„Gott gibt es nicht, hast du gesagt, damals, mit dreizehn“ Ursula Kirchenmayer, Autorin _ Give Peace A Chance _München 23.4.2023

GIVE PEACE A CHANCE


Gott gibt es nicht, hast du gesagt, damals, mit dreizehn,

Im Krieg: angefangen Zigaretten zu rauchen. Bleibt heute dein Name im

Viereck, gestorben ausgerechnet an einem dritten Oktober. 1997,

Es schneit; ein Kreuz wolltest du nie.


Pelzmäntel und Steppjacken, ich fröstele,

Espenlaub, seit heute Morgen schon, Tamagotchi und

Aufgebrochene Haselnüsse für die Eichhörnchen, meine Füße sind nass.

Chrysanthemen, Cerinthen im Strauß, Akeleien,

Eltern und Großmutter und Tante und Onkel.


Auf dem Findling: der Ort deiner Geburt.


Ceaușescu, sage ich,

Hat gesagt, jede Frau soll sieben Kinder gebären.

Also Ceaușescu; sie lachen, wenn ich seinen Namen falsch ausspreche,

Noch immer ein bisschen schief. Wir machten

Campingurlaub in Calais; und du, der Schneider, arbeitetest bei Wöhrl.

Er starb an Weihnachten, du hast es im Fernsehen gesehen.


Ursula Kirchenmayer, 4.4.2023

Ursula Kirchenmayer, Autorin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Ursula Kirchenmayer, Autorin

Zur Person_Ursula Kirchenmayer, geboren 1984 in Lugoj, Rumänien, lebt mit ihrer Familie in der Nähe von München. Sie studierte Literarisches Schreiben in Leipzig und
gewann zahlreiche Literaturwettbewerbe. Ihre Texte erschienen in Zeitschriften
und Anthologien sowie im Rundfunk, u.a. in BELLA triste, poet, STILL und auf
SWR2. ›Der Boden unter unseren Füßen‹ ist ihr erster Roman

Ursula Kirchenmayer, Der Boden unter unseren Füßen. Roman. dtv.

Eine junge Familie, eine Nachbarin und das Recht auf ein Zuhause
Kurz vor der Geburt ihres Sohnes finden Laura und Nils die lang ersehnte
Altbauwohnung, das Glück scheint perfekt. Wäre da nicht die psychisch kranke
Nachbarin aus dem Erdgeschoss. Ungefragt legt sie ihre Hand auf Lauras
Bauch – und alles verändert sich. Als sie eines Tages sogar die Wohnungstür
eintritt, beginnt ein Kampf, auch um Gespenster der Vergangenheit und die
eigenen Ideale. Wer hat die größere Daseinsberechtigung, wer mehr Anspruch
auf Wohnraum in einem System, das nicht allen gerecht werden kann?


In ihrem Debütroman wirft Ursula Kirchenmayer drängende Fragen unseres
gesellschaftlichen Zusammenlebens auf und porträtiert ebenso einfühlsam wie
schonungslos die Verletzlichkeit junger Eltern in der Großstadt.
»Niemals zu klar und mit einem fesselnden Feingefühl für die Ängste und
Ansprüche der jungen Mittelschicht legt Ursula Kirchenmayer mit diesem
Roman den Finger in gleich mehrere Wunden.« Alina Herbing

Ursula Kirchenmayer, Der Boden unter den Füßen, dtv Verlag _ Originalausgabe 400 Seiten _ 2023

ISBN: 978-3-423-28313-7
EUR 23,00 [DE] – EUR 23,70
[AT]
ET 12. Januar 2023 , 1. Auflage
Format: 12,5 x 19,6 cm
Sprache: Deutsch

Foto Portrait_Sascha Kokot

Walter Pobaschnig _ 27.3.2023

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Station bei Malina _ „Der Roman ist interessant, verstörend, sehr bewegend“ Susanna Klein, Künstlerin _ 50.Todesjahr Ingeborg Bachmann _ Wien _23.4.2023

Susanna Klein, Künstlerin _ Wien _
Thematisch-szenisches Fotoshooting _ „Malina“ Ingeborg Bachmann (1971) 
50.Todesjahr_Ingeborg Bachmann_ Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom)

Der Roman „Malina“ (Ingeborg Bachmann, 1971) ist in drei Kapitel aufgebaut _ „Glücklich mit Ivan“ _ „Der dritte Mann“ – „Von letzten Dingen“ _ in denen das Leben einer Frau in Glück, Leiden und Verschwinden dargestellt wird. Im Fotoshooting wird der Roman im szenischen Dialog ins Bild (Fotonovel) gesetzt.

Liebe Susanna Klein, wir sind hier zum thematischen Fotoshooting „Malina“ (1971), Roman von Ingeborg Bachmann, in Schönbrunn. Sind Dir die Orte hier vertraut?

Ja und nein, vertraut ist übertrieben. Als ich noch im 6.Bezirk gewohnt habe, war ich öfters hier zum Spazieren.

Du bist wie Ingeborg Bachmann als Künstlerin nach Wien gezogen. Was bedeutet Dir Wien und welche Erfahrungen hast Du hier als Künstlerin gemacht?

Ich bin zum Studieren nach Wien gezogen und mit einer kleinen Unterbrechung geblieben. Ich fühle mich sehr wohl in Wien, es gibt alles, was ich zum Leben brauche. Natur, Kultur, und Kaffeehäuser.

Gibt es in Deinen Kunstprojekten auch Bezüge zur Literatur?

Bis jetzt nicht, aber wer weiß was noch kommt.

Welche Bezüge und Zugänge gibt es von Dir zu Ingeborg Bachmann und dem Roman Malina?

