„Die Seele auf die Leinwand bringen“ Eva-Maria Korsche Zankl, Künstlerin _ Klagenfurt 24.7.2023

Eva-Maria Korsche Zankl, Künstlerin

Vielen Dank für das Interview liebe Eva-Maria, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Eva-Maria Korsche Zankl, Künstlerin

Selbstbeschreibung _ Bin am 12.12.1974 in Klagenfurt als Künstlerseele geboren. Seit 1997 als Freischaffende Künstlerin tätig.

https://www.kem4art.at/

Fotos_privat.

16.4.2023_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com/

Bachmannpreis 2023 – Rückblickinterview: „Ein Zugewinn an Zuversicht, Vertrauen, und ein schöner Schwung fürs weitere Schreiben“ Anna Felnhofer, Deutschlandfunkpreisträgerin _ Wien 23.7.2023

Bachmannpreis _ Rückblickinterview

Anna Felnhofer _ Deutschlandfunk Preisträgerin 2023

Brigitte Schwens Harrant, einladende Jurorin _ Anna Felnhofer, Deutschlandfunkpreisträgerin _ Stefan Raue, Indentant Deutschlandfunk _
Preisverleihung ORF Klagenfurt 2.7.2023

Liebe Anna Felnhofer, Du hast 2023 am Bachmannpreis in Klagenfurt teilgenommen und den Deutschlandfunk Preis gewonnen. Wie kam es zu Deiner Teilnahme und wie gestaltete sich Deine Vorbereitung?

Eingeladen wurde ich mit meinem Text „Fische fangen“ von Brigitte Schwens-Harrant, und meine Vorbereitung umfasste ein so häufiges Üben und Lesen des Textes, dass ich diesen am Ende auswendig hätte vortragen können, was mir in meiner Lesekarriere noch nie passiert ist.

Welche Erwartungen hattest Du?

Keine Erwartungen im eigentlichen Sinne, eher die Hoffnung, versöhnt, bereichert, und mit jener Art Erinnerung davonzukommen, die sich einem Menschen in der bestmöglichen Weise einschreibt und so fortwirkt.

Gab es im Vorfeld der Veranstaltung Kontakte zu den Mitlesenden und der Jury und wie war der Kontakt (Kontaktmöglichkeiten) vor Ort?

Im Vorfeld hatte ich keinen Kontakt zu den Mitlesenden oder der Jury (den Kontakt zu Brigitte Schwens-Harrant ausgenommen), dafür vor Ort umso mehr, insbesondere zu den anderen Autorinnen und Autoren, deren faktische wie auch gedachte Präsenz in der Vorbereitung auf die Lesung und für das Überstehen selbiger eine nicht zu unterschätzende Rolle gespielt hat.

Lesende, Jury und Organisation Horst L-Ebner (ORF) vor der Eröffnung

Wie geht es mit Deinem Klagenfurt-Text weiter?

Der Text ist online abrufbar, und wird es, denke (und hoffe) ich, wohl auch länger bleiben. Mit dem Thema des Textes, der Unfähigkeit Gesichter zu erkennen, der sogenannten Prosopagnosie, werde ich mich weiter beschäftigen und dieses hoffentlich bis an jenen Punkt weitertreiben, an dem es, wie für ein Romanmanuskript wünschenswert, in verschiedenen Facetten vertreten ist und alle Positionen besetzt.

Text _ Anna Felnhofer _ https://bachmannpreis.orf.at/stories/3206847/

Wie hast Du Dich unmittelbar auf Deine Lesung vorbereitet?

Weil meine Lesung zu Mittag stattfand und ich Angst hatte, in eine Unterzuckerung zu schlittern, habe ich mich mit Schokolade vollgestopft und Cola getrunken, was letztlich dazu führte, dass ich während der Lesung (unter anderem) damit beschäftigt war, ein Aufstoßen zu unterdrücken.

Wie hast Du die Jurydiskussion persönlich erlebt?

Kurz vor der ersten Wortmeldung durch Insa Wilke stieg meine Anspannung auf ein Maximum, mit jeder weiteren Wortmeldung lockerte sie sich dann Stück für Stück, um am Ende in einer tröstlichen Woge aus Erleichterung und Glückstränen zu vergehen. Ich bin der Jury für ihre sachliche, konstruktive und außerordentlich lehrreiche Diskussion meines Textes unendlich dankbar, und darüber hinaus froh, dass dieser für diese sieben Menschen in genau jener Weise funktioniert hat, wie ich es mir für ihn nicht besser hätte wünschen können.

Jurydiskussion _ Klaus Kastberger und Mara Delius

Mit welchem Feedback und persönlichen Emotionen hast Du den Lesungsort danach verlassen?

Mit Dankbarkeit, Erleichterung, und einem nicht geringen Erstaunen darüber, dass ich tatsächlich Teil dieses Spektakels gewesen bin.

Wie gestalteten sich für Dich die weiteren Lesungstage und die Preisverleihung?

Die Lesungen der anderen Autorinnen und Autoren habe ich alle (bis auf jene an meinem Lesetag) im ORF-Garten live mitverfolgt, dies auch nach meiner Lesung, dann allerdings mit einer merklicheren Gelassenheit.

Die Preisverleihung selbst hingegen war eine nervliche Hölle, und als solche wohl auch inszeniert. Aus dramaturgischer Sicht der Medien ist das natürlich nachvollziehbar.

