Bachmannpreis _ Rückblickinterview: „ich hatte wenig zu verlieren und konnte eigentlich nur gewinnen.“ Vladimir Vertlib, Schriftsteller, Bachmannpreisteilnehmer 1999 _ Salzburg 19.4.2023

Bachmannpreis _ Rückblick _Interview:

Vladimir Vertlib, Schriftsteller _ Salzburg _
Bachmannpreisteilnehmer 1999

Lieber Vladimir Vertlib, Du hast 1999 am Bachmannpreis in Klagenfurt teilgenommen. Wie kam es zu Deiner Teilnahme und wie gestaltete sich Deine Vorbereitung? Welche Erwartungen hattest Du?

Robert Schindel, den ich über meinen guten Freund und Kollegen Doron Rabinovici kennengelernt hatte, war damals Vorsitzender der Jury. Er fragte mich, ob ich teilnehmen möchte. Ich bejahte, schickte ihm einige Texte zur Auswahl, er hat sich einen davon ausgesucht, den sind wir durchgegangen …

Vladimir Vertlib, Schriftsteller _ Salzburg _
Bachmannpreisteilnehmer 1999

Im Verlauf der Bachmannpreisgeschichte gibt es immer wieder Veränderungen im Setting und des Ablaufes. Wie war es damals bei Dir und wie hast Du das Ankommen, die organisatorische und kollegiale Begleitung erlebt?

Die Organisation war sehr gut. Das Startgeld von öS 15.000,- , etwa 1.200 Euro, berücksichtigt man die damalige Kaufkraft und die Inflation der letzten Jahrzehnte, war es, wenn man es in aktuellem Euro umrechnen wollte, wohl sogar doppelt so viel, also mindestens 2.000 Euro. Es war das höchste Honorar, das ich bis dahin jemals für eine Lesung erhalten hatte.

Die Unterkunft war perfekt.

Mit den Kolleg:innen kam ich gut aus. Die spätere Siegerin Terézia Mora kannte ich noch vom letzten Jahr, als wir beide am Literaturkurs in Klagenfurt teilgenommen hatten. Grundsätzlich waren alle freundlich zu mir, und dass ich von den Mitarbeiterinnen meines Verlags, des Deuticke Verlages, die ebenfalls in Klagenfurt waren, gut betreut wurde, versteht sich von selbst.

Gab es im Vorfeld der Veranstaltung Kontakte zu den Mitlesenden und der Jury und wie war der Kontakt (Kontaktmöglichkeiten) vor Ort?

Zur Jury hatte ich mit Ausnahme meines Jurors Robert Schindel bis zum Abschlussmittagessen keinen Kontakt. Zu den Mitlesenden hatte ich von Anfang an Kontakt (siehe oben). Es gab Restaurants und Lokale, wo wir uns trafen, ein gutes Rahmenprogramm und vor allem die Gesprächsmöglichkeiten im und rund um das ORF-Zentrum in Klagenfurt.

In welchem Hotel und wie war die Unterbringung und an welche Begleitveranstaltungen erinnerst Du Dich?

Ich weiß nicht mehr, wie das Hotel hieß. Es war auf jeden Fall zentral gelegen, und es war perfekt. Ich glaube, es war ein Viersternhotel. Zu den Begleitveranstaltungen gehörten gemeinsame Abendessen (auch am See!) und Gespräche und sicher noch viel mehr. Ich kann mich allerdings kaum mehr daran erinnern. Mein gesamter Klagenfurt-Aufenthalt wird in meiner Erinnerung vom Tod meines Vaters überschattet, der etwa einen Monat später im Alter von nur 67 Jahren plötzlich verstarb.

Wie gestaltete sich die Auswahl für die Lesungstermine und wann hast Du gelesen?

Die Reihenfolge wurde ausgelost. Ich las an einem Donnerstag – das weiß ich noch; ich glaube, das war der erste Tag – als Letzter, was nicht wirklich günstig war, weil alle schon müde waren. Im Saal waren weniger Leute, und das Fernsehen übertrug meinen Auftritt und die nachfolgende Diskussion nicht zur Gänze.

Wie hast Du Dich unmittelbar auf Deine Lesung vorbereitet? Gab es da eine organisatorische Begleitung?

Soweit ich mich erinnern kann (und das ist nun fast 24 Jahre her!), gab es nur das Übliche: Verkabelung, Hinweis, wie nah ich am Mikro sein muss, etc. Eine organisatorische/technische Begleitung gab es natürlich. Das war ja eine Zeit, als organisatorische Dinge meist noch besser funktionierten als heute.

Welchen Text hast Du in Klagenfurt vorgestellt?

Mein Text hieß „Innere Werte“. Darin geht es um einen österreichischen Mann, der nach Russland fährt, um sich eine Frau zu kaufen. Das Problem, dass Männer sich Frauen aus Osteuropa, Russland, Südostasien oder anderen Regionen der Dritten Welt wie aus einem Katalog aussuchen, um sie dann als Konkubinen oder Ehefrauen oder als Sexsklavinnen nach Europa zu holen, war damals genauso aktuell wie heute. Als literarisches Thema war es damals allerdings noch nicht wirklich zeitgeistig.

Wie gestaltete sich die Jurydiskussion zu Deinem Text. Wie hast Du diese persönlich erlebt und wie beurteilst Du diese? Hast Du Dich auch in der Diskussion zu Wort gemeldet?

Die Reaktion auf meinen Text war verhalten positiv. Einzig Ulrike Längle hat einige kritische Bemerkungen gemacht. Die Begeisterung der Jury war allerdings ebenfalls verhalten bzw. endenwollend. Das war für mich spürbar. Ich war trotzdem zufrieden. Als damals noch wenig bekannter, junger Autor hatte ich wenig zu verlieren und konnte eigentlich nur gewinnen. Zu Wort gemeldet habe ich mich nicht. Das war nicht üblich. Was hätte ich auch sagen sollen?

Wie hast Du die Zeit unmittelbar nach der Lesung verbracht und was war für Dich da wichtig? Gab es Gespräche danach mit Jury, Mitlesenden?

Ja, ich verbrachte die Zeit mit Leuten von meinem Verlag und einigen Mitlesenden. Das war sehr angenehm. Wir haben uns gegenseitig unterstützt und einander Mut zugesprochen.

