„Im Theater mehr Stücke losgelöst vom Geschlecht zu zeigen“ Hannah Monty Bacher, Schauspielerin und Autorin _ Wien 30.7.2022

Liebe Hannah, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Jeden Tag anders. Das Einzige, das gleich bleibt ist meine Morgen und Abendroutine.
Aufwachen, ein Glas Wasser, Sport & Stretch (währenddessen ein Album meiner Wahl hören), meine Stimme in Sprechen und Gesang trainieren, Duschen und dann die Morgentschik mit Kaffee.

Danach steht alles offen, entweder ich gehe zur Probe, zum Dreh oder befasse mich mit neuen Bewerbungen.

Am Abend schaue ich mir einen Film oder eine Serie an mit Schauspielenden, die ich interessant finde oder es wird ein Buch gelesen. Und dann natürlich das klassische 2 Stunden im Bett liegen und im Kopf neue Gedankenblitze und Hirngespinste analysieren.

Hannah Monty Bacher, Schauspielerin und Autorin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Empathie und mehrere Ansichten verstehen versuchen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Es ist und war immer schon wichtig, verschiedenen Blickwinkeln und Herangehensweisen einen geschützten Raum zu geben, um sich zu verstehen versuchen.
Dekonstruktion der altgewohnten Theaterwelt in der es x Männerrollen und x Frauenrollen gibt. Dieses Ganze‚ sich auf zwei Geschlechter versteifen‘ wird nicht länger dienlich sein. Es geht nicht darum ob Crossdressing ins Theater gehört, bzw ob sich das schickt, sondern dass mehr Stücke losgelöst vom Geschlecht gezeigt werden. Das Weglassen optischer Einschränkungen wird unsere Theaterwelt nur bereichern. Und das Theater hat die Möglichkeiten Menschen als Menschen, und nicht auf das Geschlecht reduziert, zu zeigen. Dabei meine ich nicht, dass Geschlecht, Sexualität oder Herkunft nicht gezeigt und gefeiert werden soll, ich meine damit, dass man nicht darauf reduzieren soll.

Was liest Du derzeit?

Kein Platz für Idioten – Felix Mitterer
und
Narzissmus, Verführung und Macht – Dr. Bärbel Wardetzki

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Seh noch nicht mal den Horizont, also wart nicht drauf dass ich wieder komm.

Hannah Monty Bacher, Schauspielerin und Autorin

Vielen Dank für das Interview liebe Hannah, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Theater-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Hannah Monty Bacher, Schauspielerin und Autorin

Fotos_Sophie Fröhlich

22.7.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Die Literatur muss mehr als sonst zeigen, was mit uns los ist“ Jesse Falzoi, Schriftstellerin _ Sardinien/Berlin 29.7.2022

Liebe Jesse, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

An drei Tagen arbeite ich in der Schule und wache gegen 7 Uhr auf, dann trinke ich Tee und kontrolliere meine Mails, Schule und privat, dann bis halbacht Spiegel online, dann mache ich mich schnell fertig, um 8 Uhr fahre ich mit dem Fahrrad los. Montags wöchentlich, dienstags monatlich und am Wochenende ein paar Mal im Jahr gebe ich an der VHS Kurse im Schreiben, alle möglichen Formate, das Gute ist, dass ich mitmachen muss (eine meiner Regeln beim Unterrichten), deswegen bleibe ich immer im Fluss, auch wenn ich mal keine Lust habe. Manchmal treffe ich mich mit meiner Schreibgruppe, den Tulubees, die aus einem englischen Workshop entstanden ist, oder mit anderen ehemaligen Teilnehmer*innen zum Quatschen und zum Schreiben, drei Mal die Woche versuche ich, bei Shut up & Write dabei zu sein, ein Treffen von Menschen, die schreiben, alle aus ganz unterschiedlichen Motiven, über die Meetup-app. Ich kann dort konzentrierter arbeiten als zuhause und das letzte Projekt war ziemlich schmerzhaft, das wollte ich nicht zuhause überarbeiten. Die Truppe ist sehr international, die Kommunikation findet auf Englisch statt, und der Kaffee ist an allen Treffpunkten lecker.

