Liebe Maria, welche Bezüge, Zugänge gibt es von Dir zu Romy Schneider?
Romy Schneider war mir bereits in der frühen Kindheit ein Begriff. Damals – wie natürlich auch heute – waren die sogenannten „Sissi-Filme“ mit ihr in der Titelrolle sehr beliebt. Anschauen durfte ich sie allerdings nicht. Ich kannte die Geschichten nur von meinen Freundinnen. Da mein Vater ja Historiker war, verwehrte er sich dagegen, dass in „seinem Hause“ diese – wie er sie nannte – geschichtlich verfälschten Geschichten konsumiert wurden. Später interessierte ich mich für sie als Schauspielerin im Speziellen.
Gibt es einen Film von Romy Schneider, den Du hervorheben möchtest und warum?
Death Watch von Bertrand Tavernier mit Romy Schneider und Harvey Keitel in den Hauptrollen.
Es gab damals einen Vorfall bei den Dreharbeiten, der mich sehr berührt hat. Es ging um eine Szene zwischen Schneider und Keitel, wobei sie plötzlich aus der Szene aussteigt, um ihm eine schallende Ohrfeige zu verpassen. Sie war erzürnt darüber, dass ihr Szenenpartner ihr anscheinend nicht richtig zugehört hatte, sozusagen weit entfernt war „vom echten Leben unter vorgestellten Umständen vor der Kamera“, sondern sich eher eitel in Position bringen wollte, herumkauend auf einem Heuhalm. Das fand ich großartig! Jetzt weniger die Gewalt, sondern das Einfordern von Wahrhaftigkeit im Spiel.
Gab es Berührungspunkte zu Werk und Leben Romy Schneiders in Deinen bisherigen Schauspielprojekten?
Berührungspunkte vielleicht in einigen ihrer Aussagen, die man aus ihren Interviews kennt. Sie sagte einmal in Anspielung auf ihre Rolle Philomena Schmidt in Le Trio Infernal:“Es ist reizvoll, Rollen zu spielen, die so ganz anders sind als ich.“ Dies vermag mir aus der Seele zu sprechen. Ich habe, glaube ich, diesen Beruf gewählt, um viele verschiedene Leben zu leben. Vielleicht kann man hier von einem kleinen Berührungspunkt sprechen.
Wie siehst Du das Spannungsverhältnis von Leben und Schauspielberuf bei Romy Schneider wie an sich?
Das wenige, was ich über ihr Leben weiß, bzw. was uns darüber vermittelt wird, zeigt mir persönlich, dass sie eventuell sehr gelitten hat unter dem öffentlichen oder medialen Wunsch, sie für den Rest ihres Lebens als Sissi zu sehen. Es hat ihr wahrscheinlich viel Kraft gekostet, sich davon zu lösen, sich über die Jahre von dieser Rolle zu emanzipieren und sich schließlich neu zu definieren.
Romy Schneider wechselte nach großen Schauspielerfolgen in den 1950er das Filmgenre wie das Land. Wie siehst Du die Möglichkeiten persönlichen Entwicklungsweges im Schauspielberuf?
Das Wunderbare am Schauspielberuf ist, dass man mit fast jedem neuen Projekt auch das Team wechselt, sich dadurch ständig mit neuen Menschen umgibt und sich aus diesem Grund auch zwangsläufig neuen Ansichten, Methoden, Techniken, Sprachen, Geschichten etc. aussetzt. Ich glaube, dieser Umstand kann schnelle Entwicklungssprünge zur Folge haben. Persönlich wie professionell. Erfahrungsgemäß kann ich mir als Schauspielerin selten meine Arbeitskolleg*innen aussuchen, was natürlich dazu beitragen muss, an mir selber zu arbeiten, Wege zu finden, an einem fruchtbaren Probenprozess mitzuarbeiten. Wie begegne ich Menschen respektvoll in Zeiten größter Anspannung kurz vor der Premiere. Wie kann ich mich behutsam innerlich öffnen für ganz sensible Szenen. Welchen Weg wähle ich, um für meine Rolle einzustehen. Wie komme ich klar mit inszenatorischen Entscheidungen, auf die ich keinen Einfluss habe.
