„Kunst ist unentbehrliches Sprachrohr des Menschen“ Daniela Trinkl_Bildende Künstlerin_Wien 8.7.2020

Liebe Daniela, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich arbeite gerade an einem Projekt, das ich während des Lockdowns entwickelt habe und derzeit finalisiere. Während Corona hatte ich die Möglichkeit mich völlig auf meine künstlerische Ideensammlung und –entfaltung zu konzentrieren. Der von außen aufgedrängte Rückzug hatte also auch was Gutes. Allerdings hat das Projekt zwischendurch gestockt, da ich für die Entwicklung meiner Arbeiten für Testobjekte Kunststoffplatten benötigt hätte. Diese waren bzw. sind immer noch in ganz Europa ausverkauft, da sie Corona bedingt für die Herstellung von Visiermasken und Trennwände verwendet werden. Aus diesem Grund musste ich nach einer anderen Umsetzungsmöglichkeit für meine Arbeiten suchen. Nachdem ich das Projekt jetzt so gut wie fertig habe, überlege ich nun bezüglich Ausstellungsmöglichkeiten, also viel Recherchen, Kommunikation und Büroarbeit. Daneben gibt´s wieder ein soziales Leben im Real Life, viele Spaziergänge im Wienerwald und das Hegen und Pflegen meines Terrassengartens. Gelegentlich Eis essen und sofern sie scheint, die Sonne genießen. Außerdem bin ich sehr froh drüber, dass nun auch die Museen und Galerien in Wien wieder geöffnet haben. Ohne Inspiration gibt`s keine Kunst.

IMG_4486kiuiu

 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich denke, wichtig sollte die Revision von bestehenden Werten sein. Was ist wirklich wichtig, was macht uns glücklich im Leben. Außerdem Zusammenhalt, das Stärken von zwischenmenschlichen Beziehungen. Solidarität. Und vor allem das Überdenken unseres Konsumverhaltens in allen Bereichen des Lebens.

 

juz

 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst zu?

Die Kunst ist und bleibt ein wichtiges Reflexionsmedium des Menschen. Sie schafft Verbindungen zwischen Menschen, Resonanzräume, Identifikationsflächen. Sie ist unentbehrliches Sprachrohr des Menschen und wesentliches Ausdrucksmedium. Sie hat die Fähigkeit Menschen zu berühren und in einer Zeit von großer Ungewissheit Halt zu geben.

 

IMG_4032kiuki

 

Was liest Du derzeit?

Die Kunst des Liebens, Erich Fromm.

Die Erzählungen, Franz Kafka.

 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Ich kann nicht mehr wollen, aber jemand will für mich und ich gehorche.“

Aus Der Horla, Guy de Maupassant.

 

Vielen Dank für das Interview liebe Daniela, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Kunst-, Ausstellungsprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Daniela Trinkl, Bildende Künstlerin

https://www.danielatrinkl.com/

Alle Fotos_Walter Pobaschnig _ Wien 6_20.

26.6.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

 

 

 

 

„Menschen brauchen Menschen!“ Tamara Stern, Schauspielerin_Wien 7.7.2020

Liebe Tamara, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich muss gestehen, dass ich schon immer eine Nachteule bin. Aber durch die letzten zweieinhalb Monate hat sich meine innere Uhr noch mehr verschoben. Ich schlafe also lang! Was aber nicht weiter schlimm ist, denn die Vorproben in denen ich gerade stecke, beginnen gnädigerweise erst um 12 Uhr. Wir proben momentan noch über Zoom. Aber im August geht’s dann richtig los. Ich freue mich schon sehr auf die Produktion. Quartett von Heiner Müller. In einer Coproduktion vom Off Theater und Sterne*reissen- dem Verein den ich und Ernst Kurt Weigel vor 4 Jahren gegründet haben. Und mit dem wir zum Beispiel „Kein Groschen Brecht“ oder „Lola Blau“ coproduziert haben. Regie macht Luca Palyi, eine tolle junge Regisseurin und spielen werde ich mit meinem großartigen Bernhard-Ensemble Kollegen Gerald Walsberger. Ansonsten lese ich viel, koche noch mehr und esse am meisten!

