„Theater hat die Aufgabe zu provozieren“ Ronja Jenko, Schauspielerin _ Eisleben/D 25.7.2022

Liebe Ronja, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Also jetzt-jetzt? Oder allgemein?

Jetzt und die letzten Tage habe ich keinen Tagesablauf, weil ich mich seit dem ersten Tag der Theaterferien mit Corona zuhause befinde und einfach in den Tag hineinlebe – mit der Hoffnung, dass der zweite Strich auf meinem Test endlich nicht mehr auftaucht.

Ronja Jenko, Schauspielerin _
in „Emil und die Dedektive“

Und allgemein: Da ich an einem Repertoiretheater mit kleinem Ensemble spiele, bin ich sehr eingespannt. Was aber nicht heißt, dass es sowas wie einen Rhythmus gibt. Das merke ich immer, wenn ich versuche mit jemandem extern einen Termin zu vereinbaren. An einem normalen Arbeitstag stehe ich gegen 8h auf, frühstücke in Ruhe und die Probe beginnt um 10h. Zwischen 14 und 19h habe ich Mittagspause und dann nochmal Probe bis 22h. Dazwischen wird Text gelernt, die Probe nachbereitet, gekocht und gegessen. Das geht so von Montag bis Samstag (wobei wir Samstag abends nicht proben, sondern meistens eine Vorstellung spielen). Wenn wir morgens eine Kindervorstellung spielen, stehe ich meistens um 6h auf, bin um 8h im Theater um mich aufzuwärmen, vielleicht noch Einsingen mit den Kolleg*innen und um 9.30h geht’s auf die Bühne. Bei Abendvorstellungen ähnlich, da bin ich zu meiner Maskenzeit im Theater. Und da wir Frauen meistens die ersten in der Maske sind, ist das auch mal vor 18h….

Ronja Jenko in „Nur ein Tag“

Im Sommer spielen wir manchmal auch im Theatergarten, dann aber erst um 21h, da kommt also nie ein richtiger Rhythmus auf. Und wenn ich in einem Stück nicht mitspiele, oder in einer Szene nicht dran bin, dann habe ich auch mal spontan frei.

Ronja Jenko in „Freie Wahl“

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Zusammenhalten, das Gute sehen und uns gegenseitig eine Stütze sein. Spaß haben und Liebe verteilen. Menschlich sein.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt
dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Ich denke, wesentlich wird, dass wir endlich verstehen, wohin uns unser Individualismus führt und dass wir eben nicht alles haben können. Wir müssen lernen, Abstriche zu machen, wenn es um das Wohl Aller geht. Das bezieht sich auf Corona, auf die Umwelt, auf den Krieg und seine Folgen und eigentlich auch auf alles andere.

Und Theater hat da meiner Meinung nach – wie immer – die Aufgabe, einen Spiegel vorzuhalten und auch zu provozieren, um zum Umdenken anzuregen. Aber genauso ist unsere Aufgabe, Hoffnung zu schenken, eine Ausflucht zu bieten und Menschen für einen kurzen Moment in eine andere Welt mitzunehmen und ihnen Freude zu bringen. Und das Schönste ist ja, wenn die Freude überschwappt und wir selbst genauso viel davon haben, wie das Publikum.

Was liest Du derzeit?

Ich muss gestehen, dass ich privat sehr wenig lese. Deshalb ist mein aktueller Lesestoff das nächste Stück, das auf dem Spielplan steht: „Kabale und Liebe“.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Ich möchte euch zwei Zitate mitgeben. Das Erste ist ein kurzer Dialog aus meinen Lieblingskinderstück „Nur ein Tag“ (Martin Baltscheit), das allen Mitwirkenden eine große Herzensangelegenheit ist:

Fliege: Gehen wir an die Arbeit.

Wildschwein: Welche Arbeit?

Fliege: Wir machen ihn glücklich.

Fuchs: Oh, gute Idee!

Wildschwein: Äh, versteh ich nicht.

Fliege: Na Glück! Das hat jedes Lebewesen verdient.

Wildschwein: Liebe kleine Fliege, das ist ja ganz reizend von dir, aber…

Fliege: Keine Widerrede, wer nur einen Tag hat, braucht das ganze Glück in 24
Stunden. […] Also, gehen wir das Glück suchen!

