„Literatur muss über den Tag hinausdenken“ Andreas Pittler, Schriftsteller _ Ferlach/Ktn. 29.9.2022

Lieber Andreas, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Das ist das Spannende bei mir: der ist immer anders, denn ich weiß nie, wann mich die Muse küsst. Ich kann am Morgen bei einer Tasse Kaffee sitzen und gelangweilt in einer Zeitung blättern, da entdecke ich plötzlich einen Fünfzeiler, der mich packt, und schon beginnt sich in mir eine Geschichte zu entwickeln. Oder ich gehe zeitig in der Früh in den Wald, und plötzlich fällt mir die Ausgangssituation für eine Story ein – dann muss ich sofort zurück nach Hause, um sie aufzuschreiben. Sprich, ich weiß beim Aufwachen nie, was mich eventuell erwartet.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Bildung, Bildung, Bildung. Wir alle brauchen ein gerüttelt Maß an Neugier, vernetztes Denken und einen kritischen Geist, der jede Behauptung hinterfragt und überprüft. Erkenntnisgewinn kann nur entstehen, wenn wir uns mit einer Materie eingehend auseinandersetzen, gleichsam in sie eindringen. Und nur auf der Basis echter Erkenntnis lassen sich valide Entscheidungen treffen. Unsere heutige Gesellschaft ist durch eine Art Schnappatmung gekennzeichnet, in der Panik, Emotion und Sym- bzw. Antipathie die Grundlage für politisches und soziales Handeln darstellt. Mit dieser Haltung kommen wir aber als Gemeinschaft nicht vorwärts.

Andreas Pittler, Schriftsteller

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Gute Literatur war zu jeder Zeit das intellektuelle Korrektiv zum oberflächlichen Pragmatismus der Gesellschaft. Literatur muss über den Tag hinausdenken, eingeübte Muster hinterfragen und Modelle für die Zukunft entwerfen. Wirklich gute Literatur überdauert die Zeiten, weil sie in die Tiefe geht, weil sie nach Weisheit und nach Wahrheit strebt – und nicht irgendwelchen Geschmäckern des Augenblicks gefallen will.

Was liest Du derzeit?

Ich lese immer mehrere Bücher gleichzeitig. Derzeit zur Entspannung „Birons Welt“ von Georg Biron, zu Recherchezwecken Wolfram Siemann: „Metternich, Stratege und Visionär“ und – gerade wieder einmal – Xenophons „Anabasis“.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Immer wieder „Gnothi seauton“: erkenne Dich selbst. Erst, wenn wir wissen, wer wir sind, was uns bewegt und wohin wir uns entwickeln soll(t)en, können wir erfassen, wie die Gesellschaft beschaffen ist und formulieren, wie sie sein sollte. Dabei gefällt mir auch Shakespeare´s „This above all, yourself be true“, denn allzu oft verbiegen wir uns in vermeintlich nichtigen Kompromissen, die aber in Summe dazu führen, dass der Weg des geringsten Widerstandes zum gesamtgesellschaftlichen Stillstand führt.

Vielen Dank für das Interview lieber Andreas, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Andreas Pittler, Schriftsteller

https://www.andreaspittler.at/

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23.6.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Es darf wieder menschlicher werden“ Laura Koller, artist, creative trainer _ Athen/Greece 28.9.2022

Liebe Laura, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Durch meine Hündin bin ich zur Frühaufsteherin geworden. Um 7.30 Uhr gehe ich meistens mit ihr eine Morgenrunde. Danach gibt es ein kleines Frühstück auf der Veranda und eine Stunde später befinde ich mich meistens schon im Atelier. Die ersten Minuten nehme ich mir Zeit meine Mails zu checken und zu bearbeiten, danach arbeite ich an meiner neuen abstrakten Serie „PURE JOY“ weiter oder bereite einen Creative-Workshop für Kids vor.