Was kann eine Schauspielerin von Romy Schneiders Werk und Leben mitnehmen?
Ich bewundere Romy Schneider in vielerlei Hinsicht. Was ich persönlich mitnehmen kann, ist sicherlich ihr unermüdliches Streben nach schauspielerischem Wachstum. Hat sie nicht irgendwann einmal gesagt, nachdem ein Journalist sie als große Schauspielerin bezeichnet hat: “Große Schauspielerin… naja. Ich lerne.“
Gibt es etwas typisch Wienerisches bei Romy Schneider?
Vielleicht ihre Sprache? Sie hat ein paar Worte, die sie richtig Wienerisch ausspricht. Aber vielleicht auch ihre melancholische Natur, die manchmal durchscheint bei Interviews. Den Menschen in Wien wird doch Melancholie und Schwarzmalerei nachgesagt?
Was bedeutet Dir Wien/Österreich und welche Erfahrungen hast Du hier im Schauspielberuf gemacht?
Zu Wien hege ich, wie man so schön sagt, eine Hassliebe. In Wien bin ich erwachsen geworden, würde ich sagen. Es war die erste Großstadt, in der ich gelebt habe und als 19Jährige, die soeben aus Neuseeland zurückkehrte, bedeutete sie die große weite Welt und eine Welt, die mein Fernweh damals etwas stillen konnte. Ich bin in einem kleinen Ort in Oberösterreich aufgewachsen und es war mir früh klar, dass ich ihn irgendwann hinter mir lassen musste. Was mir im Grunde leicht fiel, da auch meine Eltern anderswo ihre Heimat hatten und meine Familie dort nach wie vor als „zuagroast“ gilt. In Wien bin ich in die Schauspielschule gegangen und habe hier auch mein Handwerk erlernt. Das Fernweh hatte mich natürlich längst wieder eingeholt, deshalb organisierte ich mir nach 2 Jahren dann einen Erasmusaustausch mit einer Universität in Schottland, an der ich schließlich meinen Schauspielabschluss gemacht habe. Da durfte ich die Schulbank mit heute internationalen Schauspielgrößen drücken. Weiter ging’s nach London. Aber Wien ließ ich nie aus den Augen, aus dem Herzen. Und die Rückkehr war großartig! Endlich konnte ich wieder in meiner Muttersprache spielen.
Wie siehst Du die Möglichkeiten als Schauspielerin in Wien/Österreich?
Wien zieht seit jeher Künstler*innen aller Sparten an, ist seit Jahrhunderten ein Hotspot, könnte man sagen. Im Vergleich zu Großbritannien gibt es natürlich viel weniger Angebot an Filmrollen, aber auf der anderen Seite eine riesige Nachfrage. Für meine internationalen Schauspielfreund*innen, die in London, Kalifornien, New York leben, sind 5 Castings pro Tag 7 Mal die Woche völlig normal. Davon können wir hier in Österreich nur träumen. Die Filmproduktionskultur ist hier eine völlig andere. Es gibt wunderbare staatliche Fördermaßnahmen, die es in Großbritannien und Amerika so niemals gebenwürde, aber deshalbfehlen uns andererseits hier auch ein wenig die Privatinvestoren. Mir kommt vor, dass sich die Kultur des „fundraisings“ noch nicht so etabliert hat.
