1922. Ägypten. Tal der Könige. Es ist eine archäologische Sensation als der britische Archäologe Howard Carter mit seinem Forschungsteam ein nahezu unversehrtes Pharaonengrab entdeckt. Es ist jenes des sehr jung verstorbenen Pharaos Tutanchamun, das unermessliche Schätze als Grabbeigaben enthält und bis heute fasziniert und zahlreiche Inspirationen wie Impulse weit über die Welt der Archäologie hinaus gibt.
Wer war nun der sagenumwobene Pharao? Wie kam es zur Grabentdeckung? Und wie war die weitere Wirkungsgeschichte?
Nadja Tomoum, Ägyptologin und Kunsthistorikerin, viele Jahre auch in Kairo tätig, gibt in ihrem vorliegenden Buch „Das Geheimnis des Tutanchamun“ einen fundiert archäologischen, historischen wie kulturhistorischen Überblick über Leben und Werk, Grabentdeckung wie Wirkungsgeschichte einer der geheimnisvollsten wie prägendsten Herrschergestalten des faszinierenden Pharaonenreiches.
Die renommierte Wissenschaftsautorin gliedert ihr Buch in fünfzehn Kapitel, das mit dem Zeitalter des Alten Ägyptens und damit der Epoche des Tutanchamun beginnt, ihn selbst wie seinen Vater Echnaton ausführlich vorstellt, die archäologische Spurensuche und schließlich den Fund der Mumie und dessen Grabbeigaben wie deren so intensive weitreichende mediale Wirkung bis in die Gegenwart.
Ein ausführlicher Anhang mit Zeittafel, Bibliographie wie Register macht dieses fundierte wie gut und spannend lesbare Sachbuch auch zu einem kompakten Nachschlagewerk zu Zeit, Welt und Mythos des Tutanchamun.
„Ein faszinierendes archäologisches wie kulturwissenschaftliches Sach- wie Abenteuerbuch“
Liebe Tanja, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Ich stehe früh auf, weil ich mich immer noch nicht ganz vom Jet lag (sieben Stunden Zeitunterschied) gewöhnt habe. Das finde ich jedoch sehr gut, denn morgens kann ich besser arbeiten – bevor andere Leute Mails schreiben oder das Telefon klingelt. Oder der Sohn in die Schule muss… Ich bin derzeit writer-in-residence in Madison, der Hauptstadt von Wisconsin, zweieinhalb Stunden nordwestlich von Chicago gelegen. Mit dem Stipendium ist ein Lehrauftrag an der University of Wisconsin – Madison verbunden. Mein Mann und unser Sohn sind mit dabei.
Tanja Dückers, Schriftstellerin
Madison, die Hauptstadt von Wisconsin, liegt zwischen zwei Seen, dem Lake Monona und dem Lake Mendota. Von der Uni sind es wenige Minuten hierher. Man tritt aus der Bibliothek und ist bald in der nordischen Wildnis.
Wenn ich unterrichte, dann radele ich nachmittags eine halbe Stunde an die Uni. Es gibt viele Fahrradwege hier, die Stadt ist diesbezüglich recht fortschrittlich. Auf den Radwegen ist man trotzdem meistens allein. Sieht man einen anderen Radfahrer lächelt man sich komplizenhaft an. Die Leute, die hier Radfahren, nehmen diese Form der Fortbewegung sehr ernst und tragen oft schnittige Sportkleidung. Ich überhaupt nicht, ich habe es gern unschnittig und fahre gemütlich, schaue mich dabei um, Radfahren als eine Form von Spazierengehen. Innerhalb der Nische „Radfahrende“ im Mittleren Westen bilde ich nochmal die Nische „nicht-sportiver Radlerin“. Aber ich fahre sehr gern Rad, auch zuhause in Berlin. Ein Auto hier zu mieten, wäre für den Zeitraum einfach zu teuer für uns gewesen. Seit Corona sind die Preise für Rentals Cars in den USA durch die Decke gegangen.
