„Wir werden uns verändert haben, manche werden reicher, viele wohl ärmer geworden sein“ Patrick Wilden, Schriftsteller _ Dresden, 21.12.2020

Lieber Patrick, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Er ändert sich gerade. Die Bibliothek, in der ich mehrere Tage pro Woche jobbe, schließt für mindestens vier Wochen ihre Pforten, so dass ich mir über Weihnachten viel Zeit zum Schreiben nehmen kann. Aber schon der erste Lockdown hat mir gezeigt, dass es in dieser Situation um meine innere Ruhe nicht sehr gut bestellt ist.

Da ich vor allem Lyrik schreibe, bin ich eher an eine erratische Arbeitsweise gewöhnt, notiere mir Gedichtentwürfe auch mal vor dem Einschlafen oder vor dem Aufstehen, oft schreibe ich noch nach dem Abendessen Texte ins Reine oder schaue mir – eine Corona-Neuerung – Youtube-Videos von Lesungen und dergleichen an. Die Lockdown-Situation eröffnet auch Möglichkeiten, größere Projekte, Rezensionen, essayistische Blog-Einträge ins „C-Tagebuch“ oder auch mal ein Prosastück anzugehen. Teetrinken und lesen, spazieren und (viel nerviger) einkaufen gehen, gelegentlich am Klavier sitzen – das alles ist unbedingt nötig. Glücklicherweise wohnt meine Lebensgefährtin in einer Stadt in der Nähe, so dass ich auch in strengen Lockdown-Zeiten gelegentlich einen Tapetenwechsel haben kann.

Patrick Wilden, Schriftsteller

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Nicht die Geduld zu verlieren. Den Humor zu bewahren und uns selbst nicht für das Wichtigste auf Erden zu halten. Vielleicht auch ein bißchen dankbar für das zu sein, was wir in diesem ausgebremsten Sommer angesichts der schwierigen Umstände dennoch haben konnten. Ich erinnere mich zum Beispiel, wie ich Anfang Juni einen Open-Air-„Buchsalon“ besuchte: Plötzlich saßen da wieder Menschen und lauschten aufmerksam einer Lesung, einer Diskussion über Bücher. Ich sah erstaunlich viele Autorinnen und Autoren im Publikum, und hinterher gab es ein großes Hallo, ich habe mich selten so impulsiv und erleichtert über Literatur unterhalten. Die Bauchnabelperspektive ist nicht, was wir jetzt brauchen.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Ich bin mir nicht sicher, ob es diesen Aufbruch wirklich geben wird. Unter den Kollegen in der Bibliothek etwa wird die Stimmung gereizter, der offene Protest wird auch bei harten Maßnahmen spürbar bleiben. So lange mache ich mir durchaus Sorgen um den sozialen Zusammenhalt. Das Virus im Kopf verschwindet nicht so schnell. Ich vermute, daß wir, sobald die Pandemie mit den dann zu Gebote stehenden Mitteln allmählich zurückgedrängt ist, erst einmal verdutzt aus der Wäsche gucken, dann aber schnell wieder in unsere alten Gewohnheiten zurückverfallen werden. In ein paar Monaten, wenn der Impfpass wieder Grenzen, Konzerthäuser und Theater öffnet, wird sich niemand mehr gerne an die Zeit der jetzigen Beschränkungen erinnern wollen. Wir werden uns verändert haben, manche werden reicher, viele wohl ärmer geworden sein.

Die Schreibenden, die Kunstschaffenden überhaupt werden trotz des Maulkorbs, den der Kulturbereich mal wieder als erster verpaßt bekommen hat, diese Prozesse kritisch begleiten, werden wie immer das Schmiermittel liefern, um es so arg nicht werden zu lassen. Das ist sogar jetzt spürbar, da viele um ihre Existenz kämpfen müssen und Lesungen, Konzerte, ja sogar Kunst-Events zwangsweise in den digitalen Sandkasten abgewandert sind. An diesem Punkt möchte ich einhaken und bemerken, wie gut es sich für mich anfühlt, auch einen kleinen Beitrag dazu zu leisten. Und welche Verantwortung wir damit haben.

Was liest Du derzeit?

