„Kunst ist Arbeit, Trost, Hoffnung, Abrissbirne und Blumentopf“ Anna Hetzer, Schriftstellerin _ Berlin 7.12.2020

Liebe Anna, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Gerade kann ich von zu Hause arbeiten und brauche mir keine Sorgen zu machen, wo ich unterkomme. Gleichzeitig hilft mir eine feste Tagesstruktur dabei, Stunden und Tage voneinander zu unterscheiden. Regelmäßig rausgehen und Sport sind ebenso wichtig wie lesen und schreiben, um nicht durchzudrehen.

Anna Hetzer, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Nicht zu vergessen, dass wir viele sind. Und dass wir trotz der Hindernisse füreinander da bleiben, anstatt uns in der narzisstischen Einbildung einzuigeln, die einzigen zu sein, um die es gerade geht.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Kunst ist Arbeit, Trost, Traum- und Denkmaschine, Erotik, Hoffnung, Steuerruder, Punching-Ball, Ponyhof, Überleben, Abrissbirne, Blueprint, Blumentopf, Rheumadecke, aber vor allem Schutzweste gegen Rechts. All das und vieles mehr ist sie auch jetzt und wird es bleiben. Umso wichtiger ist es, zu verstehen, dass wir nicht auf Kunst verzichten können, sofern wir frei leben wollen.

Was liest Du derzeit?

Ich habe mir ein paar Klassiker rausgelegt, gerade lese ich Stone Butch Blues von Leslie Feinberg und danach wahrscheinlich The Dispossessed von Ursula K. Le Guin.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Ich möchte wissen wie es ohne Zuschauer war. / Die gab es immer.“ Ohne Titel, Aglaja Veteranyi

Vielen Dank für das Interview liebe Anna, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Anna Hetzer_Schriftstellerin

Foto_Helena Parada-Kim

2.12.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Ich wünsche mir Lust seinem Inneren zu begegnen und damit sich selbst und andere zu überraschen“ Katharina Ingrid Godler, Schriftstellerin _ Klagenfurt _ 7.12.2020

Liebe Katharina, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich stehe meistens um sieben Uhr auf, setze mich mit der ersten Tasse Tee in den Fauteuil, blicke aus dem Fenster, lese, höre die Krähen und wie der Nachbar mit der Quietschkurbel die Rollos aufzieht (fast immer um halb acht), die Nase im Buch, dann schreibe ich ein bis zwei Stunden.

Danach drehe ich das Radio auf, heize den Kachelofen ein, hole die Zeitung, bereite mir noch einen Tee, esse Porridge, drehe das Radio wieder ab, lese Zeitung. Manchmal gibt‘s dann noch einen dritten Tee. Dann Duschen und Zähneputzen, dann Computerarbeit (Administratives, Emails). Am Restvormittag Abtippen der Schreibarbeit der Vortage. Später Mittagessen, Spazierengehen und dann wieder Abtippen, Texte überarbeiten, lesen. Jeden zweiten Spätnachmittag Yoga. Am Abend „The Crown“ oder „The Queen‘s Gambit“ schauen.

Katharina Ingrid Godler, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

„Für uns alle“ möchte ich die Frage nicht beantworten. Die Bedürfnisse jedes einzelnen sind individuell verschieden. Da hilft es nicht, wenn ich eine von außen definierte Wichtigkeit übernehme und uns allen überstülpe.

Viel wichtiger ist es, dass wir uns nicht zu stark an dem orientieren, was andere sagen.

Was mir persönlich aktuell fehlt, sind Dinge wie Spontanität, Veränderung, Bewegung und Entwicklung. Ich wünsche mir Lust. Lust, seinem Inneren zu begegnen und damit sich selbst und andere zu überraschen. Nur dann kann etwas in Gang gebracht werden.

Doch! Jetzt fällt mir eine Sache ein, die für uns alle wichtig ist (insbesondere für die Geldsäcke da draußen): Reduktion.

Man braucht nicht so viel zum Leben. Auch Glück ist überbewertet. Es geht darum, weiterzumachen, weiterzuschreiben, weiterzuwachsen und nicht stehen zu bleiben und zu verharren.

Oder wie Greta Thunberg sagt: „No matter what, we need to continue.“

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Die Kunst übernimmt die Rolle, die sie immer übernimmt. Ihre Aufgabe ist es, uns wachzurütteln, uns anzuspornen, für jeden/jede, der/die sich ihr zuwendet, da zu sein.