Einer von uns bringt unseren Sohn – mit Rad – in die Schule. Am Nachmittag wird er wieder abgeholt. Ich bin ganz gut hier eingespannt, ich lehre einen Kurs über Literatur aus Berlin von Fontane bis zur Gegenwart, halte aber auch noch Lesungen und Vorträge, nicht nur in Wisconsin. Das Unterrichten macht mir immer viel Spaß. Meine Studis sprechen gut Deutsch und lesen selbst Walter Benjamin („Berliner Kindheit um 1900“) oder Christa Wolf („Unter den Linden“) ohne Probleme. Wir lesen auch ganz aktuelle Texte, Bücher, die erst vor ein oder zwei Jahren erschienen sind. Es ist spannend, wie die Studis hierauf reagieren, manche waren schon im Berlin.
Dieser Pavillon im Park ist beliebt als Unterstand für Picknicks etc. Und man kann ihn auch bei nebligem trübem Wetter gut auf die Ferne erkennen… es gibt viele ausgedehnte Parks hier.
Abends esse ich immer etwas Schokolade, so wie andere Leute ein Glas Bier oder Wein trinken.
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Sich nicht abzukapseln in gesellschaftlichen Denk-Ghettos, in denen die eigene Meinung unwidersprochen bleibt, in denen kein Widerspruch zu erwarten ist, man „unter sich“ ist. Sich auch mal zum Zweifel zu bekennen. Nicht immer zu wissen glauben, was jetzt „das Richtige“ ist. Gespräche zu beginnen ohne in erster Linie den Impuls zu haben, den anderen überzeugen zu wollen und selber keinen Millimeter „abzuweichen“. Ja, einfach: Gesprächsoffenheit.
Neben dieser eher allgemeinen Aussage, die eine innere Haltung beschreibt: als besonders empfinde ich im Moment – ich spreche hier aus Berliner Perspektive – Engagement für Geflüchtete, konkrete Hilfestellung, zum Beispiel für Kolleginnen und Kollegen aus der Ukraine, die bei uns angekommen sind und irgendwie auch unter den äußerst erschwerten Bedingungen weiterarbeiten, lesen, publizieren wollen.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Als Schriftstellerin bin ich natürlich geneigt, die Rolle der Literatur hoch einzuschätzen. Aber das könnte eher eine falsche Beurteilung aufgrund einer gewissen beruflichen Deformation meinerseits sein als wirklich der derzeitigen gesellschaftlichen Bedeutung der Literatur entsprechen. Als Filmemacherin, Musikerin oder Grafittikünstlerin würde ich in Berlin sicher mehr Menschen erreichen. Spannend finde ich im Moment, was aus der Ukraine geflüchtete Kolleginnen und Kollegen schreiben, auch Geflüchtete aus anderen Ländern. Ihrer Literatur kommt also unter Anderem eine informierende Kraft zu, für sie selber hat das Aufschreiben ihrer Erlebnisse oder ihrer Erinnerungen an ihre Heimat noch eine ganz andere Funktion. In Umbruchszeiten kann Literatur schon auf eine persönlichere, subjektivere Weise als ein Zeitungsartikel oder ein Nachrichtenbeitrag „sinnliche Geschichtsschreibung“ betreiben. Manchmal kann man mit Literatur, mit Geschichten aufgrund der figuralen Identifizierungsvorlage mehr Empathie bei Menschen erreichen als mit sachlich gehaltenen „News“.
Aber Literatur kann – auch jetzt – einfach nur erfreuen, mit der Leichtigkeit einer Matisse-Zeichnung, und das ist absolut nicht verwerflich. Literatur darf trösten und ablenken. Sie muss nicht in einem aktionistischen Sinne „aufrütteln“ (was auch immer das eigentlich genau heißt). Sie kann auf ganz unterschiedliche Weise wirksam sein.
Ich selber schreibe schon gern Texte mit einem soziologischen Fundament, selbst in meiner Lyrik, aber wehre mich gegen Vorgaben z.B. aus der Literaturkritik, wie „Literatur in Krisenzeiten“ sein sollte. Wenn oft gesagt wird, wie etwas zu sein hat, ist die Krise, die Not meist groß, und die Bevormunder leisten ihren Beitrag zu dieser Not. „Politische Literatur“ ist ein etwas ermüdendes Schlagwort geworden. Gute Literatur rührt immer etwas an und bewegt – im weiteren Sinne.
Was liest Du derzeit?