„Problemwolf“, den eigentümlich witzig-traurigen Auswahlband der niederländischen Lyrikerin und Künstlerin Maria Barnas, und, ganz anders, aber irgendwie passend, zum zweiten Mal „Wilde Tiere“ des lettischen Dichters Krišjānis Zeļģis. Eben neu auf den aktiven Stapel gekommen ist „Gesang vor Türen“, der Erstlingsroman von Bernd Lüttgerding.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Wenn ich gefragt werde,
warum ich Gedichte schreibe,
spreche ich von der Gleichgültigkeit der Natur.“

Lisel Mueller

(deutschstämmige US-Dichterin und Übersetzerin, 1924–2020)

Vielen Dank für das Interview lieber Patrick, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

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Patrick Wilden, Schriftsteller

Foto_Dirk Skiba

11.12.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Vita activa oder vom tätigen Leben“ – „Über die Revolution“, Hannah Arendt, Neuedition Piper Verlag.

„Vita activa oder vom tätigen Leben“ – „Über die Revolution“, Hannah Arendt, Neuedition Piper Verlag.

Neuedition _ Piper Verlag

„Vita activa“ – Es ist eine Zeit im Umbruch nach dem II.Weltkrieg als die Philosophin Hannah Arendt (1906 -1975) ihre Reflexionen und Gedanken zu Tätigkeit, Sinn und Veränderung formuliert. Sie tut dies in Vorlesungen wie im wissenschaftlichen Diskurs und Gespräch. Es ist ein Dialog, den sie mit Mensch und Zeit führen will, um an die Mitte von Lebensgestaltung in Intention und Inspiration zu gelangen.

Dabei geht es nicht um Metaphysik und Weltentstehung, Universum und Erkenntnis, sondern um den Prozess von Mensch und Gesellschaft in Arbeit, Produktion und Erfüllung. Arendt nimmt dabei philosophische Konzeptionen und Entwürfe der Antike bis in die Gegenwart auf und thematisiert diese für die Mensch und Zukunft.

Die Kapitel des Buches selbst sind in Paragraphen gegliedert und verweisen so auf den Anspruch von Vernunft und Erkenntnis im täglichen Leben. Es ist somit gleichsam Inspiration und Wegweiser zu einem „tätigen Leben“ in Freiheit, Verantwortung und Würde.

Neuedition _ Piper Verlag

„Über die Revolution“ – Zeit und Jahrhunderte sind von Veränderungen und Herausforderungen für Mensch und Gesellschaft geprägt. Denken und Entscheiden sind wesentliche Parameter dazu. Die Wege von Entscheidung können aber politisch auch dramatische Folgen wie jene eines Krieges haben. Ebenso gibt es revolutionäre Entwicklungen, die gesellschaftliche Umbrüche in der Geschichte der Menschheit herbeiführten und ihre Nachwirkungen zeigten. Was haben Revolutionen bewirkt? Welche Formen gibt es? Was können wir heute daraus lernen? Diesen Fragen folgt Hannah Arendt in historischer Sachkenntnis wie philosophischer Schärfe.

„Eine Neuedition der Werke Hannah Arendts, die nicht besser zu Zeit und Herausforderung der Gegenwart passen könnte“

Walter Pobaschnig 12_20

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„Kunst kann Orientierung geben, das Leben bereichern und Hoffnungen spiegeln“ Karin Czermak, Künstlerin _ Waldegg/NÖ 20.12.2020

Liebe Karin, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Wirrwarr prägt meinen Tagesablauf, eine sich konstant ändernde Routine. Wir haben zwei Schulkinder und ein Kindergartenkind. Durch die Schule vorgegebene Fixpunkte sind einmal da, dann wieder weg.  Wir jonglieren mit sich laufend ändernden Rahmenbedingungen. Die Herausforderung für mich ist, Prioritäten so zu setzen, dass sich alle Termine, Aufgaben, Wünsche und Bedürfnisse vereinbaren lassen und ich dabei auch genug Zeit für meine kreative Tätigkeit finde. Im Moment gibt es wieder mehr Struktur, da die Kinder am Vormittag außer Haus sind. Diese Zeit nütze ich für meine Lehrtätigkeit und meine Arbeit im Atelier. Am Nachmittag, wenn alle Arbeiten für die Schule erledigt sind, bin ich gerne mit meinem Skizzenblock im Wald hinterm Haus unterwegs. Pleinairzeichnen ist ein wichtiger Ausgleich für mich geworden!