Kunst wird, denke ich, wieder viel zum Reisen einladen, zum Eintauchen in andere Welten und Kulturen, weil die Bewegungsfreiheit zurzeit eingeschränkt ist und auch in Zukunft bleiben wird, was gut ist, weil wir in den letzten Jahren und Jahrzehnten genug herumgeflogen sind. Ein nachhaltiges Kopfkino also.

Was liest Du derzeit?

Peter Handke – Der Bildverlust

Marieke Lucas Rijneveld – Was man sät (Sehr empfehlenswert! Gute Lektüre für trübe, nebelige Tage!)

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Zitronenfalter, Weltverwalter“ (Peter Handke – Gestern unterwegs)

Vielen Dank für das Interview liebe Katharina, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Katharina Ingrid Godler, Schriftstellerin

Foto_Martin Fillafer

5.12.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Die Welt der Musik – Auftrittsverbot hin oder her – hört niemals auf“ Thomas Hechenberger, Gitarrist _ Wien 7.12.2020

Lieber Thomas, wie sieht Dein Tagesablauf aus?

Da ich neben meiner rein musikalischen Tätigkeit auch Dozent an einer Privatuniversität bin, sind Montage und Dienstage für Vorlesungen und Einzelunterricht, im Moment natürlich online, reserviert.

Ab Mittwoch beginne ich den Tag entweder mit der Erledigung geschäftlicher Dinge, wenn welche anstehen (Mailverkehr, Zahlungen,…) oder kann sofort meinem Beruf nachgehen, das heißt nicht nur – aber auch in Corona Zeiten: Songs komponieren, arrangieren und in meinem kleinen Recordingstudio aufnehmen, oftmals auch für andere KünstlerInnen. Gerade am Vormittag sind die Ohren und der Geist noch frisch, eine Aufnahme dauert dann aber doch meist bis in die Abendstunden. Gibt es keine Deadline zur Abgabe, nütze ich den Nachmittag auch zum Üben, je nachdem, ob ich kompositions-, arrangier- oder recordingtechnisch gerade im Flow bin, oder nicht.

Der Abend – zumindest ab 20 Uhr – gehört aber der Freizeit. Die verbringe ich gerne lesenderweise.

Thomas Hechenberger_Gitarrist, Musiker

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich glaube die Zauberformel heisst „Aktiv bleiben“. Die Welt der Musik ist unendlich groß, es gibt, einem Forscher gleich, so vieles zu entdecken, das hört – Auftrittsverbot hin oder her – niemals auf. Diese Neugier, dieses Feuer für den Beruf, für die Sache, ist die eigentliche Triebfeder, warum ich Musiker geworden bin. Das lässt sich natürlich nur so lange bewerkstelligen, solange man auch ökonomisch abgesichert ist, denn sonst überlagern Existenzängste jegliche Form der Neugier, des Forschergeistes, der Kreativität.

Sozioökonomisch ist es wichtig, dass sich Musiker, auch wenn sie einer künstlerischen Tätigkeit nachgehen, als Unternehmer verstehen. Ein grosses Problem sehe ich da gerade im Versuch, aus Angst nicht präsent zu sein, gratis Online Konzerte zu veranstalten und damit den Marktwert eines Musikers, eines Konzertes, für das komponiert, arrangiert, geprobt, jahrelang geübt wird, zu untergraben. Daraus ergibt sich die Sorge, dass sich der Verdienst nach Beendigung der Krise, nach unten nivellieren wird.

Dabei sollten aber die Bemühungen der ökonomischen Verwertung nicht der Kreativität im Wege stehen, das ist die grosse Kunst. Wenn 90% meiner Zeit für social media und nur 10% für den künstlerischen Inhalt verwendet werden, wird sich die künstlerische Progressivität in Grenzen halten.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?

Zum einen hat die Kunst an sich die Chance und das Privileg, auf gesamtgesellschaftliche Parameter in einer abstrakten Form hinzuweisen oder sie darzustellen. Dabei muss sie sich nicht wissenschaftlichen Parametern unterwerfen und kann eben andere Kommunikationsmittel wählen und sie verknüpfen, die über Worte und Zahlen hinausgehen. Damit ist sie in der Lage auch emotionale Verknüpfungen bei Menschen herzustellen. Gerade in Anbetracht dessen kann Kunst und insbesondere die Musik der Verständigung auch unterschiedlicher Gesinnungen, Meinungen, Herkünfte dienlich sein. Das Gemeinsame über das Trennende zu stellen ist etwas, das Musik vermag und zwar auf einer emotionalen Ebene.