Seitdem es heiß geworden ist in Athen – gibt es bei mir meist griechischen Salat zu Mittag. Danach mache ich wieder eine Hunderunde und arbeite dann wieder weiter im Atelier. Mache Skizzen oder schreibe Ideen in mein Notizbuch, die mir beim Spazierengehen einfallen. Ein kurze Kaffeepause auf der Veranda am Nachmittag ist zur Tradition geworden.

Laura Koller, artist, creative trainer _ Athen
Blick auf Athen

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Für mich persönlich ist eine Work-Life Balance in den letzten Monaten immer wichtiger geworden. Seitdem ich in der Großstadt lebe, gehe ich 3 mal die Woche trainieren und generell achte ich darauf, dass ich viel draußen in der Natur bin. Dank meiner Hündin klappt das auch ganz gut. Durch sie lerne ich Routinen zu bekommen und eine Pause zwischen dem kreativen Schaffen einzulegen. Ich übe mich darin im Moment zu leben. Und vor ein paar Monaten habe ich auch mit einem Dankbarkeitstagebuch begonnen. In welches in jeden Abend ein paar große und kleine Dinge reinschreibe, für die ich an diesem Tag dankbar bin. Was ich auch als sehr wichtig empfinde: Achtsame Kommunikation mit unseren Mitmenschen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?

Ich denke, dass wir in dieser spürbaren Zeit des Wandels lernen dürfen, flexibel zu sein. Planen funktioniert nicht mehr wirklich. Was auf der einen Seite gut ist, ist und auf der anderen sehr herausfordernd. Ich denke, es wird auch wichtig sein, dass wir Menschen wieder mehr zusammen helfen und einen liebevolleren Umgang miteinander entwickeln. Denn das macht uns stark. Ich glaube nicht mehr, dass man nur als Einzelkämpfer weit kommt. Die letzten zwei Jahre haben dem einen oder anderen vielleicht auch gezeigt, dass es nicht mehr so um das Materielle geht, nicht mehr nur um den Profit. Andere Werte wollen nun auch gelebt werden. Es darf wieder menschlicher werden. Ebenfalls spüre ich in der Kunst eine Veränderung. NFT’s sind mehr gefragt als zuvor, allerdings arbeite ich nach wie vor gerne auf einer echten Leinwand. Doch ich habe gemerkt, dass sich auch meine Art Kunst zu machen, sehr verändert hat.

Was liest Du derzeit?

Derzeit lese ich das Buch „Die Lehre des Buddha über die Liebe“ von Thich Nhat Hanh

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Alles was wir haben ist JETZT.

Laura Koller, artist, creative trainer _ Athen

Vielen Dank für das Interview liebe Laura, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Laura Koller_artist, creative-trainer

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28.8.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Cello II“ Siegfried Völlger, Lyriker _ Give Peace A Chance _ Augsburg/D 28.9.2022

GIVE PEACE A CHANCE

Cello II

Genügsam warten wir auf die Befreiung

Irgendwann, ganz unbestimmt vorhergesagt

Versprechen die jeder Prophet mit

Erfolgsgarantie abgibt

Panik ist ganz unnötig

Es sind steinerne Zusagen

Adam hat mit seiner Selbstständigkeit

Chaos ausgelöst

Er hat nie aufgegeben

Auch als es hart wurde, außerhalb

Cherubim sofort zur Stelle

Halten das Paradies sauber

Aber das Versprechen, die Prophezeiung

Nicht zu ahnen, wann Erfüllung sein wird

Courage, Freunde, holt das Cello

Ein Paradies schaffen wir selbst


Siegfried Völlger, 8.9.2022

Siegfried Völlger, Lyriker

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Siegfried Völlger, Lyriker

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Walter Pobaschnig _ 8.9.2022.

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„Pasolinis Mut“ Gisela Elisa Heredia, Dancer _ performing Teorema_100.Geburtstag P.P.Pasolini _ Wien 28.9.2022

Gisela Elisa Heredia_Choreographin, Tänzerin, Tanzpädagogin_ Wien_
performing „Teorema“ (Film, 1968, P.P.Pasolini) _
100.Geburtstag P.P.Pasolini (*1922 Bologna +ermordet 1975 Rom)

Liebe Gisela, welche Bezüge, Zugänge gibt es von Dir zum italienischen Dichter, Regisseur und Autor P.P.Pasolini?