Karin Czermak, Künstlerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Flexibilität, die es uns ermöglicht, sich auf ändernde Rahmenbedingungen einzustellen und handlungsfähig zu bleiben.

CZERMAK_Green Cube Installation_2020

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?

Mit drei Kindern zu Hause, ist mein Fokus natürlich auch auf deren Wohlergehen gerichtet. So ist es für mich persönlich wesentlich, meinen Kindern einen positiven/angstfreien Weg in die Zukunft zu ermöglichen. Eine Zukunft, in der soziale Interaktionen wieder Normalität sein können. Ohne Frage, die Möglichkeit, Kommunikation in den virtuellen Raum zu verlegen, hat dazu beigetragen, das Gefühl von Isolation abzuschwächen. Doch ersetzen kann ein Call den Besuch bei den Großeltern nicht.

The Fading | Autumn Series | 120 x 100 cm | Acryl, Öl, Pastel auf Leinwand, 2020

Auch für meine künstlerische Tätigkeit bin ich auf virtuelle Präsentationsflächen ausgewichen und habe erstmals an online Ausstellungen teilgenommen bzw. eigene organisiert. Ich bin jedoch der Meinung, dass das analoge Begehen einer Ausstellung dadurch nicht ersetzt werden kann. Durch das Bespielen eines virtuellen Ausstellungsraumes werden aber andere Möglichkeiten eröffnet. So lassen sich nicht bloß internationale Ausstellungsbeteiligungen leichter umsetzen, der virtuelle Raum, kann auch von vielen Ländern aus betreten werden.

CZERMAK Pleinair Studio | Schneebergland

Kunst ist in ihrem jeweiligen historischen Kontext eingebunden. Sie kann soziale Hoffnungen spiegeln, politische Ansprüche konterkarieren, Orientierung geben und das Leben bereichern. Ich glaube, die Rolle der Kunst ist facettenreich und wird es bleiben.

Landlines #13 | 56 x 42 cm | Acrylic and pastels on paper | 2020

Was liest Du derzeit?

Mein Lesestoff ist zurzeit sehr kinderlastig. Ich lese Kinderbücher vor. Da sind Drachen gerade die beliebtesten Helden – ganz ehrlich: Ich mag sie auch!  Im Moment lesen wir „Die geheime Drachenschule“ von Emily Skye und Pascal Nöldner.

Ansonsten blättere ich immer gerne in aktuellen Kunstzeitschriften.

Wieder hervorgeholt habe ich auch Nigel Frederick Barley’s „The Innocent Anthropologist“. Ich vermisse das Reisen.

Welches Zitat, Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ —  Antoine de Saint-Exupéry, Der kleine Prinz

Vielen Dank für das Interview liebe Karin, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Kunstprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Karin Czermak, Künstlerin

http://www.karinczermak.com

Alle Fotos_Karin Czermak.

12.12.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Für mich ist das Weitermachen entscheidend, die Arbeit, der Rhythmus“ Peter Neumann, Schriftsteller_ Berlin, 20.12.2020

Lieber Peter, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Um ehrlich zu sein: nicht anders als vorher. (Der regelmäßige Gang in die Bibliothek fällt weg, aber der Rhythmus ist geblieben.) Ich arbeite in drei Einheiten: vormittags Arbeit am Buch, nachmittags Orga und Kram, abends Lektüre, Abseitiges, Querverbindendes. Dazwischen gehe ich viel Laufen, der Rücken, der Rücken (doch etwas Neues; don’t know, was ich ohne den Schlosspark Charlottenburg täte). Am Montag und Dienstag kommen die beiden Seminare dazu, die ich an der Universität Oldenburg gebe: „Methoden der Philosophiegeschichtsschreibung“ und „Philosophie der Landschaft“. Eigentlich müsste ich in Oldenburg sein. Und natürlich ist es ein Vorteil, nicht pendeln zu müssen. Aber mir fehlt der Kontakt zu den Kommiliton*innen. Gerade in der Philosophie, die vom gemeinsamen Gespräch, der geteilten Aufmerksamkeit, lebt, lässt sich der Präsenzunterricht kaum kompensieren.