Portrait im Bachmannpark _ Anna Felnhofer, Deutschlandfunkpreisträgerin 2023 und Mario Wurmitzer, Bachmannpreis nominiert 2023

Mit welchen Erfahrungen, Erlebnissen bist Du als Schriftstellerin und persönlich von Klagenfurt abgereist und welche Erinnerung und Resümee hast Du in Abstand an den Bachmannpreis?

Ich bin weiterhin reichlich damit beschäftigt, den Abstand herzustellen. Die Eindrücke sind noch dringlich, frisch, und viel zu beweglich für ein Resümee, das eine solide Basis voraussetzt.

Ziehung der Lesereihenfolge _ Anna Felnhofer

Welche unmittelbaren Impulse hat die Teilnahme am Bachmannpreis für Deine schriftstellerische Tätigkeit?

Ein Zugewinn an Zuversicht, Vertrauen, und ein schöner Schwung fürs weitere Schreiben.

Gibt es bleibenden Kontakt zu Mitlesenden, Jury, Journalisten*innen oder Bezugspersonen in Klagenfurt?

Ich hoffe es sehr!

Würdest Du noch einmal am Bachmannpreis teilnehmen?

Es ist jetzt (Anfang Juli) noch zu früh, diese Frage einigermaßen zurechnungsfähig zu beantworten. Derzeit würde ich sagen nein, aber wer weiß, was mich in einigen Jahren umtreibt.

Martin Piekar _ KELAG Preis und BKS Publikumspreis; Anna Felnhofer _ Deutschlandfunkpreis; Valeria Gordeev _ Bachmannpreis 2023; Laura Leupi _ 3sat Preis.

Was wünscht Du Dir für den Bachmannpreis?

Mehr Optionen, die leiblichen Bedürfnisse (Essen!) vor Ort zu stillen 🙂

Ansonsten aber, dass der Bachmannpreis in dieser oder auch einer leicht optimierten Version noch viele weitere Jahre besteht.


Was möchtest Du den nächstjährigen Teilnehmer*innen mitgeben?

Zuversicht, eine hinreichende Portion Freude und Lust am Auftritt, am Miteinander, an dieser besondere Atmosphäre eines Betriebsausfluges, sowie jede Menge Gelassenheit.

Welche Erinnerung hast Du an den Lesungsort Klagenfurt und welche Aktivitäten hast Du in der Stadt unternommen?

Es war ein ausgewogener Mix aus Arbeit, Auftritt, ausgelassenem Miteinander, dazwischen Strandbad Loretto und Schwimmen im Wörthersee, mit dem Leihrad quer durch die Stadt, Laufen, Sauna und – natürlich – eine Höchstdosis Literatur.

Welche aktuellen Projekte gibt es derzeit für Dich?

Derzeit arbeite ich an meinem Romanmanuskript zur Prosopagnosie weiter, arbeite Liegengebliebenes auf, schließe Studien zu Virtuellen Realitäten ab und beginne neue, und versuche mich in all dem auf meinen dreimonatigen Forschungsaufenthalt in Mailand ab September vorzubereiten.

Vielen Dank für das Interview liebe Anna Felnhofer und viel Freude und Erfolg weiterhin!

Vielen lieben Dank!

Anna Felnhofer,
Deutschlandfunk Preisträgerin 2023 _
Portrait bei Malina _ Wien

Bachmannpreis 2023 _ Rückblick _Interview:

Anna Felnhofer, Schriftstellerin _ Wien

Zur Person_Anna Felnhofer, geb. 1984 in Wien, Studium der Psychologie in Wien und Warschau, Promotion 2015. Arbeitet als Wissenschaftlerin und Klinische Psychologin an der MedUni Wien und ist Gründerin und Leiterin eines Virtuellen Realitäts-Labors (PedVR-Lab) (PedVR-Lab [HYPERLINK: https://kinderklinik.meduniwien.ac.at/paediatrische-psychosomatik/pedvr-lab/]) sowie auch Gründerin und Mitherausgeberin der internationalen wissenschaftlichen Zeitschrift Digital Psychology [HYPERLINK: https://ejournals.facultas.at/index.php/digitalpsychology]. Zu ihrem wissenschaftlichen Werk zählen zahlreiche Publikationen in internationalen Journalen sowie die Herausgabe von vier (Lehr-)Büchern (UTBBELTZ).

Parallel dazu veröffentlicht sie Erzählungen und Kurzprosa in literarischen Zeitschriften. Im Jahr 2018 war sie auf der Shortlist des FM4 Wortlaut Kurzgeschichten-Wettbewerbs und gewann 2020 den Emil-Breisach Literaturpreis der Akademie Graz (2. Platz, Preis der Energie Steiermark AG). Ihr Debütroman „Schnittbild“ (Luftschacht, 2021, [HYPERLINK: https://www.luftschacht.com/produkt/anna-felnhofer-schnittbild/]) erhielt die Buchprämie der Stadt Wien, wurde mit dem Franz-Tumler-Literaturpreis 2021 ausgezeichnet und für die Shortlist des Österreichischen Buchpreises Debüt 2021 nominiert. Beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb 2023 liest sie auf Einladung von Brigitte Schwens-Harrant.

homepage Anna Felnhofer https://www.annafelnhofer.at/

Aktueller Roman_Anna Felnhofer „Schnittbild„. Roman, 336 Seiten. Luftschacht Verlag 2021.

