Als wollte uns die welt vor augen führen, wie das mit der halbwertszeit politischer denkmodelle ist. das SUBJEKT DES FRIEDENS IN EUROPA war bis – werweiß, ‘95? ‘01? – die pazifistische linke im westen, und waren die post-a
Chtundsechtziger-dissidentennetzwerke im osten. und auf einmal ist das subjekt der gedanken, die von unserem (!!!) frieden
Handeln, bloß die bevölkerung eines landes unter w
Affen, vo
Ndem bis vor eineinhalb-zwei jahren niemand so re
Cht wusste, wo und was es eigentlich sei. und wir sind‘s nämlich nicht mehr – und damit komm mal klar,
Europa!
Stefan Schmitzer, 6.8.23
Stefan Schmitzer, Schriftsteller
Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:
Stefan Schmitzer, Schriftsteller
Zur Person _Stefan Schmitzer, *1979, lebt als Autor in Graz und ist Mitherausgeber und Redakteur von perspektive – hefte für zeitgenösische literatur … Zuletzt erschienen: „boring river notes.“ (Graz: Keiper [Reihe Keiper Lyrik #19]); „Zweitausendachtzehn. Vier Moritaten“ (2019); „okzident express. falsch erinnerte lieder“ (2019); „liste der künstlichen objekte auf dem mond. gedicht“ (2021); „Wild On. Posse“ (2022)
„boring river notes“ keiper lyrik 19 _ Stefan Schmitzer (mit Zeichnungen von Rainer Prohaska),
Am Anfang stand ein Reisefilm des in Krems an der Donau geborenen, ebendort und in Wien lebenden Objektkünstlers Rainer Prohaska. Das Objekt in diesem Fall: ein Selbstbauboot, ein Trimaran, auf dem Prohaska mit seiner Crew von Melk bis nach Sulina im rumänischen Donaudelta schipperte. Das Thema des experimentellen Dokumentarfilms: die Dekonstruktion eines Kulturraums, der zu sein dem Donauraum aus so unterschiedlichen Beweggründen wie Habsburgnostalgie, pragmatischem Umgang mit EU-Förderkriterien oder sogar paneuropäischem Idealismus vielfach unterstellt worden ist. Tatsächlich präsentiert sich der Strom als träge Naturgewalt, begleitet von Zweckbauten und Investment-Ruinen – eine marode Szenerie, die wohl kaum ein Bild kultureller Identität, sondern weit mehr eines der Bedeutungsarmut, ja der Langeweile vermittelt. In einer frühen, funktionalen Version des vorliegenden Texts gaben Stefan Schmitzers boring river notes jenem Film eine Textebene, derer die thematisch gruppierten Bewegtbilder von der Reise, dem Boot, seiner Besatzung und Fracht bedurften, um ganz sicher nicht als numinoses Ergriffenheitsepos fehlgedeutet zu werden.
Für unsere Lyrikreihe hat Schmitzer, der sich als vielseitiger und politisch hellwacher Autor, Kritiker und Performer längst einen Namen gemacht hat, dieses Material in eine literarische Form gebracht, die sich aus dem filmischen Zusammenhang emanzipiert. Mit sprachlicher Virtuosität und gewitzter Ironie schickt er uns auf eine raffiniert langweilige Reise den Strom hinunter und dekonstruiert dabei den Bedeutungsraum des Gedichts nicht weniger wirksam als jenen vermeintlichen Kulturraum.
„Wie die Saat, so die Ernte“ Commissario Brunettis zweiunddreißigster Fall. Donna Leon. Roman. Diogenes Verlag.
Ein Samstag im November. Commissario Brunetti widmet sich seinen Büchern. Es geht um das Aussortieren. Erinnerungen an die Schullektüre werden wach wie Bücherwege hierher…Dann ein Anruf. Ein Kollege war privat bei einer Demonstration und sitzt jetzt in der Klemme, also auf der Polizeistation Trevisio in der Zelle. Brunetti fährt hin, um den Kollegen zu befreien…es gelingt, aber es hat ein Nachspiel…wie das turbulente Leben in Venedig…
Dann wieder ein Anruf. Ein Toter im Garten eines Palazzo…und jetzt beginnt eine Spurensuche, die auch mit Büchern zu tun hat…
Donna Leon, seit JahrenBestsellerautorin, legt mit „Wie die Saat, so die Ernte“ den zweiunddreißigsten Fall des Commissario Brunetti vor und es gelingt wiederum ein spannendes, abwechslungsreiches wie auch zeit- und gesellschaftskritisches Lesevergnügen, das zu überraschen und zu begeistern weiß.