Tamara Stern_

(Szenenfoto_„Kein Groschen Brecht“)

 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich denke, das ist schwer zu sagen. Generell ist es so, dass die meisten ein großes Bedürfnis danach haben wieder unter Menschen zu gehen, Freunde zu treffen und zu vergessen, dass es Corona und die Maßnahmen je gab. Ich finde das auch absolut verständlich. Menschen brauchen Menschen! Aber es fällt mir sehr schwer diesen Reiz zu verstehen, aus Grant gegenüber der Regierung (kann ich absolut nachvollziehen!) und aus einem Unwohlsein in dieser seltsamen Situation (kann ich auch nachvollziehen!) , als rebellische Reaktion zu sagen: Ich mach da nicht mit, ich will meine Mitmenschen nicht schützen, denn es ist unbequem für mich. Masken schützen nicht uns, sondern unsere Mitmenschen! Das zu verweigern heißt: Ihr seid mir eigentlich egal und ich entscheide, dass von mir keine Gefahr ausgeht. Das macht mich traurig. Wir gehen zu Zehntausenden gemeinsam gegen Rassismus und Hass auf die Straße. Das ist fantastisch! Aber wenn ich dort den hustenden Typen neben mir bitte, seine Maske über Mund und Nase zu ziehen, bekomme ich ein herablassendes „ du stirbst auch irgendwann“ als Antwort. Das ist doch vollkommen gaga!

 

Tamara Stern _oi

 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater und der Kunst an sich zu? 

Das ist eine Frage, die so komplex ist, dass ich gar nicht wüsste wie ich da anfangen oder enden sollte. Da das Theater aber das Zentrum meines Lebens, meine Mitte sozusagen, ist und auch immer war, wird sich an meiner Arbeit auf der Bühne, an der Energie, die ich in sie hineinstecke, wohl nichts ändern. Die Rahmenbedingungen allerdings werden uns in einen Strudel der Ungewissheiten und permanent neuen Veränderungen werfen. Sich diesen anzupassen verlangen von einem kleinen Haus wie zum Beispiel dem Off Theater eine finanzielle Flexibilität die es einfach nicht hat! Es wird hart werden. Sehr hart!

 

Was liest Du derzeit?

„Eine Ehe in Wien“ von David Vogel. Und ein Buch über Lillith, die erste Frau Adams.

 

Welches Zitat möchtest Du uns mitgeben?

„… und so saß er da. Allein in der Nacht. Stumm, ohne Sinn vor sich. Hektisch kauend, als verschlingt er die trockene Welt mitsamt dem Fett ihrer Menschen.“

Ernst K. Weigel, aus „Kein Groschen Brecht“

 

Vielen Dank für das Interview liebe Tamara, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Theaterprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Tamara Stern, Schauspielerin

Programm

 

5.6.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

„Literaturführer Wien“ Viola Rosa Semper_Falter Verlag

 

 

„Literaturführer Wien“ Auf den Spuren von Autorinnen und Autoren und ihren Werken, Viola Rosa Semper. Falter Verlag

 „Der Ursprung dieser Geschichte liegt im Topographischen“ schreibt die Autorin Ingeborg Bachmann (1926 – 1973) in ihrer Erzählung „Drei Wege zum See“ (1972) und schildert darin das Heimkommen und das Wiedersehen vertrauter Orte und Wege in Rückblick, Reflexion und Ausblick. Die Protagistin Elisabeth begreift ihre Identität als von Orten und Worten (Sprachen) geprägt und gekennzeichnet. Menschen sind gleichsam die Zutaten zum Ursprung der Topographie, der Leben, Fühlen und Denken am Lebensweg trägt…