Ich bin dankbar über dieses gemeinsame Projekt, zu dem du mich eingeladen hast und damit auch Pasolini kennenzulernen. Meine Arbeit als Choreografin hat nicht viele Ähnlichkeiten mit jener Pasolinis aber ich denke, dass seine Arbeit etwas gezeigt hat was sich viele von uns Künstler*innen vielleicht heute noch nicht trauen – ehrlich rebellisch und kritisch zu sein, mutig.

Es wird oft versucht kritisch und mutig über politische und soziale Themen auf der Bühne zu arbeiten, aber es bleibt oft sehr brav/gefügig. Wir trauen uns nicht so richtig laut zu sein, wenn es um echte Sachen geht, wir haben vielleicht Angst diesen Schritt zu gehen obwohl es manchmal sehr notwendig wäre…das wäre für mich etwas, das ich von Pasolini in meine Arbeit mitnehmen würde.

Wir haben Pasolinis Film „Teorema“ (1968) als Schwerpunkt für eine Performance gewählt. Welche Zugänge gibt es für Dich zu diesem Film im Blick auf Selbstverständnis, Sinn, Mensch und Gesellschaft?

Nichts ist selbstverständlich, ich glaube vielleicht auch wie Pasolini, dass jeder von uns – egal welche Gesellschaftsklasse – die Härte dieses Leben erleben kann. Ich denke selber vielleicht etwas optimistischer wie er aber ich finde die Verantwortung für unsere Gesellschaft muss jede/er für uns tragen…

Es ist jedoch nicht schwer, das Ziel zu entdecken, auf das der italienische Regisseur vergiftete Darts wirft, obwohl, wie es in seiner Arbeit und politischen Rede üblich war, die Oberschicht nicht die Einzige sein wird, die unter der Rüge leiden wird. Die Kritikpunkte sind heute nicht anders.

In der deutschen Filmversion gibt es den Untertitel „Geometrie der Liebe“. Wie sieht für Dich Pasolini die Liebe in diesem Film?

In meiner Sprache (Spanisch) würde der Film auch Teorema heißen. Ich interessiere mich mehr für die nicht unbedingt direkte mathematische Bedeutung. Hier habe ich versucht meine Lieblingsinterpretation über den Titel zu übersetzen:

In der Logik ist ein „Teorema“ eine Aussage, die durch Prämissen und Annahmen eines Systems abgeleitet wird, die Ideen oder Überzeugungen sind, die allgemein als wahr akzeptiert werden.

„Theorems“ sind nicht offensichtliche, aber absolute Wahrheiten, die durch logisches deduktives Denken bewiesen werden müssen.  Es handelt sich um Eigenschaften, die sich aus der Beziehung einer kurzen Anzahl intuitiver Eigenschaften ergeben, die jedoch nachgewiesen werden müssen.

Wie siehst Du Liebe bezugnehmend auf „Teorema“ heute?

Die Frage ist einfach, die Antwort nicht. Ich möchte hier sagen, dass Liebe wie Sexualität für mich privat ist und genau deswegen könnte ich meine Art Liebe zu empfinden nicht beschreiben, weil es sehr individuell ist. Ich würde jetzt mehr das allgemeine Gefühl von Liebe auf die Gesellschaft beziehen. Liebe vielleicht als verständnisvolle Art mit Menschen umzugehen in Zuneigung, Toleranz, Respekt, Offenheit, Großzügigkeit. Vielleicht ein zu romantischer Standpunkt im Vergleich mit „Teorema“

In „Teorema“ verändern sich aufgrund eines Besuches eines geheimnisvollen Menschen Ehe, Familie, Gesellschaft radikal. Dabei spielt vor allem der Körper im Moment der Erkenntnisgewinnung, Befreiung eine wesentliche Rolle. Wie siehst Du diese Aussage, Dramaturgie des Films?