„Ein wunderbares Lesevergnügen!“
„Wie die Saat, so die Ernte“ Commissario Brunettis zweiunddreißigster Fall. Donna Leon. Roman. Diogenes Verlag.
Anders zu machen, aber es ist auch nicht mehr als eine
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Marius Hulpe, 7.8.2023
Marius Hulpe, Schriftsteller
Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:
Marius Hulpe, Schriftsteller
Aktueller Gedichtband _
Monument für die Verlassenen, Marius Hulpe. Gedichte. Elif Verlag
In den neuen Gedichten von Marius Hulpe kommunizieren Kindheitslandschaften und -erwartungen mit zerrütteten Gegenwarten, agiert ein erinnerndes Körperbewusstsein poetische Spektakel und stille, seismographische Sprachkammern gleichermaßen aus, rhythmisch und voller Musikalität. Sie machen Ungewissheit wie auch ungeschützt im Strudel der Welt Zurückgebliebenes sichtbar, menschliche wie tierische Verlassenheit, tranzendentale wie ganz konkrete. Aber auch den Sprachen und Sprachidentitäten, in denen sich all das kreatürlich vollzieht, sind sie in ihrer Beweglichkeit ein Monument, ebenso ihren Bedürfnissen, die angesichts der zu entziffernden Grausamkeiten wie Schönheiten entstehen. Sie handeln von Müttern, Pazifikbewohner*innen, von dichtenden Holocaustopfern. Zugleich beobachtet und eicht die Stimme dieses Bandes spürbar immer wieder auch eins: sich selbst.
Gedichte von Marius Hulpe sind ein spezielles, ein bild- und besinnungspendendes Ereignis, sie erweitern in dieser Sammlung u.a. das Personengedicht, ästhetisch wie ethisch, und verfügen nicht nur über eine „ursprüngliche poetische Ausdruckskraft“ und „eine Stimme, die sich einprägt“, wie Walter Hinck schon früh in der Frankfurter Allgemeinen schrieb, sondern sind schlicht eine „Entdeckung“.
ISBN: 978-3-946989-58-5 128 Seiten Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag
Zum Projekt: Das Bachmann Projekt „Station bei Bachmann“ ist ein interdisziplinäres Kunstprojekt an den Schnittstellen von Literatur, Theater/Performance und Bildender Kunst.
Dabei kommt den topographischen und biographischen Bezügen eine besondere Bedeutung zu, indem Dokumentation, Rezeption und Gegenwartstransfer, Diskussion ineinandergreifen.
Künstler:innen werden eingeladen an diesem Projekt teilzunehmen und in ihren Zugängen Perspektiven zu Werk und Person beizutragen.
Den Schwerpunkt bildet dabei Werk und Leben Ingeborg Bachmanns. Ebenso weitere Künstler:Innen.
Liebe Franziska Serokina Lindenthaler, wie liest Du den Text „Undine geht“ von Ingeborg Bachmann? Welche Grundaussagen gibt es da für Dich?
Der Kampf gegen das Patriarchat und somit die Befreiung von Geschlechterrollen. Liebessehnsucht
Wie siehst Du „Undine“?
Ein nach Autonomie und Harmonie strebendes Wesen.
„Undine geht“ wurde vor 60 Jahren veröffentlicht. Was hat sich seit damals im Rollenbild von Frau und Mann verändert und was sollte sich noch ändern?
Natürlich hat sich seit damals einiges geändert, ich glaube jedoch grundsätzlich, dass sich die Rollenbilder nicht ändern, sondern auflösen sollten. Jede Person hat das Recht, ihre eigene individuelle Rolle zu finden. Das ist ja das Schöne am Individuum. Warum sollten wir uns in eine vorgegebene Rolle „hineinquetschen“?
Der Monolog geht mit der patriarchalen Gesellschaftswelt schonungslos ins Gericht. Wie siehst Du die Situation patriarchaler Macht heute?
Das Patriarchat ist leider noch nicht vorbei, es kleidet sich nur etwas moderner. Es ist leider immer sehr tragisch anzusehen und zu fühlen wie viel Ungleichgewicht hier in dieser Welt herrscht.
