Es ist eine Zeit des Innehaltens. Und damit auch des Erinnerns, des Rückblicks in nähere und entferntere Vergangenheit. Dies lässt für Augenblicke die großen Anforderungen der pandemischen Gegenwart etwas vergessen. Wie war es damals? Was magst Du erzählen? Ein Buch ist da ein wunderbarer wissender Reisegefährte in Wirklichkeit und Traum der Menschheitsgeschichte…
Der österreichische Buchautor und Komponist, Valentin Hauser, lädt dazu ein, anhand von Lebenserinnerungen in Wort und Bild die Kärntner Gemeinde Griffen in Leben und Gesellschaft Ende des 19. und Anfang des 20.Jahrhunderts nacherleben zu können. Und es ist vielfältig, erstaunlich und spannend was es da zu sehen und lesen gibt…
Der Autor, ein Freund des österreichischen Nobelpreisträgers Peter Handke, welcheraus Griffen gebürtig ist,lässt auch diesen prominenten Sohn der Gemeinde zu Wort kommen. Peter Handke schreibt ein Vorwort und dabei gleich einen Preis aus. Seien Sie gespannt…
Neben der inhaltlichen sehr gelungen kompakten Zusammenstellung, der eine umfassende Recherche zugrunde liegt, die in höchstem Maße zu würdigen und anzuerkennen ist, ist auch das Druckformat und der Satz von Wort und Bild hervorzuheben – dies ist einmalig gelungen. Besonders auch die Präsentation historischer Fotos in so guter Qualität und die Textabstimmung dazu.
Als diese Besprechung verfasst wird, höre ich im Radio gerade, dass Hugo Portisch, der anerkannte österreichische Journalist und eine Legende zeitgeschichtlicher Präsentation gestorben ist. Wie Portisch so viel für das österreichische Geschichtsbewusstsein geleistet hat, so ist auch das vorliegende Buch ein wichtiger Mosaikstein regionaler wie österreichischer Identität.
Lieber David, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Da man ja Gott sei Dank proben kann, habe ich meinen gewohnten Tagesablauf wieder. Max Mayerhofer und ich planen momentan die Tour mit unserem Verein LASTKRAFTTHEATER und versuchen die Spieltermine unseres zweiten Vereins ergo arte zu verschieben. Hier haben wir DER LECHNER EDI SCHAUT INS PARADIES von Jura Soyfer unter der Regie von Peter Pausz bereits im Jänner fertig geprobt und nun hoffen wir das Stück bald zeigen zu können, beim Lastkrafttheater sind wir mit HÖLLENANGST gerade mitten in den Proben. Wir hoffen natürlich, dass wir bald wieder bei unserem Publikum sein und auftreten können. Aber die Situation ist zermürbend und man hat den Eindruck von der Politik vergessen zu sein. Insofern ist mein Alltag durch Corona um einiges stressiger und sorgenvoller geworden, so wie der Alltag der meisten Menschen, denke ich.
David Czifer_Schauspieler_Lastkrafttheater 2021
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Ich glaube, dass wir als Gesellschaft wieder zusammenwachsen müssen und keineswegs noch gespaltener werden dürfen. Es ist wichtig, dass wir trotzdem das Verbindende suchen. Seit einem Jahr gibt es nur noch ein Thema und das muss sich wieder ändern. Die Gesellschaft muss wieder zusammenhalten und zusammenkommen: Corona sollte nicht mehr unsere Diskussionen dominieren. Hier sind auch die Medien gefragt: Sie sollten sich ihrer großen Verantwortung in der Pandemie stärker bewusstwerden und die Berichterstattung nicht nur an Verkaufszahlen orientieren.
Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Theater, Schauspiel und Kunst im Allgemeinen können ein Bindeglied für die Gesellschaft sein. Deswegen kommt der Kunst an sich eine noch wichtigere Rolle zu, als sie vor der Pandemie ohnehin schon innehatte. Kunst kann Räume zur Begegnung schaffen und kann ein Mittel sein unsere Gesellschaft zu stärken. Wir brauchen Kunst und Kultur stärker denn je und es muss auch ganz klar gesagt werden, dass Kunst vom Live-Moment lebt, Online-Streaming ist also nur ein mickriger Ersatz. Es müssen einfach von der Politik schnellstens Rahmenbedingungen geschaffen werden, sodass Kunst und Kultur auch in der Pandemie wieder möglich werden können, denn unsere Gesellschaft braucht sie!
Was liest Du derzeit?
Momentan lese ich eine Biografie über Jura Soyfer, dessen Stück Der Lechner Edi schaut ins Paradies wir im Verein ergo arte unter der Regie von Peter Pausz auch geprobt haben und hoffentlich bald zeigen können.
Er war ein unglaublich inspirierender und interessanter Mensch, der tolle Briefe und Stücke hinterlassen hat, von denen viele heute aktueller denn je sind.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
In Der Lechner Edi schaut ins Paradies sagt der Motor zu Edi folgende Sätze, die aktueller denn je sind und auch heute für uns im Bereich der Digitalisierung, Forschung und Entwicklung Gültigkeit haben sollten.
Merk dir, Edi, wir Motoren sind dazu auf der Welt, dass wir euren Willen vollstrecken. Ihr druckts aufn Starter, wir parieren. Du hast an halben Gedanken ausgedacht- i hab ihn zu Ende gedacht und die Konsequenzen gezogen. Jetzt, wo ihr Menschen uns Maschinen geschaffen habts, müsst ihr halt vorsichtiger sein mitn Herumphantasieren. Auf ja und na wird die Phantasie zur Wirklichkeit. Wir sind die dienstbaren Geister, und ihr seids die Zauberlehrlinge.
Vielen Dank für das Interview lieber David, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Lieber Anton, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Auch im Lockdown gehe ich ab dem späteren Vormittag ein Haus weiter, in meinen Verlag, wie früher auch. Alles ist jetzt nur wesentlich aufwändiger und kostenintensiver: Vorher eine FFP3-Einweg-Maske aufsetzen, Hände desinfizieren etc. Ich bin selbst Hochrisikopatient und muss besonders darauf achten, mir nicht dieses verdammte Corona-Virus einzufangen. Ansonsten fühl ich mich jetzt in unseren Redaktionsräumen bisweilen etwas einsam und verloren, keine freien MitarbeiterInnen sind da, mit denen man scherzen könnte, höchstens meine langjährige Angestellte Gabriele Trinckler, wenn sie nicht im Homeoffice ist. Bei offenem Fenster arbeiten, auch bei Eiseskälte, auf mögliche Alarmwerte unserer CO-2-Ampeln reagieren, ggf. die Vorfilter unserer mobilen Hepa-Filteranlagen reinigen, natürlich ebenfalls unter Beachtung der Coronaregeln. Außerdem mache ich mir Gedanken und Sorgen, wie ich meine Festkosten weiter bedienen kann. Ich bekomme absurderweise keine staatlichen Coronahilfen mehr, weil seit der zweiten Stufe der Corona-Hilfsmaßnahmen in Deutschland das Jahr 2019 zur Beurteilung der Höhe des Umsatzrückganges als Referenzjahr herangezogen wird. Ausgerechnet 2018 fiel ich durch eine doppelseitige Lungenembolie mehrere Monate lang aus, 2019 durch einen Herzinfarkt fast sechs Monate, vorher hatte ich 26 Jahre ohne größere gesundheitliche Probleme praktisch durchgearbeitet. Da 2019 krankheitsbedingt genauso schlecht lief wie das Coronajahr 2020 mit seinen Lockdowns bekomme ich keine Unterstützung vom Staat, für einen normal denkenden Menschen vollkommen unbegreiflich, für die deutsche Bürokratie kein Grund, sich um einen Härtefallausgleich zu bemühen. So werde ich jetzt auch noch für meine Krankheiten doppelt bestraft.
