Lieber Tex Rubinowitz, ist Österreich als Gastland die vorauseilende Revanche für den deutschen (Sommer) Gast?
Ich glaube, die Österreicher sind realistisch genug, zu erkennen, dass der deutsche Sommergast als Synonym für unsensible Präsenz, Lautstärke und Arroganz inzwischen eine Chimäre geworden ist, zumal im pseudoauthentischen Tiroler Ambiente ungarische Servicekräfte Gästen aus Sachsen Kaßspatzln erklären und servieren müssen, während die autochthonen Tiroler dem Rascheln des Geldes in der Kasse lauschen
Was zeichnet den österreichischen Gast aus?
Er fällt nicht weiter auf, und sobald er den Mund aufmacht, findet man ihn in Deutschland niedlich, das ist einerseits Vorteil, man kann so nicht verlieren, und andererseits nimmt man ihn nicht ernst, auch wieder ein Vorteil, beweisen zu können, was man kann und mitgebracht hat
Wird Leipzig das Literatur-Cordoba für Österreich?
Cordoba als immerwiederkehrendes Beispiel eines Zufalls ist mittlerweile so weich wie Knäckebrot im Regen geworden, in Deutschland kennt man das gar nicht, die kleinere DDR hat auch mal die westdeutsche Fußballnationalmannschaft besiegt, im ostdeutschen Leipzig wird man sich eher daran erinnern, wenn überhaupt, und Literatursiege, die gibt es nicht, die Zahl der Literaturpreise gegeneinander aufzurechnen, führt zu nichts, denn das würde implizieren, dass Juries unter nationalen Gesichtspunkten entscheiden würden und sich damit diskreditieren und unglaubwürdig machen
Ist „Meaoiswiamia“ als majestetischer Plural gemeint, um Deutschland geschickt narzisstisch zu überlisten, oder als Selbstkritik am Literaturbetrieb?
Ich verstehe den Slogan eher als onomatopoetisches Verwirrspiel a la Ernst Jandl, ja, kann eine List sein, etwas, was nicht so schnell erfassbar ist, eher wahrzunehmen als durchzuwinken, also ein Trick, der noch dazu den Vorteil hat, dass Deutsche ihn putzig finden, weil sie den Satz nicht verstehen, man kann ihnen also alles unterjubeln, es muss nur gut klingen
Henne oder Ei? Wer zuerst? Wer war literarisch zuerst da? Österreich oder Deutschland – Wer ist literarische Henne oder literarisches Ei?
Ich glaube, dass es keine genuin österreichische Literaturattitüde oder Erzählhaltung gibt, außer, dass man sich in Österreich vielleicht mutiger und schneller Dinge traut, zu schreiben, zu machen, zu zeigen, auch Scheitern zu riskieren und zuzulassen, um daraus wieder neue Energien zu generieren, aber das sind vermutlich Klischees, aber dass der eine oder die andere vor der einen oder dem anderen war, bezweifle ich, nationale Attitüden haben ja immer etwas Folkloristisches, das soll in den Herkunftsländern bleiben, das macht ja ihren Reiz aus, und nur dadurch funktionieren sie woanders, traurig genug, dass in Österreich jeder und jede inzwischen zur Verabschiedung „Tschüß“ sagt, was vor 30 Jahren noch undenkbar war, während in Kiel niemand etwas „leiwand“ findet
Herzlichen Dank!
Zur Person_ Tex Rubinowitz, geboren 1961 in Hannover, lebt seit 1984 als Witzezeichner, Maler, Musiker und Schriftsteller in Wien. 2014 erhielt er den Bachmann-Preis.
Interview _ Katharina J.Ferner, Poetin und Performerin _ Salzburg
Katharina J.Ferner, Poetin und Performerin
Liebe Katharina J.Ferner, was zeichnet den österreichischen Gast aus?
Ich denke, die Vielfalt ist schon sehr groß und das Programm breit gefächert. Das ist nicht unbedingt eine österreichische Spezialität, aber der Bezug zur Vielsprachigkeit speziell durch die Einbindung der Dialekte ist ja schon im Leitthema präsent. Ich würde also behaupten, es gibt keine Angst vor Unverständnis, sondern eher Hinweis sich auch mit der Varietät in den nicht-genormten Literatursprachen zu beschäftigen.
Wird Leipzig das Literatur-Cordoba für Österreich?
Bitte nicht Cordoba.
Ist „Meaoiswiamia“ als majestätischer Plural gemeint mit dem Österreich literarisch geschickt narzisstisch überlistet?
Vielleicht als ästhetischer Plural?
…oder ist es eine Selbstkritik am Literaturbetrieb?
Selbstkritik kann ich am Programm nicht ablesen. Es ist eine kritische Antwort am angestaubten „mia san mia“, wie Katja Gasser, das ja u.a. darlegte. Aber wohl auch humorvoll auszulegen.
Wer kann besser lesen – Deutschland oder Österreich?