Das zweite Zitat kommt aus dem Jugendstück „Freie Wahl“ (Esther Rölz), das
mich jedes Mal sehr aufwühlt:

Bruno: Uns fehlt’s an Demut vor der Schöpfung.

Denise: Vor wessen Schöpfung?

Bruno: Scheißegal. Wir haben nur die eine.

Ronja Jenko, Schauspielerin

Vielen Dank für das Interview liebe Ronja, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Theaterprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Ronja Jenko, Schauspielerin

Aktuelles

Fotos_1 Petra Lulei ,2,4,5 Julia Fenske; 3 Markus Scholz; 6 Ute Seidel.

22.7.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Graue Nebelschleier über den Wolkenkratzern“ Berenice Brause, Schauspielerin _ Give Peace A Chance _ Celle/D 25.7.2022

GIVE PEACE A CHANCE

Graue Nebelschleier über den Wolkenkratzern

Ich denke an das Davor und dein Gesicht

Vollbracht und vollstreckt

Ein Schuss und noch einer fällt

Pirschen durch Gras und Hände vorm Gesicht

Erschossen liegt er noch am Fluss

Aufarbeiten und Fragen in der Nacht

Chromatische Aufzählung von Gedanken als Traum

Erinnern und Loslassen

Antarktis in meinem Herzen

Choräle von Engelsstimmen

Hunderttausende und noch mehr gegangen

Anderswo vorüber

Nacht bricht aus

Choräle von Kinderstimmen

Er ist noch hier.

Bérénice Brause 19.7.2022

Bérénice Brause, Schauspielerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Bérénice Brause, Schauspielerin

Foto_Emanuel Droneberger

Walter Pobaschnig _ 19.7.2022.

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„Freiheit bedeutet ein Bewusstsein und einen Sinn zu finden und zu leben“ Verena Spiesz, Schauspielerin _ acting „Teorema“ _ 100.Geburtstag P.P.Pasolini _ Wien 24.7.2022

Verena Spiesz, Schauspielerin _ acting „Teorema“ (Film, 1968, P.P.Pasolini) _
100.Geburtstag P.P.Pasolini (*1922 Bologna +ermordet 1975 Rom)

Liebe Verena, Du warst heuer bei der Verleihung des österreichischen Filmpreises in Grafenegg. Welche Themen standen da im Mittelpunkt?

Themen waren unter anderem die budgetären Herausforderungen für den österreichischen Film wie auch #MeToo.

Hervorgehoben wurde auch die Vielfältigkeit im österreichischen Film. Da gibt es Drama, Komödie und vieles mehr auf höchstem, auch international anerkanntem Niveau.

Wie erlebst Du als junge österreichische Schauspielerin die Möglichkeiten an Filmprojekten in Österreich zu partizipieren?

Ich finde es schade, dass nicht mehr auf Öffnung und Variation in der Besetzung geachtet wird, um auch noch unbekannten Schauspieler:innen die Möglichkeit zu geben und dies dem Publikum zu bieten.

Ich verstehe natürlich, dass man auf bekannte Gesichter setzt, aber für die Entwicklung des Films wie auch der Schauspiellandschaft ist dies eine Engführung und künstlerische Falle, in die der österreichische Film nicht (noch mehr) tappen sollte.

Welche Filmprojekte wären für Dich spannend?

Ich kann mir ganz viele Rollen vorstellen in Thriller, Komödie, Drama, möchte sehr gerne Charakterrollen spielen.

Hättest Du Dir auch vorstellen können in einem Film von Pier Paolo Pasolini, (italienischer Regisseur, Schriftsteller 1922-1975), der heuer seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte, zu spielen?

Im Film „Teorema – Geometrie der Liebe“ (1968), der ja Thema unseres Fotoshootings ist, setzt Pasolini sehr stark auf die Darstellungskraft der Schauspieler:innen und die Bildkraft im Film. Als Schauspielerin natürlich ein sehr spannendes Filmprojekt. Und obwohl die Sexualität im Zusammenhang von Gesellschaft, Religion und Existenz dramatisch thematisiert wird, ist relativ wenig nackte Haut zu sehen. Dies wäre heute kaum vorstellbar. Pasolini setzt dagegen auf einen sehr ausdrucksstarken Dialog in Mehrdeutigkeit. Da sind sehr viel Geheimnis und auch Anspruch drin.