Wien ist nun ein zentraler Kristallisationspunkt österreichischer wie internationaler Literatur in aller Vielfalt und individuellen Charakteristik über Jahrzehnte, ja schon Jahrhunderte, hinweg. Es sind Lebensspuren und literarische Spuren und Verweise, die diese Stadt gleichsam durchziehen und kennzeichnen. Sei es das „Ungargassenland“ Ingeborg Bachmanns (Roman „Malina“) oder die „Strudelhofstiege„ Heimito von Doderers, die auch namensgebend für seinen Roman wurde. Worte sind Wege und da gibt es in Wien schier unendlich viele…

Die Wiener Autorin Viola Rosa Sprenger hat sich in eindrucksvoller Weise dem literarischen Netzwerk der Topographie von Werk und Leben der SchriftstellerInnen Wiens über Epochen hinweg gestellt und dabei einen Wegweiser geschaffen, der alle Sinne wie Spürsinne begeistert. Die Autorin verbindet Sachinformation zu Biographie und Bibliographie mit ausgezeichneter topographischer Recherche und schafft es zudem dies in selbst konzipierten Literaturrouten durch die Stadt spannend und neugierig zu bündeln. Autorinnenporträts, Fotografien von Romanschauplätzen und übersichtliche Routenkarten ergeben gemeinsam mit dem übersichtlichen Stichwortteil im Anhang eine wunderbare Poesie und Prosa einer Stadt des Wortes. Frei nach Karl Farkas: „Sehen Sie sich, und gehen Sie dies an…“

„Ein Literaturführer Wiens, der den Nobelpreis verdient“

 https://literaturoutdoors.com

„Schreiben, oft und so viel ich kann“ Barbi Markovic, Schriftstellerin, Wien 6.7.2020

Wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Distanzbiere im Park mit nahen Bekannten. Schreiben, oft und so viel ich kann. Sonstiges. Im Mai geht es mir besser als im April.

20170707_110805 (Klein)

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Die Frage schmeichelt mir.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur zu?

Wenn wir schon jetzt wüssten, was uns eines Tages umhauen wird, würden wir uns noch mehr anscheißen.

Barbi Markovic

Was liest Du derzeit?

Geschichte Serbiens von Holm Sundhausen, das lese ich wirklich.

Dekameron, bekomme ich vorgelesen und rege mich über die Geschichten auf.

These Girls (Juliane Streich),  mit Musikbeispielen, in Häppchen.

Die wiedergefundene Zeit, wieder, sinnvoll für meinen nächsten Roman.

Harry Potter, eigentlich habe ich es jetzt in der Mitte liegengelassen.

Zwei Jahre Nacht Damir Ovcina, das hat Mascha Dabic übersetzt, diese Woche begonnen.

Hilary Mantel will ich beginnen aber alles hat 1000 Seiten.

Superbusen gerade gelesen.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Hier ist mein Katastrophenhörspiel, das passt zu den Zeiten

https://www1.wdr.de/radio/wdr3/programm/sendungen/wdr3-hoerspiel/eyjugo-reihe-balkan-angst-100.html

Vielen Dank für das Interview liebe Barbi,  viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schreib- und Kunstprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Barbi Markovic, Schriftstellerin, Bachmannpreisteilnehmerin 2017

https://www.residenzverlag.com/autor/barbi-markovic

Fotos: Lesung_Bachmannpreis 2017_Walter Pobaschnig

21.6.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

„Kunst kann Brücken bauen und Werte vermitteln“ Rebekka Reinholz, Schauspielerin_Wien _5.7.2020

Liebe Rebekka, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Kunterbunt und voller Überraschungen. Aber ich freue mich auf jeden Tag und das ist die Hauptsache.