Anton G.Leitner_Schriftsteller
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Zu überleben, psychisch und physisch und wirtschaftlich. Und sich die Hoffnung auch von streckenweise dilettantisch agierenden KrisenmanagerInnen aus der Politik und ihrer unbeweglichen, kafkaesk anmutenden allmächtigen Bürokratie nicht nehmen lassen, was mir zunehmend schwerer fällt. Deshalb schreibe ich so viel wie selten in meinem Leben, denn wirklich relevante Literatur entsteht meines Erachtens ja immer in existenziellen Lebenssituationen, wie wir sie gerade erleben.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Ich breche ja eigentlich schon seit 2018 jährlich neu auf, nach so schweren Erkrankungen fühle ich mich mit 25 Kilo weniger gleichsam neugeboren, insofern hat mich die Coronakrise zu einem Zeitpunkt getroffen, als ich mich wieder in der Lage fühlte, ganze Bäume auszureißen. Der Lockdown hat dann ja alle Veranstaltungspläne ersatzlos vernichtet. Aber zunächst hoffe ich auf eine Impfung, sofern bis dahin Deutschland endlich ausdiskutiert hat, wer wann wo von wem womit in welcher Reihenfolge geimpft werden darf oder nicht. Literaturschaffende wie ich wurden vom hiesigen Staat schlecht, von ihren Leserinnen und Lesern allerdings sehr gut behandelt. Ohne deren Unterstützung und Solidarität hätte ich nach meinen Krankheitsausfällen die Coronakrise nicht mehr stemmen können. Insofern freue ich mich unbändig darauf, meinem Publikum nach der Krise wieder persönlich begegnen zu können. Mich verbinden mit diesen Menschen inzwischen viele Freundschaften, weit über die Grenzen Deutschlands hinaus. Und das gilt natürlich in ganz besonderer Weise für all meine Poetenfreundinnen und -Freunde. Gemeinsam werden wir dann dem Motto frönen: Ein Gedicht rettet den Tag.
Was liest Du derzeit?
Im Bereich der Prosa den Roman „Was uns erinnern lässt“ von Kati Naumann (HarperCollins Germany). Im Bereich der Lyrik kehre ich zurück zu meinen Lesewurzeln aus der Jugend, nämlich zu Charles Bukowski. Da lese ich parallel zum amerikanischen Orignal („Storm for the Living an the Dead“, herausgegeben von Bukowski-Kenner Abel Debritto bei ecco / HarperCollins) die deutsche Ausgabe „Dante Baby, das Inferno ist da. 94 unzensierte Gedichte“, erschienen im MaroVerlag, übersetzt von Esther Ghionda-Breger. Wunderbar politisch unkorrekte Gedichte in einer Zeit, in der manche damit beginnen möchten, die Märchen gendergerecht umzuschreiben.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
»Die Zukunft war früher auch besser.« und »Ein Optimist ist ein Mensch, der die Dinge nicht so tragisch nimmt, wie sie sind.« Zwei wunderbar treffende Zitate des Komikers Karl Valentin, vom offiziellen München lange Zeit unterschätzt, aber von den Münchnern selbst schon seit jeher geliebt. Und von mir natürlich auch.
Vielen Dank für das Interview lieber Anton, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Anton G.Leitner, Schriftsteller
Anton G. Leitner wurde 1961 in München geboren. Der examinierte Jurist lebt als Lyriker, Herausgeber und Verleger in Weßling (Landkreis Starnberg). Er publizierte bislang dreizehn Gedichtbände. Im April 2021 erscheint sein neuer Band »Wadlbeissn. Zupackende Verse« (Volk Verlag, München). Leitners Gedichte wurden in neun Sprachen sowie in diverse Dialekte (u. a. Schottisch, Londoner Cockney und Damaszenisch) übersetzt. Neben 28 Folgen der buchstarken Jahresschrift »Das Gedicht« edierte er über 40 Anthologien, zuletzt bei Reclam »Gedichte für alle Liebeslagen« (März 2021). Leitner wurde vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem »Bayerischen Poetentaler« und dem »Tassilo«-Kulturpreis der Süddeutschen Zeitung.