Zum anderen wird es notwendig sein, dies weiterhin hör und sichtbar zu machen und zu verwerten, Inhalte bestmöglich zu verbreiten, da sonst der/die Musiker/in ökonomisch nicht mehr von dieser Arbeit leben kann und es zum Hobby wird.

Was liest du derzeit?

Ich bin während des zweiten Lockdowns tatsächlich etwas in die Lektüre des „Falters“ reingekippt, die Woche ist damit recht gut ausgefüllt.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Gerade in Zeiten wie diesen, aber auch sonst gilt für mich: Aktiv bleiben, neugierig bleiben. Und versuche stets, das Gemeinsame vor das Trennende zu stellen.

Thomas Hechenberger, Gittarist/Musiker _ Josh Tour 2019, Dortmund_Foto_Daniel Wesely.

Vielen Dank für das Interview lieber Thomas, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Thomas Hechenberger_Gitarrist, Musiker

Thomas Hechenberger | Jam Music Lab University

Josh. (joshsmusik.at)

Waldeck | Grand Casino Hotel

http://www.hfb.at

Fotos_1,2 _privat. 3_Daniel Wesely.

5.12.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Es wird wesentlich sein, sich in Bildungsdebatten für Theater, Literatur, Musik und bildende Künste stark zu machen“ Barbara Graber, Autorin _ Klagenfurt 7.12.2020

Liebe Barbara, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Nach der Morgenroutine mit etwas Bewegung auf der Yogamatte und viel Tee, ist bei mir meistens Onlinezeit bis es dämmert. Wochentags arbeite ich stundenlang am Computer und in meinem Hauptberuf als Lehrende verlangt dies viel von uns allen ab: die Online Präsenzen sind anstrengender und die Aufbereitung der Inhalte aufwändiger. Dazu kommt der nicht unerhebliche Anteil an Zeitaufwand für digital-persönliche Unterstützung von Menschen, die sehr unter der Last des „neuen“ Alltags leiden.

Danach muss ich an die Luft und nehme mir da Zeit, weit und viel zu gehen, wenn das nicht schon zum Sonnenaufgang geschehen oder durch eine Laufrunde abgedeckt ist. 8-10 km kommen da schon zusammen – immer mit Bleistift und Notizheft in der Manteltasche. Manchmal mit einem Podcast im Ohr oder einem guten Hörbuch. Meistens aber in Stille – soweit meine inneren Monologe das erlauben 😊. Am Wochenende zieh ich mich ins Atelier zurück, nachdem ich idealerweise einem Berggipfel in der Umgebung meinen Besuch abgestattet habe.

Zum Tagesausklang ist als Fixpunkt meist eine Stunde schreiben angesagt.

Barbara Graber_Autorin, Künstlerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich glaube es geht nichts über die drei Sichten: Vorsicht, Einsicht und Zuversicht.
Trotzige „Jetzt erst recht Poltereien“ machen die Lage nicht besser. Geduld hilft. Und den Blick auf das zu richten, was trotz alledem noch immer gut ist. Außerdem habe ich gelernt, zu hinterfragen, wozu unangenehme Situationen eine Möglichkeit sein könnten. Für viele von uns ist es eine, uns mit uns selbst zu beschäftigen – dem sollten wir uns stellen, auch wenn‘s nicht immer angenehm ist, die eigenen – auch dunkleren – Seiten auszuloten.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Literatur – Worte im Allgemeinen – geht mir sehr zu Herzen, und ist Seelennahrung. Sprache als Ausdrucksform des menschlichen Denkens berührt mich im tiefsten Inneren, daher wollte ich nie darauf verzichten. Mir fehlen Gespräche, Kontakte und analoger Austausch.
Ich bin immer wieder erstaunt, wie viele Menschen erst jetzt, da keine Kulturveranstaltungen stattfinden dürfen, erkennen, wie wichtig sie sind für den Herzschlag einer Gesellschaft. Kultur ist ein wichtiges Referenzsystem für uns Menschen an dem wir uns aufrichten, messen, an dem wir wachsen und in dem wir uns spiegeln.
Es ist still ohne Kultur. Und traurig. Und hier ist es ebenso wie in allen anderen zwischenmenschlich geprägten Bereichen: digitale Angebote können eine Überbrückung sein, niemals aber Ersatz für Live-Acts.