Hier in den USA habe ich viele Bücher für das Seminar, das ich unterrichte, nochmal gelesen, z.B. – sehr empfehlenswert – „Nachrichten aus Berlin. 1933 – 36“ von Antoni Graf Sobanski, einem großartigen polnischen Journalisten, Essayisten und Übersetzer, der den Aufstieg der Nazis auf der alltagskulturellen Ebene beobachtet und für eine polnische Zeitung als Korrespondent fungiert hat. Sehr lesenswert und tief erschreckend. Leider starb der exzentrische, hochgebildete Bohemian (er sprach sechs europäische Sprachen fließend, darunter Deutsch) ziemlich jung schon im Jahr 1941.
Ich lese derzeit Texte von aus der Ukraine geflohenen Autorinnen und Autoren, die oft noch nicht in Buchform erschienen sind, sondern verstreut auf verschiedenen Webseiten oder Literaturzeitschriften bzw. in ganz informellen Kontexten.
An Sachbüchern liegt bei mir gerade auf dem Tisch: Lukas Hermsmeiers „Uprising. Amerikas Neue Linke“.
Immer gern lese ich Martin Amanshauser, eigentlich alles vom ihm, belletristisch oder journalistisch. Ein guter Kompass.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Ein Zitat von Fernando Pessoa, das nach meinem Empfinden für einen grundhumanistischen Ansatz, für Partizipation, Lebensfreude und Neugierde steht. Es hängt über meinem Schreibtisch zuhause in Berlin:
„Ah, dass ich nicht alle Menschen und überall sein kann“.
Tanja Dückers, Schriftstellerin
Vielen Dank für das Interview liebe Tanja, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Tanja Dückers, Schriftstellerin,Literaturwissenschaftlerin, Publizistin_ Berlin _ aktuell writer-in-residence-Aufenthalt in den USA
Dear Desi, your are part of the dance project TARAB by Ulduz Ahmadzadeh. What is it about?
Tarab is a dance piece which has the intention to present on a european/western stage, traditional dances from Iran. The aim is to embody these dances to give voice to the people that still practise them with the purpose of healing, for the sense of community, for resistance, to pass on the tradition which is intertwined with beliefs and spiritual practices.
The choreographer Ulduz Ahmadzadeh guided us to dive into iranian culture by sharing spiritual practices, traditional steps, instruments and rhytmical patterns on which we build up the choreography
The piece is also about showing how the role of women has changed with the years, by presenting a solid and equal community at the beginning of the piece, where everyone has a specific and important individual role, for later underline the polarization between men and women. A clear submission and serving role for the girls and stong masculine attitude for the boys. Eventually we play also with sarcasm and shif of roles to make fun of it and shows how twisted and sad this polarization is. The piece doesn’t want to make a statement of that because the main focus is to give voice and spaces to these dances, how they can be integrated in our European contemporary dance environment and be the inspiration for our dance material.
What means the word „Tarab“?
Loosely translated to “enchantment,” tarab is an Arabic word describing a deep, stirring musical performance that launches the audience into a trance-like state of ecstasy.
How do you develop the project as a dancer and choreographer?
As mentioned above, the starting point of the creation began with learning the traditional dances from different regions of Iran, understanding their meaning and intentions. The main focus is on movement. We got inspired also by traditional paintings, textures, patterns in the carpets, in ceramics and from the visual element we will have on stage. Costumes, lights etc.
How important is music in „Tarab“?
The music is essential to the piece and it’s played live by Mohammad Reza, who is known as the man with the fastest hands in the world. As TARAB means the moment where the music takes over the body (and the mind controlling it), the music is supporting all the different dances, makes the atmosphere and allows us dancers to enjoy fully the movement.
When and where are the performance dates?
TARAB will Premiere on Thursday 13th October at 7.30pm in Tanz Quartier Wien, Halle G. Second and last chance to see would be Friday 14th October, same place, same hour.
TARAB Konzept, Choreografie Ulduz Ahmadzadeh Konzept, Szenografie Till Krappmann Komposition, Live-Musik Mohammad Reza Mortazavi Tanz, Choreografie Desi Bonato, Naline Ferraz, Flora Virag, Luca Major, Ofer Dayani, Axel Hampusson, Jassi Murad Lichtdesign Jan Wielander Produktion Julia Haas, Mascha Mölkner Szenografie in Kollaboration mit Alice Ursini – Eine Koproduktion von ATASH عطش contemporary dance company und Tanzquartier Wien.