Das ist eine Frage für die Statistiken.
Herzlichen Dank!
Katharina J.Ferner, Poetin und Performerin _ Salzburg
Aktuelle Bücher_
Krötentage, Gedichte, Limbus, 2022, ISBN 978-3-99039-219-5EUR 15,–
Der Anbeginn, Roman, 2020, Limbus, ISBN 978-3-99039-184-6EUR 22,-
Zur Person_Katharina J. Ferner lebt als Poetin und Performerin in Salzburg. Redaktionsmitglied der Literaturzeitschriften Mosaik. Mitarbeit bei Morgenschtean, sowie &Radieschen. 2016-2019 Mitbetreuung der Lesereihe ADIDO (Anno Dialekt Donnerstag) in Wien. 2019 Lyrikstipendium am Schriftstellerhaus Stuttgart. Seit 2020 arbeitet sie gemeinsam mit anderen Autor*innen mit der Lungauer Kulturvereinigung über das Format „Junge Literatur im Lungau“ zusammen. Sie tourte im Team von HÖRHIN –Eine Initiative zur Förderung von Lese- und Sprachkompetenz an Volksschulen durch Österreich. Mit dem Fotografen Mark Daniel Prohaska entstand das Projekt „Homeage“, in dem KJF literarische Straßennamen Salzburgs mit Texten zeitgenössischer Autor*innen beliest. Seit Jänner 2021 erscheint unter dem Titel „Ferner dichtet“ wöchentlich Poesie in der Salzburger Krone. Teilnahme am Bachmann-Wettlesen 2021. Gemeinsam mit Kalinka Kalaschnikow veranstaltet sie die Lesereihe „…das nackte Wort“.
Interview _ Cornelia Travnicek, Schriftstellerin_ Wien
Cornelia Travnicek, Schriftstellerin_ Wien
Liebe Cornelia Travnicek, ist Österreich als Gastland die vorauseilende Revanche für den deutschen (Sommer) Gast?
Deutschland hatte noch eine Rechnung in einer Après–Ski-Bar offen.
Was liest ein österreichischer Gast in Deutschland?
Die Verspätungsanzeige der Deutschen Bahn.
Wird Leipzig das Literatur-Cordoba für Österreich?
Es spielen so viele österreichische Autor:innen in deutschen Verlagen, ich denke nicht, dass man da noch von einem Ländermatch sprechen kann.
Ist „Meaoiswiamia“ als majestetischer Plural narzisstisch gemeint, um den Minderwertigkeitskomplex zu überwinden, oder als Selbstkritik am Literaturbetrieb?
Wir sind mehr als die behauptete Summe unserer (kleinen) Teile. Und wenn schon nichts anderes, ist das Motto zumindest ein fixer Conversation Starter.
Was kann Österreich aus Deutschland und Deutschland aus Österreich gestohlen bleiben?
Die Kaiserhymne?
Wer macht die schöneren Bücher – Deutschland oder Österreich?
Zur Person_Cornelia Travnicek, geboren 1987, lebt in Niederösterreich. Studierte an der Universität Wien Sinologie und Informatik und arbeitet Teilzeit als Researcher und Projektmanagerin in einem Zentrum für Virtual Reality und Visualisierung. Übersetzt Kurzprosa und Lyrik aus dem Chinesischen. Für ihre literarischen Arbeiten wurde sie vielfach ausgezeichnet, u. a. erhielt sie 2012 den Publikumspreis bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt für einen Auszug aus ihrem Roman „Junge Hunde“. Ihr dritter Roman „Feenstaub“ war auf der Shortlist des Österreichischen Buchpreises 2020. Neben einigen eigenständigen Publikationen veröffentlichte sie auch diverse Texte in Zeitungen, Zeitschriften und Magazinen (wie Die Zeit, Der Standard, Volltext, LICHTUNGEN, Manuskripte).
Der Roman „Chucks“ wurde 2015 als österreichische Produktion verfilmt (DOR Film, Ertl-Hiebler).
Texte von Cornelia Travnicek wurden in diese Sprachen übersetzt:
Axel Karner, Schriftsteller_Wien/Zlan _ Humbert Fink Preisträger 2022
Axel Karner, Schriftsteller_Wien/Zlan _ Humbert Fink Preisträger 2022
AXEL KARNER Probstheida
1 lüg was gern hätt
brings ums eck
mutter war jüdin
in leipzig der vater daheim im reich
ein luder und dreck
homs gsogt drahs ham dei mame da vota heim ins reich
in leipzig mit luther und dr eck
2 postille sagt buchnarb geordnet griff willkommen
fräulein meyer hieß zu gebot tobt überall
ich les mein wort
gar schwall redheafiawos
Axel Karner
Zur Person_Axel Karner: Geboren 1955 in Zlan. Arbeitete als Lehrer für evangelische Religion, darstellendes Spiel und soziales Lernen in Wien. In der Bibliothek der Provinz erschienen: „Kreuz“. Gedichte. Mit Scherenschnitten von Joseph Kühn (2003); „Schottntreiba“. Gedichte. Mit Illustrationen von Ingeborg Kofler (2004); „Vom ersten Durchblick des Gewebes am zehnten November und danach“. Kriminalgeschichten (2007). Im Wieser Verlag: Die Stacheln des Rosenkranzes. Lissabonner Gedichte (2007); Chanson Grillée. Gedichte. Illustriert von Anne Seifert (2010); Der rosarote Balkon (2012); Der weiße Zorn (2015); Die Zunge getrocknet / Jezik posušen. Fünf Gedichte in vier Sprachen und eine Nulllinie. Mit Zeichnungen von Wilhelm Dabringer. Slowenisch von Ivana Kampuš (2019).
