Liebe Silvia, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Mein Tag geht momentan von 8 bis mindestens 21 Uhr. Ich bin an einem Tag mit mehreren Projekten gleichzeitig beschäftigt. Diese Arbeit an einem Tag reicht von künstlerischen Prozessen, wie den Proben und der thematischen Recherche von Projekten, über bürokratische Arbeiten mit Anträgen, Konzepten und Abrechnungen zu Aufführungen.
Silvia Salzmann_Tänzerin, Choreographin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Zuhören zu können, offen zu sein, ehrlich zu bleiben zu sich und anderen. Und in kleinen Begegnungen und Schritten die Magie zu finden.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Tanz, der Kunst an sich zu?
Das Risiko einzugehen zu reflektieren und miteinander zu sprechen und zuzuhören.
Die Kunst hat die Gabe etwas voran zu treiben und Menschen zusammen zu bringen. Der Tanz löst direkt im Körper etwas aus, eine Bewegung die sich innerlich regt und etwas bewirkt: Im Verhalten, im Denken, im Fühlen, im Handeln jedes einzelnen.
Was liest Du derzeit?
NORA (ein Puppenheim) von Henrik Ibsen
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Mich interessiert nicht so sehr wie sich Menschen bewegen, sondern was sie bewegt. – Pina Bausch
Silvia Salzmann_Tänzerin, Choreographin
Vielen Dank für das Interview liebe Silvia viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Tanz-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Liebe Dagmar, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Normalitäten als normal empfinden, gleich in der Früh. Beim Öffnen der Haustür, um die Zeitung hereinzuholen, mit der Nachbarin plaudern, ohne auf Distanz zu gehen. Zum Glück kommt mein Zeitungsausträger noch pünktlich. Das Surren und Brummen der Kaffeemaschine hören, den Duft des frischen Bauernbrotes einsaugen, alles was nötig ist auf das ziselierte Tablett häufen und in den Wintergarten tragen. Wir frühstücken dort, mit Blick auf den Märchengarten, bis der Frost kommt.
Das Schweigen genussvoll, nur untermalt vom Rascheln der umgelegten Seiten. Lesen, Kaffeetrinken, Essen, Rausschauen. Tagesbeginn.
Dann erledigen, was erledigt werden muss.
Dann, wenn Zeit ist, Schreiben, Lesen, Überarbeiten. Mit der Malerin reden, die meine Freundin ist über ihre Art zu Malen, über meine Art zu schreiben, über Bilder, Texte und die Welt. Mit den Autorinnen meiner Gruppe, scribaria, Schreibimpulse austauschen, gemeinsam schreiben, die besten Texte in ein Buch verpacken. (2022 präsentiert den neuesten Band: „Zukunftsreich“)
Familienzeit nehmen. Die Ideen der Jungen und der ganz Alten aufsaugen und dann doch die eigenen verwenden, die durch den Austausch vielleicht abgeschliffen, umgeformt, verformt oder aufpoliert werden oder ganz neu.
Lang sind die Abende und gut. Und kurz die Nächte.
Dagmar Cechak, Schriftstellerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Kritisch sein und wachsam, das ist wichtig. Meinungen nicht ändern, nur weil „alle“ das plötzlich tun. Analysieren, durch-schauen durch trübe Gewässer und versuchen, den Anker nicht aus den Augen zu verlieren, der tief unten am Grund das Boot noch hält.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Es kommt die neue Sparsamkeit. Die Älteren haben sie schon kennengelernt in der Kindheit. Man hat sie gesehen bei den Großeltern, hat ein wenig darüber gelächelt, wenn nichts weggeworfen wurde, wenn aufgepasst wurde auf Dinge, damit sie lange halten. „Nachhaltig“, das Wort kannte man nicht, man war es einfach. Manche haben es vielleicht übernommen, weil sie schon immer was gegen Verschwendung hatten. Die haben es heute leichter. Die anderen sehen die zahlreichen genialen Spar-Vorschläge, die Internet / Influencer /Trendsetter und sogar Politiker hervorbringen, mit beeindrucktem Erstaunen und benennen sie englisch. So passen die langweiligen Werte der Alten in unsere Zeit, und man „saved“ Lebensmittel, isst „the best of the rest“, „upcyclt“ was das Zeug hält, und schaltet demnächst vielleicht glatt das Licht aus, das sinnlos den ganzen Tag vor sich hin brennt.