Peter Neumann, Schriftsteller

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Das kann ich nicht beantworten. Ich kann nur für mich sprechen. Für mich ist das Weitermachen entscheidend, die Arbeit, der Rhythmus, wozu natürlich auch das Lesen gehört. Unbedingt. Das Lesen ist eine ständige Erinnerung an die Pflicht, die ich gegenüber meinem Beruf, meiner Tätigkeit als Schriftsteller habe.

Ansonsten (more than ever): Liebe, Freundschaft, Solidarität.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Ich weiß nicht, ob wir vor einem Neubeginn stehen. Schön wär’s, vielleicht! Aber der Sommer hat auch gezeigt, dass alte Verhaltensmuster stark sind und schneller zurück sein können, als den meisten von uns lieb ist. Ich habe den Ausbruch der Corona-Pandemie in Venedig erlebt. Für mich war das ein einschneidendes Erlebnis. Die leere Stadt, erst der Mut, der Stolz, dann die Traurigkeit der Menschen. In Deutschland wollte damals (Mitte Februar) noch niemand aus seiner comfort zone heraus. (Ein Virus, in Deutschland, bei uns, niemals!) Literatur ist Arbeit an der Form. Und diese Form hat gerade ungeheuer viel und ausgesprochen aggressives Material zu bewältigen.

Was liest Du derzeit?

Wenn ich das selbst so genau wüsste. Ich lese und durchkämme vor allem Recherchematerial, das ich für mein Buch brauche, ein Längsschnitt durch die Erfahrungsgeschichten des 20. Jahrhunderts. Gerade stecke ich im Winter 1949/50: Hannah Arendt kehrt im Auftrag der Jewish Cultural Reconstruction zum ersten Mal nach dem Krieg wieder nach Deutschland zurück und findet ein verducktes statt Schuld begreifendes Volk vor – eine Spurensuche beginnt.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Benjamin zitiert in seinem Kafka-Essay ein Wort, das von Max Brod überliefert ist. Auf die Frage, ob die Welt ein Sündenfall oder nur eine schlechte Laune Gottes sei, ein schlechter Tag, ja, was es angesichts des heutigen Europas und des Verfalls der Menschheit überhaupt zu hoffen gebe, soll Kafka geantwortet haben: „Oh, Hoffnung genug, unendlich viel Hoffnung – nur nicht für uns.“

Vielen Dank für das Interview lieber Peter, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

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Peter Neumann_Schriftsteller

Foto_Dirk Skiba

10.12.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Vienna Calling – Der Alarm ist rot“ Lola Lindenbaum, Künstlerin_Station bei Theophil Hansen_Wien _ 18.12.2020

„Two, one, zero, der Alarm ist rot Wien in Not….“

Lola Lindenbaum, Künstlerin _ Kempinski Vienna_Hotel_Palais Hansen _Wien

Hello, oho, Vienna calling

Hello, oho, Vienna calling…“

Lait maternel, 120x160cm, 2020, Öl, Acryl, Ölkreide, Asche auf Leinwand _ Lola Lindenbaum

Theophil, allein schon der Name klingt nach Großem….nach Weltgewandtheit, nach Tiefe.

Nomen ist omen – Theophil Hansen, der in Kopenhagen geboren wurde, lebte zw. 1837 und 1846 in Athen, ehe es ihn nach Wien verschlug. Die byzantinischen Einflüsse ziehen sich auch durch sein umfassendes architektonisches Oevre, wobei seine Bauweise zu Beginn von der Spätromantik und später v. der Renaissance geprägt war. Er war der prägende Architekt der Ringstraßenarchitektur.

Hansen persönlich nannte seine Bauweise „Wiener Stil“. Dabei war jedes Detail – hauptsächlich im Inneren – sichtbar genau geplant, was das jeweilige Bauwerk zu einem einheitlichen Gesamtkunstwerk machte. 

Love Story, 80×100, Öl und Ölkreide sowie Collagenelemente a. Leinwand, 2020.