Ich finde als Schauspielerin Filme sehr interessant, die aufrütteln und Wahrheiten, Missstände aufzeigen, die so noch nicht erkannt wurden.

Was schätzt Du an dem Regisseur Pasolini?

Der Film „Teorema“ ist ja aus dem Jahr 1968. Ich schätze da die Aufmerksamkeit und Langsamkeit in Drehbuch und Spiel, das ist für mich als Zuseherin sehr wohltuend als Kontrast zur filmischen Gegenwart.

Schön, wenn die Kamera sich Zeit nimmt und der Blick von Schauspieler:innen wirken darf und nicht sofort die Szene wechselt.

In den 1980er Filmjahren war es ja auch so. Ich finde das spannend wie entspannend. Es ist für mich großes Kino und nicht langweilig.

An welche Filme der 1980/90er Jahre denkst Du da?

Etwa an „Das Messer“ (1985) mit Glen Close und Jeff Bridges oder an „Philadelphia“ (1993) mit Tom Hanks und Denzel Washington. Ich mag das langsame Tempo in diesen Filmen.

Du hast Dir im Vorfeld zu unserem Fotoshooting und Interview den Film „Teorema“ von Pasolini angesehen. Welche Zugänge gibt es für Dich jetzt?

Schauspielerisch gesehen, wenig Text, wenige Dialoge, viel Präsenz im Ausdruck. Sehr viel passiert in den Blicken.

Nacktheit kommt im Film im Gegensatz zu heute mehr bei den Männern als bei den Frauen vor.

Es gibt ziemlich viel Verzweiflung, die sich im Film und bis zum dramatischen Ende immer mehr steigert.

Es ist ein Film, der nachwirkt.

Wie siehst Du die Figur des Gastes im Film?

Ein zeitlos gutaussehender Mann kommt aus dem Nichts. Wird mit einem Brief angekündigt und verlässt mit einem Brief auch wieder die Familie.

Der Film hat mich an „Zoff in Beverly Hills“ (1986) mit Nick Nolte, Bette Midler und Richard Dreyfuss erinnert. Auch da verändert ein Gast eine Familie und schläft mit den Familienmitgliedern, allerdings nur mit den weiblichen, nicht mit den männlichen – Gegensatz zu „Teorema“. Am Ende verlässt er die Familie, um schließlich doch zurückzukehren. Ein Happy End also. Aber das ist Hollywood, nicht Pasolini. (lacht)

Sexualität als Weg der Befreiung, der Selbsterkenntnis und Veränderung wie Zerstörung im Film. Wie siehst Du Sexualität in der Gegenwart?

Mit hohem Tempo werden ständig Grenzen ausgelotet und auch verschoben. Dabei gibt es aber viele Diskrepanzen in der Authentizität. Wo sich wieder eine Klammer zu Pasolini schließen würde.

Sehr problematisch finde ich die Sexualisierung der Frau überall auf der Welt.

Wie siehst Du die Entwicklung der Filmfiguren in Teorema?

Die Haushälterin wird in der Begegnung mit dem Gast zur Heilerin. Sie verändert sich absolut positiv. Auch der Sohn, der seine künstlerische Ader entdeckt bzw. dazu stehen kann. Bei der Tochter folgt die völlige Zerstörung. Die Mutter wird zur Getriebenen. Der Vater lässt von seinem Besitz los. Ist diese Befreiung Glück für ihn?

Wie siehst Du dies beim Vater?

Grundsätzlich bedeutet Freiheit, ein Bewusstsein und einen Sinn zu finden und dies auch zu leben. Und damit Glück entstehen zu lassen. Ansonsten bleibt es Gefühl. Beim Vater bleibt dies für mich offen.

Was kannst Du als Frau und Schauspielerin von „Teorema“ mitnehmen?

Unabhängigkeit ist sehr wichtig im Leben. Es ist schön, wenn ein Mensch befreit, aber es gilt nicht hängenzubleiben, wenn jemand gehen will. Darüber hinwegkommen und weitermachen in seiner gewonnenen Freiheit und Unabhängigkeit. Ansonsten ist man ja wieder gefangen. Für mich trifft der Film da einen Kern von Existenz, Liebe, Gesellschaft.