Daher müssen wir alles dafür tun, Kulturschaffende und ihre Institutionen zu unterstützen, durch den Kauf von Karten, Büchern vor allem aber durch die Solidarität mit jenen, die durch ihr Schaffen die Welt nun mal zu einem besseren Ort machen.

Und mein größtes diesbezügliches Anliegen ist wohl eher ein Weihnachtswunsch an das Christkind, den es der Bildungspolitik einflüstern möge: In den Bildungseinrichtungen müsste von Anfang an – also von der Elementarpädagogik bis zur Diplom- oder Reifeprüfung der Wert von Kunst und Kultur tief verankert werden – in Form der Wertigkeit und Wichtigkeit musischer Fächer, die meiner Einschätzung nach eindeutig mehr zur Persönlichkeits- und Herzensbildung – ja zur Menschwerdung – beitragen, als standardisiertes Faktenwissen dies jemals könnte. Es wird künftig wesentlich sein, sich in Bildungsdebatten für Theater, Literatur, Musik und bildende Künste ebenso stark zu machen, wie z.B. für Naturwissenschaften und Technik.

Unter dem Weihnachtsbaum wird bei mir heuer jedenfalls viel Papier zu finden sein: Gutscheine, Bücher, Konzertkarten – von österreichischen Künstler*innen, versteht sich.

Was liest Du derzeit?

Je nach Stimmung wechselnd:

Frank Berzbach: Die Schönheit der Begegnungen (2020)
Michael Lehofer: Was wir der Liebe schuldig sind (2007)
Jane Urquhart: Übermalungen (1997)
Nora Kreft: Was ist Liebe, Sokrates (2019)
Andre Heller: Zum Weinen Schön, zum Lachen bitter (2020)
Milena Agus: Eine fast perfekte Welt (2017)

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Weil’s zu dieser tristen Zeit passt und wir letztlich nur in uns selbst zu Hause sind und Halt finden können, eine Strophe von einem meiner Lieblingslieder – für mich am besten interpretiert von der Familie Lässig:

Wenn der Novemberwind deine Hoffnung verweht
Und du bist so müde (so müde) weil du nicht mehr weißt, wie’s weiter geht
Wenn dein kaltes Bett, dich nicht schlafen lässt
Halt dich an deiner Liebe fest
Halt dich an deiner Liebe fest
(Ton Steine Scherben, Songtext: Halt dich an deiner Liebe fest)

Bild_Barbara Graber

Vielen Dank für das Interview liebe Barbara, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literatur-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Barbara Graber_Autorin, Künstlerin.

Fotos_Porträt_Martin Rauchenwald Biild_Barbara Graber

DIE AUTORIN Barbara Graber wurde 1974 in Klagenfurt geboren. Sie widmet sich dem Schreiben, das für sie vor allem bedeutet, die Tiefen und Untiefen der Sprache auszuloten, seit frühester Jugend, findet Ruhe und Zuflucht in der Sprache. Die Pädagogin, Moderatorin und Supervisorin schreibt neben Lyrik auch Texte über das Leben und seine Überraschungen. Sie arbeitet mit dem Schreiben als Methode auch in Coachings und Workshops und ist ausgebildete Poesiepädagogin.

DIE TEXTE Aus dem Leben gegriffen, zu Papier gebracht und mit hohem Wiedererkennungswert für all jene, die, wie die Autorin selbst, gern hinter die Töne hinein hört und zwischen den Zeilen zu lesen vermag. Mehrdeutigkeiten und scheinbar verdeckte Zusammenhänge tun sich in der Beschäftigung mit den Texten auf und laden ein, die Spielarten der Sprache immer wieder zu erkunden und sich selbst darin zu erkennen.