Anna Felnhofer „Schnittbild„. Roman, 336 Seiten. Luftschacht Verlag 2021.

Hardcover
12,8 * 20,8 cm
ISBN 978-3-903081-86-4
€ 24.00 [D], € 24.00 [A]

2. Auflage erschienen am 30. März 2023
1. Auflage erschienen am 30. März 2021 (Vergriffen)

auch als E-Book erhältlich
ISBN 978-3-903081-87-1

ausgezeichnet mit dem Franz-Tumler-Literaturpreis 2021

nominiert für: Österreichischer Buchpreis 2021 Debüt

Anna Felnhofer: Schnittbild

Interview&alle Fotos _Walter Pobaschnig 7_23

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„Literatur lernt uns zu fühlen, sie fordert heraus und das tut manchmal auch weh“ Sanja Abramovic, Schriftstellerin _ Eisenstadt 23.7.2023

Liebe Sanja Abramović, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Im Moment verschwende ich meine Tage darauf, darüber nachzudenken, was es ist, was ich machen will bzw. soll und was davon das Wichtigere ist.

Sanja Abramović, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Für uns alle ist gerade besonders wichtig, nicht in die zahlreichen Fallen zu tappen, die uns immer wieder klarmachen wollen, es gehe nur um uns und das Unsrige.  Wir werden ruhiggestellt durch Technik und Konsum, verlieren die Gabe zu beobachten, aufmerksam zu sein, wahrzunehmen. Wir müssen öfter die Perspektive wechseln, sehen, was um uns passiert, die Menschen wahrnehmen, die Umwelt.

Ich wundere mich immer wieder darüber, welche Wirkung abgedroschene Phrasen, Parolen und Worthülsen haben können. Dass das als rhetorische Strategie immer noch oder wieder funktioniert – in der Politik, in den Medien. Wir verflachen, werden egoistischer, es geht in vielen Bereichen so viel mehr um Oberfläche als um Substanz. Wir brauchen dringend eine alternative Sichtweise.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Als die Matura reformiert wurde, legte man sich im Fach Deutsch auf bestimmte Textsorten fest. Die wenigsten davon setzen eine Beschäftigung mit Literatur voraus beziehungsweise erfordern Kreativität oder Empathie. Es klang für uns Lehrpersonen plausibel, dass man sensible Themen in Prüfungssituationen meiden solle, da man ja nicht wissen könne, wer inwiefern gerade von diesen Themen betroffen sei. Da ja solche Themen nicht Prüfungsstoff waren, wurden sie aber auch weniger relevant und leider immer seltener behandelt. Erst jetzt wird uns bewusst, wie weitreichend die negativen Auswirkungen dieser Reformen sind.

Man mag vielleicht vieles wissen, aber durch Literatur lernt man zu fühlen, sie fordert heraus und tut manchmal auch weh. Empathie und Verständnis für etwas Unbekanntes, Neues kann uns Kunst vermitteln, manches lässt sich nicht allein durch Fakten und das Herabbrechen auf logische Strukturen erfassen.  

Literatur und Kunst sind es, die uns nicht vergessen lassen, was uns wirklich ausmacht, dass da etwas ist, was uns bewegen kann, ohne dass wir es erklären können oder müssen. Die Erinnerung an etwas Vertrautes, uns Bekanntes und ein unbestimmtes Versprechen zugleich. Sie finden in uns Resonanz, bringen etwas zum Klingen, was in uns ist, ganz egal, wo wir stehen, wer wir sind.

Was liest Du derzeit?

Wisława Szymborska: Hundert Freuden

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Das Leben, sei es auch lang, wird immer kurz sein.

Zu kurz, um ihm etwas hinzuzufügen.“

(aus dem oben genannten Gedichtband)

Vielen Dank für das Interview liebe Sanja, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Sanja Abramović, Schriftstellerin

Zur Person_Sanja Abramović wurde 1982 in Karlovac/Kroatien geboren. Im Alter von neun Jahren kam sie nach Österreich. Sie studierte Germanistik und Slawistik in Wien und lebt in Eisenstadt, wo sie am Gymnasium Kurzwiese Deutsch und Kroatisch unterrichtet.

2003 wird Sanja Abramović beim Literaturpreis „Schreiben zwischen den Kulturen“ der Edition Exil ausgezeichnet, 2016 mit dem zweiten Platz beim Lyrikpreis der Energie Burgenland, 2018 wird ihr der Literaturpreis des Landes Burgenland zuerkannt.

Sanja Abramović schreibt Kurzprosa und Lyrik, veröffentlicht in Zeitschriften und Anthologien – zuletzt bei lex liszt 12 „Junge Literatur Burgenland: Volume 4.“

Foto_Hans Wetzelsdorfer

18.7.2023_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Literatur schult Empathie. Aufs Schärfste und Schönste“ Bernhard Blöchl, Schriftsteller _Bayern 22.7.2023

Lieber Bernhard Blöchl, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Von den lieben Katzen geweckt werden. Also die lieben Katzen füttern und kraulen. Kaffee trinken. Lesen und schreiben. Kraft- und Dehnübungen. Dann in die Redaktion der Süddeutschen, wo ich als Kulturredakteur das Schöne beflügle, wann immer es möglich ist. Abends mit meinem Lieblingsmenschen kochen oder essen gehen und über tollkühne Buchideen oder Lesungen sprechen, die wir umsetzen (oder auch nicht). Katzen kraulen. Schlafen. Bis wieder die Katzen maulen.

