„Gerade eben“ Marlies Pahlenberg, Künstlerin _ Give Peace A Chance _ Berlin 16.4.2023

GIVE PEACE A CHANCE


Gerade eben

Ist mir etwas heruntergefallen

Vielleicht ein Gedanke

Er zerfiel in Erinnerungen


Passierende

Erinnerungen

An Ahnen an Ahnungen an alle

Chroniken

Ehe wir vergessen dass


Alles verbunden ist durch


Chaos durch den dunklen

Humor

Alle möglichen Antworten

Nichtwissend

Collagiertes Leben

Erlebtes neu aufkrempeln


Marlies Pahlenberg, 1.4.2023

Marlies Pahlenberg,
Künstlerin (Film, Poesie, Malerei)

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Marlies Pahlenberg, Künstlerin (Film, Poesie, Malerei)

Kurzbio:

– 1988 geboren in Berlin, lebt und arbeitet in Berlin

– seit 2022 Meisterschülerstudium der Freien Kunst / Bildhauerei an der Kunsthochschule Berlin-Weissensee

– 2014-2022 Studium der Freien Kunst / Bildhauerei an der Kunsthochschule Berlin-Weissensee, Abschluss Diplom

– 2019-2020 DAAD Auslandsjahr am Instituto Superior de Arte (ISA), Havanna, CU

– 2009-2013 Studium der Spanischen Sprache und Literatur an der Universidad Complutense de Madrid, ES, Abschluss Bachelor

www.marliespahlenberg.com

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Walter Pobaschnig _ 1.4.2023

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„Verflucht seien die Elstern“ Sarah Beicht, Autorin _ Give Peace A Chance _Mainz 15.4.2023

GIVE PEACE A CHANCE

Verflucht seien die Elstern

G         ehen wir gemeinsam

I           n unbekannte Wälder und folgen den

V         ögeln, ich glaube, es sind

E          lstern.


P         eng! fällt

E          in Schuss und

A         ch! noch ein zweiter.

C         haos im Wald, alles wegen der

E          lstern.


A         ber.


C         ollagen aus Blättern, Zweigen und Blut

H         aben den Wald in Wüste verwandelt. Von

A         llen Seiten

        ähern sich Tiere, helfen dem Wald und nutzen die

        hance. Verflucht seien die

E          lstern.


Sarah Beicht, 31.3.2023

Sarah Beicht_Autorin, Moderatorin, Veranstalterin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Sarah Beicht_Autorin, Moderatorin, Veranstalterin

Zur Person_Sarah Beicht, geboren 1993 in Mainz, ist freie Autorin, Moderatorin und Veranstalterin. 2021 erschien ihr erster Erzählband „Ein Kreis aus Salz“ im Rhein-Mosel-Verlag, 2023 folgt die Novelle „Weiße Kreidekreuze“ im Verlag Brot&Kunst. Ihre Texte wurden mehrfach ausgezeichnet. Sie moderiert regelmäßig literarische Veranstaltungen im ganzen Rhein-Main-Gebiet. Gemeinsam mit Ingo Bartsch betreibt sie „die Leselampe – eine Lesebühne in Mainz“, für das Literaturhaus Wiesbaden kuratiert sie die Lesebühne „Textkontor“.

Weitere Infos unter www.letterwald-mainz.de.

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Walter Pobaschnig _ 31.3.2023

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„unsere Egozentrierung zu verlassen und für andere da zu sein“ Olav Amende, Schriftsteller _ Lepzig 15.4.2023

Lieber Olav Amende, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Fast jeder Tag beginnt für mich mit einem guten Frühstück, Radio hören und zehn Minuten Schreiben. Über die Woche verteilt gehe ich neben meiner Lohnarbeit regelmäßig Laufen und zum Boxen, beschäftige mich mit Sprachen, verbringe (zu viel) Zeit mit Büroarbeit, lese, schaue Filme, gehe (zur Zeit zu selten) ins Theater und treffe mich mit Lieben. Fast jeden Tag beschließe ich damit, dass ich mir einen einprägsamen – zumeist schönen – Moment notiere. Neben diesem „Alltag“ versuche ich mir möglichst oft Zeit freizuschaufeln, um dann fast nichts anderes zu tun, als den ganzen Tag zu schreiben.

