Station bei Bachmann_ Birgit Radeschnig, Kabarettistin, Musikerin, Schauspielerin_Wien_ acting _ Romanschauplatz/Lebensort Ingeborg Bachmanns in Wien _ 50.Todestag_Ingeborg Bachmann_Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom)
Ingeborg Bachmann bezog 1946 ihre Wohnung in der Beatrixgasse 26, Wien 1030. Es folgten an diesem Ort entscheidende Jahre des literarischen Werdeganges wie der persönlichen Begegnung.
Die in Wien lebende und wie Ingeborg Bachmann in Kärnten geborene Künstlerin Birgit Radeschnig, Kabarettistin, Musikerin, Schauspielerin, wurde im Sommer 2023 zu einer Spurensuche, Fototermin, Performance an diesem Wohnort Ingeborg Bachmanns eingeladen – herzlichen Dank!
Birgit Radeschnig, Kabarettistin, Musikerin, Schauspielerin _ Wien Birgit Radeschnig _ Briefmarkenserie „Malina“ zum 50.Todestag Ingeborg Bachmanns _ 2023
„Nichts ist mir sicherer als dieses Stück der Gasse, bei Tag laufe ich die Stiegen hinauf, in der Nacht stürze ich auf das Haustor zu, mit dem Schlüssel schon in der Hand, und wieder kommt der bedankte Moment, wo der Schlüssel sperrt, das Tor aufgeht, die Tür aufgeht, und dieses Gefühl von Nachhausekommen, das überschwemmt mich in der Gischt des Verkehrs und der Menschen schon im Umkreis von hundert, zweihundert Metern, in dem alles mir mein Haus ankündigt, das natürlich nicht mir gehört, sondern einer AG. gehört oder irgendeiner Spekulantenbande, die dieses Haus wiederaufgebaut hat, zusammengeflickt vielmehr…“ Malina
Malina, Ingeborg Bachmann. Roman, 1971.
Zum Projekt: Das Bachmann Projekt „Station bei Bachmann“ ist ein interdisziplinäres Kunstprojekt an den Schnittstellen von Literatur, Theater/Performance und Bildender Kunst.
Dabei kommt den topographischen und biographischen Bezügen eine besondere Bedeutung zu, indem Dokumentation, Rezeption und Gegenwartstransfer, Performance, Diskussion ineinandergreifen.
Künstler:innen werden eingeladen an diesem Projekt teilzunehmen und in ihren Zugängen Perspektiven zu Werk und Person beizutragen.
Den Schwerpunkt bildet dabei Werk und Leben Ingeborg Bachmanns. Ebenso weitere Künstler:Innen.
„…ich könnte tagelang durch das ausgestorbene, sich erhitzende Wien gehen oder hier herumsitzen, ich bin geistesabwesend, mein Geist ist abwesend, ich kann mich hinsetzen, wo ich will…ich könnte mich freuen, weil ich entkommen bin und wieder in der Abwesenheit lebe. Ich bin heimgekehrt in mein Land, das auch abwesend ist, mein Großherzland, in das ich mich betten kann…“
Malina
„Wie bitte?
Nein?
Dann habe ich mich nicht richtig ausgedrückt.
Es muss ein Irrtum sein.
Die Nummer ist 723144.
Ja, Ungargasse 6.
Nein, gibt es nicht.
Hier ist keine Frau.
Ich sage doch, hier war nie jemand dieses Namens.
Es gibt sonst niemand hier…“
Malina
Station bei Malina_Roman Ingeborg Bachmann_Wien_1971
acting Malina _ Romanschauplatz/Lebensort Ingeborg Bachmanns in Wien:
Liebe Sylvia Caba, Künstlerin, wie liest du den Test „Undine geht“ von Ingeborg Bachmann? Welche Grundaussagen gibt es für dich?
Undine, aus einem dunklen tiefem Ort kommend, führt ihren Monolog mit einem etwas bitterem Grundton.. die wiederholten durch ihre Liebhaber-Männer zugefügten Verletzungen führen Undine vielleicht zu der Grundaussage, dass diese sie besuchenden Männer alle „Hans“ waren und alle zukünftigen „Hans“ sein müssen, der Liebhaber-Mann in seiner Individualität als Mensch ist ausgelöscht und wird zum Archetyp, oder Symbol „Hans“ umgewandelt
Er, „Hans“ existiert als Uniform, als gedankliches Konstrukt jedoch weniger als konkrete Begegnung. Eine weitere Grundaussage der Undine ist dass sie sich in der Gesellschaft in ihrer Funktion als Opfer-Lamm determiniert oder verdammt fühlt, sowie „Hans“ ihr in Lust zum Opfer fallen muss. Die Lust sucht sich nach getaner Sache einen Sündenbock, Undine.
Wie siehst Du „Undine“?
Undine ist für mich der Archetyp der „verschmähten Frau“. Einer Person die einst begehrt und willkommen war und nun als „Undine“ ein Dasein alleine, im Schatten fristet.