Interview _ Franzobel, Schriftsteller _ Bachmannpreisträger 1995_ Wien
Franzobel, Schriftsteller _ Bachmannpreisträger 1995_ Wien
Ist Österreich als Gastland die Revanche für den deutschen Gast?
Der deutsche Gast hat nur einen Nachteil, er kommt in Masse, aber eigentlich ist er der angenehmste. Russen verwüsten Hotelzimmer, Italiener und Chinesen sind laut, Araber geldverdorben, Amerikaner enervierend. Für den vorauseilenden Gehorsam der österreichischen Gastronomen, die Pfannkuchenstreifen, Lendchen, Rührei und Aprikosen auf Speisekarten setzen, kann er ja nichts.
Was macht einen österreichischen Gast aus?
Der ist misstrauisch, vergleicht alles mit daheim und neigt zur Rudelbildung. Der Österreicher ist immer etwas schlampig und nur selten elegant. Er kann nicht gehen, weil seine Füße dafür gemacht sind, auf Bergwiesen Kuhfladen auszuweichen. Meist ist er schüchtern, betrinkt sich, um die Fremde auszuhalten, und wird dann ausfällig. Der Österreicher im Ausland bindet jedem ungefragt auf die Nase, dass er kein Deutscher ist, und identifiziert sich mit Mozart, Lipizzaner und Schwarzenegger. Ein Widerling.
Wird Leipzig das Literatur-Cordoba für Österreich?
Literarisch ist Österreich wie Indonesien, das Literaturland Austria ist ein Archipel, der aus lauter Inselbegabungen besteht. Hunderte Monolithen mit einem völlig eigenen Stil, damit sind wir dem politisch korrekten Einheitsbrei der Germanen natürlich turmhoch überlegen.
In Österreich gibt es eine Tradition, die sich vom Wiener Volksstück, den Kabarettisten der Zwischenkriegszeit und dem Austropop nährt, die ihresgleichen im deutschen Sprachraum sucht. Wir haben kein Bürgertum, sondern sind allesamt Abkömmlinge von illegitimen Pfarrerseitensprüngen, degenerierten Adeligen, Bauern, Proletariern oder Gesinde, das macht uns so stark.
Ist „Meaoiswiamia“ als majestetischer Plural gemeint mit dem Wir geschickt Deutschland narzisstisch überlisten?
Sagen wir so, der Schmäh der Österreicher ist für Deutsche unbegreiflich und in andere Sprachen nicht zu übersetzen.
Ein Beispiel gefällig?
Vor kurzem hat mir ein Freund erzählt, dass er das Bressehuhn von Bocuse nachkochen wollte. Das kommt in einen großen Topf voller Meeressalz. Zufällig sieht er in der Auslage eines Feinkostladens drei Kilo von diesem Salz. Also geht er hinein und fragt, ob sie etwas mehr haben. Daraufhin der Verkäufer: „Was is mit ihnen, wollns a Meer eröffnen?“
…oder ist „Meaoiswiamia“ auf den Literaturbetrieb bezogen?
Ich weiß nicht, was sich die Verantwortlichen dabei gedacht haben, hoffe aber, der Titel ist bei ein paar Flaschen Wein entstanden und man hatte eine Mordsgaudi. Vielleicht hat ja irgendwann zu nächtlicher Stunde jemand gefragt, ob es jemand gibt, der mehr verträgt? Meaoiswiamia? Oder man wollte auch ein Meer eröffnen?
Wer kann besser lesen – Deutschland oder Österreich?
Machen wir uns nichts vor, jedes Volksschulkind in Hannover spricht ein besseres Deutsch als die meisten österreichischen Literaten, dafür ist bei uns jeder Hackler lustiger als der deutsche Durchschnittskabarettist.
Lesen ist wieder etwas anderes, das ist wie die Genialität oder das Bewusstsein, da wissen Hirnforscher auch nicht, wie sie das fassen sollen. Oder war Vorlesen gemeint? Da sind die Österreicher schlechter, aber amüsanter. Aber das sind natürlich lauter Klischees.
Herzlichen Dank!
