Er sieht wie immer aus. Ich stehe auf, trinke meinen Kaffee und mach dann ein kleines Yoga-Programm. Wobei das von meiner Schlafqualität, die Nacht zuvor, abhängt. Dann setze ich mich an den Schreibtisch und arbeite, wie jetzt gerade, an meinem Manuskript.
Sam Bennet, Schriftstellerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Mehr solidarischen Zusammenhalt und weniger Egoismus
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Es liegt doch auf der Hand; Frieden zu schaffen, Hände zu reichen und endlich aufhören Natur und Mensch auszubeuten.
Literatur hat die Aufgabe über Landesgrenzen hinaus zu verbinden und offen zu sein und zu bleiben.
Was liest Du derzeit?
Da ich gerade an meinem neuen Roman schreibe, lenke ich mich eher nicht mit Literatur ab. Ich habe zuletzt den dritten Band von Stephen Kings „Der dunkle Turm“ gelesen.
Und vom großartigen Aladin El-Mafaalani, „Wozu Rassismus?“ – kann ich wirklich jedem ans Herz legen
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Wer keinen inneren Frieden kennt, wird auch in der Begegnung mit anderen keinen inneren Frieden finden.
Dalai Lama
Vielen Dank für das Interview liebe Sam, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Sam Bennet, Schriftstellerin
Foto_Christian Frumolt
16.5.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.
Im Moment gibt es bei mir keinen bestimmten Tagesablauf. Da ich viele verschiedene Dinge gleichzeitig mache, muss ich in meinem Tagesablauf flexibel sein. Im Moment konzentriere ich mich zum Beispiel auf drei verschiedene Dinge: Ich bin Pianistin, also muss ich tägliches Üben in meinen Tag einbauen, ebenso wie Proben und Unterrichte. Dann organisiere ich auch noch das internationale Kammermusikfestival Joie de Vivre – was von alleine schon aus einer Vielzahl von Aufgaben besteht. Das dritte Projekt, an dem ich arbeite, ist der Dreh eines Dokumentarfilms über „Frauen in der Welt der klassischen Musik“. Im Moment bin ich dabei, das Drehbuch fertig zu stellen, denn wir werden demnächst mit den Dreharbeiten beginnen.
Noa Kleisen, Pianistin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Diese Frage finde ich schwer zu beantworten, weil sie für jeden anders ist. Wenn Sie mich nach meiner persönlichen Meinung fragen, würde ich sagen, dass es vielleicht wichtig ist, ein (erneuertes) Gemeinschaftsgefühl zu schaffen, bei dem wir uns der gegenseitigen Unterstützung bewusster werden. Ich habe das Gefühl, dass wir während der Pandemie viele Verbindungen zueinander verloren haben, wodurch sich viele von uns ein wenig verloren und allein fühlten. Dies ist auch der Grundgedanke meines Festivals „Joie de Vivre“, und ich hoffe wirklich, dass ich dadurch zu einem allgemeinen Gemeinschaftsgefühl beitragen kann.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?
Ich denke, die einfache Antwort auf diese Frage ist, dass wir alle unsere Motive und unseren Standpunkt im Leben überdenken mussten. Da Musik oder jede andere Kunstform eng mit unserem inneren Wesen verbunden ist, denke ich, dass es fast unmöglich ist, diesen Prozess voneinander zu trennen, wenn man ein Künstler ist. Für Musiker oder Künstler bedeutet ein Neuanfang also möglicherweise auch einen neuen Ansatz für die Musikalität oder den Ausdruck.
Ich selbst habe eine Phase von fast einem Jahr durchgemacht, in der ich kein Klavier angefasst habe und mich auf ganz andere Dinge konzentriert habe. Ich habe viele Interessen, und es war sehr erfrischend sowie sehr wichtig, mich diesen eine Zeit lang hinzugeben. Als ich mich schließlich entschied, zum Klavier zurückzukehren, war ich ein völlig anderer Mensch. Ich bin viele meiner Unsicherheiten losgeworden und ich hatte definiert, warum ich diesen Beruf ausüben möchte.
