„Gehen“ Gerda Prantl, Künstlerin _ Give Peace A Chance _ Wien 24.9.2022

GIVE PEACE A CHANCE



G ehen

I mmer weiter und noch viel weiter

V ergeh(b)en, vergessen, erinnern

E infach die Augen schließen und einschlafen, hattest du mir einmal gesagt. Heute erinnere ich mich wieder daran.

P asse – port“, wiederholte der Pförtner nun schon merklich lauter als zuvor.

E inen Durchgang, eine Tür passieren“, denke ich und fahre also weiter so schnell ich nur kann. Direkt am Wächter vorbei und dabei nicke ich ihm noch freundlich zu, im Vorbeiziehen.

A lle Pforten habe ich ihm offen stehen gelassen, sperrangelweit, sodass er nicht stolpere oder gar aufgehalten würde, während seiner von Blitzen begleiteten Fahrt.

C ortex cerebri: Sprach- und andere mit unsichtbarer Tinte vermerkte Muster hinterlassen tiefere Spurrinnen in seinen Furchen, als jedes noch so verchromte Fahrrad. Stetig im Kreis, noch viel tiefer, bis in die limbischen Gewinde. Das Zeitalter der Gaslampen war definitiv und endgültig vorüber.

E ntschälen, „to shell“, von hier aus ist es auch zur Muschel nicht mehr weit, andererseits bezeichnet diese Begrifflichkeit auch ein „mit Granaten beschießen“. Einen „Bombardierschock“ also, der sich selbst erklärt und als eben jenen Schockzustand enttarnt. Eine korrektere deutsche Übersetzung wäre wohl das „Kriegszittern“.

A lternativlos.

C ortex cerebri: Kunst könnte werden zur Hand, ihre Tyrannei endet

H ier – steckengeblieben, stecknadelfein zwischen die Finger gepinnt, eingestochen, elfenbeindüster untermalt – font obscure, but still Victory Peace. Victory giving in for Peace.

A chance. Grabbing it.

N oone will, when the human face has disappeared.

C ortex cerebri: (Now.)

E nd

Gerda Prantl, 26.8.2022

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Gerda Prantl, Künstlerin 

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Fotos_Gerda Prantl

Walter Pobaschnig _ 26.8.2022.

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„Ein mitreißender Theaterabend!“ Helden reloaded. Premiere _Theater Forum Schwechat _ 23.9.2022

Die vom irischen Dramatiker, Satiriker und Literaturnobelpreisträger (1925) George Bernhard Shaw, (*1856 Dublin +1950 Ayot Saint Lawrence/England), verfasste Komödie „Helden“ („Arms and the Man“ _Uraufführung 1894 im Londoner Avenue Theatre) spielt während des Serbisch-Bulgarischen Krieges im Jahre 1885 und stellt nationalistischen wie persönlichen Heldenpathos in aller Absurdität und höchster Theaterkunst auf die Bühne.

Den Stationen des Stückes in der österreichischen Theatergeschichte (1921, Schönbrunner Schlosstheater; 1972 Theater an der Wien, Musical von Udo Jürgens mit Michael Heltau und Gabriele Jacoby), folgt nun eine Neufassung des Theater Forum Schwechat „Helden reloaded“ in Text und Regie von Marius Schiener.

Krieg, Eitelkeit, Liebe werden anhand hervorragend tragisch-komischer Dialoge und Situationen zum komödiantischen Feuerwerk, welches das großartige Ensemble in Wort wie beeindruckendem Körperspiel in Treffsicherheit zu setzen weiß. Von Beginn an ist das Publikum in der Welt des Krieges und dessen allzumenschlichen Eitelkeiten, Wirrungen und persönlichen Enthüllungen mittendrin.

Regisseur Marius Schiener nimmt in seiner mitreißenden Inszenierung das begeisterte Publikum auf eine komödiantische Reise in Lachen wie Nachdenklichkeit einmalig mit und das großartige spielfreudige Ensemble zaubert Situations-, wie Dialogkomik in Wort wie Gestik/Mimik genial auf die Bühne. Auch ist das detailreiche, wunderbare Bühnenbild hervorzuheben wie Musik/Gesang.