Der Text drückt auch viel Trauer über das Scheitern der Liebe und eines Miteinander der Geschlechter im gesellschaftlichen Lebens aus. Welche Auswege siehst Du da?
Das Scheitern ist ein wichtiger Bestandteil des Lebens, der uns wichtige Dinge lehrt. Ich denke einen wirklichen Ausweg kann und soll es da nicht geben.
Grundsätzlich denke ich, dass offene und ehrliche Kommunikation sehr wichtig ist um ein friedliches Miteinander zu schaffen. Egal welches Geschlecht man lebt.
Was kannst Du als Frau und Künstlerin von „Undine geht“ in das Heute mitnehmen?
Mut und Hoffnung.
Was bedeutet Dir Natur?
Die Natur war und ist für mich immer schon einer der wichtigsten Lebensbestandteile und eine besondere Quelle für mich. Nirgends kann ich so gut abschalten und Kraft tanken als draußen im Grünen J
Was bedeutet Dir das Element Wasser?
Ich liebe das Wasser, habe aber auch großen Respekt davor. Manchmal denke ich lange darüber nach, wie „schräg“ ich Wasser finde und dass es überhaupt existiert. Es ist schon ein Wunder. Besonders faszinierend finde ich, dass es immer in Bewegung ist.
Wie lebst Du den Kreislauf der Jahreszeiten?
Das kommt bei mir immer auf die Lebensphase an. Grundsätzlich spüre ich aber schon einen Gemütswechsel, wenn sich die Jahreszeiten ändern und ich glaube ich passe mich dann unbewusst ein bisschen an sie an.
Wie kann der moderne Mensch in Harmonie zur und mit der Welt leben?
Ich glaube, dass das sehr individuell ist. Ich habe für mich bemerkt, dass Akzeptanz immer eine wichtige Lebensbegleiterin war, die schwierige Situationen etwas leichter machen konnte.
Was braucht Liebe immer, um zu wachsen, zu blühen?
Vertrauen und vielleicht manchmal auch Mut.
Was lässt Liebe untergehen?
Unehrlichkeit kann in vielerlei Hinsicht schädlich sein. Wenn wir uns selbst gegenüber unehrlich sind, verlieren wir den Kontakt zu unseren eigenen Bedürfnissen, Wünschen und Gefühlen. Das kann zu innerer Unzufriedenheit und einem Mangel an Selbstakzeptanz führen. Wenn wir anderen gegenüber unehrlich sind, kann dies das Vertrauen und die Beziehungen belasten. Es kann zu Missverständnissen, Konflikten und letztendlich zu einem Verlust von Verbindungen führen. Ehrlichkeit ist für mich eine wichtige Tugend, um ein erfülltes und harmonisches Leben in Liebe zu führen.
Unehrlichkeit. Zu sich selbst und auch gegenüber anderen
Wie war Dein Weg zum Schauspiel?
Der war etwas ungewöhnlich. Ich wusste zwar schon immer, dass Schauspiel meine Leidenschaft ist, musste mich aber erst einmal von den Ketten meiner Unsicherheit befreien. Bis dahin habe ich mich im Radiostudio „versteckt“. Vor ein paar Jahren habe ich dann nebenbei angefangen, ein bisschen zu drehen, und mich schließlich auch in den Schauspielunterricht getraut. Jetzt gibt es kein Zurück mehr. ☺
Welche Berührungspunkte/Impulse mit/von Literatur gab es bisher in Deinen künstlerischen Projekten?
Da gab es schon viele Berührungspunkte. Beim Theater erklärt es sich von selbst, aber auch bei Projekten als Sprecherin konnte ich mit Literatur arbeiten oder Impulse für mich mitnehmen. Manchmal ist es aber auch umgekehrt, und der Impuls führt mich zur Literatur – dann schreibe ich selbst.
Welche aktuellen Projektpläne hast Du derzeit?
Leider darf ich darüber noch nichts verraten, hoffentlich bald J
Welches Zitat aus „Undine geht“ möchtest Du uns mitgeben?
«Alles hast du mit den Worten und Sätzen gemacht, hast dich verständigt mit ihnen oder hast sie gewandelt, hast etwas neu benannt…»
Darf ich Dich zum Abschluss zu einem Achrostikon zu „Undine geht“ bitten?