Ich bin wie die Romanfigur eine Frau und an Männern interessiert, aber ich bevorzuge monogam zu leben. Ich fand es sehr interessant den Roman zu lesen. Gleichzeitig auch verstörend und sehr bewegend.

Wie aktuell ist der Roman heute?

Ich denke sehr aktuell. Wir haben heutzutage die Wahl frei zu wählen, wie wir leben, es stellt sich allerdings die Frage wie man das aushält.

Wie war Dein Weg zur Kunst und welche Schwerpunkte hast Du in Deinen Kunstprojekten, was sind Deine derzeitigen Projektpläne?

Ich bin über Mode, Kommunikationsdesign & Illustration in der Malerei gelandet. Ich male Bilder und verwende hierfür unterschiedliche Techniken und Materialien, gerne auch Fundstücke. Die Werke sind abstrakt haben aber dennoch einen Bezug zur Natur und man kann in ihnen Landschaften, Muster oder Zeichnungen und Zeichen erahnen.

Was ist Dir in Deiner Kunst wichtig?

Die Bilder sind geprägt von dem Ort und der Zeit, in der sie entstehen. Ich überlasse dem Betrachter die Interpretation. Sie bleiben weitgehend abstrakt. Wünschenswert wäre, wenn sie eine Art Gefühl oder Stimmung übermitteln.

Was bedeutet Dir Natur und was schätzt Du am Frühling?

Natur ist alles für mich! Die ersten Knospen der Pflanzen, wenn alles wieder grün wird und herrlich duftet, ist etwas Wunderbares.

Darf ich Dich abschließend zu einem Malina Akrostichon bitten?

Mandelblüte

Amerika

Love

Insel

Nacht

Andromeda

Susanna Klein, Künstlerin _ Wien _
Thematisch-szenisches Fotoshooting _ „Malina“ Ingeborg Bachmann (1971) 
50.Todesjahr_Ingeborg Bachmann_ Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom)

Vielen Dank, liebe Susanna Klein, für Deine Zeit in Wort und szenischem Bild bei „Malina“, alles Gute für alle Projekte!

Station bei Malina_Roman Ingeborg Bachmann_Wien_1971

im Interview und szenischem Fotoportrait_

Susanna Klein, Künstlerin _ Wien 

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https://www.instagram.com/kleinsusanna_/

2023 _ 50.Todesjahr_Ingeborg Bachmann_ Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom)

Interview und alle Fotos _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 4_23

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„Literatur bedeutet Dialog“ Sophia Lunra Schnack, Schriftstellerin _ Wien 23.4.2023

Liebe Sophia, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Der erste Blick nach dem Aufwachen geht durch mein Schlafzimmerfenster zum Innenhof. Ich habe keine Vorhänge und sehe sofort, wie das Licht ist, ob Wind weht oder der Buntspecht da ist. Dann braucht es schnell Kaffee und Zucker. Manchmal gibt es zum Frühstück Musik, vor einem Schreibtag aber nie Medienkonsum, kein Lesen, WhatsApp oder Telefonieren. So bleibe ich länger in einer Art bewusstem Schlummerzustand, den ich zum Schreiben brauche. Der verfliegt so um die Mittagszeit. Dann widme ich mich dem Antworten von Mails, Vorbereitungen für meine Lehrveranstaltungen an der Uni und Alltagsorganisationen. Am frühen Abend gehe ich im Idealfall Radfahren oder spazieren, ins Kino und treffe mich mit FreundInnen. Ich brauche jeden Tag einen Ausgleich zum radikalen Schweigen des Schreibens.

Sophia Lunra Schnack, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich denke, die Stichwörter sind Reduktion und Gemeinschaftssinn. Wir bekommen ständig vermittelt, möglichst viel in möglichst wenig Zeit unterbringen zu müssen. Die Angst, etwas zu versäumen, wird über diverse Medien geschürt. Glücklichsein wird zum Wettbewerb. Auch die intimsten Lebensbereiche sind durchdrungen von einem Aneinanderreihen, einem Perfektionswahn und der Unfähigkeit, sich ohne Torschlusspanik für etwas oder jemanden zu entscheiden. Das spitzt sich gerade besonders zu, sicher auch aus Angst vor sehr verunsichernden Zukunftsperspektiven. Es dreht sich alles um die eigene Person, die eigenen Bedürfnisse. Diese Art von hochgehaltener Selbstverwirklichung ähnelt aber einem Monolog, der in einem weiteren Sinn auch Demokratieunfähigkeit bedeutet. Wenn sich eine Einzelperson über das Gemeinschaftliche hebt, wird es in jedem Bereich gefährlich.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Dialog in all seinen Facetten ist jetzt besonders wichtig. Dialog im engsten, privaten Umfeld und Dialog in einem politischen und wirtschaftlichen Sinn. Kompromissfähigkeit und sich vom Gedanken lösen, immer alles zur Verfügung haben zu müssen. Auch Literatur soll Dialog bedeuten. Eine Fähigkeit von Literatur ist es, auf die feinsten Zusammenhänge zwischen scheinbar individuellen Dynamiken und Weltgeschehen zu verweisen. Ich interessiere mich nicht für Texte, die mir das Gefühl geben, nur für sich selbst und die schreibende Person zu stehen. Das Persönliche ist dann interessant, wenn es mir Zugang zu Universellem bringt. Sonst sind wir wieder beim selbstbezogenen Monolog, der zu einem Desinteresse an anderen und anderem, das heißt letztendlich auch zu Plattheit, und zu einer gefährlichen Art von Isolierung führt.

Was liest Du derzeit?