Im Theaterbereich kenne ich persönlich die sogenannte Off-Szene sehr gut (aus dem Amerikanischen von „Off-Broadway“, was so viel heißt wie „abseits des Broadway“). Auch hier fehlt es an Geld, an sozialen Sicherheiten. Als Schauspielerin bin ich es gewohnt, auf der Bühne für wenig Geld zu arbeiten. Wunderbar ist es natürlich, wenn ich hin und wieder in TV-Produktionen mitwirke. Und wenn man mich nach meiner bescheidenen Meinung fragen würde, dürfte in diesem Bereich noch viel mehr produziert werden. Wahnsinns Ideen und richtig gute Schauspieler*innen gäbe es genug!
Was wünscht Du Dir für den Schauspielberuf?
Ich wünsche mir, dass ich bis an mein Lebensende dafür brenne, dass ich bis an mein Lebensende nicht müde werde zu lernen, wie ich mich immer mehr loslasse und der Rolle, die ich verkörpere Raum gebe, um Menschen mit Geschichten zu inspirieren, die ich ihnen mit Wahrhaftigkeit und Leidenschaft zu erzählen vermag.
Was sind Deine kommenden Projekte?
Ich habe vor 10 Jahren ein englischsprachiges Theater mitbegründet, die Open House Theatre Company, und wir haben soeben unsere neue Saison finalisiert.
Dann probe ich gerade für ein Theaterstück mit 2 Künstlern, die ich verehre. Darauf freue ich mich unendlich.
Ich arbeite momentan auch an einigen Drehbüchern mit meinem Mann, der ebenfalls Schauspieler und Regisseur ist. Mehr möchte ich noch nicht verraten.
Was möchtest Du Schauspielstudenten*innen mitgeben?
Finde Lehrer*innen, die Dich inspirieren und von denen Du das Handwerk richtig gut lernst. Lehrer*innen, die Dir zuhören und sich wahrhaftig für Dich interessieren. Dann gib nicht auf, suche Dir Projekte, die Dich erfüllen, umgib Dich mit Menschen, die Dich herausfordern und entwickle ein Gespür dafür, welche es gut mit Dir meinen. An die halte Dich. Erfolg bedeutet: Fall down 7 times, get up 8.
Was würdest Du Romy Schneider sagen, fragen wollen?
Ich verneige mich in Ehrfurcht.
Wie siehst Du die Umstände des Todes von Romy Schneider?
Es ist vollkommen nachvollziehbar, dass sie über den äußerst tragischen Tod ihres Sohnes nie hinweggekommen ist… mehr möchte ich dazu nicht sagen.
Darf ich Dich abschließend zu einem Romy Schneider Achrostikon bitten?
Raw
Obsession
Muse
Yearning
Maria Lohn, Schauspielerin _ acting Romy Schneider _ 40.Todesjahr Romy Schneider, Schauspielerin (*1938 Wien +1982 Paris)
40.Todesjahr _ Romy Schneider, Schauspielerin (*1938 Wien +1982 Paris) _ im Gespräch und szenischem Fotoporträt_acting Romy Schneider
Mein Tagesablauf (Arbeitstag ) beginnt meist gegen 7.40h mit Meditation, Yoga und einer großen Tasse Tee. Dann gehts raus mit meinem Hund Paco, anschließend ein kleines warmes Frühstück und ab auf die Probe.
Mittags gegen 14.00 ab nach Hause, raus mit Paco und dann was Gutes kochen. Das ist mir sehr wichtig, weil es die Seele beruhigt und mich wieder Zuhause ankommen und runterfahren lässt.
Am Nachmittag bereite ich mich dann auf die Abendprobe oder eine anstehende Vorstellung vor, kümmere mich um alles was sonst so liegen bleibt und wenn ich richtig gut drauf bin, schaff ich sogar nen Mittagsschlaf und/oder Telefonate. Soziale Kontakte muss man ja auch noch irgendwie pflegen 😉
Dann gehts gegen 19.00 wieder auf ins Theater, aber nicht, ohne mit Paco noch ne kleine Runde gedreht zu haben !