Wenn der Körper als Befreiung und Lösung von vielen Fragen eine große Rolle spielt, finde ich es wunderbar. Ich als Mensch der Körpersprache kann es nur bestätigen, dass der Körper als großes Werkzeug und Übersetzer vieler Gedanken funktionieren kann. 

Du bist Choreographin, Tänzerin tätig. Dein/Der Körper ist dabei wesentliches künstlerisches Inszenierungs- und Ausdrucksmittel. Welche Bedeutung hat der Körper für Identität und Beziehung?

Der Körper ist für mich was wir sind. Geschichte, Ursprung, Alltag, zwischenmenschliche Beziehungen, Emotionen, Kraft und Zukunft. Ein schwebendes ich in einem gemeinsamen Dasein mit den anderen.

Im Film zerbricht die Ehe, die Familie und neue Wege öffnen sich. Wie siehst Du die Entwicklungswege der Filmcharaktere?

Als Zuschauerin eines Filmes oder einer anderen Kunstform versuche ich zu verstehen und zu respektieren, dass der oder die Künstler*innen immer einen Grund haben so eine Entwicklung zu zeigen. Obwohl ich in Teorema nicht alles so darstellen hätte wollen, bin ich nicht in der Lage zu sagen was richtig oder besser gewesen wäre. Vielleicht wäre mein Film nicht so autodestruktiv geworden…

Wie siehst Du den gesellschaftskritischen Ansatz im Film „Teorema“ wie im Werk Pasolinis?

Pasolini möchte ich manchmal sein…Er verspottet jene Schicht der intellektuellen Gemeinschaft, die von universellen Werten spricht und behauptet, sich den benachteiligten Klassen zu nähern, aber immer aus dem Diskurs und niemals aus der wahren politischen Aktion, die die Grundlagen der Klasse bricht, die am Ende ihre privilegierte Position beibehält. Das vermisse ich oft in unserer Gesellschaft.

Pasolini nimmt auch immer wieder religiöse Komponenten in seinen Filmen, Texten auf. Siehst Du den Fremden in „Teorema“ als messianische Gestalt bzw. wie ist Deine Sichtweise?

Ich sehe den Fremden als eine Metapher für das was in unserem Inneren lebt und sich nicht immer befreien kann.

Du bist selbst Choreographin, Tänzerin. Wie war Dein Weg zum Tanz?

Mein Weg zum Tanz war sehr schön, als Kind haben mir meine Eltern alle Möglichkeiten gegeben alles zu probieren. Von Ballett bis zum Kastagnettenspielen, Tanzschulen und Musik Konservatorium, Rhythmische Gymnastik, Schwimmen… ich kann mich nicht beschweren und irgendwann nach einer Teenager Pause kehrte ich zurück zum Tanz, ich durfte mit einer der besten Choreografinnen in meiner Stadt trainieren und dann nahm sie uns mit an die Uni, wo sie mit uns als ersten Jahrgang mit Bühnentanz und Choreografie ein Universitätsstudium gegründet hat. Das waren die beste Tanzjahre, die ich je hatte, danach als ich fertig war und viel getanzt hatte, beschloss ich kurz nach Wien zu kommen und meinen Bruder zu besuchen, dann startete ich die Pädagogische Ausbildung für Tanz am Muk und seit sehr vielen Jahren bin ich mit Tanz beschäftigt.

Pasolini nimmt in seinen Werken immer wieder auf Kindheit, Jugend wie deren Orte Bezug. Du bist in Argentinien geboren und aufgewachsen. Wie hast Du diese Lebensspanne erlebt und was hat Dich geprägt?

Ich bin mitten in eine Diktatur geboren, habe aber nicht viel mitbekommen, weil ich so klein war und womöglich meine Eltern versucht haben, mir und meinen Brüdern nicht zu zeigen, wie es ihnen und der Gesellschaft geht. Ich habe die schönste Kindheit die man haben kann gehabt, mir hat nichts gefehlt. Ich bin ein Stadtkind aber ich liebe die Nähe zur Natur, früher haben wir, glaube ich, als Stadtkinder viel mehr draußen spielen können…heute sehe ich, dass dies dort auch anderes geworden ist. Geprägt hat mich die Freude und Freundlichkeit der Menschen dort, auch die Offenheit für alles was fremd ist. 