Wie siehst Du das Bild des Menschen bei Pasolini?

Verletzlich, fragil, Stabilität suchend oder wollend. Und alles in Bewegung setzend, diese Stabilität zu bekommen. Daran verzweifelnd, wenn dies nicht gelingt.

Gab es bisher berufliche Berührungspunkte zu Pasolini?

Nein.

Was sind Deine beruflichen Pläne derzeit?

Ich arbeite gerade an zwei Theaterstücken, auf die ich mich sehr freue!

Wie sehen die Sommerausblicke aus?

Ich bin Moderatorin beim Wiener Kultursommer. Und vielleicht gibt es die Möglichkeit zu einem Filmdreh, mal sehen.

Darf ich Dich abschließend zu einem „Teorema“ Akrostichon bitten?

T äuschend harmonisch ist die Familie.

E in fremder Mann kommt zu Gast.

O hne Bedenken, frei.

R eicht jedem mehr als nur die Hand.

E r hilft.

M itnichten.

A m Ende sind nicht alle glücklich.

Verena Spiesz, Schauspielerin _ acting „Teorema“ (Film, 1968, P.P.Pasolini) _
100.Geburtstag P.P.Pasolini (*1922 Bologna +ermordet 1975 Rom)

Liebe Verena, vielen Dank für das Interview und das szenische „Teorema“ Fotoshooting anlässlich des 100. Geburtstags von P.P.Pasolini! Viel Freude und Erfolg für alle Projekte!

100.Geburtstag _ P.P.Pasolini (5.3.1922 Bologna – +ermordet 2.11.1975 Rom) _ im Gespräch und szenischem Fotoporträt zum Film „Teorema“ P.P.Pasolini (1968):

Verena Spiesz, Schauspielerin _Wien

Walter Pobaschnig 7_22

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„Groß“ Christian Schleifer, Schriftsteller _ Give Peace A Chance _ Wien 24.7.2022

GIVE PEACE A CHANCE


G roß

I st nun

V ieler Menschen

E xistenzangst



P andemie und

E ndlose Kriege überall,

A ber sieh und glaub, an

C hancen,

E rhebe dich, steh




A uf und sieh jeden Tag als




C  hance. Als Chance, du selbst zu sein.

H eb dein Herz und deinen Geist

A uf dass die Menschheit sich befreie von

N ar(r)zissten,

C hancen ergreifen

E ndlich sprengt Ketten.


Christian Schleifer, 21.6.2022

Christian Schleifer, Schriftsteller

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Christian Schleifer, Schriftsteller

Fotos_Sebastian Räuchle

Walter Pobaschnig _ 21.6.2022.

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„Jetzt ist immer alles wichtig. Jede Sekunde ist wichtig“ Katrin Butt, Sängerin_Wien 24.7.2022

Liebe Katrin, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Momentan habe ich gerade mein Drehbuch“Sie liebt“abgeschlossen, an dem ich jeden Tag geschrieben habe.

Ich schreibe an mehreren Projekten, bereite mich für ein Musikvideo vor. Ist unterschiedlich. Ich gehe jeden Tag mit meiner Katze mit der Leine im Garten. Leider geht das nur so, weil es eben in der Stadt ist. Leider kann ich meine Freundin nur ab und zu besuchen, die schon länger im Spital ist.

Ich versuche zu meditieren, das ist der einzige Weg, der mir Frieden gibt. Es gelingt mir leider momentan nicht immer, aber ich strebe es an.

Katrin Butt_
Schriftstellerin,Sängerin,Schauspielerin,Filmemacherin,Regisseurin, Künstlerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Was meinst Du mit jetzt? 🙂 Jetzt ist immer alles wichtig. Jede Sekunde ist wichtig.

Falls Du die Corona Zeit meinst, bin ich froh, dass das jetzt besser ist!

Ich kann nicht sagen, was für“uns“wichtig ist, für mich ist es wichtig, eine innere Mitte zu haben. Daß ist es wahrscheinlich für Jeden.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Literatur, dem Theater, der Kunst an sich zu?

Die Kunst war schon immer verantwortlich für Aufbruch und Neubeginn. Nicht erst jetzt. Sicher werden sich die Geschehnisse in den Biographien  auch der Künstler in ihrer Kunst widerspiegeln. Ja, wir waren eingesperrt, ausgesperrt. Aber ich habe das vorher schon gekannt. Durch Erlebnisse und Krankheiten, die mich vom Leben ausgesperrt haben.

