erste Mal reinbeißt


Power and the Glory

Es kitzelt mich und das Feuer

Es ist sauer nach all den Jahrhunderten

Kriegsberichterstattung

Alltägliche Abhängigkeit

Fossiler Brennstoffe

CH Neutralität wird verhandelt

Und all die Sachen die dazugehören

Eierlegende Hennen

Werden vor den Augen der gesamten Weltbevölkerung geschlachtet




Angst und Schrecken, fear and loathing




Gib dem Unbekannten eine Chance

Cleverness spielt keine Rolle

Koste es was es wolle

Hunger nach dem Frieden und

Alltägliche Abhängigkeit

Nicht von mir aber von dir, also küss mich bevor wir lernen die Bombe zu lieben

Cleverness spielt keine Rolle

Es beisst mich und das Feuer wütet

(schon wieder)

Lea Schlenker, 19.6.2022

Lea Schlenker, Schriftstellerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Lea Schlenker, Schriftstellerin

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Foto_Michael Bolzli

Walter Pobaschnig _ 19.6.2022.

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„In Zeiten wie diesen muss Kunst besonders kompromisslos sein“ Josef Wurm, Künstler _ Kornberg bei Regensburg/D 8.7.2022

Lieber Josef, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Jeder Tag ist anders!

Josef Wurm, Künstler

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Achtung! Niemand sollte sich anhand dubioser Informationen von
seinen Nächsten trennen, die Gräben dieser Welt sind ohnehin tief
genug.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?

Am Boden bleiben, und Respekt!
(allerdings: Jene die andere täglich demütigen, haben ein Recht darauf selbst gedemütigt zu werden!)

In Zeiten wie diesen muss Kunst besonders kompromisslos sein, im besten Fall ästhetisch und mit viel Humor. Opportunismus und Kunst geht nicht.

Was liest Du derzeit?

Kurt Vonnegut.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Wir haben das Ticket gekauft, jetzt müssen wir auch die Reise
durchziehen“ frei nach Hunter S. Thompson

Josef Wurm _ O.T. 2022, Mischtechnik/Leinwand, 80x100cm

Vielen Dank für das Interview lieber Josef, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Josef Wurm, Künstler

Foto_1 Portrait _ Jasmin Schuller; 2 Josef Wurm.

20.6.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Es ist zeitlos, was uns als Gesellschaften zusammenhält“ Reinhard Lechner, freischaffender Autor und Übersetzer _Würzburg 7.7.2022

Lieber Reinhard, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich bin momentan sehr mit Schreibarbeit eingedeckt: dem Fertigstellen meiner Promotion, dem Fertigstellen von meinem nächsten Lyrikmanuskript, das in Kürze bei der Wiener Edition Melos erscheint; wenn dann noch Zeit bleibt, arbeite ich an meiner Kurzgeschichtensammlung.

Und, es steht ein Neuanfang mit meiner Partnerin bevor: wir werden von Würzburg nach Wien umziehen.

Reinhard Lechner, freischaffender Autor und Übersetzer

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Es ist schwierig, auf die aktuelle Weltlage und unsere Probleme – Ukraine-Konflikt, Pandemie, Umweltzerstörung – schnelle und richtige Antworten zu finden. Andererseits ist zeitlos, was uns als Gesellschaften zusammenhält: Engagiert sein, die und den Anderen ‚sehen‘, wo man kann die eigene Stimme einsetzen, für Solidarität und für Frieden, der niemals selbstverständlich ist.  

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Auch hier fällt mir vermutlich bloß etwas Altbackenes ein, das dennoch wichtig bleibt: die Kunst als Vermittlerin zwischen uns Individuen, als eine Sprache vorerst ohne Verzweckung, ohne Funktionszusammenhang, die uns dadurch zur humanen, humanistischen Verständigung dienen kann.

Was liest Du derzeit?