Was liest Du derzeit?
Ich lese wirklich gerne, aber ich muss leider gestehen, dass ich im Moment kaum Zeit habe, viel zu lesen.Wenn ich aber zum Lesen komme, dann lese ich abwechselnd „Die gute Erde“ von Pearl S. Buck und „Kapitän Corellis Mandoline“ von Louis de Bernières.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Mut hat Genie, Kraft und Zauber in sich“. Goethe.
Vielen Dank für das Interview liebe Noa, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Noa Kleisen, Pianistin
Foto_Andrej Grilc
30.5.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.
Das ist sehr unterschiedlich und unregelmäßig. Ich lebe mit kontinuierlichem Rhythmuswechsel; bin sozusagen Schichtarbeiterin. Mal fange ich als früher Vogel den Wurm, mal fliege ich mit der Nachteule. Anscheinend entspricht das meiner Natur.
Räume zu künstlerischem Arbeiten in Ruhe und Muße muss ich mir freischaufeln und einrichten. Dann breitet sich darin mein Fächer aus, ich schreibe, male, lese, höre Musik, meistens alles parallel, bis sich eine bestimmte Arbeit herauskristallisiert. Von dieser werde ich dann angesogen wie in einen Tunnel: ein großes Bild, ein Manuskript.
Im Alltag nehmen Korrespondenz, Organisation, Workshops, Projekte und vor allem das Hin- und Her-switchen von einem zum anderen viel Zeit und Energie in Anspruch. Seit diesem Jahr finden Projekte und Veranstaltungen wieder mit Menschen statt, in Gruppen. Das ist anstrengend, ich musste mich erst einmal resozialisieren. Mittlerweile macht es wieder Spaß, gibt mir Kraft und Schwung. Nun sind auch Reisen geplant. Ich freue mich auszuschwärmen, auf Begegnungen und Inspiration. Ich bin aufgeregt wie ein Kind!
Eva Wal_Lyrikerin und bildende Künstlerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Zusammenhalt, sich nicht polarisieren zu lassen, Bescheidenheit im Umgang mit Ressourcen, Dankbarkeit, Verantwortung und Empathie.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Die Lebenswirklichkeit der meisten Kulturschaffenden ist oft schwierig und widrig. Dennoch ist es ein unschätzbares Gut, in Freiheit und Unversehrtheit schaffen zu können. Für den gesellschaftlichen Erhalt oder die Erschaffung solcher Bedingungen sollte jede*r Einzelne sich mitverantwortlich fühlen.
Nichts ist selbstverständlich.
Bildende Kunst, Literatur und Musik sind Brücken, die Menschen aller Kulturen verbinden können. Der Verstand ordnet sich unter, ist wach und verbunden mit seelischem Empfinden. Kunst führt in die Natur. Die Natur, aus der wir kommen, von der wir entfremdet sind, und deren Teil wir sind.
Kunst schafft Gemeinschaft und Begegnungen, auch mit uns selbst.
Sie kann Trost, Halt, Erkenntnis und Widerstandskraft geben, Schwingen verleihen und erden.
Sie ist ein Lebenselixier.
Ihre gesellschaftliche und politische Rolle ergibt sich daraus.
Was liest Du derzeit?
Am liebsten Tomas Tranströmers Gedichte. Wenn ich sie nicht lese, denke ich sehr oft an irgendeine Zeile oder meine, die Atmosphäre eines seiner Gedichte zu spüren, die so ganz einfach aus der Tiefe und dem Klang herauszusteigen scheinen.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Und die Leere kehrt uns ihr Gesicht zu und flüstert:
„Ich bin nicht leer, ich bin offen“.
T. Tranströmer, Vermeer
Vielen Dank für das Interview liebe Eva, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literatur-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Am Weg zur Eröffnungslesung _ Hannes Stein, Schriftsteller, New York _ Bachmannpreisteilnehmer 2022
Lieber Hannes, Du hast mit Deinem Text in der Eröffnungslesung des 46.Bachmannpreises sehr beeindruckend. Dieser spannt inhaltlich wie formal einen weiten Bogen.