Die bildende Kunst ist schon aufgebrochen in neue Welten, die aus dem Alten entstehen, bedient sich gerne verschiedener Abfallprodukte des täglichen Lebens oder der Industrie, arbeitet damit, arbeitet um und macht sichtbar.
Die Literatur sucht Worte im Wortlosen, sucht Sagbares im Unsagbaren, sie berichtet und erzählt, sie darf werten und urteilen, denn sie ist Literatur.
Und trotzdem finde ich, dass Kunst und Literatur im Allgemeinen nicht immer eine Rolle haben müssen. Sie müssen gar nichts, denn gerade diese Freiheit ist Kunst
Was liest Du derzeit?
Utopia von Thomas Morus
Gerade beendet: Adas Raum von Sharon Otoo und In ihren Stiefeln von Katharina Springer
Nebenher immer wieder Krimis
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Die Fähigkeit, etwas schön zu finden, ist die einzige mögliche Erlösung im Leben“. (Martin Walser in einem Interview)
Vielen Dank für das Interview liebe Dagmar, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Dagmar Cechak, Schriftstellerin
Foto_privat
8.8.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.
Hristina Šušak, Komponistin, Performancekünstlerin_ Wien _ Berlin
Liebe Hristina, wir treffen uns hier im Herzen Wiens am Stephansplatz zu einem Fotoshooting. Hast Du im Stephansdom bereits eine Aufführung Deiner Kompositionen gehabt?
Im Stephansdom hatte ich leider noch keine Aufführung, da zeitgenössische Musik nicht so oft in Kirchen gespielt wird. Es ist aber mein großer Wunsch, meine Musik in Zukunft auch in einer Kirche und vielleicht genau im Stephansdom aufzuführen und dazu habe ich schon manche Ideen.
Ich bin von der Akustik von Kirchen fasziniert, welche auch meiner Kompositionästhetik entspricht. Auch eine Kirche für sich bedeutet viel für mich.
Dein neuer Lebens- und Kunstmittelpunkt wird jetzt Berlin. Wann und wie bist Du in Berlin angekommen?
Seit Oktober 2021 unterrichte ich Tonsatz an der Hochschule für Musik und Theater in Leipzig. Jetzt beginne ich parallel mit dem postgradualen Studium „Meisterklasse Komposition“ beim weltberühmten Kompositen Mark Andre an der Hochschule in Dresden.
Es hat auch geklappt, dass mein Verlobter mit seinem Doktorat in Physik auch in Berlin anfängt und wir sind vor ein paar Tagen gemeinsam nach Berlin umgezogen.
Berlin ist derzeit einer der wichtigsten Orte für Komposition und für Kunst generell.
Ich bin mit Berlin auch emotional verbunden, da mein Papa dort im Deutschen Herzzentrum und an der Charité Univerisität seine Subspezialisierung gemacht hat und ich als Kind ihn sehr oft besucht habe.
An welchen Projekten arbeitest Du derzeit?
Derzeit habe ich viele spannende Projekte, was mich sehr glücklich macht. Der weltberühmte Komponist Toshio Hosokawa hat mich bereits für 2 Aufträge im Japan vorgeschlagen und im Dezember soll ich nach Tokyo fliegen! Da wird mein neues Stück von der noh-Sängerin (traditionelle japanische Stimme) Ryoko Aoki in Kioi Hall uraufgeführt. Im März wird auch mein weiteres Stück für Shakuhachi und Blockflöte in Yodobashi Kirche gespielt.