Nach der Probe/der Vorstellung geh ich meist nach Hause, mache die letzte Hunderunde des Tages und nehme mir Zeit für meine Abendroutine. Natürlich wieder mit Tee. Manchmal schaffe ich es dann noch, 3-4 Seiten zu lesen, bevor mir die Augen zufallen.
Momentan genieße ich aber eine Freirunde, bin also in keiner neuen Produktion besetzt und muss nicht zur Probe. Und so passiert es häufig, das Paco und ich die Morgenspaziergänge vor alles setzen, sie lang ausdehnen, die Herbstsemesters genießen und erst dann nehme ich mir Zeit für anderes.
Nora Charlotte Schulte, Schauspielerin und Sprecherin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Hui. Keine einfache Frage. „Ziemlich viel“ fällt mir als Erstes ein.
Doch vielleicht ist es einfach „da zu sein“. Für andere und für sich selbst. Und immer wieder zu versuchen, achtsam auf äußere Umständen und innere Zuständen zu regieren. Zu verstehen, wie sie zusammenhängen und zu gucken, wo unsere Hilfe gebraucht wird. Fokus nach Innen und Außen. Balance. Klingt abgedroschen, ist aber, wenn man sie hat mehr als Gold wert.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Umbrüche und Aufbrüche beherbergen vor allem Gutes. Davon bin ich felsenfest überzeugt. Sie bieten die Chance uns selbst und das Leben, das wir leben zu hinterfragen, neu zu strukturieren, andere Schwerpunkte zu setzen, zu sortieren, zu resetten und manchmal sogar ganz neu zu beginnen. Wichtig ist dann vor allem, einen kühlen Kopf, klaren Geist und ein offenes Herz zu haben.
Und grade in solchen Zeiten, können Theater (und natürlich Kunst an sich) „da sein“. Das tolle ist ja, dass Theater eigentlich alles sein kann, was es möchte. Wenn man es lässt. Es kann Anker sein, wenn einem Auf-und Umbruch zu viel sind und Angst machen. Es kann Erhalten, archivieren, es kann einen für einen Moment alles andere vergessen lassen. Zuflucht zu einem Sehnsuchtsort sein. Und genau so kann es auch Ideenschmiede für Neues/Anderes sein, einen anstoßen. Es kann unbequem sein, einen auf- und wachrütteln und Denkanstöße verpassen, die man sich vielleicht selbst nie gegeben hätte. Und und und. Wie könnte etwas so vielfältiges generell, aber grade in Umbruchszeiten, nicht eine wichtige Rolle spielen?
Was liest Du derzeit?
„Ein Dürener Junge kehrt immer zurück“, die Memoiren meines Großvaters Teil 1. Er hat sie anhand seiner Tagebücher verfasst hat. Teil 1 umfasst die Jahre 1934-ca.1958.
Vom Familienleben als ältester von fünf Brüdern, über die Erfahrungen eines Kindes im zweiten Weltkrieg , bis hin zur großen Liebe mit Hochzeit ist alles dabei!
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Et kütt wie et kütt und et hätt noch immer jot jejange“
(Versucht wörtlich zu übersetzen : Es kommt wie es kommt, und ist doch immer gut gegangen/ wird immer gut gehen)
Als waschechte Berlinerin natürlich ein riesen Fauxpas, hier mit so nem köllner Gebot um die Ecke zu kommen. Aber vielleicht sind es grade die Memoiren meines rheinländischen Großvaters, die mich zu dem Zitat verleiten.
Ich finde dieser Satz vermittelt eine Mischung aus Tiefenentspanntheit, positivem Blick nach vorn, aber auch der Bereitschaft aus ALLEM was kommt, das Beste zu machen. Finde ich grade in diesen Zeiten, keine schlechte Grundeinstellung.