Die Aufgabe der Kunst, des Theaters und der Musik ist einerseits die Menschen zu trösten, zu unterhalten und andererseits wirklich wachzurütteln. Ich sehe den Weg der Kunst eigentlich spirituell. Ich zumindest habe schon etwas, das ich Menschen weitergeben will, damit Sie gesund und glücklich oder glücklicher werden.

Was liest Du derzeit?

Wegen einer Arbeit. Medea.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Was Du nicht willst, daß Dir man tu, daß füg auch Niemand Andrem zu. 🙂

Vielen Dank!

Bitte, gerne

Vielen Dank für das Interview liebe Katrin, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Katrin Butt_Schriftstellerin, Sängerin, Schauspielerin, Filmemacherin, Regisseurin, Künstlerin

Fotos_privat.

2.5.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Musik hat die Fähigkeit, Grenzen zu überwinden“ Anna Reisigl, Bassistin _ Wien 23.7.2022

Liebe Anna, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Da mein Leben aus privaten und beruflichen Gründen an verschiedenen Orten stattfindet, ist mein Tagesablauf oft sehr verschieden. Die Dinge, die aber jeden Tag dazugehören: Mediation/Yoga & (viel) Kaffee morgens; Übe-Zeit am Instrument, Komponieren und eine Ladung E-Mails und Social Media am Computer. Eine Runde Laufen und (endlich wieder) Konzerte und Proben versüßen meist ein paar Tage in der Woche.

Anna Reisigl, Bassistin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Menschen nicht nur auf ihre Meinungen zu reduzieren und zu lernen, Menschen mit Ansichten, die vielleicht nicht ganz den unseren entsprechen, zu akzeptieren und nicht abwertend zu behandeln – egal ob es sich um Familie, Freunde, etc. handelt. gutes Stichwort: gewaltfreie Kommunikation.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt der Musik, der Kunst an sich zu?

Die vergangenen zwei Jahre haben uns in Bezug auf das Leben als Gemeinschaft, die Akzeptanz des Individuums und die Toleranz gegenüber dem Nicht-Normativem wieder weit zurück geworfen. Es gilt, sich wieder auf diese Dinge zu berufen, denn nur so sind wir als Gemeinschaft fähig, etwas zu bewirken. Ich bin davon überzeugt, dass die Kunst und (für mich im Speziellen: die Musik) die Fähigkeit hat, Grenzen zu überwinden, absolut verschiedene Menschen zusammen zu bringen und ein Umdenken in der Gesellschaft in Bezug auf Toleranz und Akzeptanz des Individuums zu fördern.

Was liest Du derzeit?

„Milk and Honey“ – Rupi Kaur
„Musicking: The Meanings of Performing and Listening“ – Christopher Small

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„stay strong through your pain
grow flowers from it
you have helped me
grow flowers out of mine
bloom beautifully
dangerously
loudly
bloom softly
however you need
just bloom“
(Milk and Honey – Rupi Kaur)

Anna Reisigl, Bassistin

Vielen Dank für das Interview liebe Anna, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Anna Reisigl, Bassistin

https://annareisigl.com/

Fotos_Dino Bossnini

23.6.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Geben“ Yasemin Cetinkaya, Filmemacherin _ Give Peace A Chance _ Wien 23.7.2022

GIVE PEACE A CHANCE

G eben

I nspiration geben

V erpflichtungen

E rkenntnisse sammeln



P ositive vibes

E ingehen auf Andere

A chtsamkeit gegenüber jedem/sich selbst

C hancen geben

E rwachen aus der Medienlandschaft



A nnehmen von Kritik




C ourage zeigen

H erz öffnen

A rbeiten an sich selbst

N ähe zulassen

C hansons singen

E ntdecken von anderen Kulturen


Yasemin Cetinkaya, 18.6.2022

Yasemin Cetinkaya, Filmemacherin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Yasemin Cetinkaya, Filmemacherin

Foto_privat

Walter Pobaschnig _ 18.6.2022.

