Da ist Eva, Filmemacherin. Und es beginnt mit einem, ihrem Traum:
„Das Telefon läutet, und ich stürze in den Flur, wo es wie ein Relikt aus vergangener Zeit auf dem Schubladenschränkchen ausharrt…“Komm, Eva, es ist soweit: Dreh deinen Film…“
Doch dann ist da bei Tag der Schreibtisch der Produktionsfirma und dahinter Herr Nölle, hoch oben –
„…nun sitze ich vor seinem Schreibtisch, beziehungsweise knieend darunter, und schaue Jochen Nölle aus der Froschperspektive ins Gesicht…zu jemanden…der sich unter meinen Blicken in einen überhöhten Gott verwandelte…“
Und die Reise zum Traum des eigenen Films geht weiter, Stationen in Begegnungen, Gespräch, Hoffnung und Enttäuschung, Weitergehen und Nicht-Aufgeben…
Und dann bleibt noch Barcelona und der Filmemacher Dany. Eva bricht auf zu all ihren Träumen, mit ihren Träumen, zu ihrem Film…
Corinna Antelmann, vielfach ausgezeichnete, aus Bremen gebürtige und in Oberösterreich lebende, Schriftstellerin, legt mit „Barcelona Dream“ ein spannendes Vexierspiel von Traum und Realität(en) zu Kunst und Leben vor, das in Sprachvirtuosität, Spannung wie tiefgehenden Reflexionsebenen zu Mensch, Kunst und Gesellschaft begeistert. Die wechselnden Textebenen, raschen szenischen Schnittfolgen erzeugen eine Lebendigkeit des Erzählens, die von Beginn an mitreißt.
Das Thema selbst, das Leben als Künstlerin in allen Ingredienzien von Mut, Angst, Enttäuschung und Ausdauer, um eine Vision Realität werden zu lesen und einen Traum zu leben, wird schonungslos existentiell wie gesellschaftskritisch offengelegt. Ein packender Roman als faszinierendes wie wegweisendes Leseerlebnis.
„Ein faszinierender Roman, der Mensch, Kunst und Gesellschaft schonungslos den Spiegel vorhält.“
Alexandra Lüthen wurde 1977 in Westfalen geboren. Heute lebt sie in Berlin. Sie schreibt Kurzprosa, Romane und Sachbücher in Standardsprache und Einfacher Sprache.
Viele ihrer Texte wurden mit Preisen ausgezeichnet und zur Förderung ihrer Arbeit hat sie ein Stipendium des Landes Berlin bekommen. Sie findet: Literatur soll offen für alle sein. Weil Lesen ein großes Vergnügen ist und ein großes Vergnügen sehr wichtig für ein glückliches Leben.
PARADIES·FEDERN Alexandra Lüthen Broschur/Fadenheftung, 72 Seiten ISBN 978-3-945653-30-2, € 12,50
Märchen sind nicht nur für Kinder. Märchen sind für alle, die an Wunder glauben. Und noch mehr für die, die das nicht mehr können. Vielleicht gibt es sie wirklich: Einen ziemlich dicken Mops mit wirklich weisen Gedanken. Eine Krake, die mit Tee fast alles heilen kann. Nur sich selbst nicht. Einen Drachen mit empfindlichen Ohren. Ein Monster, das noch an Kinder glaubt. Oder den uralten Urwald, in dem erstaunliche Tiere zu Hause sind. Außerdem ordentlich viele Prinzessinnen, einen Mann, der im Internet lebt, eine kuchensüße Blumenfrau, eine ganze Menge Rum und sehr viel blaues Wasser. Wer weiß?
Paradiesfedern, 2021, Passanten Verlag, ISBN 978-3-945653-30-2
Lieber Wolfgang Fehse, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Morgens, nach Spaziergang und Einkauf, Beginn der Arbeit, Versuch derEinfühlung in die aktuelle literarische Aufgabe. Schreiben. Mittags Kochen.Telefonate, Ruhen. Begegnungen. Abends Kulturelles.
Wolfgang Fehse, Schriftsteller
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Selbsterkenntnis. Erkenntnis der Realität.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Inhaltliche und psychische Klarheit. Sensibilisierung durch Kunst.
Was liest Du derzeit?