Sie wandelt, verraten von Allem nur mehr in ihren Erinnerungen an besseren Zeiten herum. Bessere Zeiten, die ihr Wärme und Sicherheit vorgaukelten während ihr Körper eigentlich in der Kälte der Gewässer zu überleben weiß. Eingeschlossen im Wasserkörper , der mit zunehmender Tiefe auch immer weniger Licht durchlässt, ist Undine auf ihre eigenen Reflexionen fernab der menschlichen „guten Gesellschaft“ zurückgeworfen.
„Undine geht“ wurde vor gut 60 Jahren veröffentlicht. Was hat sich seit damals im Rollenbild von Frau und Mann verändert und was wird sich noch ändern?
Das Verhalten und die Rollen die wir einnehmen haben meiner Meinung nach viel mit den biologischen Gegebenheiten zu tun. Die Details variieren und sind ideenreich aber im Großen und Ganzen haben sich Rollenbilder finde ich nicht viel verändert wenn da sie auch an Funktionen gebunden sind.
Hinter den Masken und dem Manierismen sind Menschen immer noch abwechselnd Jäger oder Sammler, Jagende oder Gejagte aus ihrer Männlichkeit oder Weiblichkeit kommend.
Der Monolog geht mit der patriarchalen Gesellschaftswelt schonungslos ins Gericht. Wie siehst Du die Situation patriarchaler Macht heute?
Patriarchale Macht kann wenn sie zu weit geht in ihrem Streben nach Effizienz, Leistungsstärke und Disziplin etwas Verständnisloses, Lebensfeindliches und Erdrückendes haben. Für zartbesaitet und „schwache“ Menschen wie mich kann es den Eindruck erwecken keine bedingungslose Daseinsberechtigung genießen zu dürfen.
Je nach System spüre ich die patriarchale Macht schon in einer Stärke, die es mir unmöglich macht in so einem System zu blühen und frei atmen zu können. Die patriarchale Kraft ist dennoch gut und wichtig, solange sie ausgleichend, liebevoll und nicht zu machtgierig wirkt, sehe ich kein Problem.
Der Text drückt auch viel Trauer über das Scheitern der Liebe und eines Miteinander der Geschlechter im persönlichen und gesellschaftlichen Leben aus. Welchen Auswege siehst du da?
Undine könnte sich dem Hans ähnlich machen, jedoch finde ich, dass Undine damit Recht ein System in dem es keine funktionierende Kommunikation gibt zu verlassen..
Was kannst du als Frau und Künstlerin von „Undine geht“ in das Heute mitnehmen?
Undine strahlt in ihrem Selbstverständnis als Wasserwesen eine große Faszination und Anziehungskraft aus. Es inspiriert für mich die Idee, dass eine große Schönheit und Ruhe in der vielleicht spirituellen Auflösung und Einswerden mit dem Element Wasser liegen kann. Gleichzeitig hat die Grundstimmung des Symbols „Undine“ für mich eine große Melancholie, die wie ich glaube, auch in meiner eigenen Malerei immer wieder auftaucht und eine große Rolle spielt.
Was bedeutet dir Natur?
Natur bedeutet für mich das Gegengewicht zur Künstlichkeit und auch zur Kunst. In ihrer Verschiedenheit sind Kunst und Natur jedoch nicht positiv oder negativ zu bewerten. Für mich gibt es das eine wie das andere. Kunst entspringt für mich aus der Natur. Menschen sind auch Natur. Insofern ist es für uns alle wohltuend in der Natur zu sein. Grün tut den Augen und der Seele gut. Der Wald und die Gewässer helfen uns zu uns selbst zu finden, uns zu erden und zu inspirieren, zu lernen in Frieden den Tod zu akzeptieren.
Was bedeutet Dir das Element Wasser?
Es ist das Element in dem ich mich heimisch fühle, Wasser mit all sein Qualitäten wirkt beruhigend und Zuversicht gebend. Es bedeutet mir Glück, Reichtum aber auch Introversion. Wasser ist für uns hier zum Glück noch eine Selbstverständlichkeit…
Wie lebst du den Kreislauf der Jahreszeiten?
Ich probiere saisonal zu essen. Das ist für mich eine Art die Jahreszeiten zu ehren. Meine Umgebung mit dem zu schmücken, was die Natur um mich herum gerade hergibt.
Wie kann der moderne Mensch in Harmonie zur und mit der Welt leben?
Für mich ist das größte Problem, dass wir einfach zu viele Menschen sind. Wenn die Frage der Bevölkerungsexplosion nicht wäre, glaube ich könnten wir gut leben, sogar mit einem gemäßigten Einsatz an Industrie. Die Dosis macht das Gift.
Was braucht Liebe immer, um zu wachsen, blühen?
Vielleicht braucht es neben dem Glück eine gewisse Kompatibilität miteinander zu haben, den Raum einander zuzuhören, sich Respekt und Wertschätzung zu geben, woraus dieses bedingungslose Vertrauen erwachsen kann, welches ich auch unter dem Wort Liebe verstehen möchte.
Was lässt Liebe untergehen?
Ich möchte mir dazu leider keine Antwort anmaßen.Auf dem Feld der Liebe ist mir andauernd etwas untergegangen, klar sehe ich da nicht.