Vielen Dank für das Interview lieber Nora Charlotte, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Theater-, Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Nora Charlotte Schulte, Schauspielerin und Sprecherin
Zur Person: Nach ihrem erfolgreich abgebrochenen Studium der Theater- und Literaturwissenschaften, zog es die waschechte Berlinerin nach München zum Schauspielstudium. Noch während diesem, tobte sie als Gastschauspielerin über die Bühnen des Metropol Theater München und des Staatstheater Nürnbergs, bevor es sie dann 2018 ins bezaubernde Halle an der Saale zog. Dort ist sie seitdem festes Ensemblemitglied. Parallel dazu ist sie als Sprecherin tätig und arbeitet vor allem gern und viel mit dem Buchfunkverlag Leipzig zusammen. Wenn sie Glück hat, lassen sich im Jahr auch ein paar Drehtage einrichten und so kann es auch schon mal passieren, dass sie über ihren (Fernseh)Bildschirm flimmert, oder Sie ihr auf der Kinoleinwand begegnen. Nora Schulte liebt guten Tee, lange Herbstspaziergänge mit ihrem Hund, dunkle Schokolade und den Geruch von Gewitter.
Foto_Johannes Ackner
22.10.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.
Vormittags arbeite ich an meinem aktuellen Romanprojekt, einer Familiengeschichte im 19. Jahrhundert. Nachmittags gehe ich in den Weinbergen oder im Wienerwald spazieren, oder ich mache eine kleine Radtour irgendwohin. Am Abend lenken mich Freunde von der Schreiberei ab, oder ich schaue einen nicht besonders anspruchsvollen Film.
Max Haberich, Schriftsteller
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Damit man sich nicht durch täglichen Nachrichtenkonsum in Depressionen stürzt, empfehle ich regelmäßige Stadtfluchten in die Berge oder in den Wald. Das bietet Anlass zur Selbstbesinnung. Es hilft auch, sich mit schönen Dingen beschäftigen: Kunst, Musik und Literatur.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
In Über das Pathetische hat Schiller geschrieben: „Die Poesie kann dem Menschen werden, was dem Helden die Liebe ist. Sie kann ihm weder raten, noch mit ihm schlagen, noch sonst eine Arbeit für ihn tun; aber zum Helden kann sie ihn erziehen, zu Taten kann sie ihn rufen, und zu allem, was er sein soll, ihn mit Stärke ausrüsten.“
Neben Mut kann einem die Literatur, die Kunst allgemein auch Halt geben in einer desorientierten Welt.
Was liest Du derzeit?
Asfa-Wossen Asserate, Draußen nur Kännchen. Unverkrampfte und sympathische Überlegungen zu deutschen Eigenheiten.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Die Welt wird nicht bedroht von den Menschen, die böse sind, sondern von denen, die das Böse zulassen.“ – Einstein
Vielen Dank für das Interview lieber Max, und viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Ines Oppitz, österreichische Schriftstellerin, Literaturwissenschaftlerin wie Literaturvermittlerin lädt in ihrem neuesten Poesieband zu einer ganz besonderen Reise in die Lebens-, Erlebnis-, Erfahrungs- und Erinnerungsräume des Menschen ein.
Der Gedichtband ist in fünf Zyklen strukturiert, in denen mit außergewöhnlicher poetischer Virtuosität Sprache, Welt, Existenz geöffnet, reflektiert und mitgeteilt wird.
Ines Oppitz versteht es in einmaliger Weise Poesie in Dur und Moll wunderbarer Sprachtöne klingen zu lassen und dabei Leserin und Leser ganz unmittelbar in ihren inneren Klangräumen an- und mitzunehmen. Da ist Emotion, Reflexion in allen poetischen Farben und das Wandeln, Wiedererkennen, Staunen, das Überraschen-Lassen wie der vielfältige Impuls darin sind ein Lese- wie Seelengenuss.