Liebe Tatyana, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Ich steh meistens um 6 Uhr morgens auf, mach mich frisch für den Tag, brauche mindestens 3 Tassen Kaffee und lass Social Media vor Yoga und Gymnastik auf mich wirken. Im Laufe des Tages wird der „Gesundheitsblock“ nachgeholt, oft ergänzt durch Streifzüge am Tegernsee, wo ich seit einigen Jahren arbeite und lebe.
Nach der täglichen Routine im Haushalt fische ich im Netz ein paar wissenschaftliche oder philosophische Texte, die mich durch ihre erneuernden Gedanken stärken, um den ganzen Wahnsinn einer total absurden Welt auszuhalten. Dann treibt es mich in mein Studio, wo ich an meinen Leinwänden an der Serie „Posthuman Studies“ und „Transhumane Verstrickung“ arbeite, stets in Begleitung von Vorträgen oder Musik.
Zwischendurch ein kurzer Chat mit meinen, inzwischen erwachsenen Kids, die ich durch die neuen Bedingungen leider nur mehr selten sehen kann. (2 Söhne leben in Österreich, meine Tochter studiert in München).
Eine gesunde und abwechslungsreiche Küche ist mir wichtig, die ich gerne mit einem schrecklich komplizierten, höchst eigenwilligen WG-Bewohner in einem Haus am Tegernsee teile.
Relativ unspektakulär und doch verbunden, unter dem Titel: Lebe so, als wäre es dein letzter Tag!
Tatyana von Leys _ Künstlerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Akzeptanz!Das Corona Virus hat uns gezeigt, dass wir doch nicht so groß und wichtig sind.
Wir leben in einer Übergangsgesellschaft.Die Fragen diesbezüglich sind:
Gibt es nun einen moralischen Fortschritt oder nicht?Kann uns die Technik retten?Können wir uns eingestehen, dass wir nicht die Krone der Schöpfung sind?Können wir neu denken?
Einen plausiblen Zugang bieten uns Gedanken zum Trans- und Posthumanismus.
(In meinem Buch: „das kleine Buch zum neuen Denken“ ISBN 978-3-7460-5451-3 habe ich den Weg des Transhumanismus in Form von Essays beschrieben) – als Einstieg für weiteres gedacht.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?
Die Wahrnehmung von Kunst verändert sich durch neue Medien. Es ist die Geburt neuer Formen, virtueller Formen. Der virtuelle Raum des Digitalen hat die Realität eingeholt und ist Teil unserer Realität.
Was liest Du derzeit?
Ich studiere „Unruhig bleiben“ (die Verwandtschaft der Arten im Chthuluzän) von Donna J. Haraway
und „Nietzschean Meditations/Untimely Thoughts at the Dawn of the Transhuman Era“ von Steve Fuller
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Wir alle müssen eine Praxis des Lernens entwickeln, die es uns ermöglicht, uns auf allen Ebenen weiter zu bilden – auf der geistigen, körperlichen und emotionalen.
Vielen Dank für das Interview liebe Tatyana, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Lieber Reinhard, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Der hat sich eigentlich nicht großartig verändert im Vergleich zu jenem der Prä-Corona-Epoche. Ich bin nicht selten ein Nachtarbeiter, da herrscht Ruhe und es lenkt nichts ab, wie schönes Sonnenwetter, ein Ausflug in die Natur oder ein Museumsbesuch, der jetzt wieder möglich ist Gott sei Dank. Das heißt aber nicht, dass ich nicht auch tagsüber zeichne und male. Was wegfällt sind die Abendveranstaltungen wie Theater, Lesungen und Vernissagen. Die vermisse ich, aber ich zweifle nicht daran, dass sie in Zukunft wieder florieren werden.
Reinhard Trinkler, Künstler
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Nicht zu verzweifeln und nicht zu resignieren. Haltung bewahren und den Verstand benutzen, wäre nicht schlecht.
Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?