Wie war dein Weg zur Kunst?
Einen Weg zur Kunst hatte ich nicht, künstlerische Dinge waren mir jenseits aller Bemühungen immer angenehm. In Gedanken hatte ich „die Kunst“ immer und habe ein bisschen gekritzelt und geschrieben. Es gibt wenn man es so nennen kann für mich einen Weg innerhalb der Kunst. Ich muss gestehen, dass dieser Weg auch wenn ich mich nicht völlig am Beginn des künstlerischen Prozesses sehe, noch nicht besonders weit von mir belaufen wurde. Ich wünschte früher mit der Malerei begonnen zu haben, das ist eine Reue. Aber meine Lebenszeit werde ich nichtsdestotrotz auf diesem Weg verbringen.
Welche aktuellen Projektpläne hast du?
Weitere Schritte nach Außen zu setzten, meine Bilder ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken und hoffentlich mit Erfolg.
Welches Zitat aus „Undine geht“ möchtest du und mitgeben?
„…Ich habe euch nicht verstanden, während ihr euch von jedem Drittem verstanden wusstet…“
Zum Projekt: Das Bachmann Projekt „Station bei Bachmann“ ist ein interdisziplinäres Kunstprojekt an den Schnittstellen von Literatur, Theater/Performance und Bildender Kunst.
Dabei kommt den topographischen und biographischen Bezügen eine besondere Bedeutung zu, indem Dokumentation, Rezeption und Gegenwartstransfer, Diskussion ineinandergreifen.
Künstler:innen werden eingeladen an diesem Projekt teilzunehmen und in ihren Zugängen Perspektiven zu Werk und Person beizutragen.
Den Schwerpunkt bildet dabei Werk und Leben Ingeborg Bachmanns. Ebenso weitere Künstler:Innen.
Ingeborg Bachmann (links sitzend), Hans Marte (rechts sitzend) _ Warschau Mai 1973
Ingeborg Bachmann war im Mai 1973 auf ihrer letzten Lesereise in Polen. Stationen waren Warschau, Torun, Posen, Breslau, Krakau.
Johann Marte, Kulturattaché, von 1971 bis 1974 des Österreichischen Kulturinstituts in Warschau, organisierte die Lesereise und begleitete Ingeborg Bachmann. Eine Station war auch das Konzentrationslager Ausschwitz.
„Die Reise war von großer Wertschätzung auf allen Seiten geprägt“, erinnert sich Hans Marte.
„Es gab viele Gespräche mit Studenten:innen an den Lesestationen. Es war eine sehr offene, wertschätzende Atmosphäre.
In Ausschwitz wollte Ingeborg Bachmann ganz allein sein. Die Initiative dort hinzufahren, kam von ihr. Sie hatte einen roten Mantel an. Es war ein besonderer Moment der Stille für sie und uns alle.“
Hans Marte weist auf die Übersetzung von „Malina“ im polnischen Wörterbuch hin _ „Malina“, Roman von Ingeborg Bachmann, 1971
„Als Ingeborg Bachmann abreiste, fanden wir noch eine Zigarette im Bett. Sie hatte Gitanes geraucht. Es war wie eine Vorahnung.“
Johann Marte, Richter, Ministerialbeamter, Leiter der Österreichischen Nationalbibliothek
Zur Person: Johann Marte, * 2. Mai 1935 in Feldkirch. Richter, Ministerialbeamter, Leiter der Österreichischen Nationalbibliothek
Johann Martes Vater, ein Finanzbeamter, wurde als entschiedener Gegner des NS-Regimes, zur Wehrmacht eingezogen und kam in einem sibirischen Lager ums Leben. Seine Mutter sorgte alleine für ihn und seinen Bruder. Nach der Matura am Zisterzienser-Gymnasiums in Bregenz studierte Johann Marte in Innsbruck Rechtswissenschaft. Von 1963 bis 1969 arbeitete er als Bezirksrichter in Bregenz und Feldkirch. Daneben unterrichtete Marte von 1966 bis 1969 Religion an der gewerblichen Berufsschule in Bregenz, nachdem er einen Fernkurs für theologische Laienbildung der Erzdiözese Wien absolviert hatte. Außerdem fungierte er als Präsident der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft, engagierte sich in der Österreichisch-Sowjetischen Gesellschaft und hielt Vorträge am Institut für Sozialpolitik und Sozialreform. Sein Interesse für andere Länder und Kulturen führte Marte 1969 nach Wien, in die Sektion für kulturelle Auslandsangelegenheiten im Unterrichtsministerium.
1971 ging er als Kulturattaché an die Österreichische Botschaft in Warschau, ab 1973 leitete er dort auch das Österreichische Kulturinstitut. Von 1974 bis 1982 war Marte Kulturrat an der Österreichischen Botschaft in Moskau.