IMG_9746mk

 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich denke – und das gilt nicht nur explizit für diese Zeit- dass es für uns alle sehr wichtig ist, herauszufinden, wie man sein Leben, leben möchte, wer man sein möchte und warum. Positiv und erfolgreich zu sein ist eine Entscheidung.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Schauspiel, dem Theater, der Kunst an sich zu?

Eigentlich wird sich an der Rolle der Kunst nicht sehr viel verändern, denke ich. Kunst ist nach wie vor ein Medium, das Brücken bauen, Werte vermitteln und Einblicke gewähren kann. Kunst hat bisher allen Kriegen und Krisen Stand gehalten und wird auch in Zukunft immer bestehen. Denn sie ist ein Teil von uns Menschen und auch wenn das viele nicht wahrhaben wollen – überlebenswichtig.

 

 Was liest Du derzeit?

Ich lese zur Zeit „Geschlossene Gesellschaft“ von Jean Paul Sartre.

 

 Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

It is not in the stars to hold our destiny but in ourselves. (William Shakespeare)

Vielen Dank für das Interview liebe Rebekka, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen vielfältigen Theater- und Schauspielprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Rebekka Reinholz, Schauspielerin

Foto_Walter Pobaschnig_Station bei Bachmann_Wien 10_20.

21.6.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

„Mehr Bereitwilligkeit zur Veränderung wäre hilfreich“ Astrid Rothaug, Künstlerin, Wien 4.7.2020

Liebe Astrid, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich nehme mir gerne viel Zeit für meine Projekte, die ich mir frei einteile.
Morgens gehe ich laufen oder lese die Zeitung, was Stunden in Anspruch
nehmen kann. Danach fange ich an, zu arbeiten, wobei ich oft schnell die Zeit
vergesse. Manchmal brauche ich einen arbeitsfreien Tag, um Distanz zu meinen
Werken zu bekommen.

IMG_6206ki9

 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Vielleicht ist es für uns alle wichtig, sich darüber im Klaren zu sein, dass jeder
die Möglichkeit hat, Dinge zu verändern und diese tatsächlich auch
wahrnehmen sollte. Ich habe das Gefühl, dass Verantwortungen vom Großteil
der Gesellschaft gerne abgeschoben werden. Mehr Bereitwilligkeit zur
Veränderung wäre hilfreich für eine breite positive Entwicklung.

 

IMG_5442kio

 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und
persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt
dabei der Kunst zu?

Ich denke, dass Kultur die Aufgabe hat, einem Publikum diverse Perspektiven
zugänglich zu machen. Zuweilen scheint sich eine gewisse gefällige Kunst
einzuschleichen, der es an Unabhängigkeit fehlt. Um einen Neubeginn mit
voranzutreiben, ist mutiges, eigenwilliges und vielleicht sogar risikofreudiges
Kunstschaffen gefragt.

 

Was liest Du derzeit?

Siri Hustvedt, „Der Sommer ohne Männer“.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
“Kunst ist dazu da, den Staub des Alltags von der Seele zu waschen”. Von Pablo
Picasso.

IMG_4525lolo0

 

Vielen Dank für das Interview liebe Astrid, viel Freude und Erfolg für Deine vielfältigen großartigen Kunstprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Astrid Rothaug, Künstlerin

https://www.astridrothaug.com/

 

Alle Fotos: Walter Pobaschnig_Station bei Bachmann_Romanschauplatz Wien.

 

21.6.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

„Wir können die Welt nicht verfügbar machen“ Lola Lindenbaum_ Künstlerin_ Wien 3.7.2020

Liebe Lola, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Mein objektiv ersichtlicher Tagesablauf hat sich kaum verändert, die Aufgaben in meinem „Brotberuf“ haben sich durch die äußeren Umstände erweitert, somit war ich gerade am Beginn des Shutdowns bezüglich meiner künstlerischen Impulse in der Umsetzung gehemmter als erwartet, widmete mich daher der Beobachtung, um in der „Lücke“ die Saat für spätere Arbeiten zu säen. Ich zitiere hier Robert Pfaller aus seinem Buch „Die blitzenden Waffen. Über die Macht der Form“, auf das ich später noch zu sprechen komme mit folgendem Satz: „DORT, WO MAN DIE ABWESENHEIT VON DARSTELLUNG HÄTTE VERMUTEN KÖNNEN, FINDET IMMER NOCH DARSTELLUNG STATT-EBEN DARSTELLUNG VON ABWESENHEIT.“