Welche Reaktionen gab es nach Deiner Lesung und wie gestalteten sich für Dich die weiteren Lesungstage und die Preisverleihung?

Die Reaktionen waren im Wesentlichen sachlich und fair. Jene Journalist:innen, mit denen ich sprach, sagten mir ganz offen, dass ich mit diesem Text und nach dieser verhalten Reaktion der Jury nichts gewinnen werde. Das wusste bzw. ahnte ich auch selbst. Die weiteren Lesetage gestalteten sich für mich angenehm: Es war wie ein bezahlter Urlaub. Das Wetter war schön, die Veranstaltung spannend. Natürlich war ich ein wenig nervös, genoss aber im Großen und Ganzen die Zeit in Klagenfurt.

Welche Erinnerung hast Du in Abstand und Resümee an den Bachmannpreis? Welche Erfahrungen hast Du da gemacht?

Alles in allem waren die Erfahrungen positiv, und ich hatte Glück. Seitens der Jury gab es in meinem Fall weder böse Bemerkungen noch persönliche Untergriffe. Ich habe durch meinen Fernsehauftritt aufmerksam auf mich gemacht – das hat mir zweifellos geholfen. Das Startgeld war gut, die Stimmung angenehm, das Wetter gut. Dass ich nichts gewonnen habe, war ein wenig enttäuschend, aber – ehrlich gesagt – hatte ich kaum damit gerechnet, etwas zu gewinnen. Ich wusste, dass mein Schreibstil und meine Themen nicht wirklich optimal für einen solchen Wettbewerb geeignet sind.

Wie hat die Teilnahme am Bachmannpreis Deine weitere schriftstellerische Laufbahn beeinflusst?

Das ist schwer zu sagen. Es war auf jeden Fall eine wertvolle, spannende menschliche Erfahrung. Dass sie mein Schreiben wesentlich beeinflusst hat, glaube ich allerdings nicht.

Gibt es noch Kontakt zu Mitlesenden, Jury, Journalisten*innen oder Bezugspersonen in Klagenfurt?

Ja, ich kenne Terézia Mora, habe aber nur mehr sehr losen Kontakt zu ihr. Wir sehen uns alle paar Jahre auf gemeinsamen Veranstaltungen. Dasselbe gilt auch für andere Leute aus der Verlagsbranche oder Journalist:innen. Zu manchen habe ich noch losen Kontakt, zu anderen gar keinen mehr.

Befreundet war ich später mit der jungen Autorin Aglaja Veteranyi, die leider schon 2002 verstorben ist. Auch Gudrun Seidenauer und Monika Helfer kenne ich persönlich und schätze sie als Kolleginnen. Dasselbe gilt für Christian Mähr, der ja Verlagskollege von mir war.

Würdest Du noch einmal am Bachmannpreis teilnehmen?

Wenn ich zwanzig Jahre jünger wäre und in meinem literarischen Werdegang wieder dort wäre, wo ich damals war – gewiss.

Was wünscht Du Dir für den Bachmannpreis?

Darüber habe ich wenig nachgedacht. Es ist eine spannende Veranstaltung, die schon Tradition hat. Vielleicht sollte sie ganz zu ihren Ursprüngen zurückkehren, das heißt: Die Juror:innen sollten die Texte erst während der Lesung das erste Mal hören und spontan darauf reagieren.

Was möchtest Du den aktuellen Teilnehmer*innen mitgeben?

Nehmt die Sache nicht zu ernst! Es ist in erster Linie eine Show. Wer dort verrissen wird, ist nicht automatisch ein schlechter Autor bzw. eine schlechte Autorin. Es wurden schon viele gute Autor:innen in Klagenfurt verrissen, und es gab Gewinner:innen, die heute kaum mehr jemand kennt. Allein die Teilnahme an diesem Wettbewerb ist eine große Werbung für Euch, insbesondere dann, wenn ihr noch jung und wenig bekannt seid. Dann habt ihr eigentlich nichts zu verlieren und könnt nur gewinnen.

Welche Erinnerung hast an den Lesungsort Klagenfurt und welche Aktivitäten hast Du in der Stadt unternommen?

Ich war oft in Klagenfurt und mag die Stadt sehr. Was ich damals genau unternommen hatte, weiß ich nicht mehr. Aber ich habe meine Zeit dort sehr genossen und war einige Male am Wörthersee – daran erinnere ich mich noch.

Welche aktuellen Projekte gibt es derzeit für Dich?

Ich arbeite an einem neuen Roman, an einem Theaterstück, an zahlreichen Essays und Artikel zum Thema Ukraine-Krieg, aber auch zu anderen Themen. Einige Lesungen und Auftritte in Schulen, Zoom-Termine und andere Verpflichtungen stehen mir bevor …

Vielen Dank für das Interview, lieber Vladimir Vertlib, und alles Gute!

Danke!

Bachmannpreis _ Rückblick _Interview:

Vladimir Vertlib, Schriftsteller _ Salzburg _
Bachmannpreisteilnehmer 1999

Zur Person _ Vladimir Vertlib, geboren 1966 in Leningrad. 1971 emigrierte die Familie nach Israel, dann nach Italien, Holland und die USA, bevor sie sich 1981 in Österreich niederließ. Er studierte Volkswirtschaftslehre und lebt seit 1993 als Schriftsteller in Salzburg und Wien. Sein Werk umfasst Romane, Erzählungen, Essays sowie zahlreiche Artikel. 2001 erhielt er den Adelbert von Chamisso-Förderpreis sowie den Anton Wildgans Preis. Vertlib schrieb u.a. den Roman “Lucia Binar und die russische Seele“, der 2015 auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis stand. 2022 erscheint sein Roman „Zebra im Krieg“. 

https://vladimirvertlib.at/

Aktueller Roman _ „ZEBRA IM KRIEG“ Roman nach einer wahren Begebenheit. Vladimir Vertlib, 288 Seiten, Format: 125 x 205, ISBN: 9783701717521; € 24,00 inkl. MwSt.

https://www.residenzverlag.com/buch/zebra-im-krieg

Foto_privat

Walter Pobaschnig, Interview 13.3.2023

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Walter Pobaschnig 3_23

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„Als mir die Welt gehörte“ Bastian Kresser. Roman. Braumüller Verlag.

„Als mir die Welt gehörte“ Bastian Kresser. Roman. Braumüller Verlag.