Wie hast Du Dich auf die Lesung und etwa auch die Passagen in polnischer Sprache vorbereitet?
Ich habe mir von polnischen Freunden erklären lassen, wie man dies ausspricht und dann habe ich es geübt. Wir haben in New York ja eine große polnische Diaspora, etwa in Brooklyn.
Hannes Stein _ Lesung Gartenbühne _ ORF Kärnten
Du bist in München geboren, in Salzburg aufgewachsen und schreibst und lebst jetzt in New York. Wie kam es dazu?
Ich habe in der Green Card Lotterie mitgespielt. Und ich glaube mich zu erinnern, dass ich einmal auf die Wiederholungstaste gedrückt habe (lacht). Und bekam dann, als ich 2006 einen wohlverdienten Nachmittagsschlaf auf meiner Couch in Berlin, damals lebte ich in Berlin, machte, einen Anruf –
„Hello, Mr.Stein“ – „Yes, I believe, that`s me“ –„Mr.Stein, you are living at Epifornererstraße 24?“ – „Yes, that`s my adress“ – „Mr.Stein, congrats, you won a green card“ –
Ich habe natürlich aufgelegt und gedacht das ist ein Witz.
Ein paar Tage später zog ich aber aus meinem Briefkasten einen sehr großen Umschlag mit Formularen. Denn man gewinnt keine green card. Man gewinnt den langen verwickelten bürokratischen Weg, der zu einer green card führt. Und auf diesem langen verwickelten bürokratischen Weg fliegt die Hälfte der Gewinner raus. Weil sie etwas falsch ausfüllen, weil sie keine high school Diplome haben. Man muss high school Diplome oder etwas Vergleichbares vorweisen.
Ich habe dann sofort 1200 Dollar ausgegeben für Anwälte in New York, die mir geholfen haben, dies zu bewältigen. Das hat einen guten Teil des Jahres 2006 in Anspruch genommen.
Meine Lieblingsgeschichte dabei ist die mit dem polizeilichen Führungszeugnis. Man muss aus jedem Land, in dem man länger als ein Jahr gelebt hat ein polizeiliches Führungszeugnis bringen. Ich habe etwas gemoggelt und nicht erwähnt, dass ich ein Jahr in Großbritannien gelebt habe. Ich musste Deutschland, Österreich und Israel erwähnen. Das stand alles in meinem Pass.
In Deutschland geht man wegen dem Führungszeugnis aufs Amt. Man zahlt 5 EUR. Drei Tage später bekommt man einen Brief, der nach nichts aussieht – „polizeiliches Führungszeugnis – keine Einträge.“
Österreich. Man zahlt 5 EUR. Man hört nichts. Nach drei Wochen bekommt man einen unglaublich höflichen Anruf vom österreichischen Konsulat in Berlin – „Es tut uns leid. Es gab eine Namensgleichheit. Wir schicken Ihnen das jetzt sofort zu.“ Man kriegt dann einen Brief und ein ganz prächtiges Dokument, das aussieht als hätte Kaiser Franz Joseph persönlich dies ausgestellt.
Israel. Man geht zum israelischen Konsulat und sagt, „ich brauche bitte ein polizeiliches Führungszeugnis.“ Die sagen: „לא בעיה“, „kein Problem“. Wenn man Israel kennt, dann weiß man, dies heißt „lasst alle Hoffnung fahren, die Ihr hier eintretet“ (lacht). „You have no fucking chance, fuck off.“ Schließlich klappte es dann doch.
Hannes Stein _ Lesung Gartenbühne _ ORF Kärnten
Und dann hatte ich die green card in der Hand. Die ist übrigens nicht grün sondern gelb. Sie heißt nur green card, weil irgendein Formular vor fünfzig Jahren grün war. Und dann bin ich ausgewandert, habe meine Möbel verschenkt, meine Wohnung aufgelöst in Berlin und bin mit zwei Koffern und einer Gitarre nach Amerika. Und seitdem lebe ich da.
