„Die Welt der Musik – Auftrittsverbot hin oder her – hört niemals auf“ Thomas Hechenberger, Gitarrist _ Wien 7.12.2020

Lieber Thomas, wie sieht Dein Tagesablauf aus?

Da ich neben meiner rein musikalischen Tätigkeit auch Dozent an einer Privatuniversität bin, sind Montage und Dienstage für Vorlesungen und Einzelunterricht, im Moment natürlich online, reserviert.

Ab Mittwoch beginne ich den Tag entweder mit der Erledigung geschäftlicher Dinge, wenn welche anstehen (Mailverkehr, Zahlungen,…) oder kann sofort meinem Beruf nachgehen, das heißt nicht nur – aber auch in Corona Zeiten: Songs komponieren, arrangieren und in meinem kleinen Recordingstudio aufnehmen, oftmals auch für andere KünstlerInnen. Gerade am Vormittag sind die Ohren und der Geist noch frisch, eine Aufnahme dauert dann aber doch meist bis in die Abendstunden. Gibt es keine Deadline zur Abgabe, nütze ich den Nachmittag auch zum Üben, je nachdem, ob ich kompositions-, arrangier- oder recordingtechnisch gerade im Flow bin, oder nicht.

Der Abend – zumindest ab 20 Uhr – gehört aber der Freizeit. Die verbringe ich gerne lesenderweise.

Thomas Hechenberger_Gitarrist, Musiker

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich glaube die Zauberformel heisst „Aktiv bleiben“. Die Welt der Musik ist unendlich groß, es gibt, einem Forscher gleich, so vieles zu entdecken, das hört – Auftrittsverbot hin oder her – niemals auf. Diese Neugier, dieses Feuer für den Beruf, für die Sache, ist die eigentliche Triebfeder, warum ich Musiker geworden bin. Das lässt sich natürlich nur so lange bewerkstelligen, solange man auch ökonomisch abgesichert ist, denn sonst überlagern Existenzängste jegliche Form der Neugier, des Forschergeistes, der Kreativität.

Sozioökonomisch ist es wichtig, dass sich Musiker, auch wenn sie einer künstlerischen Tätigkeit nachgehen, als Unternehmer verstehen. Ein grosses Problem sehe ich da gerade im Versuch, aus Angst nicht präsent zu sein, gratis Online Konzerte zu veranstalten und damit den Marktwert eines Musikers, eines Konzertes, für das komponiert, arrangiert, geprobt, jahrelang geübt wird, zu untergraben. Daraus ergibt sich die Sorge, dass sich der Verdienst nach Beendigung der Krise, nach unten nivellieren wird.

Dabei sollten aber die Bemühungen der ökonomischen Verwertung nicht der Kreativität im Wege stehen, das ist die grosse Kunst. Wenn 90% meiner Zeit für social media und nur 10% für den künstlerischen Inhalt verwendet werden, wird sich die künstlerische Progressivität in Grenzen halten.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?

Zum einen hat die Kunst an sich die Chance und das Privileg, auf gesamtgesellschaftliche Parameter in einer abstrakten Form hinzuweisen oder sie darzustellen. Dabei muss sie sich nicht wissenschaftlichen Parametern unterwerfen und kann eben andere Kommunikationsmittel wählen und sie verknüpfen, die über Worte und Zahlen hinausgehen. Damit ist sie in der Lage auch emotionale Verknüpfungen bei Menschen herzustellen. Gerade in Anbetracht dessen kann Kunst und insbesondere die Musik der Verständigung auch unterschiedlicher Gesinnungen, Meinungen, Herkünfte dienlich sein. Das Gemeinsame über das Trennende zu stellen ist etwas, das Musik vermag und zwar auf einer emotionalen Ebene.

Zum anderen wird es notwendig sein, dies weiterhin hör und sichtbar zu machen und zu verwerten, Inhalte bestmöglich zu verbreiten, da sonst der/die Musiker/in ökonomisch nicht mehr von dieser Arbeit leben kann und es zum Hobby wird.

Was liest du derzeit?

Ich bin während des zweiten Lockdowns tatsächlich etwas in die Lektüre des „Falters“ reingekippt, die Woche ist damit recht gut ausgefüllt.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Gerade in Zeiten wie diesen, aber auch sonst gilt für mich: Aktiv bleiben, neugierig bleiben. Und versuche stets, das Gemeinsame vor das Trennende zu stellen.

Thomas Hechenberger, Gittarist/Musiker _ Josh Tour 2019, Dortmund_Foto_Daniel Wesely.

Vielen Dank für das Interview lieber Thomas, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Thomas Hechenberger_Gitarrist, Musiker

Thomas Hechenberger | Jam Music Lab University

Josh. (joshsmusik.at)

Waldeck | Grand Casino Hotel

http://www.hfb.at

Fotos_1,2 _privat. 3_Daniel Wesely.

5.12.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s