Franzobel, Schriftsteller _ Bachmannpreisträger 1995_ Wien
Zur Person_Franzobel, geboren 1967 in Vöcklabruck, erhielt u. a. den Ingeborg-Bachmann-Preis (1995), den Arthur-Schnitzler-Preis (2002) und den Nicolas-Born-Preis (2017). Bei Zsolnay erschienen zuletzt der Krimi Rechtswalzer (2019) sowie die in zahlreiche Sprachen übersetzten historischen Romane „Das Floß der Medusa“ (2017), „Die Eroberung Amerikas“ (2021) und Einsteins Hirn (2023).
Liebe Ines Birkhan, Du hast 2019 am Bachmannpreis in Klagenfurt teilgenommen. Wie kam es zu Deiner Teilnahme und wie gestaltete sich Deine Vorbereitung?
Ich wurde von Nora Gomringer eingeladen. Meine Vorbereitung lag im Erarbeiten eines Videos, das als eine Art entfernter Ableger des Texts gedacht war. Ich wollte kein vom ORF gedrehtes Video-Portrait zu meiner Person.
Eröffnung Bachmannpreis 2019 _ Mittwoch 26.Juni _ Eintreffen der Teilnehmer:innen _ Ines Birkhan _ zweite von links
Lesereihenfolge 2019
Die Lesereihenfolge wird immer vom Los entschieden.
Ziehung Lesereihenfolge _ Ines Birkhan _ Moderation: Christian Ankowitsch _ Jury (Teil) sitzendHubert Winkels (Vorsitzender, Klaus Kastberger, Nora Gomringer (Einladende von Ines Birkhan), Stefan Gmünder
Donnerstag, 27. Juni:
10.00 Uhr Katharina Schultens
11.00 Uhr Sarah Wipauer
12.00 Uhr Silvia Tschui
13.30 Uhr Julia Jost
14.30 Uhr Andrea Gerster
Freitag, 28. Juni:
10.00 Uhr Yannic Han Biao Federer
11.00 Uhr Ronya Othmann
12.00 Uhr Birgit Birnbacher
13.30 Uhr Daniel Heitzler
14.30 Uhr Tom Kummer
Samstag, 29. Juni:
10.00 Uhr Ines Birkhan
11.00 Uhr Leander Fischer
12.30 Uhr Lukas Meschik
13.30 Uhr Martin Beyer
Moderation BACHMANNPREIS 2019: Zita Bereuter und Christian Ankowitsch. Links _ Hubert Winkels (Juryvorsitzender) Clemens J. Setz _ Rede zur Literatur am Eröffnungsabend _ „KAYFABE UND LITERATUR“ https://bachmannpreis.orf.at/v3/stories/2987078/index.html.Live Interview Clemens J.Setz _ ORF _ links sitzend Sarah Wipauer (Schriftstellerin, Bachmannpreisteilnehmerin 2019)
Welche Erwartungen hattest Du?
Als Nora Gomringer bei unserem Gespräch vor dem ersten Lesetag meinte, ich solle mich darauf gefasst machen, dass mein Text einen schweren Stand haben wird, war ich ganz von den Socken. Warum? – dachte ich. Ich bin da sehr naiv. Erstens durchschaue ich gewisse doch vorhandene Machtspiele nicht und zweitens hatte ich nicht damit gerechnet, dass einzelne Jurymitglieder vielleicht mit Scheuklappen ausgestattet sind und, wie mir schien, recht unbewandert in bestimmten Einflüssen, die von anderen Kunstfeldern in die Literatur hineinreichen. Ich meine hier inhaltlich für meinen Text relevante Einflüsse wie – die Aufweichung von Grenzziehungen zwischen Mensch/Tier, Innen/Außen, halluzinativ-surrealistische/reale Welt. In anderen Medien sind diese Trennlinien eine offene Spielwiese. Vor allem in der visuellen Kunst oder im Tanz. Was in TV-Serien punkto Komposition oder Genre-Transgression längst etabliert ist, gilt in der Literatur des Öfteren als zu schwierig oder unverständlich.
Gab es im Vorfeld der Veranstaltung Kontakte zu den Mitlesenden und der Jury und wie war der Kontakt (Kontaktmöglichkeiten) vor Ort?
Ich kannte weder Mitlesende noch Jurymitglieder zuvor. Der Kontakt vor Ort zu den anderen Autor*innen war sehr gut, sehr locker, ohne Ellbogen etc… Es ergaben sich interessante Gespräche. Bezüglich Jury: Nora Gomringer hat tatsächlich die eingesandten Texte gelesen und daraus ausgewählt. Das rechne ich ihr hoch an.
Ines Birkhan _ am Weg zur Lesung
Welchen Text hast Du in Klagenfurt vorgestellt?
Ich habe einen Auszug aus meinem inzwischen veröffentlichten Roman abspenstig (2022, Verlag TEXT/RAHMEN) gelesen.
Wann hast Du gelesen und wie hast Du Dich unmittelbar auf Deine Lesung vorbereitet?