Jetzt der Blick zurück. In der Zelle. In die Kindheit:

„Immer schon verlangte etwas in mir, meinen größten Feind, die Langeweile, mit allen Mitteln zu bekämpfen…“

Jetzt bleibt Zeit zum Nachdenken. Und zum Begegnen auf engem Raum nach dem Coup, der hierhergeführt hat. Da ist der Gangsterboss Al Capone und es gibt eine Vorgeschichte…

Und schon wieder neue Pläne. Nur eine Zwischenstation hier. Und schließlich gibt es für den Umgang mit Menschen bestimmte Regeln. Und die sind zu beherrschen…dann klappt alles.

So der Plan…

Bastian Kresser, vielfach ausgezeichneter Schriftsteller, legt mit „Als mir die Welt gehörte“ eine sensationelle hintergründige Scharade im Karussell von Phantasie und Spannung vor, in der eine Lebensgeschichte zur Parabel von Sein und Schein einer Welt wird, in der Sinn und Wert sich in Ziel und Zweck auflösen. Es ist ein spielerisches wie raffiniertes hinter die Fassaden blicken von Identität und Menschenbild, das in mitreißend erzählender wie feiner psychologischer Sprachfaszination erfolgt.

„Ein Roman als sprachliches Feuerwerk raffinierter wie tiefsinniger Erzählkunst!“

„Als mir die Welt gehörte“ Bastian Kresser. Roman. Braumüller Verlag.

ISBN-13: 978-3-99200-340-2

erschienen: 30.03.2023

Seiten: 368

Format: 12,40×20,50

Ausgabe/Einband: Buch / gebunden

Bastian Kresser, Schriftsteller

Bastian Kresser, Schriftsteller _ 5 Fragen Interview

„Literatur kann zu allen noch so schwierigen Zeiten Schutz und Hoffnung bieten“ Bastian Kresser, Schriftsteller_ Koblach/Vbg. 26.5.2021

Give Peace A Chance

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„Die Kunst muss das Spiel der Möglichkeiten erhalten“ Anja Schwennsen, Schriftstellerin _ Hamburg 18.4.2023

Liebe Anja, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Immer anders. Nur, dass die Kinder morgens um 8 Uhr in der Schule sein müssen, bleibt eine ungeliebte Konstante. Wenn ich abends noch bei irgendwelchen Lesungen war oder unterrichtet habe, übernimmt das Aufstehen, Wecken, Frühstück machen zum Glück mein Mann.

Anja Schwennsen, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Der Glaube an die Möglichkeit des Neuanfangs.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Die Kunst muss das Spiel der Möglichkeiten erhalten. Wir brauchen die Fiktion, um über das, was ist, hinauszudenken. Gleichzeitig brauchen wir sie, um uns die Realitäten der anderen vorstellen zu können.

Was liest Du derzeit?

„Die bessere Geschichte“ von Anselm Neft und Gedichte von Ulrike Draesner: „hell und hörig“

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Wie heißt du?“ – Eilig verließ ich das Zimmer und rannte in alle Richtungen davon.

(Fiston Mwanza Mujila, Tanz der Teufel)

Vielen Dank für das Interview liebe Anja, viel Freude weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Anja Schwennsen, Schriftstellerin

Zur Person_Anja Schwennsen wurde 1981 in Hamburg geboren. Sie lebt am Rand der Fischbeker Heide, schreibt Lyrik und Prosa und unterrichtet Deutsch als Fremdsprache an der Bucerius Law School. Sie studierte Germanistik, Philosophie und Politikwissenschaft in Hamburg und Straßburg und wurde mit einer Arbeit über „Mythische Rede in der Literatur“ promoviert. Seit 2020 veranstaltet sie die „Lesung unterm Kirschbaum“ in ihrem Garten.

www.Anja-Schwennsen.de

Foto_Kaan Emre

14.3.2023_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Gestern brach der Tag entzwei“ Renate Maria Riehemann, Lyrikerin _ Give Peace A Chance _ Osterode am Harz/D _18.4.2023

GIVE PEACE A CHANCE


Gestern brach der Tag entzwei.

In seinem Dämmern klopft der Schmerz

Vor Sorge und aus Todesangst ihm

Ein Hoffnungswort ins Herz.



Passt in sein schmales Bündel nur

Ein Fransenstück des alten Lebens,

Als Pfand und doch vergebens, die

Chance auf Freiheit, Frieden –

Er darf den Freund, den Feind nicht lieben.



Auf dem Kampfplatz fällt ihm das



Codewort Ende‘ aus den Händen. Er

Hielt es im Gepäck verborgen, das

Aus-Wort aus den Kindertagen. Nur

Nächte unter roten Himmeln

Changieren nun durchkämpfte Tage.

Erwachen mit der Dämmerung.


Renate Maria Riehemann, 4.4.2023

Renate Maria Riehemann,
Lyrikerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Renate Maria Riehemann, Lyrikerin

Zur Person_Renate Maria Riehemann lebt in Osterode am Harz. Die Pädagogin, Dichterin und Erzählerin hat mehrere Einzelveröffentlichungen vorzuweisen. Zuletzt: Die Zeit in den Leinenlumpen. Erzählungen, Geest-Verlag Vechta 2022; Von Weitem Kraniche. Haiku. Rotkiefer-Verlag Berlin 2022. R. M. Riehemann ist in Sachen Lyrik nicht nur im Harz aktiv. Sie ist Initiatorin des Literaturpreises Harz und Herausgeberin der dazugehörigen Anthologien. Zudem ist sie Vorsitzende des Vereins Lyrik lebt e. V. mit Sitz in Osterode am Harz, Mitglied u.a. in der europäischen Autorenvereinigung Die Kogge, der Gruppe 48 und der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik Leipzig.

http://www.renate-maria-riehemann.de

Foto_privat

Walter Pobaschnig _ 4.4.2023

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„Geduld, Gelassenheit & Zuversicht.“ Andreas Ortner, Schauspieler & Regisseur  _ Söding/Stm. 17.4.2023

Lieber Andreas, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Zusammenfassend würde ich sagen ‚Und täglich grüßt das Murmeltier‘.

Andreas Ortner, Schauspieler & Regisseur, Model 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Geduld, Gelassenheit & Zuversicht.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Film/Theater, der Kunst an sich zu?

Step by step und Augen sowie Ohren auf.

Was liest Du derzeit?