Olav Amende, Schriftsteller,
Regisseur und Performancekünstler

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Bei all dem, was schief läuft, um es gelinde zu sagen, und von dem wir wissen, dass es schief läuft, weiß ich gar nicht, an welchem Ende zuerst zu ziehen. In einem ersten Versuch, diese Frage zu beantworten, habe ich eine Seite geschrieben und war mir der Antwort noch längst nicht sicher. Ich denke, ein wichtiger Punkt oder vielleicht ein Neuanfang von allem könnte der Versuch sein, unsere Egozentrierung – und ich nehme mich da nicht aus – zu verlassen und für andere da zu sein (so auch für andere Arten); gerade dann, wenn wir persönlich nichts davon haben.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Ich denke, dass es allerhöchste Zeit für die Veränderung im Denken ist, von der wir alle sprechen. Kunst kann diese Veränderung in Gang setzen. Sie kann Werte in Frage stellen. Sie muss keine Antworten liefern, nichts beweisen. Sie stellt unser Denken in Frage, indem sie ist. Sie folgt einer anderen Logik. Und von dieser können wir uns in unserer Realität anstecken lassen.

Was liest Du derzeit?

Gerade eben ausgelesen habe ich „Rache“ von Fabian Bernhardt – eine, wie ich finde, wirklich umfassende, sachliche Analyse, die einen interessanten Blick auf Rache/Strafe/Vergeltung ebenso wirft wie auf unsere Sehnsucht nach Super-Helden und auf unsere Art des Wirtschaftens. Nun habe ich mit Ulrike Draesners Gedicht „Doggerland“ begonnen und schätze es, weil es an eine andere Logik der Gesellschaft erinnert und weil es sprachgeschichtlich wunderbar oszilliert. Und parallel dazu lese ich Essays von Tom McCarthy, die dazu führen, dass ich mir noch mehr Bücher bestelle …

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Auf welche Weise wird man Gedanken los. Indem man sie denkt. Denkt und wieder denkt. Durchdenkt. Zu Ende denkt. Gäbe es einen Apparat, der alle Hoffnung, die noch in der Welt ist, bündelt und wie einen Laserstrahl gegen diesen Horizont aus Stein richtet, ihn aufschweißt, durchbricht.“ (Christa Wolf – Was bleibt)

&

„Stell dir vor, du bist ein Handy in der Nacht / Die Liebe hält dich wach.“
(Pauls Jets – Die dunklen Prinzessinnen der Nacht)

Vielen Dank für das Interview lieber Olav, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literatur, Schauspiel-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Olav Amende, Schriftsteller, Regisseur und Performancekünstler

Zur Person_Olav Amende (*1983 in Berlin) ist Schriftsteller, Regisseur und Performancekünstler. Er hat Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft (MA) an der Universität Leipzig studiert.

Er schreibt und inszeniert Theaterstücke (u. a. „Das Versprechen“ – Cammerspiele Leipzig, „Die Ungeliebten“ – Die Bühne Dresden, „Im Arrest“ – Neues Schauspiel Leipzig, „Führ‘ mich ans Licht!“ – Anhaltisches Theater Dessau) und veröffentlichte Texte in diversen Literaturmagazinen (u. a. „metamorphosen“, „Maulkorb“, „mosaik“, „GYM“, „apostrophe“). Sein Gedicht „Phantasie in Eile“ wurde im Rahmen der „Superpreis-Anthologie“ der „metamorphosen“ veröffentlicht.

Im Sommer 2021 brachte er sein Theaterstück „Zwischen Dingen“ am Anhaltischen Theater Dessau zur Uraufführung. Im Sommer 2022 erschien sein Langgedicht „abwesenheiten“ im Kölner Lyrik-Verlag „parasitenpresse“. Im Herbst 2022 produzierte er seinen ersten Dokumentarkurzfilm, der 2023 erscheint.

Derzeit arbeitet er an einem weiteren Langgedicht für die „parasitenpresse“.

Foto_Mim Schneider

7.3.2023_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Abendwind kommt auf, wird schwärzer, wird“ MirASchmitt, Wortausgräber_ Give Peace A Chance _ Hausen/D 14.4.2023

GIVE PEACE A CHANCE


Generalfeldmarschall Keitels

Infanterie

Verteidigt heldenhaft den Großraum Berlin…

Ereifert sich die metallische Stimme des Lügners vom Dienst.