Ich habe am letzten Tag als erste gelesen. Keine speziellen Vorbereitungen.
Wie hast Du Deine Lesung und die Jurydiskussion erlebt?
Gleich zu Beginn trat eine Erwartungshaltung einiger Jurymitglieder hervor, nämlich, dass ich bei der Lesung performativ(er) agieren würde. (Ich nehme an wegen meines Hintergrunds als Tänzerin/Choreografin). Ich fand das ganz unverständlich, denn der Textauszug war ja offensichtlich für eine Wasserglas-Lesung gedacht. Hätte ich stimmlich/körperlich „performen“ wollen, wäre der Text anders strukturiert gewesen. Die anschließenden Interpretationen des Auszugs gingen für mich zum Teil ins Leere. Was mich geärgert hat, war die Unterstellung, der Text sei sprachlich nicht durchgearbeitet. Ich glaube, die Juryleute hatten da einen Text vor sich liegen, den sie einfach nicht einordnen konnten. Etwas überspitzt gesagt und vielleicht nicht auf alle Jurymitglieder zutreffend: Die formal/inhaltlichen Aspekte waren ihnen so fremd, dass sie nur den Kopf schütteln konnten. Ich empfand das als Schwäche seitens der Jury, denn der Text steht nicht im luftleeren Raum und zeigt durchaus Querverbindungen zu künstlerischen, philosophischen und eben auch literarischen Strömungen. Als ich von Hildegard Keller aufgefordert wurde, etwas zur Diskussion beizusteuern, war ich froh. Das gab mir die Möglichkeit, kurz über meine kompositorische Herangehensweise zu sprechen.
Mit welchem Feedback und persönlichen Emotionen hast Du den Lesungsort danach verlassen?
Einer der Mitlesenden hat nachher im Bezug auf meine Antwort bei der Jurydiskussion gesagt: „Wow, du hast für uns alle ein Korsett gesprengt!“ Ich weiß nicht, ob für alle, aber für mich – ja. Hätte ich auf die, wie mir damals vorkam, feindselige Haltung meinem Text gegenüber nichts antworten können, wäre ich unglücklich gewesen.
Nach der Lesung
Wie gestalteten sich für Dich die weiteren Lesungstage und die Preisverleihung?
Preise sind natürlich ein Ding für sich. Aber, wenn man an so einer Veranstaltung teilnimmt, finde ich es unehrlich so zu tun, als würde man nicht gerne eine Anerkennung für die Arbeit bekommen. Ich habe mich vor allem für Birgit Birnbacher und Ronya Othmann gefreut.
gespannte Erwartung bei den Lesenden vor der Preisverleihung am Sonntag _ 29.6. Birgit Birnbacher (Bachmannpreis 2019, Mitte); Leander Fischer (Deutschlandfunkpreis, links); Julia Jost (KELAG-Preis, zweite von rechts); Yannic Han Biao Federer (3sat-Preis, rechts);Ronya Othmann (BKS-Bank-Publikum – Preis, zweite von links).
Wie bist Du als Schriftstellerin und persönlich von Klagenfurt abgereist und welche Erinnerung und Resümee hast Du in Abstand an den Bachmannpreis?
Einige persönliche Begegnungen habe ich als schön empfunden, die haben mich getragen. Es war richtig, dort gewesen zu sein. Ich habe etwas über den Literaturbetrieb gelernt.
Wie hat die Teilnahme am Bachmannpreis Deine weitere schriftstellerische, künstlerische Laufbahn beeinflusst?
Nach der Veröffentlichung von abspenstig wurde der Roman von der Literaturkritik kaum wahrgenommen. Ich fühle mich wie ein Outcast, das muss ich offen sagen. Das gibt mir allerdings auch große Freiheit. Ich schreibe wirklich ausschließlich, was ich will und muss mich keiner wie auch immer gearteten Erwartungshaltung beugen. Ich habe das Gefühl, dass meine Arbeit irgendwann in der Zukunft besser verstanden werden wird. In anderen Sprachräumen womöglich schon jetzt.
Gibt es noch Kontakt zu Mitlesenden, Jury, Journalisten*innen oder Bezugspersonen in Klagenfurt?
Kontakte zu Mitlesenden – ja.
Würdest Du noch einmal am Bachmannpreis teilnehmen?
Nein.
Was wünscht Du Dir für den Bachmannpreis?
Er soll weiter bestehen bleiben. Es muss aber klar sein, dass es ein Mainstream-Event ist und Experimentelles dort scheel angesehen wird.
Was möchtest Du den aktuellen Teilnehmer*innen mitgeben?
Schaut, ob ihr aus dem Feedback der Jury etwas Interessantes für euch herausholen könnt. Bei mir war’s leider nicht so.
Welche Erinnerung hast an den Lesungsort Klagenfurt und welche Aktivitäten hast Du in der Stadt unternommen?
Ich war baden! Es war nämlich extrem heiß.
Klagenfurt _ Wörthersee
Welche aktuellen Projekte gibt es derzeit für Dich?