Erstaunlich ist die universelle, unvergängliche Schönheit seiner Bauwerke. Seine Bauten leben von der kohärenten Beziehung aller Elemente, wobei man erahnen kann, welche Mühe es gekostet hat, sie zu errichten. Wie viele Generationen bereits diese bewohnt, besucht oder bestaunt haben und nichts haben sie an Glanz und Glamour verloren. Der Weg durch die Zeiten – „Wien, nur Wien du kennst mich up, kennst mich down….“ all dies kann dem Ringstraßenpalais nichts anhaben, die Resilienz des Mauerwerks lässt die Stadt unbeeindruckt und souverän erstrahlen.

Die Antithese wird bedungen,80×100,Collage, Acryl,Öl auf Karton, 2020

„Die Antithese wird bedungen

Gefälligkeitskultur ist konsumierbar

in ihrer Banalität

klischeehaft

antlitzlos

und doch

löst sie aus

Sehnsucht

nach dem Unglatten

 Wahrhaften

Uneinfangbaren

Verlangen nach dem Stachel“

Die Unabhängigkeit des Orts von der individuellen Stimmung
Acryl, Ölkreide auf Leinwand, 80×100, 2020

Der Wiener Stil, so wie ihn Hansen nannte, führt uns über ein Jahrhundert zu „Der Alarm ist rot…..Wien in Not“ aus  Falco´s „Vienna Calling“.

DS50 80×100, Öl und Ölkreide sowie Collagenelemente a. Leinwand, 2020

Der Wiener Stil im weiteren und nicht ausschließlich architektonischen Sinn ist per Definition ambivalent konnotiert. Es sind Farben. Es ist Vergnügen und Melancholie. Das Spiel und der Rhythmus. Das Leichte und die Traurigkeit.

„Nur Wien, nur Wien, du nur allein…“

teatro terrazzo, 80×80, Acryl, Ölkreide auf Leinwand, 2020

Die Kunstfigur Falco war Teil des Wiener Stil´s der 1980er-Jahre und zugleich auch lustvoller wie augenzwinkernd kritischer Spiegel von Stadt und Lebenswelt.

In der Mitte des Wiener Herzens – die Lebenslust.

Der Augenblick und Ausblick.

Wien- wunderschön und augenzwinkernd. Im Schmäh und Walzer. In Kraft und Mitte.

In Licht und Dunkel.

Immer im mutigen Blick zur Welt.

Ich liebte die Natter, 80×80, Collage, Ölkreide auf Leinwand, 2020

Ich liebte die Natter

im Bach

besonders

in den Achtzigern

war sie lebendig

und träumerisch

alles war möglich zu Peter Schilling

lebäugeln mit anderen

Nattern

amerikanisch

sprachen sie und

schlagartig

wurde sie ans Ufer geschleudert

und strandete mit einem Stoss

die Illusion schwamm allein weiter

wehmütig war sie

denn nun waren die Achtziger

vorbei und sie

erwachsen.

Lola Lindenbaum_Künstlerin

„Wien, nur Wien du kennst mich up, kennst mich down

Du kennst mich

Nur Wien, nur Wien, du nur allein…Vienna Calling“

Vienna Calling – Der Alarm ist rot“ _

Lola Lindenbaum ,Künstlerin _Station bei Theophil Hansen_ Hotel Kempinski_Palais Hansen_Wien

http://www.lolalindenbaum.com/de/

Alle Bilder/Gedichte_ Lola Lindenbaum

Style/Requisite_Lola Lindenbaum/Walter Pobaschnig.

Text_Lola Lindenbaum/Walter Pobaschnig.

„Vienna Calling“ lyrics_Falco.

Alle Fotos_Walter Pobaschnig_Hotel Kempinski_Palais Hansen Wien.

Herzlichen Dank an Frau Nina Haas, PR&Communications Manager, Palais Hansen Kempinski, für die freundliche Ermöglichung und Begleitung!