Publikationen: Den Quantenraum erobern, BoD 2011 Leben eben – Wortmalerei: Gedichte Über das Leben, BoD 2012 Wortschätze 1, BoD 2015 Wortschätze 2, BoD 2015 Liebesdinge, BoD 2016

KONTAKT Seegasse 49, 9020 Klagenfurt am Wörthersee m: graber.quantenraum@gmail.vom t : +43 664 9155994 https://lassapurdir.wordpress.com/

3.12.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Die Kunst und das Spiel waren immer die treibenden Kräfte“ Evelyn Kreinecker_ Künstlerin _ Prambachkirchen/OÖ _ 6.12.2020

Liebe Evelyn, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

In den letzten Wochen hat sich dieser – aus bekannten Gründen – wieder auf den Kopf gestellt. Mein Tag beginnt um cirka 6.30 Uhr mit meiner Familie. Vormittags ist momentan eine Mischung aus Homeschooling, Coaching, Organisation, Hausarbeit und Kochen angesagt. Nach einer nachmittäglichen Pause und etwas Gartenfrischluft geht es ins Atelier. Meistens von 16 bis 22 Uhr – ich kann die Ruhe und Konzentration dort dann durchaus auch schätzen.
Es ist eine Umdrehung unseres eigentlichen Arbeitsrhythmus, aber wir haben uns gut darin eingefunden.

Evelyn Kreinecker, Künstlerin


Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Im Grunde alles, was eine Gemeinschaft, eine Gesellschaft immer schon braucht,  wir werden darauf zurückgeworfen: Zusammenhalten, Rücksicht nehmen, aufeinander Achten, Geduld mit uns selber und anderen, Augenmaß, keine Hysterie aber Vernunft, Vertrauen, Verzeihen, Solidarität, Mut, Wachsamkeit, Zivilcourage und Humor.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Film, der Kunst an sich zu?

Die Kunst und das Spiel waren immer die treibenden Kräfte, das eigentlich Notwendige für uns Menschen. Ohne Kunst wäre Menschsein ein großer Stillstand und ohne Zukunft. Ich fasse hier diese Begriffe sehr weit, denn alles Lernen, Denken, Sich Ausdrücken, Sprache, Musik, Philosophie, Glaube und die forschende Neugierde gründet und spiegelt sich darin. Immer schon und von Anfang an und daran wird sich nichts ändern.
Ich habe schon Sorge, dass unsere Gesellschaft sich dieser Wurzeln nicht genug bewusst ist und falsche Prioritäten setzt. Die Frage bleibt, welche Räume und Möglichkeiten bestehen bleiben und welche entstehen werden.

Unruhe Bewahren_ 2-teilig, Acryl, Lack, Kohle, Öl auf LW, je 80 x 80 cm_aus der Serie „Alles in Allem“ _Evelyn Kreinecker_2020

Was liest Du derzeit?

Einige Bücher und Zeitschriften liegen griffbereit aber momentan fehlt mir oft die Zeit und die Muße zu lesen. Zur Zeit sind das: „Wald“  von Doris Knecht, die Anthologie „Fragmente – die Zeit danach“, „Die Entdeckung des Hugo Cabret“ von Brian Selznick – ein sehr schönes Buch nicht nur für Kinder über die Kunst des Filmemachens.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Das Satzfragment: „Meine Unruhe möchte ich mir bewahren“ begleitet mich schon das ganze Jahr. Es ist dem Buch „Wenn ich wir sage“ von Michael Köhlmeier entnommen und ich umkreise es in ambivalenter Weise die letzten Monate. Es hat auch die Serie „Alles in allem“, die im Sommer entstanden ist, geprägt.

Vielen Dank für das Interview liebe Evelyn, viel Freude weiterhin für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Evelyn Kreinecker, Künstlerin

Evelyn Kreinecker

Foto_Kreinecker

1.12.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Das Schöne am Theater ist doch, dass Geschichten erzählt werden und diese müssen nach wie vor erzählt werden (dürfen)“ Johanna Hainz_ Schauspielerin _ Wien 6.12.2020

Liebe Johanna, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich hatte das Glück bis vor Kurzem noch das Theaterstück „Lila und Fred“ beim Theater WalTzwerk in Klagenfurt zu proben. Da gab es dann einen Live-Stream. Die echten Vorstellungen werden hoffentlich im Jänner nachgeholt.

Johanna Hainz, Schauspielerin

Lila und Fred – Theater WalTzwerk

Jetzt bin ich wieder in Wien und nachdem die Wohnung und alle Dinge die sich darin befinden aufgeräumt, geputzt und sortiert wurden, sieht mein Tag so aus:

Viel lesen, viel kochen, viel essen, viele Serien schauen, ein bisschen Sport.

Der Dackel freut sich natürlich sehr 24/7 betreut zu werden.