Pankow IV: Nachtigallen überschluchzen den Audio-Guide

Erinnern mich an die hiesigen Toten, in deren Alleen

Astern und

Chrysanthemen schon überständig sind/ und, ach, ein Geruch von

Eberraute aufsteigt, der mir die Sepia-Zeit zurückbringt…


Admiral Dönitz … Nachfolger des Führers… spratzelt`s ein letztes Mal.


Carl von Ossietzky aber ruht

Hier! Und in Frieden!

Abendwind kommt auf, wird schwärzer, wird

Nachtwind, der in den Bäumen rauscht, und dazwischen flüstert´s:

Ciao, mein tapfrer Freund, in tausend Sprachen, zusammenfließend zu einer

Elegie, dem Esperanto aller Friedseligen dieser Welt.


MirASchmitt, 1.4.23

MirASchmitt,

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

MirASchmitt, Wortausgräber

Foto_privat

Walter Pobaschnig _ 1.4.2023

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Bachmannpreis 2023_“ich wünsche mir Lesende, Jury und Publikum in einem Raum“ Klaus Kastberger, Bachmannpreisjuror _ Graz 14.4.2023

Lieber Klaus Kastberger, herzliche Gratulation zum Österreichischen Staatspreis 2023 für Literaturkritik!

Deine Auszeichnung wurde Ende März des Jahres verlautbart. Wann und wo hast Du davon erfahren und wie hast Du darauf spontan reagiert?

Ich habe vorab eine Mail des zuständigen Abteilungsleiters erhalten, dem der Scan eines Briefes der Staatssekretärin beigelegen ist. Dieser Brief hat, um materiell in Graz einzutreffen, dann mehr als drei Wochen gebraucht. So ist das in Österreich mit der Zentralgewalt. Ich kenne das jetzt seit acht Jahren in Graz: Da bekommt man leicht das Gefühl, man wird in der Provinz von der Hauptstadt glatt vergessen.

Preisverleihung _Bachmannpreis 2022 (folgendes)_Preisträgerin Ana Marwan, Klaus Kastberger, Einladender der Preisträgerin, Juror seit 2015 (rechts), Christian Scheider, Bürgermeister Klagenfurt/Preisstiftung (25 000 EUR)_ORF Kärnten Studio (folgende)

Erinnerst Du Dich an Deine erste Literaturkritik? Worum ging es da und würdest Du diese heute wieder so verfassen?

Ja, das war eine Besprechung von Friederike Mayröckers „mein Herz mein Zimmer mein Name“ im falter. Ich habe damals unter dem Pseudonym Harry Hirsch geschrieben, weil ich meinen wahren Namen für die Wissenschaft rein halten wollte. Der Autorin hat der Text „über die Maszen gefallen“, es kam ein Brief von ihr mit der Anrede „Lieber Harry Hirsch!“

Welche drei Kriterien machen eine gute Literaturkritik aus?

Sie muss Power haben, gepaart mit Sensibilität. Soll Urteilskraft zeigen und wissen, was sie tut.

Würdest Du auch gerne als Lesender beim Bachmannpreis teilnehmen? Wenn ja, wer wäre dann in Deiner Wunschjury?

Helena Adler, Ana Marwan, Jury Steiner, Wiebke Porombka, Stefan Gmünder, Michael Wiederstein und Franz Schuh.

Preisträger BKS Publikumpreis Elias Hirschl; Einladender Klaus Kastberger; Mag. Dr. Herta Stockbauer (links stehend), Vorstandsvorsitzende BKS Bank (Preisstiftung, 7000 EUR); Cécile Schortmann, Moderation (rechts stehend); Christian Ankowitsch, Moderation (rechts vorne sitzend)

Es gibt heuer zwei neue Bachmannpreisjuror:innen, Mithu Sanyal und Thomas Strässle, bist Du bzw. die Jury in Neu-/Umbesetzungen eingebunden?

Nicht direkt, aber es gibt derzeit ein sehr gutes Gesprächsklima zwischen den Veranstaltern und der Jury, das bis hin zu solchen Fragen reicht.

Welches setting für Lesende/Jury/Publikum wünscht Du Dir für den Bachmannpreis 2023?

So wie früher: Alle zusammen in einem Raum.