5 Sterne Luxus Hotel im Zentrum Wien | Palais Hansen Kempinski Vienna

http://www.kempinski.com

Wien_18.12.2020

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„Kaffee und Radio und kaltes Wasser ins Gesicht“ Anna Rot, Schauspielerin _ Wien 19.12.2020

Liebe Anna, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Das Einzige, was wirklich wirklich immer gleich ist: Kaffee und Radio und kaltes Wasser ins Gesicht. Und dann schau ich in den Tag und bin oft euphorisch ob der vielen Möglichkeit, dann fang ich an, tausend Sachen zu machen und das geht dann in einer Kurve (die Euphorie und die Produktivität) hinunter zum Abend hin. Die Abende finden ja jetzt wirklich immer zuhause statt, mit Wein dann, statt Kaffee. Und komischerweise bin ich dann auch erschöpft und freue mich wahnsinnig über das weiche glatte Bett.

Anna Rot, Schauspielerin


Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Dass wir uns nicht an diesen Zustand gewöhnen!!!


Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen.
Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem
Schauspiel/Theater, der Kunst an sich zu?

Ich habe das Gefühl, dass wir in Österreich theoretisch oft vor einem Aufbruch stehen, und dass völlig klar ist, dass der nie passiert. Dafür geht es uns zu gut oder wir sind zu benebelt vom Fernsehen. Außerdem fehlt eine Streik-Kultur. Aha, ich denke bei Aufbruch natürlich an Auflehnung gegen die Politik. Das war ein bitteres Check-Up dieses Jahr, zu sehen wo die Kunst- und Kulturszene für Politik und (die meisten) Medien stehen. Wir machen hier ja sehr konformes und publikumsfreundliches Theater – ja, im besten Fall kann es im einzelnen Menschen was bewirken.


Was liest Du derzeit?

Ich lese jetzt weiter „Der Matrose von Gibraltar“ von Marguerite Duras, in einer
Gesamtausgabe, wo die Seiten durcheinander sind! Aufregend! Das ist so dick
wie ein Telefonbuch, deshalb hat es hier auf mich gewartet als ich jetzt in
Deutschland war. Unterwegs hab ich „Ich weiß, ich war’s“ von Christoph
Schlingensief gelesen. Beides mag ich sehr.


Welches Zitat, Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Man wird nicht der, der man sein wollte, man kann es gar nicht werden, weil
die Unschärfe ins Spiel kommt und man permanent neu belichtet wird.“
(schlingensief)

Vielen Dank für das Interview liebe Anna, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Anna Rot, Schauspielerin

Anna Rot | actress

Foto_Sven Serkis

14.12.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Kunst kann und soll uns wieder neugierig machen“ Elvira Maria Kalev_Sängerin _ Wien 19.12.2020

Liebe Elvira, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?


Ich gehe jeden Tag nach dem Frühstück spazieren, Gott sei Dank habe
ich eine sehr schöne Natur quasi direkt vor der Haustüre, und den Rest der
Zeit versuche ich zu nützen, um mich weiter zu entwickeln, aber auch
um einfach für mich da zu sein. Ich freue mich, Dinge tun zu können, für
die ich mir sonst kaum Zeit nehme, wie zB zu lesen. Ich trainiere
jeden Tag, zb. Bauchtanz, den ich für meine Show brauche, habe
wieder angefangen Klavier zu spielen und genieße es alte Stücke aufzuwärmen, nehme mir Zeit zu meditieren, und kümmere mich um
meine Show, mein für mich wichtigstes künstlerisches Projekt „Dreams
of a Gypsy“
. Ich knüpfe Kontakte und versuche etwas für das
kommende Jahr aufzubauen.

Elvira Maria Kalev, Sängerin


Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich glaube dass es für uns alle kein Fehler ist, einmal kurz in dieser unfassbar schnellen Welt, die immer rasanter und rasanter geworden
ist, innezuhalten, um uns die Möglichkeit zu geben, nachzuspüren,
wohin wir, jeder persönlich, und als Menschheit auf dieser Erde
wollen. Es ist fast unmöglich dieses Rad, das so schnell geworden ist, zu
stoppen, diese Maschinerie von der wir ein Teil sind.