Die Kunst wird weiterhin eine Oase des Wahren, Schönen und Guten sein und ein Austrittsticket aus dem grauen Alltag (ebenso die Kultur) – sogar oder gerade dann, wenn sie unangenehme Themen behandelt bzw. behandeln muss, die sehr real und unmittelbar aus dem Leben gegriffen sind. Das geht einfach nicht anders. Sie ist etwas so Konstantes in der Geschichte der Menschheit. Man muss aber ebenso bedenken, dass es sie nur solange geben wird, solange es die Menschen gibt und diese sich nicht gegenseitig komplett zerstört haben und ihren Lebensraum. Denn dann passiert das, was man in Tschernobyl oder in Yucatan bei den Maya-Tempeln (und an anderen versunkenen Kulturen) bereits jetzt sieht, die Natur holt sich alles zurück. Das hat aber auch eine ganz besondere Poesie. Die Kunst schöpft aus der Natur, versucht sie zu ersetzen, wird aber letztendlich in einiger Zeit, in Millionen oder viel weniger Jahren selbst zu Natur.
Was liest Du derzeit?
Quer durch das Gemüsebeet, wie man so sagt: Sachbücher, Künstler-Biografien , die Bücher von Prof. Otto Koenig ebenso wie Bücher über Theatergeschichte, die Maya und Azteken. Je nachdem, was mich gerade inspiriert.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Ein Satz aus einer Fernsehsendung von Prof. Otto Koenig (österr. Verhaltensforscher) aus dem Jahr 1973 beschäftigt mich in diesen Zeiten, da er prophezeit hat, was jetzt eingetreten ist. Hier das Originalzitat: „Was ist das für eine Welt in der wir leben,in der ein Fortschritt gepriesen wird, in der von einer Zukunft gesprochen wird, von einem Wohlstand, der nur mit Gasmasken genossen werden kann…“ Koenig hat schon lange vor Greta Thunberg gewarnt vor der Zerstörung der (Um)Welt durch den Menschen. Viele haben ihn damals als Pessimisten abgetan, heute ist vieles eingetreten, wovor er gewarnt hat. Gasmasken tragen wir (noch) keine, aber ich bin zu sehr Realist, als das ich glauben könnte, die Menschheit als Ganzes wird sich in Zukunft bessern oder komplett umdenken. Ich würde mich dennoch nicht als „Schwarzseher“ einstufen und meine die vorangegangenen Worte nicht zynisch oder defätistisch. Sondern nach dem Motto: carpe diem.
Vielen Dank für das Interview lieber Reinhard, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Liebe Sarah, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Morgens meistens irgendwas mit Bewegung, Joggen oder Yoga, dann Frühstück und an den Laptop. Mails, neue Theater- und Hörspielideen, schreibe seit Jahren an einem Roman, den ich versuche fertigzustellen, … Am Nachmittag gehe ich oft nochmal an die frische Luft. Abends schaue ich ZIB oder Tagesschau und danach einen Film von dem Stapel mit den Filmen aus der Stadtbücherei.
Sarah Zaharanski, Schauspielerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Sonnenlicht?
oder…
Im Gespräch bleiben, Fragen stellen, deren Antworten man nicht weiß und wahrscheinlich die All Time Classics des Menschseins: Lachen, Sonne, frische Luft.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Mainstream-unabhängiges Agieren, Inhalte statt Aufmachung, nachhaltiges, solidarisches Handeln anstelle von punktueller Scheinaktivität, Haltung einnehmen anstatt opportunes Sich Ausrichten.
Was liest Du derzeit?
