Bachmannpreis 2023 _ „dass die Jury ohne Vorkenntnisse der Texte urteilt, finde ich als Idee weiterhin sehr reizvoll“ Thomas Strässle, Bachmannpreisjuror _Zürich 12.4.2023

Lieber Thomas Strässle, in knapp drei Monaten beginnt der 46. Bachmannpreis in Klagenfurt. Du bist heuer erstmals in der Jury. Wie kam es dazu und wie gehst Du auf Klagenfurt zu?

Wie es dazu kam, kann ich nicht genau sagen. Ich erhielt einen Anruf des ORF, in dem mir mitgeteilt wurde, ich sei in die Klagenfurter Jury „berufen“ worden. Ich freute mich natürlich, erbat mir aber auch Bedenkzeit. Schließlich sagte ich zu. Wie ich auf Klagenfurt zugehe? Ohne bestimmte Erwartung, aber mit gespannter Vorfreude.

Thomas Strässle, Bachmannpreisjuror _
Literaturwissenschaftler, Autor

Welche Schriftsteller:innen, Bachmannpreissieger:innen, Texte, Ereignisse sind Dir spontan zu Klagenfurt in Erinnerung?

Es kommen mir viele in den Sinn, aber besonders gut erinnere ich mich an Hermann Burgers Wasserfallfinsternis von Badgastein, den Siegertext von 1985. Ich kannte Burger durch mein Elternhaus schon als Kind, er war der erste Schriftsteller, den ich aus der Nähe erlebte. Und ich weiß noch genau, wie triumphal er damals aus Klagenfurt zurückkehrte und von sich selber nur noch in der dritten Person als „The Number One“ sprach. Klagenfurt hat seine Manie auf die Spitze getrieben, die Depression danach muss umso schlimmer gewesen sein.

Warst Du auch in den vergangenen Jahren vor Ort?

Ich war noch überhaupt nie da!

Du bist Hochschulprofessor für Literatur in Zürich und Bern und Kritiker im „Literaturclub“ des Schweizer Fernsehens SRF. In Deinen Publikationen hast Du etwa über „Salz. Eine Literaturgeschichte“ (Hanser 2009) und „Gelassenheit. Über eine andere Haltung zur Welt“ (Hanser 2013) publiziert. Was ist für Dich das „Salz“ des Bachmannpreises und die „Gelassenheit“?

Ursprünglich war das Salz des Bachmannpreises, dass die Jury ihre Urteile ohne Vorkenntnisse der Texte treffen musste. Man konnte ihr bei der Urteilsfindung zusehen. Das war natürlich mit viel Risiko verbunden, aber ich finde die Idee weiterhin sehr reizvoll, das Setting ist attraktiv und spontan und auch demokratisch, weil Publikum und Jury dieselbe Ausgangslage haben. Die Gelassenheit besteht wohl darin, sich von dem ganzen Rummel rund um den Bewerb nicht allzu sehr beeindrucken zu lassen.

Welche drei Kriterien machen für Dich wesentlich eine gelungene Literaturkritik aus?

Offenheit, Nachvollziehbarkeit, Fairness.

Auf was freust Du Dich besonders in Klagenfurt und wovor hast Du auch etwas Angst?

Ich freue mich vor allem auf die Texte und die Diskussionen. Und auch auf den Rummel. Angst habe ich höchstens davor, dass mir im Eifer des Gefechts etwas rausrutscht, wofür ich mich nachher schäme.

Was wünscht Du Dir von den teilnehmenden Schriftsteller:innen und Deinen Jurykollegen:innen wie vom Publikum?

Von den teilnehmenden Schriftsteller:innen erhoffe ich mir natürlich Texte, von denen jeder einzelne den Hauptpreis verdienen würde, von den Jurykolleg:innen, dass sie klug, vergnügt und umsichtig auftreten.

Wie siehst Du die Zukunft des klassischen Buches?

