„Galgenhumor braucht man“ Ulrike Haidacher, Kabarettistin, Schriftstellerin _ Give Peace A Chance _ Wien 21.12.2022

GIVE PEACE A CHANCE


Galgenhumor braucht man

Immer oder ist das falsch

Vieles weiß ich nicht

Eh du auch nicht, oder?



Plastik stört

Ebenfalls beim Besserwerden

Auch du bist gemeint, ja du

Creme dich nicht ein mit deinem

Ego



Arsch, du

Come on

Hüte dich vor allem

Auch vor dir selbst

Nabel der Welt, der du nicht bist, schon wieder dieses

C, jetzt ist es schon wieder da

Ende ist keines in Sicht


Ulrike Haidacher, 19.12.2022

Ulrike Haidacher_Kabarettistin, Schriftstellerin


Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Ulrike Haidacher_Kabarettistin, Schriftstellerin

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Foto_Walter Pobaschnig 12/21

Walter Pobaschnig _ 19.12.2022.

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„Garder, autrefois, les roses calmes et tendres / Gestern die Rosen, ruhig und sanft“ Sabine Aussenac, Schriftstellerin _ Give Peace A Chance _ Toulouse/FRA 20.12.2022

GIVE PEACE A CHANCE


Et cette clef


Garder, autrefois, les roses calmes et tendres,

imaginer au jardin leur

vol en allégresse et éclat. Aujourd’hui terre brûlée

envahie de tombes si nombreuses,

poupées si esseulées dans les ruines,

en état de sidération, comme si les enfants

avaient disparu tout d’un coup.

Chorégies du silence parcourant des prairies dévastées.

En terres lointaines cyprès et parfums de citrons… Là

aussi, la mer saigne, poissons dévorant des cadavres d’enfants,

chaos, cris, on a fui la guerre et la faim :

horizon rougi d’une aurore où l’espérance se noie.

Alliance des nations en souffrance

nichées en chaque coin du monde, et cette

clef : paix, ontologique réponse, héritage

en avenir et en rêves : Give Peace A Chance !



Give Peace A Chance

Und diese Chiffre

Gestern die Rosen, ruhig und sanft,

im Garten fast fliegend

vor Freude und Glanz. Heute kahle

Erde, die Gräber so viel,

Puppen so einsam, in Ruinen

erstarrt, als seien die Kinder

auf einmal verschwunden.

Chöre des Schweigens walten durch verwüstete Wiesen.

Entfernte Gegend, Zypresse und Zitronenduft…

Auch das Meer blutet, Fische fressend Kinderleichen,

Chaos, Schreie, man floh vor Krieg und

Hunger und nun ertrinkt die Hoffnung im Morgenrot.

An allen Ecken der Welt eine einzige

Nation des Leidens und diese

Chiffre: Frieden, die Urantwort,

Erbe, Zukunft und Traum: Give Peace A Chance!


Sabine Aussenac, 30.11.2022

Sabine Aussenac, Schriftstellerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Sabine Aussenac, Schriftstellerin

Zur Person:

Sabine Aussenac wuchs zwischen Mittelmeerlichtern und Tannenwäldern auf, pendelte oft zwischen Rhein und Garonne. Sie arbeitet als Deutschlehrerin in der „rosa Stadt“ Toulouse und schreibt Gedichte, Romane, Kurzgeschichten… Ihre Richtlinien: Frauenrechte, Lyrik, Shoah und Engagement gegen Antisemitismus, deutsch-französische Beziehungen… Meistens schreibt sie auf Französisch, aber manchmal auch auf Deutsch. Ihr letztes Buch ist ein Essay über Rose Ausländer, die sie auch übersetzt. Sie promoviert gerade über drei Worpsweder Künstlerinnen. Wien gehört zu ihren Lieblingsstädten!

https://sabine-aussenac-dichtung.blogspot.com/

https://sabineaussenac.blog/

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Walter Pobaschnig _ 30.11.2022.