„Guten Abend. Vielen Dank! Hier habe ich vorübergehend Schwierigkeiten, ich wurde aufgrund der aktuell schwierigen Situation in Russland praktisch arbeitslos. Ich kann nicht gehen, es ist sehr schmerzhaft. Auf der Suche nach einem Job. Wenn meine Hände das Akrostichon erreichen, sende ich es Ihnen gerne zu. Vielen Dank für den Vorschlag!
Die Situation wird durch die Tatsache erschwert, dass in Russland eine Mobilisierung angekündigt wurde. Ich bin ein politischer Dichter und Aktivist, der gegen den Krieg ist, ich muss mich verstecken. Der Verlust meines Arbeitsplatzes wirkt sich negativ auf meinen psychischen Zustand aus.“
Liebe Kamilė, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Mein Tagesablauf ist jeden Tag sehr unterschiedlich. Es hängt davon ab, wann das nächste Projekt, die nächste Veranstaltung, Konzert stattfindet. Wenn ich viele Konzerte nacheinander gebe, ist mein Tagesablauf sehr positiv aufregend, aber gleichzeitig (bevor das Konzert am Abend kommt) ,,langweilig´´. An dem Tag, an dem ich ein wichtiges Konzert habe, kann ich nicht vieles anderes machen, was ich normalerweise in meinem Alltag schaffe: Bücher lesen, E-Mails schreiben, Admin Arbeit machen, Yoga machen, Kaffee mit Freunden trinken. Sogar kann ich nicht so viel, wie gewöhnlich, an dem Tag üben! Ich bin, sozusagen, in Vorbereitung um am Abend, beim Konzert sehr viel Energie auszugeben. Deswegen ist mein ganzer Tag bis dahin immer langsamer als sonst, weil ich mich sparen muss. Ich kann an solchen Tagen nicht so viel neue Information hineinbringen, was Neues lernen oder hart an meine weiteren Projekten arbeiten. Ich will meine Gedanken nicht stören, dafür meditiere ich und konzentriere mich nur auf das Konzert. Folglich freue ich mich, nach stressigen Phasen, auf ruhigere Momenten in meinem Tagesablauf, damit ich alle meine Hobbys und weiteren Aufgaben nachholen kann.
Was ich aber fast immer an einem Tag schaffe, ist die lange Kaffee-Routine am Morgen. 🙂
Kamilė Zaveckaitė_ Pianistin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Diese Frage ist im heutigen Kontext natürlich sehr sensibel. Jeder von uns könnte auf diese Frage eine andere Antwort geben. Und jeder hat das absolute Recht sein eigenes Verständnis und seine Meinung davon zu haben. Ich finde es sehr charmant, wie unterschiedlich wir sind. Ich möchte die Menschen und mich selbst immer dazu ermutigen, weniger über dieses Thema zu urteilen, nachdrücklicher zu sein und zu verstehen, dass was für mich als kleines Detail im Leben erscheint, kann für jemanden doch viel bedeuten. Und wir sollten sie auf ihre Weise erleben lassen.
Was ich aber persönlich für besonders wichtig finde, ist die physische und mentale Gesundheit. Ohne sie verliert alles seinen Wert. Man darf nie vergessen, sich um sich selbst zu kümmern. Denn niemand außer dir selbst hat die Macht dazu.
Am Ende des Tages, unter Berücksichtigung von kleinen oder großen Wichtigkeiten im Leben, spielt nichts eine Rolle, wenn es keinen Frieden auf der Welt gibt. Es fällt mir sehr schwer, meine alltäglichen Probleme als wichtig zu betrachten, wenn Menschen in meiner Nähe völlig ihr Leben verlieren. Die Welt und der Platz für uns alle darin wurde viel zu zerbrechlich. Deshalb müssen wir weitermachen, stark bleiben, denen helfen, die in Not sind, und jeden Tag wertschätzen, den wir zum Leben bekommen.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?
In der Tat steht die Welt vor großen Veränderungen und ich glaube fest daran, dass Kunst den Geist verlorener Menschen retten kann, weil sie das Einzige auf der Erde ist, das transzendentale Innereien hat. Ich habe das Gefühl, dass Musik so viel Schönheit und Gutes in sich trägt, dass sie definitiv einen Geist und Verstand heilen kann. Wie Joseph Haydn sagte: „Musik ist die Sprache, die jeder auf der Welt verstehen würde. Es ist die einzige Sprache, die mehr Frieden schafft als Krieg.´´ Daher ist in Zeiten der Ungewissheit das Innere Selbst das Einzige, dessen wir uns sicher sein können. Und heute braucht dieser innere Geist verzweifelt Unterstützung, die Musik und Kunst sicherlich geben kann. Alles, was wir tun müssen, ist nur daran festzuhalten, um uns selbst nicht zu verlieren.