Seit 2012 bin ich amerikanischer Staatsbürger. Ich habe die Staatsbürgerschaft aus verschiedenen Gründen angenommen. Ein Grund war, ich wollte wählen. Die österreichische Staatsbürgerschaft musste ich dann abgeben, da Österreich eine Doppelstaatsbürgerschaft nicht anerkennt. Den Amerikanern ist das völlig wurscht, Powidl (lacht).
Bei der Angelobungszeremonie war ich die einzige Quarknase (Weißer), um mich herum lauter Schwarze, Latinos, Asiaten. Man muss auch vorher eine Prüfung machen.
Welche Fragen gab es da?
What is Abraham Lincoln known for? – Save the union, free the slaves.
What is the power of the president? – To reject bills
Ja, und in der Zeremonie muss man allen Potentaten abschwören. Da Otto von Habsburg gerade das Zeitliche gesegnet hatte, konnte ich das tun (lacht). Und dann muss man „Pledge of Allegiance“ sagen.
„ I pledge allegiance to the flag of the United States of America, and to the republic for which it stands, one Nation under God, indivisible, with liberty and justice for all.“
Die Formel „under God“ wurde in 1950er Jahren eingeführt gegen die gottlosen Kommunisten. Grundsätzlich gibt es aber in den USA eine strikte Trennung zwischen Staat und Religion. Das Wort Gott kommt ja in der amerikanischen Verfassung nicht vor. Und das ist kein Zufall und kein Versehen, sondern so gemeint.
Wenn man fünf Jahre in den USA lebt und keine Sozialhilfe bezieht und nicht straffällig wird, kann man die Staatsbürgerschaft beantragen.
Wie waren die inneren Prozesse in diesem spontanen Ab- und Aufbruch für Dich?
Es war in gewissem Sinne völliger Wahnsinn. Ich war zu der Zeit Redakteur, fest angestellt bei „Der Welt“. Ich hätte weiter mein Berliner Leben leben können. Aber mir gefiel mein Berliner Leben immer weniger. Es kam mir immer sinnloser vor und mir gefiel Amerika und New York sehr, sehr, sehr. Ich habe mich richtig in dieses Land verliebt und inzwischen ist natürlich mein Verhältnis komplizierter geworden. Wenn weiße Polizisten einen schwarzen Jungen erschießen, ist dies meine Verantwortung. Da kann ich nicht sagen, diese blöden Amerikaner. Sondern das sind wir. Das Andere ist natürlich Trump. Trump war für uns alle eine schwere Erschütterung.
Die kürzeste Formel ist jetzt: ich bin nicht mehr ganz sicher, ob ich Amerika liebe, aber ich mag immer noch die Amerikaner. Nicht alle, aber die meisten.
Welche literarischen Schwerpunkte hattest Du bisher und was bedeutete der Umzug in die USA literarisch für Dich?
Mein erster Roman heißt „Der Komet“ (Berlin 2013, Galiani Verlag) und ist eine Alternativ-Weltgeschichte, die auf der Fiktion basiert, dass der Thronfolger Franz Ferdinand nach dem ersten Bombenwurf in Sarajewo umdreht und sagt „I bin doch nit deppat und fahr jetzt wieder zhaus“. Woraufhin der I.Weltkrieg ausfällt, der II.Weltkrieg ausfällt, und es im Jahr 2000 die Habsburger Monarchie noch gibt. Es ist ein sehr österreichischer Roman.
Diesen Roman hätte ich nicht in Deutschland schreiben können. Ich brauchte den Abstand.
Am Weg zur Eröffnungslesung _ Hannes Stein, Schriftsteller, New York _ Bachmannpreisteilnehmer 2022
Lieber Hannes, herzlichen Dank für das Interview und das Dabeisein in Klagenfurt, viel Freude und Erfolg weiterhin!