Da bin ich sehr zuversichtlich. Abgesänge auf das klassische Buch haben ja ihre eigene Tradition. Wenn ich mir die Absätze von E-Books anschaue, mache ich mir wenig Sorgen um das gedruckte Buch.

„Hätten wir das Wort, hätten wir die Sprache, wir bräuchten die Waffen nicht“, sagte Ingeborg Bachmann in ihren Poetik Vorlesungen, 1959, Frankfurt. Was kann, muss Literatur angesichts des Krieges leisten?

Das ist natürlich eine schwierige Frage. Man sollte die Literatur nicht mit Aufgaben belasten, die sie überfordern. Sie kann den Krieg weder entscheiden noch beenden. Aber sie kann Stimmen hörbar und Perspektiven sichtbar machen, die uns ansonsten verschlossen blieben. Und das ist nicht wenig.

Du bist Präsident der Max Frisch-Stiftung an der ETH Zürich und Mitherausgeber von „Wir haben es nicht gut gemacht. Ingeborg Bachmann/Max Frisch: Der Briefwechsel“ (Suhrkamp 2022). Welche Herausforderungen gab es im Konzeptionsprozess und was ist für Dich das Bemerkenswerteste im literarisch-biographischen Kontext?

Dazu müsste ich weit ausholen, ich habe mich zehn Jahre lang mit diesem Briefwechsel beschäftigt. Eine besondere Schwierigkeit bei der Konzeption bestand darin, überhaupt festzulegen, was alles zu diesem Konvolut gehört, einschließlich Umkreisbriefen etc. Das Bemerkenswerteste am Briefwechsel liegt in dessen literarischer Qualität und in den Korrekturen am klassischen Bachmann/Frisch-Mythos, die nach der Veröffentlichung der Briefe nötig geworden sind.

Was schätzt Du literarisch und persönlich an Ingeborg Bachmann und Max Frisch?

Die Radikalität, mit der sie sich einander und der Literatur verschrieben haben.

Hätten Ingeborg Bachmann und Max Frisch selbst am Literaturformat Bachmannpreis teilgenommen?

Darüber lässt sich nur spekulieren. Mit anderen Worten: Ich weiß es nicht. Frisch hat ja nicht einmal an den Treffen der Gruppe 47 teilgenommen, Bachmann schon.

Welche 3 Dinge kommen unbedingt in die Reisetasche für Klagenfurt?

Sonnenbrille, Lesebrille, frische Hemden.

Thomas Strässle, Bachmannpreisjuror _
Literaturwissenschaftler, Autor

Vielen Dank für das Interview, lieber Thomas Strässle! Gutes Ankommen und viel Freude in Klagenfurt!

Zur Person_ Thomas Strässle

Thomas Strässle wurde 1972 in Baden (CH) geboren, lebt in Zürich.

Er studierte Germanistik, Philosophie und Musikwissenschaft in Zürich, Cambridge und Paris. promovierte über Grimmelshausens „Simplicissimus Teutsch“ und habilitierte sich mit einer Studie über die Symboliken des Salzes von Homer bis zur Gegenwart. Parallel dazu ließ er sich zum Flötisten ausbilden und erlangte sein Konzertdiplom „mit Auszeichnung“.

Heute ist er Leiter des spartenübergreifenden Y Instituts an der Hochschule der Künste Bern und Professor für Neuere deutsche und vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Zürich. Außerdem ist er ständiger Kritiker im „Literaturclub“ von Schweizer Fernsehen SRF und Präsident der Max Frisch-Stiftung an der ETH Zürich.