Jesse Falzoi, Schriftstellerin 

Durchschnittlich schreibe ich alle 2 Jahre einen Roman, mit dem Überarbeiten bin ich ungefähr zehnmal so lange beschäftigt wie mit dem Erstentwurf, d.h. wenn ich einen weglege, um wieder mit frischen Augen rangehen zu können, überarbeite ich den anderen, usw. Zurzeit sind 3 bei mir am Rotieren. Ich habe aber auch schon mal 2 Jahre nix gemacht, als ich Ballett entdeckt habe. Aber am Ende packt es mich immer wieder, wenn ich etwas Inspirierendes lese. Bei Rachel Cusk oder Sigrid Nunez zum Beispiel, und Alexander Chee und Margaret Atwoods Katzenauge haben mich zu meinem aktuellen Erstentwurf regelrecht getrieben. Jetzt bin ich gerade auf Sardinien, der Heimat meines Vaters, der in den 60ern als Gastarbeiter nach Deutschland kam, und sitze ich meiner Wohnung, die ich mir nach langem davon Träumen endlich gekauft habe. Ein richtiges Schreibparadies habe ich geschaffen und der Plan ist, hier auch bald Workshops zu geben, vielleicht schon nächstes Jahr. Hier bin ich jetzt, so oft die Schule es zulässt.

Jesse Falzoi, Schriftstellerin _ Schreibatelier _ Sardinien

Zwei meiner Kinder sind bereits seit ein paar Jahren aus dem Haus. Mein jüngster Sohn wird auch langsam erwachsen, sodass ich das, was mir am wichtigsten war und ist, in meinem Alltag kaum noch habe, mich um meine Kinder kümmern. Es hat mir immer viel Kraft und Inspiration gegeben, und emotionalen Halt. Ich fühle mich ohne sie, wie ich in meinem letzten Roman beschrieben habe, oft ganz schön lost, wie im falschen Leben, ich muss mein neues erst finden. Auch wenn mein Sohn noch manchmal da ist, führt er sein eigenes, spannendes Leben und wir begegnen uns oft nur für eine halbe Stunde am Tag, manchmal gar nicht. Ich weiß, die Frage war, wie mein jetziger Tagesablauf aussieht, aber der besteht deswegen in dieser Form, weil dieser wichtige Faktor in meinem Leben nach so vielen Jahren nicht mehr vorhanden ist. Mein Tag besteht auch darin, viel an sie zu denken und sie zu vermissen.

Ansonsten lese ich viel, schau ich zu viel Netflix und gehe sehr gern lange spazieren.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Nicht nur jetzt, immer: Genügsamkeit und Großzügigkeit und Empathie – und auf die Jungen zu hören, sprich, ihre Welt bewahren.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Die Literatur muss mehr als sonst zeigen, was mit uns los ist.

Was liest Du derzeit?

Hot Milk von Deborah Levy

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Manchmal braucht eine Person eine Geschichte dringender als Nahrung, um am Leben zu bleiben,  Barry Lopez

Vielen Dank für das Interview liebe Jesse, schöne Zeit in Sardinien und viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Jesse Falzoi, Schriftstellerin _Berlin, Sassari (Sardinien).

Books

Fotos_privat.

20.7.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Gehen wir endlich! Dort hinten kommen sie schon.“ Max Haberich, Schriftsteller _ Give Peace A Chance _ Wien 29.7.2022

GIVE PEACE A CHANCE

Gehen wir endlich! Dort hinten kommen sie schon.“

Ich bleibe hier.“

Verlassen wir die Stadt!“

Einfach verschwinden? Wir sind hier geboren!“

Putin wird uns nie bezwingen.“

Eher als du denkst.“

Auf die Hilfe unserer Nachbarn können wir uns verlassen.“

Coole Autoren lesen für uns – davon kann ich mir nichts kaufen.“

Ehrlich: Dann tu‘ selbst was und geh‘ kämpfen.“

Aber mich totschießen lassen – wozu?“

Chancenlos. Verlierer sind die einfachen Menschen.“

Hast du gar keine Hoffnung mehr?“

Angst habe ich. In Europa. Im 21. Jahrhundert.“

Nirgends will ich hin. Weder hier sein noch woanders.“

Chancenlos. Fliehen oder Sterben.“

Es darf nicht so bleiben – es soll sich nichts ändern. Aber es muss.“

Max Haberich 19.7.2022

Max Haberich, Schriftsteller

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Max Haberich, Schriftsteller

Startseite

Foto_Manfred Weis

Walter Pobaschnig _ 19.7.2022.

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„Gewaltfrei“ Lilli Seitinger, Sängerin und Pianistin _ Give Peace A Chance _ Graz 28.7.2022

GIVE PEACE A CHANCE


G ewaltfrei

I ntelligent

V ernünftig

E infühlsam

P assioniert

E ntwicklungsorientiert

A ufgeschlossen

C lever

E hrlich

A chtsam

C harmant

H ilfsbereit

A ufmerksam

N achsichtig

C ouragiert

E igenschaften des Friedens

Friede mit sich selbst, Friede mit dem Nächsten, Friede im Land – wollt ihr den Frieden eine Chance geben?