Weiters wurde ich auch von meinem derzeitigen Professor Mark Andre für zwei Projekte vorgeschlagen: mein Orchesterstück Τα Άχραντα Πάθη wirs im Semperoper von der Hochschulorchester der HfM Dresden aufgeführt und im Juni noch ein neues Stück vom MDR Orchester. Weitere Aufführungen habe ich z.B. diese Woche in Wien in der Alten Schmiede, nächste Woche in Leipzig im Rahmen vom Impuls Festival. Im Frühling kommen noch zwei Aufführungen vom Phace Ensemble im Wiener Konzerthaus, dann weiter vom Arditti Quartett, usw.
Wir sind jetzt am Weg zum Mozarthaus. Welche Bedeutung hat Mozart für Dich persönlich und als Komponistin?
Seit meiner Kindheit ist Mozart mein Lieblingskomponist aller Zeiten; nicht nur ein Lieblingskomponist, sondern auch eine Lieblingspersönlichkeit. Als ich klein war und auch später während meiner Schulzeit, wusste jeder, dass ich mit Mozart verheiratet war. 🙂
Die Schönheit und die reine Perfektion, gleichzeitig eine vollkommene Einfacheit, sind für mich in Mozarts Musik wie ein Axiom. „Wenn man etwas nicht einfach erklären kann, hat man es nicht verstanden“ sagte damals A. Einstein; dieses Konzept fühle ich auch immer wieder: wenn ich komponiere, wenn ich konzeptuelle Performances mache, wenn ich über Mathematik und Physik lese, oder wie auch immer im Alltag.
In der Musik Mozarts fühle ich mich wie Zuhause.
Welche weiteren Komponisten*innen sind für Dich bedeutsam?
Von den älteren definitiv Bach und Tschaikowsky: seine slawische Melancholie und besonders die Orchestration. Aus dem 20. Jahrhundert schätze ich sehr die Klangsprache vom Krzysztof Penderecki und György Ligeti und von den lebenden Komponistinnen identifiziere ich mich mit der Musik von Toshio Hosokawa, Mark Andre und Iris ter Schiphorst. Von allen drei habe ich auch eine große Unterstützung, wofür ich sehr dankbar bin. Ich glaube, manche Leute auf unserem Lebensweg sind einfach das Schicksal.
Hat Dich Wien als Komponistin inspiriert?
Auf jeden Fall. Ich bin nach Wien als junges Mädchen gekommen und in dieser auch musikalisch so traditionsreichen Stadt wurde mir die ganze Welt der zeitgenössischen Musik eröffnet. Am Anfang war es für mich sehr schwierig, solche große Änderungen in meiner musikalischen Denkart zu akzeptieren, aber dank meiner Professorin Iris ter Schiphorst, die mich nicht nur als Komponistin sondern auch als Person unterstützt hat, habe ich meine eigene Sprache und den Weg in die zeitgenössische Musik gefunden.
Wir spazieren jetzt über den Wiener Graben. Welche Orte schätzt Du in Wien besonders?
Vor allem das Mozarthaus. Als ich nach Wien umgezogen bin, war ich da sehr oft. Einmal habe ich zu meinen Eltern gesagt, ich besuche das Mozarthaus so oft wie die Kirche.
Meine Uni, MDW, ist auch einer der wichtigsten Orte in Wien für mich. Da habe ich mit siebzehn Jahren mit meinem Studium angefangen; da habe ich 9 Jahre verbracht; da bin ich als Komponistin, Künstlerin und Person aufgewachsen.
Ist der Herbst eine Jahreszeit, die Du persönlich und auch als Komponistin schätzt?
Jede Jahreszeit inspiriert mich im Moment, wenn sie kommt. Der Herbst ist wahrscheinlich meine Lieblingsjahreszeit. Da beginnt die Uni, beginnt das Chaos, aber gleichzeitig die Melancholie und das Konzept der Vergänglichkeit.
Was wirst Du an Wien vermissen?