Bernhard Blöchl, Schriftsteller und Journalist

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Der Glaube an Liebe und Hoffnung. Kultur forever. Und Zuhören, immer wieder zuhören und Fragen stellen. Wenn das Interesse am Gegenüber einschläft, ersticken wir an uns selbst. Apropos: Was ist deine Antwort auf die Frage, Walter?

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Literatur schult Empathie. Aufs Schärfste und Schönste. Wer Romane liest, kann unterschiedlichste Menschen verstehen. Das sollte helfen, mitfühlend und guter Dinge durchs Leben zu dribbeln. Manchmal hilft die Kunst aber auch einfach dabei, dem Jammertal zu entfliehen. Auch gut.

Was liest Du derzeit?

Ich habe kürzlich „Morgen, Morgen und wieder morgen“ von Gabrielle Zevin gelesen und geliebt, eine hinreißende Coming-of-Age-Geschichte über Kreativität, Freundschaft und den bipolaren Halunken namens Leben. Jetzt schon meine Anwärterin auf den Roman des Jahres. Derzeit lasse ich mich von Max Porters „Shy“ und seinem unvergleichlichen prosapoetischen Gedankenstrudel mitreißen.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Der Umweg ist das Ziel.“ Dieses Motto beherzigt der Protagonist meines jüngsten Romans, „Eine göttliche Jugend“ (Volk Verlag), und fährt gut damit. Eine ganze Weile zumindest. Dem schließ ich mich gerne an.

Ein Dorf am Wald. Eddie wächst unter schwierigen Bedingungen auf. Der Vater trinkt, die Mutter träumt von Bella Italia, einziger Halt ist Oma Elfie aus dem Sudetenland. Es sind die frühen Neunziger, als es Eddie reicht. Er haut ab. Mit dem Mofa raus aus dem konservativen Bayern, ab nach Amerika, fest entschlossen, dort sein großes Idol zu treffen: Popstar Madonna, Sinnbild für Toleranz und Freiheit. Doch von zuhause reisen Eddie dramatische Nachrichten hinterher. Er muss eine folgenschwere Entscheidung treffen, und am Ende kann ihm nur noch einer helfen: Gott persönlich.

Mit feinem Humor und poetischer Sprache erzählt Bernhard Blöchl die Geschichte von Eddie und dem Sommer, in dem er beinahe erwachsen wurde. Eine nostalgische Heldenreise von einem bayerischen Kaff bis nach Amerika – und von Madonna zu Gott
Benedict Wells

Eine göttliche Jugend. Roman. Bernhard Blöchl

Out of Bavaria: Ausreißergeschichte mit Herz, Hirn und Humor

ISBN: 978-3-86222-439-5Ausstattung: Hardcover, 240 Seiten

€20,00

https://volkverlag.de/shop/eine-goettliche-jugend/

Vielen Dank für das Interview lieber Bernhard, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

Bernhard Blöchl, Schriftsteller und Journalist

5 Fragen an Künstler*innen:

Bernhard Blöchl, Schriftsteller und Journalist

Zu Person _

„I write because I don’t know what I think until I read what I say.“

(Flannery O’Connor)

Bernhard Blöchl, Jahrgang 1976, ist Journalist und Schriftsteller und lebt in Bayern. In München hat er Diplom-Journalistik studiert und sich an der Deutschen Journalistenschule (DJS) zum Redakteur ausbilden lassen. Seit er erwachsen ist arbeitet er für die Süddeutsche Zeitung, schreibt vorrangig über Film, Literatur, Pop und Menschen. Seit Juli 2016 ist er SZ-Redakteur und kümmert sich als stellvertretender Teamleiter um die Ressorts Kultur in München und Bayern sowie SZ Extra print und digital (mehr dazu hier).

Kulturkonsumierend. Kulturrezensierend. Kulturschaffend

Groß geworden in den Neunzigern, zählt er sich zu der Autorengeneration, die das Schreiben offline lernte, sich aber auch online nach Herzenslust austobt. Er mag Gedrucktes und Antiquariate ebenso wie Blogs und Social-Media-Spielereien. Unter Lieblingssaetze.de hat er ein Museum der schönen Sätze eingerichtet, wo er famose Romananfänge und steile Songzeilen sammelt und kommentiert.

Inspiriert von Wortkünstlern wie Wolf Haas oder Tom Robbins, widmet er sich seit 2010 der Schriftstellerei. Die erste Kurzgeschichte „Querulant im Amt“ belegte den zweiten Platz der Jury-Wertung bei Oliver Uschmanns Autorenwettbewerb „Hartmut und Du“. Blöchls Debütroman Für immer Juli erschien 2013 im MaroVerlag. Die schelmische Komödie zur Frage, was den modernen Mann ausmacht, ist Teil eines literarischen Experiments. Unter Schlussmitluschig.de ließ er viele Jahre lang seine Hauptfigur Julian Hartmann bloggen. Sie spann die Handlung des Romans im Netz weiter – und hat die Website zu einem der beliebtesten Männerblogs in Deutschland hochgejazzt. Das Sachbuch zum Blog zum Roman ist 2014 bei Rowohlt erschienen. Blöchls zweiter Roman, die tragikomische Roadnovel Im Regen erwartet niemand, dass dir die Sonne aus dem Hintern scheint kam 2017 bei Piper heraus. Unter dem Titel Die Wochen wehen im zähen Takt erschien im Frühjahr 2021 sein erster Gedichtband. Im November 2022 folgte der dritte Roman, Eine göttliche Jugend (Volk Verlag), Blöchls bisher persönlichstes Buch. Coming of Age made in Bavaria.