Ist es wirklich so wie wir leben wollen? Wir verschließen vor vielen Dingen
die Augen, es gibt viel Leid bei unseren direkten Nachbaren oder auf
anderen Teilen der Erde. Unser Lebensstil hat einen hohen Preis.
Wollen wir so weiter leben? Durch das Leben eilen mit Scheuklappen,
denn ohne sie könnten wir das Leid um uns herum nicht ertragen? Es
ist eine große Chance etwas zu ändern, die vielleicht so nicht wieder
kommt.


Ich bemerke, das, ganz abgesehen vom Weltgeschehen, auch bei mir selber in dieser Zeit, ich lief fast schon blindlings immer weiter in die Richtung, in die ich glaubte, laufen zu müssen, und habe kaum gemerkt, dass mein Körper eigentlich schon außer Atem ist, dass ich das Leben im Jetzt kaum genieße, weil ich glaube gegen die Zeit ankämpfen zu
müssen, und mir Druck mache, ein bestimmtes Ziel zu erreichen.

Natürlich ist diese Frage eigentlich so individuell wie die Menschen selbst, aber ich glaube diese Zeit kann, neben all den Herausforderungen
und all den Schwierigkeiten, und dem Leid, das sie leider auch mit sich
bringt, auch eine große Chance sein.


Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle
gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein
und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?

Ich glaube, dass Kunst immer die Aufgabe hat, und wie kaum etwas
Anderes die Möglichkeit hat, zu einem Teil in uns zu sprechen, der
tiefer liegt, der ursprünglicher ist, der keine Worte benötigt. Dieser
Teil, der neuen Mut, neue Kraft, Inspiration, und Hoffnung in uns
wecken kann.


Kunst kann und soll uns wieder neugierig machen, sie vermag es
diesen Funken in uns wieder zum Erstrahlen zu bringen der Inspiration
und Lebensmut bringt. Sie gibt unserer Seele eine Auszeit und das
kann sehr heilsam für uns sein.


Was liest Du derzeit?

Den Roman „Shantaram“ von Gregory David Roberts
Und „The Work“ von Byron Katie


Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Ich würde gerne Katie Byron zitieren, der Titel des Buches das ich
gerade von ihr lese heisst auf Deutsch „Lieben was ist“ – es steckt
unendlich viel Weisheit in diesem simplen Satz.

Elvira Maria Kalev, Sängerin

Vielen Dank für das Interview liebe Elvira, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Musikprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

Elvira Maria Kalev, Sängerin

5 Fragen an KünstlerInnen:

Elvira Maria Kalev, Sängerin

https://www.elviramariakalev.com/

www.dreams-of-a-gypsy.com

Alle Fotos_Walter Pobaschnig _ Palais Auersperg Wien _ 11.12.2020

19.11.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Ich liege auf dem Sofa und warte auf Einfälle“ Christoph Simon, Schriftsteller, Bern _ 18.12.2020

Lieber Christoph, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich liege auf dem Sofa und warte auf Einfälle. Dazwischen mache ich Hausbesuche zu unglücklich verheirateten Frauen. Die Abende gehe ich ruhiger an.

Christoph Simon, Schriftsteller

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Wenn uns diese unsicheren Zeiten etwas lehren, dann wohl dies: Wie wir das Beste draus machen.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Wenn das grosse Impfen beginnt, wird sich die Aktienbörse erholen, man wird wieder ins Grossraumbüro dürfen, die Affen im Zoo werden wieder Menschen beobachten. Von der Rolle der Literatur habe ich keine Ahnung. Ich schreibe bloss.

Was liest Du derzeit?

Bevor ich wieder lesen darf, überarbeite ich Gedichte und Prosa für die Publikationen im Frühling. Freuen tu ich mich aufs Nachholen der Jahresproduktion von schreibenden Freunden: Daniela Dills Spoken Word Texte, Raphael Reifts Gedichte, Rhaban Straumanns Essays, Giuliano Musios Roman.

Welches Zitat, Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Mir gefällt sehr, was der Profi-Pokerspieler Doyle Brunson 2012 gesagt hat: „Good judgment comes from experience. Experience comes from bad judgment.“

In dem Sinn: Frohes Versuchen immerzu!

Vielen Dank für das Interview lieber Christoph, viel Freude weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

Ich danke dir.