Ferdinand von Schirachs Roman „Tabu“, und die aktuellen Short Stories  von T.C. Boyle, „Sind wir nicht Menschen“.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Früher in der Zeit vor der Box, hatten meine Tochter und ich ein Freitagnachmittagsritual: Ich hielt auf dem Heimweg bei dem italienischen Restaurant gleich um die Ecke von unserem Haus, trank etwas, plauderte ein bisschen mit denen, die ich kannte, und rief dann Katie an und lud sie zu unserem Vater-Tochter-Abendessen ein, um ein wenig Zeit nur mit ihr zu verbringen, in ihr zu lesen, an den Gedanken und  Gefühlen einer jungen heranwachsenden Frau teilzuhaben. Aber das taten wir nicht mehr.“

Aus: T.C. Boyle, „Wiedererleben/Sind wir nicht Menschen. Stories“

Vielen Dank für das Interview lieber Reinhard, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Reinhard Lechner, freischaffender Autor und Übersetzer

Foto_Susanne Schäflein

3.6.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„gerade jetzt:“ Mike Markart, Schriftsteller _ Give Peace A Chance _ Stainz/Stm. 7.7.2022

GIVE PEACE A CHANCE

gerade jetzt:

ich finde die nacht.

verschwinden ist

einfach.



pace

è

anche un

cielo

effluente




at this very moment:




chronik

hält einträge

aber

noch in kleinen worten,

cape über frage:

erneut

26.6.2022, Mike Markart

Mike Markart, Schriftsteller

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Mike Markart, Schriftsteller

Foto_Heide Mlekuz

Walter Pobaschnig _ 26.6.2022.

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„Das Innehalten. Das Wundern. Das Hinsehen, Zuhören, Aussprechen.“ Bettina Strang, Schriftstellerin _ Hamburg 6.7.2022

Liebe Bettina, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Mein Wecker klingelt um 07:07 Uhr (ich liebe die Sieben), manchmal bin ich vorher wach. Ich mag es, ein wenig Zeit zu spüren und langsam sein zu dürfen, bevor der Tag seine Imperative rausholt.

Meine Arbeit als Bestatterin kann sehr unterschiedliche Elemente enthalten: Gespräche mit Angehörigen, Totenfürsorge, Trauerfeiern, Verstorbene vom Sterbeort abholen, Schreibtischarbeit und Formalitäten, vorbereiten von Ritualen und Zeremonien.

Da ich, zwar nur noch wenig, auch als freie Texterin arbeite, sitze ich abends manches Mal am Schreibtisch und schreibe noch.

In den freien Momenten schreiben sich meine Gedichte aufs Papier und die Geschichten.

Bettina Strang, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich weiß es wirklich nicht. Es gibt manches, was mir zeitlos wichtig erscheint. Das Innehalten zum Beispiel. Das Wundern. Das Hinsehen, Zuhören, Aussprechen. Der Mut. Das Miteinander.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Der Mut wird wesentlich sein. Die Bereitschaft sich selbst und die Welt wirklich anders zu denken und zu leben. Literatur und Kunst empfinde ich als Wegweiser, Heimat von Utopien und atemberaubenden Ausdruck des Menschseins. Sie ist ein Motor, eine Lupe, ein Zufluchtsort, ein Seziermesser, eine Hoffnung, ein Pflaster und eine Wonne.

Was liest Du derzeit?

Don DeLillo – Die Stille

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Es gibt kein Dazwischen“, sagte ich. „Jeder Ort, an dem wir vorbeifahren, ist in diesem Moment hier. Dazwischen ist eine Illusion.“

(Russel Hoban – Turtle Diary)

Vielen Dank für das Interview liebe Bettina, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Bettina Strang, Schriftstellerin

https://bettinastrang.de/

Foto_Clarke Voss

21.6.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Augenblick!“ Straßenfotografie in Wien. Wien Museum. Kehrer Verlag.