„Ein Gedichtband, der die Seele von Sprache, Mensch und Welt einmalig klingen lässt.“
Da ist Wien, eine Millionenstadt in all ihrer gegenwärtigen Lebendigkeit auf dem Netzwerk der Straßen, Wegen, die gleichsam das Herz der Stadt tragen und verbinden. Generationen von Menschen, die hier in guten und schlechten Zeiten in all ihren Träumen, Sorgen, Herausforderungen Lebenswegen folgen und folgten und ihre Spuren hinterlassen und hinterließen…
Und diese Spuren sind vielfältig, spannend, geheimnisvoll und in vielen unentdeckt. Vom Raub der „Stephanskrone“ bis zum „Hanswurst-Streit“, von der Cholera bis zur „Magnatenverschwörung“ bis zur „Weißen Rose von Wien“ und dem Widerstand gegen Hitler…
Es sind Straßen und Orte voller Geschichte und Geschichten, die das Fundament einer Stadt in Geschichte und Gegenwart bilden und in Wien ist dies etwas ganz besonders, über Generationen weitergegebenes, das in tausend Farben strahlt in guten wie in schlechten Zeiten…
Georg Haman, Autor und Schriftsteller, lädt mit „60x Wien“ zu einer spannenden, kompakten historischen Reise nach Wien ein, die vielfach zu begeistern weiß. Ob der vielfältigen Geheimnisse, Geschehnisse, die hier ans Licht kommen wie ob der Erzählkraft, die Leserin und Leser zu begeistern weiß.
Es sind historische, gesellschafts- und kulturgeschichtliche Miniaturen einer Stadt in Wort und Bild, die inhaltlich und formal überzeugen.
„Ein Wienbuch wie es besser nicht sein könnte – spannend, fesselnd, lehrreich!“
„60x Wien wo es Geschichte schrieb“. Menschen Mächte Momente. Georg Hamann. Amalthea Verlag.
Mein Tag beginnt immer mit einem Darjeeling ‚First Flush‘ der Teekampagne, den ich in unserem Wohn-/Arbeitszimmer trinke, im Schaukelstuhl, in eine Wolldecke gehüllt. Diesem Tee kommt in letzter Zeit eine besondere Bedeutung zu, weil ich den ersten Moment nach dem Aufwachen manchmal als schmerzhaft erlebe, ohne bestimmten Grund. Und der Tee versetzt mich dann zuverlässig in eine aktive, kreative, verbundene Stimmung. Tatsächlich beginne ich meistens schon im Schaukelstuhl mit der Arbeit, wobei ich mich ganz intuitiv dem zuwende, was für mich gerade ‚ansteht‘. Mal geht es eher darum, so lange wie möglich offline zu bleiben, um künstlerisch arbeiten zu können, manchmal geht’s gleich ans Netzwerken oder ans Organisieren von Veranstaltungen, manchmal ergibt sich aber auch ein Impuls für eines meiner Projekte spontan beim Zeitunglesen… Ich bin sehr dankbar, dass ich es mir erlauben kann, so verbunden mit mir in den Tag zu starten.
Lisa Kärcher_Schauspielerin, Dramaturgin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Uns mit etwas zu umgeben oder zu beschäftigen, das uns beglückt.
Tatsächlich sind die Schwierigkeiten, vor die jede*r Einzelne von uns durch die Pandemie und Wirtschaftskrise gestellt ist, gar nicht so leicht zu überblicken. Natürlich ist es wichtig, immer wieder zu betonen, wie gut es uns geht im Vergleich zu denjenigen, die von den aktuellen Krisen, vom Krieg direkt betroffen sind. Dieser Vergleich ist aber nur auf der rationalen Ebene wirksam. Ich denke, wir können es uns erlauben, ab und an daran zu denken, dass wir alle im Alltag seit einigen Jahren ziemlich viel ‚wegstecken‘. Vielleicht hilft uns das, nachsichtiger zu sein, mit uns selbst und mit den anderen.
Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt der Literatur, der Kunst an sich zu?