104779667_288079092601301_6392766824699245781_n

 

Subjektiv habe ich die Zeit, in der die äußeren Rahmenbedinungen für mehr Introvertiertheit und Reflexion optimal gegeben waren, durchaus genossen, vor allem der Wegfall des Zwangs zu Gesellschaft war wohltuend, zumal mir allzuviele menschliche Kontakte im Laufe der Jahre mehr und mehr Energie kosten. Ich brauche stets viel Raum und in diesem meine Energie für mich.

 

104462744_1343880855805726_1853267224152988444_n

 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich bin gegen menschliches Implizieren dessen, was dem anderen bzw. was für andere besonders wichtig ist, das wäre eine Bevormundung, gegen die ich mich ausspreche.

Wichtig für mich finde ich die Bestätigung der Erkenntnis, dass „Weltreichweitenvergrösserung“ – der Terminus stammt vom Soziologen Hartmut Rosa aus dessen Buch „Unverfügbarkeit“, das lange vor Corona geschrieben wurde, jedoch an Aktualität kaum zu übertreffen ist- nicht mehr Freiheit bringt, sondern im Gegenteil wir dadurch in neue Abhängigkeiten schlittern, die jener objektiver „Unfreiheit“ um nichts nachstehen.

104728225_586150418705316_2809236513112385013_n

Die Expansionstendenz in allen Lebensbereichen taugt weder als Erlösungsversprechen noch macht es die Welt „verfügbarer“- wie man jetzt auch bei Corona sieht- und sie bringt natürlich auch die Sehnsucht nach dem Gegenteil hervor, nämlich die „Reichweitenminimierung“, diese wird ja in Rückzugsseminaren in Klöstern, simplify-your –Life-Retreats usw. offensiv und kostspielig gesucht und „zurückgekauft“ bzw der Versuch dazu unternommen. Corona stellte uns nicht vor die Wahl.  Der Weltausschnitt war zwangsläufig reduziert und die Erkenntnis da, dass Dinge über die wir Jahrzehnte  lang sicher verfügen konnten, plötzlich außer Reichweite geraten waren.

104496299_266217171499687_7409792533918224852_n

Die Möglichkeit, jedes Wochenende, ans andere Ende der Welt jetten zu können, war plötzlich undenkbar. Jedoch stellte sich die Frage- will ich das überhaupt, macht mich das glücklich. Sind diese Verschwendung und die Möglichkeit, jederzeit überall sein zu können, denn nicht auch eine Belastung? Wie BLAISE PASCAL vermeinte: „DAS GANZE UNGLÜCK DER MENSCHEN RÜHRT AUS EINEM EINZIGE UMSTAND HER, NÄMLICH, DASS SIE NICHT RUHIG IN EINEM ZIMMER SITZEN BLEIBEN KÖNNEN.“

104735943_585961955393371_2166069817019713838_n

Möglicherweise bot uns Corona eine flüchtige Gelegenheit einen Blick auf das zu werfen, was wir schon zu kennen meinen – da es in ständiger Präsenz ist- und es doch nicht tun.

 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei  der Kunst zu?

Die Kunst hatte stets eine Wirkung auf uns Menschen. Sie ermöglichte es dem Betrachter  den Blick zu öffnen und sehen und wahrnehmen zu lernen, scheinbar banale Dinge ins Reich der Ästhetik zu heben und so einen anderen Blick- ausgehend vom Kunstwerk- auf die ganze Welt zu werfen und diese so erträglicher zu machen. Ja, es wohnte der Kunst stets eine therapeutische Lesart inne.

