„miteinander im Austausch zu bleiben, zu reden und zuzuhören“ Nora Winkler, Theatermacherin/Schauspielerin _ Graz 17.12.2022

Liebe Nora, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Mein Tag beginnt mit einem Espresso und einer Tasse grünen Tee, die ich beide am Balkon trinke. Zu jeder Jahreszeit. Momentan muss ich mich ein bisschen dazu zwingen, aber ich hab einen sehr warmen, übergroßen Pullover, fast wie eine Decke, und es zahlt sich dann doch immer aus. Ich mag Rituale. Meine Tage verlaufen immer sehr unterschiedlich, weil ich in so vielen verschiedenen Projekten arbeite. Proben, Vorstellungen, Aufbau, Abbau, Besprechungen, dazwischen 517 Mails, Zugfahrten, Projektabrechnungen und wieder Proben für ein anderes Stück. Einmal hatte ich in drei Tagen fünf Vorstellungen von drei verschiedenen Stücken in drei Städten. Das war arg, aber kommt auch nicht jede Woche vor. Und notfalls kann man den Tee ja auch mal in einer Thermoskanne mitnehmen.

Nora Winkler_Theatermacherin/Schauspielerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich merke es bei mir selbst, dass ich manchmal so vom Weltschmerz übermannt werde, dass ich mich nur noch zurückziehen will und mich in Gedanken vergrabe. Wenn ich dann doch darüber rede, geht es mir viel besser, und gleichzeitig merke ich, dass es den anderen auch so geht. Es ist so wichtig, miteinander in Austausch zu bleiben, zu reden und zuzuhören. Und den Mut nicht zu verlieren.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Im Theater kann Raum geschaffen werden, gemeinsam zu reflektieren, zu fantasieren und neue Denkmuster zu erproben. Das kann natürlich nützlich sein oder überhaupt nicht, was weiß man schon.

Was liest Du derzeit?

“Die Party” von Ulrike Haidacher.

 Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Das ist kein Zitat, sondern paraphrasiert: Kurz vor 1900 dachte man, London werde in wenigen Jahren in drei Meter Pferdemist untergehen, dann kam das Auto. Man sollte also mit dem Unvorhersehbaren rechnen. Ob das jetzt positiv oder negativ zu bewerten ist, weiß ich nicht, aber es beruhigt mich irgendwie.

Vielen Dank für das Interview liebe Nora, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Theater-, Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Nora Winkler_Theatermacherin/Schauspielerin

Foto_Clemens Nestroy

12.12.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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