Lilli Seitinger 18.7.2022

 Lilli Seitinger, Sängerin und Pianistin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Lilli Seitinger, Sängerin und Pianistin

Foto_privat

Walter Pobaschnig _ 18.7.2022.

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„Letztlich kommt es darauf an, dass man etwas teilen kann“ Verena Dolovai, Schriftstellerin  _ Bad Hall, Gastatelier der Kunstsammlung OÖ _ 28.7.2022

Liebe Verena, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Die Frage trifft mich in einer Ausnahmesituation an: Ich verbringe den Juli in der wunderschönen Villa Rabl, dem Gastatelier der Kunstsammlung OÖ zum Schreiben und habe einen völlig anderen Tagesablauf als in meinem Alltag in Klosterneuburg. Ich kann mir die Zeit von früh bis spät frei einteilen. Ein Luxus, der mich anfangs auch vor Herausforderungen gestellt hat. Ich bin es nicht gewohnt, ohne Zeitkorsett und in Stille den Tag anzugehen. Zu Hause lebe ich mit 3 halbwüchsigen Kindern, einem Mann, einem Kater. Und dann ist da ja noch mein Job als Juristin bzw Übersetzerin. Das Schreiben nimmt sich dennoch immer einen Platz, es ist sehr durchsetzungsstark.

Verena Dolovai_Schriftstellerin  _
im Schreibatelier Villa Rabl, dem Gastatelier der Kunstsammlung OÖ

Hier in Bad Hall genieße ich, dass ich dem Schreiben den Raum geben kann, den es einfordert.


Ich stehe nicht viel später als daheim auf, dh gegen 6.30. Ich habe mir ein Ritual angewöhnt: Vorhänge aufziehen, Lüften, in den Park hinausschauen, Kaffeemachen.
Meistens starte ich dann gleich am Küchentisch mit dem Schreiben.
Je nach Wetter gehe ich vor- oder nachmittags laufen. Ich brauche sehr viel Bewegung in der Natur und werde schnell kribbelig, wenn ich diese Energie nicht abbauen kann. Ich kann meinem Kopf nur soviel zumuten wie mein Körper auch ausgleichen kann.

Meine Essenszeiten sind flexibel, das mag ich. Manchmal hole ich mir abends etwas von den ausgezeichneten und vielfältigen Lokalen in Bad Hall.
Weil es so warm ist, kann ich bis spätabends draußen sitzen und schreiben. Am besten funktioniert das auf einer Parkbank. Dabei beobachte ich gern meine Umgebung, die Menschen und erfreue mich an ihrer Ausgelassenheit: spielende Kinder, miteinander redende, lachende Leute.

Spätabends ziehe ich die Vorhänge zu und erinnere mich an meinen Opa, der das täglich im Gastzimmer des Gasthofs meiner Großeltern gemacht hat. Allerdings habe ich keinen Stab dafür wie er damals.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Je länger ich allein bin, desto bewusster wird mir, wie sozial wir Menschen sind und wie sehr wir einander brauchen. Rückzug und Freiraum sind wichtig, aber letztlich kommt es darauf an, dass man etwas teilen kann.

Die Krisen, die mediale Welt, die Digitalisierung haben großes Potential, Angst zu machen. Es ist für jedes Alter in unterschiedlicher Weise fordernd, ständig neue Informationen und Daten zu verarbeiten, zu filtern, sich eine Meinung zu bilden. Vieles ist flüchtig, unverbindlich geworden. Ich glaube, dass wir trotz digitaler Vernetzung nie das Menschsein verlieren sollen. Ich meine damit den persönlichen Austausch, auch das einander Berühren. Und vielfach einfach tun statt darüber reden.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Die Kunst, insbesondere die Literatur, hat für mich seit jeher die Rolle, die Welt zu beschreiben, sie zu zeigen und letztlich, ganz wichtig in meinen Augen, zu unterhalten. Kunst ist die unabdingbare „2. Welt“ ohne die es finster und langweilig wäre.

Literatur bedeutet für mich auch Spiel mit und Freude an der Sprache.

Was liest Du derzeit?

Ich bin mit meiner halben Bibliothek (ua T.C. Boyle, Tove Ditlevsen, Karl Ove Knausgard, Agota Kristof, Zeruya Shalev) angereist und habe alle Bücher schön gestapelt in der Villa, auch um es mir gemütlich zu machen. Ich habe schnell bemerkt, dass ich kaum eine Zeile lesen kann, wenn ich so tief im Schreiben drinnen bin.