Für mich ist Kunst, wenn es drauf ankommt, ein ganz essentielles Lebensmittel. Sie macht uns wehrhaft, weil sie uns an einem Punkt berührt, der von den äußeren Umständen, die uns belasten, in der Regel unabhängig ist. Was Kunst bewegt, ist immateriell und daher unter allen Umständen verfügbar. In einer Zeit, die von so viel Unsicherheit geprägt ist, kann Kunst uns also Halt geben.
Was liest Du derzeit?
Sigrid Nunez‘ THE FRIEND, das ich leider gerade ausgelesen habe, war ein solches Lebensmittel. Aktuell lese ich FRIEDA von Isabella Feimer, unlängst bei Braumüller erschienen, einem Verlag, für den ich von Zeit zu Zeit als Lektorin arbeite. Besonders gern ‚lese‘ ich in letzter Zeit auch Untertitel – einige der einschlägigen internationalen Serienproduktionen überraschen mit wirklich starken Dialogen. Eigentlich lese ich sie natürlich nicht, sondern ich transkribiere sie für meinen Unterricht an der filmschool vienna.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Because art is born in expansion, in a belief in sufficient supply, it is critical that we pamper ourselves for the sense of abundance it brings to us.”
Julia Cameron
Lisa Kärcher_Schauspielerin, Dramaturgin
Vielen Dank für das Interview liebe Lisa, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Theater-, Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
„Mariana – Ein Liederzyklus wegen Maria“ Birgit Radeschnig, Mathias Krispin Bucher, Florian Steinringer(2022)
Die so vielseitige Künstlerin Birgit Radeschnig begeistert mit ihrem Liederzyklus „Mariana“ im Off Theater Wien mit einer einmaligen poetisch-musikalischen Text- und Stimmakrobatik, die ganz tief und ergreifend in die Seele von Mensch und Zeit im persönlichen Prozess des Abschieds blicken lässt.
Birgit Radeschnig im kongenialen Trio mit Mathias Krispin Bucher, Kontrabass, und Florian Steinringer, Schlagzeug, ergreift skizzenhaft Erinnerung im Gesagten und Ungesagten der Großmutter und formt daraus ein Requiem, das in der Verbindung von Sprache und Klang an ganz große Traditionen österreichischer Text- und Musiktradition anknüpft und diese selbstbewusst weiterführt. Hier sind Wiener Namen wie Ernst Jandl und Ludwig Hirsch zu nennen, aber auch Hermann von Veen und Nico (Velvet Underground), wie auch Kärntner Komponisten wie Thomas Koschat oder Gerhard Glawischnig, die gleichsam mit im Publikum sitzen und wie dieses ergriffen und begeistert staunen ob dieser Erzählkraft von Wort und Klang, die in unendlicher Aufmerksamkeit und Zärtlichkeit ein Lebensmosaik und alles Leben herum öffnet und einen herrlich humorvoll-kritischen Dialog führen lässt.
Es ist schlicht sensationell wie Birgit Radeschnig in Text, Komposition und Gesang fragmentarische Erinnerungs- und Stimmungsbilder in Dramatik und Symphonie verbindet und diese in einem mitreißenden Adagio des Loslassens und Stillwerdens einen umjubelten Schlusspunkt in atemberaubender Perfektion finden lässt.
Birgit Radeschnig begeistert mit ihrer virtuosen Stimmkraft und beschenkt mit „Mariana“ das Publikum in Sprache, Musik, Reflexion wie Performance und etabliert und katapultiert sich mit diesem fulminanten Liederabend ohne Zweifel in die erste Reihe deutschsprachiger Musik-Avantgarde.
„Ein Liederabend als sensationell mitreißendes Ereignis, das Sprache, Musik und Performance begeisternd neu definiert!“
„Mariana – Ein Liederzyklus wegen Maria“ Birgit Radeschnig, Mathias Krispin Bucher, Florian Steinringer(2022)