Zu seinen Publikationen zählen „Salz. Eine Literaturgeschichte“ (Hanser 2009), „Gelassenheit. Über eine andere Haltung zur Welt“ (Hanser 2013), „Fake und Fiktion. Über die Erfindung von Wahrheit“ (Hanser 2019) sowie, zusammen mit Carolin Emcke, „Für den Zweifel“ (Kampa 2022) und, als Mitherausgeber, „Wir haben es nicht gut gemacht. Ingeborg Bachmann/Max Frisch: Der Briefwechsel“ (Suhrkamp 2022).

https://bachmannpreis.orf.at/stories/3183750/

Bachmannpreis 2023_Interview

Walter Pobaschnig 4_23

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„It will be worth it and you will never ever regret it!“ Eszter Petrány, dancer _ Give Peace A Chance _ Wien 12.4.2023

GIVE PEACE A CHANCE

I always loved disappearing in the crowd and breathing the air so quietly, refusing to project any attention whatsoever, that even I believed: nobody can see me. This was and is my observing-mode, those moments when I’m able to look at the bigger picture and sink into life invisibly.

It’s a great contradiction, because as many other artists I do as well enjoy being on a stage, showing something that might surprise the audience, showing qualities that can appear as extraordinary in that specific context. Most of the time I make a splash and I swim happily on stage. What I mean with this is that nothing and nobody is black or white, and a certain amount of chaos will always remain. Being an artist is a big contradiction, not only because of my introvert side, but because while we all aim for integrity, completeness and for some sort of a value, beauty or miracle, art also has a purpose to trigger and challenge peace. James Baldwin once said: “Nobody knows what is going to happen to them from one moment to the next, or how one will bear it. This is irreducible. And it’s true for everybody. Now, it is true that the nature of society is to create, among its citizens, an illusion of safety; but it is also absolutely true that the safety is always necessarily an illusion. Artists are here to disturb the peace. They have to disturb the peace. Otherwise, chaos.” I belive that most people are aiming for some sort of a balance through life. A balance between all these contradictions, a balance between professional and private life, a balance between money and humanity, a balance between sugar and greens, shy and arrogant, Lexus and running, airplane and bike, trash and value, joy and pain, good and evil, etc… Today we miss this balance in regards tot hat greater picture. It is unbearable to see so much suffering, so much pain, so much money and evilness around. We often switch to survival mode and try to close out all that, because we don’t want to get sick, we don’t want to feel so much stress and sadness, we still want to live happily, feeling joy and beauty. I truly understand that, I often fall into that mode as well. As a Hungarian I experienced from close how good conscience can disappear from humans when power, money and the lack of knowledge overrules everything. Now an ongoing war is in the neighbour, and nobody has the power, ability or access to stop it. I do want to disturb peace when I am on stage, cause I want to show something interesting, something irregular, something extraordinary, but I wish that nobody would disturb peace when it comes to basic human rights, to the safety health and well-being of people, animals and nature. I don’t know whom to ask, but I do ask the WORLD to please, give peace a chance! It will be worth it and you will never ever regret it!


Give

Include

Vote

Evolve


Protect

Encourage

Appreciate

Change

Empower


Acknowledge


Care

Help

Allow

Notice

Challenge

Empathtize


Eszter Petrány, 31.3.23

Eszter PetrányMA
dancer, choreographer, dance educator

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Eszter PetrányMA
dancer, choreographer, dance educator

www.petrany.com

Foto_Balázs Koch

Walter Pobaschnig _ 31.3.2023

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„“Malina“ ist ein intensiver Roman, ein genaues, schmerzhaftes Hinsehen“ Karin Peschka, Schriftstellerin _Station bei Malina _ Wien 14.4.2023

Liebe Karin Peschka, wir sind hier in der Ungargasse in Wien, den literarischen Bezugsorten des Romans „Malina“ (1971) von Ingeborg Bachmann.

Welche Bezüge und Zugänge gibt es von Dir zu Ingeborg Bachmann und dem Roman Malina?

Ich habe spät begonnen, Bachmann zu lesen, und nach wie vor entdecke ich sie mit Freude und Neugier. „Malina“ ist ein intensiver Roman, ein genaues, schmerzhaftes Hinsehen, ein schriftstellerisches Unterfangen von großem Wert.

