„Die Wurzeln der hässlichen Zustände dieser Welt zu verstehen und gegen sie anzugehen“ Christine Koschmieder, Schriftstellerin _ Leipzig 11.4.2021

Liebe Christine, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Da ich mich gerade in einer Suchtklinik aufhalte, gibt es drei fixe Pfeiler in meiner Tagesstruktur: in der Schlange vor dem Speisesaal stehen, um 7, um kurz nach 12 und gegen halb sieben. Dazwischen Angebote, die dazu angetan sind, den fetten Panzer aufzusprengen, den Menschen, die sich über Jahre hinweg abgeschossen, betäubt oder weggebeamt haben, zwischen sich und die Realität geschoben haben. Wer sich von seinen Klischees über AlkoholikerInnen befreien will, kann mir hier ein bisschen Gesellschaft leisten: https://www.facebook.com/christine.koschmieder

Christine Koschmieder, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Alles, was schon vor „jetzt“ wichtig war und nach „jetzt“ wichtig bleiben wird: da hinzugucken und zuzuhören, wo Hingucken/Zuhören nötig ist, die Wurzeln der hässlichen Zustände dieser Welt zu verstehen und gegen sie anzugehen.  

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Der Literatur und Kunst an und für sich kommt keine andere, neue Rolle zu. Schon gar keine, die ihr extern, parlamentarisch oder sonstwie zugewiesen werden müsste. Literaturschaffenden und KünstlerInnen stünde allerdings gut zu Gesicht, radikalere Konsequenzen für das, was sie ihre eigene Unentbehrlichkeit nennen, zu entwickeln. Bildet Banden!

Was liest Du derzeit?

Nanni Balestrini: Der Verleger (Assoziation A)

Adrienne Rich: What is found there. Notebooks on poetry and politics (Norton & Company)

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„And perhaps this is the hope: that poetry can keep ist mechanical needs simple, its head clear of the fumes of how `success´ is concocted in the capitals of promotion, marketing, consumerism, and in particular in the competition that pushes `the star´ at the expense of the culture as a whole, that makes people want stardom rather than participation, association, exchange, and improvisation with others.“ (Adrienne Rich, a.a.O.)

Vielen Dank für das Interview liebe Christine, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Christine Koschmieder, Schriftstellerin

Foto_Antje Kroeger.

11.4.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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