Straßen verbinden Orte und Menschen, ermöglichen Erfahrungen, Begegnung und Austausch. Dies betrifft das private, gesellschaftliche Leben wie auch die Kunst.
In den Kunstprojekten der Moderne rückt die Straße als Thema wie als Ort der Produktion, Inspiration und Inszenierung ihn den Fokus und zahlreiche Projekte geben bis in die Gegenwart beeindruckend davon Zeugnis.
Das wunderbar in Bild und Wort gestaltete Buch gliedert sich in sechs Schwerpunkte, die Performance-, Stage-, Fotografie-, Graffitiprojekte und weitere Kunstformen in Bild und Beschreibung vorstellen und in den jeweiligen Kontexten ästhetischer Theorie erläutern.
„Ein wunderbarer Galerie-Spaziergang in Bild und Wort zu den beeindruckenden, vielfältigen Kunstprojekten der Moderne im Schwerpunkt street.“
STREET LIFE _Die Straße in der Kunst von Kirchner bis Streuli – The Street in Art from Kirchner to Streuli. Hg. Astrid Ihle, René Zechlin. Hirmer Verlag.
Beiträge von E. Bohnet, D. Campany, A. Ihle, S. Gronert, K. Rottmann, J. Stallabrass, M. Widrich
Liebe Nicole, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Mein Tag besteht aus Schreiben und Lesen. Geld verdiene ich als Journalistin und Lektorin. Zum literarischen Schreiben komme ich leider nicht so oft, wie ich gerne würde. Der Alltag grätscht immer wieder dazwischen – in den Ferien versuchen wir möglichst viel als Familie zu unternehmen.
Nicole Makarewicz, Schriftstellerin, Journalistin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Nicht nachzulassen in unseren Bemühungen, unseren Kindern eine Welt zu hinterlassen, in der sie leben können und wollen.
Uns nicht blenden zu lassen von scheinbar einfachen Erklärungen, sondern alles zu hinterfragen und auch unangenehme Wahrheiten zu akzeptieren.
Den Mut nicht zu verlieren. Das ist wahrscheinlich das Wichtigste: nicht aufzugeben.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Wir alle werden uns zurücknehmen und lernen müssen, mit den neuen Rahmenbedingungen umzugehen. Veränderungen sind schwer zu ertragen, können aber durchaus katalysierend wirken. Darauf hoffe ich jedenfalls.
Die Kunst – und hier insbesondere die Literatur – ist ein Spiegel. Sie zeigt was ist, was war und was sein könnte. Kunst verlangt, die Perspektive zu wechseln, einzutauchen und gleichzeitig Abstand zu nehmen.
Literatur vermag Welten, ja sogar Universen zu erschaffen – und sie wieder zu zerstören. Geschichten lassen das Erdachte für kurze Zeit zu unserer Wirklichkeit werden. Sie erzählen vom Unbekannten und fordern auf, das Bekannte neu zu denken. Worte können die Welt verändern. Im Idealfall zum Besseren.
Was liest Du derzeit?
Aktuell lese ich „Weibliche Unsichtbarkeit: Wie alles begann“ von Marylène Patou-Mathis und „Coventry“ von Rachel Cusk. Ich bin eine Parallelleserin und wechsle immer zwischen mehreren Büchern.
Außerdem lese ich seit einigen Jahren hauptsächlich Werke von Autorinnen, da Frauen in der Literatur – wie auch gesamtgesellschaftlich – immer noch zu wenig sichtbar sind und nicht genügend Wertschätzung erfahren.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Einen Satz, der mir aus einem der letzten Bücher, die ich gelesen habe, in Erinnerung geblieben ist:
„Helene, die verstanden hat, dass Komik Tragik in Spiegelschrift ist.“
(aus: „Die Wut, die bleibt“ von Mareike Fallwickl)
Vielen Dank für das Interview liebe Nicole, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Paris 1958. Der gefeierte Schweizer Schriftsteller Max Frisch ist angereist, um die Premiere seines Stückes „Biedermann und die Brandstifter“ zu sehen. Es ist ein weiterer Schritt seines künstlerischen Weges. Da sind viel Erwartung, viel Spannung und Freude.
Doch vor dem Premierenabend steht ein Treffen bevor. Mit Ingeborg Bachmann, die wie Frisch, zu den aufstrebenden literarischen Größen der Zeit zählt. Ingeborg Bachmann ist aus München angereist. Neugierig auf die Begegnung.