Karin Peschka, Schriftstellerin _
Romanschauplatz „Malina“ Ingeborg Bachmann (1971) _
 50.Todesjahr_Ingeborg Bachmann_ Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom)

In „Malina“ geht es auch um die Möglichkeiten von Liebe, Beziehung vor dem Hintergrund der Erfahrungen der Kindheit und des Heranwachsens in einer patriarchalen Welt. In Deinem aktuellen Roman „Dschomba“, Otto Müller Verlag/2023, steht des Heranwachsens und die Erfahrungswirklichkeit im patriarchalen „Kosmos“ eines Wirtshauses im Mittelpunkt. Wie prägend und bestimmend ist eine Kindheit darin?

Ich habe den „Wirtshaus-Kosmos“ nicht als patriarchal wahrgenommen. Ja, es stimmt, mein Großvater ist mir als eher strenger Mann in Erinnerung und mein Vater hatte eine zentrale Rolle in diesem Gefüge. Aber sowohl meine Großmutter als auch meine Mutter galten mir immer als ebenbürtige Gegenüber ihrer Männer, es gab ein spürbares Gleichgewicht. Vielleicht – oder sogar sicher – mit temporären Schwankungen auf beiden Seiten. Aber im Grunde war dieser Ausgleich bestimmt prägend für mein Bild einer erstrebenswerten Partnerschaft: sich gegenseitig Stütze zu sein, zueinander stehen, sich Freiraum geben und Eigenheiten akzeptieren.

Ungargasse _ Gasthaus „Zum alten Heller“
Ungargasse _ Frisör Herr Weber

Der Krieg in seiner Bedeutung als Generationenlast- und -aufgabe ist bei „Malina“ wie bei „Dschomba“ ein wichtiges Thema. Wie kann es gelingen vom Krieg zum Frieden in der Gegenwart und dann in den Generationen danach zu kommen?

Eine große Frage, auf die ich keine Antwort weiß.

Was hat Dich zum Thema Deines aktuellen Romans geführt?

Wie bei allen anderen Büchern: Die Lust, etwas Neues anzugehen. Und bei „Dschomba“ auch die Frage, wie es wäre, meine eigene Biographie zu korrigieren. Zu behaupten, als Kind schon vom großen Lager gewusst zu haben, das auf dem Gelände unter der Schaunburger Leithen errichtet worden war. Ohne dieses Bild zu dramatisieren, sondern es mir erzählen zu lassen von einem Fremden.

Ingeborg Bachmann hat einmal gesagt „alles Wesentliche im Leben einer Schriftstellerin passiert in der Kindheit“. Stimmst Du dem zu?

Nein, mir ist auch noch nach der Kindheit recht Wesentliches passiert. Aber ich denke, ich weiß, was sie mit diesem Satz meint.

Welche Bedeutung haben Orte in Deinem Schreiben?

Im besten Fall sind sie ein guter „Boden“ für die Erzählung, im allerbesten Fall werden sie selbst zu Protagonisten.

Welche Eindrücke hast Du von den Schauplätzen in der Ungargasse, die wir besucht haben?

Interessant! Besonders der weite Blick über die Dächer, sehr beeindruckend.

Ende April beginnt die Buchmesse in Leipzig mit dem Gastland Schwerpunkt „Österreich“. Du wirst daran teilnehmen. Welche Erwartungen und Wünsche hast Du als österreichische Schriftstellerin?

Nach den Absagen der letzten beiden Jahre: Die Messe soll stattfinden und ich gesund und munter teilnehmen können. Ich freu mich ganz egoistisch auf den Beginn der Reise, auf dem Moment, wo der Zug abfährt, ich ein Buch auspacke, meinen Kaffee trinke, ein Kipferl esse und weiß: Jetzt geht es los.

Mit Erwartungen halte ich mich lieber zurück. Wenn es gelingt, Literatur aus Österreich eine schöne Bühne zu bieten, ist  viel gelungen. