Liebe Renate Maria Riehemann, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Mein Tagesablauf ist glücklicherweise von der Natur um mich herum geprägt. Beim frühen Frühstück genieße ich den Blick in die grünende Natur, später spaziere ich mit meinem Hund an einem Fluss entlang, wobei ich neben optischen und akustischen Eindrücken auch zwanglos Ideen für alles Mögliche einfange. Meistens setze ich mich danach mit einem frischen Kaffee bis zum frühen Nachmittag an den Schreibtisch. Danach ist Zeit für Freizeit, zweiten Hundegang, Familie, Freunde, Haus- und Gartenarbeit …
Renate Maria Riehemann, Lyrikerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Aus meiner Sicht ganz klar die Reduktion auf das Wesentliche, sowohl im Materiellen wie auch im Umgang miteinander. Nähe und Vertrautheit mit anderen Menschen, der Austausch mit ihnen. Wünschenswert, aber nicht immer möglich, scheint mir auch der Blick hinter die Kulissen des aktuellen Geschehens um uns herum zu sein, damit unnötige und schädigende Abhängigkeiten, auch persönliche, abgebaut werden, und wir die reale Welt stärker wahrnehmen können – die begreifbaren Dinge, die Menschen um uns und die sich verändernde Natur, in der wir leben. Ich glaube, dass es sich lohnt, sein Leben und seine Umwelt bewusst zu gestalten. Wir müssen uns durch unser Tun und unseren Umgang mit unseren Mitmenschen verantwortlich zeigen.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Viele Menschen häufen viele Sachen an und manche Menschen besitzen kaum Dinge, die sie ihr eigen nennen können. Ich glaube, dass wir darüber nachdenken müssen, welchen Nutzen uns manche Privilegien und Dinge bringen und ob wir sie überhaupt benötigen. Und jeder für sich wird überlegen müssen, was ein erfülltes Leben ausmacht, ob es die Dinge sind, die er angehäuft hat.
Die Literatur zeigt uns Facetten des Lebens auf, die uns ohne Literatur vielleicht verborgen blieben, die uns aber ermutigen können, starre Positionen aufzubrechen. Literatur kann aufrütteln und ganz individuell tiefliegende Gefühle und Gedanken anstoßen, den Menschen öffnen, ohne dass er sich offenbaren muss. Darüber hinaus kann Literatur die Menschen ins Gespräch und in den Gedankenaustausch bringen und auch so Veränderungen und Entwicklungen in Gang setzen. Die Seele des Menschen will genährt werden. Kunst und Literatur sind ein wertvolles Kostangebot.
Was liest Du derzeit?
Auf meinem Lesetisch liegen neben anderen Büchern immer mehrere Gedichtbände parat, die ich je nach Stimmung genieße. Aufgeschlagen liegen derzeit der Gedichtband von Frank Sauer “Skizzen im Gegenlicht“ und die autobiografische Erzählung von Tyson Yunkaporta „Sandtalk“, das Wissen der Aborigines und die Krisen der modernen Welt.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Passend scheinen mir hier und für mich persönlich die folgenden Verse von Rainer Maria Rilke zu sein:
Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,
die sich über die Dinge ziehn.
Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,
aber versuchen will ich ihn.
Vielen Dank für das Interview liebe Renate, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Renate Maria Riehemann, Lyrikerin
Zur Person_Renate Maria Riehemann lebt in Osterode am Harz. Die Pädagogin, Dichterin und Erzählerin hat mehrere Einzelveröffentlichungen vorzuweisen. Zuletzt: Die Zeit in den Leinenlumpen. Erzählungen, Geest-Verlag Vechta 2022; Von Weitem Kraniche. Haiku. Rotkiefer-Verlag Berlin 2022. R. M. Riehemann ist in Sachen Lyrik nicht nur im Harz aktiv. Sie ist Initiatorin des Literaturpreises Harz und Herausgeberin der dazugehörigen Anthologien. Zudem ist sie Vorsitzende des Vereins Lyrik lebt e. V. mit Sitz in Osterode am Harz, Mitglied u.a. in der europäischen Autorenvereinigung Die Kogge, der Gruppe 48 und der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik Leipzig.
www.renate-maria-riehemann.de
Foto_privat
4.4.2023_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.
Die klingenden Namen zweier der bedeutendsten Künstler der Moderne am Umschlag des Buches lassen es sehr ehrfürchtig wie neugierig öffnen: Maria Lassnig und Peter Handke.
Die gefeierte österreichische Künstlerin, deren Bilder wie multimediale Werke und Performances in spielerischer wie direkter Position und Expressivität wie formaler Einzigartigkeit begeistern und deren persönlicher künstlerischer Weg kompromisslos wie zielstrebig und von später weltweiter Anerkennung gekrönt war und ist und anderseits der Nobelpreisträger von 2019, der mit jedem Text seit Jahrzehnten neu fasziniert, was Möglichkeiten von Sprache und Leben betrifft und den diese eröffnen, erweitern, erschüttern.
Und nun begibt sich Peter Handke gemeinsam mit der Kuratorin Barbara Maier und dem Verleger Lojse Wieser, ebenso geniale Kunst-Persönlichkeiten in Wahrnehmung, Förderung, Vermittlung, Präsentation wie künstlerischer Verbindung, in das Atelier Maria Lassnig und öffnet ihre Textbücher…
Es sind Texte, der 2014 in Wien verstorbenen genialen Bildenden Künstlerin Maria Lassnig, die wie ihre Werke Bildender Kunst in ihrer formalen wie inhaltlichen existentiellen Aufmerksamkeit, Abstraktion und Expressivität beeindrucken, erschüttern, begeistern. Jeder Text ist ein Erlebnis, gleichsam ein Galeriegang, der sofort Bilder in Kopf, Seele erzeugt und mitschwingen, mitreiben, mitfliegen und mitlanden lässt wie „eine Feder am Fenster“ – dem eigenen klaren, trüben, zerbrochenen, imaginären oder vergangenen Aus- und Einblicken in Welt, Selbst, Sinn…
Die Texte sind beeindruckend variantenreich und umspannen Momentaufnahmen von Alltagswahrnehmungen, Lebens- Kunstreflexionen, die kompromisslos, direkt wie tiefsinnig treffen wie Pfeile. Mitten ins Herz des Lebens und der Kunst. Ein sensationelles Ereignis und Hebens eines weiteren faszinierenden Schatzes der wunderbaren Maria Lassnig.
„Ist die Literatur die Zwillingsschwester der Malerei?“
(51)
„Lojze Wieser und Barbara Maier spannen den Bogen. Peter Handke setzt den Pfeil. Und der wunderbare Textköcher von Maria Lassnig wird zum literarisch-künstlerischen Ereignis, das eine der Sensationen des Jahres ist!„
Walter Pobaschnig 5_23
Zum Buch_
Maria Lassnig (1919–2014) pflegte Freundschaften mit zeitgenössischen Dichterinnen und Dichtern. Sie war eine Vielleserin vor allem von österreichischen Autorinnen und Autoren. Den beiden ebenso wie sie in Kärnten geborenen Ingeborg Bachmann und Peter Handke fühlte sie sich besonders nahe. Den Verwandtschaftsgrad der beiden künstlerischen Gattungen beschrieb Lassnig gerne mit der Feder als Schwester des Pinsels: der Gegenstand kann der gleiche sein, nur die künstlerischen Ausdrucksmittel unterscheiden sich. Maria Lassnig konzentrierte sich ganz und gar auf die bildende Kunst, daneben besaß sie literarische Fähigkeiten, die in den Texten zu ihren Filmen, in Briefen und in Notizen Ausdruck fanden. In diesem Band wird Kenntnis gegeben von dem, was Lassnig auf literarischem Gebiet geschaffen hat. Der Leser, die Leserin möge eine Ahnung von der lichten Weite der Autorin Maria Lassnig bekommen.
„Maria Lassnig war nicht nur eine Mal-Persönlichkeit, sondern auch eine Schreib-Persönlichkeit.“Peter Handke
Zur Person_Maria Lassnig: Bildende Künstlerin, geboren 1919 in Kappel am Krappfeld/Kärnten; gestorben 2014 in Wien. 1940 fährt Maria Lassnig mit dem Fahrrad von Kärnten nach Wien, wo sie an der Akademie der bildenden Künste Malerei studiert. Ab den späten 1940er-Jahren Arbeiten zum Körperbewusstsein, die ihr Lebenswerk prägen werden. Mit Arnulf Rainer reist Lassnig 1951 nach Paris und bringt die informelle Kunst nach Österreich. Während ihres Aufenthalts in Paris (1960–1968) greift Lassnig Einflüsse der Pop-Art auf, in New York (1968–1980) experimentiert sie auch mit Film. Ab 1980 Professorin an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien: Sie unterrichtet Malerei und gründet ein Trickfilmstudio. Die Ferienzeiten verbringt sie bevorzugt in ihrem Kärntner Landatelier in Feistritz im Metnitztal. Lassnig vertritt Österreich 1980 auf der Biennale von Venedig, zeigt ihre Werke auf der documenta, in Amsterdam, Paris, London und New York. 2013 Goldener Löwe der Biennale von Venedig für das Lebenswerk.
Peter Handke: geb. 1942 in Griffen/Grebinj, Österreich, Schriftsteller
Barbara Maier: geb. 1961 in Gemmersdorf, Österreich, Kuratorin
Lojze Wieser: geb. 1954 in Klagenfurt/Celovec, Österreich, Verleger
Erblühen aus verbrannter Erde unbefristeter Dauer.
Markus Grundtner, 3.5.2023
Markus Grundtner Schriftsteller
Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:
Markus Grundtner, Schriftsteller
Zur Person:Markus Grundtner, geboren 1985 in Wien, wuchs auf in Niederösterreich und im Burgenland. 2004 bis 2014 absolvierte er die zwei Studien Theater-, Film-, und Medienwissenschaft sowie Rechtswissenschaften (beide an der Universität Wien). Neben seinem Erststudium arbeitete er als Kulturjournalist bei verschiedenen Print- und Onlinemedien (u.a. Kurier, Profil, MovieGod.de, Celluloid), von 2015 bis 2021 als Konzipient für Arbeitsrecht in verschiedenen Kanzleien in Wien. Aktuell ist er Jurist in der Rechtsabteilung der Wiener Staatsoper.
Seit Beginn seiner juristischen Karriere veröffentlicht er Kurzprosa in Literaturmagazinen sowie in Literaturzeitschriften (u.a. in: Am Erker, Die Rampe, DUM, erostepost, mosaik, &Radieschen und Podium) und in Anthologien. Für die Inhalte seiner Geschichten verarbeitet er Erfahrungen aus seinem Berufsalltag, zieht aber insbesondere die Juristerei bzw. deren Vokabular und Denkfiguren als Bezugssystem heran, um zu seiner ureigenen literarischen Form zu finden.
Der Autor liest regelmäßig in Österreich, Deutschland und der Schweiz. Sommer 2020: Erste eigenständige literarische Veröffentlichung beim Hamburger Literatur Quickie Verlag als Teil der 26. Staffel der booklits-Reihe. Frühling 2022: Veröffentlichung seines Romandebüts „Die Dringlichkeit der Dinge“ im Grazer Verlag edition keiper.
Bety Pujol Cajal, Dancer, Choreographer _ Wien _ acting Maria Callas, Sängerin (* 2.12.1923 New York ´16.9.1977 Paris) _ 100. Geburtstag Maria Callas
Dear Bety Pujol Cajal, what are your references to Maria Callas?
As a soprano, she was able to play memorable characters. She was characterised by a personal style that was not always clean and precise, in addition to her somewhat conflictive personality and rivalry among her peers. However, in spite of all these conflicts that characterised her life, I think she was a woman to admire, for her time she was a strong woman with firm convictions. Unfortunately, her life and career did not end in the way one would think an opera star’s career would end. She stopped attending her concerts and her commitments as an artist because of unrequited love and this led her to lose her light in Opera. Not only did she lose her voice, which many say was due to her weight loss, but she also lost her purpose in life, spending her days alone in a house without wanting to go out or see many people.
What is the aura of „Callas“ for you?
An aura of power no doubt, strong and perhaps a little dark because of thesadness of having to endure so much rejection in her life.
Is there a particular piece of music that you would like to highlight and why?
From Maria Callas? Her interpretation of La Traviata – Aria: Addio al passato. Callas was an atypical soprano in the way she conveyed the emotions of her singing to the audience. When her character died on stage, she performed it with a precise degree of realism. In no work does she express this feeling better than in the final part of Verdi’s La Traviata, her last note is heartbreaking. In my personal taste, Max Richter’s compositions are my main source of inspiration. As he himself has said in an interview, his music is created for the listener to think and reflect and I think that is what he clearly provokes within me; a constant reflection that leads to creative and artistic inspiration.
How do you see Maria Callas in her artistic development?
Maria Callas was undoubtedly the great Diva of the 20th century, she was atalented, visionary and fragile woman, who dedicated a lot of time and effort to her career. Without a doubt she had a magnificent development as an artist, performing all the most well-known characters in opera and was highly regarded in the opera environment at the highest level of her career.
What was your path to dance?
Well, I started when I was very young. When I was 4 years old I went to pick up my sister from dance school and I watched part of the ballet and contemporary dance classes, I would dance with my brother and sister creating choreographies in the living room. Soon after this, I began to attend dance school.
Then later when I was older and more conscious of my decisions, I made the complicated decision to be an artist. It’s a career of uncertainty, you never know if your career is going to be fruitful or not, if you get hurt and it’s all over, if an audition comes up and you have to go to another country in 3 days or if you get rejected and you’re out of work for a while. But to this day, I continue to fight for my passion for art and specifically for dance.
What inspires you and what themes are important to you in your art?
I am a very creative person, I see art and dance everywhere. An empty place gives me artistic ideas, people in the street give me ideas of movement, going on the metro and everyone moving at the same time is one of the most fun sources of inspiration. Seeing the sculptures in the city provides me with scenes of movement. I also find inspiration not only in other artists, musicians, painters, writers, and dancers but also from my life experiences. Often my failures and dark moments are what pushed me to create and show my art.
What are your upcoming project plans?
With my independent dance group I am currently preparing for a performance of four of my choreographies to be presented on the 20th of May at the Theatre Arche. Here is the link to the website where you can see our work and buy tickets for the event. https://palomasol04.wixsite.com/bety-pujol-cajal/copia-de-contacto
I am also a choreographer in the youth company Tanz die Toleranz with whom we have the premiere of a piece on the 18th of June, which we are also looking forward to.
I am also continuing my movement research and training Tango again which is a passion that always comes back into my life.
What does Vienna mean to you?
Home
How do you see the possibilities and what do you wish for dance in Vienna?
From my point of view, not knowing the language perfectly makes it difficult for an artist to fully integrate. However, there is no denying the opportunities and financial support the city gives to the arts. In the summer the city fills up with festivals of all kinds, giving artists the opportunity to showcase their work and people the chance to consume art of all categories.
What can you take from Maria Callas on your artistic path?
Dedication, effort and perseverance.
May I ask you to conclude with an acrostic?
Majestic voice
Admirable effort and career dedication
Resilience,
Iconic woman who with her voice
Achieved, admiration and respect for her art.
Cries and dramas,
Accumulating sadness.
Led to her
Loneliness in her final days.
A diva, a
Soprano.
Bety Pujol Cajal, Dancer, Choreographer _ Wien _ acting Maria Callas, Sängerin (* 2.12.1923 New York ´16.9.1977 Paris) _ 100. Geburtstag Maria Callas
Vielen Dank, liebe Bety Pujol Cajal, für das wunderbare gemeinsame Projekt in Bild&Wort und viel Freude und Erfolg weiterhin!
100. Geburtstag Maria Callas _ 2023
Bety Pujol Cajal, Dancer, Choreographer _ Wien __acting Maria Callas, Sängerin (* 2.12.1923 New York ´16.9.1977 Paris)
Aktuelle Produktion _ Bety Pujol Cajal„One night four pieces“
Lieber Sebastian Grayer, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Im Moment sind die Tage sehr strukturiert und organisiert, und auch ein wenig statisch geworden. Der Tagesablauf richtet sich nämlich nach meinem Terminkalender, der voll ist mit Universität, meinen Studien der Germanistik und Soziologie sowie meiner Arbeit im Journalismus. Dennoch bin ich dadurch nicht gelähmt und suche beständig nach Freiräumen oder verhindere zumindest, dass sich die Durchstrukturierung und Kolonisierung vollends durchsetzt. Das gelingt mir nicht immer gleich gut, aber ich versuche es.