Momentan liegt Mayröckers Die Abschiede neben mir. Das kann ich nur ganz langsam lesen, um mich in dieses „Geriesel von Sprache“ einzuschaukeln.  Mayröcker lesen bedeutet für mich, in einen hoch sensitiven Tagtraum, einen Rauschzustand aus Worten einzugleiten, die meine unmittelbare Wahrnehmung schärfen.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Da bleibe ich gleich bei Mayröckers Die Abschiede:

„So lassen Sie mich Ihre Erscheinung wiedersehen: Sie halten Ihren großen Fächer dicht an den Boden, das wasserfarbene Pfauenauge über den ganzen Körper verteilt, das Wechselköpfige unserer Gefühle, rufe ich, da kommt man hinaus in die neue Welt! “

Und dann wären da noch zwei Worte: „Mondperle“ und „Lindenblut“!

Sophia Lunra Schnack, Schriftstellerin

Vielen Dank für das Interview liebe Sophia, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Sophia Lunra Schnack, Schriftstellerin

Zur Person_Sophia Lunra Schnack (*1990) lebt und schreibt überwiegend in Wien. Sie verfasst Lyrik und (lyrische) Prosa, die bisher u.a. in den Manuskripten, in der Poesiegalerie, in Das Gedicht oder in den Signaturen publiziert wurden. 

Ihre Texte rücken Materialität, Musikalität und Sensualität der Sprache ins Zentrum. 

Die Autorin schreibt sowohl auf Deutsch als auch auf Französisch. Immer wieder sucht sie eine klanglich-atmosphärische Annäherung zwischen den beiden Sprachen.

2022 erhält sie den rotahorn-Förderpreis.

Im August 2023 erscheint im Otto Müller Verlag ihr Debütroman „feuchtes holz“.

Ab März 2023 leitet sie einen Lyrikblog für „Das Gedicht“ (Hg. Anton Leitner).

Derzeit arbeitet Schnack an ihren zweisprachigen  Gedichtbänden „getrocknete mohnblumen – coquelicots séchés“ sowie „wimpern piniengrün – cils verts de pins“.  

Jeden zweiten Freitag veröffentlicht sie außerdem ein Gedicht in ihrem Blog „Lyrik am Freitag“ auf Facebook und Instagram.

https://www.sophialunraschnack.com/

Fotos_Walter Pobaschnig 3/23

Walter Pobaschnig _ 11.4.2023

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Bachmannpreis – Rückblickinterview: „als würde ich in einem Auto sitzen, das sich überschlägt, aber bei vollem Bewusstsein.“ Tanja Langer, Schriftstellerin_Bachmannpreisteilnehmerin 2001 _ Berlin 22.4..2023

Liebe Tanja Langer, Du hast 2001 am Bachmannpreis in Klagenfurt teilgenommen. Wie kam es zu Deiner Teilnahme und wie gestaltete sich Deine Vorbereitung? Welche Erwartungen hattest Du?

Mein damaliger Verlag Volk & Welt, bei dem mein Debüt „Cap Esterel“ 1999 erschienen war, wurde von Elisabeth Bronfen angesprochen – sie interessierte sich für meinen Roman „Der Morphinist oder Die Barbarin bin ich“, an dem ich gerade arbeitete und für den ich bereits zwei Stipendien erhalten hatte. Sie schlug mich für Klagenfurt vor. Ulrike Draesner, die auch bei Volk & Welt war, sollte ihren Roman etwas früher herausbringen, deshalb entschied man sich, sie zuerst zu schicken, sonst wäre ich im Jahr 2000 hingefahren.

Ich war relativ blauäugig und hatte mich nicht genau mit den Abläufen zuvor befasst; ich hatte drei kleine Kinder und schrieb viel für Zeitungen über Literatur, meine Zeit war begrenzt. Dort eingeladen zu werden, galt damals als hohe Ehre. Ich freute mich einfach über die Einladung und machte mir nicht viele Gedanken. Das einzige, was doof war: Ich hatte den Anfang des Romans aufgrund der Stipendien im Radio gelesen, diesen Text durfte ich dann nicht in Klagenfurt vorstellen (man darf nichts lesen, was schon einmal an die Öffentlichkeit gekommen ist).

Das Grundproblem war: Früher lasen die Autor*innen die Texte, OHNE dass die Jury sie vorher kannte. Jetzt bekam die Jury die Texte schon lange vorher.

Tanja Langer, Schriftstellerin und Verlegerin _
Bachmannpreisteilnehmerin 2001

Gab es im Vorfeld der Veranstaltung Kontakte zu den Mitlesenden und der Jury und wie war der Kontakt (Kontaktmöglichkeiten) vor Ort?

Es gab eine Pressekonferenz im Literarischen Colloquium in Berlin-Wannsee mit einigen der Juroren; dabei wurden drei Kandidat*innen vorgestellt: Mir war sehr schnell klar, dass es diejenigen waren, die man für die Gewinner*innen hielt – und so war es dann auch. Ich sprach an diesem Tag mit einem der Juroren, Robert Schindel, und teilte ihm meine Beobachtung mit; dass ich Sorge hatte, dass wir anderen dann nur noch als Statisten eingeladen wurden, die Sieger schon feststünden, und dass ich überlegte, dann nicht zu fahren. Er beruhigte mich. Doch ich hätte auf mein Urin hören sollen. Wenn man so etwas im Nachhinein erzählt, sagen die Leute: Klar, die ist verärgert – aber so einfach ist es nicht. Es ist mehr ein struktureller Ärger.

In welchem Hotel und wie war die Unterbringung und an welche Begleitveranstaltungen erinnerst Du Dich?

An das Hotel kann ich mich gar nicht erinnern; ich erinnere mich an den wunderbaren türkisfarbenen See, an dem sich zwischendurch alle tummelten, und die Abende im Biergarten.