104675345_1124777171224663_7838255046576902666_n (1)

Wenn ein Kunstwerk einen Betrachter tangiert, hat es mit seinem Leben zu tun und kann dieses komplementieren.

Die früher sehr beliebten Vanitas-Stillleben beispielsweise symbolisierten Vergänglichkeit und  erinnerten die Menschen stets an die Endlichkeit des Lebens, an die Sicherheit der Unsicherheit.

Ein Schulterschluss auch zu Corona. Wir können die Welt nicht verfügbar machen und unser Leben kann jeden Tag zu Ende gehen, ohne dass wir es im Endeffekt beeinflussen können, somit sollen wir es uns gut überlegen, ob wir Dinge aufschieben- in der Annahme sie später wiederholen zu können- oder die Gunst der Stunde nutzen.

104580982_322159215486760_6527612861798544845_n

Ich habe diesbezüglich – vor Corona- eine mehrjährige Vanitas – Reihe gemalt unter dem Titel „DER TOD ALS GRADMESSER FÜR ENTSCHEIDUNGEN“.

Interessant und bestätigend war jetzt in der Corona- Zeit die Evidenz, wie wenig Verständnis oder Ahnung über die Bedeutung von Kunst in der sogenannten „Kulturpolitik“ vorhanden ist-und dies politisch vollkommen colourübergreifend- und es bestätigte sich meine Auffassung, dass Kunst und Politik einfach unvereinbare Amplituden darstellen und bereits der Terminus „Kulturpolitik“ ein Paradoxon per se darstellt.

 

IMG_0575ji8koi

 

Was liest Du derzeit?

Derzeit lese ich „Ich schreibe, um herauszufinden, was ich denke“ – Susan Sontag, Tagebücher 1964-1980.

Davor habe ich die Bücher „Die blitzenden Waffen:Über die Macht der Form“ von Robert Pfaller, die Biographie „Susan Sontag-Geist und Glamour“ von Daniel Schreiber und „Berlin-Linz. Wie mein Vater sein Glück verbrauchte“ von Tarek Leitner gelesen.

 

IMG_1117 (3)

 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Susan Sontag schreibt ihn ihren Tagebüchern am 20.8.1964:

„Kritiken zu lesen verstopft Kanäle, durch die man neue Ideen bekommt: kulturelles Cholesterin“

 

Vielen Dank für das Interview liebe Lola, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine vielfältigen spannenden Kunstprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Lola Lindenbaum, Künstlerin

http://www.lolalindenbaum.com/de/

Alle Bilder_Lola Londenbaum

Foto_Porträts_Station bei Doderer_Romanschauplatz_Wien_Walter Pobaschnig

20.6.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

 

„Zukunftsbilder erschaffen, welche in uns Freude und Aufregung erzeugen“ Christina Wuga, Schauspielerin_ St.Veit/Glan_2.7.2020

Liebe Christina, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich bewege mich zwischen produktiv sein dürfen/wollen/müssen und den Tag
kommen lassen. Suche hier den richtigen Groove für mich – vergebens :-). Das ist
herausfordernd und schön zu gleich. Im Theater richtig losgehen wird es für
mich erst wieder mit der nächsten Produktion Anfang September. Zur Zeit
schreibe ich mit einem wunderbaren Schauspielkollegen zusammen an einem
Theaterstück über Sexualität. Es ist ein Herzensprojekt. Die Recherchen dazu
machen Lust auf mehr :-))

FB_IMG_1592595560465

 
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Dass wir nicht zur Normalität zurückkehren. Sondern wir die Erfahrungen der
letzten Wochen in uns – so groß oder so klein sie auch zu scheinen mögen –
wirken lassen, spüren und mitnehmen. Vielleicht sind es Erkenntnisse darüber,
was einem wirklich wichtig ist, auf was man verzichten konnte, was einem
gefehlt hat, oder überraschenderweise gar nicht gefehlt hat, was man für sich
entdeckt hat und ob und was man verändern möchte. Dass wir uns die Frage
stellen, wie wir wirklich leben wollen. Ich hoffe so sehr, dass diese Zeit etwas in
uns berührt hat, was in uns weiterwurzeln wird.