Ich schreibe an meinem neuen Roman Kosmopony und an einem Hörspiel.
Vielen Dank für das Interview, liebe Ines Birkhan, und alles Gute!
Bachmannpreis _ Rückblick _Interview:
Ines Birkhan, Schriftstellerin, Performerin _ Wien _ Bachmannpreisteilnehmerin 2019
Ines Birkhan, Schriftstellerin, Performerin _ Station bei Bachmann _ Lebensort Ingeborg Bachmanns _ Wien 6_19
Zur Person_Ines Birkhan – Schriftstellerin und Performerin
studierte Bildhauerei bei Alfred Hrdlicka und Gerda Fassel an der Hochschule für Angewandte Kunst, Wien, später Tanz und Choreographie am SNDO (School for New Dance Development), Amsterdam. Ab 2001 war sie als freischaffende Choreographin, Tänzerin und Performerin in Europa tätig und Co-Leiterin der Tanzkompanie Real Dance Super Sentai.
Seit 2005 verfasst sie Texte. Romane, Erzählungen, Performance-, Video- und Hörspieltexte
Romane:
– Chrysalis, Präsens Verlag, Wien 2009 – Angel Meat. Verwerfungen, Neofelis Verlag, Berlin 2012
– Untot, du geteilte Welt, Verlag Bibliothek der Provinz 2017
– abspenstig, Verlag TEXT/RAHMEN, Wien 2022
Ines Birkhan abspenstig Roman 232 Seiten, 120x 180 mm Klappenbroschur Preis: €16,00
– den kreisrunden Todengwalzer tanzen, Reihe Persephone, Peter Lang Verlag 2007
– Gang durch den Wald (Lesespiel), edition fabrik transit,2017
– in Literaturzeitschriften u.a.: Triëdere, LICHTUNGEN, entwürfe, Am Erker
Hörspiel: – Mit der Fliehkraft, Ö1-Kunstradio, AutorInnen-Produktion 2020
Stipendien/Preise:
2009 /2010: Aufenthaltsstipendium an der Akademie Schloss Solitude /Literatur 2010: START- Stipendium, BMUKK, Wien 2011: Reisestipendium, BMUKK, Wien 2014: Theodor Körner Preis/Literatur
2015: Projektstipendium, BKA, Wien 2017: Projektstipendium, BKA, Wien 2019: Nominierung zum Bachmann-Wettbewerb
Liebe Ursula Kirchenmayer, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Ich wecke die Kinder, mache mir einen Kaffee, räume die Spülmaschine aus, schmiere Brotzeiten, packe Rucksäcke, die Kinder frühstücken und ziehen sich an. Irgendwann werden wir, die Erwachsenen, ungeduldig, wir denken an die Uhrzeit, wir flehen und werden laut, wir entschuldigen uns, wir werfen alle unsere montessorischen Grundsätze über Bord und ziehen den Kindern überstürzt Schuhe und Jacken an. Meistens bringt mein Partner die Kinder in den Kindergarten.
Ich räume die schmutzigen Teller in die Spülmaschine und setze mich an den Schreibtisch, der eigentlich unser Esstisch im Wohnzimmer ist, denn mein Arbeitszimmer wurde von den Kindern, die sich noch ein Zimmer teilen, schleichend in ein zweites Spielzimmer verwandelt. Das macht mir nichts aus, im Gegenteil, am Esstisch arbeite ich am liebsten. Die nächsten Stunden sind kostbar, da begrenzt, und weil ich das weiß, konzentriere ich mich.
Ursula Kirchenmayer, Autorin
Die Kinder geben meinen Tagen Struktur, Haushalt und Arbeit sind fast eine Einheit geworden; wenn ich nachdenken muss, hänge ich Wäsche auf. Manchmal gibt es E-Mails zu beantworten, oder Interviewfragen, so wie jetzt, und gelegentlich auch Deadlines abzuarbeiten – denn wie die meisten Autor*innen bin ich auf Stipendien finanziell angewiesen. Meistens aber schreibe ich einfach, oder überarbeite bestehenden Text. Das Mittagessen kommt dabei oft zu kurz.
Um 14 Uhr bin ich es, die die Kinder abholt. Der Nachmittag wird von den Kindern bestimmt, nur in dringenden Fällen versuche ich nebenher zu arbeiten. Das ist meist keine gute Idee: am Ende sind alle frustriert, Tränen fließen.
Dieser Winter war hart, weil wir viel krank waren, häufig war eines der Kinder zuhause, oder auch beide, und da mein Partner einen Job hat, der besser entlohnt wird als meiner, war ich es, die das abfangen musste, und es war meine Arbeit, die darunter gelitten hat.
Jetzt freue ich mich schon sehr auf den Sommer.