Vor allem alle meine Freunde und Professorinnen, meine Uni, das Mozarthaus, kleine Straßen, und natürlich der starke Wiener Wind, welcher meine Frisur immer kaputt gemacht hat und worauf ich immer wieder geschimpft habe . 🙂
Hristina Šušak, Komponistin, Performancekünstlerin_ Wien _ Berlin
Herzlichen Dank für das Interview, liebe Hristina, alles Gute für Deine aktuellen Pläne und das Ankommen in Berlin!
Liebe Noshin, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Da ich meistens gegen Mittag zur Arbeit fahre, gehe ich erst in den Garten, schaue nach den Blumen und Vögeln und tanke Energie und gute Laune, um den ganzen Tag energisch und fröhlich Erwachsene und Kinder zu unterrichten.
Noshin Shahrokhi, Schriftstellerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Die Erde wird von vielen Menschen zerstört und die meisten tragen ihren Teil dazu bei. Wir sollten unsere „Natur-GöttInnen“ wiedererkennen und Wasser, Luft und Erde schätzen und pflegen.
Der Mensch hat die Gabe zwischen Gut und Böse zu wählen. Aber um die richtige Wahl zu treffen, braucht die Person nicht nur Bewusstsein und Verantwortung, sondern auch die Erkenntnis, die in der Mystik als Liebe bezeichnet wird. Die Liebe besteht aus Frieden und Toleranz, vertreibt Gier, Zorn und andere Dämonen und lässt keine Kriege zu. Was der Menschheit in unserer Zeit fehlt, ist die Liebe zu Natur, zu Tier und auch zu Menschen und die Erkenntnis, dass die Muttererde ihre Kinder alle gleich liebt, egal wo sie geboren und aufgewachsen sind.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Literatur und Kunst kennen keine Grenzen, keinen vergänglichen Körper, keine Landesgrenzen und sind nicht in einem beschränkten Raum gefangen. Sie sind die Seelen der Menschheit, die ewig in uns leben. Sie sind wie das fließende Wasser, die uns mit ihren Tropfen (Wörtern), Wellen (Sätzen) und Strömungen (neunen Ansichten) Tiefe gibt. Wenn die Musik unsere Seele zum Tanzen bringt, wenn ein Gemälde oder ein Skulptur Geschichten erzählt, eröffnen sie uns unbekannte Welten, die auf reiche Sprachen und Gedanken schweben und uns ins Reich der Fantasie, Mehrdeutlichkeit, unterschiedlichen Wahrheiten, oder schmerzhafte Realität bringen, die wir in menschlichen oder tierischen Gestalten wie das eigene Leib fühlen und durch die Schönheit der Kunst nicht mehr ignorieren können.
Die Kunst und Literatur bereichern die Menschheit tiefer zu fühlen, fruchtbarer zu denken und auch qualitativer zu lieben, was ich als Ästhetik eines Kunstwerkes verstehe.
Was liest Du derzeit?
Nach vielen Jahren lese ich wieder „Der Garten“ von Saadi, dem großen Dichter aus dem dreizehnten Jahrhundert, der mich jedes Mal überrascht, wie tiefsinnig ein Dichter sein könnte. Seine Lektüren sind auch für unsere Zeit geeignet, aber leider nicht die alte deutsche Übersetzung:
O ihr Gebornen eines Weibes-
Seid ihr nicht Glieder eines Leibes?
Kann auch ein Glied dem Weh verfallen,
Dass es nicht wird gefühlt von allen?
Du, den nicht Menschenleiden rühren,
Kannst auch den Namen Mensch nicht führen.
Saadi (Übers. Rückert)
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Um die Finsternis zu bekämpfen, ziehe ich kein Schwert, sondern zünde ein Licht!“ Zarathustras zugeschriebenes Zitat
Und die Dichter und Künstler waren und sind unsere Lichter!