Walter Pobaschnig, literaturoutdoors 9/22

Interview Regie/Ensemble:

Wie kam es zu dieser Stückauswahl und was sind Schwerpunkte der Neuinszenierung?

Die Programmierung beginnt üblicherweise ein Jahr vor der Premiere. Vor einigen Jahren ist aus dem Theaterherbst mit Standort Zwettl ein Programmpunkt im Herbst des Spielplanes des Theaters Forum Schwechat geworden. Das Ziel: jedes Jahr ein anderes EU-Partnerland anhand einer Komödie vorzustellen. Heuer wäre das Irland, daher Shaw und Helden. Eigentlich auch mit dem Hintergedanken, dass es leider immer Kriege gibt. Nun ist leider ein europäischer im allgemeinen Blickpunkt, viele andere gewalttätige Konflikte in aller Welt sind es nicht.

(Marius Schiener, Regisseur)

Was macht das Stück zeitlos?

Die Grundthemen: Eitelkeit, Gewinnsucht, Prahlerei. Die Relation Mann Frau ist es auch, wenn gleich sie in dem Stück etwas altbacken wirkt. Dennoch bricht Raina, die weibliche Hauptfigur, aus dem klassischen Rollenbild aus, entlobt sich und begehrt auf. Der Impetus Shaws als Katholik mit dem Dogma: du sollst nicht töten und somit als Moralist war es, ein Plädoyer gegen den Krieg zu verfassen, in einer vergnüglichen Form, die selbst Brecht als Vertreter des Theaters als Medium, das unterhalten soll, goutiert hat. Denn der Schritt von Schokolade statt Patronen zu stell dir vor, es ist Krieg und Keiner geht mehr hin, ist ein kleiner, doch leider ein zu großer und unmöglicher für die Menschheit.

(Marius Schiener)

Was sind die Herausforderungen in der Stückerarbeitung für Regie und Ensemble?

Einerseits sich die etwas ältlich, aber feine Sprache des Übersetzers Trebitsch zu Eigen zu machen, um damit die Charaktere zu kreieren, sie gegen die reine Bedeutungsebene zu benutzen und mit ihr zu spielen, andererseits in der Stückbearbeitung zu kürzen, ohne wesentliche Handlungsteile zu streichen und Stereotype von damals auf heute umzulegen. Interessant am letzteren: die angegebenen Charakterzüge, die in diesem Werk verlacht werden sollen, sind zeitlos und noch immer vorhanden: angeben, um mehr zu scheinen als andere und sich von ihnen abzugrenzen ist allzu menschlich.

(Marius Schiener)

Theater ist ein Prozess und somit auch die Stückentwicklung – es erfordert Mut, Offenheit, Geduld und Lust! Die unterschiedlichsten Persönlichkeiten treffen aufeinander und die Herausforderungen bestehen darin, Stärken herauszufiltern, Ideen und Vorstellungen auszuprobieren und umzusetzen und dem gemeinsamen ,,Wachsen“ Raum zu geben. MITEINANDER entsteht ein kreatives und authentisches Gesamtwerk! 

(Michelle Haydn, Schauspielerin)

Inwieweit fließen aktuelle Ereignisse in das Stück ein und wie formt dies den Probenprozess?

„Unsere Inszenierung zelebriert das Changieren zwischen Freuden- und Trauertränen, betont genau dieses Wechselspiel als Stärke des Stückes, das auch über das Thema Krieg und Frieden hinaus wohlgesetzte Hiebe zwischen den Zeilen oder durch szenische „Nebenhandlungen“ zu versetzen vermag. Das Thema ist zeitlos und somit aktuell zugleich, ohne Bedarf an konkreten Anspielungen. Beim Proben, bei der Auseinandersetzung mit dem Inhalt werden natürlich erschütternde Realitäten des Krieges bewusst und sofern möglich etwas nachempfunden, Shaws Humor bietet da aber immer auch „Rettungsanker“ an die man sich halten kann.“ 

(András Sosko, Schauspieler)

Was kann Theater/Kunst dem Krieg entgegensetzen?