Im Interview _Hannes Stein, Schriftsteller, New York _ Bachmannpreisteilnehmer 2022
Am Weg zur Preisverleihung 26.6.2022 _ Behzad Karim Khani, Schriftsteller _ Bachmannpreisteilnehmer 2022
Lieber Behzad, Ihr hattet als Lesende vor der Preisverleihung eine interne Beratung. Welche Überlegungen gab es da?
Unser Plan wäre gewesen, die Punkte der Jury anzunehmen und das gesamte Geld aller Preise dann in der Gruppe zu teilen bzw. zu spenden. Dafür haben wir eine Einstimmigkeit vereinbart.
Dies war als Geste eines solidarischen Momentes gedacht, als Respektbezeugung gegenüber allen, die keinen Preis bekommen. Es wäre nicht als systemsprengende Entscheidung gedacht gewesen.
Es kam aber aufgrund der Abstimmung nicht dazu. Es gab eine Gegenstimme.
Wie hast Du das Miteinander in der Gruppe erlebt?
Sehr gut, es ist wie eine Klassenfahrt hier (lacht). Es ist im Miteinander wie textlich ein starker Jahrgang.
Nach der Lesung _ Behzad Karim Khani, Schriftsteller _ Bachmannpreisteilnehmer 2022 _ ORF Gartenbühne
Ist dies wie im Sport zu verstehen, wenn gesagt wird, „wir sind zu einem Wettbewerb gekommen und gehen als Freunde“?
Ja, genau (lacht).
Wie siehst Du den veränderten Preisevergabemodus?
Es ist fairer so, weil es für jede/jeden Punkte geben kann. Ich habe mir schon gedacht, warum dies nicht schon früher so gemacht wurde.
Am Weg zur Preisverleihung 26.6.2022 _ Behzad Karim Khani, Schriftsteller _ Bachmannpreisteilnehmer 2022
Lieber Behzad, herzlichen Dank für das Interview und das Dabeisein in Klagenfurt, viel Freude und Erfolg weiterhin!
Im Interview _ Behzad Karim Khani, Schriftsteller, Bachmannpreisteilnehmer 2022
Lieber Juan, herzliche Gratulation zum Kelag Preis 2022!
Wo liegen Wurzeln, Inspirationen des ausgezeichneten Textes?
Die Wurzeln sind vielleicht das Nachdenken, Fragen über die Vorstellung was wir mit „der Menschheit“ meinen, wenn wir von „der Menschheit“ sprechen. Als Gegenstück zum Konstrukt des Individuums, das in bestimmten Kontexten relevant gemacht wird. Das ist natürlich eine sehr hohe Flughöhe, von der ich mich dann der Erzählung genähert habe, auf der maximalen Abstraktionsebene dieser Fragen.
Lesung _ Juan S.Guse _ Garten Bühne ORF
Wie siehst Du das Verhältnis von „Ich und Wir“ heute?
Es ist da auch genau diese Frage gestellt, wann adressieren wir uns als „Ich“? Das Individuum ist natürlich eine Konstruktion im Kontext.
Es gibt auch dieses Bild: zehn Menschen werden auf zehn Inseln gesetzt und sie machen alle dasselbe – Feuer, Kokosnüsse, pinkeln. Werden zehn Menschen auf dieselbe Insel gesetzt, denken sie arbeitsteilig und agieren im gesellschaftlichen Kontext.
Das Wir und Ich konstruiert sich aufgrund der Umstände. Der Gegensatz von Wir und Ich ist absurd. Weil es ein Wir gibt, gibt es ein Ich.
Vor der Lesung _ Juan S.Guse
Wann hast Du zu schreiben begonnen?
Als ich angefangen habe zu lesen, mit siebzehn oder so.
Wie hast Du den 46.Bachmannpreis in Klagenfurt erlebt?
Super. Ich hatte nicht so viel Wissen darüber, wie es läuft. Sehr unterhaltsam in allem, das finde ich toll.
Wie hast Du die Jurydiskussion wahrgenommen?