Ich wache also täglich mit dem Klingeln des Weckers um 4.30 Uhr auf und starte ausgeschlafen in den Tag. Die ersten Schritte zum Fenster zu gehen, dieses zu öffnen und dann in Stille die Stille der beginnenden Morgenstunden zu lauschen – ich liebe das, ich kann die Ruhe richtig genießen!
Der Tag setzt sich mit dem Weg unter die Dusche fort, wo meistens das große Nachdenken über die vor mir liegenden Stunden beginnt. Dann setze ich mich an den Schreibtisch, beantworte einige Mails und werfe einen Blick in Facebook und Instagram.
Nach dem Zähneputzen geht es in Richtung Universität, dort trinke ich in der Regel auch meinen ersten Kaffee, oder aber auch in einem Grazer Kaffeehaus bei einer Zeitung. Vorlesungen, Kurse, intensives Studieren, kurze Pausen und das Schreiben von wissenschaftlichen Arbeiten reihen sich schließlich dicht aneinander. Dazwischen gliedert sich selbstverständlich noch die Suche nach interessanten Themen, Geschehnissen und insbesondere wunderbaren Menschen für potenzielle Artikel und die Vorbereitung auf die Arbeit am Wochenende ein.
Die Abende verlaufen dann ähnlich: Ich schlafe irgendwann mal bei laufendem Radio ein. Mir kommen die Tage sehr kurz vor, wobei jeder einzelne davon mich wirklich erfüllt.
Sebastian Grayer,Autor
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Mir schwebt das Zurückkommen zu einem Mensch-Sein in einer reinen Form vor, das seine Gehässig- und Rücksichtlosigkeit sowie Brutalität und sämtliche Stumpfsinnigkeiten abgestreift und es gegen Offenheit und ein aufmerksames, wahrhaftiges Miteinander getauscht hat. Darauf kommt es zurzeit wohl am meisten an. Und Kultur, ich meine Literatur, Kunst und Musik, macht dieses Mensch-Sein auf ganz besondere Weise erfahr-, spür und erlebbar. So glaube ich, dass uns ein Aussparen auf Kultur guttun und zur Entschleunigung beitragen würde und bei der Überführung von Uneindeutigkeiten zu Eindeutigkeiten enorm hilfreich sein könnte. Kultur bringt unmissverständlich auf den Punkt und bringt Tiefergehendes zum Ausdruck.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Es wird darauf ankommen, weiterhin der Literatur und Kunst ihren Raum zu geben, wie groß dieser dann auch tatsächlich gestaltet sein mag. Und diesen Anspruch auf einen Raum unmittelbar in der Gesellschaft gilt es auch mit einer konsequenten und leidenschaftlichen Vehemenz wie Standhaftigkeit einzufordern.
Der unerschütterlichen Literatur kommt die Rolle einer wichtigen Entgegensetzung zu, sie bringt sich selbstsicher gegen das Artikulationsdefizit der Alltagssprache in vielversprechende Stellung und macht das Leben mit ihrem Volumen aus Klangsättigkeit und forcierten Momenten erträglicher. Man muss sich erst im Klaren sein, was Literatur in ihrer Beständigkeit und aus einem umfassenden Möglichkeitsraum, wie aus dem Nichts schöpfend, schafft. Jeder literarische Text ist ein sprachliches und robustes Gemälde, das in mühsamer Arbeit, ermüdender Selbstpraxis und intensiver Auseinandersetzung mit der äußeren, sozialen Welt entstanden und geformt wurde. Mit der sprachlichen Formung innerhalb einer Selbstpraxis von Autoren entsteht das inhaltliche Innenleben, das sich in einer feinen Sprachgewalt gegenüber dem Leser offenbart und gleichzeitig immanent in Erscheinung tritt. Und es ist jedenfalls gerade diese feine und für Literatur typische Sprache, die literarisch-klangliche, die doch den Sinn des Lebens für uns innerhalb der Literatur anzusammeln imstande ist.
Die Literatur bricht das Alltägliche auf und modelliert mithilfe ihrer besonderen Sprachfertigkeit den Lebenssinn heraus. Sprache steht nicht im Weg eines Textes, wie viele meinen möchten, und erschöpft sich auch nicht selbstzweckmäßig, wie viele überzeugt sind. Alles geht von einer sprachlichen und begreifenden wie ergreifenden Konzentration aus, die sich an einzelnen Sätzen der Reihe nach manifestiert, zusammen eine ganze Manifestation bildet und seine einzelnen Mikrobausteine gerade erst für einen literarischen Text liefert, um von sinnlichen Bildern begleitend wirklich berührende Momente hervorzubringen, in denen die Leser selbstständig mit dem Gelesenen in ihren außerliterarischen Welten notwendigerweise auseinandersetzend und mehrwertschöpfend innehalten und die sich bietenden Reflexionen weiter vorantreiben müssen.
Und es ist die Selbstpraxis der Autoren und Künstler, die mich in meiner Ansicht stärkt, dass diese die besseren Soziologen sind. Menschen, die hinter Kunst und Literatur stehen, bohren auf feine Weise in sozialen Tiefen hinein; dann ist es nur folgerichtig, dass der Artikulation in Literatur und Kunst eine versprachlichte Gegenwart zukommt, wo nichts bloß aneinandergereiht zu sein scheint, sondern vielmehr aus sanften wie akribisch zusammengesetzten Kompositionen besteht, die für uns äußerst bewegungsstiftend sind und uns weiterbringen, nach vorne. Eine sinnliche Sprachgewalt also, die paradoxerweise ineinandergreifende Komplexitäten erst erschafft.