Die Kunst dient unter anderem auch dazu, gesellschaftliche Konflikte in Form von einer eigenen künstlerischen Interpretation zu kritisieren beziehungsweise in Frage stellen. Im Endeffekt kann man Menschen indirekt dazu bewegen, gewisse Dinge sein zu lassen oder auch zu inspirieren, diese zu tun. In dem Sinne kann man Menschen dazu bewegen, keine Kriege mehr zu führen. Jedoch hat man leider direkt keinen Einfluss darauf. Aber man kann seinen Mitmenschen sehr wohl Hoffnung, Mut und Lebensfreude mit der Kunst schaffen.

(Aleksander Fahrner, Schauspieler)

Ein Feindbild bekommt Sprünge, sobald man sich selbst darin sehen kann. Die Bühne ist ein besonders geeigneter Ort, um solche Bilder auszuleuchten, weil auf ihr Dinge passieren- jetzt in diesem Moment mit Menschen, die man anfassen könnte (bitte nicht)- diese Direktheit hat eine unvergleichbare emotionale Schlagkraft. Hier kann Menschen ein Gesicht, eine Geschichte gegeben werden, die zwar beides schon haben, aber in der öffentlichen Wahrnehmung sonst nur Zahlen sind oder Fremde oder Karikaturen oder eben Feinde. Wie will man sich der Menschlichkeit der „Anderen“ entziehen, wenn man sich selbst in ihnen erkannt hat?

(Linda Pichler, Schauspielerin)

Welche persönliche Erfahrungen wurden/werden im Probenprozess gemacht?

Die persönlichen Erfahrungen im Probenprozess sind zumindest für mich immer zweierlei Natur: Zum Einen Erfahrungen, die ich mit mir und meiner zumindest temporär angenommenen Unfähigkeit als Schauspieler mache und zum Anderen Erfahrungen, die sich aus der Beschäftigung mit dem jeweiligen Stoff des Stückes ergeben.

Letzteres war in diesem Fall besonders interessant, weil in Helden Reloaded zu Beginn sowohl der Kriegseifer als auch der pragmatische Zu- bzw. Umgang mit der Katastrophe Krieg vorübergehend gleichberechtigt oder zumindest unkommentiert neben einander stehen. Im Verlauf der Geschichte weicht der Kriegseifer aber letztlich auch dem Pragmatismus. So bleibt am Ende wieder einmal die Erkenntnis, dass die abstrakten Ziele eines Krieges nur für diejenigen von Wert sind, die den Krieg beginnen. Für alle anderen bleibt nur der Pragmatismus.

(Kevin Krennhuber, Schauspieler)

Welchen Wunsch gibt es an das Publikum?

Wir hoffen, dass wir unser Publikum gut unterhalten mit dem Stück und sie ihre Sorgen und Probleme vergessen können und dass wir gemeinsam viel Spaß haben. Mögen wir alle erkennen, dass Krieg und Gewalt nie der richtige Weg sein kann und wir nur weiterkommen, wenn wir alle zusammenhalten und den großen Spalt in unserer Gesellschaft wieder schließen.

Ich wünsche mir, dass wir gemeinsam eine schöne Zeit erleben und die Welt ein bisschen bunter und fröhlicher machen.

(Manuela Seidl, Schauspielerin)

Dass das Publikum  zahlreich strömt und  sich gut unterhält.

(Bruno Reichert, Schauspieler)

Produktionsteam/Ensemble_mit Regisseur Marius Schiener (vierter von rechts, zweite Reihe), Regieassistentin Amy Parteli (ganz links), Technik_Werner Ramschak (dritter von links, hintere Reihe).

„Ein mitreißendes reload eines komödiantischen Klassikers, das rundum begeistert und fasziniert. Zweifellos das Stück der Zeit.“

Walter Pobaschnig, literaturoutdoors

Ensemble (von links): Michelle Haydn, Bruno Reichert, András Sosko, Aleksander Fahrner, Kevin Krennhuber, Linda Pichler und Manuela Seidl,

„Helden Reloaded“ Premiere_22.9.2022 _ Theater Forum Schwechat

„Helden reloaded“ oder „lieber Schokolade statt Krieg“_Komödie von G.B. Shaw, in einer Neufassung. Eigenproduktion Theater Forum Schwechat

