„Ganz allgemein stünde eine gerechtere Verteilung von allem dringend an“ Dominika Meindl, Schriftstellerin_Linz 6.12.2020

Liebe Dominika, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Deutlich entspannter, da mir fast alle Abendtermine wegfallen – die Entspannung verdankt sich aber auch nur dem Fleiß der Monate zuvor und der Unterstützung aus dem Härtefonds. Schönster Unterschied: Ich komme jetzt zweimal in der Woche zum Wandern.

Dominika Meindl, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Kühle Köpfe bewahren. Das Beste aus der Lage machen – also lesen, aufräumen, lesen, schreiben, lesen und schauen, was die Menschen rund um einen brauchen könnten. Dann wieder lesen und nach Möglichkeit die Nähe von Bergen suchen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Kunst, und Literatur im Speziellen bieten schon seit Jahrtausenden Ideen für den gesellschaftlichen Neubeginn an. Man müsst’s halt einmal alles lesen und konzentriert durchdenken! Ganz allgemein stünde eine gerechtere Verteilung von allem dringend an – Bildung und Soziales vertragen die zig Milliarden, die jetzt in Autobahnasfalt oder in Offshore-Gambling versenkt werden. gern darf’s für Kunst und Kultur ein ordentliches Stück mehr sein: Stichwort „Gedanken für den Aufbruch“.

Was liest Du derzeit?

Marlen Haushofer, „Die Wand“ – ich hab das Buch als Jugendliche zuletzt gelesen und war damals schon beeindruckt. Jetzt, wo ich 42 bin und schon ein wenig besser weiß, was Liebe und Verantwortung und Verlust bedeuten, ist mir der Text wirklich unter die Haut gegangen. Für die Arbeit beim „Falter“: Alles von mir“ von Christina Maria Landerl; „Waltauchen“ von David Bröderbauer und „Die Doderer-Gasse“ von Nadja Bucher. Letzteres war ein willkommener Kontrast zum Ernst der „Wand“.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

1. Die Einleitung zu meinem aktuellen Projekt „Die Regressionsdisko“ – die dabei entstandene Sammlung umfasst Texte von schreibenden Menschen, die ich mag: https://regressionsdisko.blogspot.com/

Rückzug ins Corona-Biedermeier? Endlich Natursauerteig backen, die Vinylsammlung neu ordnen, im Manufactum-Katalog Zirbenvaporisierer bestellen und die Vintage-Nierentische mit Bio-Macadamia-Öl einlassen? Pünktlich um 18 Uhr auf den Balkon (fehlen hier nicht noch Korianderpflanzen?), um den Heldinnen und Systemerhaltern mit einem herzlichen Applaus die Solidarität kundzutun? Was ist daran bitte falsch?

Alles! So wird das nichts mit der Revolution. Rückzug ja, Reaktion nein! Stattdessen bündeln wir die Kraft der Regression. Ausgewählte Menschen erzählen von einem Tag, an dem alles noch so ist, wie es nie war.“

Wichtiger das zweite Zitat, aus „Die Wand“: „Es gibt keinen Ausweg, denn solange es im Wald ein Geschöpf gibt, das ich lieben könnte, werde ich es tun; und wenn es einmal wirklich nichts mehr gibt, werde ich aufhören zu leben.“

Vielen Dank für das Interview liebe Dominika, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Dominika Meindl_Schriftstellerin

https://www.jku.at/kepler-salon/menschen/dominika-meindl/

Foto_Zoe Goldstein

7.11.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s