Das Treffen der beiden wird zu einem Gespräch, Spaziergang, der sich Stunde um Stunde erweitert. Für Bachmann ist Paris eine Stadt mit viel persönlicher Geschichte. Paul Celan lebt hier. Für Frisch ist es ein Tor zu einer neuen Welt.
Und diese neue Welt öffnet sich nun für beide. Erwartungen, Hoffnungen, Pläne. Die Literatur und die Liebe. Ein Experiment. Ein Versuch. Ein Weg mit offenem Ende…
Bettina Storks, geht mit ihrem Roman „Die Poesie der Liebe“, der Begegnung, Liebe und Trennung von Ingeborg Bachmann und Max Frisch, einem der literarisch spannendsten wie mythenumranktesten Themen moderner Künstlerbiografien wie auch einem persönlichen Herzensprojekt nach.
Der Roman folgt chronologisch den Stationen einer Liebe und öffnet in dialogischer Form von Gespräch und Briefwechsel Gedanken, Erfahrungen und Themenkreise zweier Schreibender wie Liebender auf ihrem Weg durch Licht und Schatten der Zeit.
Die Autorin arbeitet in ihrem Roman mit viel Einfühlungsvermögen und es ist gleichsam ein lesendes Zuhören, das Seite um Seite Umrisse von Mensch, Liebe und Vergänglichkeit entstehen und wirken lässt.
„Ein Roman, der eine der spannendsten wie traurigsten Liebensgeschichten moderner Literatur einzigartig einfühlsam zu erzählen weiß.“
Die Poesie der Liebe, Ingeborg Bachmann und Max Frisch. Roman. Bettina Storks. Aufbau Verlag.
Liebe Ulrike, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Morgens schreiben (eine Erzählung, an der ich gerade arbeite). Nachmittags Organisatorisches, zurzeit eine Lesung vorbereiten und den Aufwand für ein Webdesign-Projekt schätzen. Zwischendurch Pausen. Abends den Baum vom Efeu befreien. Lesen. Schauen.
Ulrike Schäfer, Schriftstellerin, Schreibcoach
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Das weiß ich leider nicht. Ich kann mir darauf auch keine Antwort vorstellen, die jedem Einzelnen von „uns allen“ wirklich gerecht wird.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Was wesentlich sein wird: Vielleicht die Antwort auf die vorige Frage. Ein Bewusstsein und ein Blick dafür, wie unterschiedlich wir betroffen sind. Die Rolle der Literatur und Kunst? Trost und Beistand ist wohl die Greifbarste. Dass man sich erkannt fühlt, gesehen. Verstanden. – Was auch immer Kunst bewirkt: Sie kann es vielleicht am besten, wenn sie sich keine Rolle vornimmt.
Was liest Du derzeit?
Alice Munro: „Himmel und Hölle“ und Liu Cixin: „Die drei Sonnen“.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Wer A sagt, muss nicht auch B sagen. Er kann auch erkennen, dass A falsch war. (Bertolt Brecht)
Vielen Dank für das Interview liebe Ulrike, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Es ist ein schillerndes Schauspielleben, das 1922 in der Vorstadt Wiens unter schwierigsten familiären wie gesellschaftlichen Verhältnissen beginnt und dessen sich der gefeierte und vielfach international ausgezeichnete Künstler der 1950/60er zeitlebens bewusst ist. Selbstbewusst geht er, von Wille und Anspruch getragen, seinen Weg zu Bühne und Film und wird zu einer der prägendsten Schauspielpersönlichkeiten in Präsenz, Charisma wie einer unverwechselbaren Stimme. Das Burgtheater, Hollywood wie viele weitere Stationen sind Wegmarken von „Mensch. Kunst. Mythos.“ Oskar Werners – eines außergewöhnlichen Künstlerlebens.
Zum 100.Geburtstag des 1984 verstorbenen Schauspielers gibt es nun in einer laufenden Ausstellung des Filmarchvis Austria beeindruckende Einblicke in Leben und Werk Oskar Werners:
100 JAHRE OSKAR WERNER. MENSCH KUNST MYTHOS
Ausstellung vom 24. März 2022 bis 29. Jänner 2023
KURATOR_INNEN _ Martina Zerovnik, Raimund Fritz
ÖFFNUNGSZEITEN_Täglich 14:00–21:00
AUSSTELLUNGSORT_METRO Kinokulturhaus_Johannesgasse 4, 1010 Wien
Die Ausstellung versammelt eine überaus beeindruckende Dokumentation in Wort und Bild, die Film-, Bühnenfotos wie private Erinnerungen umfasst und so ein besonders Erlebnis ermöglicht, das den Künstler Oskar Werner vielseitig wie sensationell vorstellt.