Regie: Marius Schiener

Mitarbeiterin der Regie: Amy Parteli

Ensemble: Michelle Haydn, Linda Pichler, Manuela Seidl, Aleksander Fahrner, Kevin Krennhuber, Bruno Reichert und András Sosko

Kostüme: Sigrid Dreger

Technische Leitung:  Werner Ramschak

Bühne: Thomas Fischer, René Knierim, Werner Ramschak und Daniel Truttmann

Premiere_22. September 2022, 20:00

ca. 2 Stunden, eine Pause

WEITERE TERMINE: 24., 27., 28., 29., 30., September und 2.; 5.; 6.; 7.; Oktober 2022, 20:00 _ Beginn 20:00

Ausstellung im Foyer: Kriegerisches

Karikaturen von Stefanie Grüssl, Dorthe Landschulz, Elisabeth Semrad, Ham Bengen, Axel Bierwolf, BURKH, Teja Fischer, Eggs Gildo, Alois Jesner, Daniel Jokesch, Johann Mayr und Reiner Schwalme

Theater Forum Schwechat, Ehrenbrunngasse 24_2320 Schwechat

Spielplan – Theater Forum Schwechat

Walter Pobaschnig 9_22

Alle Fotos_Walter Pobaschnig

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„Ein außergewöhnliches sinnliches Erlebnis!“ „We had a lot of bells“ Uraufführung _ Schauspielhaus Wien _ 22.9.2022

Der interessierte Blick des Publikums fällt zu Beginn auf Glocken in unterschiedlichen Größen, die an Seilen, Ketten hängend den Bühnenraum strukturieren. Damian Rebgetz, Regisseur von „We had a lot of bells“, Schauspieler, Autor und Komponist, tritt auf und öffnet das Thema der Glockenklänge in persönlichen Zugängen und historischen wie kulturgeschichtlichen Referenzen. Dann beginnt eine narrative Reise in Klang, Musik, Erinnerungen, Gespräch und Ausblick, die von SchauspielerInnen, MusikerInnen getragen ist und das Publikum einlädt mit allen Sinnen zu folgen.

Und das gelingt. Es ist ein beeindruckender variantenreicher Abend, der in ästhetischer Komposition, Verbindung wie Überraschung zu begeistern weiß. Regie und Ensemble, MusikerInnen gelingt es ausgezeichnet das Publikum zu den verschiedenen Stationen in Geschichte, Kultur, persönlichen Erinnerns, Erleben mitzunehmen und hineinzuversetzen.

Das Buch des französischen Historikers Alain Corbin, „Die Sprache der Glocken. Ländliche Gefühlskultur und symbolische Ordnung im Frankreich des 19. Jahrhunderts” (1994) bildet den Ausgangspunkt dieses Abends, der interessante Details der gesellschaftlichen Funktion der Glocke in Lebensbewegungen und Ereignissen wie der Musik-, Kulturgeschichte öffnet und dies in multiästhetischen interaktiven Dialogen sehr lebendig und unmittelbar zu einem besonderen Bühnenereignis werden lässt.

„Ein besonderer interaktiver Bühnenabend, der vielseitig sinnlich anspricht und begeistert!“

„We had a lot of bells“ Uraufführung_ Schauspielhaus Wien 22.9.2022

Regie, Text & Musik: Damian Rebgetz
Deutsche Übersetzung: Ann Cotten

Kostüme: Veronika Schneider

Musik-Performance: Maiken Beer (Studio Dan), Cornelia Burghardt (Studio Dan), Theresa Dinkhauser (Studio Dan), Viola Falb (Studio Dan), Sachiko Hara, ‘Session in her room’ Benjamin Saeed, Raihana Saeed, Ramy El Borollossy

Mit Musik von: Damian Rebgetz, Robert Schwarz, ‘Session in her room’ Benjamin Saeed, Raihana Saeed, Ramy El Borollossy

Dramaturgie: Lucie Ortmann

Regie- und Ausstattungsassistenz: Anna Rumpler Dramaturgieassistenz: Hannah Salentinig

Weitere Termine: 22., 24., 27., 28.September_5., 6., 7., 8., 11., 12.Oktober 20h, 100 min ohne Pause