Ich lese sehr gerne zwischen den Zeilen.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Die kreative Schöpfungskraft ist jene Antriebsfeder, welche wahrhaftige Werte schafft.

Andreas Ortner, Schauspieler & Regisseur, Model

Vielen Dank für das Interview lieber Andreas, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Andreas Ortner, Schauspieler & Regisseur, Model

Zur Person_

Andreas Ortner wurde in den letzten 4 – 5 Jahren für zahlreiche Film-, Fernseh- und Werbeprojekte als Darsteller/Schauspieler/Model vor der Kamera gebucht:

TV/Film: Landkrimi Steiermark, Riesending – Jede Stunde zählt, Fahndung Österreich, CROOK (gezeigt Filmfestival Freistadt und Kino Linz);

Als Regisseur / Produzent / Ideen-Lieferant bzw. Drehbuchautor im Kurzfilmbereich mehrfach international ausgezeichnet:

Richtungswechsel (engl. Change of Course) = zigfach international ausgezeichnet

Schach Matt – The Game = internationale Auszeichnung

Der Waldläufer = Auszeichnung & Aufführung in Deutschland

Presse:

https://www.kleinezeitung.at/steiermark/weststeier/5827490/Voitsberg-Kaernten_Weststeirer-drehte-Kurzfilm-und-kreierte-neues

https://www.kleinezeitung.at/steiermark/weststeier/6230533/Werbespot-fuer-Versicherung_Zwei-Steirer-standen-mit-Filmstar

https://www.kleinezeitung.at/steiermark/weststeier/5931198/Richtungswechsel_Preisregen-fuer-Kurzfilm-von-weststeirischem

https://www.meinbezirk.at/voitsberg/c-leute/auszeichnung-in-wien-fuer-ortners-regiedebuet_a5598388

https://www.meinbezirk.at/voitsberg/c-leute/nach-las-vegas-und-new-york_a4760321

https://www.meinbezirk.at/voitsberg/c-leute/erstmals-einer-der-hauptdarsteller-bei-einem-filmfestival_a4214703

Statement from Andreas Ortner:

Movies gives us the possibility to reach people emotionally and/or with sense. If both happens it’s a Jackpot.

Fotos_privat

10.2.2023_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Chaos“ Jürgen Polinske, Schriftsteller _ Give Peace A Chance _ Berlin 17.4.2023

GIVE PEACE A CHANCE


Gebeutelt die Griechen, das Land in seiner Geschichte

Im fernen Früher einst, wie heute

Vergingen sie sich aneinander

Einig aber vertrieben sie die Perser, lebten lange Zeit in Frieden


Penelope, wie ihr Mann so klug

Erhielt sich den Frieden im Haus, begann

Abends aufzutrennen, was sie tagsüber gewirkt

Chancenlos die wüsten Freier und

Einig war sie sich mit ihrem Personal


Am Beginn der Welt war doch Frieden,


Chaos[1] kannte nicht Kampf noch Krieg, nicht

Heere, geordnet vergeudete Energie, auch

Angst nicht, Elend und grausigen Tod

Nieder alle Waffen,

Chaos – alle sind Menschen einer Welt

Einigkeit, wechselseitiges Vertrauen hilft, wie damals schon


[1] Ist das ungeordnete energiesparendste System in dem alles in ihm Enthaltene alle Freiheitsgrade hat, es also keine Konflikte geben kann, das in der Vorstellung der Griechen noch vor den Göttern und Menschen bestand

Jürgen Polinske, 6.4.2023

Jürgen Polinske, Schriftsteller

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Jürgen Polinske, Schriftsteller

Zur Person: Jürgen Polinske, 1954 in Potsdam geboren, 1973 Abitur NVA, Kristallographiestudium (nicht beendet), Dienst an der Staatsgrenze der DDR Fachschulstudium, Bibliotheksfacharbeiter, verheiratet, zwei Kinder. Von 1990 bis April 2018 Obermagaziner der Zentralen Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin, jetzt Rentner

Werke:

„in guter Gesellschaft“

 „stürmische Umarmung“

„Infinitamente Azul y Sabor a Cacao / ursprüngliches Blau und Geschmack von Kakao“

“Am Ende der Siesta / AlFinal de la Siesta“

„Erborgtes Licht mit geborgten Worten von den Brüdern Humboldt“ Gedichte / mehrsprachig

„Dos huellas en el agua / zwei Spuren im Wasser ; collección Plegar orillos2

Frühe Veröffentlichungen und erste Artikel schon in der Schulzeit; Später verstärkt Lyrik in Zeitschriften wie „neues leben“, in verschiedenen Anthologien während der Armeezeit, in diversen Zeitungen wie z.B. „Hellersdorfer“, „Humboldt“

Seit 1998/99 öfter in Anthologien u.a.

– Nationalbibliothek des deutschsprachigen Gedichtes, ausgewählte Werke

– der Anthologie der Frankfurter Bibliothek der Brentanogesellschaft

– die Literareon Lyrik Bibliothek

– „seltenes Spüren“, „So weit so grün“

sowie in spanischsprachigen Anthologien: „palabras de la tierra“ ; „El abrazoo del Nogal de Daimuz / Antologia Lorquiana“; „Letras de Babel 4“ ; für das 1. Internationale Festival der Poesie für den Frieden in Paris vom 19.09. bis 23.09.2007 miterarbeiteten Anthologie „… am Leben gewinnen wir“ des Karlshorster Dichterkreises

Herausgeber    mehrerer Anthologien zur internationalen Dichterbegegnung „Cita de la Poesia“; „was wir zu sagen haben“, „Arboretum“; „Dulcinea lebt, Herr Quijote“ ; „brennen auf den Nägeln und der Seele“; „LiebeSünde – Amor Pecado“; „Unter Kiefern und Königspalmen – Entre Pinos y Palmeras“ (dt.-kubanische Anthologie); „Ich will alles von der Welt“ zur 25. Cita und für Elisabeth Hackel, ihren letzten Gedichtband; „Tage ohne Geländer“; „Interrogantes del viento _ Fragen des Windes“ für Maria Nancy Sanchez Perez,

Foto_privat

Walter Pobaschnig _ 6.4.2023

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Anti, Lisei Luftvogel. Roman. Tredition.