Was liest Du derzeit?
Im Moment beende ich die Lektüre der griechischen Mythologie. Die ich schon zu Schulzeiten gelesen habe, aber nicht so genau und chronologisch. Ich kam darauf zurück, nachdem mir aufgefallen war, dass ich nicht immer die Bezüge zu griechischen Göttern oder mythologischen Figuren in anderen Kunstwerken wiedererkenne, was ein großer und in gewisser Weise beschämender Verlust ist. Meiner Meinung nach ist die griechische Mythologie so wertvoll. Es ist ein Spiegelbild vergangener Zivilisationen und liefert uns entscheidende Einblicke in historische Ereignisse, alte Kulturen, Beziehungen, menschliche Allianzen und vieles mehr.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Angesichts all der Herausforderungen, denen sich die Menschen stellen müssen, möchte ich einen Gedanken teilen, der uns daran erinnert, dass alles begrenzt ist. Aber das Leben mit Beschränkungen ist genau das, was dem Leben den Sinn gibt. Der Sinn des Lebens ergibt sich aus den Herausforderungen, denen wir gegenüberstehen. Und all die Herausforderungen wegzunehmen, macht das Leben uninteressant.
Es ist irgendwie schön zu wissen, dass niemand ewig leben wird. Diesen Ritt des Lebens mit all seinen Höhen und Tiefen genießen zu können, ist daher das schönste Geschenk, das man sich selbst machen kann.
Kamilė Zaveckaitė_ Pianistin
Vielen Dank für das Interview liebe Kamilė, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musik- Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Kamilė Zaveckaitė, Pianistin
Fotos: Karolina Pancernaite
7.10.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.
Lieber Raphael, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Ich stehe um 6:30 auf und werde von meiner Katze niedergekuschelt. Das ist mittlerweile zu einem morgendlichen Ritual geworden und dem muss natürlich genug Zeit gewidmet werden, damit Bella (meine Katze) einen guten Start in den Tag hat. Danach trinke ich Kaffee und meditiere. Und dann beginnt der kreative Teil, in dem ich an diversen Projekten arbeite, dabei kommen meistens Drehbücher, neue Fotos, Videos – oder Kurzgeschichten heraus (von den Romanen sprechen wir an dieser Stelle mal nicht). Dazu kommt eine halbe Stunde Sprechtraining und dann oft mein Muggle – Job, also der Job, den ich neben dem Schauspielen und Schreiben verfolge da es, seit uns Corona wie ein riesiger Meteorit erwischt hat, nicht mehr ganz so einfach ist rein von der Kunst zu leben. Und abends schleppe ich mich jeden zweiten Tag noch zum Karatetraining – Körper und Geist müssen frisch gehalten werden. Dazu kommen noch Schauspielunterricht, Proben und Castings, die aber meistens gut über den Tag verteilt sind.
Wenn der Tag besonders lang war, belohne ich mich oft mit einer meiner Lieblingsaktivitäten, dem Lesen in der Badewanne. Momentan ist es allerdings mehr zu einem Lesen auf der Couch geworden, da eine volle Badewanne, während der Strom- und Gaskriese mehr und mehr zu einem Luxusgut verkommt.
Raphael Stompe, Schauspieler
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Ich denke ein gutes Mindset ist, wie schon immer im Kunstbereich, das Nonplusultra. Ich habe schon so viele Freunde / Kollegen gesehen, die mit ihren selbst auf die Beine gestellten Projekten Großartiges vollbracht und ihren Durchbruch geschafft haben. Also einfach dranbleiben, lächeln und nicht vergessen Freunde und KollegInnen zu inkludieren. Weil 1. ist es viel leichter gemeinsam Großes zu vollbringen und 2. ist es auch viel netter und 3. die anderen freuen sich.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Die Kunst selbst hat eine Spiegelwirkung, sie reflektiert das aktuelle Geschehen, oder den Zeitgeist, oder wie auch immer man das nennen mag. Wir als Künstler haben die Möglichkeit Schwierigkeiten, Brennpunkte und Events aufzugreifen und in unseren Werken aufzuarbeiten. Das ist meiner Ansicht nach, neben dem erholenden Effekt von Kunst – den darf man natürlich nicht außer Acht lassen, der wichtigste. Man überlege nur was für eine unglaubliche Aktualität das Stück „Die letzten Tage der Menschheit“ gerade hat – und das wurde 1922 geschrieben von einem Künstler (Karl Kraus), der seine Erfahrungen weitergeben wollte. Wir haben als Künstler die Chance mit unserem Publikum gemeinsam zu reflektieren und damit auch Spannungen zu lösen, Wege aufzuzeigen und Gedanken- und Lernprozesse auszulösen. Das heißt wir haben eine riesige Verantwortung zu tragen. Jetzt wollen wir natürlich alle spielen und zeigen was wir können und werden von mangelnder Präsenz, mangelnder Zeit und mangelnden Jobangeboten (ja, wir sind viele) aufgehalten.