Ebenso ist der Ausstellungskatalog „Oskar Werner – Mensch. Kunst. Mythos.“ ein Ereignis, das in Wort und Bild gleichsam eine Bühnen- und Lebensreise anbietet, die informativ, spannend wie vergnüglich ist – herzlichen Dank!
„100 Jahre Oskar Werner“ Mensch. Kunst. Mythos. Ausstellungskatalog. Filmarchiv Austria. Hgb. Raimund Fritz und Martina Zerovnik.
Liebe Angelika, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Aufstehen, manchmal eine Runde Laufen im Prater, auf die Probe, danach zuhause etwas essen und ab spätem Nachmittag dramaturgische Arbeiten. Am Abend entspannen, lesen, meditieren.
Konstruktiv an einer positiven Zukunft arbeiten. Der Ukrainekrieg, andere Krisen wie die Klimakrise, generell der Zustand unserer Welt gibt ein eher düsteres Bild ab. Daher ist es besonders wichtig, konstruktiv zu bleiben und nicht nur schwarz zu malen.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater, der Kunst an sich zu?
Ich sehe im Moment mehr Umbruch als Aufbruch. Die Rolle der Kunst ist wichtig und vielfältig. Trösten, inspirieren, aufrütteln, mahnen, vorausschauen. Raum geben für Sehnsüchte, Träume. Aber auch Kritik üben und Entwicklungen aufzeigen. Und in Zeiten der virtuellen Begegnungen das Live-Erlebnis zelebrieren. Das kann nur das Theater.
Was liest Du derzeit?
Lilian Thuram, Das weiße Denken.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Die Erkenntnis der Lage, in der wir uns alle befinden, treibt uns in die Enge, denn es gibt keine Hoffnung, und es sieht so aus, als wäre die Welt nicht als gut geschaffen worden, als gründete sie auf Leiden, das sich nicht vermeiden lässt. Und obwohl wir nicht wissen, warum dem so ist, müssen wir uns in diesem Ozean der Hoffnungslosigkeit anständig verhalten – das macht uns zu Menschen, nicht unsere DNA. Und so verhalten, als hätte es eine Bedeutung, als gäbe es Prinzipien und Normen, als existierte ein erlösendes und rettendes Gutes, das unserem Handeln einen Sinn verleiht.“
(aus: Olga Tokarczuk, Übungen im Fremdsein)
Vielen Dank für das Interview liebe Angelika, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Theater-, Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Geboren in Wien, aufgewachsen im Burgenland, studierte Violine, Musik- und Theaterwissenschaft in Wien. Von 1993 bis 1995 arbeitete sie als Assistentin von Frank Castorf an der Berliner Volksbühne. Seit 1995 lebt sie als freischaffende Regisseurin, Dramaturgin und Autorin in Wien. Zahlreiche Libretti, Bearbeitungen und Übersetzungen u.a. für die Volksoper Wien, das Theater Osnabrück, Teatro Arriaga in Bilbao, Festspiele Erl, Marinskij Theater St. Petersburg, Theater an der Wien, Musiktheater Linz u.a. Dramaturgische Tätigkeit bei den Mondsee Tagen, dem Festival Osterklang Wien, Loisiarte, Arsonore Graz und seit 2014 bei den Sommerspielen Perchtoldsdorf. Regie u.a. am Volkstheater Wien, Künstlerhaustheater Wien, Kosmostheater, OHO u.a.