1970er Jahre. Ruhrgebiet. Das Leben in Generationen. Wie gehabt…

Aber da gibt es auch andere, neue Lebensentwürfe. Leben, Liebe, Kinder. Neue Modelle, neue Wege…

Und jetzt beginnt für Maja, die Tochter von Dora und Dieter, die Schule. Form, Struktur und starres Verständnis von Gesellschaft treffen jetzt aufeinander…

„Die Schule ist doof…und Frau Wiemers versteht gar nichts…“

Die Eltern stehen jetzt vor der Aufgabe Welt und Wege zu verbinden. Ich und Wir als Entwurf zu leben und zu ermöglichen…

Und Maja macht ihre Erfahrungen und sucht sich ihre Welt im Erleben, Protestieren, Verändern und Weitergehen. Versucht mit Konfrontationen umzugehen und Stellung zu beziehen…

Maja geht ihren Weg. Nicht allein…

Lisei Luftvogel lädt mit ihrem Roman „Anti“ zu einer mitreißenden Zeitreise einer Kindheit und Jugend in 1970er Jahren und begeistert dabei in Sprachvirtuosität, Erzählspannung und feiner wir kritischer Psychologie und Gesellschaftskritik.

Die direkte Erzählform, welche die Autorin, meisterhaft beherrscht, hat eine außerordentliche Anziehungskraft, die gleichsam mit Maja Weg und Herausforderungen begeistert miterleben lässt. Zudem überrascht Kreativität, Phantasie und Reflexionsimpuls, die das Lesen zum Erlebnis wie zum kritischen Reflexionsimpuls werden lässt.

„Ein wunderbares Romandebüt, das in Erzähl-, Sprachkraft wie kritischen Reflexionsimpulsen begeistert!“

Anti, Lisei Luftvogel. Roman. Tredition.

Veröffentlichungsdatum: 01.05.2023

ISBN: 978-3-347-87791-7

Sprache: Deutsch

Buchtyp: Hardcover

Seiten: 120

Zur Person: Lisei Luftvogel, 1971 in Essen geboren, lebt und arbeitet in Ferrara als Deutsch- und Feldenkrais-Lehrerin. Abschluss des Philosophiestudiums in Perugia. Mitwirkung an der Jahreszeitschrift für Ästhetik Davar, Reggio Emilia mit Artikeln über W. Benjamin, R.M. Rilke und M. Basho. 2021 erschien in der Jahresanthologie der Textmanufaktur der Anfang dieses Romans.

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Bachmannpreis _ Rückblickinterview: „Als Autorin war die Teilnahme nichts weniger als ein Glücksfall.“ Romana Ganzoni, Schriftstellerin _ Bachmannpreisteilnehmerin 2014 _Celerina/CH 18.4.2023

Liebe Romana Ganzoni, Du hast 2014 am Bachmannpreis in Klagenfurt teilgenommen. Wie kam es zu Deiner Teilnahme und wie gestaltete sich Deine Vorbereitung? Welche Erwartungen hattest Du?

Eine befreundete Autorin wies mich auf den Bachmannpreis hin, das wäre doch etwas für dich, sagte sie, und ich dachte, ja, warum eigentlich nicht?, dann habe ich einen Text geschrieben – er kam als Eruption – und ihn an eine Jurorin geschickt, die mich daraufhin nach Klagenfurt eingeladen hat.

Als Vorbereitung traf ich einen befreundeten Schauspieler, der mir während einer Stunde beibrachte, wie ich den Text dramatisieren kann, was sich in Klagenfurt als Fehler erwies, die Jury hatte meinen Text offensichtlich gerne gelesen, mit meiner Lesung konnte sie aber nichts anfangen und ließ mich das wissen. Niemand setzte sich für den Text ein, und ich dachte, wow.

Meine Erwartung wurde trotzdem erfüllt, es war mir gelungen, einen ersten Schritt in die Welt der Autorinnen und Autoren zu machen. Ich war glücklich.

Romana Ganzoni, Schriftstellerin, Bachmannpreisteilnehmerin 2014 _
Fotos ORF Archiv (alle folgenden)

Im Verlauf der Bachmannpreisgeschichte gibt es immer wieder Veränderungen im Setting und des Ablaufes. Wie war es damals bei Dir und wie hast Du das Ankommen, die organisatorische und kollegiale Begleitung erlebt?

Ich kam am Bahnhof an, bezog das Hotel und begab mich zu einem kleinen Empfang, bei dem ich gleich von einer Person belästigt wurde, zum Glück kam kurz darauf der Autor aus der Schweiz dazu, in seiner Nähe fühlte ich mich sicher.

Gab es im Vorfeld der Veranstaltung Kontakte zu den Mitlesenden und der Jury und wie war der Kontakt (Kontaktmöglichkeiten) vor Ort?

Kontakt hatte ich in Form einer informellen Begrüßung der Jurorin, die mich eingeladen hatte und später, am See, leider abermals mit der Person, die mich (erneut) belästigte, aber vor allem und zum Glück gab es viele Gelegenheiten, mit den anderen Autorinnen und Autoren zu sprechen, wir spazierten miteinander durch die Stadt, saßen am Wasser, gingen aus, schauten uns gemeinsam Lesungen an, dabei lernte ich verschiedene Interessierte und Habitués kennen sowie Verlags- und Agenturleute.

In bester Erinnerung habe ich auch den eleganten Empfang auf Schloss Maria Loretto, es war ein Abend mit viel Austausch, dort sah ich erneut die jüngere Frau, von der ich erst Ende Woche erfahren sollte, dass sie in offizieller (Schweizer) Mission in Klagenfurt war, sie hatte mich konsequent gemieden, bestimmt weil sie davon ausgehen durfte, mich nie wieder zu sehen, ihre Einschätzung meines Marktwertes und meines baldigen Untergangs als Autorin war damals bestimmt realistisch, so hätte es tatsächlich gehen können, ich war schon älter (47 Jahre), eine Frau, aus einer Randregion, vielsprachig, ohne Buchpublikation, nicht in der Literatur-, Kultur- und Medienszene verankert, ohne Kontakte, mit anderen Worten: völlig unbedeutend.

Die jüngere Frau war mir bereits früh aufgefallen, wie sie begeistert mit den männlichen Autoren und Juroren sprach. Als ich erfuhr, um wen es sich handelt und sie – trotz hohen Peinlichkeitspotentials – auf ihr Verhalten ansprach, sagte sie nach einer (wie befürchtet: schrecklich peinlichen) Pause, falls Sie einmal ein Buch haben sollten, schicken Sie es mir, ich schaue, was ich für Sie tun kann.