Gut. Ich hätte gedacht, ich bekomme mehr auf die Nase. Gerade weil auch Hannes Stein im Text Phantastik hatte, mehr als ich, dachte ich, da falle ich in denselben Eimer. Das war aber nicht ganz so, oder nur halb.
Juan S. Guse (D), KELAG-Preisträger 2022
Lieber Juan, herzlichen Dank für das Interview und das Dabeisein in Klagenfurt, viel Freude und Erfolg weiterhin!
Im Interview _ Juan S. Guse (D), KELAG-Preisträger 2022
Ankommen am Tag der Preisverleihung _ Usama Al Shahmani, CH/IQ, Bachmannpreisteilnehmer 2022
Lieber Usama, herzlichen Dank für Deine Lesung und das Dabeisein in Klagenfurt!
Wo liegen Wurzeln, Inspirationen Deines beeindruckenden Textes?
Es sind die zwei Kulturen, mit und zwischen denen ich lebe. Das sind Gefäße, aus denen ich meine Literatur, die Kraft dazu, schöpfe. Die Sprache, die Geschichten meiner Großmutter, die sie mir in meiner Kindheit erzählte, sind ein wesentlicher Teil davon.
Lesung _ Usama Al Shahmani, CH/IQ _ Gartenbühne ORF
Sind die Erzählungen Deiner Großmutter unmittelbarer Impuls, Beginn Deines Schreibens gewesen?
Ich würde sagen, diese Erzählungen sind eine Quelle meines Schreibens. Das Bedürfnis auf diese Art und Weise mündlich zu erzählen, ist in der arabischen Kultur sehr verankert.
Das ist schon eine Qualität, wenn man das als Kind erlebt hat. Es muss nicht zwingend sein, aber es kann die Liebe zur Sprache inspirieren, wie Kommunikation an sich. Bei mir ist das bis heute so.
Wie haben sich in Deinem Schreiben jetzt die Sprachebenen der Herkunft und dann im neuen Ankommen verbunden, entwickelt?
Diese Ebenen stehen natürlich für zwei Kulturen, zwei Sprachen, auch die Spannungen zwischen zwei Sprachen. In diesem „Labor“ kommen immer wieder neue Fragmente, Fakten und stellen zunächst für mich etwas Neues dar. Da sind viele Farben, die zusammenkommen und etwas Neues bilden.
Du schreibst Prosa und Lyrik. In welchen Sprachen?
Prosa schreibe ich in Deutsch, Lyrik auf Arabisch.
Werden Deine Texte auch übersetzt in die jeweils andere Sprache?
Meine Prosa ist nur in Deutsch. Da gibt es keine arabische Übersetzung, keine arabische Version.
Von einem Teil meiner Gedichte, die ich im Arabischen geschrieben habe, habe ich auch deutsche Übersetzungen gemacht. Ein Teil wartet noch auf die Übersetzung.
Im Prozess der Übersetzung meiner Gedichte kommt oft auch ein neues Gedicht heraus (lacht).
Wie hast Du die Jurydiskussion wahrgenommen?
Es hat mir sehr gefallen. Ich finde die Kriterien der Literaturkritik sehr interessant, wie sie sich entwickeln, ausweiten, um Ebenen der Sprache zu betrachten.
Wie hast Du den 46.Bachmannpreis erlebt?
Sehr sozial, sehr kommunikativ, sehr schön.
Ankommen am Tag der Preisverleihung _ Usama Al Shahmani, Elias Hirschl, Juan S.Guse, Behzad Karim Khani, Leona Stahlmann, Andreas Moster _ Bachmannpreisteilnehmer 2022 Im ORF Garten _Usama Al Shahmani, CH/IQ, Bachmannpreisteilnehmer 2022
Lieber Usama, herzlichen Dank für das Interview und das Dabeisein in Klagenfurt, viel Freude und Erfolg weiterhin!
Im Interview _ Usama Al Shahmani, CH/IQ, Bachmannpreisteilnehmer 2022