Schauspielhaus Wien

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Walter Pobaschnig 9_22

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„Den inneren Zustand der Welt aufzeigen, dafür ist die Kunst zuständig “ Ingrid Walter, Schriftstellerin _ Offenbach am Main 23.9.2022

Wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Meine Tage sehen oft sehr unterschiedlich aus, manchmal fahre ich zu Interviews oder Recherchen nach Offenbach oder Frankfurt, manchmal arbeite ich im Heimbüro. Ich stehe gern früh auf, nehme die Frische des Morgens mit in den Tag. Ein paar Yoga-Übungen, ein grüner Tee am Küchentisch und dabei 10 Minuten mit der Hand schreiben, spüren, wie es mir geht, gelenkig werden im Kopf, fokussieren auf den Tag. Dann nehme ich Termine wahr oder setze ich mich an den Laptop und beginne mit dem Schreiben, meist von Artikeln für verschiedene Magazine oder Kommunikationskonzepten und Planungen für Coachings. Gegen Mittag ein leichtes Essen, in einem Buch lesen, einen Espresso trinken. Am späteren Nachmittag arbeite ich an eigenen Texten, Kurzgeschichten und meinem neuen Romanprojekt. Abends ein Spaziergang – manchmal fällt mir dabei ein Gedicht aus dem Kopf.

Ingrid Walter, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Zusammenhalt und Menschlichkeit, sich gegenseitig unterstützen, einander helfen, Freundschaften pflegen. Eifersüchteleien, Neid und Rivalität bringen uns nicht weiter. Wir Menschen sollten endlich kapiert haben, dass wir alle in einem Boot sitzen, und dieses Boot heißt Welt.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Wir Künstler:innen sollten zusammen arbeiten, unsere Talente bündeln und uns gegenseitig die Steigbügel halten. Nur dann können wir uns als Kraft in der Gesellschaft stärker positionieren, Inspiration und Energie einbringen, die wichtig sin für Neuanfänge. Für mich sind Künstler:innen Seismografen der Gesellschaft. Wir müssen feinfühlig den Zustand unserer Welt erspüren und sozusagen ausschlagen mit Worten, mit Bildern mit Kunst in jeglicher Form. Medien können nur berichten, was äußerlich passiert (ist) – den inneren Zustand der Welt aufzuzeigen, dafür ist die Kunst zuständig.

Was liest Du derzeit?

Ich habe die schlechte Angewohnheit, immer mehrere Bücher gleichzeitig zu lesen. Im Moment:

„Erinnerung eines Mädchens“, Ernie Ernaux

„Atemschaukel“, Herta Müller

„Schreiben“, Marguerite Duras

Welches Zitat, welche Textstelle möchtest Du uns mitgeben?

Marguerite Duras: „Schreiben heißt auch, nicht zu sprechen. Heißt, zu schweigen. Heißt, lautlos zu schreien.“

Ingrid Walter, Schriftstellerin

Vielen Dank für das Interview liebe Ingrid, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Ingrid Walter, Schriftstellerin

www.walter-wortware.de

Fotos_Marlene Heinzinger

23.8.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Gigantische Gier Grauton“ Ingolf Max Libuschewski, Künstler _ Give Peace A Chance _ Osnabrück/D 23.9.2022

GIVE PEACE A CHANCE


G  Gigantische Gier Grauton

Irre Idiotie Infektion Indigoblau

Verdächtiger Verzicht

Endlos Erdacht Erbton

P  Panik Puls Purpurrot

Elegant Erbleicht

Alles Anders Angedacht Aschfahl

C  Caligula Casting Cobaltrot

E  Erneuerte Endeffekte Erdfarben

A  Allumfassend Ausgesetzt Antrazit

C  Cerebrales Chaos

H  Halt Heiß Handeln

Ansicht Andersrum

N  Neutral Nüchtern Neongelb

C  Cremefarben

E  Einmalig Erdacht Endlos


Ingolf Max Libuschewski, 5.9.2022

Ingolf Max Libuschewski, Künstler

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Ingolf Max Libuschewski, Künstler

http://libuart.de/

Fotos_privat

Walter Pobaschnig _ 5.9.2022.