1985 wurde ihm die Leitung der Abteilung für bilateralen Kultur- und Wissenschaftsaustausch im Bundesministerium für auswärtige Angelegenheiten übertragen und im Jänner 1986 betraute ihn der damalige Wissenschaftsminister Heinz Fischer mit der Leitung der Sektion für wissenschaftliche Bibliotheken, Bundesmuseen und Denkmalschutz im Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung. In dieser Funktion widmete sich Marte vor allem der baulichen Sanierung („Museumsmilliarde“) und der organisatorischen Reform der Bundesmuseen. 1989 wurde die Teilrechtsfähigkeit für Bundesmuseen und Bibliotheken eingeführt. Ebenfalls in Martes Amtszeit als Sektionschef fällt der Aufbau des BIBOS-2-Verbundes, der erstmals Österreichische wissenschaftliche Bundesbibliotheken – Nationalbibliothek und Universitäts- bzw. Hochschulbiblitheken – vernetzt hat.
Von 1993 bis zu seiner Pensionierung 2000 war Johann Marte Generaldirektor der Österreichischen Nationalbibliohek, die er grundlegend reformierte. Von 1989 bis 2003 war Marte Präsident des Vereins zur Erforschung der Geschichte der Juden in Österreich und von 2001 bis 2008 Präsident der österreichischen UNESCO-Kommission. Er war von 1993 bis 1998 Beisitzer im Präsidium der Vereinigung Österreichischer Bibliothekare (VÖB), von 1998 bis 2002 war er 2. Vizepräsident der VÖB. 1990 wurde Johann Marte Kurator von „Pro Oriente“, einer Stiftung zur Förderung der Beziehungen zwischen der römisch-katholischen und den orthodoxen und orientalisch-orthodoxen Kirchen, 2001 deren Präsident. Diese Funktion übt er bis heute aus.
Ingeborg Bachmann _ Rom 1962 _ anlässlich eines Besuches von Heinz Bachmann und den Eltern entstand eine Fotoserie von Heinz Bachmann, die bisher in Ausstellungen im Musilhaus Klagenfurt (2016) und im Literaturhaus Salzburg (2020) gezeigt wurde.
„Mein lieber Bruder…“ Heinz Bachmann und Ingeborg Bachmann, 1939Dr.Heinz Bachmann (*1939 Klagenfurt), Geophysiker, London_ um 1953Fröhlicher Geburtstag von Isolde im Hause Bachmann _ Ingeborg Bachmann (links) und ihre jüngere Schwester Isolde Moser (geb.Bachmann *1928)„Strickstunde“ Ingeborg Bachmann (links) und ihre jüngere Schwester Isolde Moser (um 1946)„Sommerfreuden am See“ Ingeborg Bachmann (Mitte) und ihre jüngere Schwester Isolde Moser (links) _ Pressegger See, öffentliches Bad _ mit einer Cousine aus Heidenreichstein, der Heimat von Olga Bachmann, Mutter, (Cousine vermutlich Justi).Dr.Heinz Bachmann (*1939 Klagenfurt), Geophysiker und Sheila Bachmann_London _ Hochzeit 7. August 1971 in London. 2 Söhne. Ingeborg Bachmann, Schwester von Heinz Bachmann, reiste zur Hochzeit nach Großbritannien an _ Foto Fam.Bachmann_London.Heinz und Sheila Bachmann (Mitte) _ Hochzeit 7. August 1971 in London_ rechts neben Sheila Bachmann Ingeborg Bachmann. Die Trauzeugen waren Graham und Sue Tarry. Heinz und Sheila Bachmann_London _ Feier der Goldenen Hochzeit 2021Heinz und Sheila Bachmann (sitzend außen) Wien Juni 2016, Probe zur szenischen Ausstellungseröffnung „Ingeborg, wie ich meine Schwester in Rom sah – Fotografien Heinz Bachmann, 1962“ Musilhaus Klagenfurt/2016 _ mit Isabella Jeschke, Schauspielerin, und Walter Pobaschnig (Idee, Regie).Heinz und Sheila Bachmann _ beim Heurigen in Wien, Juli 2023 _ inoffizielle Buchpräsentation „Ingeborg Bachmann, meine Schwester“ Heinz Bachmann/Piper Verlag _8/2023
Liebe Sheila Bachmann, Lieber Heinz Bachmann, wann habt Ihr Euch kennengelernt und wie war Eure erste Begegnung als Paar mit Ingeborg Bachmann?
SB (Sheila Bachmann): Im riesigen Shell Centre an der Themse „South Bank“ in London im Herbst 1969 traf ich Heinz ,als er dort zu arbeiten anfing. Später besuchte ich mit ihm seine Familie in Klagenfurt. Auch Ingeborg kam kurz zu Besuch aus Rom. Ich sprach damals noch kein Deutsch und Ingeborg, trotz Familien- und Zeitdruck, war sehr nett, aufmerksam und nahm sich Zeit mit mir Englisch zu sprechen. Im gleichen Jahr reisten wir nach Rom, das ich noch nicht kannte. Wir verbrachten dort schöne Tage mit Ingeborg.
Sheila Bachmann _ Wien 7/2023
HB (Heinz Bachmann): Sheila und ich trafen uns in diesem Gebäude, in dem man sich verirren konnte, da fiel mir diese kleine, blonde Engländerin auf…Und sie war auch meinen Eltern und meiner Schwester gleich sympathisch, obwohl die Verständigung nicht so einfach war, weil meine Eltern kein Englisch konnten. Dass sich Ingeborg und Sheila gleich verstanden, das freute mich natürlich sehr.
