„Ich wünsche mir Lust seinem Inneren zu begegnen und damit sich selbst und andere zu überraschen“ Katharina Ingrid Godler, Schriftstellerin _ Klagenfurt _ 7.12.2020

Liebe Katharina, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich stehe meistens um sieben Uhr auf, setze mich mit der ersten Tasse Tee in den Fauteuil, blicke aus dem Fenster, lese, höre die Krähen und wie der Nachbar mit der Quietschkurbel die Rollos aufzieht (fast immer um halb acht), die Nase im Buch, dann schreibe ich ein bis zwei Stunden.

Danach drehe ich das Radio auf, heize den Kachelofen ein, hole die Zeitung, bereite mir noch einen Tee, esse Porridge, drehe das Radio wieder ab, lese Zeitung. Manchmal gibt‘s dann noch einen dritten Tee. Dann Duschen und Zähneputzen, dann Computerarbeit (Administratives, Emails). Am Restvormittag Abtippen der Schreibarbeit der Vortage. Später Mittagessen, Spazierengehen und dann wieder Abtippen, Texte überarbeiten, lesen. Jeden zweiten Spätnachmittag Yoga. Am Abend „The Crown“ oder „The Queen‘s Gambit“ schauen.

Katharina Ingrid Godler, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

„Für uns alle“ möchte ich die Frage nicht beantworten. Die Bedürfnisse jedes einzelnen sind individuell verschieden. Da hilft es nicht, wenn ich eine von außen definierte Wichtigkeit übernehme und uns allen überstülpe.

Viel wichtiger ist es, dass wir uns nicht zu stark an dem orientieren, was andere sagen.

Was mir persönlich aktuell fehlt, sind Dinge wie Spontanität, Veränderung, Bewegung und Entwicklung. Ich wünsche mir Lust. Lust, seinem Inneren zu begegnen und damit sich selbst und andere zu überraschen. Nur dann kann etwas in Gang gebracht werden.

Doch! Jetzt fällt mir eine Sache ein, die für uns alle wichtig ist (insbesondere für die Geldsäcke da draußen): Reduktion.

Man braucht nicht so viel zum Leben. Auch Glück ist überbewertet. Es geht darum, weiterzumachen, weiterzuschreiben, weiterzuwachsen und nicht stehen zu bleiben und zu verharren.

Oder wie Greta Thunberg sagt: „No matter what, we need to continue.“

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Die Kunst übernimmt die Rolle, die sie immer übernimmt. Ihre Aufgabe ist es, uns wachzurütteln, uns anzuspornen, für jeden/jede, der/die sich ihr zuwendet, da zu sein.

Kunst wird, denke ich, wieder viel zum Reisen einladen, zum Eintauchen in andere Welten und Kulturen, weil die Bewegungsfreiheit zurzeit eingeschränkt ist und auch in Zukunft bleiben wird, was gut ist, weil wir in den letzten Jahren und Jahrzehnten genug herumgeflogen sind. Ein nachhaltiges Kopfkino also.

Was liest Du derzeit?

Peter Handke – Der Bildverlust

Marieke Lucas Rijneveld – Was man sät (Sehr empfehlenswert! Gute Lektüre für trübe, nebelige Tage!)

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Zitronenfalter, Weltverwalter“ (Peter Handke – Gestern unterwegs)

Vielen Dank für das Interview liebe Katharina, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Katharina Ingrid Godler, Schriftstellerin

Foto_Martin Fillafer

5.12.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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