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„Am Arbeitsweg entstehen viele Haiku“ Gero Ulbricht, Schriftsteller _ Berlin 20.12.2022

Lieber Gero, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Nach dem Aufstehen in Ruhe frühstücken, dann zur Arbeit. Der Weg von Haustür zu Haustür ist in 110 Minuten zu bewältigen. Ich bin in einem Seniorenheim tätig und erlebe viele Situationen, die mich inspirieren. Den Arbeitsweg nutze ich häufig für mein Training, es entstehen viele Haiku. Wenn die Energie nicht verbraucht ist, formuliere ich noch ein wenig und schreibe die Gedanken nieder oder ich arbeite an einem Bild. An erster Stelle steht für mich jedoch der Austausch mit meiner Frau.

Gero Ulbricht, Schriftsteller

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Bei aller Unruhe und Unsicherheit sollten wir uns der hervorragenden Erkenntnisse vorheriger Generationen erinnern,  Schwierigkeiten gab es schon immer und auch deren Lösung. Am wenigsten nutzt Panikmache. Klarheit und Konsequenz sind m.E. erforderlich.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Kunst als Ganzes, hier sehe ich alle Genres, ist wichtig für die Aufklärung, den Humor, die  Stille und die Ablenkung. Wenn die Kunst stirbt,  stirbt das Menschliche in uns. Die Stilllegung der Kunst in der ersten Phase der Pandemie hat das verdeutlicht und das sollte nie wieder geschehen. Mit dem Beginn des Krieges in der Ukraine ist auch hier klar geworden, was Kunst vermag. Das ist in vielen aktuellen Ausstellungen und in Veröffentlichungen erkennbar, welche durch osteuropäische Künstlerinnen und Künstler bereichert werden.

Was liest Du derzeit?

Thomas Collmer „Pfeile gegen die Sonne – Der Dichter Jim Morrison„ und Lawrence Ferlinghetti „Little Boy“. Es ist ein wenig Flucht ins Vergangene, jedoch auch sprachliche Lust am Wort. Außerdem lese ich verschiedene Veröffentlichungen befreundeter Lyrikerinnen und Lyriker mit großer Freude.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Beginne dort, wo du bist, warte nicht auf bessere Umstände. Sie kommen automatisch in dem Moment, wo du beginnst.
Dieses Zitat von Petra Kelly ist mein Antrieb.

Vielen Dank für das Interview lieber Gero, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Gero Ulbricht, Schriftsteller

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21.11.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Chancen verstehen und wahrnehmen“ Sabine Foraboschi, Schriftstellerin _ Give Peace A Chance _ Kurtatsch/Südtirol 19.12.2022

GIVE PEACE A CHANCE


G egen den Krieg

I m Namen des Friedens

V erblasst der Hass

E rwacht das Gute

P eace

E in Wort, das im Kleinen beginnt

A ber oft an der Umsetzung scheitert

C hancen auf eine Welt in Frieden

E in Hoffnungsschimmer der Generationen vereint

A lles ist Frieden und ohne Frieden ist nichts

C hancen gibt es viele

H eute und morgen

A uf ein Leben ohne Streit

N eid und Missgunst

C hancen verstehen und wahrnehmen

E iner, alle, jeder in seinem täglichen Umfeld

…alle zusammen, für mehr Frieden in der Welt


Sabine Foraboschi, 30.11.2022

Sabine Foraboschi, Schriftstellerin 

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Sabine Foraboschi, Schriftstellerin 

Zur Person: Sabine Foraboschi, Schriftstellerin, geboren in Bruneck, wohnhaft in Kurtatsch. Veröffentlichungen von Büchern sowie Texten in verschiedenen Zeitschriften.

Foto_privat

Walter Pobaschnig _ 30.11.2022.

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„Die Stille. Solidarität. Das Ende des Patriarchats.“ Elisabeth Weilenmann, Autorin und Regisseurin _ Wien 19.12.2022

Liebe Elisabeth, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Um Punkt 6 Uhr läutet der Wecker. Ich heize ein, begleite meinen Sohn zur Schule, arbeite. Ich schreibe, inszeniere, denke. Nachmittags bringe ich meinen Sohn zum Klettern oder wir spielen oder wir gehen in den Wald oder wir beobachten den Himmel. Denn Oskar möchte eines Tages zum Mars fliegen.