Bloechl 2022_1

https://bernhardbloechl.de/

https://www.facebook.com/bloechlbernhard/

https://www.instagram.com/bernhardbloechl/

Fotos_Portraits: piz; Cover: Volk Verlag

17.7.2023_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Drei unverzichtbare Punkte zu Literatur und Kunst: Haltung, Haltung, Haltung!“ Wilfried Oschischnig, Schriftsteller _ Wien 21.7.2023

Lieber Wilfried Oschischnig , wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Jetzt gerade, schwitze ich … physisch und arbeitsmäßig. Wie immer bricht um diese Zeit bei den Leuten/Kunden die Sommerpanik aus, alles muss erledigt werden. Schnell, schnell, schnell … nach dem Juni gibt es kein Morgen mehr! (???)  Und meine Sturheit kommt mir auch noch in die Quere: Der neue Roman soll ebenfalls wachsen, nicht nur die Kastanien vorm Haus und der Arbeitsberg am Bürotisch. Übrigens sind die Kastanien schon beängstigend groß und stachelig. Tja, in jedem Beginn liegt das Ende … auch beim Sommer.

Wilfried Oschischnig, Schriftsteller, Journalist

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

„Alle“ ist ein Begriff, der meine Kompetenz übersteigt, da geht selbst mein – leider viel zu häufiger – Hang zu Besserwisserei in die Knie. Aber falls wir „alle“ ein Sabbatical für die Menschlichkeit einlegen, wär’s bestimmt kein Schaden. Also für eine echte, respektvolle Menschlichkeit und kein windelweiches Gutmenschpalaver. „Tatenarm und gedankenvoll“, so hat Hölderlin angeblich seine Generation beschrieben – wie wär’s mit „gedankenvoll und tatenVOLL?“ Beim Klimaschutz, der Migration, den Menschenrechten, der sozialen Gerechtigkeit … um leider eine elendslange Aufzählung zumindest mit ein paar Schlagworten zu beginnen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur,  der Kunst an sich zu?

Drei unverzichtbare Punkte zur Literatur und Kunst: Haltung, Haltung, Haltung! Und das zum Quadrat. Eine Literatur ohne Haltung ist nur ein sinnloses Piepsen. Auch wenn’s den Leserinnen und Lesern manchmal weh tut, auch wenn’s für die Autorinnen und Autoren keine Einladungen mehr zu politischen Sommerfesten mehr gibt, sich die angenehmen Streicheleinheiten plötzlich wie Schmirgelpapier anfühlen – ohne Haltung gibt es keine Literatur und Kunst. Jede und jeder muss sich nun entscheiden: Will ich zu den letzten, allerallerletzten freien Künstlerinnen und Künstler gehören – oder zum neuen „Anbiedermeier“? 

Was liest Du derzeit?

Aktuell nur beruflich, leider – in ein paar Tagen allerdings gleich mehrere Krimis: die Zeugnisse meiner Kinder.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?  

Ehrlich gesagt, keine Ahnung. Weiß ja nicht einmal, ob in Österreich noch das Klimaschutzgesetz vor dem endgültigen Klimawandel kommt.

Vielen Dank für das Interview lieber Wilfried, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Wilfried Oschischnig, Schriftsteller, Journalist

https://www.oschischnig.at

Foto_Reinhard Gessl

21.6.2023_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Früh auf und dann alles nehmen wie es kommt“ Cecile Nordegg, Musikerin 20.7.2023

Liebe Cécile Nordegg, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Früh auf und dann alles nehmen wie es kommt. Unsere Arbeit ist eine Mischung aus Disziplin und ‚Laissez-faire‘.

Cécile Nordegg|No-ce & Band 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Um diese Frage zu beantworten müsste man Seiten füllen…Sicher sich nicht von all dem oft gerechtfertigten Pessimismus unterkriegen  lassen….

Ich versuche mir treu zu bleiben, meinen Weg  zu gehen und offen für Veränderungen und Lernen zu sein.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?

Musik und Kunst hilft zu atmen

Was liest Du derzeit?

Assia Djebar

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

So a Folie… (A Wahnsinn)

Das ist der Titel der nächsten Musikproduktion, ein Song den ich mit Maria Salamon schreibe.

Vielen Dank für das Interview liebe Cecile, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

Cécile Nordegg, Musikerin, Sängerin _ No-ce & Band 

5 Fragen an Künstler*innen:

Cécile Nordegg, Musikerin, Sängerin _No-ce & Band 

Zur Person_Cécile Nordegg|No-ce & Band

The complex artistic and musical concept of Cécile Nordegg is cross-genre productions that internationally connect artists of various cultures, genres and generations.

In a world in which people emphasise on differences and affiliations, Cécile Nordegg open-mindedly seeks to find connections, to encourage cohesion, to unite. Her refined and distinctive musical style, which combines the art of story telling of the French Chanson, the musical roots of Cécile in Rock’n Roll and her partly classical vocal training is unified in Jazz.