Zum Projekt: Das Bachmann Projekt „Station bei Bachmann“ ist ein interdisziplinäres Kunstprojekt an den Schnittstellen von Literatur, Theater/Performance und Bildender Kunst.
Dabei kommt den topographischen und biographischen Bezügen eine besondere Bedeutung zu, indem Dokumentation, Rezeption und Gegenwartstransfer, Diskussion ineinandergreifen.
Künstler:innen werden eingeladen an diesem Projekt teilzunehmen und in ihren Zugängen Perspektiven zu Werk und Person beizutragen.
Den Schwerpunkt bildet dabei Werk und Leben Ingeborg Bachmanns. Ebenso weitere Künstler:Innen.
Lieber Herwig Maria Stark, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Anders als vor fünf Jahren noch, Schicksale im privaten Bereich ( Tod eines Seelenmenschen) sowie durch die Pandemie veränderte Umstände, Krieg in Europa, all das fordert Resilienza und ich tue was getan werden muss einerseits und natürlich darf die Kunst nicht zu kurz kommen. Im Moment allerdings alles nicht so leicht und es dauert bis sich das eingespielt hat und ich mich in diesem NEUEN Ungewolltem zurecht finde.
Herwig Maria Stark, Künstler
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Durchhalten, zusammenhalten, die Hoffnung nicht verlieren und sich selbst treu bleiben
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?
Kunst bietet und hat immer Möglichkeiten geboten die Dinge und Umstände von verschiedenen Seiten zu betrachten und wir können für uns daraus persönlich Anregungen finden. Ein Angebot, das Jeder einzelne annehmen kann, aber nicht muss. Wichtig ist, denke ich sich mit gegenseitigem Respekt zu begegnen und dem Anderen seine Würde zu lassen.
Was liest Du derzeit?
Dort und da kluge Bücher mit Lebensweisheiten
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
GRACE IS THE ABILITY TO RECEIVE, raus aus dem Mangelbewusstsein
Vielen Dank für das Interview Herwig Maria, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Herwig Maria Stark, Künstler
Zur Person _ Herwig Maria Stark, der gebürtige Salzburger studierte Modedesign in Wien/ Modeschule Hetzendorf und schloss dieses an der Accademia Italiana Moda/ Florenz mit Auszeichnung ab.
Nach einigen Jahren als freischaffender Modedesigner für die europäische Bekleidungsindustrie folgte ein Staatspreis in Wien für die beste Herren Kollektion 1996 durch das österreichische Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur.
Ab dem Jahr 2000 wandte er sich den bildenden Künsten zu, studierte Malerei bei Irina Nakhova/ NYC, sowie bei Professor Franz Graff/ Akademie der bildenden Künste, Faber Castell Akademie/ Nürnberg und altmeisterliche Techniken bei Angel Ramiro Sanchez in Florenz. Herwig Maria Stark wurde mehrfach national sowie international ausgezeichnet und ist in zahlreichen privaten wie öffentlichen Sammlungen vertreten.
Liebe Christa Prameshuber, Wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Der morgendliche Kaffeeduft ist mein erster Glücksmoment. Der nächste ist ein Blick aus dem Fenster, wenn ich See und Berge sehe. Täglich plaudere ich im Freundeskreis – bei persönlichen Treffen, telefonisch oder per Zoom. Unser Austausch von Alltagsgeschichten bis zu Kultur- und Lesetipps sind bereichernd. Tägliches Spazierengehen, auch im Regen, beschwingt meinen Denkrhythmus und bringt neue (Schreib)Ideen. Ich versuche diese, egal wie verrückt sie sein mögen, gleich umzusetzen (z.B. mich als «Turmeremitin» im Linzer Mariendom anzumelden). Da ich zwischen drei Domizilen pendle (Zürich, Montreux und Paris), ist der Tagesablauf zudem vom jeweiligen Ort geprägt.