In welchem Hotel und wie war die Unterbringung und an welche Begleitveranstaltungen erinnerst Du Dich?

Ich war im Hotel Goldener Brunnen untergebracht. Was für ein poetischer Name!

Wie gestaltete sich die Auswahl für die Lesungstermine und wann hast Du gelesen?

Ich habe am Freitagnachmittag gelesen, und das Timing hätte schlechter nicht sein können.

Wie hast Du Dich unmittelbar auf Deine Lesung vorbereitet? Gab es da eine organisatorische Begleitung?

Unmittelbar vor dem Auftritt habe ich etwas Wasser getrunken, kontrolliert, ob Taschentuch und Hustenbonbon griffbereit sind, einen Blick in den Spiegel geworfen, Frisur sitzt, Maskara nicht verschmiert, los!

Eine organisatorische Begleitung im engeren Sinne gab es nicht. Gerne erwähne ich jedoch an dieser Stelle den eben hart abservierten Moderator Christian Ankowitsch, der besonders freundlich und angenehm war.

Der Umgang mit ihm erinnert mich an denjenigen mit der wunderbaren Daniela Strigl im Anschluss an die Bachmanntage 2014, Strigl war bereits als Jury-Vorsitzende ernannt, als ihr unverhofft eine andere Person vor die Nase gesetzt wurde.

Welchen Text hast Du in Klagenfurt vorgestellt?

Mein Text hieß Ignis Cool. Das ist der reale Name eines Autos, der sich großartig widerspricht: kaltes Feuer. In diesem Auto sitzt eine Frau, sie kommt nicht mehr vom Fleck auf der verlassenen Passstraße, plötzlich erscheint ihre Mutter auf dem Rücksitz, packt ein Käsebrot aus und fordert die Tochter auf, sich in die Luft zu sprengen.

Ein klarer Fall von Auto-Aggression, wie eine Kritik festhielt.

Wie gestaltete sich die Jurydiskussion zu Deinem Text. Wie hast Du diese persönlich erlebt und wie beurteilst Du diese? Hast Du Dich auch in der Diskussion zu Wort gemeldet?

Ich wurde runtergemacht und habe dies wortlos über mich ergehen lassen. Es war ja keine Überraschung, dass so etwas passieren kann. Für mich war es nicht angenehm, aber auch keine Katastrophe, denn die Diskussion hatte mit der Qualität des Textes wenig zu tun. Der Truppe missfiel vor allem, wie ich vorgelesen hatte. Das ist ihr Recht.

Mit welchem Feedback und persönlichen Emotionen hast Du den Lesungsort danach verlassen?

Das Feedback lautete vielleicht: Vergrab dich!

Ich aber war zufrieden und hungrig. Der Blick in den Spiegel zeigte, die Frisur war bulletproof, sie hätte noch eine weitere Runde mitgemacht, aber ich wurde nicht mehr gerufen.

Natürlich hatte ich mir eine positive Jury-Diskussion gewünscht, gleichzeitig war mit allem zu rechnen, das wusste ich, das wissen alle, die lesen, es spielen so viele Faktoren in die Wertungen hinein, Taktik, Selbstdarstellung und Gesichtswahrung, manchmal eine kleine Rache, viel Persönliches halt, wie überall, wo es zur Sache geht und so richtig unterhaltsam wird für das Publikum, auch Hick-Hack unter den Jury-Leuten, eine unübersichtliche, aber immerhin nicht langweilige Situation.

Wie hast Du die Zeit unmittelbar nach der Lesung verbracht und was war für Dich da wichtig? Gab es Gespräche danach mit Jury, Mitlesenden?

Es gab sofort viel Aufmunterung, Witze und ein paar lustige, aber auch ernsthafte Gespräche, an die ich mich gerne erinnere. Danach wurde ich zu einem Radio-Interview gebeten, das ich mir vor Kurzem wieder angehört habe, ich staunte über meine gute Laune, der Tenor ist genau gleich wie in diesem neusten Interview, dazwischen liegen neun Jahre.

Im Anschluss hatte ich einen erhellenden Email-Verkehr mit zwei Jury-Mitgliedern und anderen Beteiligten, der nicht unwesentlich zu der abschließenden Beurteilung der Abläufe beitrug.

Welche Reaktionen gab es nach Deiner Lesung und wie gestalteten sich für Dich die weiteren Lesungstage und die Preisverleihung?

Meine Familie war irritiert, weil meine Lesung am heimischen Bildschirm mittendrin unterbrochen wurde, was dem Timing des Senders geschuldet war, um 16.30h war Schluss mit der Übertragung. Unsre Kinder waren damals 16, 13 und 8 Jahre alt, sie sahen nur das Schlimmste, deshalb rief mein Mann früher als vereinbart an, er wollte wissen, ob ich noch lebe. Ich konnte ihn beruhigen.

Den Rest der Veranstaltungen habe ich als entspannte Zuschauerin verfolgt.

Eine gute Lektion war die mediale Berichterstattung zu den Lesungen, die ich in ihrer Breite erst wahrnahm, als ich wieder zu Hause war. Streckenweise harsch, gerne hämisch und mit einigen Sachfehlern versehen zeigte sie auf, was Leute, die sich der Öffentlichkeit stellen, unter Umständen erwartet. Seither habe ich mehr Sinn und Mitgefühl für alle, die auftreten, sich exponieren, etwas wagen oder sich kontrovers äußern. Mit schnellem Verurteilen bin ich deshalb oft zurückhaltend.

Berührend waren die Reaktionen der Leute in Dorf und Tal. Viele hatten gesehen, wie es mir ergangen war und hatten Lust, etwas Tröstliches zu sagen oder, dass es ihnen leid tue, wenn wir uns auf der Straße, in Kino, Zug oder Coop begegneten. Das gab neue Verbindungen und eine noch stärkere Verankerung in meiner Heimat.

Welche Erinnerung hast Du in Abstand und Resümee an den Bachmannpreis? Welche Erfahrungen hast Du da gemacht?

Es gab sehr viele schöne Begegnungen, ich knüpfte neue Freundschaften und hatte zu allen Autorinnen und Autoren ein herzliches Verhältnis, einige Kontakte pflege ich bis heute.