Lila und Fred – Theater Waltzwerk_Foto_Dominik Achatz

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Den Menschen, den Tieren und der Welt mit Wertschätzung, Respekt und Liebe zu begegnen; Geduld und Humor.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater, der Kunst an sich zu?

Das Schöne am Theater ist doch, dass Geschichten erzählt werden und diese müssen nach wie vor erzählt werden (dürfen).

Was liest Du derzeit?

Meine geniale Freundin von Elena Ferrante

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Ein Leben ohne Dackel ist möglich – aber sinnlos.

Vielen Dank für das Interview liebe Johanna, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Theater-, Schauspielprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Johanna Hainz, Schauspielerin

Fotos_Porträt_Andrea Peller _ Szenenfoto_ Dominik Achatz

30.11.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Gerade in der Subkultur sind viele dabei aufzugeben“ Bernhard Eder, Musiker _ Wien 6.12.2020

Lieber Bernhard, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Vormittags mache ich meist Homeoffice – also Organisatorisches, Förderanträge stellen und so weiter. Dann koch ich mir was Gutes, geh eine Runde spazieren und arbeite anschließend an neuen Songs oder Projekten bis abends bzw. spät in die Nacht.

Bernhard Eder, Musiker

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Positive Energie und eine gewaltige Portion Optimismus. Und es sich gut gehen lassen – ich mach mir zwei, drei Mal die Woche Apfelstrudel, das hebt die Stimmung:) Und ich höre viel Musik, mehr als je zuvor.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Schauspiel, der Musik, der Kunst an sich zu?

Die Kleinen retten sofern sie noch zu retten sind. Gerade in der Subkultur sind gerade viele dabei aufzugeben, vor allem auch im Ausland, wo oft Subventionen und Fördermaßnahmen fehlen.
Und wir müssen zusammenhalten, ein Ellbogensystem hilft niemand weiter, und es wird alles sehr dicht werden im nächsten Jahr, wahrscheinlich Herbst, wenn (hoffentlich) alles wieder einigermaßen anläuft.

Was liest Du derzeit?

Tageszeitungen, den aktuellen Rolling Stone, eine Fassung einer anstehenden Theaterproduktion und „Things the Grandchildren should know“ von Mark Oliver Everett.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Puh, das ist jetzt ziemlich klischeehaft, aber ich denke ich würde ausnahmsweise gerne mal Freddie Mercury zitieren: the Show must go on!

Vielen Dank für das Interview lieber Bernhard, viel Freude weiterhin für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Bernhard Eder_Musiker, Theatermusiker

Foto_Nadine Schachinger

1.12.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Dass Literatur und Kunst wieder Herde der Unangepasstheit werden“ Guillaume Paoli, Schriftsteller_Berlin 6.12.2020

Lieber Guillaume, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Intensives Schreiben (was nicht „quantitativ viel“, sondern „konzentriert“ bedeutet). So tun, als ob ich mir das Lockdown freiwillig auferlegt hätte. Die Verlockung der Öffentlichkeit bleibt eh aus. Ansonsten ganz banal:  Kochen. Mich mit einem Freund oder einer Freundin für einen Spaziergang oder ein Essen verabreden. Videos schauen. Musik hören.

Guillaume Paoli, Schriftsteller

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Die Einsicht in die Notwendigkeit (die Notwendigkeit der fundierten Negation miteinbezogen). Also Ruhe bewahren und wachsam bleiben. Die Dinge schätzen zu lernen, die momentan fehlen – all die physischen, sinnlichen sozialen Kontakte­ –, aber auch das Fehlen mancher Dinge zu genießen, sprich: die reduzierten Zwangshandlungen des Alltags.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Die kommenden Auseinandersetzungen werden sich um die Frage der Anpassung drehen. Soll man sich an einer immer bedrohlicheren Umwelt anpassen, oder muss diese nach unseren Bedürfnissen umgeformt werden? Wie, von wem und zu welchem Zweck werden Anpassungsmaßnahmen ergriffen? In diesem Kontext wollen wir hoffen, dass Literatur und Kunst das wieder werden, was sie leider nicht mehr sind, nämlich Herde der Unangepasstheit. 

Was liest Du derzeit?

