50 Jahre Bachmannpreis _
Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt


Im Interview _ Ginka Steinwachs, Schriftstellerin _ Berlin
Bachmannpreisnominierte 1985 und 1992
Preis der Industriellenvereinigung 1985 Text: „Das postbarocke Temperament in seinem Barceloneser Element“

Liebe Ginka, Du hast am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind Deine Erinnerungen?
erstens: ich war zweimal da. einmal 85 und einmal 92. hoffentlich stimmen die jahreszahlen.
an meinen ersten aufenthalt erinnere ich mich gerne. habe damals etwas über barcelona gelesen. hatte etwas mit der schwitterssäule zu tun. einer stadt, die nach oben wächst, weil unten kein platz ist.
der gefürchtete reich radetzky (Marcel Reich-Ranicki, Literaturkritiker, langjähriger Juror/Juryvorsitzender Bachmannpreis, Anm.) in der jury. und was sagt der mann zustimmend nach der lesung: habe kein wort verstanden, aber bin dafür. ergebnis::: dritter preis. hätte auch den zweiten bekommen, wenn ihm ein buch von mir, das in plastik gebunden war, gefallen hätte. tut es nicht. macht nichts. beide parteien zufrieden.
beim zweiten mal läuft alles anders. und eher schief. hätte ich auf ihn gehört und meinen flug annuliert, weil der koffer zwischen aussen ( treppe ) und innen ( check-in ) aufspringt, weshalb verschiedene dinge aus dem flieger herausfallen, die lieber in berlin geblieben sind.
verena auffermann hatte mich verspätet eingeladen, weil herta müller kurzfristig abgesagt hatte, im klaren vorgefühl, daß es gegen eine martin walsertochter keinen grossen gewinn für sie gibt. mir aber nun fehlte es an dieser voraussicht. und ich gebe es auch ehrlich zu: mein text war zu lang. er war auch zum lesen und nicht zum hören und insofern fehl am platz.
ob ich noch ein drittes mal hingehen würde.
da erbitte ich beratung IHRER leser.
Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Über mich: habe zum glück viel zu tun und viele junge freunde, die schreiben, von denen ich und die von mir lernen ( siehe die zeitschrift edit aus leipzig ).

totaliter aliter, ganz schön anders
B I O G R A P H I E
ginka steinwachs
ich war schon im mutterleib dichterin. geboren bin ich aber erst am 31ten 10ten 1942 per saugglocke. stalingradzeit. in die schule kommen kinder ( carespeisung ) erst ab einem bestimmten gewicht, das ich erst mit sechseinhalb jahren erreiche. volksschule, gymnasium für mädchen. abi 1952 ( altgriechischer zweig ). befreiung von der mündlichen prüfung. handarbeit schwachpunkt. studien in münchen ( strohschneider-kohrs ). berlin ( peter szondi ) & paris ( roland barthes ). promo summa bei klaus heinrich ( religionaswissenschaft ) 1970. von da an beginn eigener unterrichtstätigkeit ( ecole normale superieure a cachan ). ehe mit dr. tilbert stegmann 1971. seinetwegen 1976 rückkehr nach deutschland. finde dort an der antifeministischen uni erlangen keinen job. ein drama. keine katastrophe. da bin ich wieder mit 34 jahren im mutterleib. und werde die dichterin, die ich bin.

B I B L I O G R A P H I E
mythologie des surrealismus, luchterhand 1971
marylineparis, rhombus verlag wien 1978..
rezension: manuela reichardt, frau von botho strauss, die zeit …
berliner trichter/ berliner bilderbogen, rhombus verlag wien 1979
erzherzog-herzherzog, raben-verlag, münchen 1985
der schwimmende österreicher, droschl-verlag, graz 1985
doppelrezension: hans-joachim bleyl, F A Z 12 06 86
das monstrum mensch und der schwimmende österreicher
george sand, frau in bewegung, frau von stand, 1986
lange u.s. amerikanische übersetzung mit kritik von
sue ellen case, johns hopkins university press 1990
g l ü c k , rosa prosa, suhrkamp taschenbuch NF 1711
eroskop, insel verlag nr. it 2586 1999
danach 10 bände im wiener passagen-verlag,
neuerdings digitale veröffentlichungen per ginkas website von dr. torsten flüh & auf instagram von marianne conrad jetzt schweigt des sängers höflichkeit

Website von Ginka Steinwachs: Ginka Steinwachs – Biographie

Bachmannpreis
1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.
Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.
Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.


Fotos: Ginka Steinwachs _ privat.
Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann
Fotos: Bachmannpreis/Gerlitzen/Wörthersee _ Walter Pobaschnig
Walter Pobaschnig, 10.6.26