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„Grausam“ Salih Jamal, Schriftsteller _ Give Peace A Chance _ Düsseldorf 22.7.2022

GIVE PEACE A CHANCE

G  rausam

I  st es zu ertragen. Wie wir uns in Kriegen

V  vergewaltigen, foltern und

E  erschlagen.

P erverse Zeit aus

E goismus, Korruption, Betrug und Geld

A ktien regieren diese Welt.

C haos wird genutzt. denn sie werden reich durch

E igennutz vor Umweltschutz.

A m Arsch!

C äsarísmus ist Faschismus.

H aut den Despoten

A uf die Pfoten

N iemand will Terror und Kannibalismus

C harakter ist vonnöten.

E ure Lethargie und Gleichgültigkeit gehen mir auf die Klöten.

Steh auf und geh raus! Wie kann man sich nicht wünschen, dass all das aufhört?


Salih Jamal, 11.7.2022

Salih Jamal, Schriftsteller

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Salih Jamal, Schriftsteller

Foto_privat.

Walter Pobaschnig _ 11.7.2022.

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„Ich sehe Lyrik per se als subversives Medium“ Matthias Engels, Schriftsteller _ Steinfurt/D 22.7.2022

Lieber Matthias, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

In meiner westfälischen Kleinstadt und in meinem täglichen Leben als Hausmann und Vater hat sich wenig spürbar verändert. Ich bin immer noch derjenige, der die Tochter zur Schule bringt, den Haushalt macht, die Fragen der Krankenkasse beantwortet und die wechselnden Handwerker im Haus betreut. Wenn die Liebste nach 9 oder 10 harten Stunden im Sozialwesen-3 Jahre- Corona-Dauerstress nach Hause kommt, sind wir Familie und tun, was Familien tun.

In den unsichtbaren Fenstern dazwischen schreibe ich aus essentiellem Müssen heraus Gedichte und Romane. Ich weiß selber nicht, wann! Wie immer. Seit Februar lese ich dazwischen allerdings auch immer öfter besorgt die Nachrichten und frage mich immer öfter, ob Literatur und normales Familienleben noch selbstverständlich, überhaupt möglich oder adäquat sind. Aber das tue ich auch schon seit 3 Jahren, um genau zu sein- allerdings ist die aktuelle Sorge keine andere, sondern eine weitere.

Matthias Engels, Schriftsteller 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Jetzt ist für uns alle wichtig, was es immer war- nur mit einer noch größeren Dringlichkeit: Mensch bleiben…oder besser: werden. Mitgefühl, Haltung, von mir aus auch Caritas oder Demut- alles mir unerklärlicherweise völlig unpopuläre Begriffe!
Es gab ja  immer beides: Selbstherrlichkeit und Selbstlosigkeit- nur, dass das das Gleichgewicht, das meines Erachtens über die Jahre mal besser, mal schlechter funktioniert hat, momentan deutlich in die falsche Richtung auszuschlagen droht. Wir müssen kapieren, dass unser eigener Wohlstand, unsere eigenen Belange nicht der zentrale Kern des Universums ist und schon gar nicht zu verwechseln mit: Freiheit! 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Entscheidend wird sein, dass wir uns trauen und zumuten, uns zu interessieren. Uns mit schwierigen und verwirrenden Tatsachen zu konfrontieren. Desinteresse ist in meinen Augen die schlimmste Volkskrankheit- diese scheinbar abgebrühte Distanziertheit, als ob uns das alles nichts anginge.

Meinungen akzeptieren, die abweichen aber haltlosen Blödsinn beim Namen nennen- damit wäre schon viel erreicht. Kunst und Literatur kann dabei helfen, eigene Maßstäbe zu entwickeln, weil sie frei ist. Sie darf eine ganze Menge und wenn sie so gemacht ist, das sie sich weder dem halbreligiösen Unterhaltungsgebot unterwirft, noch so elitär, dass sie niemanden mehr erreicht, kann sie ein mächtiges Instrument sein- auch gegen Despoten!


Speziell die Lyrik sehe ich schon seit Langem als per se subversives Medium. Sie nimmt in keiner Weise am Geldkreislauf teil; sie produziert nichts, erwirtschaftet nichts und das Gedicht ist mit das einzige Kunstwerk, das eins zu eins aus dem Gedächtnis wieder – und weitergegeben und somit kaum zensiert oder verboten werden kann. Niemand kann einen Roman oder eine Oper oder ein Gemälde exakt einem anderen vermitteln, wenn das Buch, die CD oder eben das Bild nicht vorliegen- mit einem Gedicht ist das möglich! Deshalb fürchten viele Regime auch die Dichter so sehr. Sie und ihre Werke sind schlecht völlig mundtot zu machen – das sollte man doch nutzen!