Wie gestaltete sich die Auswahl für die Lesungstermine und wann hast Du gelesen?

Ich habe vage in Erinnerung, dass die Termine ausgelost wurden (angeblich, ich weiß es nicht), ich las am zweiten oder dritten Tag morgens um elf.

Wie hast Du Dich unmittelbar auf Deine Lesung vorbereitet?

Ich war mit den Nerven so runter, dass ich vorher – komplett gegen meine Gewohnheiten – einen Cognac trank! Herr Siblewski, mein neuer Lektor bei Luchterhand (dort sollte der Roman erscheinen, denn Volk & Welt wurde als Verlag eingestellt), war besorgt, er ermunterte mich: Es ist ein Schwergewicht, Ihr Roman, Sie müssen nicht aufgeregt sein.

Ich war aber aufgeregt, weil ich das Strippenziehen hinter den Kulissen längst begriffen und das Gekungel beobachtet hatte. Das war eine unfassbare Desillusionierung und ich wäre am liebsten abgereist.

Welchen Text hast Du in Klagenfurt vorgestellt?

Einen Auszug aus meinem Roman „Der Morphinist oder Die Barbarin bin ich“. Darin ging es um eine junge Frau mit kleinen Kindern, die sich mit dem frühen Hitler-Freund Dietrich Eckart befasst, der u.a. der Erfinder des Völkischen Beobachters war. Sie setzt sich mit der Frage auseinander, wie ihre Eltern im Dritten Reich geprägt wurden, nämlich durch Figuren wie Eckart auch, was es für sie selbst bedeutet, und zugleich beschreibt sie, wie Eckart, als frustrierter Theaterautor, zum Antisemiten wird.

Wie hast Du die Jurydiskussion persönlich erlebt und wie beurteilst Du diese? Hast Du Dich in der Diskussion zu Wort gemeldet?

Einzig Robert Schindel verteidigte mich, begriff, was ich dort versuchte, ehrlich zu sein nämlich, skrupulös.

Damals konnte man nicht in die Diskussion eingreifen, es gab nur die Möglichkeit zu einem Schlusswort. Ich bestand auf meinem Schlusswort. Es fühlte sich an, als würde ich in einem Auto sitzen, das sich überschlägt, aber bei vollem Bewusstsein.

Mit welchem Feedback und persönlichen Emotionen hast Du den Lesungsort danach verlassen?

Es war ein Fiasko. Ich hatte irrsinnige Kopfschmerzen, der ganze Körper tat mir weh, ich brauchte sehr, sehr lange, mich davon zu erholen.

Eine Frau aus dem Publikum kam auf mich zu und sagte (das werde ich nie vergessen): Schreiben Sie weiter. Wir Mütter sind die Kehrschaufel der Nation. Sie geben uns Müttern eine Stimme. Manche Kollegen kamen und sagten: Du hast dich wacker geschlagen, ich ziehe meinen Hut.

Wie hast Du die Zeit unmittelbar nach der Lesung verbracht und was war für Dich da wichtig? Gab es Gespräche mit Jury, Mitlesenden danach?

Das Wichtigste und Beste war eigentlich: Am Abend sprach mich Lutz Wolff, Cheflektor von dtv, an. Er war dort mit der amerikanischen Schriftstellerin Binnie Kirschenbaum, sie war voller Anerkennung und riet Lutz Wolff, mich sofort zu dtv zu holen. „She must have pressed some button“, sagte sie, „that they got so upset“. Sie sagte: „Solange wir Hitler auf einen Sockel stellen, kapieren wir nichts. Solange wir Opfer auf den Sockel stellen, auch nicht. Diese junge unerschrockene Autorin holt sie runter. Nimm sie.“

Tatsächlich holte mich Lutz Wolff nach dem Morphinisten zu dtv, wo ich meine nächsten Romane veröffentlicht habe.

Die Mitlesenden bis auf zwei, drei Ausnahmen waren mit sich selbst beschäftigt. Woran ich mich gut erinnern kann, war Annegret Held. Sie sagte zu einem Interviewer: Wenn ich gewusst hätte, dass man hier eine Erzählung abgeben soll, mit Anfang, Höhepunkt und Ende, dann hätt ich brav meine Hausaufgaben gemacht. Sie war ebenfalls verrissen worden und genauso perplex wie ich von allem.

Wer mich auch getröstet hat, war Ulrich Greiner von der ZEIT: Er drückte mir seine Hochachtung aus, sagte: „Lassen Sie sich bloß nicht beirren. Es gibt berühmte Schriftsteller*innen, die hier auch abgeschmettert wurden.“ Und er fragte nach dem Fortgang des Buchs.

Wie gestalteten sich für Dich die weiteren Lesungstage und die Preisverleihung?

Ich hielt irgendwie durch. Ging viel schwimmen. Hörte noch die eine oder andere Lesung. Beobachtete die Welt, das Karussell der Eitelkeiten. Trank zu viel. Knutschte mit einem Kollegen (mein Ex-Mann wird mir verzeihen).

Wie bist Du als Schriftstellerin und persönlich von Klagenfurt abgereist und welche Erinnerung und Resümee hast Du in Abstand an den Bachmannpreis?

Ach, diese Erfahrung hätte ich mir schenken können!

Wie hat die Teilnahme am Bachmannpreis Deine weitere schriftstellerische Laufbahn beeinflusst?

Zunächst hatte das Buch es sehr schwer, als es erschien. „Hitler in Muttis Hausapotheke“ titelte die NZZ. Es war ein Desaster. Zum Glück verteidigten einige Schriftsteller*innen meinen Roman: Allen voran Daniel Kehlmann, Tanja Dückers, Hans Christoph Buch.