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„Wir müssen mit unserer Kunst hinausgehen“ Angela Olbrich, Künstlerin _ Wien 22.9.2022

Liebe Angela, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Was für mich wichtig ist, obwohl das oft anfangs Überwindung kostet, sind alltägliche Tätigkeiten und Handgriffe. Diese Erden und geben mir das Gefühl der Unmittelbarkeit und Handlungsfähigkeit. Es gilt diese Balance zu Halten zwischen den Eingebungen aus einer Anderswelt dem Kunstraum und den ebenso wichtigen Rollen als Mutter, Frau, Freundin, Schwester, Tochter, Haushaltsjongleurin etc. Dazwischen dann noch in Beziehung sein mit den unterschiedlichsten Menschen, als Kunsttherapeutin.

Aus dieser Vielfalt im Erleben, schöpft dann wieder die Kunst.

Unerlässlich sind für mich aber außerdem Auszeiten und All-einSein, vor allem in der Natur. In diese Zeiten nährt sich die Seele, kommt die Kraft und Inspiration zurück, für neue Projekte und nicht zuletzt entsteht so die Kunst.

Angela Olbrich, ganzheitliche Künstlerin, ganzheitliche Kunsttherapeutin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Wir müssen uns verabschieden von alten Strukturen, Rollenbildern, wirtschaftlichen Annahmen und überholten Vorstellungen. Wir befinden uns in einer revolutionären Zeit des Wandels und wir haben bereits erfahren, wieviel Veränderung eigentlich möglich wäre. Wichtig wäre nun, die eigenen Kompetenzen wahrzunehmen und ins konstruktive Handeln zu finden. Wir können so viel, wenn jede/jeder einzelne einen kleinen Part übernimmt. Eigentlich hätte die gesamte Menschheit die Voraussetzung, satt, gesund und zufrieden im Paradies zu leben. Leider ziehen immer noch, wie spätestens seit dem Mittelalter, die gleichen destruktiven Kräfte auf der anderen Seite: Machtgier, Neid, Maßlosigkeit.

Ich frage mich oft, was nötig wäre, diese Kräfte zu transformieren? Und mein Wunsch ist, dass dieses mit Hilfe der Kunst teilweise gelingen kann.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?

Ich glaube, dass Kunst sowie die Wissenschaft das Potential hat, das Unmögliche zu erschaffen. Eigentlich würde ich noch darüber hinaus gehen, denn im unendlichen Raum der Kunst ist einfach alles, wirklich alles möglich. Ich wünsche mir eine Kunst, die neben den wichtigen Aufgaben von Kritik, Provokation, Aufrütteln auch ihr Potential einer konstruktiven, inspirierten und aktiven Rolle wahrnimmt. Wir müssen mit unserer Kunst hinaus gehen und die Menschen motivieren, ihr eigenes Leben und damit unsere Welt schaffend und schöpfend zu gestalten, im Einklang mit unserer ursprünglichen Bestimmung und Achtung der Natur. Es können so kleine Dinge sein, die oft unbemerkt große Wirkung haben.

Was liest Du derzeit?

Juicy Gray – Plädoyer für einen Atlas der Kreativität (Bernhard Zünkeler),

Es existiert (Johannes Huber),

Hamster im hinteren Stromgebiet (Joachim Meyerhoff)

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Finde das Schöne in deinem Herzen, auf dass du es in jedem Herzen entdeckst. (Rumi)

Vielen Dank für das Interview liebe Andrea, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Angela Olbrich, ganzheitliche Künstlerin, ganzheitliche Kunsttherapeutin

http://www.kunstpflege.at/

Foto_privat.

22.8.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„David Bowie“ Frank Kelleter. Reclam Verlag

1977. Da ist die Erinnerung an den Kauf der ersten David Bowie LP. Es ist der dritte LP-Kauf nach den Beatles und Sweet. Und jetzt tut sich eine neue Welt der Musik, der Kunst, der vielfältigsten Assoziationen, Impulsen auf, die bis weit in die Gegenwart reichen…

Frank Kelleter, Professor für Nordamerikanische Kultur und Kulturgeschichte am J.F.Kennedy Institut der Freuen Universität Berlin, legt mit „David Bowie“ ein ganz besonders persönliches wie musik- kunst- und kulturanalytisches Buch zu einem der bedeutendsten wie faszinierendsten Künstler der Moderne vor.