Heine
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Die Zukunft wird wissen, wie wichtig es ist, den Spiel-Raum für die Menschen zu vergrößern…. Prosa hält die Erinnerung an eine Zukunft in uns wach, von der wir uns bei Strafe des Untergangs nicht lossagen dürfen“ (Ch. Wolf, 1968)
Vielen Dank für das Interview lieber Wolfgang, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Zur Person _ Andrea Meschik _die Kärntnerin maturierte an der CHS- Villach mit künstlerischem Schwerpunkt in Fotografie/ Film- und Industrial Design. 2016 folgten erste Hospitanzen am Münchner Volkstheater für Bühne und Kostüm, in weiterer Folge ein Studium für Bühnen- und Kostümgestaltung an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Graz.
Ihre Expertise umfasst Recherche basierte Konzeptentwicklung für Bühnen, Installationen und Set Designs inklusive Modellbau, sowie umfangreiche Charakter Reflexion und -entwicklung in Verbindung mit Kostümentwürfen und -illustrationen.
Sie ist seit 2021 als freischaffende Bühnen- und Kostümbildnerin in Theater, Performance und Film tätig. 2020 wurde sie bereits mit einem Artistic Direction Award des International Short Film Festival Universo Corto in Italien für das Set Design des Kurzfilms „Das beste Orchester der Welt“ (Max Ophüls Preis: Bester Kurzfilm 2020) ausgezeichnet.
Lieber Bernhard Setzwein, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Der war die letzten Wochen vor allem darauf abgestellt, meinen neuen Roman zum Abschluss zu bringen, was bei mir immer mit einer ziemlichen Konfusion einhergeht, zumindest in diesem Stadium. Ich bin dann nämlich im Tunnel, arbeite am Morgen, am Nachmittag, in die Nacht hinein, auch am Wochenende, das ich normalerweise respektiere und achte … am siebten Tage solltest du wahrlich ruhen. Aber nicht, wenn Du einen Roman fertig schreibst, dann geht das nicht. Alles drängt auf den Moment hin, da der Text in die Welt will. Ich weiß dann zwar überhaupt nicht mehr, was ich von ihm halten soll, die Distanz geht verloren, aber ein Zurück gibt es auch nicht mehr.
Diesmal handelt es sich um einen Roman über Franz Kafka, der mich schon mein ganzes Leserleben lang begleitet. Und wie schon im Fall von Nietzsche und Jean Paul wollte ich auch hier diese lebenslange Begleitung mit einem Buch abrunden. Es ist eine ziemlich verrückte Erzählung geworden, deren geringste Chuzpe vielleicht darin besteht zu behaupten, Franz Kafka sei 1924 gar nicht gestorben, sondern habe weitergelebt, den Krieg überstanden und sei schließlich als Kartenabreißer im Kino Apollo in Meran gelandet. Dort trifft er eines Tages zufällig den polnischen Autor Marek Hłasko, der in ihm eine Flut an Erinnerungen an sein früheres Leben auslöst. Gemeinsam starten sie mit einem gestohlenen Auto zu einer Art Roadmovie.
Bernhard Setzwein, Schriftsteller
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Besonnen bleiben, dem Gegenüber zuhören, die wirklich ernsthafte Bereitschaft, eine abweichende Meinung anzuhören, sie zu überdenken und danach (!) notfalls ruhig, standhaft, sachlich und mutig entgegenzutreten. All das ist mehr und mehr im Schwinden und die zunehmende Polarisierung, Aggressivität und das Herausbilden von total feindlichen Parallelwelten sehe ich als riesengroße Gefahr.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Eine immer geringere, leider, leider. Bücher, das bekommen wir ständig vorgeführt, verlieren rapide an Wert und Bedeutung. Zumal dann, wenn sie mehr darstellen als nur billige Unterhaltung. Aus meinem eigenen Leben und Lesen aber weiß ich: Literatur ernsthafter Provenienz – und ich will gar nicht mal die kafkasche Axt des Schreibens für das gefrorene Meer in uns bemühen – kann bei einzelnen Leser alles verändern, die Art, die Welt zu sehen, sich in ihr zu verhalten, sie kann helfen, Mitgefühl zu entwickeln zu allem, was mit uns zusammen auf dieser durchs All taumelnden Kugel kreucht und fleucht.
Was liest Du derzeit?