Elisabeth Weilenmann, Autorin und Regisseurin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Innehalten. Der Moment. Die Stille. Solidarität. Das Ende des Patriarchats. Demokratie.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Wenn Du es eilig hast, dann mache einen Umweg. Das sagte die Schriftstellerin Brigitte Schwaiger vor Jahren zu mir. Es ist ein buddhistisches Sprichwort. Und ich schaffe es nur mäßig danach zu leben. Aber ich denke, dass es wichtig ist, das Leben Schritt für Schritt zu gehen, nicht zu hetzen, stehen zu bleiben, in die Natur zu gehen, zu begreifen, dass wir aus ihr hervorgegangen sind. Kunst spielt in diesem Prozess eine wesentliche Rolle, nämlich die des (auch schmerzhaften) Spiegels, nicht die des Verführers (und ich schreibe hier sehr bewusst dieses Wort NICHT in der weiblichen Form).

Was liest Du derzeit?

Heimat bist du toter Töchter

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

An allem Unfug, der passiert, sind nicht nur die Schuld, die ihn tun, sondern auch die, die ihn nicht verhindern. ERICH KÄSTNER.

Vielen Dank für das Interview liebe Elisabeth, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literatur-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Elisabeth Weilenmann, Autorin und Regisseurin

Zur Person_Elisabeth Weilenmann wurde als dritte von sechs Töchtern geboren. Sie wuchs auf dem Land auf – inmitten von Blumen, Kühen, Schafen, Wäldern und alten Strukturen. Nach der Matura ging sie ein Jahr nach Frankreich, kam zurück und studierte Kommunikations-und Politikwissenschaften, sowie die französische Sprache. Ihr erstes Hörspiel MEIN KÖRPER IST EIN SCHLACHTFELD schrieb sie 2008. Es folgten über 40 Stücke für diverse Sender (NDR,DLF, ORF, SRF, BR, HR, MDR). Sie gewann zahlreiche Preise (u.a Hörspiel des Jahres, Hörspielpreis der Kritik, Silver Radio Award, Prix Europa)

http://www.elisabethweilenmann.com

Foto_privat.

14.12.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Gestern von schwarzen Raben geträumt“ Eva Schreiber, Schriftstellerin _ Give Peace A Chance _ Winden am See 18.12.2022

GIVE PEACE A CHANCE


Gestern von schwarzen Raben geträumt,

Im Kreis flogen sie, gefolgt

Von einem weißen Schwan,

Einer weißen Schwänin, wer weiß das schon so genau?

Prächtig anzuschauen wars jedenfalls,

Ein Spektakel.

Aber was soll es bedeuten?

Chiffre wofür?

Ein Rätsel das alles.

Aber so schnell geben wir nicht auf.

Cut. Und wie weiter?

Halt, ich glaub, ich habs!

Am Ruf sollen wir sie erkennen,

Nur am Ruf. Knacken wir den

Code, machen wir die Augen zu und lauschen wir dem

Erhebenden Gesang und dann der Stille.


Eva Schreiber, 28.11.2022

Eva Schreiber, Schriftstellerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Eva Schreiber, Schriftstellerin und Fotografin

Foto_Birgit Machtinger


Walter Pobaschnig _ 28.11.2022.

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„Wir brauchen tiefe, aufrichtige Gefühle“ Martina Riegler, Schauspielerin/Tänzerin _ Wien 18.12.2022

Liebe Martina, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Jeder Tag ist im Moment anders, weil so viele verschiedene Projekte gleichzeitig anstehen. Für jedes einzelne davon bin ich allerdings sehr dankbar und genieße es, wie ein kleines Kind wieder auf der Bühne stehen zu können. Mein Kaffee am Morgen bleibt von all der Abwechslung jedoch unberührt. 😉

Martina Riegler, Schauspielerin/Tänzerin   

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Einfach mal zuhören! Wir sind alle so lösungsorientiert unterwegs, dass wir dabei oftmals vergessen, dass die meisten von uns doch einfach nur ein offenes Ohr und eine Schulter zum Anlehnen brauchen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Kunst ist nicht oberflächlich. Kunst gräbt tief. Manchmal schmerzhaft tief, sie lässt uns auflachen, macht uns wütend, bringt uns in Verbindung mit unseren Gefühlen und gibt vor allem Raum, diese auch zuzulassen.

….und ich denke, das ist es, was wir alle jetzt brauchen. Tiefe, aufrichtige Gefühle. Den Mut einander mit offenem Herzen zu begegnen.