Aktuelles Projekt:
Angelika Messner erarbeitet derzeit Text und Regie von IPHIGENIE im TAG Theater Wien
Iphigenie von Angelika Messner
Frei nach „Iphigenie auf Tauris“ von J.W. von Goethe
Premiere: Mi. 30. Nov. 2022, 20.00TAG Theater Wien
IPHIGENIE im TAG Theater Wien _ Foto _ Anna Stöcher
Bernd Märzendorfer, Schauspieler _ Wien _ Station bei Oskar Werner _ 100.Geburtstag Oskar Werner, Schauspieler (*13.November 1922 + 23.Okober 1984 Marburg an der Lahn)
Oskar Werner, Schauspieler _ 1965 _ Filmarchiv Austria
Kindheits-, Jugendhaus Von Oskar Werner, Wien „Die Frau Maria im 4.Stock könnte Ihnen noch etwas erzählen?“ Im Gespräch zu Oskar Werner im Kindheitshaus Im Keller und ehemaligen Luftschutzbunker des Hauses _ heute Musikstudio „Jam Factory“ – Danke für das so freundliche Willkommen! Bernd Märzendorfer, Schauspieler _ Wien _ acting Oskar Werner _ 100.Geburtstag Oskar Werner, Schauspieler (*13.November 1922 + 23.Okober 1984 Marburg an der Lahn)
Lieber Bernd, wir sind hier am Kindheitshaus des Schauspielers Oskar Werners in Wien. Wie prägend, impulsgebend sind Lebensorte, Erfahrungen für den Kunstberuf?
Welche Bezüge, Zugänge gibt es von Dir zu Oskar Werner?
Die erste Assoziation die ich zu Oskar Werner habe ist „Schwarz/Weiss“. Ein österreichischer Pionier der Filmschauspielerei mit internationaler Präsenz. Er starb als ich 5 Jahre alt war.
Ich habe also nur Wahrnehmungen an ihn, nach seiner Schaffenszeit.
In mancher Hinsicht ähnelt seine Biographie bis zum 20. Lebensjahr der meinen. Eine schwierige Kindheit und ein einschneidendes, prägendes Erlebnis mit 16 Jahren. In seinem Fall das Erleben der Novemberpogrome, bei mir der leidvolle Tod meiner wichtigsten Bezugsperson auf dieser Welt.
Bernd Märzendorfer, Schauspieler _ Wien _ acting Oskar Werner _ 100.Geburtstag Oskar Werner, Schauspieler (*13.November 1922 + 23.Okober 1984 Marburg an der Lahn)
Gibt es etwas typisch Wienerisches an Oskar Werner?
Ich denke das typisch Wienerische an Werner ist sein Grant, sein selbstzerstörerisches Wesen, aber auch gleichzeitig sein Charme, sein Wille und sein subtiler Humor.
Was bedeutet Dir Wien?
Wien ist für mich als ursprünglicher Salzburger der Aussichtsturm in die Welt. Ein Platz, an dem man sein darf wer man ist und, mit einem Augenzwinkern betrachtet, genauso schlecht behandelt wird wie alle hier. Dennoch strahlt Wien für mich eine starke soziale Wärme aus und gibt mir das Gefühl, dass von jetzt auf gleich sich alles ändern kann. In welche Richtung auch immer. So wie es die Stadt selbst schon oft erlebt hat. Nichts währt ewig.
Gibt es einen Film von Oskar Werner, den Du hervorheben möchtest und warum?
Ich müsste lügen. Nein.
Oskar Werner spielte in seinen Filmrollen sehr intensiv und ausdrucksstark. Wie siehst Du als Schauspieler den Darsteller Oskar Werner?
Oskar Werners Einstellung zum Beruf sucht seinesgleichen. Er war sich stets bewusst, dass er nie am Ende des Lernprozesses steht und er hat so viele Entwicklungsstufen durchgemacht, die man wunderbar entlang seiner Filme beobachten kann.
Wie intensiv müssen sich Persönlichkeit und Kunst verbinden, um das Publikum erreichen zu können?
Aus meiner Sicht ganz und gar. Das Publikum möchte ein Stück der Präsenz und die gesamte Seele, ihre Tiefe und ihre Leichtigkeit, spüren können und ihr eine Zeit lang sehr nahe sein.
Den Mut zu haben sich so weit zu öffnen, ist die Kunst.
Gibt es Momente in der Kunst, in der sich gleichsam die Kontrolle im Kunstprozess verlieren kann? Und wenn ja, was holt einen dann zurück?
Ich denke diese Momente sollte es im Idealfall dauernd geben. Dadurch entstehen Bilder, die einen selbst überraschen.
Das Ende eines Projekts und der Alltag ohne der Rolle holt einen von selbst zurück. Wenngleich oft einhergehend mit großer Wehmut und manchmal mit einer gewissen Trauer.