„Einen Augenblick bitte!“, so beginnt im Alltag einer hektischen Großstadt oft ein Gespräch im besonderen Moment einer Aufmerksamkeit. Ein Wiedererkennen, Erinnern oder Mitteilen kann der Grund sein. Es ist gleichsam ein Anhalten des rasenden Tempos der Bewegung der Vielen im Vielen. Ein „Augenblick“ nimmt dabei das Tempo heraus und hält fest. Den Blick der Augen im Moment. Den Dialog von Mensch zu Mensch. Von Linse zu Linse.

Fotografie ist eben dieser Dialog von Mensch zu Mensch. Ein Dialog im Bild. Eine Momentaufnahme des flüchtigen Lebens. Ein Festhalten der Zeit. Erinnern und wiederbegegnen.

Die Fotografie des Stadtlebens ist eine besondere Form der Kunst wie des menschlichen Dialoges. Es ist der individuelle Blick auf das Allgemeine, das immer das Besondere ist. Ein einmaliger unwiederholbarer Moment. Mensch. Zeit, Bild.

Die Ausstellung „AUGENBLICK!“ STRASSENFOTOGRAFIE IN WIEN, vom 19. Mai 2022 bis 23. Oktober 2022 im Wien Museum MUSA, 1010 Wien, Felderstraße 6–8, gibt einen beeindruckenden Überblicküber die Straßenfotografie Wiens im Zeitraum von über 150 Jahren, von den 1860er Jahren bis in die Gegenwart.

Plätze, Straßen, Gebäude der Stadt werden dabei in ihrem historischem Prozess ebenso dokumentiert wie der „menschliche Augenblick“ der Bewegung, des Gesprächs oder des Ruhens in der Großstadt im Weg durch die Zeiten.

Der vorliegende Ausstellungsbegleitband dieser beeindruckenden wie einmaligen Fotodokumentation fügt nun zahlreiche Essays von Kulturwissenschafter:innen zu den abgebildeten Fotos der Ausstellung hinzu, die aus verschiedenen Blickwinkel in die fotografischen Blickwinkel blicken und diese wissenschaftlich perspektivisch öffnen.

„Eine ganz bemerkenswerte fotografische wie kulturwissenschaftliche Dokumentation Wiens“

Walter Pobaschnig 6_22

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„Gang bar des Auslotens“ Katharina Kohm, Schriftstellerin _ Give Peace A Chance _ München 6.7.2022

GIVE PEACE A CHANCE


        ang bar des Auslotens

I           rreversibler Spuren zum Trotz

V         ergällt, nicht verstanden, gestolperte

E          ngschritte: gedoppelt; ein Schnitt geht mit.



P         einliches Gebahren, verfahrene

E          isern sich haltende Urteile aufheben, Reste;

A         ufgetürmter Backflash, Trümmer des letzten Jahrhunderts

C         erealien, Territorialien, Kolon-nie

E          rstickender Sprachen einrollen, beißende Realien.



A         nders anfangen, dagegen fremdeln: freundeln




C         entri fugale Rotunden an-

H         alten, stehenden Auges

        tmen gegenüber Gesichtern

N         achbarn, die Gebiete abzustecken aufhören

C         entral Babel, hybris: Sprache —

E          igentlich menschlich sprechen sollen, stehen bleiben.

Katharina Kohm, 18.6.2022

Katharina Kohm, Schriftstellerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Katharina Kohm, Schriftstellerin

Foto_privat.

Walter Pobaschnig _ 18.6.2022.

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„Dass man keine Angst hat. Vorm Leben.“ Bernhard Bilek, Autor_ Wien 5.7.2022

Lieber Bernhard, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Analog zur Textzeile „So I start a revolution from my bed“ aus Oasis-Song „Don´t Look Back in Anger“,  koordiniere und übe ich ausgerüstet mit Laptop, Handy und aktueller Lektüre auf meinem Couchbett meine multiplen Aufgaben für den  von mir mitbegründeten Theatervereins „Wiener*innen Wahnsinn“ aus. Mein Aufgabenspektrum umfasst Autor, Regisseur-to-be, Produktions- und Kommunikationsleitung.