Am Ende ertränkt Literatur das fortschreitende Abstumpfen, und es sind Kunst und Literatur – man kann es nicht oft genug sagen – die, im Gegensatz zum derzeitigen Weltschmerz stehend, die dringenden Resonanzen für die Menschen anbieten und durch ihre Lektüre und Betrachtung auf seltsame Weise eine Einsamkeit möglich machen, an deren Ende eine Schärfung der eigentlichen Wahrnehmung steht. Und so eröffnen sich wiederum neue Resonanzen von unglaublicher Schwere und Tiefe, die uns aufmerksam und empfänglich machen. So wären die Rollen der Literatur und Kunst unter uns zu sehen, die beide Gesellschaft notwendigerweise zerdehnen.
Was liest Du derzeit?
Derzeit lese ich einerseits zum dritten Mal das Buch „Auslöschung. Ein Zerfall“ von Thomas Bernhard und andererseits „Herzzeit. Ingeborg Bachmann, Paul Celan. Der Briefwechsel“ sowie Peter Handkes „Nachmittag eines Schriftstellers“. Dazwischen auch vereinzelt Lyrik von Rainer Maria Rilke und Ingeborg Bachmann.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Im Buch „Einübung ins Schweben“ von Dževad Karahasan habe ich folgende, mich sehr berührende Textstelle unterstrichen: „Vielleicht wäre es am treffendsten zu sagen, dass uns eine tiefe Freundschaft verband, die auch eine starke Anziehung einschloss, so dass unsere Beziehung, eigentlich die Nähe, die nicht durch regelmäßige oder häufige Begegnungen bestätigt wird, lange dauerte, auch nachdem wir begriffen hatten, dass sie nicht mein Mädchen und ich nicht ihr Kerl war.“
Persönlich halte ich mich am folgenden Zitat von Ingeborg Bachmann fest: „Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar.“
Sebastian Grayer,Autor
Vielen Dank für das Interview lieber Sebastian, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Sebastian Grayer,Autor
Zur Person_Sebastian Grayer *1999 in Klagenfurt (Kärnten) geboren
Beruf und Wohnort Autor, freier Kulturjournalist sowie Student der Soziologie und Germanistik. Lebt, arbeitet und studiert in Graz (Steiermark, Österreich) sowie in Völkermarkt (Kärnten, Österreich).
2006 – 2010: Franz Mettinger Volksschule Völkermarkt 2006 – 2009: Musikschule Völkermarkt (Waldhorn) 2010 – 2014: Neue Mittelschule Völkermarkt 2014 – 2018: Bundesoberstufenrealgymnasium Wolfsberg (Matura) 2018 – 2020: Rotes Kreuz Völkermarkt (Zivildienst und Ehrenamt) Seit 2019: Bachelorstudium Soziologie an der Karl-Franzens-Universität Graz
Seit 2022: Blog „Ein Hinterzimmer. Texte zu Literatur, Kultur und Gesellschaft“ 2022: Jurymitglied beim Literaturwettbewerb der HAK und HLW Wolfsberg Seit 2023: Mitglied bei den Völkermarkter Turmschreiber:innen
Seit 2023: Redaktioneller Mitarbeiter beim kärntenweiten Newsletter des Roten Kreuzes Kärnten
Seit 2022: Referent für Medien- und Öffentlichkeitsarbeit beim Roten Kreuz Kärnten (Bezirk Völkermarkt)
Seit 2022: Ehrenamtlicher Kulturjournalist beim Kärntner Bildungswerk Seit 2022: Literaturjuror beim Kärntner Bildungswerk Seit 2022: Bachelorstudium Germanistik an der Karl-Franzens-Universität Graz Seit 2021: Freier Journalist bei KLiCK Kärnten 2020 – 2021: Tutor für Studienanfänger:innen des Soziologiestudiums an der Karl-FranzensUniversität Graz
Seit 2020: Korrektor für wissenschaftliche Texte (von Student:innen der Karl-FranzensUniversität Graz und Alpen-Adria-Universität Klagenfurt) und andere Textsorten von außeruniversitären Personen sowie auch außeruniversitären Themen
Liebe Jennifer Mattes, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Intensiv, aufregend und manchmal stressig. Es passiert viel und man probiert viel aus bis man dann aufgeregt und aufgeladen wieder nach Hause kommt am Abend oder nachts und versucht zu schlafen .. aber es tut sehr gut, soviel zu arbeiten und aktiv zu sein. Es ist erfüllend.
Jennifer Mattes | Regie, Bühne, Kostüm, Video _ aktuelle Produktion „DAIMON. DIE NAMENLOSE“ WERK X-Petersplatz, Wien 1010. Spieltermine _Premiere: Dienstag, 16.05.2023& Mittwoch 17.05.2023.