Nina Batik (Schauspielerin) und Raphael Stompe
Und natürlich bleiben auch die Theater und Produktionsfirmen nicht von den aktuellen Krisen verschont und damit werden die Jobs ein wenig rarer – aber genau das gibt uns eine Chance, die ich wirklich hervorheben möchte: Macht euer eigenes Ding. Es ist jetzt genau die Zeit, um das Projekt, das ihr schon immer machen wolltet ins Leben zu rufen. Dreht den Film, den ihr schon immer drehen wolltet. Schreibt das Drehbuch, das ihr schon immer spielen wolltet. Habt Spaß dabei und arbeitet im Team – Kunst ist, auch wenn wir das manchmal gerne so sehen, kein Einzelsport. The Rise of the Artists – ich denke es wäre eine gute Zeit diesen Titel in die Tat umzusetzen.
Was liest Du derzeit?
Ich lese momentan drei Bücher: „Creating Character Arcs” – K.M. Weiland, (1. Fortbildung ist wichtig 2. Muss ich noch ein paar der Charaktere meines Fantasy Buchs überarbeiten). „Auditioning for Film and Television” – von Nancy Bishop (Fortbildung) und „Eric” – Terry Pratchett (Als Sprechtraining [laut vorlesen] und Nahrung für die Seele).
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
We all die. The goal isn’t to live forever, the goal is to create something that will. ~ Chuck Palahniuk, Diary
Raphael Stompe, Schauspieler
Vielen Dank für das Interview lieber Raphael, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Ich öffne das Fenster und atme die frische Tagesluft ein, bevor ich mich leise in die Küche begebe, um meine Kinder nicht vor meinem ersten Schluck Kaffe zu wecken. Meist gelingt mir das nicht und sie stürzen mir mit tausend Wünschen entgegen. Also mache ich ihre Palatschinken vor meinem Kaffeegenuss. Wenn es mir gelingt, genieße ich es, die Stimmung des neuen Tages und das was die Nacht herangespült und offen gelassen hat, mit dem neuen Tag sich vermischen zu lassen.
Der restliche Tag verläuft dann sehr unterschiedlich. Er setzt sich vor allem aus den Elementen Yoga, Shiatsu, Lebensmittelrettung, Kochen, Essen und Trotzanfallseindämmung zusammen.
Nora Krehan, Schauspielerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Erkennen des eigenen und Akzeptanz des anderen.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Schauspiel, Theater, der Kunst an sich zu?
Es wird viel um Versöhnung und Wiedergutmachung gehen. So schnell und tief wie die Risse entstanden sind, werden sie sich wahrscheinlich nicht schließen lassen, aber Kunst hat immer eine Sonderstellung und kann als Joker beim Vermitteln zwischen den Lagern eingesetzt werden. Kunst kann sich immer viel mehr leisten als eine Einzelperson, da sie ja frei von persönlichen Befindlichkeiten, Machtansprüchen und Ängsten ist und anderen Gesetzen unterliegt.
Was liest Du derzeit?
„Matou“ von Michael Köhlmeir und daneben Bücher mit Shiatsuinspirationen wie „Den Geist verwurzeln“ oder „Das Tao der Frau“
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Im Gegenüber bist Du auch selbst“
Nora Krehan, Schauspielerin
Vielen Dank für das Interview liebe Nora, viel Freude und Erfolg für alle großartigen Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Nora Krehan, Schauspielerin
Alle Fotos_Walter Pobaschnig _ Stadtpark Wien 8_22
1.9.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.