Heinz Bachmann _ Klagenfurt 9/2021 anlässlich der Übergabe des Elternhauses an die Stadt Klagenfurt/Land Kärnten
Welche Erinnerungen gibt es an Eure Hochzeit in London, zu der auch Ingeborg Bachmann zu Gast war?
SB: Ingeborg war das einzige Familienmitglied aus Heinzens Familie. Sie war entspannt, fröhlich, sehr aufmerksam und plauderte angeregt mit meinen Verwandten und unseren Freunden.
HB: Es war eine sehr kleine und bescheidene, aber sehr fröhliche Hochzeit und Ingeborg verstand sich gut mit Sheilas Familie und Freunden. Ich habe ein bisschen darüber in meinem Buch geschrieben, das Anfang September im Buchhandel sein soll.
€ 24,00 [D], € 24,70 [A] Erscheint am 31.08.2023 128 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag EAN 978-3-492-07250-2
Was hat Ingeborg Bachmann für ein Essen/Trinken geschätzt? Auch die Londoner&Kärntner Küche?
SB: Wohl eher die Italienische Küche.
HB: Ich würde sagen vor allem die Italienische Küche, zu Hause die Kärntner Spezialitäten, aber auch Wiener Schnitzel und den Tafelspitz. Ein Glas Wein dazu, wie es in Italien üblich ist. Sonst meistens Tee, der für sie schon vor Sheilas „britischem“ Einfluss in der Familie wichtig war.
Ingeborg Bachmann _ Rom 1962 _ Heinz Bachmann
Ingeborg Bachmann _ im Hintergrund Matthias und Olga Bachmann (Eltern) _ Rom 1962 Heinz Bachmann „Ingeborg, wie ich meine Schwester in Rom sah – Heinz Bachmann Fotografien, 1962“ _ Ausstellung Musilhaus Klagenfurt Juni 2016 Letzte Vorbereitungen der Ausstellung _ Heinz BachmannProbe szenischer Eröffnung _ Isabella Jeschke und Heinz BachmannDie Vernissage im Musilhaus Klagenfurt fällt mit dem 90.Geburtstag von Ingeborg Bachmann zusammen und wird gebührend und süß gefeiert _ Heinz Bachmann, Isolde Moser, Bgm.Mathiaschitz beim TortenanschnittVernissagefeier _ Landhaushof Klagenfurt _ (von links) Dr.Heimo Strempfl, Leiter Musilmuseum Klagenfurt; Isolde Moser, Dr.Heinz Bachmann, MIchael Moser, Isabella Jeschke, Walter PobaschnigHeinz Bachmann „Fotografien Ingeborg Bachmann“ _ Literaturhaus Salzburg Jänner 2020(von links) Tomas Friedmann, Leiter Literaturhaus Salzburg; Magdalena Stieb, Salzburger Literaturforum/Verein Leselampe; Irene Fussl, Salzburger Bachmann Edition; Heinz Bachmann; Alexandra Schmidt, Frauenreferat Stadt Salzburg; Walter Pobaschnig, Ausstellungsorganisation. Großes Publikumsinteresse bei der Vernissage10.1.2020Literaturhaus Salzburg„Mein lieber Bruder, komm` nach Rom“ Szenische Eröffnung mit Heinz Bachmann und Olivia Pflegerl _ Text/Regie _ Walter Pobaschnig Vernissagefeier(von rechts) Heinz Bachmann, Olivia und Ellen Pflegerl, Walter Pobaschnig Geburtstagsfeier _ Heinz Bachmann im Kreise der Salzburger Bachmann Edition _ Salzburg Jänner 2020
Wart Ihr auch gemeinsam in Klagenfurt bzw. habt Ihr Reisen unternommen?
SB: Wie schon oben erwähnt, wir trafen uns in Klagenfurt oder Rom. Wir hatten auch Pläne für einen eventuellen gemeinsamen Haushalt in London oder Rom, es kam aber nie dazu.
HB: Es waren immer Besuche und Treffen in Klagenfurt, im Gailtal oder in Rom. Gemeinsame Reisen, außer einer Fahrt von München nach Klagenfurt oder Abstecher nach Kötschach zu unserer Schwester Isolde, gab es eigentlich keine. Reisepläne gab es für Afrika, die wir leider nie in die Tat umsetzten.