Immerhin: Ich kam zu dtv, ich hielt durch, ich bin noch immer da. Es gibt auch Autor*innen, die danach aufgehört haben zu schreiben.

Gibt es noch Kontakt zu Mitlesenden, Jury, Journalisten*innen oder Bezugspersonen in Klagenfurt?

Kaum. Es ist ja schon so lange her. Danach begegnete ich natürlich Kolleg*innen von der Presse, solange ich noch für die Zeitungen schrieb, aber das schaffte ich zeitlich irgendwann nicht mehr, dann verlepperte sich das.

Würdest Du noch einmal am Bachmannpreis teilnehmen?

Nein.

Was wünscht Du Dir für den Bachmannpreis?

Ich weiß nicht, wie es heute ist, aber ich fand die uralte Offenheit schön, als die Autor*innen Texte lasen, die die Juror*innen vorher noch nicht kannten. Ich fände es auch gut, wenn das Publikum mitdiskutieren dürfte.

Was möchtest Du den aktuellen Teilnehmer*innen mitgeben?

Sich gut überlegen, ob sie den Konsequenzen gewachsen sind. Sich die Sendungen vorher genau anschauen. Sich gut beraten lassen. Ich bin von der Agentin damals weg.

Welche Erinnerung hast Du an den Lesungsort Klagenfurt und welche Aktivitäten hast Du in der Stadt unternommen?

Ich habe an die Stadt selbst nur eine Erinnerung: Ich laufe mit einem Kollegen durch die Straßen und er redet ununterbrochen davon, dass ein Flugzeug über uns abstürzen könnte!

Ich erinnere mich an das phantastische Wasser des Sees, das Schwimmen war meine Rettung. Und dass im Flieger hinzu tatsächlich Jörg Haider mitflog.

Welche aktuellen Projekte gibt es derzeit für Dich?

Ich arbeite an einem Roman über eine armenische Familie im Libanon, die z.T. den Genozid im Osmanischen Reich überlebt hat, ich begleite sie über ein Jahrhundert, ihre Wege, auch bis Marseille und Erewan, aber hauptsächlich im Libanon. Die Frauen und Kinder, die sich mit Handarbeiten das Leben verdienten, die große handwerkliche, oft verdrängte Fähigkeit der Armenier*innen im Textilbereich spielt eine Rolle, aber auch, wie sich in ihrem Gedächtnis die Erlebnisse verändern.

Außerdem führe ich meinen unabhängigen mehrsprachigen Bübül Verlag Berlin!

Tanja Langer, Schriftstellerin und Verlegerin _
Bachmannpreisteilnehmerin 2001

Vielen Dank für das Interview, liebe Tanja Langer, und alles Gute für alle Projekte!

Bachmannpreis _ Rückblick _Interview:

Tanja Langer, Schriftstellerin und Verlegerin _
Bachmannpreisteilnehmerin 2001

Zur Person_Tanja Langer, geboren 1962 in Wiesbaden, lebt seit 1986 in Berlin. Sie veröffentlichte Erzählungen, Hörspiele und Romane wie Der Tag ist hell, ich schreibe dir, Der Maler Munch, Kleine Geschichte von der Frau, die nicht treu sein konnte und den Afghanistanroman Der Himmel ist ein Taschenspieler (mit D. Majed). Als Textdichterin für Neue Musik verfasste sie das Libretto für die Oper Kleist (UA 2008) und den Liederzyklus Künstlerinnen / Fürchterlich ist die Braut am Abend von Rainer Rubbert, die Oper Ovartaci – crazy, queer & loveable für 12 Komponist*innen (2017/8 Staatsoper Unter den Linden, Berlin) u.a.. 2019 eröffnete sie ihr Projekt zum Erinnern und Vergessen mit dem Roman Meine kleine Großmutter & Mr. Thursday oder die Erfindung der Erinnerung. 2016 gründete sie den polyphonen Bübül Verlag Berlin.

Langer gilt als »… eine aufregende und avancierte Autorin mit Gespür für politisch-gesellschaftliche Umbrüche, die sie immer auch aus privater Sicht zu spiegeln weiß.«  Volker Heigenmooser, literaturkritik.de

http://www.tanjalanger.de

Tanja Langer _ BÜBÜL VERLAG BERLIN

https://tanjalanger.de/buebuel/

Fotos _ 1 Michele Corleone; 2 privat.

Bachmannpreisrückblickinterview_

Walter Pobaschnig, Interview 5.4.2023

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„Die Teilhabe an Kunst ist für Menschen wesentlich“ Luise Kloos, Bildende Künstlerin _ Graz 22.4.2023

Liebe Luise, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Mein Tagesablauf richtet sich je nach Terminen. Am liebsten sind mir die Tage ohne Störung, dann arbeite ich ab 9 Uhr morgens im Atelier, habe ein kleines Mittagessen um ca. 14 Uhr. Vor dem Eintreten der Dunkelheit mache ich einen Waldspaziergang und arbeite dann noch abends, bis ca. 22 oder 23 Uhr im Atelier. Dazwischen mache ich kleine Lesepausen.

Luise Kloos, Bildende Künstlerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Die in die höchste Aufregung getriebenen Nachrichten mit Gleichmut zu
betrachten, halte ich für sehr wichtig. Den Gleichmut zu trainieren, erfordert
viel Konzentration, aber würde tatsächlich zum friedlichen Miteinander beitragen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?