Ein Buch, das ich dann doch begonnen habe, ist „Die Wand“ von Marlen Haushofer. Eine Freundin meinte, das sei genau richtig für die Phase der einsamen Schriftstellerei, und ich wollte es immer schon lesen.

Ich finde es fantastisch, weil es zeigt, dass wir doch alle ähnlich ticken: Wir brauchen Ansprache (auch tierische) und eine Aufgabe. Sonst drehen wir durch.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Lose your dreams and you will lose your mind (Rolling Stones)

Verena Dolovai_Schriftstellerin  _
im Schreibatelier Villa Rabl, dem Gastatelier der Kunstsammlung OÖ

Vielen Dank für das Interview liebe Verena, eine schöne Zeit in Bad Hall und viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Verena Dolovai_Schriftstellerin  

Verena Dolovai

Alle Fotos_Verena Dolovai_Schreibatelier Bad Hall/OÖ

22.7.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Wege zu gehen, zu gehen, zu gehn, zu gehn… endlich!“ Isabel Belherdis, Künstlerin _ performing „Undine geht“ _ Klagenfurt 27.7.2022

Isabel Belherdis, Künstlerin _ performing „Undine geht“ _
Erzählung Ingeborg Bachmann (1961)
_

Faltungen auf Fels und Haut, Kanten, Kerben, Risse…gefaltet, um sich wieder zu glätten, verhärtet, um wieder zu fliessen, in den Haaren, im Himmel, in den Himmelhaaren und den Steinfingern, (…)


was für eine Reise durch die Zeit, die in meinem Gesicht Erzählungen entstehen lässt, Notenlinien, Klänge im Gesicht,  vom Aufblühen und Erstarren, vom Halten und vom Lösen, Stehen und Fallen, Schreien und Schweigen.


Alle Alter der Undine, mit allen Wassern gewaschen und dennoch den Wellen ausgesetzt und zerlaufen, zerlaufen in der Zeit, zeitlos, verlaufen um wieder den Weg zu finden, Stützpunkt, Markierung. 

Undine als Justitia, anklagend um Selbstjustiz zu üben: komm, komm nur, meine Hand an Deinem Namen, meine Hand an meinem Halfter, komm, und erfahre Gerechtigkeit, erfahre den Sinn…


der Sinn, lose um die Kehle gelegt rutscht er auch mir über die Schulter, über die Hüften bis ich selbst nackt bin bis auf die Haut, auf die Knochen. Einzeln sollst Du sie zusammenlegen, zu einem Haus sollst Du sie bauen, meinem Haus, einziehen bei mir, die kein Zuhause hat nur Namen, Namen zu gründen, Tafeln zu lesen, Fenster zu öffnen, Wege zu gehen, zu gehen, zu gehn, zu gehn… endlich!

Isabel Belherdis, Künstlerin _ performing „Undine geht“ _ Klagenfurt _
Erzählung Ingeborg Bachmann (1961)
_

Station bei Ingeborg Bachmann_

Undine geht _Erzählung _ Ingeborg Bachmann _ 1961_

Isabel Belherdis, Künstlerin _Graz _ performing „Undine geht“

http://www.belherdis.com/

https://www.facebook.com/IsabelBelherdis/

Text/Performance_Isabel Belherdis

Konzept/Regie_Walter Pobaschnig

Alle Fotos_Walter Pobaschnig _Wien_2022

Walter Pobaschnig 7_22

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„Kunst kann die Welt vielleicht erträglicher machen“ Sannah Jahncke, Schriftstellerin _ Berlin 27.7.2022

Liebe Sannah, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Sehr unterschiedlich. Es kommt immer darauf an, wie ich geschlafen habe. Am liebsten arbeite ich spät, wenn keine:r mehr etwas von mir will, in seltenen Fällen auch sehr früh. Meistens gähne ich dabei viel. Kürzlich wurde mir aber erklärt, dass ich mit dem Handballen nur über die Stirn fahren muss, von unten nach oben, um den Gähnreiz zu unterdrücken, so halte ich dann recht lange durch.

Sannah Jahncke, Schriftstellerin 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Dass sich die Sonne zeigt. Wärme im Allgemeinen. Dann wieder Regen. Fragen stellen. Verletzlichkeit zulassen und unbedingt Zahnseide.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Ich glaube nicht daran, dass Kunst die Welt besser macht, vielleicht erträglicher, aber besser, nein. In sehr glücklichen Fällen schafft sie es, sich leichter in ihr zu navigieren. Das ist im besten Fall Aufbruch, vielmehr aber Anstoß.

Was liest Du derzeit?