Kelleter verbindet dabei persönliche Notizen über David Bowie mit einem Abriss zu Leben und Werk, der sehr genau musikalischen Einflüssen, Entwicklungen des Ausnahmemusiker folgt und so ein Gesamtbild entstehen lässt, welches den Künstler wie Menschen David Bowie sehr gut umreißt.

Zahlreiche Informationen zu LP-releases, musikalischen Kooperationen wie kulturellen Facetten im Werk Bowies geben genaue Auskunft und laden auch ein, weiterführend Leben und Werk kennenzulernen.

„Eine wunderbare facettenreiche Vorstellung eines Ausnahmekünstler der Moderne“

Walter Pobaschnig 9_22

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„Gitarre spielen habe er sich selbst beigebracht, erzählt er“ Tanja Schwarz, Schriftstellerin _ Give Peace A Chance _ Hamburg 22.9.2022

GIVE PEACE A CHANCE

Gitarre spielen habe er sich selbst beigebracht, erzählt er

In rudimentärem Englisch. Es gibt nur diesen einen Song, den

Vlad, neunzehn Jahre, ohne Google zusammenbringt, und so spielte er immer diesen

Einen, als sie im Dunkeln im Keller saßen und es nichts gab, auch keinen Strom für die Telefone.

Priezaj, priezaj, geht der Refrain, und Vlads Stimme zittert, als er vor uns

Einem Publikum, das dergleichen selbst nie erlebt hat, singt

All die Jahre lebten wir unter einem Himmel, von dem die Nato drohende Wolken einfach wegschiebt

Come, come, übersetzt er für uns, diese Worte hätten den anderen

Eingesperrten die Kraft gegeben, nicht den Verstand zu verlieren während der Bombennächte in Mariupol.

Alla Borisovna. Der Name eines Engels. Bei ihr leben jetzt Vlad und sein kleiner Bruder, im sicheren Deutschland

Charkiw ist frei, bald vielleicht auch Donetsk. Gerannt sind sie wie die

Hasen, die Besatzer, überrumpelt von der ukrainischen Offensive. Mariupol. Sein Blick wird leer

Alle Gebäude zerstört, zehntausende Tote. Die Verbliebenen hausen in Löchern und wärmen sich an offenen Feuern.

Nichts ist mehr übrig. Den Vater haben die Russen tot zurückgebracht vom Verhör. Er sieht uns an, spricht in den Übersetzer:

Chancellor Scholz, send us weapons.

Es kann erst Frieden geben, wenn die ganze Ukraine befreit ist.



Tanja Schwarz 21.09.2022

Tanja Schwarz, Schriftstellerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Tanja Schwarz, Schriftstellerin

Foto Portrait_Marc Wortmann; privat _ Tanja Schwarz

Walter Pobaschnig _ 21.9.2022.

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„Geben ohne wollen zu nehmen“ Amelia Poesia, Schriftstellerin _ Give Peace A Chance _ Lübeck/D 21.9.2022

GIVE PEACE A CHANCE


Geben ohne wollen zu nehmen

In Hoffnung sein ohne nach mehr zu streben

Vergeben ohne zu wollen im Recht zu stehen

Einander verstehen, ohne böses Wort zu säen

Persönlichkeitsentwicklung bedeutet, Gesellschaftsverstrickung

Eine Entscheidung für ein Leben bedeutet, für andere einzustehen

Augenscheinlich ist Nächstenliebe ein Akt der Rebellion

Chaos und Unruhe drohen wegen ungewohnten Handlungen

Ein lauter Mensch ist ein ängstlicher Mensch ohne Formabweichungen

Aller Anfang ist ein Anfang ohne Handlungszwang

Celloist Prof. Szymon Marciniak schafft tiefe Töne für den Frieden

Hoffnung kann zusammen Glauben schaffen

Auch Veränderungen verschaffen kleine Siege für einen Silberschmieden

Noch mehr können wir Gemeinsam schaffen

Changieren und neu charakterisieren

Ende Gut, Friedensschaffen



Amelia Poesia, 3.9.2022

Amelia Poesia

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Amelia Poesia, Schriftstellerin

https://www.facebook.com/Amelia-Poesia-109283111888027

Foto_privat

Walter Pobaschnig _ 2.9.2022.