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Dass wir nicht die Nerven verlieren und weiter versuchen, trotz der persönlichen oder politischen Lage nach vorne zu schauen und positiv dabei bleiben. Es gibt für alles eine Lösung und ich hoffe, dass wir alle daran arbeiten und jede/r seinen Teil dazu beiträgt, ob im Großen oder kleinen – ich glaube, das ist sehr wichtig jetzt.
aktuelle Produktion „DAIMON. DIE NAMENLOSE“ WERK X-Petersplatz, Wien 1010. Spieltermine _Premiere: Dienstag, 16.05.2023& Mittwoch 17.05.2023.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Ich denke, es ist wichtig, dass die Kunst weiterhin eine Plattform bietet, in der sie die vorherrschenden Verhältnisse spiegeln, hinterfragen oder offenlegen kann. Dass sie nicht zum Selbstzweck wird oder versucht, ausschließlich zu gefallen. Kunst entsteht und ich hoffe, dass es weiterhin möglich sein wird, eben auch unter den widrigsten Bedingungen entstehen zu können, dass es Menschen gibt, die sich in alle Richtungen bewegen versuchen, eben auch jene, die sich Ihnen verschließen und dass diese Menschen gehört werden. Dass wir alle die Hoffnung nicht aufgeben..
„DAIMON. DIE NAMENLOSE“
Was liest Du derzeit?
Von Anna Löwenhaupt Zing: der Pilz am Ende der Welt
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Verliere den ganzen Verstand, ein halber verwirrt nur
C.F. Hill
Vielen Dank für das Interview liebe Jennifer Mattes, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Theater-, Film-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Jennifer Mattes, Regisseurin
Zur Person_
Jennifer Mattes | Regie, Bühne, Kostüm, Video
1982 in Stuttgart geboren. Studium von Film und Video in Stuttgart und Bildende Kunst und Film bei Harun Farocki und Constanze Ruhm an der Akademie der bildenden Künste Wien. Arbeitet im Bereich Installation und Essayfilm und an der Schnittstelle von dokumentarischen, fiktiven und performativen Prozessen. Zusätzlich verfasst sie Text- und Soundcollagen in ihren Filmen. Für ihre Arbeiten erhielt sie zahlreiche Preise und Stipendien u. a. den Birgit-Jürgenssen-Preis 2014, Diagonale-Preis Innovatives Kino 2019, Stipendium für Bildende Kunst der Kunststiftung Baden-Württemberg 2019, sowie mehrere Ausstellungen wie u. a. in der Národni galerie Praha, Arti et Amicitiae in Amsterdam, Staatliche Kunsthalle Baden-Baden und Ballhaus Ost in Berlin.
Aktuelle Produktion „DAIMON. DIE NAMENLOSE“ _ von Christian Kühne
aktuelle Produktion „DAIMON. DIE NAMENLOSE“ WERK X-Petersplatz, Wien 1010. Spieltermine _Premiere: Dienstag, 16.05.2023& Mittwoch 17.05.2023.„DAIMON. DIE NAMENLOSE“ Live-Musik, Komposition: Antonia Dering
Isoliert in ihrer Wohnung, begibt sich eine Frau* auf die Suche nach einer neuen Form des Seins, die unabhängig ist von allen Prägungen, Erfahrungen, äußeren Bildern und Einflüssen. Sie glaubt, diesen Zustand im Wahnsinn zu finden, der ihr schon einmal in einer Klinik genommen wurde. Auf der Suche nach neuen Bildern einer anderen Existenz stellt sie ihre Identität in Frage, ihr Geschlecht und ihre Rolle in der Gesellschaft. Während dieses Prozesses erblindet sie. Ihr einziges Werkzeug ist eine Kamera, die ihren Blick ersetzt. Von den Gespenstern ihrer Vergangenheit eingeholt, bemächtigt sie sich dieser. In ihrem radikalen Kampf um Autonomie, nimmt sie auch den Zerfall ihres Selbst in Kauf. Wird die Namenlose am Ende, wenn sie sich von allem gelöst hat, bestehen?
Der im Stück benannte „Bildverlust“ wird als zentrales Thema aufgegriffen. Als Resultat der Bilder, die uns konstant umgeben und die unser Selbst- und Fremdbild sowie die Idealisierung und Stereotypisierung dieser wesentlich mitbestimmen. Ist es möglich, aus der Spirale von (Wahn-)Vorstellungen und Projektionen sowie den damit verbundenen seelischen Verletzungen auszubrechen, diesen Mustern eigene Bilder entgegenzusetzen? Oder bleiben diese stets nur Reaktionen auf augenscheinliche Wahrnehmungen und Erinnerungen und somit unweigerlich mit jeder (optischen) Vorgabe verknüpft? Können die Grenzen der Bilder in unseren Köpfen lediglich verschwimmen oder tatsächlich aufgehoben werden? Was passiert, wenn wir nicht mehr dem entsprechen, was von uns erwartet wird?
Um eine neue Perspektive einnehmen zu können, treten die anderen Sinne in den Vordergrund. Musik, Geräusche, die Magie der Sprache, Bewegung sowie das körperliche Erspüren des Raumes als Widerstand führen zum Aufreißen scheinbarer Sicherheiten und Strukturen.
„DAIMON. Die Namenlose“ bewegt sich an der Schnittstelle zwischen Theater, Literatur und Film. Inspiriert von Sylvia Plath, Ingmar Bergman, Virginia Woolf und Anderen, beschäftigt sich die Inszenierung mit Trauma, psychogener Blindheit, Identität und der Möglichkeit eines freien, selbstbestimmten Lebens im Spannungsbogen von Verzweiflung und Euphorie.