Bachmannpreis 2015_Klaus Kastberger, Juror _ erste Teilnahme als Juror _
sitzend ganz links,
Lesung Sharon Dodua Otoo, Bachmannpreisträgerin 2016
Publikum – Jury _ Bachmannpreis 2016
Publikum – Jury _ Bachmannpreis 2019
Jury _Lesende _screen _ Bachmannpreis online 2020
Lesung _ Jörg Piringer _ Wien
Bachmannpreis online 2020
Ziehung Lesereihenfolge _ Garten _ Jury im Studio _
Bachmannpreis 2022
Garten_Lesebühne mit Publikum _ Jury screen _im Studio _
Lesung: Juan S. Guse, KELAG Preis (10 000 EUR)_ Bachmannpreis 2022
Christian Ankowitsch, Moderator (links); Michael Wiederstein, Juror;
Gespräch im Garten nach der Preisverleihung _Bachmannpreis 2022
Christian Ankowitsch _ Bachmannpreismoderation _ 2013 – 2022

Zwei Gedankenspiele bitte noch. Du darfst Dir Schriftsteller:innen der Literaturgeschichte für Klagenfurt als Lesende wünschen. Welche wären dies und warum?

Thomas Bernhard, weil er die Sache gerockt hätte. Und Ingeborg Bachmann, weil die Scham sie überlebt.  

Du hast eine „wildcard“ (Berechtigung, an einem Turnier oder Wettkampf teilzunehmen, ohne die dafür geltende formelle Qualifikation zu erfüllen; Anm.) für Klagenfurt zu vergeben. Welche/n nationale/n, und internationale/n Künstlerin/Künstler würdest Du zum Lesen einladen?

Wir haben ja eigentlich jedes Jahr zwei Wildcards, ich würde sofort wieder die eigenen Kandidatinnen und Kandidaten nehmen.  

Du feierst auch einen runden Geburtstag heuer. Herzliche Gratulation!

Vielen Dank für das Interview, lieber Klaus Kastberger! Bis dann in Klagenfurt!

Klaus Kastberger, Juror Bachmannpreis seit 2015, mit Jurykolleginnen Mara Delius (rechts) und Brigitte Schwens-Harrant (ganz rechts) _ Jury im Studio _ Lesende im Garten _
Bachmannpreis 2022

Bachmannpreis 2023_Interview:

Klaus Kastberger, Bachmannpreis Juror, seit 2015

Zur Person_ Klaus Kastberger, geboren 1963 in Gmunden (OÖ),

seit März 2015 Professor für neuere deutschsprachige Literatur am Franz-Nabl-Institut der Universität Graz und Leiter des Literaturhauses Graz.

Von 1996 bis 2015 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek und Privatdozent an der Universität Wien.

Arbeit als Literaturkritiker u.a. für Falter, Die Presse, ORF und Zeitonline. Kuratierung von Ausstellungen und Veranstaltungsreihen, Leitung mehrerer FWF-Forschungsprojekte, darunter http://www.handkeonline.onb.ac.at.Zahlreiche Bücher, Aufsätze und Vorträge vor allem zur österreichischen Literatur des 20. und 21. Jahrhunderts, Herausgeber der historisch-kritischen Ausgabe Ödön von Horváths (ab 2009 bei de Gruyter, als Leseausgabe bei Reclam),

seit 2015 Juror beim Bachmannpreis. Er erhielt 2023 den Österreichischen Staatspreis für Literaturkritik.

Zuletzt : (Hg. gem. m. David J. Wimmer): Gegenwart bei Clemens J. Setz (2021), Alle Neune. Zehn Aufsätze zur österreichischen Literatur (Sonderzahl 2023).

Klaus Kastberger | Literaturhaus Graz (literaturhaus-graz.at)

Walter Pobaschnig 13.4_2023

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„Kunst hat die Aufgabe, Menschen zum Nachdenken anzuregen“ Björn D. Neumann, Autor _ Hagen/D 14.4.2023

Lieber Björn, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Da mein Broterwerb in einem klassischen 9to5-Business stattfindet, bleibt mir nur die Freizeit für meine kreative Arbeit. So ist die Zeit für das Schreiben, neben anderen privaten Verpflichtungen und Hobbys, durchaus rar gesät. Trotzdem versuche ich mindestens eine Kurzgeschichte monatlich zu erstellen. Hinzu kommt die Arbeit an meinem Roman-Projekt.