5 Fragen an KünstlerInnen:

Christoph Simon_Schriftsteller, Kabarettist

Christoph Simon | Schriftsteller / Autor aus Bern

Foto__Ulrike Meutzner

7.12.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Im Theater muss es ein Umdenken geben. Wir müssen uns neu positionieren“ Lisa Hörtnagl, Schauspielerin _ Innsbruck 18.12.2020

Liebe Lisa, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Die meiste Zeit verbringe ich in den Wäldern. Den Rest des Tages verbringe ich mit Vorbereitungen auf die nächste Produktion, mit dem im Frühjahr 2020 gegründeten Theaterverein „Die Volkskantine“.

Weil ich aufgrund vom ersten Lock-Down diverse Jobs verloren habe, gründete ich aus der Not heraus den Verein „Die Volkskantine“ und innerhalb von 2 Monaten brachten wir „Die Dreigroschenoper“ als Freiluftproduktion mit über 40 Mitwirkenden auf die Bühne. Die Spielstätte war das Schloss Mentlberg in Innsbruck. Alles war aufregend, neu, unglaublich anstrengend und schön. Es war eine Herausforderung, da ich ja auch noch nie mit so viel Geld und Verantwortung zu tun hatte. Und gleich in der ersten Produktion über 30 Leute beschäftigt habe. Da gab es einige schlaflose Nächte. Aber wir hatten Arbeit. Der Zusammenhalt in Innsbruck von Künstlern, Journalisten, Politikern und Publikum war ein schönes Zeichen in den Zeiten.

Jetzt wo sie uns das zweite Mal den Saft abgedreht haben, wird es ermüdender. Ich war gerade am Rheinischen Landestheater in Neuss beschäftigt, wir haben bis zur Generalprobe geprobt und das war‘s wieder. Ich versuche so aktiv wie möglich zu sein, an meinen Drehbüchern zu arbeiten, aber mein Antrieb ist momentan auf Sparflamme. Es ist wohl eher ein Kampf in meiner Mitte zu bleiben und mich im Loslassen zu üben.

Lisa Hörtnagl, Schauspielerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ach Gott gibt es da vieles. Die Zeit zeigt meines achtens nach so viel auf, dass wir vergessen haben. Fangen wir bei was Banalen an. Andere Meinungen zu akzeptieren. Sich nicht entzweien lassen. Rücksicht. Mitgefühl. Eigenverantwortung. (Dann können auch die Schilder auf den Almen wieder weg) Dieses Denunziantentum. Anstatt zusammen zu helfen, zeigen sich die Leute anonym gegenseitig an. Das gehört meines Erachtens nach sofort verboten. Anonyme Anzeigen in Bezug auf Corona gehören sofort abgeschafft. Ich empfinde das als sehr gefährlich.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel und der Kunst an sich zu?

Im Theater muss es ein Umdenken geben. Wir müssen uns neu positionieren. Wir dürfen uns nicht an den Rand drücken lassen. Wir sind keine Bittsteller. Warum machen wir denn Theater überhaupt? Was möchte man denn Aussagen, was den Menschen vermitteln? Sicherlich keine Gleichgültigkeit. Also machen wir das bitte auch. Die Kultur hat den selben Auftrag, wie früher der Narr. Die Wahrheit vermitteln. Ich möchte auf der Bühne sagen und machen können was ich möchte, ohne dabei Gefahr zu laufen, zensiert zu werden. Ohne, dass sich dabei jemand auf den Schlips getreten fühlt. Wir sind da, um Menschen im besten Fall die „Wahrheit“ aufzuzeigen. Ohne Pardon, mit Liebe, mit der Brechstange, mit Fingerspitzengefühl und mit Leidenschaft.

Was liest Du derzeit?

NERDS retten die Welt: Gespräche mit denen, die es wissen

von Sibylle Berg

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Faust: „Mich dünkt die Alte spricht im Fieber.“

Mephisto: „Das ist noch lange nicht vorüber, …“

Vielen Dank für das Interview liebe Lisa, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schauspielprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

Vielen Dank zurück!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Lisa Hörtnagl, Schauspielerin

Lisahoertnagl-com (lisa-hoertnagl.com)

Foto_Gerhard Beer

13.12.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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