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„Das gleiche wie immer, Geld und ein liebevolles, unterstützendes und manchmal ablenkendes Umfeld“ Andreas Thamm, Schriftsteller _ Nürnberg 21.9.2022

Lieber Andreas, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Mitte September 22: Früh um 7 raus, schnell was frühstücken, versuchen, das Baby zu füttern und rechtzeitig angezogen in den Fahrradanhänger zu verfrachten. Kurz zu Eingewöhnung in der Kita abhängen, heim, Mittagessen, Spielplatz, Abendessen, Sofa, Bett, oder so in der Art. In den Pausen, die das Baby durch seine zwei Nickerchen vorgibt: Homeoffice für das curt Magazin Nürnberg, Mails checken, Rechnungen schreiben oder bezahlen, Spülmaschine, Waschmaschine, Staubsaugerroboter in Tätigkeit versetzen, paar Zeilen am Roman schreiben, paar Zeilen an einem Artikel für ein Magazin/eine Zeitung schreiben, dies, das. Bald wird sich das zur Hälfte in Büro, zur anderen Hälfte in Care-Arbeit aufteilen, wiederum aufgeteilt mit meiner Partnerin, sodass sich in den kommenden Wochen ein neuer Tagesablauf etablieren wird. Und ich herausfinden muss, was ich wo reduzieren kann.

Andreas Thamm_ Schriftsteller, Journalist

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Das gleiche wie immer, Geld und ein liebevolles, unterstützendes und manchmal ablenkendes Umfeld. Mit guten Wünschen und Gottvertrauen kann man nicht heizen und allein ist alles noch viel mühsamer.  

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Literatur (Film und Theater und so mitgemeint) kann uns ja wie nichts anderes Perspektiven außerhalb unserer eigenen Lebenswelt eröffnen und uns damit bei unseren ewigen Versuchen in Empathie und Menschenfreundlichkeit unterstützen.

Andererseits fand ich die Literaten und Intellektuellen in den vergangenen Monaten im Postulieren, Fordern, Offenebriefeschreiben weder schlau noch hilfreich. Es tut dem Output von Künstler*innen nicht gut, wenn sie ihre Rolle zu wichtig nehmen. Unsere Aufgabe ist es am Ende Literatur zu machen, also Geschichten erzählen und das ist doch auch schon ganz viel.

Was liest Du derzeit?

– Jeff Chi: Who is the Scatman? Eine Graphic Novel über das Leben von John Larkin, besser bekannt als Scatman John, sehr berührend, sehr empfehlenswert.

Erich Kästner: Pünktchen und Anton. Ich hab irgendwie nie Kästner gelesen und finde es jetzt umso interessanter, mal zu kucken, wie der Sachen gemacht hat.

Amos Oz: Plötzlich tief im Wald

Jörg Alt: Widerstand! – Gegen eine Wirtschaft, die tötet. Das ist für eine Recherche.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

All the beautiful things ever seen on our world have, of course, already been seen—are being seen at this instant and will always be seen—by our descendants, and by their doubles who have preceded and will follow them. Scions of a finer humanity, they have already mocked and reviled our existence on dead worlds, while overtaking and succeeding us.

Eliot Weinberger

Vielen Dank für das Interview lieber Andreas, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Andreas Thamm, Schriftsteller

Zur Person: Andreas Thamm, geboren 1990 in Bamberg, hat in Hildesheim Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus studiert. Lebt als Journalist, curt-Redakteur Autor und Suppenkoch in Nürnberg. Texte erschienen in: taz, ZON, SPON, Fluter, etc. Bei Magellan erschienen die Jugendromane „Heldenhaft“ und „Wenn man so will, waren es die Aliens“, in der Serie945756 der Roman „Unter Schluchten“. Andreas Thamm ist Kulturförderpreisträger und Arbeitsstipendiat des Freistaats Bayern 2020 und Kulturpreisträger der Stadt Nürnberg 2021.

 Foto_privat

20.9.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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