GIVE PEACE A CHANCE
Gegen halb fünf
Im Nieselregen (Hamburg) steigen Yuliia, Georgii, Natalia und Nika aus einem Mercedes
V8, ich weiß nicht, keine Ahnung von Zündkerzen, von Motoren, ob ein Panzer Zündkerzen braucht, auf jeden Fall aber aus
Einem Mercedes (der Stern).
Polen, dort ist mein Mann, sagt Yuliia, eine Woche vor dem Krieg nach Polen, zum Arbeiten.
Ein Glück.
Aber Natalias Mann, sagt Yuliia, ist immer noch dort. Kiev.
Ceylon-Tee, unsere Nachbarn haben nichts anderes. Wir trinken ihn schwarz, in winzigen Schlucken zwischen den Blicken aufs Handy, do you have wi-fi, weil Natalias Mann so lange überlebt, wie sein Gesicht im Display aufscheint, die Stirn müde, in Falten.
Es sind Nudeln für euch da, sage ich, Kekse und Sauce.
Auf dem Klavier spielt Georgii und singt:
Cold Heart, Dua Lipa
Hannover, dort waren sie zuletzt.
Aus dem Hotel mussten sie ausziehen, jetzt ein paar Tage hier, dann weiter. Papiere, Anmelden, Behörde, Schule. We all gonna learn German, it’s a chance for us, I tell Georgii, but he misses his friends.
Nicht nur die Freunde, alles andere auch.
Chaos im Flur. Sie schieben die Plastiktüten (irritierend für mein grünes Auge, darin das Nötigste) eng zusammen, wollen nicht im Weg stehen, nicht zur Last fallen. Bald weiter, soon gone. We are
Embarrassed.
Andreas Moster, 7.4.2022

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:
Andreas Moster_Schriftsteller, Übersetzer
https://www.w1-media.de/produkte/kleine-palaeste-376207?verlag=arche
Foto_Heike Blenk
Walter Pobaschnig _ 7.4.2022.