Christa Prameshuber, Schriftstellerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Spontan sage ich als erstes: Geistige und körperliche Gesundheit – sie bilden die Basis für alles und beeinflussen unsere Fähigkeit zu klarem Denken, Zuhören, Meinungsbildung und ein respektvolles Miteinander. Mehr denn je benötigen wir Zeit für Selbstreflexion, (sinnvolle) Gespräche und Weiterbildung. Unsere Welt scheint derzeit ein Kuddelmuddel in jeder Hinsicht zu sein – da hilft nur Optimismus, gesunder Menschverstand und Gespräche darüber mit anderen.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Kultur ist mehr als ein kurzweiliges „Augenblicksvergnügen“. Eine Lesung, ein Konzert, eine Oper oder eine Vernissage sind Anlässe, die uns klar machen, was im Leben wirklich bedeutsam, schön und wertvoll ist – sie helfen uns zu verstehen, wer wir sind und wer wir sein wollen. Idealerweise fördert Kultur den Dialog und schafft einen Raum für Resilienz und Widerstand. Literatur hat mein Leben maßgeblich geprägt und mir geholfen, zu der Person zu werden, die ich heute bin. Auch wenn die Kulturszene nach der Corona-Zeit mit Herausforderungen konfrontiert ist, glaube ich fest daran, dass wir gemeinsam enger zusammenrücken und kooperieren müssen, um Sichtbarkeit zu erlangen. Ein starkes Netzwerk bildet dabei das Fundament für unser Vorankommen. Ich weiss, es klingt sehr banal, aber Kultur darf keine isolierte Insel sein, sondern ein essentiellen Bestandteil unserer Gesellschaft.
Was liest Du derzeit?
«Eine vollständige Liste aller Dinge, die ich vergessen habe» Doris Knecht (bin begeistert)
«Sommerhaus, später» Judith Hermann (lese ich gerade ein zweites Mal) (grossartig)
Ich höre momentan täglich 1-2 Folgen von Michael Köhlmeiers «Mythen – Sagen aus dem klassischen Altertum», einer 80-teiligen ARD alpha Reihe – sehr amüsant und die 15 Minuten sind lehrreich und hochaktuell. (sehr empfehlenswert)
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
«Die großen Augenblicke sind die, in denen wir getan haben, was wir uns nie zugetraut hätten» (Marie von Ebner-Eschenbach)
«Es gibt kein richtiges Leben im falschen» (Theodor W. Adorno)
«Die Erinnerung liebt es im Dunkeln auf die Jagd zu gehen» (David Shields)
Vielen Dank für das Interview liebe Christa, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Christa Prameshuber, Schriftstellerin
Zur Person _ Christa Prameshuber, geboren 1961 in Linz, Studium der Geografie, danach berufliche Laufbahn bei internationalen Organisationen in Genf und Paris. Meine Lebensmittelpunkte liegen in der Schweiz und Frankreich. Seit 2015 widme ich mich dem Schreiben. Beim Trauner Verlag sind bisher drei Frauen-Biografien erschienen: „Die Meisterin“ (2018) , „Das mit der Liebe ist alles ein Schwindel“ (2020), und dieses Jahr „Die Liebesdeserteurin“ (2023). Zudem wurden Kurzgeschichtenbeiträge in der Sammlung „Textland Oberösterreich“ und „Briefe an Angelika Kauffmann“ veröffentlicht. Ich liebe Musik, Malerei, Museen und Menschen.
Aktuelles Buch von Christa Prameshuber:Die Liebesdesserteurin. Das Leben der willensstarken Fürsorgerin Amalia Berger
Christa Prameshuber,Die Liebesdesserteurin. Das Leben der willensstarken Fürsorgerin Amalia Berger. Trauner Verlag 2023.
Als lediges Kind mit vier Jahren Waise zu werden ist ein hartes Schicksal. Amalia Berger muss kurz nach dem 1. Weltkrieg den Selbstmord ihrer Mutter überwinden, für eine Berufsausbildung kämpfen und weitere traumatische Schicksalsschläge bewältigen. Das prägt spürbar. Die willensstarke Frau kämpft Zeit ihres Lebens für Selbstbestimmung und bringt große Opfer, um für andere da sein zu können.
Mali arbeitet als Gouvernante in Budapest und Rom, bis der 2. Weltkrieg sie zwingt, nach Linz zurückzukehren. Aufopfernd kümmert sie sich hier als Fürsorgerin um arme Kinder, misshandelte Frauen und Prostituierte. Nicht immer macht sie sich mit ihren unkonventionellen Methoden Freunde, sogar Ordnungsstrafen muss sie zahlen, wenn sie ihrem Herzen folgt und nicht den Dienstanordnungen.