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Wir müssen ernst nehmen, dass Teile der Bevölkerung gerade offenbar ihr Vertrauen in den Staat und in die Medien, auch in die Politik verlieren. Wir müssen raus aus unseren Blasen – nicht alle fühlen sich in den aktuellen Debatten gehört. Wenn man sich einmal Deutschland anschaut, da ist die Armutsquote zwischen 2010 und 2019 um 40 Prozent gestiegen! Das trifft zunehmend auch die Mittelschicht. Und Armut ist vererbbar. In Österreich gibt es einen ähnlichen Trend. Ich mache mir Sorgen um die Zukunft unserer Kinder. Wir müssen uns mehr um die Welt kümmern, deren Ressourcen begrenzt sind, aber auch mehr umeinander. Wir müssen lernen uns wieder zuzuhören. Es ist doch verrückt: Das reichste 1 Prozent emittiert doppelt so viel wie ganze 50 Prozent der Ärmeren. Warum werden dann ausgerechnet die Reichsten so zaghaft besteuert? Wir müssen unser bestehendes System hinterfragen, vielleicht von Grund auf neu denken. Wir müssen langsamer werden, weniger und bewusster konsumieren, wir müssen lernen zu verzichten. Das geht uns alle etwas an. Aber gleichzeitig müssen wir endlich und ganz besonders auch diejenigen in die Verantwortung nehmen, die tatsächlich etwas bewegen könnten. Keine Privatjets mehr, keine Flüge zum Mars.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Literatur und Kunst können die Dinge in ihrer ganzen Vielschichtigkeit und Widersprüchlichkeit zeigen. In der Literatur ist Platz für Zwischentöne. Literatur bewegt, trifft, schmerzt – anders als eine rein theoretische Analyse. Ich glaube fest daran, dass Literatur deshalb auch eine im brecht’schen Sinne gesellschaftsdurchwirkende, eine heilende Kraft hat. Und Literatur ist nicht schnelllebig. Es kann Jahre dauern einen Roman zu schreiben, es kann Wochen dauern einen Roman zu lesen. Literatur ist damit auch ein Relikt aus einer anderen Zeit. Sie lädt uns ein stehen zu bleiben, uns umzuschauen. Beim Lesen dürfen wir langsam sein. Literatur ist, genau wie die Kunst, ein Wagnis, ein Experiment – und als solches muss sie es sich erlauben können auch mal zu scheitern. Die prekären Schaffensbedingungen von Künstler*innen lassen das aber kaum zu. Das trifft im Übrigen ganz besonders Menschen, die zusätzlich noch Care-Arbeit leisten. Die meisten ausgeschriebenen Stipendien sind Aufenthaltsstipendien, aber als Mutter zweier kleiner Kinder kann ich mich darauf nicht bewerben. Man muss es sich leisten können Künstler*in zu sein. Das ist ein großes Problem, denn: Wenn nur eine kleine Elite überhaupt dazu in der Lage ist Kunst und Literatur zu produzieren, wessen Geschichten erzählt sie dann noch?
Was liest Du derzeit?
Kindheit von Tove Ditlevsen. Und Motherhood von Sheila Heti. Ich fange endlich wieder an mehr zu lesen; meine kleine Tochter ist jetzt drei, sie verschwindet manchmal für längere Zeit im Kinderzimmer, und plötzlich ist die Zeit wieder da. Das ist schön.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Die Zeit der Dinge überrollte uns. Das Gleichgewicht, das lange zwischen dem Warten auf etwas Neues und seinem Besitz geherrscht hatte, zwischen Entbehrung und Erfüllung, war gestört. Mittlerweile riefen neue Produkte keine Abwehr oder Begeisterung mehr hervor, sie beschäftigten nicht mehr die Fantasie. (…) Unbegrenzte Möglichkeiten zeichneten sich ab. (…) Sechzigjährige bekamen Kinder. Durch das Lifting gefror die Zeit auf den Gesichtern.“
Annie Ernaux, Die Jahre
Ursula Kirchenmayer, Autorin
Vielen Dank für das Interview, liebe Ursula, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Ursula Kirchenmayer, Autorin
Zur Person_Ursula Kirchenmayer, geboren 1984 in Lugoj, Rumänien, lebt mit ihrer Familie in der Nähe von München. Sie studierte Literarisches Schreiben in Leipzig und gewann zahlreiche Literaturwettbewerbe. Ihre Texte erschienen in Zeitschriften und Anthologien sowie im Rundfunk, u.a. in BELLA triste, poet, STILL und auf SWR2. ›Der Boden unter unseren Füßen‹ ist ihr erster Roman
Ursula Kirchenmayer, Der Boden unter unseren Füßen. Roman. dtv.
Eine junge Familie, eine Nachbarin und das Recht auf ein Zuhause Kurz vor der Geburt ihres Sohnes finden Laura und Nils die lang ersehnte Altbauwohnung, das Glück scheint perfekt. Wäre da nicht die psychisch kranke Nachbarin aus dem Erdgeschoss. Ungefragt legt sie ihre Hand auf Lauras Bauch – und alles verändert sich. Als sie eines Tages sogar die Wohnungstür eintritt, beginnt ein Kampf, auch um Gespenster der Vergangenheit und die eigenen Ideale. Wer hat die größere Daseinsberechtigung, wer mehr Anspruch auf Wohnraum in einem System, das nicht allen gerecht werden kann?