Klagenfurt _ Henselstr.26 _ Haus Familie BachmannLieblingsrose Ingeborg Bachmann _Elternhaus__Klagenfurt
Bachmannweg_ Kreuzbergl/Klagenfurt
„Drei Wege zum See“ _ am Weg der Erzählung – szenisches Stationenprojekt _ Walter Pobaschnig Die in Klagenfurt aufgewachsene Schriftstellerin Ingeborg Bachmann liebte bei ihren Besuchen in Klagenfurt lange Spaziergänge am nahen Kreuzbergl_ Foto _ Christina Wuga, Schauspielerin im szenischen Literaturprojekt „Drei Wege zum See“ – Ingeborg Bachmann outdoors 2018 (Idee/Regie _ Walter Pobaschnig) _ Übergabe des Familienhauses Bachmann in Klagenfurt an die Stadt Klagenfurt und das Land Kärnten _ September 2021 _ Am Bild: (von rechts) Heinz Bachmann, Isolde Moser (geb.Bachmann, Schwester), LH Peter Kaiser, Bgm. Christian ScheiderGroßes MedieninteresseIsolde Moser und Heinz Bachmann im Garten ihres Elternhauses _ KlagenfurtThe last time…Entspannt nach der Übergabe im nahen Cafe JägerUrsulinen Schule Klagengfurt _ Ingeborg Bachmann besuchte hier die Oberschule für Mädchen _ Foto _ Isabel Belherdis, Künstlerin Graz_performing _ Bachmannprojekt 7/2023 (Isabel Belherdis/Walter Pobaschnig) Bachmannprojekt 7/2023 (Isabel Belherdis/Walter Pobaschnig) Klagenfurt _ Friedhof Annabichl _ Familiengrab Bachmann _ 2022
Wann habt Ihr Euch das letzte Mal gemeinsam getroffen? Zu welchem Anlass?
Sheila Bachmann (SB): Unsere letzten Treffen war wohl im April und Mai 73, zuerst lag damals mein Schwiegervater im Sterben, dann während des Begräbnisses und im Mai während unseres Jahresurlaubs. Wir lebten damals im Senegal.
Heinz Bachmann (HB): Nach Vaters Begräbnis machten wir einen Abstecher nach Kötschach zu unserer Schwester Isolde. Das war auch das letzte Mal, dass wir drei Kinder zusammen waren und uns mit Isoldes Mann Franz trafen.
Wie wurdet Ihr über den Brandunfall Eurer Schwester/Schwägerin informiert und wie habt Ihr diese Tage in Rom erlebt?
HB: Als ich ein paar Tage nach dem Unfall im Rahmen einer Geschäftsreise ahnungslos von Holland aus in Klagenfurt bei meiner Mutter anrief, meldete sich meine Nichte Christine, dir mir erklärte was passiert war. Ich war wie vom Donner gerührt, brach meinen Aufenthalt in Holland sofort ab und flog nach Rom weiter. Es war ein Albtraum.
SB: Heinz schickte aus Holland ein Telegramm an die Firma im Senegal mit der schrecklichen Nachricht und mit dem Wunsch ich möge so bald wie möglich nach Rom kommen. Die Firma half mit dem Flugschein und dem Ausreisevisum, und ich reiste so schnell wie möglich nach Rom.
Wie waren die Umstände, die zum Brandunfall geführt haben?
HB: Sie war mit einer brennenden Zigarette im Badezimmer eingeschlafen, Nachthemd und ein Umhang hatten Feuer gefangen.
SB: Es war ein schrecklicher Unfall, der leider mit Zigaretten vorkommt.
Was konnte die Haushälterin sagen, gibt es mit Ihr noch Kontakt?
SB: Ingeborg rief Maria Teofili, die frühere Haushälterin, nach dem Unfall an. Maria eilte in die Wohnung und alarmierte sofort die Rettung.
HB: Mit Maria blieben wir bis an ihr Lebensende in Verbindung. Sie veranlasste den Transport ins Krankenhaus. Da sie keinen Ausweis fand nahm sie das Buch „Malina“ in die Klinik mit, um den Ärzten zu erklären, wer die Patientin war. Sie war sehr erschüttert, als wir sie trafen.
Seid Ihr im Krankenhaus vor Ort geblieben?
HB: Wir waren abwechselnd in Rom, aber selbst das war nicht durchlaufend möglich, da gerade, als meine Schwester im Sterben lag, mein Schwager verunglückte und acht Tage vor Ingeborg starb.
SB: Ich kam so schnell wie möglich aus dem Senegal. Ich blieb in Rom eine Nacht und begleitete Isolde dann nach Kötschach, als ihr Mann gestorben war. Nach dem Begräbnis kehrte ich so bald wie möglich nach Rom zurück.
Konntet Ihr mit Ingeborg sprechen?
HB: Es gab in der Isolierstation des Krankenhauses Telefone über die man mit Ingeborg sprechen konnte. Als ich in Rom ankam, muss Ingeborg schon im Koma gewesen sein. Sie antwortete auf meine Fragen, die ich ihr über das Telefon stellte, nicht mehr.
SB: Ich konnte leider mit Ingeborg nicht mehr sprechen.
Wie habt Ihr vom Tod Ingeborgs erfahren?
SB: Im Krankenhaus von einem diensthabenden Arzt.
HB: Nach mehreren Versuchen erreichte mich Sheila telefonisch in Dakar.
Wie habt Ihr die Wohnungsräumung und die Überführung nach Klagenfurt organisiert?
SB: Mit großen Schwierigkeiten aber mit selbstloser Hilfe von Freunden in Rom haben wir es geschafft.