Zahlreiche Bewunderer loben ihre Schönheit, Berge von Liebesbriefen bezeugen ihre Beliebtheit und doch bleibt sie immer allein. Irgendwie entzieht sie sich jeder tiefergehenden Beziehung – als eine Liebesdeserteurin, gegen ihren eigenen Willen?
Anhand Hunderter Briefe, Fotos und Gespräche rekonstruiert ihre Nichte das Leben einer couragierten Linzerin im 20. Jahrhundert.
Zum Projekt: Das Bachmann Projekt „Station bei Bachmann“ ist ein interdisziplinäres Kunstprojekt an den Schnittstellen von Literatur, Theater/Performance und Bildender Kunst.
Dabei kommt den topographischen und biographischen Bezügen eine besondere Bedeutung zu, indem Dokumentation, Rezeption und Gegenwartstransfer, Diskussion ineinandergreifen.
Künstler:innen werden eingeladen an diesem Projekt teilzunehmen und in ihren Zugängen Perspektiven zu Werk und Person beizutragen.
Den Schwerpunkt bildet dabei Werk und Leben Ingeborg Bachmanns. Ebenso weitere Künstler:Innen.
Liebe Tanja Scheichl-Ebenhoch, wie liest Du den Text „Undine geht“ (Erzählung, 1961) von Ingeborg Bachmann? Welche Grundaussagen gibt es da für Dich?
Ich staune generell immer wieder über die Leidenschaft und Kraft der Bachmann’schen Sprache. Die Erzählung „Undine geht“ aus den 60er Jahren war ihrer Zeit zudem auch inhaltlich weit voraus, beleuchtet Bachmann darin doch einerseits die schwierige Beziehung zwischen den Geschlechtern und kritisiert damit andererseits das gängige Denken in Rollenbildern.
Dass ein solches klischeehaftes Denken sogar in unserer mitteleuropäischen Gesellschaft noch der Norm entspricht, habe ich als fünfte und letzte Tochter im Laufe meines Lebens von aussen immer wieder erlebt. Neben dezenten Bemerkungen über meinen ach so armen Papa (bestimmt lustig gemeint) mit fünf, nein sechs Mädchen an seiner Seite (eionschließlich meiner Mutter haha), bekam ich auch direktere Reaktionen zu hören. Nein, tatsächlich kein Stammhalter in der Familie, kein „Kronprinz“, der die Familientradition weiterführen würde…Schon als kleines Mädchen haben mich solche Aussagen befremdet. Schließlich wollten meine Eltern von vornherein schlicht sechs gesunde Kinder. Nach mir war verständlicherweise 😉 Schluss.
Ich hatte glücklicherweise dennoch zeitlebens das Gefühl, aufgrund meiner individuellen Persönlichkeit, sozusagen als Mensch, „etwas zu zählen“. Weder aufgrund meines Frauseins noch aufgrund meines Nicht-Frauseins. Der Erziehung meiner Eltern sei Dank!
Wie siehst Du „Undine“?
Undine befindet sich für mich ständig zwischen Hingabe und Aufgabe. Sie ist eine gespaltene Persönlichkeit, schwankt zwischen Zärtlichkeit, Hoffnung und grenzenloser Wut, unendlichem Zorn. Ich verstehe diese Zwiespältigkeit, auch in Bezug auf „Hans“, und im Endeffekt auf die Welt nur zu gut.
„Undine geht“ wurde vor 60 Jahren veröffentlicht. Was hat sich seit damals im Rollenbild von Frau und Mann verändert und was sollte sich noch ändern?
Natürlich hat sich in den vielen Jahren, die inzwischen vergangen sind, zumindest bei uns in Mitteleuropa zumindest einiges in Richtung Gleichberechtigung verändert. Dass wir aber auch hier bei uns erst in einem langen Prozess und noch nicht endgültig angekommen sind, liegt auf der Hand. Dabei sollte uns klar sein, dass es für Veränderungen jeweils auch Aktivisten braucht. Solche Menschen, die radikaler in der Vorgehensweise sind, als wir selber. Ansonsten hätte sich auf dieser Erde wohl nie etwas verändert und bewegt. Man denke dabei etwa an die Menschenrechtsbewegung der 60er Jahre. Oder auch an die Klimafrage heute, bei der die Politik die Akteure mit Erfolg als kriminelles Feindbild aufbaut, um von der eigenen Unfähigkeit abzulenken.