Was liest Du derzeit?

Brida von Paulo Coelho.

Generell kann ich seine Bücher sehr empfehlen (Der Alchimist, 11 Minuten)

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Niemand kann vor der Stimme seines Herzens fliehen. Deshalb ist es besser, darauf zu hören. – Paulo Coelho

Martina Riegler, Schauspielerin/Tänzerin   

Vielen Dank für das Interview liebe Martina, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Theater-, Schauspiel-, Tanzprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Martina Riegler, Schauspielerin/Tänzerin

Fotos_1 Claus Rapp; 2 Flora Hübl,

12.12.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Graue Spinnfäden von Nosferatu suppen wie Nebel über den Gräben“ Pola Polanski, Schriftstellerin, Künstlerin _ Give Peace A Chance _ Stuttgart 17.12.2022

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Graue Spinnfäden von Nosferatu suppen wie Nebel über den Gräben

Pistolen feuern im Äther

Anti-Kriegsmahnungen sammeln die Frauen in ihren Körben

Chemiebomben der Männer regnen über die Häfen der Erde

Pola Polanski, 11.12.2022

Pola Polanski, Schriftstellerin, Künstlerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Pola Polanski, Schriftstellerin, Künstlerin

Zur Person_

Pola Polanski ist Grafikerin und hat 1998-2015 in Werbeagenturen und Verlagen gearbeitet; seit 2016 ist sie freischaffende Künstlerin, Grafikerin und Schriftstellerin und hat 2018-2020 ein Fernstudium ‹Prosaschreiben› bei der Textmanufaktur absolviert. Ihr literarisches Schaffen kreist derzeit um ihren eigenen, immer wieder von Dämonen verschütteten Lebensweg und ähnliche Frauenschicksale aus ihrer Umgebung. Stets überschneiden und durchdringen sich mehrere Erzählebenen und Textsorten in einem dichten Geflecht. Pola Polanski hat gerade in kurzer Folge 7 Romane im Genre Autofiction veröffentlicht: erst ‹Abschied›, ‹Ich bin Virginia Woolf›, ‹Geile Farben› (alle 2020), dann ‹Die schwarzen Engel›, ‹Das Wolfsbaby›, ‹Mein Alter Ego›, ‹Von der Jagd nach Vögeln› (alle underDog-Verlag, Hamburg, 2021). Sie hat zahlreiche Fortbildungen über literarisches Schreiben und autobiographisches Schreiben absolviert und nimmt regelmäßig an Romanwerkstätten im Schriftstellerhaus Stuttgart teil.

Romane

Alle Fotos_Pola Polanski

Walter Pobaschnig _ 11.12.2022.

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„Romy Schneiders Spiel hat eine tiefe realistische Nähe“ Mariana De Meo, Pantomimin _ 40.Todesjahr Romy Schneider _ Wien 17.12.2022

Mariana De Meo, Pantomimin, Schauspielerin _ Wien _
acting Romy Schneider, Schauspielerin (*1938 +1982) _

40.Todesjahr Romy Schneider
Mariana De Meo, Pantomimin, Schauspielerin _ Wien _
acting Romy Schneider, Schauspielerin (*1938 +1982) _

40.Todesjahr Romy Schneider

Liebe Mariana, welche Bezüge, Zugänge gibt es von Dir zu Romy Schneider?

Zuhause hatten wir ein großes Romy Schneider Fotoalbum. Ich war ein Schulmädchen, als mein Vater es mir zum Geschenk machte. Ich hatte noch nie eine so schönere Frau gesehen. Ich habe Stunden damit verbracht, es immer wieder durchzublättern. Von ihrer Ausstrahlung konnte ich nicht genug bekommen.

Sie war eine großartige Schauspielerin, sie beherrschte alles, von Komödie bis Drama und sie war darin immer sehr gut.

Das Magische an Romy Scheider war ihre Fähigkeit die Rollen-Charaktere in eine tiefe realistische Nähe zu führen und lebendig werden zu lassen. Das ist einzigartig.

Gibt es einen Film von Romy Schneider, den Du hervorheben möchtest und warum?

All ihre Filme mit Michel Piccoli.