Die letzte Zeit, siehe oben, noch einmal sehr, sehr viel Franz Kafka. Ihn selber, andere über ihn, wobei ich vor allem Reiner Stachs dreibändige Biografie allen Interessierten wärmstens empfehle. Aber auch – Kontrastprogramm! – Jens Wonneberges „Weltliteratur. Kleine Prosa“, ein großartiger Autor, dem unbedingt mehr Leser zu wünschen wären.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Nachdem jetzt, siehe nochmals oben, zwangsläufig bei mir ein Verschnaufen kommt, eine Phase des Nichtschreibens fällt mir spontan dies ein: „Die wenigsten wissen, dass auch das Nichtschreiben die Frucht langer und mühseliger Arbeit ist.“ Anton Kuh
Vielen Dank für das Interview lieber Bernhard Setzwein, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Bernhard Setzwein, Schriftsteller
5 Fragen an Künstler*innen:
Bernhard Setzwein, Schriftsteller
Zur Person_Bernhard Setzwein, geboren 1960 in München. Studium der Germanistik. Seit 1985 freischaffender Autor, lebt in Waldmünchen nahe der bayerisch-böhmischen Grenze und in München.
Neben seiner Tätigkeit als Autor von Romanen und Theaterstücken ist er ständiger freier Mitarbeiter des Bayerischen Rundfunks mit Features zu Kultur- und Literaturthemen, Beiträger verschiedener Zeitungen und Zeitschriften und Referent zu kulturellen und europäischen Themen.
Er ist Mitglied des Verbandes Deutscher Schriftsteller (VS), des P.E.N.-Zentrums Deutschland und der Sudetendeutschen Akademie der Wissenschaft und Künste.
Wie erwachsen wir? Wie wachsen wir in uns hinein, sodass wir uns gänzlich ausfüllen? Uns ausfüllen, ohne jedoch überzuschwappen, über uns zu schwappen, über Dich, über mich, über uns …. vollgesogen von Erfahrungen, randvoll von Zweifeln?
Irgendwann im Wachsen meinen wir, die Welt wiederholt sich. Erkennen den Pudel im Kern, obwohl es ein Pfirsich ist.
Wachsen, In uns hineinwachsen und dazu verbotene Früchte essen. Je verbotener desto gebotener. Vielleicht…
Denn was ist verboten? Was ist geboten? Wie hoch ist der Zaun der Moral?
Kann man vielleicht von ganz oben besser sehen, wo man steht? Wenn man überhaupt steht-. Versteht.
Markierungen suchen. Beweise.
Linierte Welt, die sich dreht. Plötzlich schließen sich Kreise und die Schatten werden lebendig.
Die Vergangenheit, die einen antaucht, die Zukunft, die einen bremst. Den Schwung nicht verlieren ohne schwindelig zu werden. In Bewegung kommen, ohne sich ein Bein zu stellen.
Handlungen setzen. Sich zum Hellen wenden. Farbe bekennen und Farben benennen.
Leicht sein. Leicht nehmen. Leicht lassen. Die Welt Kopf stehen lassen und den Kopf in die Welt stecken.
Schaukeln, sich im Wind wiegen, Licht fangen und Düfte umarmen.
Liebe Alexandra Lüthen, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Gemischt, wie immer. Ich habe viele sehr unterschiedliche Arbeitsfelder, beruflich wie privat. In der Vielzahl sind die Dinge nicht verlässlich planbar.
Ich habe mich vor einigen Jahren für absolute Flexibilität entschieden. Das bedeutet, dass ich meine unterschiedlichen Aufgaben und Projekte so bearbeite, voranbringe oder ruhen lasse, wie es der jeweilige Tag erfordert. Auf diese Weise gibt es Tage mit großen privaten Zonen genauso wie Arbeitstage, die einem ununterbrochenen Arbeitsstrom an einem literarischen Projekt folgen.
Ich lebe in Breite, Tiefe und Weite und liebe das sehr. Ich habe mich für alles entschieden. Das geht nur mit weichem Fokus und der Bereitschaft, dem Arbeits- und Lebensprozess zu vertrauen.
Alexandra Lüthen, Schriftstellerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Meiner Erfahrung nach ist für uns alle besonders wichtig zu wissen, was für uns selbst gerade besonders wichtig ist. Und dann zu erkennen, dass jeder andere Mensch auch etwas hat, das für ihn selbst besonders wichtig ist. Die Sehnsucht, dieses ganz Eigene zu erfüllen, ist wiederum eine gemeinsame. Auf diese Weise gelingt Verbindung. Nicht in der Sache, aber im Sein. Und das kann Frieden schaffen.