Der Monolog geht mit der patriarchalen Gesellschaftswelt schonungslos ins Gericht. Wie siehst Du die Situation patriarchaler Macht heute?
Gerade in jüngster Zeit haben uns diverse Vorkommnisse bezüglich Machtmissbrauch in der Kunstszene aufgezeigt, wie wichtig eine lebendige Diskussion der Rollenbild-Thematik heute noch ist. Leider. Auch in der Geschlechterfrage geht es hauptsächlich um Respekt, Menschlichkeit und Liebe einander gegenüber. Diese Aspekte sind es doch, die uns alle ohne Ausnahme einen sollten,. Unabhängig von irgendetwas anderem. In diesem Sinne: „I have a dream…“
Der Text drückt auch viel Trauer über das Scheitern der Liebe und eines Miteinander der Geschlechter im gesellschaftlichen Lebens aus. Welche Auswege siehst Du da?
Gespräche und Diskussionen, im Endeffekt Kompromisse, vor allem aber Bewusstseinsbildung, auch schon in der Erziehung
Was kannst Du als Frau und Künstlerin von „Undine geht“ in das Heute mitnehmen?
Trost – Trost, dass es anderen ähnlich ergeht wie mir. Dass es eben viele Menschen gibt, die immer wieder zweifeln an dieser Welt, die aber auch immer wieder Hoffnung haben, dass sich alles doch noch gut fügt.
Was bedeutet Dir Natur?
Sie ist mein persönliches Energie-Ladegerät.
Was bedeutet Dir das Element Wasser?
Es steht für mich symbolhaft für Leben allgemein. Ausserdem übte gerade dieses Element von jeher eine besondere Faszination auf mich aus. Eine, die ich nicht genau erklären kann und will.
Wie war Dein Weg zur Musik, zur Literatur?
Es wird mir erzählt, ich hätte im Alter von ca. fünf Jahren eine Geigerin im TV gesehen und sei dann völlig fasziniert von ihr gewesen. Klingt schlüssig, da damals bei uns recht oft Klassik im TV lief.
Zu schreiben begann ich während meiner Erkrankung, als meine autobiographische Erzählung entstand. Heute könnte ich mir ein Leben ohne Texte zu verfassen gar nicht mehr vorstellen.
Welche aktuellen Projektpläne hast Du derzeit?
Naja, da gibt es so einige. Ideen im Kopf habe ich sowieso immer 1000nde. Mehrere Projekte im Musikbereich stehen an, dann auch Auftritte mit Ensembles und natürlich Lesungen mit Musik (z.B. bei „Die Rahmenhandlung“ in Bad Ragaz im September). Ausserdem arbeite ich gerade am 2. Band meiner Roman-Trilogie.
Welches Zitat aus „Undine geht“ möchtest Du uns mitgeben?
„Wie weit ist es zu dir?“
„Weit ist es, weit…“
„Weit ist es zu mir.“
Darf ich Dich zum Abschluss zu einem Achrostikon zu „Undine geht“ bitten?
Zum Projekt: Das Bachmann Projekt „Station bei Bachmann“ ist ein interdisziplinäres Kunstprojekt an den Schnittstellen von Literatur, Theater/Performance und Bildender Kunst.
Dabei kommt den topographischen und biographischen Bezügen eine besondere Bedeutung zu, indem Dokumentation, Rezeption und Gegenwartstransfer, Diskussion ineinandergreifen.
Künstler:innen werden eingeladen an diesem Projekt teilzunehmen und in ihren Zugängen Perspektiven zu Werk und Person beizutragen.
Den Schwerpunkt bildet dabei Werk und Leben Ingeborg Bachmanns. Ebenso weitere Künstler:Innen.
Aktueller Roman _ Tanja Scheichl-Ebenhoch „Die Geigerin – Im freien Fall„, Belingbooks. 2023
Sprache: Deutsch
Seitenzahl: 200
Format: A5 hoch / Softcover
ISBN 978-3-907314-07-4
CHF 19.80 Preis
„Der Roman „Die Geigerin – Im freien Fall“ beschreibt auf unterhaltsame und eindringliche Weise die Entwicklung von Sophia Goldmann, einer aufstrebenden Violinistin am Musikerhimmel. Durch die Lebensumstände entwickelt sie sich von der arglosen Kumpel-Frau zur selbstbewussten und international bekannten Künstlerin, die sich in ihrem Leben behauptet.