Zwischen diesen Identitätssprüngen esse ich viel proteinhaltige Nahrung und gehe dreimal die Woche zum Krafttraining ins Fitnesscenter, um das alles körperlich -um es auf Wienerisch zu sagen- „zu d`erheben und d`erstemmen“😉

Wichtig ist mir, dass jede Woche arbeitsfreie Wochenenden eingehalten werden.

Bernhard Bilek, Autor, Regisseur, Theatermacher, Kultur- und Kommunikationsmanager

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Den Augenblick genießen, an das Leben und nicht an Demagog*innen glauben.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Film, der Kunst an sich zu?

„Das einzige Beständige ist der Wandel“, sagte Techno-DJ Sven Väth mal in einem TV-Interview und zitierte dabei den antiken griechischen Philosophen Heraklit. Deswegen finde ich es wichtig, loslassen zu können und auch loslassen zu müssen. Nichts ist von Dauer und Beständigkeit, am wenigsten das Leben. Wesentlich ist für mich die Solidarität mit meinen Mitmenschen, der Gemeinschaftssinn, denn wir alle sitzen im gleichen Boot der Endlichkeit unserer aller Leben. Wir sollen unsere Vielfalt akzeptieren, uns nicht gegenseitig das Leben schwer machen und uns gegenseitig ausgrenzen. Wir sollen uns auch nicht Leid, Gewalt und Grausamkeit zufügen wie leider aktuell ganz nah in der Ukraine geschieht. Denn da lassen die politisch Verantwortlichen nicht von alten Konzepten, Ideen und Fixierungen los.

Theater/Film bzw Kunst an sich können meiner Meinung nach keine kollektiven Konflikte und Dynamiken lösen, aber sie können auf fruchtbaren Boden fallen bei individuellen Menschen, die ihren Teil dazu beitragen können und diesen Trost, Hoffnung, Freude, Gemeinschaft und Inspiration spenden.

Ich finde es auch in Ordnung, wenn Kunst uns hilft unser Leben erträglicher zu gestalten und in manchen Fällen einfach eine synästhetische Erfahrung -gerne mit Irritationen- ist 😉 Ohne die filmischen Werke von David Lynch oder Madonnas musikalischen Backkatalog würde ich nicht leben wollen. Für mich gehören auch Drag Queens und Drag Kings zu den größten lebenden Künstler*innen, weil sie über ihr Zeichenrepertoire von Make-Up, Perücken, Kleidung und Körperformen die biologistischen Konstruktionen von Identität und Geschlecht so bildgewaltig subversiv unterwandern und dekonstruieren, die besonders Religionen und rechte Ideologien uns allen immer ideologisch aufzwingen wollen.

Was liest Du derzeit?

Ich lese immer gleichzeitig mehrere Sachen quer. Aktuell reicht mein Lesespektrum von einer Werkmonographie des britischen Regisseurs Ken Russell über von Kleists „Die Marquise von O“ und Hararis „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ bis zu allem, was ich filmhistorisch und -wissenschaftlich über den Stummfilmstar Rudolph Valentino in meinem Bücherregal finde.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Der (Johnny) glaubt: Dass man für das Leben: Des für einen richtig ist: Kämpfen muss. (…). Der liebe Gott ist wurscht. Und der Himmel auch. Aber nicht des Leben. (…) Einfach die Beine in die Hand nehmen und dem Leben in die Arme werfen. Und drauf (scheißen): Was andere sagen. Die sind ja nur neidig: Weil´s Angst haben: Dass man keine Angst hat. Vorm Leben.“

(Mitzi in „Trümmerherz“, 6. Szene, Seite 18)

Vielen Dank für das Interview lieber Bernhard, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Theater-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Bernhard Bilek _ Autor, Regisseur, Theatermacher, Kultur- und Kommunikationsmanager

Foto_Matthias Heschl

1.7.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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