„Die Katze und der General“ von Nino Haratischwili
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Was wir in diesen Prozessen fordern, ist, dass Menschen auch dann noch Recht von Unrecht zu unterscheiden fähig sind, wenn sie wirklich auf nichts anderes mehr zurückgreifen können als auf das eigene Urteil.“ – Hannah Arendt
Vielen Dank für das Interview liebe Sarah, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Theater-, Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Es ist ein Werk, das Fragen nach Mensch, Welt, Hölle und Himmel im Horizont der Zeit und darüber hinaus verbindet. Der Enstehungszeitraum, das Mittelalter(14.Jhdt), ist während der Niederschrift gekennzeichnet vom Konflikt zwischen Papst und Kaiser. Es sind unsichere Zeiten, in denen ein Dichter über die großen Sinnkonzepte nachdenkt und diese poetisch durchwandert und beschreibt…
Die literarischen Horizonte sind dabei bis heute zeitlos geblieben. Diese Grundfragen des Menschseins finden über Jahrhunderte bis in die Gegenwart Anknüpfungspunkte und Wiederentdeckungen. Angst und Angstbewältigung im Woher, Wohin und Weiter des Lebens werden von Generation zu Generation lesend neu diskutiert. Ein wesentlicher Impuls kommt dabei aus der Mitte dieses zeitlosen Meisterwerkes…
Franziska Meier, Literaturwissenschafterin in Göttingen, legt mit „Besuch in der Hölle“ einen umfassenden Überblick zu Werk- und Werkgeschichte vor, welcher in wisschenscftlicher Information wie flüssiger Lesart beeindruckt. In 14.Kapitel werden Zeit und Leben des italienischen Dichters wie umfassend die Wirkungsgeschichte als „Bestseller“ und die grenzübergreifende poetische Botschaft geöffnet und spannend erläutert. Erschütternd sind auch Bezugspunkte zur Shoa wie auch der Katastrophen des 20.Jahrhunderts an sich.
Leserin und Leser bietet dieses außergewöhnliche Sachbuch ein Näherkommen zu einem „Jahrtausendbuch“ wie auch persönliche Impulse in herausfordernden Zeiten, die Sinn und Mut motivieren.
„Ein unvergleichliches Meisterwerk im spannenden Überblick der Entstehung und der Wirkungsgeschichte“
Lieber Lukas, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Da ich ziemlich genau seit einem Jahr nicht mehr Theater gespielt habe, ist mir viel an Struktur verloren gegangen. Die „Restrukturierung“ sieht so aus, dass ich versuche die viele freie Zeit für Schönes zu nutzen. Es versteht sich: Schönes dass ich allein tun kann. Was mir manchmal nur bedingt gelingt. Aber ich finde man muss nicht alles immer nutzen. Ich bin glücklich wenn ich viel Zeit zum Verschwenden habe. Ich versuche meist zur gleichen Zeit aufzustehen, je früher desto besser, trinke Kaffee und höre Ö1 – das Radio hat mir wirklich sehr geholfen im vergangenen Jahr. Danach zieh ich mich an, regelmäßig sogar Hemden und Anzüge, weil mir das Ausgehen abgeht und es gerade jetzt wichtig ist, nicht zu verwahrlosen. Dann gehe ich oft spazieren oder schaue aus dem Fenster oder lese. Eigentlich lese ich viel, paradoxerweise habe ich das im vergangenen Jahr deutlich weniger getan als sonst. Ich habe das Gefühl, dass mein Kopf schlechter funktioniert als gewöhnlich und bin froh wenn ich etwas mit meinen Händen tun kann: zum Beispiel backen und kochen – am liebsten für meine Freundin, die hat die gesamte Corona-Zeit über durchgearbeitet und das ziemliche Gegenteil von meinem Tagesablauf. Ohne sie hätte ich diese Zeit nur sehr schwer durchgestanden. Abends schauen wir uns oft Filme an. Durchaus auch banale Dinge – ich merke dass ich deutlich empfindsamer bin als sonst und sehr intensiv träume, also kann ich mir Tragisches, Brutales oder zu Spannendes kaum ansehen. Am liebsten Humorvolles! Dazwischen drehe ich im Moment sehr Unterschiedliches fürs Fernsehen und Kino. Und bin unglaublich glücklich, wenn ich arbeiten und Menschen um mich haben kann!