Was liest Du derzeit?

Ich lese immer sehr viel parallel; manches aus beruflichen Gründen, anderes strikt privat. Neulich entdeckte ich die Gedichte Zbigniew Herberts neu und dachte: Wow- genau das war dieser Impuls, der dich vor 30 Jahren zum Schreiben brachte! Wenn Literatur, wenn Lyrik einen derart packen kann, dann besteht Hoffnung. Außerdem lese ich gerade eine bunte Mischung von Romanen, allerlei zeitgenössische Lyriker und wie immer eine Menge Essays zur Literatur- u.a. Anna Baars grandiose Rede zur Eröffnung des Bachmann-Preises.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Du schaust auf meine hände

Und sagst- sie sind schwach wie blumen

Du schaust auf meinen mund
zu klein um zu sagen: welt
Schaukeln wir lieber auf dem stengel der augenblicke
 trinken wind
 und sehen zu wie uns die augen versinken                        (Zbigniew Herbert)

Matthias Engels, Schriftsteller 

Vielen Dank für das Interview lieber Matthias viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Matthias Engels, Schriftsteller 

https://matthiasengels.jimdofree.com/

Zur Person: MATTHIAS ENGELS,

Autor, Referent & Herausgeber

geboren 1975 in Goch/Niederrhein, lebt seit 2001 in Steinfurt. Der gelernte Sortimentsbuchhändler veröffentlicht seit 2008 Romane und Lyrik in Einzel-publikationen sowie Zeitschriften, Magazinen und Anthologien. Zahlreiche Herausgeberschaften. 2020 und 2022 gefördert vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen. 2020 und 2021 gefördert vom Literarischen Colloquium Berlin. Engels ist Mitglied im Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller sowie der Gesellschaft für Literatur. Aufgenommen in Kürschners Literaturkalender.

Matthias Engels ist Autor zahlreicher Lyrikbände, zuletzt: Wir alle strahlen, (Edition offenes Feld 2020) und einiger Romane. Die heiklen Passagen der wundersamen Herren Wilde & Hamsun (stories&friends 2015) über einen wenig bekannten parallelen USA-Aufenthalt des irischen Dandys und des provokanten norwegischen Nebelpreisträgers war 2016 Kandidat für die Hotlist.

Zuletzt erschienen sind seine Version einer Liebesgeschichte: Bullerbü brennt (apebooks 2021) und sein biographischer Roman: Des Königs Kolumbus (Edition offenes Feld 2022) der den Lebensweg Franz Löhers, einer vergessenen westfälischen Geistesgröße, nachzeichnet, der es als Metzgerssohn schließlich an den Hof Ludwig II. von Bayern schafft und von diesem mit einer geheimen Mission beauftragt wird.

BLOG: http://dingfest.wordpress.com/
FACEBOOK: https://www.facebook.com/readingmonkey
LITERATURPORT: https://www.literaturport.de/Matthias.Engels/
Herausgeber Literaturmagazin: Die sentimentale Eiche
https://sentimentaleeiche.wixsite.com/website

Fotos_Portrats: Rainer Nix;

11.7.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Gerne“ Minu Ghedina, Schriftstellerin _ Give Peace A Chance _ Innsbruck 21.7.2022

GIVE PEACE A CHANCE

Gerne

Im

Vogelflug

Erkunden wir

Prächtig

Erhaben

Ach und wunderschön den

Chorgesang der Erde

Eben dieser einen Erde

Ahnen wir doch den Verlust

Chamäleon gleich

Hätten

Alle

Noch schnell

Chiffonzart und innig und

Ehrfürchtig sich ihr angepasst. Hätten.


Minu Ghedina, 4.7.2022

Minu Ghedina  _Schriftstellerin, Malerin/ Bildhauerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Minu Ghedina  _Schriftstellerin, Malerin/ Bildhauerin

https://www.ghedina.eu/

Foto_privat.

Walter Pobaschnig _ 4.7.2022.

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