Die unterschiedlichen Schauplätze – München, Hamburg, Berner Oberland in der Schweiz und Lefkada, eine griechische Insel – repräsentieren symbolisch Sophias Stationen auf ihrem Weg zu sich selber.
Auf eine wilde und unbeschwerte Zeit mit Tom, der Extremsportler und so ganz anders ist als sie selbst, führt sie ihr Weg in die „besseren“ Kreise Münchens. Sophia scheint angekommen zu sein. Eine überraschende Wende nimmt die Geschichte allerdings, als Sophia durch einen Zufall entdeckt, dass ihr Leben keineswegs so ist, wie sie es wahrnimmt.
Sophia lernt auf harte Weise, nicht länger das naive Dummchen zu sein. Sie nimmt ihr Leben in die Hand und dreht den Spiess um. Die junge Frau überwindet ihre Höhenangst und erkennt: Nur wer mutig ist und auch etwas wagt, wird erfahren, was Freiheit wirklich bedeutet!
Die Geigerin – Im freien Fall ists Band 1 einer Trilogie. Band 2 erscheint voraussichtlich 2023.“
Othmar Berger, 1926 geboren, wächst in einfachen Verhältnissen in der Steiermark auf. Sein bester Freund Elias ist Jude. Mit dem Beginn des Hitler-Regimes verlieren sie einander. Als Othmar 1947 aus Krieg und Gefangenschaft heimkehrt, beschließt er, sich in Wien ein neues Leben aufzubauen…
Liebe Lisa Gollubich, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Meine Tage sind ganz unterschiedlich. Manchmal gehe ich vormittags, manchmal nachmittags meiner Brotarbeit nach und nütze die andere Hälfte des Tages fürs Schreiben und Lesen. Oft lese ich mehr als ich schreibe, und oft lese ich etwas, das mir beim Schreiben hilft.
Aktuell schreibe ich an meinem ersten Roman, meistens abends und immer dann, wenn ich das Bedürfnis dazu habe. Der Abend ist und bleibt aber für mich die beste Zeit zum Sich-Versenken.
Lisa Gollubich, Schriftstellerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Ich würde es gut finden, wenn wir als Teile der Gesellschaft an einem Strang ziehen, statt sich Steine in den Weg zu legen. Manchmal wenn ich in der U-Bahn sitze, habe ich einen Moment, in dem mir auffällt, dass wir alle eigentlich im selben Boot sitzen, auch wenn ich die Leute nicht kenne. Wir sind uns näher als wir denken und dessen könnten wir uns öfter bewusst werden.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Ich glaube, dass wir unsere Bahn, sofern sie einigermaßen bequem ist, nur ändern, wenn wir dazu gezwungen werden oder sich etwas Äußeres radikal ändert. Ich glaube es fehlt vielen Menschen an Zeit und Ruhe, sich über Probleme Gedanken zu machen, insofern erreicht Literatur wahrscheinlich weniger Menschen als man sich wünschen würde.
Was liest Du derzeit?
Ich lese gerade verschiedene Bücher über das chinesische Denken und den Taoismus. Die Beschäftigung damit lenkt mein Denken oft auf Wege, die ich sonst nicht nehmen würde und zugleich kann ich mir dadurch Antworten auf manche Lebensfragen selbst geben.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
In einem Buch über die japanische Teezeremonie habe ich folgendes gelesen: „Der Mönch Joshu fragte einmal seinen Meister Nansen: ‚Was ist der Weg, unabhängig davon, was vor uns liegt?‘ Der Meister erwiderte darauf sofort: ‚Dein alltäglicher Geist ist der Weg.“ Aus Chado der Teeweg von Soshitsu Sen XV
Vielen Dank für das Interview liebe Lisa, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Lisa Gollubich, Schriftstellerin
Zur Person _ Lisa Gollubich, Schriftstellerin, geboren 1990 in Mistelbach, NÖ, studierte Biologie und Germanistik, lebt und schreibt in Wien, 2021 erschien Die Sensation eines Körpers bei edition Mosaik in Salzburg mit Erzählungen, die während ihrer Studienzeit entstanden sind. Sie schreibt aktuell an ihrem ersten Roman.