In ihrem Debütroman wirft Ursula Kirchenmayer drängende Fragen unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens auf und porträtiert ebenso einfühlsam wie schonungslos die Verletzlichkeit junger Eltern in der Großstadt. »Niemals zu klar und mit einem fesselnden Feingefühl für die Ängste und Ansprüche der jungen Mittelschicht legt Ursula Kirchenmayer mit diesem Roman den Finger in gleich mehrere Wunden.« Alina Herbing
Ursula Kirchenmayer, Der Boden unter den Füßen, dtv Verlag _ Originalausgabe 400 Seiten _ 2023
ISBN: 978-3-423-28313-7 EUR 23,00 [DE] – EUR 23,70 [AT] ET 12. Januar 2023 , 1. Auflage Format: 12,5 x 19,6 cm Sprache: Deutsch
Fotos_Sascha Kokot
3.4.2023_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.
Er beschwert sich darüber, dass daheim alles besser ist.
Wird Leipzig das Literatur-Cordoba für Österreich?
Leider nicht, Hans Krankl ist mit seiner Autobiographie „Wie ich ihn ihnen einmal zweimal hintereinander hineingetan habe“ nicht rechtzeitig fertig geworden.
Ist „Meaoiswiamia“ ein majestetischer Plural, mit dem narzisstisch geschickt Deutschland (endlich) überlistet wird?
Nein, die Österreicher glauben, es handelt sich um einen Rechtschreibfehler, und die Deutschen wundern sich nicht, weil österreichisch für sie sowieso ein einziger Rechtschreibfehler ist.
…oder ist „Meaoiswiamia“ auf den Literaturbetrieb bezogen?
Es ist durchaus denkbar, dass es außer dem österreichischen noch einen gibt.
Wer kann besser lesen – Deutschland oder Österreich?
Die Deutschen, wenn die Sätze nicht zu lang und keine Austriazismen dabei sind.
Herzlichen Dank!
Zur Person_Harald Darer, Schriftsteller, geboren 1975 in Mürzzuschlag, Steiermark
begann nach der Lehre zum Elektroinstallateur und einschlägigen Weiterbildungen mit dreißig Jahren zu schreiben. Sein Debütroman »Wer mit Hunden schläft« erschien 2013 im Picus Verlag. 2015 folgte »Herzkörper«, im Jahr darauf »Schnitzeltragödie«, 2019 »Blaumann«
Interview _ Felix Kucher, Schriftsteller _ Klagenfurt
Felix Kucher, Schriftsteller _ Klagenfurt
Lieber Felix Kucher, was macht den österreichischen Gast aus?
Der wundert sich über das seltsame Motto, mit dem sich sprachlich wohl nur Österreicher nördlich des Alpenhauptkammes identifizieren.
Ist Österreich für Deutschland nicht immer (nur) ein Gastland?
Hm. Also ich lese das aktiv und passiv: Österreich ist eh immer Gast in Deutschland (Buchmessen, österreichische Autor*innen in deutschen Verlagen, Millionenshow), Deutschland ist eh immer Gast in Österreich (Uni-Professor*innen, FeWo-Besitzer am Wörthersee, nachmittägliche deutsche Reality-Soaps in österreichischen Wohnzimmern).
Wird Leipzig das Literatur-Cordoba für Österreich?
Zwischen Cordoba und Waterloo ist – gut österreichisch – alles möglich. Und nix fix.
Ist „Meaoiswiamia“ Ausdruck des österreichischen Minderwertigkeitskomplexes?
Soll das Gegenteil bedeuten, hab ich gehört: Weltoffenheit, Grenzüberschreitung. Aufgabe der Nabelschau und so. Könnte natürlich auf Minderwertigkeitskomplex basieren.
…oder auf den Literaturbetrieb selbst bezogen?
Literatur ist IMMER mehr. Fragt sich bloß, als was.
Was hat Österreich, was Deutschland nicht hat?
Eine gute Verlagsförderung. Schmäh haben die Deutschen eh auch.
Herzlichen Dank!
Felix Kucher, Schriftsteller _ Klagenfurt
Aktueller Roman:
„Vegetarianer“
Roman. 232 Seiten. Picus 2022
ISBN 978-3-7117-2120-4
„Mit so viel literarischer Raffinesse über Mensch und Zeit zu schreiben, ist einmalig!“
Zur Person_Felix Kucher, geboren 1965 in Klagenfurt, aufgewachsen in Völkermarkt. Studium der Klassischen Philologie, Theologie und Philosophie in Graz, Bologna und Klagenfurt.
Mag. et Dr. phil. Schulleiter. Lebt und arbeitet in Klagenfurt und Wien.