Romy Schneider spielte in ihren Filmrollen sehr intensiv und ausdrucksstark, auch körperlich, und ging bis an die Grenzen des persönlich Möglichen. Etwa in den Filmen „Nachtblende“, „Trio infernale“ oder „Die Spaziergängerin von Sans-Souci“. Wie siehst Du als Künstlerin die Darstellerin Romy Schneider in Ihrem Kunstgenre?

Ich habe meinen Abschluss in Pantomime an der Akademie für Theater- und Filmkunst in Sofia, Bulgarien absolviert. Obwohl ich Pantomime studierte, sagten mir alle, ich sehe aus wie Romy Schneider.

Was ist als Schauspielerin wesentlich, um das Publikum erreichen, berühren und begeistern zu können?

Es ist wichtig, sich selbst zu vergessen. Mit seiner Rolle zu verschmelzen, Ego und Vorurteile zu vergessen.

Gibt es Momente in der Kunst, in der sich gleichsam die Kontrolle verlieren kann? Und wenn ja, was holt einen dann zurück?

Wenn du nicht zurückkannst, dann bist du nicht für diesen Beruf gemacht. Dann riskierst du, verrückt zu werden. Klappe, fang an und du bist es nicht. Klappe, Ende und das Leben geht weiter, wo du es verlassen hast. Es ist wunderbar, wie eine Zeitreise.

Es gibt von Romy Schneider sehr viele Fotoserien. Gibt es eine Serie, die Du hervorheben möchtest?

Besonders gefallen mir ihre Schwarz-Weiß-Fotos

Wie siehst Du das Spannungsverhältnis von Öffentlichkeit und Schauspielberuf bei Romy Schneider wie an sich im Kunstberuf?

Der Mangel an persönlichem Raum, an einem Privatleben, war für sie erschreckend. Ich habe Aufnahmen von der Beerdigung ihres Sohnes gesehen und die Veröffentlichung des Bildes ihres toten Kindes im Krankenhaus war für sie ein Schock. Auch ihre anschließende Krankenhauseinweisung wurde ausspioniert. Ja, vielleicht ist das das richtige Wort Spionage. So etwas kann man kaum ertragen.

Romy Schneider wechselte nach großen Schauspielerfolgen in den 1950er Jahren das Filmgenre wie das Land. Wie siehst Du die Möglichkeiten persönlichen Entwicklungsweges im Kunstberuf?

Sie selbst sagte, dass Frankreich ihr das bietet, was sie braucht. Deshalb sind ihre besten Filme und Jahre dort anzusiedeln. Nicht jeder Künstler muss Länder oder Genres wechseln, um erfolgreich zu sein. Mir ist ein Paradoxon passiert. In Bulgarien habe ich nach meinem Abschluss an der Akademie keine Pantomime gemacht. Ich habe 23 Jahre lang pausiert. Als ich in Wien ankam, kehrte ich zu dieser Kunst zurück.

Wie war Dein Weg zur Pantomime und welche Erfahrungen hast in Wien gemacht?

Ich habe die Pantomime kennengelernt, als ich 10 Jahre alt war. In den kommunistischen Ländern gab es Pionierheime, in denen Kinder verschiedene kostenlose Kurse besuchen konnten. Ich bin zufällig auf einen Pantomime Kurs gestoßen und geblieben. Westliche Filme und Fernsehprogramme waren verboten. Das heißt, es gab keinen Ort, um Pantomime zu sehen und zu studieren. Viel später konnte ich Marcel Marceau beobachten. Ein Stück von Samy Molcho „Vogel und Jäger“ hat mich inspiriert und mir bei den Academy-Prüfungen geholfen.

25 Jahre später hatte ich die Ehre, ihn, für mich den größten Pantomimen, kennenzulernen und sogar mit ihm zusammenzuarbeiten. Samy Molcho ist der Mentor der Vorstellung, die ich gerade mit meinem Kollegen und seinem Schüler Roman-Maria Müller darstelle.

Was wünscht Du Dir für den Schauspielberuf?

Ich würde gerne mindestens eine weitere Show in Inspiration und Kooperation mit Samy Molcho machen.

Was sind Deine kommenden Projekte?