Unser Projekt ist ein szenisches Foto/Interviewprojekt. Wie hast Du Dich im Vorfeld darauf vorbereitet und was ist Dir dabei wichtig?
Neugierde war im Vorfeld mein Antrieb und auch während unseres Projektes. Ich fand es unheimlich spannend nicht genau zu wissen was mich erwartet und die Spurensuche gemeinsam mit dir als Abenteuerspielplatz zu betrachten. Es war für mich ein Ausflug in eine vergangene Zeit und doch gelang es immer wieder Brücken in die Gegenwart zu schlagen. Aufregend.
Wie siehst Du das Spannungsverhältnis von Öffentlichkeit und Schauspielberuf bei Oskar Werner wie an sich (Kunstberuf)?
Mir fehlen diese Momente noch, um das aus eigener Erfahrung beurteilen zu können, aber ich beobachte, dass die Öffentlichkeit nicht annähernd eine Vorstellung davon besitzt wie schwierig dieser Beruf ist und von welcher unglaublich harten, aber wunderschönen, Arbeit dieser begleitet ist. Auch Entbehrung, Enttäuschung und Angst sind eine dauernde Begleiterscheinung. Doch all das ist ein Preis, den man gerne bezahlt um zu tun, was man liebt und man kann auch diese Seiten in gewisser Weise als Geschenk betrachten. Schauspiel ist keine heile Welt. Es ist die Welt.
Oskar Werner war nach großen Filmerfolgen vielseitig im Schauspielberuf in Film wie Theater tätig. Wie siehst Du die Möglichkeiten persönlichen Entwicklungsweges im Kunstberuf?
Ich meine alle Möglichkeiten sind offen. Das sind sie immer. Es braucht natürlich manchmal Glück und Fügung, aber nur zu einem kleinen Teil.
Ich bin 42 und sehe meine berufliche Laufbahn frühestens mit 70 enden, wenn überhaupt und natürlich sofern es meine Gesundheit mir erlaubt. Das sind noch ca. 30 Jahre.
In 30 Jahren kann alles passieren, oder auch nichts. Und beides hab ich schon erlebt. Ich freue mich darauf, es nun neu zu erleben und bin dankbar es noch nicht zu wissen. Egal in welche Richtung sich mein Leben entwickelt.
Wie war Dein Weg zur Kunst und welche Erfahrungen hast in Wien gemacht?
Kunst beschäftigt mich schon mein ganzes Leben, als Beobachter. Meine Großmutter ist eine wunderbare bildende Künstlerin und sie begann damit erst rund um ihr 40. Lebensjahr. Zuvor war sie Buchhalterin und erst eine tiefe Depression hat ihr den Weg freigemacht sich dafür zu öffnen was sie liebt. Sie ist nun 94, arbeitet jeden Tag an ihren Bildern und ich habe sie ausschließlich als unglaublich hellen, lebensbejahenden Kopf erlebt und sie ist für mich ein wirkliches Vorbild wie man Leidenschaft und Leben in Einklang bringt. Sie hat mir auch als einzige dazu geraten das zu tun, was mich als Mensch bewegt, während der Rest meines Umfelds nicht verstehen konnte wie man einen hochbezahlten Beruf für den verrückten Wunsch Schauspieler zu werden, aufgeben kann. Dieser Rückhalt hat mich sehr gerührt.
Wien gibt mir alles, was ich brauche.
Was würdest Du Oskar Werner sagen, fragen wollen?
Jedenfalls Danke und natürlich würde ich ihn fragen, woher seine Verletzlichkeit rührt, ob er sich derer bewusst ist und warum er sich immer wieder selbst zerstört, obwohl er für andere so strahlen kann.
Darf ich Dich abschließend zu einem Oskar Werner Achrostikon bitten?
O skars
S piel
K ann
A lles
R etten
W illenstark
E gozentrisch
R eizend
N obel
E rlebbar
R ebellisch
Bernd Märzendorfer, Schauspieler _ Wien _ Station bei Oskar Werner _ 100.Geburtstag Oskar Werner, Schauspieler (*13.November 1922 + 23.Okober 1984 Marburg an der Lahn)
Station bei Oskar Werner_
100.Geburtstag_Oskar Werner, Schauspieler (*13.November 1922 + 23.Okober 1984 Marburg an der Lahn)
Bernd Märzendorfer, Schauspieler _acting Oskar Werner_
Interview und alle Fotos_Walter Pobaschnig _Wien_10.2022