Björn D. Neumann, Autor und Betriebswirt

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Wir stehen vor gewaltigen Herausforderungen. Klima-Krise, Ukraine-Krieg, Energieknappheit, Inflation und die Nachwehen der Pandemie. Dies sind nur die drängendsten Fragen, neben all den Problemen, die uns schon Jahre und Jahrzehnte begleiten. Gerade die aktuellen Krisen zeigen, dass sie die Gräben innerhalb der Gesellschaft vergrößern. Die Spaltung wird immer extremer. Dabei sollte z. B. ein Blick in die Geschichte des letzten Jahrhunderts zeigen, dass gerade hier in Europa, die Wunden, die 2 Weltkriege geschlagen haben, nur durch Zusammenhalt, Vertrauen und aufeinander zugehen geheilt wurden. Dazu gehört auch wieder eine Streitkultur, die nicht in der Anonymität der digitalen Welt stattfindet, sondern respektvoll auf Augenhöhe.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Kunst hat die Aufgabe, Menschen zum Nachdenken anzuregen. Probleme sollten aufgezeigt und versinnbildlicht werden. Möglichst mit der Prämisse, den Konsumenten selbst die Lösung finden zu lassen. Ich halte nichts vom gehobenen Zeigefinger oder Belehrungen. Der Leser z. B. soll von sich aus auf der intrinsischen Ebene den richtigen Weg finden.

Was liest Du derzeit?

Ganz trocken als Recherche-Arbeit für meinen Roman: „Die Templer – Aufstieg und Untergang von Gottes heiligen Kriegern“ von Dan Jones.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Wenn es erlaubt ist, würde ich mich gerne selbst zitieren, mit den Worten, die ich dem Großmeister der Templer Jaques de Molay bei seiner Verhaftung in den Mund gelegt habe und die immer noch aktuell sind.

Aus meiner Kurzgeschichte „Non nobis Domine“:

„Ihr sucht hier nach Gold? Nach einem Schatz? Ihr werdet nicht finden, wonach Ihr sucht. Wisst Ihr, was der Schatz der Templer ist, den wir im Heiligen Land geborgen haben? Ich will es Euch sagen. Erkenntnis. Die Erkenntnis, dass Gottes Kinder von Königen und Päpsten in einen Krieg getrieben wurden, der nicht der ihre war. Nur aus der Verblendung, man sei im Besitz der alleinigen Wahrheit und Gott stände auf seiner, der richtigen Seite. Dabei ist es der Gott aller Kinder Abrahams – egal ob Christen, Juden oder auch Moslems. Es ist die Erkenntnis, dass weder Ihr, noch ein König, ja nicht einmal der Heilige Stuhl über uns richten kann. Allein Gott wird uns richten. Es ist die Erkenntnis, egal welche Lügen und Gerüchte verbreitet werden, Gott die Wahrheit kennt. Und nicht zuletzt die Erkenntnis, dass der Tag kommen wird, an dem die Herrscher dieser Welt sich vor dem Herrn zu verantworten haben und ebenso von diesem gerichtet werden. Die Erkenntnis, dass dies sowohl heute, wie auch morgen, so wie auch in tausend Jahren gültig sein wird. Kein Herrscher steht über Gott. Non nobis Domine, non nobis, sed nomini tuo da gloriam. Nicht uns, o Herr, nicht uns, sondern Deinem Namen gib Ehre.“

Vielen Dank für das Interview lieber Björn, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Björn D. Neumann, Autor und Betriebswirt

Zur Person _ Björn D. Neumann wurde am 13.06.1971 in Iserlohn geboren.

Nach einer kaufmännischen Ausbildung und dem Abschluss zum staatl. gepr. Betriebswirt arbeitet er bis heute im Rechnungswesen eines mittelständischen Unternehmens.

Schriftstellerisch trat Björn D. Neumann anfangs als Verfasser von BVB-Blogs in einem Internet-Forum in Erscheinung.  Zusätzlich begann er mit dem Schreiben von Kurzgeschichten. 

2022 gewann seine Kurzgeschichte „Schach den Asen“ beim Literatur-Festival Rhein-Erft „Herzensstimmen“.

Aktuell arbeitet er an seinem historischen Debüt-Roman.