Pasolini war zunächst als Pädagoge tätig. Du bist auch als Tanzpädagogin tätig. Welche Schwerpunkte gibt es da und wie siehst Du das Zusammenspiel von Kunst und Pädagogik?

Mein Schwerpunkt liegt immer noch auf dem zeitgenössischen Tanz aber es kommt immer darauf an mit welchen Gruppen man arbeitet, man sammelt immer sehr viel Erfahrung in den verschiedenen pädagogischen Projekten, ich kann mit Kindern und Menschen mit 70 Jahren und mehr arbeiten, jede Gruppe hat etwas Besonderes und Eigenes. Für mich gehen Kunst und Tanzpädagogik Hand an Hand. Tanz ist Kunst.

Es gab viele interdisziplinäre Zusammenarbeit bei Pasolini. Etwa mit der Sängerin Maria Callas im Film „Medea“ (1969). Wie wichtig ist dies für Dich im künstlerischen Prozess?

Ich finde das Zusammenarbeiten mit anderen Kunstsparten immer spannend, wenn sich die Sparten verstehen und verschmelzen können und nicht wenn eine Sparte zum Beispiel zu laut, dominierend wird.

Welche Impulse des Künstlers Pasolinis siehst Du bis heute als wesentliche Wirkung?

Den Mut

Was bedeutet Dir Wien/Österreich und welche Erfahrungen hast Du hier im Kunstberuf gemacht?

Wien ist eine Stadt, die mir die Möglichkeit gegeben hat, etwas Neues zu lernen. Ich habe sehr viele verschiedene Erfahrungen in Kunstberuf gemacht, von ganz unerklärlichen bis zu den sehr schönen tiefsinnigen Erlebnissen. Alles ist eine Bereicherung. 

Wie siehst Du die Möglichkeiten als Künstlerin in Wien/Österreich?

Künstler*inn zu sein ist keine leichte Aufgabe aber wenn man es schafft, ist es auch das Schönste. Es ist schwer zu sagen wie ich die Möglichkeiten für andere sehe. Manchmal hängt es von der eigenen harten Arbeit ab und der Wertschätzung deiner Zuschauer*innen und Kolleg*innen ab und manchmal hängt deine Arbeit von ein paar nicht richtig geeigneten bürokratischen Manöver oder Menschen ab, die deine Arbeit nicht schätzen…also ich glaube am Ende ist es die eigene Erfahrung, die einen weiter bringt und Möglichkeiten öffnet.

Was wünscht Du Dir für den Kunstberuf?

Mehr Wertschätzung für den Tanz als Bewegte Kunstform

Was sind Deine kommenden Projekte?

Meine kommenden Projekte sind eine weitere Folge des Projekt remix ID in Rumänien, Timisoara, später dann ein Projekt in Zusammenarbeit mit einer wunderbaren Sängerin und Komponistin in Wien und noch später die Feier des Internationalen TanzTag in Wien. Es gibt auch weitere Projekte und Ideen.

Was möchtest Du Künstler*innen in ihrem Entwicklungsweg mitgeben?

Ich glaube, dass unsere künstlerische Arbeit nur gut sein kann, wenn wir viel Erfahrung sammeln und offenbleiben und viel wichtiger finde ich, dass wir als Künstler*innen authentisch bleiben.

Was würdest Du P.P.Pasolini sagen, fragen wollen?

Ich würde ihn einladen ein Tanzstück zu choreografieren.

Darf ich Dich abschließend zu einem Pasolini Achrostikon oder Zitat bitten?