Gerade lese ich viele Reddit-Foren über Otherkins, die Polizeireviere in Berlin Neukölln, Clusterwolken und Angebote von tauschwohnung.de. Ansonsten bin ich mit Laura van den Berg I hold a wolf by the ears gerade fertig geworden, dann stecke ich mitten in Elsa Dorlins Selbstverteidigung und lese erneut Juan S. Guse Miami Punk sowie Mariana Enriquez The Dangers of Smoking in Bed.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Jung, verschuldet und hochmotiviert.“

T-Shirt Spruch einer Frau, die heute Morgen neben mir auf die U8 wartete.

Sannah Jahncke, Schriftstellerin 

Vielen Dank für das Interview liebe Sannah, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Sannah Jahncke, Schriftstellerin 

Fotos_Florian Glück

30.6.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Gehen Sie bitte weiter!“ Kurt Fleisch, Schriftsteller _Give Peace A Chance _ Wien 27.7.2022

GIVE PEACE A CHANCE


Gehen Sie bitte weiter!

Im Anfang war…

Verblendung.

ENDE

Peter Pan war mein Held.

ENDE

Aneignung,

Chaos.

ENDE

Angriff.

Chaos.

Hiob,

Atlantis,

Nimmerland…

Chimären, nichts weiter – gehen Sie bitte weiter!

ENDE


Kurt Fleisch, 18.7.2022

Kurt Fleisch, Schriftsteller

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Kurt Fleisch, Schriftsteller

https://www.bananenfisch.net/

Foto_privat.

Walter Pobaschnig _ 18.7.2022.

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„Literatur und Kunst reflektieren, was ist und was war.“ Jolanda Spirig, Schriftstellerin _ Marbach/CH 26.7.2022

Liebe Jolanda, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich stehe zwischen 5 und 7 Uhr auf, hole mit eine Tasse Kaffee und lese die News auf dem iPad. Zwischen 8 und 9 Uhr nehme ich die Treppe ins Büro. Ich bearbeite meine Mails, bereite meine Lesungen und literarischen Rundgänge vor und feile an meinen Texten. Seit einigen Jahren gönne ich mir einen Mittagsschlaf und am späten Nachmittag einen Spaziergang.

Jolanda Spirig, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Dass wir auf Fakten setzen und in Kontakt bleiben mit unserem inneren Selbst. Das war schon in der Pandemie wichtig. Und das gilt auch für den Krieg in der Ukraine. Dass ein solcher Krieg mit all seinen Gräueltaten und Heldengeschichten im heutigen Europa möglich ist, macht mich ratlos. Das Patriarchat hat nichts von seiner Toxizität eingebüsst. Pussy Riot, die mutigen Moskauer Musikerinnen, haben das frühzeitig erkannt.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Literatur und Kunst reflektieren, was ist und was war. Sie geben unseren Gefühlen Raum und schaffen ein gemeinschaftliches Erlebnis. Mit Literatur und Kunst können wir den Alltag hinter uns lassen, in andere Welten eintauchen. Nach der langen Pandemiezeit nehme ich die Begegnungen an kulturellen Anlässen als sehr beglückend wahr.

Was liest Du derzeit?

„Zigeuner“ und „Das Benefizium des Ettore Camelli“ von Isabella Huser. Wir
bereiten ein Literaturgespräch in St. Gallen vor.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

In meinem Buch «Schürzennäherinnen» porträtierte ich die Gründerin des
Schweizer Modelabels Akris. 1959 hörte sich Alice Kriemler-Schoch mit grossem
Interesse einen Vortrag über die «Wühlarbeit des Kremls in Europa» an. Vor
zehn Jahren fand ich diesen Tagebucheintrag aus der Zeit des kalten Krieges
sehr, sehr gestrig. Heute sehe ich ihn in einem ganz anderen Licht. Tragen wir
Sorge zu unserer Demokratie.

Vielen Dank für das Interview liebe Jolanda, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Jolanda Spirig, Schriftstellerin

http://www.jolandaspirig.ch

Foto_Willi Keller www.willikeller.ch

11.5.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Gewalt“ Falk Fatal, Schriftsteller_ Give Peace A Chance _ Wiesbaden 26.7.2022

GIVE PEACE A CHANCE

Gewalt

Invasiert

Verschlingt

Empathie

Pazifismus

Erliegt

Angesichts

Contrafaktischer

Eskalations

Amphetamine

Charmierende

Hoffnungsträger

Ausgemerkelt

Notrufend

Chancenlos

Erlegen


Falk Fatal 18.7.2022

Falk Fatal, Schriftsteller

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Falk Fatal, Schriftsteller

Foto_privat.

Walter Pobaschnig _ 18.7.2022.

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