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Walter Pobaschnig _ 6.3.2023

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„im eigenen Umfeld und Bekanntenkreis bestmöglich zu leben und zu wirken“ Philipp Létranger, Autor _ München 13.4.2023

Lieber Philipp, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich stehe recht regelmäßig auf, im Winter später und schwerer als im Sommer, und gehe noch am gleichen Tag zu Bett. Das Schreiben, das Lesen und die Kommunikation drumherum (ich muss euch hier nicht erklären, was ich meine ;)) nehmen breiten Raum ein, sind aber keiner festen Tagesroutine unterworfen. Ich sehe das nicht als Arbeit. Ich bin ja im „Brotberuf“ bereits im Ruhestand, erlebe das Schreiben als Muße und Spätberufung.

Ich gehe täglich mit meinem Hund spazieren, und unterhalte mich gerne mit meiner Frau. Wir machen gerne Ausflüge in die Umgebung, hin und wieder eine kurze Reise. Regelmäßig scheitere ich daran, alles zu erledigen, was das schnöde Leben an Beschäftigungen und Verrichtungen einfordert.

Ich schreibe das meiste auf einen Block oder direkt in mein Tablet, unterwegs auch mal ins Handy. Daher bin ich örtlich und zeitlich in Bezug auf das Schreiben ungebunden.

Philipp Létranger, Autor, Lyriker

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich scheue solche Gedanken und Aussagen. Vermutlich ist es mit Recht völlig individuell, was gerade besonders wichtig ist.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Vieles deutet anscheinend darauf hin, dass die Welt, wie wir sie kennen, auf schwere Krisen zugeht, vielleicht sogar untergeht. Gleichzeitig ist jeder einzelne Mensch dagegen völlig machtlos. Vielleicht ist das Beste, in dieser Wahrnehmung der Situation nicht der Rückzug ins Private, aber die Konzentration darauf, dort im eigenen Umfeld und Bekanntenkreis bestmöglich zu leben und zu wirken.

Oft frage ich mich, ob das Schreiben oder die Ausübung einer Kunstform einer Rechtfertigung bedarf. „Weshalb schreibst du, anstatt die Welt zu retten?“. Da läge es nahe, zu antworten, dass ich mit meinem Schreiben einen Beitrag zum Guten und Besseren leiste.

Vielleicht tue ich das sogar, indem ich Muße pflege und mit meinen Worten an den scheinbar wohlgeordneten Gedankenstäben unserer Wahrnehmung rüttele. Schön wärs.

Was liest Du derzeit?

Ich lese vieles, aber nicht wirklich viel. Täglich lese und kommentiere ich Gedichte in einem kleinen geschlossenen Forum von Dichtern, in dem ich wirken darf. Zusätzlich lese ich gerne aus öffentlich zugänglichen Quellen wie lyrikline.org oder deutschelyrik.de, auch in Facebook.

Es liegen immer ein paar Lyrikbände herum, derzeit zum Beispiel von Elke Erb und Jürgen Brôcan. Da liegt ein Buch über Poetik „Minima Poetica“, und der Romanklassiker „Manhattan Transfer“ .

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Ich erlaube mir, ganz unbescheiden, eine Strophe aus einem eigenen Gedicht, passend zur kommenden Jahreszeit:

im straßencafé

küsst mich dein lachen

die stühle blühen

Vielen Dank für das Interview lieber Philipp, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Philipp Létranger, Autor, Lyriker

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Walter Pobaschnig _ 6.3.2023

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The art of the straight line, Mein Tai Chi. Lou Reed, Laurie Anderson, btb Verlag.

Lou Reed. Einer der einflussreichsten und impulsgebendsten Musiker moderner Musik, der mit der Band „Velvet Underground“ seine bahnbrechende Karriere in New York begann und über Jahrzehnte in Soloprojekten sowie zahlreichen Kooperationen, über das Musikgenre hinaus, begeisterte, war ebenso ein interessierter wie versierter Tai Chi Praktiker in Übung, Reflexion Lebensstil. Dies ist eine sehr persönliche Seite des am 2. März 1942 in New York und ebenda am 27. Oktober 2013 verstorbenen singersongwriter, Komponisten, dessen Werk bis heute inspiriert und über Generationen fasziniert.