Ich sehe als Aufgabe eines Künstlers/einer Künstlerin die Notwendigkeit, die Sorgfalt und Hingabe an die Arbeit und an den Augenblick des Gestaltens. Dabei denke ich, dass die Teilhabe an Kunst für Menschen wesentlich ist. Vieles in der Kunst scheint weit weg von den Menschen zu sein, oder auch abgehoben und arrogant. Eine verständliche und ermöglichte Kommunikation der künstlerischen Arbeit spielt eine wichtige Rolle.

Was liest Du derzeit?

Oben Erde, unten Himmel. Von Milena Michiko Flašar

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Jede Linie ist ein Triumph gegen das Chaos in dieser Welt“. Von Maria Lassnig

Vielen Dank für das Interview liebe Luise, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Luise Kloos, Bildende Künstlerin

Zur Person_

Luise Kloos, bildende Künstlerin, lebt und arbeitet in Graz

www.luisekloos.at

www.nextkunst.at

www.zeichenimpulse.at

Foto_privat

27.12.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„abermalshoffend!“ Barbara Ambrusch-Rapp, Multimediakünstlerin _ Give Peace A Chance _ Velden/Wörthersee 22.4.2023

GIVE PEACE A CHANCE

„abermalshoffend!“

Barbara Ambrusch-Rapp, Performance “Balkanroute” in Klagenfurt/Celovec
(fotografiert von Deborah Staubmann)

G         reifen

i           rre

V         ermaechtnisse

E          ingeweide.


P         acken

e          rbaermliche

A         hnengespinste

C         reaturen

e          in.


A         usweglos?


C         ollaboriert,

H         irngesponnene,

a         bermalshoffend!   

N         aivgeschumpfene

C         himären,

e          röffnet!


Barbara Ambrusch-Rapp, Velden am Wörthersee, 12. April 2023

Barbara Ambrusch-Rapp, Multimediakünstlerin,
Kuratorin, Kulturarbeiterin und Aktivistin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Barbara Ambrusch-Rapp, Multimediakünstlerin,
Kuratorin, Kulturarbeiterin und Aktivistin

Zur Person_Barbara Ambrusch-Rapp, geb. 1972 in Klagenfurt am Wörthersee, lebt und arbeitet als freischaffende Multimediakünstlerin, Kuratorin, Kulturarbeiterin und Aktivistin mit ihrer Familie in Velden am Wörthersee.

Mitglied u.a. im Kunstverein Kärnten/Koroška und weiteren Kunst- und Kulturvereinen, bei ausgewählten auch im Vorstand maßgeblich aktiv. Kreativ-Workshops für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, für Menschen verschiedener Herkunft, an Bildungseinrichtungen, für Unternehmen und in Werkstätten für Menschen mit Behinderung. Künstlerische Beiträge zugunsten von Sozialprojekten und öffentlichen Aktionen im Zusammenhang mit gesellschaftspolitischen Belangen, Menschenrechten, Diskriminierung etc.

Freischaffend präsent in nationalen und internationalen Ausstellungen sowie in den Bereichen Performance, Theater, Fashion-Art und Kunst im öffentlichen Raum. Würdigung der Arbeit mittels Preisen, Ankäufen oder Projektförderungen; in Publikationen u.a. im Bereich der Literatur, Bildenden Kunst und Wissenschaft erwähnt, beteiligt oder herausgebend.

http://www.barbara-rapp.com

Foto Portrait_Marcel Ambrusch

Foto_Performance_Deborah Staubmann

Walter Pobaschnig _ 12.4.2023

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„Gestern noch waren wir“ Vinzenz Fengler, Schriftsteller _ Give Peace A Chance _ Berlin 21.4.2023

GIVE PEACE A CHANCE


Gestern noch waren wir

In eine Amour fou gefallen mit einem

Verhinderten Krieg und dachten

Es wird sich schon alles einpegeln.


Post Scriptum aber log das Sujet,

Erbrach sich an Verschlucktem &

Alles militarisierte sich.

Chimären in Kampfanzügen tanzten

Einen Reigen zum Gemetzel der Worte.


Aha, ach so, interessant, sagten einige.


Chaos verbindet die Teile, dachten wir,

Hofften auf die Vernunft zwischen

Auf- und Abschwellen der Wut,

Nicht erinnernd die besser wissenden

Chöre, die Stimmen, die sagten:

Ergebt euch, euch selbst & diesem Frieden.


Vinzenz Fengler, 10.4.2023

Vinzenz Fengler, Schriftsteller, bildender Künstler & Performer

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Vinzenz Fengler, Schriftsteller, bildender Künstler & Performer

Zur Person_Vinzenz Fengler wurde 1969 in Hoyerswerda geboren und lebt seit 2001 in Berlin. Seit Anfang der 90er Jahre beschäftigt er sich mit Photographie und Performance Art, später kommen noch Kunstinterventionen im öffentlichen Raum dazu.  Er schreibt Lyrik, Prosa und Stücke. Zahlreiche Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften und Anthologien. Vinzenz Fengler ist Zweitplatzierter (zusammen mit Monika Littau) des Polly Preises für Politische Lyrik 2016. Im Juli 2020 erschien „Stimme.Stimme“, ein gemeinsam mit Isabella Lehmann geschriebenes Theaterstück bei Edition Maya, im April 2023 sein Lyrikband „Materialermüdung tragender Teile“ im ELIF Verlag.

www.vinzenz-fengler.de

Foto_privat

Walter Pobaschnig _ 10.4.2023

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„Wissens, da Hansi hods nimma ausghoitn“ Peter Nitsche, Schauspieler _ Station bei Falco _ Wien 21.4.2023

Peter Nitsche, Schauspieler _ Wien _ acting „Ganz Wien“ Falco (1981) _
25.Todesjahr Falco, Sänger, Musiker (* 19. Februar 1957 Wien † 6. Februar 1998 Dominikanische Republik)

„Ganz Wien“

Er geht auf der Straß’n
Sagt net wohin
Das Hirn voll Heavy Metal
Und seine Leber ist hin

Seine Venen san offen
Und er riecht nach Formalin
Des alles macht eam kan Kummer
Weil er ist in Wien.