Lukas Watzl, Schauspieler
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Das ist eine schwierige Frage. Wenn ich sagen würde: Sich auf die positiven Aspekte der Situation konzentrieren, hilft das wahrscheinlich niemandem weiter. Vor allem den Menschen nicht, die einsam sind, die Probleme mit ihrer Psyche bekommen, deren Existenz bedroht ist: wirtschaftlich, privat odergesundheitlich. Ich bin kein Pessimist, aber ehrlich gesagt: Es ist eine Katastrophe! Was kann da helfen? Ablenkung? Für mich persönlich ist jeder Moment eine Erleichterung in dem ich nicht darüber nachdenken muss was da gerade vor sich geht. Das ist kein Plädoyer für Verdrängung aber ich halte es für gesund einen gewissen regelmäßigen Abstand zum Medienkonsum und den eigenen Ängsten zu wahren. Um konkreter zu werden: Besonders wichtig ist, dass jetzt der Frühling kommt, dass es heller und wärmer wird, dass etwas wird, wächst, gedeiht, das sich von nichts und niemandem aufhalten lässt!
Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/ Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Die Pandemie hat vieles was falsch läuft auf dieser Welt noch deutlicher sichtbar gemacht. Es wird daher umso mehr das wesentlich sein, was es auch davor war. Hierarchien zu überwinden, Ungleichheit zu beseitigen, für eine gerechtere Gesellschaft zu kämpfen. Für eine Gesellschaft, in der weder geografische, ethnische noch soziale Herkunft, Geschlecht, sexuelle Orientierung oder unser Alter darüber entscheiden ob wir die Chance bekommen ein geglücktes, selbstbestimmtes Leben zu führen. Ohne die Kunst als Raum der Reflexion, als Ort der Auseinandersetzung mit schwierigen und schmerzhaften Themen wird uns das nur schwer gelingen.
Was liest Du derzeit? „Ich wollt, ich wär ein Eskimo“ eine Wilhelm Busch Biografie von Gudrun Schury, einiges an Lyrik, Michel de Montaigne und Epikur zum Trost und Märchen aus Tausend und einer Nacht zum Einschlafen.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben? „Wo Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht“ (Berthold Brecht)
Vielen Dank für das Interview lieber Lukas, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an KünstlerInnen:
Lukas Watzl, Schauspieler
Foto_Antonia Renner
16.3.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.
Liebe Christine, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Da ich mich gerade in einer Suchtklinik aufhalte, gibt es drei fixe Pfeiler in meiner Tagesstruktur: in der Schlange vor dem Speisesaal stehen, um 7, um kurz nach 12 und gegen halb sieben. Dazwischen Angebote, die dazu angetan sind, den fetten Panzer aufzusprengen, den Menschen, die sich über Jahre hinweg abgeschossen, betäubt oder weggebeamt haben, zwischen sich und die Realität geschoben haben. Wer sich von seinen Klischees über AlkoholikerInnen befreien will, kann mir hier ein bisschen Gesellschaft leisten: https://www.facebook.com/christine.koschmieder
Christine Koschmieder, Schriftstellerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Alles, was schon vor „jetzt“ wichtig war und nach „jetzt“ wichtig bleiben wird: da hinzugucken und zuzuhören, wo Hingucken/Zuhören nötig ist, die Wurzeln der hässlichen Zustände dieser Welt zu verstehen und gegen sie anzugehen.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Der Literatur und Kunst an und für sich kommt keine andere, neue Rolle zu. Schon gar keine, die ihr extern, parlamentarisch oder sonstwie zugewiesen werden müsste. Literaturschaffenden und KünstlerInnen stünde allerdings gut zu Gesicht, radikalere Konsequenzen für das, was sie ihre eigene Unentbehrlichkeit nennen, zu entwickeln. Bildet Banden!
Was liest Du derzeit?
Nanni Balestrini: Der Verleger (Assoziation A)
Adrienne Rich: What is found there. Notebooks on poetry and politics (Norton & Company)
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„And perhaps this is the hope: that poetry can keep ist mechanical needs simple, its head clear of the fumes of how `success´ is concocted in the capitals of promotion, marketing, consumerism, and in particular in the competition that pushes `the star´ at the expense of the culture as a whole, that makes people want stardom rather than participation, association, exchange, and improvisation with others.“(Adrienne Rich, a.a.O.)