While touring the globe her musical journey resulted in meeting many interesting artists who gladly support Cécile on stage and in the studio. Wherever and whenever she performs live she asks representative musicians from the host country to play the shows with her and her band; the technical possibilities of studio recordings allow musicians from all corners of the musical world to come together to create and make music and develop projects together.

Besides her regular crew of musicians Megumi Otsuka, Josef Schultner, Maria Salamon, Walter Bass, Ines Schüttengruber, Christian Spörk, Philipp Deniflee and Bernold Wiesmayr there are many others that made live or studio appearances: Tony Pulizzi, Joel Taylor , DJ Ayana Soyini, Rick Musallam, Patrick „Static“ Scheffler, Billy Hulting, Bunny Brunel, Sheila Gonzalez, Deborah Henson-Conant, Jamie Kime, Jon Cornell, Todd Wolf, Jay Roberts, JP Chiche, Andreas Pirringer, Sirius XIV, Lenny Dickson, Loïc Dogon, Lone Madsen, Peter Müller, Andreas Wingert, Nogabe Randriaharimalala, Lamine Faye, Cheikh Ndiaye, Bertrand „Washasha X“ Lettsome…

In times of social distancing we came together! Thank you so much each and every one of you!

www.cecilenordegg.eu

Fotos_Alex List

17.7.2023_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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Station bei Malina _ „Eine Polarität, Zerrissenheit im Drang zur Erkenntnis“ Daniela Prokopetz_Künstlerin _ Wien 20.7.2023

Daniela Prokopetz_Künstlerin _ acting Malina
Romanschauplatz „Malina“ Ingeborg Bachmann (1971) Wien  
50.Todesjahr_Ingeborg Bachmann_ Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom)
Daniela Prokopetz_Künstlerin _ acting Malina

Liebe Daniela Prokopetz, wir sind hier an literarischen Bezugsorten des Romans „Malina“ (1971) von Ingeborg Bachmann in Wien. Sind Dir die Orte hier vertraut?

Vor einigen Jahren wohnte ich in der Fasangasse im 3. Bezirk, dadurch ist mir der Bezirk vertraut. Aber speziell diese Orte kannte ich nicht! Es war spannend für mich, durch das Shooting und den Roman neue Einblicke und Zugänge zu bekommen.


Welche Bezüge und Zugänge gibt es von Dir zu Ingeborg Bachmann und dem Roman Malina? Gab es in Deinen Kunstprojekten Berührungspunkte zu Ingeborg Bachmann?

In Kritiken wird der Roman oft als fiktive Autobiografie Bachmanns gesehen.
Er behandelt individuelle und gesellschaftliche Schicksale. Die Polarität des Lebens. Innere Zerrissenheit. Macht, Krieg und Zerstörung.
Eine Polarität, die wir durch unser Menschsein im Grunde alle in uns tragen. Will Bachmanns Ich-Erzählerin sich loslösen, befreien, die Welt erfahren? Diesen Drang nach Erkenntnis und tiefem Verstehen trage ich auch in mir.
Meine Werke streben nach Tiefgründigkeit, entstehen über einen längeren Zeitraum, sind nie beschönigend, auch wenn sie das Schöne zeigen.
Sonne gibt es nicht ohne Schatten. Die Annahme und Integration der Polarität verschafft mir sehr viel inneren und äußeren Frieden.


Welche Eindrücke hast Du von den Schauplätzen in der Ungargasse, die wir besucht haben?

Am besten hat mir der von Efeu überwucherte Garten gefallen. Ich mag es, wenn die Natur sich ihren Raum zurückholt.


Wie war Dein Weg zur Kunst und was sind Deine derzeitigen Projektpläne?

Ich arbeite schon sehr lange künstlerisch und gehe meinen Weg. Das Thema Natur hat sich die letzten Jahre so herauskristallisiert, obwohl es mich immer begleitet hat. Meine ersten Zeichnungen waren Kohlearbeiten und Collagen von Wurzeln und Baumrinden, von Lösswänden und Erdstrukturen meiner Umgebung der naheliegenden Weinberge. Da saß ich noch als siebzehnjährige und malte in Workshops vor Ort in den Weinbergen. Zwischendurch kam dann eine lange Findungsphase durch meine zwei Studien an der Kunstuniversität in Linz und an der Angewandten in Wien. Im Grunde bin ich wieder dorthin zurück, wo ich vorher war. Nur mit der notwendigen Reife und Erfahrung im Gepäck. Ich habe trotz der anstehenden Geburt viel vor und möchte auch in den kommenden Monaten und Jahren einige Projekte umsetzen. Am liebsten würde ich einen ganzen Museumsraum mit meinen Papiercollageinstallationen überwuchern. Das wäre ein tolles Statement dafür, dass die Natur ein Grundrecht bekommen sollte, ihren Lebensraum einzufordern.


Was wünscht Du Dir für Deinen Beruf als Künstlerin?