Ich werde versuchen, finanzielle Förderung zu bekommen und ein Pantomime Festival zu organisieren. Ich werde die besten Mimen einladen. Samy Molcho sagt: „Diese Kunst stirbt, wird aber jedes Mal wiedergeboren, wenn jemand sie gut spielt“

Was möchtest Du Schauspielstudenten*innen mitgeben?

Sei nicht eitel.

Wie siehst Du die Umstände des Todes von Romy Schneider?

Noch immer kann niemand beweisen, ob es Selbstmord war oder nicht.

Was würdest Du Romy Schneider sagen, fragen wollen?

Es bleibt mir unerklärlich, wie es ihrer kleinen Tochter nicht gelingt, ihren Lebenswillen wiederherzustellen. Die Depression, in die sie nach dem Tod ihres Sohnes verfiel, konnte sie trotz eines weiteren Kindes nicht überwinden. Ich würde sie fragen: „Warum ist ihre Tochter nicht so wichtig?“

Was kann eine Künstlerin von Romy Schneiders Werk und Leben mitnehmen?

Ihre Natürlichkeit.

Darf ich Dich abschließend zu einem Romy Achrostikon bitten?

R         Raster

O         Orchidee

M        Meer

Y         yesterday

Mariana De Meo, Pantomimin, Schauspielerin _ Wien _
acting Romy Schneider, Schauspielerin (*1938 +1982) _

40.Todesjahr Romy Schneider

40.Todesjahr _ Romy Schneider, Schauspielerin (*1938 Wien +1982 Paris) _ im Gespräch und szenischem Fotoporträt_acting Romy Schneider

Mariana De Meo, Pantomimin, Schauspielerin _Wien

https://www.pantomima.eu/mariana-de-meo

Interview und alle Fotos_Walter Pobaschnig _Wien_11.2022

Walter Pobaschnig

https://literaturoutdoors.com 12/22

„miteinander im Austausch zu bleiben, zu reden und zuzuhören“ Nora Winkler, Theatermacherin/Schauspielerin _ Graz 17.12.2022

Liebe Nora, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Mein Tag beginnt mit einem Espresso und einer Tasse grünen Tee, die ich beide am Balkon trinke. Zu jeder Jahreszeit. Momentan muss ich mich ein bisschen dazu zwingen, aber ich hab einen sehr warmen, übergroßen Pullover, fast wie eine Decke, und es zahlt sich dann doch immer aus. Ich mag Rituale. Meine Tage verlaufen immer sehr unterschiedlich, weil ich in so vielen verschiedenen Projekten arbeite. Proben, Vorstellungen, Aufbau, Abbau, Besprechungen, dazwischen 517 Mails, Zugfahrten, Projektabrechnungen und wieder Proben für ein anderes Stück. Einmal hatte ich in drei Tagen fünf Vorstellungen von drei verschiedenen Stücken in drei Städten. Das war arg, aber kommt auch nicht jede Woche vor. Und notfalls kann man den Tee ja auch mal in einer Thermoskanne mitnehmen.

Nora Winkler_Theatermacherin/Schauspielerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich merke es bei mir selbst, dass ich manchmal so vom Weltschmerz übermannt werde, dass ich mich nur noch zurückziehen will und mich in Gedanken vergrabe. Wenn ich dann doch darüber rede, geht es mir viel besser, und gleichzeitig merke ich, dass es den anderen auch so geht. Es ist so wichtig, miteinander in Austausch zu bleiben, zu reden und zuzuhören. Und den Mut nicht zu verlieren.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Im Theater kann Raum geschaffen werden, gemeinsam zu reflektieren, zu fantasieren und neue Denkmuster zu erproben. Das kann natürlich nützlich sein oder überhaupt nicht, was weiß man schon.

Was liest Du derzeit?

“Die Party” von Ulrike Haidacher.

 Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Das ist kein Zitat, sondern paraphrasiert: Kurz vor 1900 dachte man, London werde in wenigen Jahren in drei Meter Pferdemist untergehen, dann kam das Auto. Man sollte also mit dem Unvorhersehbaren rechnen. Ob das jetzt positiv oder negativ zu bewerten ist, weiß ich nicht, aber es beruhigt mich irgendwie.

Vielen Dank für das Interview liebe Nora, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Theater-, Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Nora Winkler_Theatermacherin/Schauspielerin

Foto_Clemens Nestroy

12.12.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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