Jennifer Mattes (links) | Regie, Bühne, Kostüm, Video _ Ina Jaich | Regie, Schauspiel
„DAIMON. DIE NAMENLOSE“ _ von Christian Kühne
Uraufführung. Eine Produktion von zij in Kooperation mit WERK X- Petersplatz
Inszenierung: Ina Jaich, Jennifer Mattes
Text: Christian Kühne
Live-Musik, Komposition: Antonia Dering
Bühne, Kostüm, Video: Jennifer Mattes
Mentoring: Luk Perceval
Dramaturgie, Regieassistenz: Laura Brechmann
Recherche: Zeynep Alan
Produktionsleitung: Magdalena Stolhofer
WERK X-Petersplatz, Wien 1010. Spieltermine _Premiere: Dienstag, 16.05.2023 & Mittwoch 17.05.2023.
Robert Prosser, Schriftsteller _ Performance _ Buchmesse Leipzig _ 2023
Lieber Robert Prosser, wie verhält sich ein Gastgeber als Gast zum Gastgeber als Gast im Gastland?
Ruhig, aber nicht zu übersehen, insistierend, aber nicht nervig, vor allem der eigenen Art und Weise vertrauend – sodass der Gastgeber im Gast nicht nur eine Zahl sieht, eine zu absolvierende Aufgabe, sondern selbst etwas von dieser Begegnung mitnehmen und sich bewahren kann.
Was wird Österreich in Leipzig zuerst gefragt? – Wie lange bleibst Du?
Eher: Was und wie hast du zu erzählen, abseits von Handke, Jelinek, Bernhard? Bewusst oder unbewusst muss man sich dieser Frage als österreichische*r Autor*in wohl ohnehin stellen, darum gut, dass sie auch mal im Großen verhandelt und durch die Praxis beantwortet wurde.
Warum wird Leipzig Österreich nicht so schnell vergessen?
Etliche österreichische Autor*innen traten abseits des Gastlandauftritts bei unterschiedlichsten Veranstaltungen auf. Dort gab es, meiner Wahrnehmung nach, ein dank des Schwerpunktes verstärktes Interesse an ihnen und ihren Texten. Dieses Interesse wurde nicht enttäuscht, sondern bestätigt und vermehrt. „Leipzig“ wurde in Erinnerung gerufen oder erstmals darauf gestoßen, was die österreichische Gegenwartsliteratur zu bieten hat.
Ist „Meaoiswiamia“ eine Aussage bei einem Scheidungsrichter?
Wie auch vorm Altar und beim Bestatter. Wo fängt das Wir eigentlich an und wo hört es auf?
Was nimmt der Gast Österreich aus Deutschland mit? Offiziell und inoffiziell.
Inoffiziell die Selbstbestätigung, dass es etwas gibt, dass österreichische Gegenwartsliteratur auszeichnet und im positiven Sinne abgrenzt. Dieses Etwas lässt sich nicht benennen – wie viele lebendige Prozesse ist auch das aktuelle Schreiben und Erzählen und Dichten nicht in eine Formel zu zwängen. Offiziell und in schöner Tradition brachten fast alle den berüchtigten Messeschnupfen mit nach Haus.
Herzlichen Dank!
Zur Person_Robert Prosser was born in 1983 in Alpbach in Tyrol, and studied comparative literature and cultural and social anthropology. A writer and a performance artist, his work includes the novels DISAPPEARANCE IN AVALANCHES (Jung und Jung, 2023) and GEMMA HABIBI (Ullstein fünf, 2019). Important for his artistic approach are research and stage-adaptations of his own literary texts in form of recitation or performance. Recipient of various Awards and Scholarships, e.g. Writer-in-Residence One World Foundation in Sri Lanka 2021, Residency Literarisches Colloquium Berlin 2014, Reinhard-Priessnitz-Award 2014. His novel PHANTOMS (Ullstein fünf, 2017) was nominated for the German Bookprize.
Alan Burgon, Schauspieler, Regisseur, Autor, Produzent
Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:
Alan Burgon, Schauspieler, Regisseur, Autor, Produzent
Zur Person_Alan Burgon,
geboren in den schottischen Highlands, seit 2010 in Wien, wo er lebt und arbeitet. Schauspielausbildung erfolgte u.a. am renommierten Royal Conservatoire of Scotland. Danach folgten Engagements am Dundee Repertory Theatre mit Hauptrollen in den Stücken ,,Beauty and the Beast”, ,,Who’s afraid of Virginia Wolf”, ,,Quelque Fleurs” etc. Mit dem National Theatre of Scotland ging er auf eine UK National Tour mit Ibsen’s ,,Peer Gynt” und spielte u.a. im King’s Palace Glasgow, Eden Court Theatre Inverness und The Barbican in London. Weitere Auftritte gab es mit Uraufführungen am Edinburgh Fringe Festival.
In Wien folgten Engagements am International Theatre und Vienna’s English Theatre, bevor er schließlich 2012 mit einer Künstlergruppe die Open House Theatre Company gründete und als Schauspieler und künstlerischer Leiter bis 2019 36 Theaterstücke in englischer Sprache auf die Bühne brachte. Darunter Highlights wie ,,Laurel and Hardy”, ,,A Midsummer Night’s Dream”, ,,The Importance of Being Earnest”, ,,Hedda Gabler” etc.
Seither arbeitet er als Schauspieler und Autor im independent Filmbereich, sowie für TV-Serien (Tatort Mainz und Das Netz) und Kinofilmen (Thank you for bombing und MeWe). Als Voice Actor leiht er u.a. der Hauptrolle The Interviewer in der Fiction Podcast Serie The Amelia Project, die bis dato über 5 Mio. Downloads verbucht hat, seine Stimme.