FB_IMG_1592595554486

 
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und
persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt
dabei dem Theater, dem Film, der Kunst an sich zu?

Dass wir mehr denn je Verantwortung für unser Denken, Handeln und Fühlen
übernehmen. „Sei du die Veränderung, die du dir wünscht für diese
Welt“ (Mahatma Gandhi). Und wir nie aufgeben in Verbindung, in
Kommunikation zu bleiben, uns gegenseitig versuchen zu verstehen, zu
erkennen und akzeptieren, dass es DIE Wahrheit nicht gibt. „Kunst ist die Magie,
befreit von der Lüge, Wahrheit zu sein.“ (Theodor W. Adorno)
Ich würde mich freuen, wenn wir durch gute Lebensfragen auf, vor und hinter
der Bühne, den Geist dehnen und Zukunftsbilder erschaffen, welche in uns
Freude und Aufregung erzeugen. Ich glaube, dass ist die schönste Motivation
einen Weg zu gehen.

FB_IMG_1592595585549

 
Was liest Du derzeit?

Die Vagina-Monologe von Eve Ensler.

 
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Zu empfinden, was ich sehe, zu geben, was ich empfinde, macht für mich mein
Leben als Künstlerin, als Mensch aus. (angelehnt an Max Klinger).

FB_IMG_1592595547347o09

 

Vielen Dank für das Interview liebe Christina, viel Freude und Erfolg für alle Schauspiel- und Theaterprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Christina Wuga, Schauspielerin, Regisseurin

Veranstaltungen

 

 

19.6.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

Fotos_Christina Wuga in „Drei Wege zum See“ Ingeborg Bachmann outdoors_ 2019_alle Fotos_Walter Pobaschnig

„Mit den Menschen ins Morgen gehen“ Peter Nitsche, Schauspieler_Wien 1.7.2020

Lieber Peter, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Wie auch vor Corona. Gemütlich und bewusst aufwachen. Dank ans Leben. An den To Do’s weiter kreativ arbeiten. Mir täglich ganz bewusst für mich Zeit nehmen, um mir und meinen inneren Kindern Gutes zu tun. Menschen begegnen. Dankbar für mein Zuhause mit einer liebenswerten Menschin. Den Tag ausklingen lassen.

 

IMG_4161kokoi

 

 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

 Vertrauen in uns selbst, ins Du, Uns und Wir. Reinspüren, WAS wirklich dran und zu tun ist, im Sinne und zum Wohle von uns Allen.

 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Schauspiel, Theater, der Kunst an sich zu?

 Authentisch und mutig im Heute SEIN und mit den Menschen ins Morgen gehen, mit denen wir auch zukunftsweisend on stage SEIN können, dürfen und wollen. Gerade am Theater sagt es Andrea Breth so treffend: Gerade in den Proben laufen die SchauspielerInnen mit offenen Fontanellen herum.

Das gilt für uns alle im daily life. Mehr denn je.

 

Was liest Du derzeit?

 Der Meister und Margarita /Bulgakov

Kokain, Pitigrilli

 

 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

 tief in versenktem raume

trank ich vom freund ..

als ich zum tag  mich wandte,

war bis zum fernsten saume

kein ding das ich noch kannte –

die herde war entrückt mit der ich rannte…

(juan de la cruz)

 

Vielen Dank für das Interview lieber Peter, viel Freude und Erfolg für Deine vielfältigen Schauspiel- und Kunstprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Peter Nitsche, Schauspieler

18.6.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

Foto_Walter Pobaschnig_Station bei Bachmann_6_20.