Gleichzeitig war es die patriarchalste, sexistischste und rassistischste Erfahrung, die ich bis dahin gemacht hatte, mit anderen Worten: sehr lehrreich.

Über die rassistischen Übergriffe berichte ich nicht, weil sie nicht mir galten, ich war lediglich wütende Zeugin. Diese Erfahrung hat meinen Blick für das Thema Rassismus geschärft, mich sensibilisiert und dauerhaft verändert.

Wie hat die Teilnahme am Bachmannpreis Deine weitere schriftstellerische Laufbahn beeinflusst?

Die Teilnahme hat mich – die ältere, mehrsprachige Frau aus der Randregion ohne Kontakte und ohne Buch – sichtbar gemacht. Das war wunderbar.

Als Autorin war der Bachmannpreis nichts weniger als ein Glücksfall.

Gibt es noch Kontakt zu Mitlesenden, Jury, Journalisten*innen oder Bezugspersonen in Klagenfurt?

Ja, wie oben gesagt, ich pflege mit einigen Autorinnen und Autoren einen freundschaftlichen Kontakt, würde aber alle, auch die, die ich nicht mehr gesprochen habe seit Klagenfurt, sofort und gerne zum Kaffee treffen. Das gilt auch für mindestens ein halbes Dutzend anderer Leute, die ich seit Klagenfurt kenne und schätze.

Würdest Du noch einmal am Bachmannpreis teilnehmen?

Ja, klar.

Was wünscht Du Dir für den Bachmannpreis?

Gute Texte.

Was möchtest Du den aktuellen Teilnehmer*innen mitgeben?

Schreibt über das, was euch umtreibt, ich möchte es hören und lesen. 

Welche Erinnerung hast an den Lesungsort Klagenfurt und welche Aktivitäten hast Du in der Stadt unternommen?

Das Studio war sehr sauber und die beiden Damen, die Make-up und Frisur gemacht haben: zauberhaft!

Klagenfurt also: Sauberkeit, Glitzerpuder, Lockenstab. Außerdem: schöne Speisekarten, große Portionen, süffiger Weißwein.

Welche aktuellen Projekte gibt es derzeit für Dich?

Ich schreibe an einem neuen Roman.

Vielen Dank für das Interview, liebe Romana Ganzoni!

Ich habe zu danken, lieber Walter Pobaschnig.

Romana Ganzoni, Schriftstellerin, Bachmannpreisteilnehmerin 2014 _

Bachmannpreis _ Rückblick _Interview:

Romana Ganzoni, Schriftstellerin, Celerina/CH  _ Bachmannpreisteilnehmerin 2014

Zur Person _ Romana Ganzoni, geboren vor dem Zvieri. Es war ein Dienstag. Es war April und Scuol. 1967. Der Kopf glänzte zwetschgenblau. Später Matura in Ftan et cetera. Im Wesentlichen unverändert. Blaue Handtasche. Darin etwas zum Schreiben. Immer wieder Arbeit am Roman. Erzählungen, Gedichte, Essays. Kommentare und Kolumnen in verschiedenen Zeitungen und Blogs.

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Aktueller Roman_ „Magdalenas Sünde“ Romana Ganzoni. Diogenes Verlag

Taschenbuch
128 Seiten
erschienen am 23. November 2022

978-3-257-24656-8
€ (D) 12.00 / sFr 16.00* / € (A) 12.40

https://www.diogenes.ch/leser/titel/romana-ganzoni/magdalenas-suende-9783257246568.html

Fotos_Bachmannpreis 2014 _ ORF Archiv

Foto_Portrait_Anna Positano

Walter Pobaschnig, Interview 12.3.2023

https://literaturoutdoors.com

„Maria Callas ist unglaubliche Eleganz gepaart mit Temperament“ Michaela Khom, Sängerin _ 100.Geburtstag Maria Callas _ Wien 16.4.2023

Michaela Khom, Sängerin, Sprecherin, Schauspielerin _ Wien _
acting Maria Callas, Sängerin (* 2.12.1923 New York ´16.9.1977 Paris) _ 100. Geburtstag Maria Callas
Michaela Khom, Sängerin, Sprecherin, Schauspielerin _ Wien _
acting Maria Callas, Sängerin (* 2.12.1923 New York ´16.9.1977 Paris) _ 100. Geburtstag Maria Callas

Liebe Michaela Khom, welche Bezüge gibt es von Dir zu Maria Callas?

Früher hat mir ihre Stimme überhaupt nicht gefallen, aber jetzt, wo ich mich mehr mit dem klassischen Gesang auseinander setze, erkenne ich die Qualität einer Callas. Ihre Stimme war so farbenreich und dicht, das hört man nicht alle Tage…

Was machte für Dich die Aura der „Callas“ aus?

Maria Callas ist unglaubliche Eleganz gepaart mit Temperament und einer Selbstsicherheit, von der man sich gerne ein Stück abschneiden würde. Ich finde es immer sehr bewundernswert, wenn Leute genau wissen, was sie können und ganz selbstverständlich dazu stehen- ohne eine große Egonummer abziehen zu müssen.

Gibt es ein bestimmtes Musikstück, das Du hervorheben möchtest und warum?

Casta Diva (Norma)

Sie versucht nicht zu beeindrucken, sie ruht in sich und das hört man in der Stimme. 

Maria Callas und die Liebe. Kunst und Leben. Wie sieht da die Wechselwirkung aus?

Ich glaube Maria Callas’ große Liebe war der Gesang. Ob da jemals ein Mann diesen Stellenwert erreicht hat, weiß ich ehrlich gesagt nicht.

Kunst und Leben kann man nicht trennen. Wenn man KünstlerIn ist, kann man gar nicht anders, als zu schaffen und zu gestalten, dann vereinnahmt und gestaltet die Kunst das ganze Leben. Dazu braucht es nicht mal eine Entscheidung. Wozu es aber eine Entscheidung braucht, ist, der Liebe im Künstlerdasein Raum zu geben. Auch umgekehrt ist es wichtig, einen Partner zu haben, der der Kunst Raum gibt.

Was lässt Liebe gelingen?

Liebe ist nicht etwas, was man schaffen oder bewältigen kann. Entweder man liebt, oder nicht. Und wenn man liebt, kann man alles schaffen, dann kann „Beziehung“ gelingen, dann nimmt man auch alle Schwierigkeiten in Kauf und tut gerne alles dafür, diese zu bewältigen.