Mich und meine Arbeit weiterentwickeln zu sehen. Etwas zu tun, das gesellschaftlich Relevanz hat. Das Fragen aufwirft und Raum für Diskurs schafft.
Aber auch nicht immer alles so streng und sachlich zu betrachten.
Ich liebe die Emotion.
Und Stimmungen. Ich mag es, wenn Werke rüberbringen, dass sie leidenschaftlich sind. Ich liebe es, mit Materialien zu arbeiten, die Haptik, das Fühlen, Greifen, sinnliche Erleben. Die Erfahrung. Das Eingenommensein mit allen Sinnen und einer gewissen Leidenschaft. Ich möchte den Menschen diese Empfindungen geben und sie daran erinnern, was uns die Natur Schönes bieten kann, wenn wir ihr verantwortungsvoll begegnen.

Was möchtest Du Künstler:innen am Anfang Ihres Weges mitgeben?

Sich zu fokussieren und den eigenen Weg zu gehen und zu verfolgen.
Künstlerin oder Künstler zu sein, ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Man benötigt auf jeden Fall Durchhaltevermögen, die Liebe zu dem, was man tut und Beständigkeit.

Darf ich Dich abschließend zu einem Malina Akrostichon bitten?

M itten in die Stille

A tem bewegt sich

L eben lauschen wir dem Moment

I n uns

N ah

A tmet es

Daniela Prokopetz_Künstlerin _ acting Malina
Romanschauplatz „Malina“ Ingeborg Bachmann (1971) Wien  
50.Todesjahr_Ingeborg Bachmann_ Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom)

Vielen Dank, liebe Daniela, für Deine Zeit in Wort und szenischem Bild im „Ungargassenland“, alles Gute für Dich und die kommende Geburt!

Danke auch dir, lieber Walter!

Station bei Malina_Roman Ingeborg Bachmann_Wien_1971

im Interview und szenischem Fotoportrait_acting Malina:

Daniela Prokopetz, Künstlerin

Daniela Prokopetz

Zu Person/Werk_ https://www.danielaprokopetz.com/cv

Aktuelle Ausstellung: https://www.danielaprokopetz.com/

2023 _ 50.Todesjahr_Ingeborg Bachmann_ Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom)

Interview und alle Fotos_Romanschauplatz _ Malina_Wien _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 7_23

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„Es macht mich glücklich, wenn die Gedanken in meinem Kopf explodieren“ Doris Fleischmann, Autorin _ Wien 19.7.2023

Liebe Doris Fleischmann, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich habe meinen finalen Text für die nächste Ausgabe der Zeitschrift „Entladungen“ der Arbeitsgemeinschaft Autorinnen abgegeben und befinde mich derzeit in einer Schreibpause. Allerdings habe ich zwei Projekte in der Pipeline: einen literarischen Reiseführer und eine Novelle. Ich habe mich noch nicht entschieden, welches Projekt ich als nächstes in Angriff nehmen werde.

Doris Fleischmann, Autorin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Wir dürfen nicht den Mut verlieren und wir müssen wieder diskutieren lernen. Mehr Selbstreflexion könnte uns auch nicht schaden. Durch die schwierigen letzten drei Jahre haben viele Menschen ihre Meinungen und Positionen in Stein gemeißelt. Das macht ein Miteinander sehr schwierig. Ich wünsche mir, dass die Menschen wieder offen aufeinander zugehen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Ob Literatur heute noch die Welt verändern kann? Es ist alles so schnelllebig geworden. Wer nimmt sich noch Zeit, einen tausendseitigen Roman zu lesen? Wir Schreibenden werden trotzdem weitermachen. Ich schreibe, weil ich erzählen will. Es macht mich glücklich, wenn die Gedanken in meinem Kopf explodieren. Und Themen? Themen gibt es genug, würde ich sagen.

Was liest Du derzeit?

Derzeit lese ich „Blue Skies“ von T. C. Boyle: „Der Planet stirbt, siehst du das nicht?“, wirft Cooper seiner Mutter vor, die ihre Küche gehorsam auf frittierte Heuschrecken umgestellt hat. Ein satirischer Roman über den Klimawandel, aber auch über den Wandel in unserer Gesellschaft. Ein brandaktuelles Thema.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Wenn der Roman wirklich verschwinden sollte, dann nicht, weil er am Ende seiner Kräfte ist, sondern weil er sich in einer Welt befindet, die nicht mehr die seine ist.“ Milan Kundera

Kundera, Milan: Die Kunst des Romans, Frankfurt a. M.: Fischer Taschenbuchverlag 1989, S. 24ff.

Vielen Dank für das Interview liebe Doris, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Doris Fleischmann, Autorin

Zur Person_ Doris Fleischmann, geboren 1970 in Wiener Neustadt, lebt und arbeitet in Wien; viele Jahre im Kulturbetrieb tätig; schreibt Prosa. Regelmäßige Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften und Anthologien, eine Co-Herausgeberschaft. Ihr Debütroman „Alles, was bleibt oder Ein Haus in Wien“ erschien 2018 im Hollitzer Verlag, Wien. Im April 2022 erschien ihr Kurzgeschichtenband „Spaziergänger zwischen den Welten“ im Pilum Literatur Verlag, Strasshof an der Nordbahn. Mitglied beim Literaturkreis Podium, der Literaturgruppe Textmotor sowie der Arbeitsgemeinschaft Autorinnen.  

http://www.aga.at/autorinnen/fleischmann_doris.htm

https://www.facebook.com/doris.fleischmann.autorin/

Foto_privat

20.6.2023_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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Station bei Bachmann _ „Den Steinen das Schweben lernen“ _ performing Isabel Belherdis, Künstlerin _ Graz 19.7.2023

Isabel Belherdis _ Künstlerin_ Graz __
Friedhof Annabichl/Klagenfurt _
50.Todesjahr_Ingeborg Bachmann_ Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom)

Den Steinen das Schweben lernen. Aufgeben, Steinen das Schweben beizubringen. Das Schweben von den Steinen wiedererlernen.