Im vorliegenden Buch, das seine langjährige Lebensgefährtin und Kunstpartnerin Laurie Anderson, Musikerin, Filmregisseurin, Performerin, als Mitherausgeberin konzipiert, wird der geniale Musiker Lou Reed in zahlreichen Interviews von musikalischen Weggefährten:innen wie Tai Chi Praktiker und privaten Fotos auf seinem Weg der Übung dieser uralten chinesischen Kampfkunst von einer weitgehend unbekannten privaten Seite sichtbar.

Es ist eine wundervoll einfühlsame besondere Hommage, die viel über Lebensweg wie -kunst öffnet und den Weg als Musiker, Mensch in Sinn und Reflexion darstellt.

„Eine ganz besondere Hommage an den großartigen Lou Reed!“

The art of the straight line, Mein Tai Chi. Lou Reed, Laurie Anderson

Übersetzung: Alexander, Sissi F.; Grünbach, Julie

Gebunden, btb (2023)

Walter Pobaschnig 4_23

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„Initiative“ Ursula Nocchieri, Schauspielerin, Regisseurin _ Give Peace A Chance _Wien 13.4.2023

GIVE PEACE A CHANCE


Gemeinsam

Initiative

Vertrauen

Einigkeit


Perspektive

Energie

Aufmerksamkeit

Charakter

Echtheit


Atmen


Charisma

Hören

Aufbruch

Nähe

Colours

Emotion

Ursula Nocchieri, 31.3.2023

Ursula Nocchieri, Schauspielerin, Regisseurin und Trainerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Ursula Nocchieri, Schauspielerin, Regisseurin und Trainerin

Zur Person_ Ursula Nocchieri, geb. 1962 in Wien, Schauspielerin, Regisseurin und Trainerin, Ausbildung in der „International School of Humor“ sowie bei internationalen SchauspiellehrerInnen. Schauspiel, Regie, Kabarett, Moderationen, Vorträge und Lesungen. Clown- und Theaterworkshops für Erwachsene, Kinder und Jugendliche und als Motivationstraining für Manager runden ihr künstlerisches Repertoire ab. Vier Jahre Leitung des Lenautheaters Stockerau (www.lenautheater.at). 2020 Gründung des Theatervereins „Il Salottino“ mit Fokus auf Produktion klassischer Theaterstücke. Schauspieltrainerin beim Kindertheater International (www.kindertheater-international.at) sowie in der Musik- und Kunstschule Waidhofen/Ybbstal. Sprachen: Deutsch, Englisch, Italienisch, Französisch.

Info: www.uschi-nocchieri.at

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Walter Pobaschnig _ 31.3.2023

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„Du bist im Theater Teil von Gedanken, Emotionen und Körperempfindungen auf der Bühne“ Fabienne Trüssel, Schauspielerin_ Bern 12.4.2023

Liebe Fabienne, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Bei mir stehen bald Proben zu „Die Verwandlung“ nach Kafka an. Da werde ich Gregor spielen. Und somit habe ich im Moment zu tun, mit Text lernen, mache regelmäßig Sport, gönne mir immer mal wieder Erholungszeit und erledige eben all die Dinge, die so anstehen. Daneben bin ich beschäftigt mit Vorstellungen von Stücken, die ich schon seit einiger Zeit spiele. Aufgrund der Lockdowns wurden viele Vorstellungen abgesagt oder verschoben und die Stücke sind somit länger im Repertoire. Dies finde ich im Moment grad sehr schön, da somit auch eine Entwicklung außerhalb der Rolle stattfindet und diese wiederum das Stück bereichert. Zudem ist es auch schön mit einem Team über einen längeren Zeitraum unterwegs sein zu können. Wenn die Proben beginnen, werde ich für sechs Wochen einen klaren Zeitplan haben und jeden Tag außer am Sonntag im Theater verbringen. Das Stück spielen wir dann ensuite, das heißt jeden Abend außer am Montag. Ich freue mich sehr auf die kommende Zeit und die Entwicklung der neuen Rolle.