HB: Sheila organisierte mit Bekannten das Verpacken und den Transport aller Möbel und der Bibliothek nach Österreich. Zuerst in unser halbfertiges Haus in der Nähe von Kötschach. Erst 1978 kam alles nach Klagenfurt
Was war Euch beim Begräbnis wichtig?
SB: Ich wünschte nur endlich Ruhe für uns alle in der Familie, denn die Tage in Rom waren unbeschreiblich.
HB: Ein letztes Mal mit Ingeborg allein zu sein, nur die Familie war anwesend.
Ist das Grab ein Ehrengrab der Stadt Klagenfurt?
HB: Ja, das Grab ist ein Ehrengrab der Stadt Klagenfurt und man merkt, dass Menschen aus aller Welt dieses Grab immer wieder besuchen. Wir sind dankbar, dass das Grab von der Stadt immer gepflegt wird, da die Familie in alle Welt verstreut ist..
Was wünscht Ihr Euch für das Andenken an Ingeborg Bachmann?
HB: Ich hoffe, dass die Erinnerung an sie weiter lebendig bleibt, vor allem das Werk, das für Ingeborg die Grundlage ihres Seins war. Auch, dass das Haus in Klagenfurt ein schönes und vielbesuchtes Museum werden möge. SB: Ingeborgs Wunsch nach Frieden sollte Wirklichkeit werden.
Was ist Euer Lieblingsgedicht von Ingeborg?
SB: An die Sonne
HB: Die Wahl ist nicht einfach. Unter sovielen ist es unmöglich eines auszuwählen, aber Sheilas Wahl scheint mir besonders treffend.
Welchen Prosatext schätzt Ihr besonders?
SB: Der Erzählband „Simultan“ in dem es vielen subtilen Humor gibt
HB: Auch hier habe ich Probleme, denn meine Schwester hat sehr unterschiedliche Prosa geschrieben. „Das Buch Franza“, oder die Erzählung „Alles“….es gibt so viele, die ich schätze.
Was ist Euer Lieblingsfoto? Gibt es ein Foto von Euch Dreien?
SB: Lachend auf der Terrasse in der Via Bocca di Leone, so habe ich sie in Erinnerung.
HB: Frühe Familienfotos, später gibt es nur ganz wenige. Einige Aufnahmen von Baldi Schwarze, die das Fröhliche meiner Schwester festhalten. Es gibt nur zwei Aufnahmen unserer Hochzeit, wo wir drei zusammen sind, aber immer mit weiteren Personen. Es wird meist ein Ausschnitt von Ingeborg, Sheila und mir gezeigt.
Ingeborg Bachmann _ Terrassenwohnung Bocca di Leone/Rom _ Fotos_Garibaldi Schwarze (folgende)Bocca di Leone_Rom_Wohnung Ingeborg Bachmann revisted 2018 _ Walter Pobaschnig (folgende) Ingeborg Bachmann _ Rom _ Fotos_Garibaldi Schwarze (folgende)
Wie werdet Ihr den Todestag begehen?
SB: In Trauer, dass sie so früh gestorben ist.
HB: In aller Zurückgezogenheit, wenn möglich mit meiner Schwester Isolde und Sheila, im engen Familienkreis.
Herzlichen Dank für das Interview liebe Sheila und Heinz Bachmann! Alles Gute für Euch und Eure Familie!
Das Ingeborg Bachmann-Projekt
Zum Projekt: Das Bachmann Projekt „Station bei Bachmann“ ist ein interdisziplinäres Kunstprojekt an den Schnittstellen von Literatur, Theater/Performance und Bildender Kunst/Fotografie.
Dabei kommt den topographischen Bezügen eine besondere Bedeutung zu, indem Dokumentation, Rezeption und Gegenwartstransfer, Diskussion ineinandergreifen.
Künstler:innen werden eingeladen an diesem Projekt teilzunehmen und in ihren Zugängen Perspektiven zu Werk und Person Ingeborg Bachmann beizutragen.
Walter Pobaschnig _ Idee/Organisation/Fotos/Interviews
Johanna Mucha, Schauspielerin, Sängerin _ acting „Malina“ Johanna Mucha, Schauspielerin, Sängerin _ acting „Malina“ . Malina, Ingeborg Bachmann. Roman, 1971.
„Da es klingelt, girrt, surrt, greife ich nach dem Telefon, ich will schon Hallo sagen, denn es könnte Ivan sein, aber dann lege ich den Hörer leise nieder, weil mir für heute kein letzter Anruf erlaubt war.“
Malina (folgende)
„Aber heute rauche ich und warte und rauche ich vor dem Telefon bis nach Mitternacht, und ich hebe ab und Ivan fragt, und ich antworte…“
„Wie nett, dass Du mich
Nett, warum nett?
Einfach so. Es ist nett von dir“
„Ich heute abend?