Ein Zitat, das mich mein Leben lang begleitet, stammt aus Narziß und Goldmund: „Es ist nicht unsere Aufgabe, einander näherzukommen, sowenig wie Sonne und Mond zueinander kommen oder Meer und Land. Wir zwei, lieber Freund, sind Sonne und Mond, sind Meer und Land. Unser Ziel ist nicht, ineinander überzugehen, sondern einander zu erkennen und einer im andern das sehen und ehren zu lernen, was er ist: des andern Gegenstück und Ergänzung.“
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Wissenschaft, der Kunst an sich zu?
Loslassen. Die eigene Weichheit zulassen. Keine Angst haben, zu verlieren. Vertrauen. Es gibt keine andere Möglichkeit, als zu vertrauen. Ich vertraue darauf, dass es Verbindung gibt. Ich muss nicht immer wissen, was genau diese Verbindung begründet. Ich vertraue darauf, dass Verbindung bereits besteht und lebe danach. Gesellschaftlich ist es dasselbe. Die Gesellschaft gibt es ja nicht als Abstrakte. Die Gesellschaft ist ganz lebendig das, was die Einzelnen sind.
Die Kunst ist, was sie immer schon war. Die Kunst darf alles. Hier ist der Raum, in dem die Widersprüche sichtbar werden, Konfrontation, Annäherung, Verwandlung. Alles immer schon Themen der Kunst. Auch die Qualität der Kunst schwankt wie immer. Kunst dient idealerweise keinem Dogma. Kunst steht für Freiheit. Kunst darf schmerzen. Kunst darf trösten. Kunst ist nichts anderes als ein gerichteter Ausdruck des Lebens an sich.
Was liest Du derzeit?
Zuletzt gelesen habe ich „Der heutige Tag“ von Helga Schubert. Ein Buch, in dem man sitzen kann wie in einem Zimmer mit angelehnter Tür.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Rilke. Aus den Briefen an einen jungen Dichter. So alt kann man gar nicht sein, dass diese Empfehlung zu spät käme:
„Sie sind so jung, so vor allem Anfang, und ich möchte Sie, so gut ich es kann, bitten, lieber Herr, Geduld zu haben gegen alles Ungelöste in Ihrem Herzen und zu versuchen, die Fragen selbst liebzuhaben wie verschlossene Stuben und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache geschrieben sind. Forschen Sie jetzt nicht nach den Antworten, die Ihnen nicht gegeben werden können, weil Sie sie nicht leben könnten. Und es handelt sich darum, alles zu leben. Leben Sie jetzt die Fragen. Vielleicht leben Sie dann allmählich, ohne es zu merken, eines fernen Tages in die Antwort hinein.“
Vielen Dank für das Interview liebe Alexandra, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Alexandra Lüthen, Schriftstellerin
Zur Person_Alexandra Lüthen wurde 1977 in Westfalen geboren. Heute lebt sie in Berlin. Sie schreibt Kurzprosa, Romane und Sachbücher in Standardsprache und Einfacher Sprache.
Viele ihrer Texte wurden mit Preisen ausgezeichnet und zur Förderung ihrer Arbeit hat sie ein Stipendium des Landes Berlin bekommen. Sie findet: Literatur soll offen für alle sein. Weil Lesen ein großes Vergnügen ist und ein großes Vergnügen sehr wichtig für ein glückliches Leben.
PARADIES·FEDERN Alexandra Lüthen Broschur/Fadenheftung, 72 Seiten ISBN 978-3-945653-30-2, € 12,50
Märchen sind nicht nur für Kinder. Märchen sind für alle, die an Wunder glauben. Und noch mehr für die, die das nicht mehr können. Vielleicht gibt es sie wirklich: Einen ziemlich dicken Mops mit wirklich weisen Gedanken. Eine Krake, die mit Tee fast alles heilen kann. Nur sich selbst nicht. Einen Drachen mit empfindlichen Ohren. Ein Monster, das noch an Kinder glaubt. Oder den uralten Urwald, in dem erstaunliche Tiere zu Hause sind. Außerdem ordentlich viele Prinzessinnen, einen Mann, der im Internet lebt, eine kuchensüße Blumenfrau, eine ganze Menge Rum und sehr viel blaues Wasser. Wer weiß?
Paradiesfedern, 2021, Passanten Verlag, ISBN 978-3-945653-30-2
Ganz andere Gesetze gelten im Krieg. Im Krieg wiegt die eigene Menschlichkeit weniger als das eigene Leben.
I n Drago Jančars Roman „Die Nacht, als ich sie sah“ bekommt man einen Eindruck davon, was Krieg mit uns macht.