Fabienne Trüssel, Schauspielerin, Sprecherin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Gegenseitiger Respekt und Dankbarkeit.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Theater besteht aus Interaktion. Interaktionen auf vielen Ebenen. Die Interaktion zwischen dem Geschehen auf der Bühne und dem Publikum ist ein wichtiger Pfeiler von Theater. Alles geschieht – genauso – nur einmal. Es ist genauso wie es war nicht wiederholbar. Und das ist das, was mich schon immer sehr stark angezogen hat am Theater und das Besonders ist an dieser Kunstform. Wenn du im Publikum sitzt, kannst du dich in einem gemeinsamen Raum erfahren mit anderen Zuschauer:innen, den Schauspieler:innen, der Inszenierung, dem Text und deinen persönlichen Gedanken, Emotionen und Körperempfindungen. Du bist Teil von dem Ganzen. Und diese Erfahrung kannst du nun wieder machen, da die Theater wieder geöffnet sind. Und ein Theaterbesuch kann auch immer bedeuten mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen, neue Menschen kennen zu lernen, sich auszutauschen. Theater als ein Ort der Begegnung und Auseinandersetzung. Diese Rolle kommt dem Theater zu und wird vielleicht gerade nach der Zeit, wo Live Besuche nicht mehr möglich waren, wieder verstärkt geschätzt.

Fabienne Trüssel in NORA NORA NORA von Eva Rottmann unter der Regie von Bettina Glaus, Grenzgänger Luzern

Was liest Du derzeit?

„Blutbuch“ von Kim de l’Horizon.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„As you start to walk on the way, the way appears.” Rumi

Vielen Dank für das Interview liebe Fabienne, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Theater-, Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Fabienne Trüssel, Schauspielerin, Sprecherin

Zur Person_Fabienne Trüssel absolvierte von 2006-2010 die Freiburger Schauspielschule. Bereits während der Ausbildung spielte sie in verschiedenen Produktionen am E-Werk Freiburg mit. Danach folgte ein Engagement beim Eurotheater Basel mit dem sie deutschlandweit auf Tournee war. Anschliessend spielte sie u.a. Rosalinde in WIE ES EUCH GEFÄLLT, Natalja in DER HEIRATSANTRAG und Meroe in PENTHESILEA. Weitere Engagements führten sie ans Theater Bonn (GETÜRKT, Regie: Marita Ragonese), ans Zimmertheater Rottweil (Lucile in DANTONS TOD, Regie: Tonio Kleinknecht und Myrrhine in LYSISTRATE, Regie: Cornelia Schönwald) und zum Theater Kanton Bern (ROMEO UND JULIA und DES KAISERS NEUE KLEIDER).

Mit ihrem Soloprogramm MAN SUCHT PETERSILIE UND FINDET DILL brachte sie 2013 in Berlin erstmals eigene Texte auf die Bühne. Mit der Company urbanReflects entwickelte sie Formate wie KITCHEN TALK mit TänzerInnen, MusikerInnen und SchauspielerInnen. Mit dem Solostück NICHT ICH von SAMUEL BECKETT (Regie: Marek Kedzierski) trat sie 2017 beim internationalen Beckett Festival 111 im E-Werk Freiburg und in Trondheim (Norwegen) auf. Seit 2017 gehört sie zum Team des Theater Szene Bern. Dort spielt sie bisher in sechs Inszenierungen mit. Am Voralberger Landestheater Bregenz arbeitete sie 2019/20 unter der Regie von Silvia Costa in SPIEL von Samuel Beckett und WRY SMILE DRY SOB, das auch an die Kunstfestspiele Herrenhausen eingeladen worden ist.

In Frankfurt spielte sie 2022 unter der Regie von Mascha Pitz in einem Stück über Empowerment. Mit dem Theater Kanton Bern ist sie weiterhin auf Tournee unter anderem mit dem Stück AM HORIZONT unter der Regie von Antonia Brix. In der Grenzgänger Produktion NORA NORA NORA (Text: Eva Rottmann, Regie: Bettina Glaus) ist sie auch 2023 live zu sehen. Bald wird sie in DIE VERWANDLUNG nach Kafka unter der Regie von Petra Schönwald am Theater an der Effingerstrasse in Bern die Rolle des Gregor spielen.


Vor der Kamera war sie bisher für Tatort und in diversen Kurzfilmen zu sehen.

Sie begleitet zudem Theaterstücke als oeil extérieur, Regie, Workshopleitung und arbeitet als Sprecherin bei Lesungen, im Studio (Hörspiel/Hörbücher, Voice Over, Werbung)  oder liest auf Anfrage ihre selbstverfassten Texte.

http://www.fabiennetruessel.com/

Foto_Gregory B. Waldis

Walter Pobaschnig _ 6.3.2023

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