Vielen Dank für das Interview liebe Christine, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Christine Koschmieder, Schriftstellerin
Foto_Antje Kroeger.
11.4.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.
Lieber Nils, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Kurz nach sechs: ich halte die Hand, die ich stets halte; wir trinken eine Tasse Kaffee (schwarz), lesen einige Seiten. Dann stehe ich auf, meditiere. Irgendwann gongt es. Ich sitze jetzt auf dem Stuhl, der Blick: auf den Backsteinturm, das pampelmusenfarbene Haus, den Flachbau (moosig, begrünt); die Birke neigt den Kopf, tänzelt (und der Stamm: wie Milch); es ist bald sieben Uhr. Ich schreibe stets am Morgen: kurz nach dem Traum und bevor alles beginnt: für eine Stunde oder anderthalb. Den Tag über arbeite ich. Am Abend: die Hand, die ich stets halte; wir kochen, spazieren, lesen; manchmal schauen wir eine Reportage: neulich über das Baekdusan-Gebirge in Korea; wir schlafen meist bei der Hälfte ein. Ich habe mich gut eingerichtet in der Monotonie: die Dinge wiederholen sich, zart und dankbar. An den Wochenenden spazieren wir länger. Manchmal kaufe ich Tulpen.
Nils Langhans, Schriftsteller
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Dass der Frühling beginnt: dass es flort und sprießt und ploppt. (Und dass das Impfen funktioniert.)
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur zu?
Die Situation ist für sehr viele sehr schwierig, bedrohlich: gesundheitlich, psychisch, ökonomisch. Ich verstehe aus diesem Mangel heraus die Projektion eines Neubeginns, Aufbruchs. Allein: ich glaube nicht so sehr daran; jedenfalls nicht auf gesellschaftlicher Ebene. Ich teile hier Armin Nassehis Perspektive: Gesellschaften (und ihre Institutionen) sind seit jeher einigermaßen träge – und deutlich wandlungsresistenter als man es sich vielleicht wünscht.
Zur Rolle der Literatur: Literatur muss nichts, darf alles. Punkt. Die Rolle der Literatur, aber auch die der Schriftstellerin und des Schriftstellers sollte – insbesondere in Zeiten der Krise – nicht in irgendeiner Weise definitorisch eingehegt, verengt werden.
Was liest Du derzeit?
Die Trilogie (»études«, »cahier«, »fleurs«) aus dem immer furioser werdenden Alterswerk von Friederike Mayröcker; Roland Barthes Essay »Am Nullpunkt der Literatur«; die Vorlesungen von Anselm Kiefer am Collège de France (»Die Kunst geht knapp nicht unter«, editiert von Heiner Bastian); einen Text von Georg Simmel über die Ruine (PDF, irgendwo in den geöffneten Tabs verschüttet). Und, und: neulich wieder, kurz touchiert, ironischerweise in der Nacht darauf davon geträumt: Schnitzlers Traumnovelle.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
»Anders gesagt: in Bezug auf die Objekte selbst ist die Literatur grundlegend und ihrer Konstitution nach irrealistisch. Die Literatur ist das Irreale selbst. Oder genauer: die Literatur ist weit davon entfernt, eine analogische Kopie des Wirklichen zu sein, sie ist im Gegenteil das Bewußtsein vom Irrealen der Sprache. Die wahre Literatur ist die, die sich ihrer Irrealität bewusst ist, insofern sie sich wesentlich als Sprache versteht, sie ist die Suche nach einem vermittelnden Stand zwischen den Dingen und den Wörtern, sie ist jene Spannung eines Bewußtseins, das gleichzeitig von den Wörtern getragen und von ihnen begrenzt wird und das durch sie hindurch über eine zugleich absolute und unwahrscheinliche Macht verfügt.« – Roland Barthes, Literatur oder Geschichte
Vielen Dank für das Interview lieber Nils, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!