Ganz Wien – ist heut auf Heroin
Ganz Wien – träumt mit Mozambin
Ganz Wien – Wien, Wien, greift auch zu Kokain überhaupt in der Ballsaison
Man sieht ganz Wien, Wien, Wien is so herrlich hin, hin, hin
Kokain und Kodein, Heroin und Mozambin
Machen uns hin, hin, hin, 1,2,3

Kokain und Kodein, Heroin und Mozambin
Machen uns hin, hin, hin

Einmal wird der Tag kumman
Die Donau außer Rand und Band
Im U4 geigen die Goldfisch‘
Der Bruno längst im sich’ren Land,
Der Hannes A

Dann lernen wir Schwimmen
Treib’n tan ma eh.
Alle Teuferl weisses Gewandl
Und weiss wie Schnee

Wien

Kokain und Kodein, Heroin und Mozambin
Machen uns hin, hin, hin, that you know
Kokain und Kodein, Heroin und Mozambin
Machen uns hin, hin, hin

Ganz Wien
da, da, da, da
Ganz Wien

„Ganz Wien“ 1981 / Text: Falco / Musik: Falco

Peter Nitsche, Schauspieler _ Wien _ acting „Ganz Wien“ Falco (1981) _
65.Geburtstag Falco, Sänger, Musiker (* 19. Februar 1957 Wien † 6. Februar 1998 Dominikanische Republik)


Lieber Peter Nitsche, Schauspieler, welche Bezugspunkte gibt es von Dir zu Falco, Sänger, Musiker (* 19. Februar 1957 Wien † 6. Februar 1998 Dominikanische Republik)?

Vor allem die Begegnung mit seiner Mutter, ca 8 Monate nach Falcos Heimgang. Sie meinte „ Wissens, da Hansi hods nimma ausghoitn. Er hod gwussd, dass ea nimma hecha auffe kumma kaun.“ Diese Worte seiner Mama haben mich zutiefst berührt. Hansi war ihr Bua, ihr Ein und Alles.


Wir haben als Falco Thema den Song „Ganz Wien“ 1981 gewählt. Was sagt der Song für Dich damals und 40 Jahre später aus?

Hoch aktuell. Falco scheute sich nie, den Menschen aufs Maul zu schauen, denn er war und blieb immer einer von ihnen/uns. Was er zu sagen hatte in seinen Songs, seinen Performances, ließ er tief in die Gedärme der Menschen eindringen. Fast prophetisch.

Was macht für Dich den Künstler Falco aus?

Für mich ist Falco der Mozart des 20. Jahrhundert. In Allem war er seiner Zeit weit voraus. Er ist Wege gegangen, die die Breite Masse nicht mal zu denken wagte. Ein unfassbar zart und doch unbändig starkes Wesen zeichnet diesen Menschen auch heute noch für mich aus


Du bist Schauspieler, Fotograf. Hättest Du Dir ein Projekt mit Falco vorstellen können und wenn ja, welches?

Unbedingt…. Mutter, der Mann mit dem Koks ist. Da wäre ich sehr gerne der Kohlen = Kokslieferant.


Es ist ein großartiger Style, den Du zum Fotoshooting hier gewählt und auf das Thema abgestimmt hast. Was bedeutet Dir Mode, Style?

Danke, lieber Walter. Ich stehe so drauf, Styles, Outfit, Visagist Styles,.. made by my self zu kreieren. Auf Flohmärkten, in Mülltonnen, im Second& Third-Handbereich finde ich seit vielen Jahren nahezu Alles, woraus ich Neues kreiere.

Mode ist ein aufgesetzter Moment. Für mich, Bedeutet mir Nichts. Oder kaum etwas.

Style/s, yeah, thats Life. Pura Vida. Das flasht mich und damit flashe ich.


Was sind Deine derzeitigen Projektpläne?

Theaterrollen in unterschiedlichen Bereichen. Und mit einer tollen Musikerin in Graz arbeite ich seit einigen Wochen auch sängerisch. Ein neues Feld, das mich, der bisher kaum eine Notenzeile, ect. wirklich erfassen konnte, in spannende neue Welten führt. In dieser Produktion, mit einer Harfinistin, einer Geigerin, einem Saxophonisten und einem Zieharmonikervirtuosen tauchen wir ein in die Aufarbeitung der letzten 3 harten Jahre. Mein Part, das Schauspielen und Singen.


Was kannst Du als Künstler von Falco mitnehmen?

Mut, Seligkeit, Nachdenklichkeit, Ver-rücktheit. Stay free. Stay wild. Stay alive until minimum 75.

Peter Nitsche, Schauspieler _ Wien _ acting „Ganz Wien“ Falco (1981) _
25.Todesjahr Falco, Sänger, Musiker (* 19. Februar 1957 Wien † 6. Februar 1998 Dominikanische Republik)

Station bei Falco_„Ganz Wien“

Peter Nitsche, Schauspieler _ Wien _ acting „Ganz Wien“ Falco (1981) _

25.Todesjahr Falco, Sänger, Musiker (* 19. Februar 1957 Wien † 6. Februar 1998 Dominikanische Republik)Wien

Alle Fotos_Walter Pobaschnig _ Wien 3_23

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Walter Pobaschnig 3_23

„In der Sprache verhandeln wir, wofür oder wozu wir leben wollen“ Martin A. Hainz, Autor _ Baden bei Wien 21.4.2023

Lieber Martin A. Hainz, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Mein Tagesablauf ist sehr regelmäßig und überaus unspektakulär – zwischen Schreibtisch und Ergometer und zuweilen Hörsaal.