Menschen in meinem Umfeld sind oft erstaunt, dass mein Partner und ich nach so langer Zeit noch immer so liebevoll miteinander sind, aber wir können gar nicht anders. Wenn man jemanden gern hat, dann tut man doch nichts lieber, als es demjenigen auf alle möglichen Arten zu zeigen.

Was kannst Du von Maria Callas auf Deinen künstlerischen Weg mitnehmen?

In den letzten Jahren hat sich mein Verhältnis zu meiner Stimme verändert. Ich bin nun mehr auf der Suche nach meinem Klang und versuche nicht meine Stimme wohin zu drängen, wo sie nicht zuhause ist. Ich glaube Maria Callas hatte ihren Klang sehr früh gefunden, das ist ein Glück und hängt wesentlich mit Faktoren zusammen, wie zB den körperlichen Voraussetzungen, dem Umfeld und den LehrerInnen die man hat. Und wenn man da in allen Punkten den Jackpot erwischt, wird man vielleicht eine Maria Callas. Wenn nicht, bleibt man halt so lange dran, bis man sich und seine Stimme gefunden hat. Das kann dauern, ist aber auch unglaublich spannend!

Was sind Deine kommenden Projektpläne?

Momentan probe ich wieder für ein Musical, dann steht die Premiere mit dem zweiten Musikkabarett meiner Band „Die Duetten“ an. Ab Herbst gibt es wieder eine Operette und eventuell auch wieder eine moderne Oper, Konkretes kann ich bald berichten.

Michaela Khom, Sängerin, Sprecherin, Schauspielerin _ Wien _
acting Maria Callas, Sängerin (* 2.12.1923 New York ´16.9.1977 Paris) _ 100. Geburtstag Maria Callas

Vielen Dank, liebe Michaela, für das wunderbare gemeinsame Projekt in Bild&Wort und viel Freude und Erfolg weiterhin!

100. Geburtstag Maria Callas _ 2023

Michaela Khom, Sängerin, Sprecherin, Schauspielerin _ Wien __acting Maria Callas, Sängerin (* 2.12.1923 New York ´16.9.1977 Paris)

https://www.michaelakhom.at/

Herzlichen Dank an das Grand Mercure Biedermeier Hotel Wien für die freundliche Kooperation!

Alle Fotos _ Walter Pobaschnig

https:literaturoutdoors.com 2_23

„dass viele Menschen sich Theater leider oft nicht mehr leisten können“ Sarah Hobl, Musicaldarstellerin _ Wien 16.4.2023

Liebe Sarah, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Nun, mein jetziger Tagesablauf variiert immer ein wenig. Da ich neben meiner Tätigkeit als Künstlerin noch arbeite, ist mein Tag oft ziemlich vollgepackt. Aufstehen, vorkochen für den Tag, ab in die Arbeit und danach steht meist noch eine Probe oder eine Tanzstunde für den Ausgleich an!

An einem halbwegs freien Tag mache ich Sport oder Yoga und arbeite an meinem Programm für die nächsten Auditions, nehme Songs auf oder mache eigene Choreos 🙂

Sarah Hobl, Musicaldarstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich finde, dass gerade der Zusammenhalt im Moment eine große Rolle spielt! Es ist wieder alles frei zugänglich und die Menschen strömen nur so nach draußen, ins Kino, in die Natur und vor allem ins Theater. Man merkt, dass die Leute wieder unterhalten werden und das Leben wieder genießen wollen. Das ist für uns Künstler die Bestätigung, dass die Leute uns einerseits unterstützen und uns auch schätzen.

Für mich spielt aber neben dem Zusammenhalt auch der respektvolle Umgang miteinander eine ganz große Rolle! Jeder hat eigene Erfahrungen gemacht, Verschiedenes erlebt und jeder hat andere Stärken und Schwächen, vor und hinter der Bühne! Gerade da kann man gemeinsam etwas Großes schaffen, wenn man nicht gegeneinander, sondern miteinander arbeitet.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Ich denke, dass das Theater den Menschen weiterhin ein Ort sein wird, an dem sie in eine andere Welt eintauchen und den Alltag für einen Moment vergessen können. Natürlich ist auch das Theater von Teuerungen betroffen und man bekommt mit, dass viele Menschen sich das leider aber oft nicht mehr so leisten können wie früher. Ich hoffe, dass es in Zukunft aber dennoch weiterhin für alle möglich ist, ins Theater zu gehen, um einen magischen Abend zu erleben.

Was liest Du derzeit?

Derzeit lese ich „Le Cid“, eine französische Tragikkomödie in 5 Akten von Pierre Corneille. Ich bin sehr Französisch-interessiert und habe selbst ein halbes Jahr in Paris gelebt. Ich fühle mich mit Frankreich sehr verbunden und habe einige französiche Werke zuhause, sowohl modern als auch die französischen Klassiker. Generell lese ich sehr gerne historische Romane oder Krimis. Es ist so wie auf der Bühne: es eröffnet sich eine ganz andere Welt, in die man eintaucht und erlebt die erzählte Geschichte auf seine eigene Art und Weise.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Träumst du noch oder lebst du schon?

Gerade heute finde ich es wichtig, dass man seine Träume nicht aufgibt, denn oft lohnt es sich, dafür zu kämpfen. Auch wenn es hart ist und viele Rückschläge auf einen zukommen werden, ist es manchmal das Erfüllendste, seine eigenen kleinen Fortschritte zu bemerken und verfolgen und irgendwann wird man die ersten kleinen Erfolge feiern, die einem weiterhin die Motivation und den Ansporn geben, weiter für diese Träume zu arbeiten!

Sarah Hobl, Musicaldarstellerin

Vielen Dank für das Interview liebe Sarah, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musical-, Theater-, Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Sarah Hobl, Musicaldarstellerin

Zur Person_ Sarah Hobl, Musicaldarstellerin, in St. Pölten geboren, wohnhaft in Wien & St. Pölten, bereits gespielte Produktionen:

Into the Woods: Rolle Aschenputtel

Musicalkonzert mir Drew Sarich im Stadttheater Baden: Rolle Solistin/Ensemble

Werbespot für StarsFitness

Aktuell bei der Glöckner von Notre Dame im Wiener Ronacher

Derzeit Schauspielerin bei Mörderdinner

Fotos_Aylin Martinović

Walter Pobaschnig _ 12.4.2023

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