„Ich weiß sehr wohl, wie widersprüchlich man sein muss, um wirklich konsequent zu sein.“

Gisela Elisa Heredia_Choreographin, Tänzerin, Tanzpädagogin_ Wien_
performing „Teorema“ (Film, 1968, P.P.Pasolini) _
100.Geburtstag P.P.Pasolini (*1922 Bologna +ermordet 1975 Rom)

Gisela Elisa Heredia_BA – Dancer, Choreographer, Dance Teacher  _ Wien_

www.tanzcoop.com

www.facebook.com/tanzcoopcollective

www.instagram.com/gisela.elisa.heredia.tanzcoop


performing „Teorema“ (Film, 1968, P.P.Pasolini) _

Choreographie_Performance_Gisela Elisa Heredia

Regie_Walter Pobaschnig

Ort_Kursalon Hübner Wien.

Interview und alle Fotos_Walter Pobaschnig

100.Geburtstag _ P.P.Pasolini, Regisseur, Dichter, Autor (5.3.1922 Bologna – +ermordet 2.11.1975 Rom) _

Walter Pobaschnig 8_22

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„dass „die Kunst“ nicht „hinten runterfällt““ Markus Theisen, Schriftsteller _ Mendig am Laacher See/D 27.9.2022

Lieber Markus, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Mein Tagesablauf variiert. Wochentags heißt es für gewöhnlich: früh aufstehen (der frühe Vogel…). Dann in meinem Hauptberuf arbeiten und nach Feierabend, Familie, Freunde, Laufen, Schreiben… also ganz sicher keine Langeweile… am Wochenende fällt nur die Arbeit im Hauptberuf weg, ansonsten gibt’s kaum einen Unterschied zu den Arbeitstagen.     

Markus Theisen, Schriftsteller

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Sich (zumindest ab und dann) die schönen Dinge des Lebens wieder aktiv ins Bewusstsein zu rufen.   

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?

Es ist wichtig, dass „die Kunst“ angesichts der „Herausforderungen“ welche sich die Welt dieser Tage ausgesetzt sieht, nicht „hinten runterfällt“. Denn m.E. hat „die Kunst“ die Kraft, uns Menschen zu berühren und (zumindest) für eine gewisse Zeit zum Träumen, Lachen und Innehalten zu bringen.     

Was liest Du derzeit?

Derzeit lese ich quasi nur aus meinem aktuellen Eifelkrimi, sowie meinem Kinderbuch in Lesungen. 

Ach ja, und auch die regionalen Tageszeitungen.

Ansonsten lese ich ,ohne Quatsch, nur im Urlaub. Zuletzt: „Der Fall Collini“ , Ferdinand von Schirach. 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Is dat niet en echt lekker Wahnsinn?!“  …aus meinem aktuellen Eifelkrimi „wer schneller läuft ist länger tot“

Vielen Dank für das Interview lieber Markus, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Markus Theisen, Schriftsteller

https://de.wikipedia.org/wiki/Markus_Theisen

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15.6.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Die politische Kunst der griechischen Tragödie“ Christian Meier. Beck Verlag.

5.Jhdt v.Chr. Athen. Es sind Zeiten politischer Umbrüche, Kriege und gesellschaftlicher Veränderungen, die das Leben aller Bevölkerungsschichten bestimmen. Leiden, Verlust und Schmerz überwältigen gleichsam Zeit und Mensch und es gilt innezuhalten und diese Erfahrungen, Prozesse, Fragestellungen und Lebensrichtungen vor Augen zu bringen, um diese zu reflektieren, damit umgehen zu lernen und Leben und Gesellschaft neu zu gestalten. Dabei wird ein Ort ein ganz entscheidender…das Theater, die Bühne.

Es ist die Stunde der griechischen Tragödiendichter Aischylos, Sophokles, Euripides, die jetzt die Geschichte in die Form der Kunst bringen und damit die attische Gesellschaft damit konfrontieren. Theater wird zum wesentlichen Teil der politischen Debatte in Gedächtnis, Gegenwart und Zukunft.