Nein, wenn du nicht kannst
Aber du bist doch
Das schon, aber dahin will ich nicht
Ich halte das aber für, entschuldige
Ich sage dir doch, es ist ganz ohne…
Du hast also. Du bist also
Dann bis morgen, schlaf gut!“
„Es war Mord“
Station bei Malina_Roman Ingeborg Bachmann_Wien_1971
acting Malina _ Romanschauplatz/Lebensort Ingeborg Bachmanns in Wien:
Johanna Mucha, Schauspielerin, Sängerin_Wien_ acting _
„…bald, mein Liebster, bald sehen wir uns, nur mehr 12 Tage, und ich kann an Deiner Brust liegen, anstatt Gedichte aufsagen zu müssen, wir werden furchtbar froh sein…
Deine Ingeborg“
Ingeborg Bachmann an Max Frisch, Frühjahr 1961
Ingeborg Bachmann und Max Frisch bezogen 1960 in der Via Giulia 102 ihre erste Wohnung in Rom. Im Frühjahr 1961 zogen sie in die Via De Notaris 1F.
sdrVia Giulia 102 _ erste gemeinsame Wohnung (1960/61) in Rom von Ingeborg Bachmann/Max Frisch
„Ein Stillstehen. Kein Alarm, keine Sirenen. Es kommt niemand zu Hilfe. Der Rettungswagen nicht und nicht die Polizei.
Es ist eine sehr alte, eine sehr starke Wand, aus der niemand fallen kann, die niemand aufbrechen kann, aus der nie mehr etwas laut werden kann.
Es war Mord.“
Malina, Ingeborg Bachmann. Roman, 1971.
Via Giulia, Rom _ Am Weg zum Wohnhaus/letzte Wohnung Ingeborg Bachmanns Rom _
„Der Wagen fuhr beinahe die ganze Straße entlang, inmitten der alten, grauen, wie schlafend und leer aussehenden Häuser mit den großen, vergitterten Fenstern und den tiefen Vorhallen, durch die man in düstere, brunnenähnliche Höfe blicken konnte (…) Man merkte noch jetzt, dass hier einst das elegante Viertel war; nun war es der Stille und Einsamkeit der Vernachlässigung anheimgefallen und von einer Art klerikaler Ruhe und Verschwiegenheit erfüllt…“ Rom, Emil Zola
Palazzo Sacchetti _ letzte Wohnung von Ingeborg Bachmann (1971-73)
„Das regelmäßige, vom Alter geschwärzte, kahle und massive Haus machte ihn etwas beklommen….Die Fassade, gegen die Straße zu ungeheuer breit und viereckig, bestand aus drei Stockwerken; das erste Stockwerk war sehr hoch, sehr vornehm. Statt jeden Schmucks ruhten die hohen, wohl aus Furcht vor einer Belagerung mit ungeheuren, vorspringenden Gittern versehenen Fenster des Erdgeschosses auf großen Konsolen…“ Rom, Emil Zola
Ingeborg Bachmann wohnte im letzten Stockwerk des Palazzo.
In der Nacht vom 25. auf den 26. September 1973 erlitt Ingeborg Bachmann in ihrer römischen Wohnung einen Brandunfall, an dessen Folgen sie am 17.Oktober verstarb.
Hannah Arendt. Es ist ein Leben, das zu Beginn eines Jahrhunderts seinen Anfang nahm, das in seinem unvorstellbaren Grauen die Notwendigkeit neuer Denkwege in Analyse, Kritik und Perspektiven neuer Gesellschaft forderte. Ihr Name ist dabei ein ganz wesentlicher und ihr Leben und Werk ist bis heute Inspiration und Voraussetzung modernen kritischen gesellschaftlichen Denkens.
So umfangreich ihr Werk in gesellschaftsphilosophischen, historischen wie theologischen Themen ist, so herausfordernd ist es auch eine Biographie darzustellen. Wie, wo beginnen? Es gilt auszuwählen.
Thomas Mayer, Philosoph, wählt für seine in Wort und Bild beeindruckende Biographie, den Schwerpunkt der Jahre des Heranwachsens wie der Flucht nach Paris bzw. den USA in den 1930er bis in die 1950er Jahre. Dies ist eine sehr dramatisch-tragische wie auf das Werk bezogene spannende Lebenszeit, in der viele philosophische Grundlagen später Werke zu finden sind.
Der renommierte Autor überzeugt in der Verbindung von Biographie, Zeitgeschichte, Werkentstehung und gut lesbarer Erzähldarstellung, die interessant wie spannend einem ganz besonderen Leben folgen lässt.
Zahlreiche neue Dokumente wie Fotos fließen in diese Biographie ein und stellen damit eine der einflussreichsten Philosophinnen der Moderne eindrücklich vor.
„Eine Biographie als Leseerlebnis einer der bedeutendsten Philosophinnen der Moderne“
Zur Person _ Thomas Meyer wurde an der LMU München promoviert und habilitierte sich auch dort. Nach zahlreichen Stationen im In- und Ausland lehrt Meyer Philosophie in München. Schwerpunkt seiner Forschungen und Publikationen bildet das 20. Jahrhundert. Er hat mehrere Schriften Hannah Arendts ediert, darunter „Wir Flüchtlinge“ (2015) und „Die Freiheit, frei zu sein“ (2018). Thomas Meyer Bücher & Biografie | PIPER
Hannah Arendt, Thomas Meyer. Die Biografie. Piper Verlag.