Verschiedene Figuren müssen sich ihrer Funktion entsprechend verhalten.
E s wird ihnen im Krieg die Möglichkeit genommen, einfach nur Mensch zu sein. Krieg ist immer politisch, ist eine Waffe, ist Kalkül mit dem eigenen Leben und dem Leben anderer.
Politik macht den Krieg. Die Menschen sind nicht mehr als ihr Instrument.
E r ist einem immer einen Schritt voraus, greift auf etwas Unbestimmtes zurück, was uns bekannt erscheint – das Wir, eine Geschichte, eine Erzählung, die nur uns gehört, die uns sagt, wer wir sind und woher und warum und wer die anderen.
A m Ende sind es Menschen, die in den Krieg ziehen. Sie erfüllen eine Pflicht, sie lassen sich überzeugen, führen.
Chronologisch lässt sich schwer vom Krieg erzählen.Niemand will Krieg und doch werden Kriege geführt, seit es Menschen gibt.
Es ist so leicht, den Moment zu verpassen, wann man aufstehen muss, wann sprechen. Zu schnell passiert es, dass man keine Wahl mehr hat.
Aus Freunden werden Feinde, aus Nachbarn mutwillige Zerstörer, im Krieg bekommst du die Legitimation, das Unmenschliche auszukosten.
C ourage gibt es nur an Ort und Stelle, als Hypothese ist sie wertlos.
Heute sagen die Menschen, sie wollten keinen Krieg. Aber sie kennen ihn nicht und sie können auch nicht wissen, wer oder was aus ihnen wird im Krieg.Im Krieg gibt es keine Autonomie.
Also wie mit Wut, wie mit dem eigenen Hass umgehen, nachdem du gesehen hast, wie grausam Menschen sind, wenn man es ihnen erlaubt? Wenn grausam zu sein das neue Gesetz ist?
Nein zum Krieg zu sagen ist eine Sache. Nein zum Krieg zu sagen, wenn man sich im Kriegszustand befindet, eine andere.
Chancen hatte der Krieg viele, der Friede aber kaum eine.
Es gibt etwas in uns, das wir nicht benennen können. Irgendwo muss der Hass herkommen, den man in uns weckt, zu wecken versteht. Ich vertraue niemandem. Auch mir selbst nicht. Seit dem Krieg. Das muss man wissen, damit es tatsächlich eine Chance gibt für Frieden: Man muss wachsam sein.
Sanja Abramovic, 18.7.2023
Sanja Abramović, Schriftstellerin
Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:
Sanja Abramović, Schriftstellerin
Zur Person_Sanja Abramović wurde 1982 in Karlovac/Kroatien geboren. Im Alter von neun Jahren kam sie nach Österreich. Sie studierte Germanistik und Slawistik in Wien und lebt in Eisenstadt, wo sie am Gymnasium Kurzwiese Deutsch und Kroatisch unterrichtet.
2003 wird Sanja Abramović beim Literaturpreis „Schreiben zwischen den Kulturen“ der Edition Exil ausgezeichnet, 2016 mit dem zweiten Platz beim Lyrikpreis der Energie Burgenland, 2018 wird ihr der Literaturpreis des Landes Burgenland zuerkannt.
Sanja Abramović schreibt Kurzprosa und Lyrik, veröffentlicht in Zeitschriften und Anthologien – zuletzt bei lex liszt 12 „Junge Literatur Burgenland: Volume 4.“
Zur Person_ Doris Fleischmann, geboren 1970 in Wiener Neustadt, lebt und arbeitet in Wien; viele Jahre im Kulturbetrieb tätig; schreibt Prosa. Regelmäßige Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften und Anthologien, eine Co-Herausgeberschaft. Ihr Debütroman „Alles, was bleibt oder Ein Haus in Wien“ erschien 2018 im Hollitzer Verlag, Wien. Im April 2022 erschien ihr Kurzgeschichtenband „Spaziergänger zwischen den Welten“ im Pilum Literatur Verlag, Strasshof an der Nordbahn. Mitglied beim Literaturkreis Podium, der Literaturgruppe Textmotor sowie der Arbeitsgemeinschaft Autorinnen.
Vielen Dank für das Interview liebe Eva-Maria, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Eva-Maria Korsche Zankl, Künstlerin
Selbstbeschreibung _ Bin am 12.12.1974 in Klagenfurt als Künstlerseele geboren. Seit 1997 als Freischaffende Künstlerin tätig.