Das Theater lebt wie der Mensch, die Gesellschaft von der Frage nach Sinn und Perspektive. Die Tragödie nimmt diese Mitte auf und gibt ihr Bühnen- und Lebensraum bis zur Gegenwart…

Christian Meier, Professor für Alte Geschichte an der Ludwig-Maximillians-Universität München, legt eine umfassende Studie zu den Anfängen, Voraussetzungen der griechischen Tragödie vor, die in ihrer kompakten Darstellung umfassender Information und Erläuterung überzeugt. Die attische Gesellschaft in Kultur und Politik sowie die Form des Theaters der Zeit in ihrer Tragödienstruktur in Aufbau, Handlung, Aussage werden übersichtlich erklärt. Ebenso werden die wesentlichen Stücke wie „Die Perser“, die „Orestie“ oder „König Ödipus“ erläutert.

„Ein beeindruckend kompaktes wie spannendes Geschichts- und Theaterbuch, das begeistert.“

Walter Pobaschnig  9_22

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„Cello I“ Siegfried Völlger, Lyriker _ Give Peace A Chance _ Augsburg/D 27.9.2022

GIVE PEACE A CHANCE

Cello I


Gewöhnliches Leben                    

Im Sommer

Vergisst man schnell

Erfolglos

Plant man

Eine ewige Wiederholung

Außer vager Erinnerung,

Celloklänge im Hintergrund,

Ereignet sich nichts

Alles Notierte

Chroniken der geglückten Tage

Haben ihren Zauber verloren

Argwohn entsteht

Naivität ist es nur

Chancen auf Wiederholung

Ergeben sich, bestimmt 


Siegfried Völlger, 8.9.2022

Siegfried Völlger, Lyriker

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Siegfried Völlger, Lyriker

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Walter Pobaschnig _ 8.9.2022.

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„Ich weiß nur, wie ich versuche mit dem JETZT umzugehen“ Anna Katharina Frommann, Holzbildhauerin, Schauspielerin _ Wien 26.9.2022

Liebe Anna, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Meist stehe ich um 7:30 derzeit auf, mache mir Kaffee und setze mich an meine Morgenseiten, in denen ich alle Gedanken, Gefühle&Emotionen niederschreibe. Das hilft mir zu erkennen, wie ich gelaunt bin, wie es mir geht und was der Tag bringen darf!

Ich erledige gern vormittags meine „Bürotätigkeiten“, d.h. ToDoDinge und seien sie noch so klein, wie z.B  den vollen Film meiner analogen Minolta zum Entwickeln zu bringen, einkaufen oder Essen kochen. Ein Spaziergang hilft mir den Kopf frei zubekommen.

Anna Katharina Frommann  _ Holzbildhauerin/Schauspielerin   

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Zum heutigen Tage dauert der Krieg Russlands nun schon über 7 Monate.

Rücksichtslosigkeit in alltäglicher Begegnung erkenne ich aber auch im Außen, hier in Wien: Wie die Menschen miteinander umgehen- mir fehlt da das Mitgefühl, die Empathie für- und miteinander- ein junger Mann in Eile am Westbahnhof rempelt fast eine ältere Dame an und blickt nicht einmal zurück! Das ängstigt mich sehr. Um ganz ehrlich zu sein: Ich weiß nicht was für uns ALLE besonders wichtig wäre, ich weiß nur, wie ich versuche mit dem JETZT umzugehen: Einer Mutter mit Kleinkind den Vortritt in der U-Bahn zu bewerkstelligen, einen Obdachlosen der verschlungen mit offenem Mund auf der Straße liegt, anzutippen und zu sehen, ob er atmet. Einer alten Dame, die mit Rollator nicht über den Bordstein kommt, über die Straße zu helfen. Ich denke es sind die kleinen Dinge im Leben, die uns glücklich machen. Kein Geld der Welt ist so viel Wert, wie das Lächeln eines Fremden!

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Ich muss gestehen, dass es sich wie ein Luftholen vor dem Sturm anfühlt, bevor es richtig losgeht. Einerseits finde ich es wichtig, die harten Themen anzugehen-meiner Generation entsprechend, die Themen, die von meinen Ahnen unter den Teppich gekehrt wurden- Gewalt, Missbrauch, Tod; Krieg, was gerade und für mich erst seit Kurzem, die LGBTQBewegung aufkeimt und worüber ich mich sehr bestärkt fühle- als Anreiz sich diesen Gefühlen&Gedanken zu stellen, über  diese aktuellen Themen offen&ehrlich reden zu können, ohne Attitude-ohne Missbilligung etwas nicht zu wissen, den Zuschauer nicht zu schonen, und ihm zuzugestehen- dass er das verkraften kann, sich vielleicht einige Fragen auch daheim zu stellen.