Vielen Dank für das Interview liebe Noshin, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Noshin Shahrokhi, Schriftstellerin
Noshin Shahrokhi ist Autorin und hat mehrere Bücher publiziert. Sowohl auf Persisch als auch auf Deutsch hat sie Romane, Erzählungen, Satiren und auch Gedichte geschrieben. Ihr neuer Roman heißt: „So leicht kommst du nicht ins Paradies“ (Alibri Verlag, 2021)
Sie wohnt in der Nähe von Hannover und hat in Hannover Germanistik und Religionswissenschaft studiert und Jahrzehnte als Journalistin für die persischen Redaktionen (darunter auch bei der deutschen Welle) gearbeitet. Zurzeit arbeitet sie als Dozentin bei der Arbeitsgemeinschaft Arbeit und Leben.
Foto_privat
10.8.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.
Es gibt Traditionen und Rituale im Jahr, zu denen unbedingt die Wahl der Bücher und jene des neuen Jahreskalender gehören. Wenn sich beides impulsgebend verbinden lässt, ist das ein Glücksfall. Der Literaturkalender der edition momente ist seit Jahren ein solcher.
Das so gelungene wie inspirierende Miteinander von Literatur und Jahreskreis findet sich diesmal auch als Jahresthema 2023. Gemeines Erleben, Gehen, Durchstehen, Ermutigen und Erfreuen ist wesentliches Momentum unseres Menschseins wie auch im künstlerischen Prozess des Schreibens.
Ganz besondere literarische Lebensmomente dieses menschlichen Grundgefühls werden nun hier Woche für Woche geöffnet und überraschen in Textform wie Bild. Der Bogen spannt sich dabei von Colette bis zu Friederike Mayröcker und David Foster Wallace bis zu Pablo Picasso. Da ist eine außergewöhnliche Jahresmischung gelungen, die wie ein guter Tee neugierig lesen, Fotos genießen und träumend die Augen schließen lässt.
„…nichts muss in uns brach liegen; am wenigsten Menschenverkehr…: was macht denn sonst wohl das eigentlichste Wesen des Menschen aus…“
Rahel Varnhagen (Zitat, Monat März/2023)
„Der Literatur Kalender 2023“ Momente des Miteinanders. Texte und Bilder aus der Weltliteratur. edition momente
Lieber Andre, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Sehr unterschiedlich, meistens früh aufstehen, Kaffee trinken, im Garten nachschauen, und hoffen das alles weiterwächst, staune darüber, und dann abreiten, entweder nach Wien fahren zum ORF oder Schreiben. Später draußen sitzen und das warme Wetter genießen, lesen, wieder schrieben…und dann meistens so gegen 22 Uhr ins Bett gehen.
André Turnheim, Regisseur
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
An erster Stelle würde ich sagen Klima; z.B. schauen wie ich in meinem kleinen Umfeld darauf achten kann, dass ich selber weniger CO2 bei meinen Tätigkeiten verschleudere.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater, der Kunst an sich zu?
Theater und Kunst im Allgemeinen kommt immer eine besondere Rolle zu, hier können wir neue Perspektiven, Sichtweise, Atmosphären schaffen, die unseren Horizont erweitern können. Das finde ich heute von sehr großer Bedeutung. Kunst und Theater sollen uns motivieren auch schwierigen und unangenehmen Tatsachen ins Auge zu schauen.
Was liest Du derzeit?
Zurzeit beende ich meine Lektüre von „Der lange Sommer der Theorie“ von Philipp Felsch
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Ich merke mir die immer nicht, deswegen erlaube ich mir hier nichts zu sagen, aber ein Zitat das mir immer einfällt ist aus Goethes Faust, 2. Teil, ungefähr so …im schönen Abglanz haben wir das Leben…er beschreibt wie im Wasser die Sonne sich spiegelt, und er ihre Pracht erst in der Spiegelung erfähren kann…das finde ich tolles Gleichnis, wie Verstehen an sich und wie Kunst im Besonderen gelesen werden kann.
Vielen Dank für das Interview lieber André, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Theater-, Film-, Musik-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!