Marilies Jagsch, Musikerin_ Station bei Ingeborg Bachmann_Malina_Wien 50.Todesjahr_Ingeborg Bachmann_Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom)
Liebe Marilies Jagsch, wir sind hier an Wiener literarischen Bezugsorten des Romans „Malina“ (1971) von Ingeborg Bachmann wie auch in unmittelbarer Nähe von biographischen Bezugspunkten der vor 50 Jahren verstorbenen Schriftstellerin. Sind Dir die Orte hier, die Umgebung vertraut?
Da ich hier ums Eck zehn Jahre lang gewohnt habe, kenne ich die Gegend gut. Bachmanns Beschreibung der Ungargasse ist mir sehr nah, auch wenn sie aus einer anderen Zeit stammt.
Du bist Musikerin. Auch Ingeborg Bachmann hatte eine große Liebe zur Musik, komponierte früh und arbeitete später als Librettistin mit Hans Werner Henze zusammen. Wie war Dein Weg zur Musik und welche Stationen gibt es da?
Das Bedürfnis, Musik zu machen, war bei mir immer da. Gitarre spiele ich, seit ich acht bin, und schon als Kind habe ich meine ersten Lieder geschrieben. Mein Ansatz ist aber ein sehr intuitiver, Musiktheorie hat mich nie besonders interessiert, bis heute vermeide ich Noten, weil mir die Musik weniger Spaß macht, wenn ich das Gefühl habe, sie in ein System zwängen zu müssen. Mit 16 habe ich begonnen, in einer Band zu singen, und mit 20, meine eigenen Lieder live zu präsentieren. Dann folgten auch bald meine ersten beiden Alben sowie viele Konzerte und Zusammenarbeiten mit anderen Künstler*innen und Bands.
Was sind Themen Deiner Musik?
Die Lyrics meiner Lieder kreisen um Themen und Gefühle, die in unserer leistungsorientierten Gesellschaft keinen Platz haben. Vielleicht gibt es da einen Konnex zu Bachmanns Erzählkosmos. In meinen Songs geht es vorwiegend um Machtverhältnisse und Gewaltstrukturen, Missbrauch, Verlust und Trauer.
Was sind Deine derzeitigen Projektpläne?
Im September erscheint das Debütalbum meines neuen Projekts MAIIJA, ein großer Schritt für mich, da ich seit 13 Jahren keine eigenen Lieder mehr veröffentlicht habe. Die erste Single haben wir schon im April released, im Juni folgt die zweite. Bald werden auch die nächsten Konzerte verkündet.
Im Roman „Malina“ ist der Hauptschauplatz Wien. Du bist wie Ingeborg Bachmann als Künstlerin nach Wien gezogen. Was bedeutet Dir diese Musik- wie Literaturstadt und welche Erfahrungen hast Du hier als Künstlerin gemacht?
Meine Beziehung zu Wien als Kulturstadt ist gespalten, weil Kultur hier tatsächlich sehr groß geschrieben und gut subventioniert wird, allerdings ist es für alle Kunstsparten, die sich nicht in die Hochkultur einordnen lassen oder für den Tourismus nicht relevant sind, auch nicht viel einfacher als in den meisten anderen europäischen Städten. Dennoch ist Wien eine sehr lebenswerte Stadt und ich schätze die kulturellen Netzwerke hier. Im Untergrund der Wiener Szene habe ich einen starken Zusammenhalt und viel Loyalität erfahren.
Welche Eindrücke hast Du von den Romanschauplätzen in der Ungargasse?
Die Ungargasse kannte ich ja bereits, aber das Stiegenhaus des Hauses Nummer 6, in dem die Ich-Erzählerin im Roman wohnt, war mir noch neu. Es wirkt fast ein wenig herrschaftlich mit der Statue im Eingang, deutlich weniger beklemmend, als man es sich zur Stimmung des Romans vorstellt. Aber gleichzeitig ist es wohl genau dieses Bürgerliche, mit dem so viele Konventionen und Erwartungen verbunden sind, das sich so erdrückend anfühlt.
Welche Bezüge hast Du zu Literatur? Schreibst Du auch?
Aktuell schreibe ich nur Songs, aber ich habe ein sehr inniges Verhältnis zur Literatur. Als Lektorin und Literaturprogrammleiterin des Verlags Kremayr & Scheriau durfte ich in den letzten Jahren viele Romanprojekte in ihrer Entstehungsphase begleiten. Zurzeit hab ich mir eine Auszeit für meine Musik genommen, aber die Literatur wird in meinem Leben auch in Zukunft eine große Rolle spielen.
Was sind für Dich zentrale Themen und Aussagen des Romans „Malina“?
Am meisten berührt mich die Sehnsucht der Ich-Erzählerin nach Freiheit und Selbstbestimmung in einer von Männern dominierten Welt. Die Abhängigkeit, die sie spürt, fühlt sich für mich sehr grausam an.
Hättest Du mit Ingeborg Bachmann gerne einen Tag in Wien verbracht und wenn ja, wie würde dieser aussehen?
Gerne würde ich wissen, worüber Ingeborg Bachmann heute schreiben würde. Wahrscheinlich würde ich eine Runde mit ihr durch den Stadtpark spazieren und darüber sprechen, was in Österreich momentan alles schiefläuft.
Darf ich Dich abschließend zu einem Malina Akrostichon bitten?
Mein
Anderes
Leben
Ist
Nie
Abkömmlich
Marilies Jagsch, Musikerin_ Station bei Ingeborg Bachmann_Malina_Wien 50.Todesjahr_Ingeborg Bachmann_Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom)
Vielen Dank, liebe Marilies Jagsch, Musikerin, für Deine Zeit in Wort und Bild bei Malina, alles Gute für alle Projekte!
Station bei Malina_Roman Ingeborg Bachmann_Wien_1971