Steine gebären. Steine verschieben. Auf Steinen liegen.

Zeichen gesetzt. Den Stempel selbst auf die Haut gesetzt. Geprägt sein und Selbst prägen. Neuzeichnen.

Im Spiegel erkennst Du Dich auch nicht. In den Menschen kannst Du Dich spiegeln, hunderte, tausende Male bis Du sie in Dir entdeckst. Gestorben und Lebendig. Spielen sie bis Du den Spiegel zuklappst, Verstecken.

Die Steine aus dem Bauch in den Himmel werfen. Statt dessen auf Wolken gehen

Dem Gras Geheimnisse zuflüstern während das Gras einem Geheimnisse zuflüstert. Welches Geheimnis kommt zuerst an, wo es doch geheim bleiben soll?

Tore schauen. Anschauen, bis sie sich öffnen. Mit Blicken bewegen.

Zu Stoffen wirken, jedes Lächeln und die Lanzen zu Grabe tragen. Alles was spitz ist in die Erde setzen.

Was kann sich darum ranken? Vertrauen, das muss tief gepflanzt sein. Hingabe. Rankt sich daran empor. 

Auferstehen in jedem Wort.

Wo treffen wir uns? Nicht an einem Ort. Auch nicht zu einer Zeit.

An der verwundbarsten Stelle. Dort, wo nichts mehr wächst und alles vergraben ist.

Und werden wir uns dann erkennen?  Werden wir es an unseren Händen lesen können, die dorthin zeigen, wo wir uns vermuten? Im Vermuten versteckt sich doch tatsächlich Mut. Mutig versteckt er sich hinter einer vagen Andeutung. (Fast übermütig, denkt sie)

Die Scheu stellt sich in den Weg und trägt Farbe auf. Ihr Faustschlag sitzt. Verlassen ist wer anderer, die Steine haben sich längst vergesellschaftet und suchen ihre Vergangenheit.

Steine gebären ist einfach, nur auf den Fuß fallen sollten sie nicht. Steine verschieben ist weniger einfach, weil sie schon Wurzeln geschlagen haben. Steine vermehren kann vorkommen, ist aber selten.

Teile in sich zu Grabe tragen: Die Angst. Nochmals die Angst. Die Angst vor der Angst.

Teile in sich wiederbeleben: Das Überraschen lassen. Das Lassen. Und das Über.

Überschweben geht auch. Überfliegen darf sein. Überlassen auch, herrlich!

Isabel Belherdis _ Künstlerin_ Graz __
Friedhof Annabichl/Klagenfurt _
50.Todesjahr_Ingeborg Bachmann_ Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom)

Station bei Bachmann_

Klagenfurt _ Friedhof Annabichl _ Grab von Ingeborg Bachmann

Performing & Text _ Isabel Belherdis, Künstlerin _ Graz_

alle Fotos_Walter Pobaschnig

2023 _ 50.Todesjahr_Ingeborg Bachmann_ Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom)

Walter Pobaschnig, 7_23

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„if you want peace then laugh some more“ Peter Paul Beck_Schauspieler, _ Give Peace A Chance _ Althofen/Kärnten 18.7.2023

GIVE PEACE A CHANCE

Get your ass together, hearts in sync,

Ignite the flame of fucked up humor, let it sink,

Voices clash, making fun of everything around,

Embrace the chaos, where no one is safe and sound.


Promote offensive jokes, pushing boundaries wide,

Eradicate political correctness, let it slide,

Affirm the power of satire, no topic is taboo,

Crazy characters and social commentary, that’s my brew,

Embrace the absurdity, it’s what we should do.


Aspire for irreverence, let controversy rise,

Create a world where nothing’s sacred, no disguise,

Holding nothing back, breaking all the rules,

Amusing and offending, these are my tools,

Nothing’s off-limits, let’s offend everyone,

Cultivate laughter, our wicked fun,

Elevate our twisted minds, let’s have some more, if you want peace then laugh some more

Peter Paul Beck, 17.7.2023

Hallo lieber Walter,

anbei mein Akrostichon. Es war keine leichte Aufgabe, ein Akrostichon zu schreiben, zumal dabei nicht nur eine Botschaft, sondern auch der Charakter des Verfassers transportiert werden sollte. Jedoch bei jedem Versuch, es zu schreiben, fühlte ich mich wie ein Pfarrer, der eine Predigt schreibt, und mit jedem Wort, das ich tippte, entfernte ich mich ein Stücken mehr von mir selbst und das aus keinem anderen Grund als zu gefallen und zu entsprechen. Deshalb habe ich eine Version geschrieben, die vielleicht nicht ganz der Aufgabe entspricht, aber dafür meinem Charakter. 

Liebe Grüße 

Peter

Peter Paul Beck_Schauspieler, Schauspielpädagoge, Theaterregisseur, Sprecher

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Peter Paul Beck_Schauspieler, Schauspielpädagoge, Theaterregisseur, Sprecher

www.peterpaulbeck.com

Foto_Alex Settari

Walter Pobaschnig _ 17.7.2023

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