Martin A. Hainz, Autor,
Literaturwissenschaftler & Philosoph

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Adolf Holl empfahl einmal das Weiterwursteln – statt der Patentlösung. Wir haben viele Probleme und brauchen viele Antworten vieler Menschen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Sprache gestattet uns, mit anderen darüber zu verhandeln, wofür oder wozu wir leben wollen, aber auch die Diskussion darüber, inwiefern Aussagen, die wir treffen, gültig sein können – das sind auf den ersten Blick kleine Freiheiten, die als solche aber das ausmachen, was als „Freiheit“ direkt formuliert vielleicht keine ist.

Was liest Du derzeit?

Elfriede Jelinek, Angabe der Person.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Und obwohl wir darüber noch kein einziges Wort verloren haben, ahnen wir bereits, daß man für den Feind, zu dem man spricht, eine gewisse, ja zuweilen eine stärkere Freundschaft hegt als für den Freund, von dem man spricht.“ (Jacques Derrida)

Vielen Dank für das Interview lieber Martin, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Buchprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Martin A. Hainz, Autor, Literaturwissenschaftler & Philosoph

Zur Person_Martin A. Hainz, geboren 1974 in Wien; Prof. Mag. Dr. phil., Literatur-, Sprach- und Kulturwissenschaftler, Philosoph und Bildungswissenschaftler; Leiter der Forschungsstabstelle der Privaten Pädagogischen Hochschule Burgenland (Eisenstadt, Österreich). Vorstandsmitglied der Rose Ausländer-Gesellschaft. Alumnus der Alexander von Humboldt-Stiftung. Bücher in Auswahl: Silbenzwang (Tübingen 2017), Lapsus (Würzburg 2014), Entgöttertes Leid (Tübingen 2007), Masken der Mehrdeutigkeit (Wien 2001, 22003); zahlreiche Aufsätze zur deutschen und österreichischen Literatur sowie zu philosophischen Fragestellungen.

http://www.martinhainz.at.

Foto_privat

20.3.2023_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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Dysfunctional Woman, Julia Kulewatz. Roman. kul-ja! Publishing

Sie ist auf der Flucht. Im Wald.

„Gehetzt. Ein gejagtes, nummeriertes Wild war sie, orientierungslos rennend, blutend, stolpernd, zu Tode und in aller Endgültigkeit erschöpft…“

Sie und der Tod. Sie und ihr Kind. Doch sie war nur ein Code in dieser Welt. Nanobots, chips. Programmiert zu gebären.

„Meine Codierung ist QL172004-5-4. Ich bin 17 Jahre alt. Ich bin die 2004.fruchtbare Frau. Ich habe erfolgreich 5 Kinder geboren…“

Und die Flucht, der Weg geht weiter…

nicht allein…was ist ihre Bestimmung? Geheimnisse, Begegnungen öffnen sich im Dunklen der Welt…

Julia Kulewatz, Schriftstellerin, Verlegerin, legt mit „Dysfunctional Woman“ ihren ersten Roman vor, der in einer faszinierend-geheimnisvollen wie eindringlichen dystopischen Vision von Mensch, Welt, Zukunft begeistert. Die Autorin schafft es einmalig in Spannung, Neugierde und großartiger Fantasie-, Erzählkraft Leserin und Leser von Beginn an in die Flucht, das Ringen und die Lebenslust von „Q“ mithineinzunehmen und ihr zu folgen in aller Herausforderung, Hoffnung und Suche nach Freiheit.

Es ist ein Roman, der sicherlich zu den bemerkenswertesten Neuerscheinungen des Literaturjahres zählt.

„Ein Roman als faszinierende Hochschaubahn von Frau, Welt, Dystopie in großartiger Spannungs- und Erzählkraft!“

Dysfunctional Woman, Julia Kulewatz. Roman_2023

Softcover, 256 Seiten / 11,5 x 18 cm

Preis: 15,00 Euro zzgl. Versandkosten

ISBN: 978-3-949260-10-0

kul-ja! Publishing

Julia Kulewatz, Schriftstellerin, Verlegerin

Zur Person_Julia Kulewatz wurde in einer stürmischen Oktobernacht unter dem roten Jägermond des riesenhaften Orions als ewige Freundin der Plejaden geboren. Sie schreibt als eine Tochter der fahrenden Leute mit dem Kopf in den Sternen und dem Herzen in der Erde. Auf ihren Reisen fließen ihr vor allem Kurzgeschichten durch die Nacht ihrer Haare in den Tag ihrer Hände. Ihre Literatur ist „handgemacht“, weshalb sie jede Geschichte zunächst handschriftlich, zumeist unter einem Baum sitzend, aufschreibt. Es ist ihr wichtig, der Fantasie ihrer Leser (Welten-)Raum zu geben, um so gemeinsam das Höchste und das Tiefste zu berühren.

 Julia Kulewatz wurde mit dem Neu-Ulmer Stadtschreiberstipendium 2022 ausgezeichnet.

Bei kul-ja! publishing sind bisher erschienen:

counting magpies (Gedichte, August 2021)

Königin der Nacht (Essay, September 2022)

Orkaniden. Sturmgedichte (Gedichte, April 2021)

Bei kul-ja! publishing erscheint demnächst:

Ausgebuffte Luder (Gedichte, 2023)

Dysfunctional Woman (Roman, 2023)

Fast so traurig wie Linda (Gedichte, 2023)

https://www.kul-ja.com/

Foto Portrait: Selbstporträt, © Julia Kulewatz

Walter Pobaschnig 4_23

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