Wenn ich wie jetzt in einer Schreibphase bin, greife ich querbeet auf alle möglichen Quellen zu, hier ein paar Seiten, da eine Stelle. Oft bringen total fremde Texte oder banale Meldungen auf die richtige Idee zum richtigen Zeitpunkt.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Dass es ‚so weiter‘ geht, ist die Katastrophe. Sie ist nicht das jeweils Bevorstehende, sondern das jeweils Gegebene. Die Rettung hält sich an den kleinen Sprung in der kontinuierlichen Katastrophe.

(Walter Benjamin)

Vielen Dank für das Interview lieber Guillaume, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Guillaume Paoli, Schriftsteller 

guillaumepaoli.de

Foto_Renate Koßmann

25.11.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Denn was die Welt von uns braucht, ist unsere Liebe – nicht unsere Angst“ Judith Döker, Autorin _ Berlin 6.12.2020

Liebe Judith, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Wenn ich keine Termine habe, was im Moment meistens der Fall ist, nutze ich den Morgen, um in Ruhe meinen Tee zu trinken und innerlich in den Frieden zu kommen. Das gibt mir sehr viel Kraft und positive Energie für den Tag. Danach setze ich mich an den Schreibtisch und mache das, was gerade ansteht. Im Moment plane ich die Fotoausstellung für mein Langzeit-Projekt „Drei Fragen: Glück“, die ab nächsten Sommer im LVR-LandesMuseum Bonn zu sehen sein wird.

Judith Döker, Autorin _Foto_Markus C.Hurek

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Das Gefühl von Hoffnung und Lebensfreude in uns aufzurufen, um es dann mit anderen Menschen zu teilen. Gerade in herausfordernden Zeiten ist es so wichtig, dass wir uns innerlich immer wieder auf das fokussieren, was unsere Lebenskraft stärkt – und nicht, was sie schwächt. Denn im Tunnel der Angst und der Sorge kann man die guten Möglichkeiten gar nicht erkennen, die einem das Leben auch immer anbietet.

Dazu fällt mir ein Beispiel ein, das mich sehr geprägt hat. 2018 traf ich während einer Syrienreise einen älteren Mann, der sehr emotional vom Tod seines Sohnes erzählte, den er im Krieg verloren hatte. Wenig später, beim gemeinsamen Essen, lachte er wieder laut und befreit und ich fragte ihn, woraus er seine Lebensfreude schöpft. Seine Antwort: „Es gibt so viel, wofür ich dankbar bin. Für das Essen auf meinem Teller, den Tee in meiner Tasse, für die gute Gesellschaft. Ich möchte mein Leben in vollen Zügen genießen – trotz allem.“

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Insbesondere von der Filmbranche wünsche ich mir, dass sie sich viel stärker auf Utopien statt auf die üblichen dystopischen Geschichten fokussiert. Der politische Philosoph Jean-Claude Michéa sagte einmal: „Für viele Leute ist es heute einfacher, sich das Ende der Welt vorzustellen als das Ende des Kapitalismus.“ Das glaube ich auch. Deshalb: Wir brauchen dringend visionäre Geschichten, wie Gesellschaft auch friedlich gelebt werden kann, ohne Raubbau an Mensch, Tier und Natur zu betreiben. Dieser gesellschaftliche Wandel kann aber nur stattfinden, wenn er mit einem Bewusstseinswandel einhergeht. Und hier ist jede*r einzelne von uns gefragt. Denn was die Welt von uns braucht, ist unsere Liebe – nicht unsere Angst.

Was liest Du derzeit?

Ich lese gerade „Das zweite konvivialistische Minifest – Für eine post-neoliberale Welt“, das von fast 300 Wissenschafter*innen, Intellektuellen und Aktivist*innen unterschrieben wurde und mir Grund zur Hoffnung gibt. Denn als zentraler Aspekt für eine „bessere Welt“ wird die Überwindung aller Formen menschlicher Hybris benannt. Das bedeutet: Nur wenn ich bereit bin, mich zu verändern, kann sich auch die Welt verändern.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Was immer der gegenwärtige Moment enthält, nimm es an, als hättest du es selbst gewählt. Gehe mit, gehe nicht dagegen an. Mache den Moment zu deinem Freund und Verbündeten, nicht zu deinem Feind. Das wird auf wundersame Weise dein ganzes Leben verwandeln.“ Eckhart Tolle aus „Jetzt! Die Kraft der Gegenwart“.

