„die harte Jury-Diskussion war bei laufender Kamera schwer auszuhalten“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Ute-Christine Krupp, Schriftstellerin, Berlin 13.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

im Interview _ Ute-Christine Krupp, Schriftstellerin _ Berlin 

Bachmannpreisnominierte 2001 _

Eingeladen von Burkhard Spinnen und Elisabeth Bronfen (Juror/in)

Liebe Ute-Christine Krupp, Du hast am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen?

Lesung vor laufender Kamera. Die Möglichkeit, von einem großen Publikum wahrgenommen zu werden. Gutes Hotel. Schöne Stunden am Wörther See. Interessante Gespräche in den Pausen.

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Die Übertragung im Fernsehen. Die große Jury. Man kann Kontakte knüpfen.

Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?

Freude darüber, dass es mir gelungen war, den Text gut vorzutragen. Große Irritation über die harte Diskussion. Das war bei laufender Kamera schwer auszuhalten.

Wie hat sich der Bachmannpreis auf Deinen weiteren literarischen, künstlerischen Weg ausgewirkt?

Gar nicht. Ich habe mir viele Jahre später noch einmal die Diskussion der Jury angeschaut und empfand sie dann nicht mehr so schlimm, wie ich sie bei der Veranstaltung empfunden hatte. Ich habe die Teilnahme am Bachmann-Wettbewerb nie mehr erwähnt, in der Hoffnung, dass sich keiner diesen Auftritt von mir anschaut.

Allerdings fällt mir gerade ein, ich bekam anschließend eine Einladung nach Wiepersdorf, ein Stipendium für drei Monate dort.

Mein Text erschien im Herbst 2001 im Suhrkamp Verlag. Die Diskussion wurde in einer Doktorarbeit beschrieben und analysiert, wie ich zufällig herausfand. 

Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?

Eine Jury, die häufiger neu besetzt wird.

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Den Autor*innen rate ich, vorher Sprechunterricht zu nehmen. Das macht dann den Auftritt professioneller und das Lampenfieber ist geringer.

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Ute-Christine Krupp, Schriftstellerin

Zur Person: Ute-Christine Krupp wurde in Börsborn/Pfalz geboren. Sie ist in einer Arbeiterfamilie mit vier jüngeren Geschwistern aufgewachsen. Zweiter Bildungsweg. Abitur in Kaiserslautern. Philosophie-Studium in Erlangen und Köln. Heute lebt sie in Berlin. In ihren Texten beschäftigt sie sich mit Terrorismus und Klassismus.

Veröffentlichungen/Auswahl:

Schritte für Kellner, Hörspiel, Saarländischer Rundfunk, Saarbrücken 1993. Strom/Strömung, Hörspiel, SR/BR, Saarbrücken 1994. Muttersprache, Vaterland, Hörspiel, Deutschlandradio Kultur und Bulgarischer Nationalsender, Berlin 2010. Übersetzt im Auftrag des Goethe-Instituts Sofia. Von Maja Stefano. Greenwichprosa, Erzählung, Suhrkamp Verlag, Frankfurt 1997. Alle reden davon, Roman, Suhrkamp Verlag, Frankfurt 2001. Membercard Europa, Essay, in der Reihe: „Deutsche Reise nach Plovdiv“, Pygmalion Verlag, Sofia – und Wunderhorn Verlag, Heidelberg 2005. Übersetzt von Mirela Ivanova. Punktlandung, Roman, Wallstein Verlag, Göttingen 2021.

Bachmannpreis _ ORF Studio Klagenfurt

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Wörthersee _ Blick vom Schloss Loretto/Klagenfurt

Foto: Ute-Christine Krupp _ Johanna Rübel

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Fotos: Bachmannpreis/Wörthersee_ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 11.6.26

https://literaturoutdoors.com

Hinterlasse einen Kommentar