Was liest Du derzeit?

Je nachdem wie es mir geht, EdgarAllenPoe´s : „Erzählungen“ oder Friedemann Schulz von Thun´s „Miteinander reden“ , meist in der U-Bahn.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Mir gefällt dieses Zitat am allerbesten, weil es mir im Alltag sehr hilft: Frank Zappa: „Ein Geist ist wie ein Fallschirm, er funktioniert nicht, wenn Sie ihn nicht öffnen.“

Vielen Dank für das Interview liebe Anna, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Kunst-, Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Anna Katharina Frommann  _ Holzbildhauerin/Schauspielerin 

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24.8.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Gewohnheiten abhanden“ Andreas Lukas, Schriftsteller _ Give Peace A Chance _ Wiesbaden/D 26.9.2022

GIVE PEACE A CHANCE


Gewohnheiten abhanden

Institutionen erschüttert

Vieles durcheinander gewirbelt

Entsetzen über Risse um sich greift

Probleme verkannt

Erkenntnisse schöngefärbt

Ausnahme als Dauerware

Corona nicht einziges Problem

Einsicht, sag adieu dem Vertagen

Aufwachen in einer neuen Zeit!

Colorit unserer Zukunft

Halluzination aus der Vergangenheit?

Alltag nicht mehr erkennbar

Normales, Liebgewonnenes in die Ferne gerückt

Chancen im Unbekannten erspüren

Ein Hoffnungsschimmer nie erlischt!



Andreas Lukas, 2.9.2022

Andreas Lukas, Schriftsteller

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Andreas Lukas, Schriftsteller

Bücher u.a.

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Walter Pobaschnig _ 2.9.2022.

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„Das Buch zum Tee“ Sorten/Kulturen/Handel, Peter Rohrsen. Beck Verlag 2022

Eine Tasse Tee ist eines der schönsten Willkommensgrüße an Gäste, Familie, Freunde wie an sich selbst. Es ist das duftende, heiße Getränk, das in so vielen köstlichen Geschmacksrichtungen alle Sinne anspricht, ankommen lässt und erfreut. Ein Ritual als soziale wie ganz persönliche Musik menschlichen Körpers, Seele und Geist.

Dem Sortenreichtum wie der mannigfaltigen Zubereitung des Tees entspricht auch seine Kulturgeschichte und deren vielfältige Verbindung der Kontinente.

Der Beck Verlag lädt nun mit einer ganz besonderen Edition zur interessanten wie entspannenden „book tea time“!

Peter Rohrsen, einer der ersten IHK-Tee Sommeliers in Deutschland, der auch englische Kulturgeschichte an der Universität Göttingen unterrichtete, nimmt begeisterte Teetrinkerin und Teetrinker wie interessierte Leserinnen und Leser in XIII Kapiteln auf eine informative, abwechslungsreiche wie überraschende Reise in die Welt des Tees in Anbau, Verarbeitung, Zubereitung und Kulturgeschichte mit, die wie ein wunderbarer Tee-Nachmittag zu erfreuen weiß.

Die Kapitel des Buches sind Stationen, die chronologisch gelesen oder auch ausgewählt werden können. Beeindruckend ist das umfassende Wissen, das breite Spektrum, welches mit der Beschreibung der Teepflanze, ihrer Vielfalt, der Teeproduktion und ihrer Kulturtraditionen bis zu praktischen Empfehlungen des Autors reicht.

„Ein Buch über die faszinierende Welt des Tees – genussvoll, spannend, lehrreich wie das Getränk selbst.“

„Das Buch zum Tee“ Sorten/Kulturen/Handel, Peter Rohrsen. Beck Verlag 2022

Walter Pobaschnig  9_22

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