Vielen Dank für das Interview liebe Judith, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Buch-, Austellungsprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Judith Döker, Schriftstellerin

Kurzbiografie

Judith Döker ist Buchautorin, Fotografin, Schauspielerin und Filmemacherin. 2012 zog sie für zwei Jahre in die indische Metropole Mumbai. Die Zeit auf dem Subkontinent änderte aber nicht nur ihr Leben, sondern auch ihren Blick auf die Welt – und damit ihr berufliches Schaffen. Ihre Fotografien aus Syrien, Pakistan, Iran, Libanon, Kolumbien und Indien wurden international ausgestellt und bei den renommierten „International Photography Awards“ in New York mit einer Honorable Mention ausgezeichnet. Die fotoPRO betitelte sie in einem Feature  als „Die Friedensreporterin“. Ihr fortlaufendes Projekt „Drei Fragen: Glück“ wird ab Sommer 2021 als Fotoausstellung im LVR-LandesMuseum Bonn zu sehen sein.

Mehr Infos: www.judith-doeker.de // www.drei-fragen-glueck.de

3.12.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Ganz allgemein stünde eine gerechtere Verteilung von allem dringend an“ Dominika Meindl, Schriftstellerin_Linz 6.12.2020

Liebe Dominika, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Deutlich entspannter, da mir fast alle Abendtermine wegfallen – die Entspannung verdankt sich aber auch nur dem Fleiß der Monate zuvor und der Unterstützung aus dem Härtefonds. Schönster Unterschied: Ich komme jetzt zweimal in der Woche zum Wandern.

Dominika Meindl, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Kühle Köpfe bewahren. Das Beste aus der Lage machen – also lesen, aufräumen, lesen, schreiben, lesen und schauen, was die Menschen rund um einen brauchen könnten. Dann wieder lesen und nach Möglichkeit die Nähe von Bergen suchen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Kunst, und Literatur im Speziellen bieten schon seit Jahrtausenden Ideen für den gesellschaftlichen Neubeginn an. Man müsst’s halt einmal alles lesen und konzentriert durchdenken! Ganz allgemein stünde eine gerechtere Verteilung von allem dringend an – Bildung und Soziales vertragen die zig Milliarden, die jetzt in Autobahnasfalt oder in Offshore-Gambling versenkt werden. gern darf’s für Kunst und Kultur ein ordentliches Stück mehr sein: Stichwort „Gedanken für den Aufbruch“.

Was liest Du derzeit?

Marlen Haushofer, „Die Wand“ – ich hab das Buch als Jugendliche zuletzt gelesen und war damals schon beeindruckt. Jetzt, wo ich 42 bin und schon ein wenig besser weiß, was Liebe und Verantwortung und Verlust bedeuten, ist mir der Text wirklich unter die Haut gegangen. Für die Arbeit beim „Falter“: Alles von mir“ von Christina Maria Landerl; „Waltauchen“ von David Bröderbauer und „Die Doderer-Gasse“ von Nadja Bucher. Letzteres war ein willkommener Kontrast zum Ernst der „Wand“.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

1. Die Einleitung zu meinem aktuellen Projekt „Die Regressionsdisko“ – die dabei entstandene Sammlung umfasst Texte von schreibenden Menschen, die ich mag: https://regressionsdisko.blogspot.com/

Rückzug ins Corona-Biedermeier? Endlich Natursauerteig backen, die Vinylsammlung neu ordnen, im Manufactum-Katalog Zirbenvaporisierer bestellen und die Vintage-Nierentische mit Bio-Macadamia-Öl einlassen? Pünktlich um 18 Uhr auf den Balkon (fehlen hier nicht noch Korianderpflanzen?), um den Heldinnen und Systemerhaltern mit einem herzlichen Applaus die Solidarität kundzutun? Was ist daran bitte falsch?

Alles! So wird das nichts mit der Revolution. Rückzug ja, Reaktion nein! Stattdessen bündeln wir die Kraft der Regression. Ausgewählte Menschen erzählen von einem Tag, an dem alles noch so ist, wie es nie war.“

Wichtiger das zweite Zitat, aus „Die Wand“: „Es gibt keinen Ausweg, denn solange es im Wald ein Geschöpf gibt, das ich lieben könnte, werde ich es tun; und wenn es einmal wirklich nichts mehr gibt, werde ich aufhören zu leben.“

Vielen Dank für das Interview liebe Dominika, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Dominika Meindl_Schriftstellerin

https://www.jku.at/kepler-salon/menschen/dominika-meindl/

Foto_Zoe Goldstein

7.11.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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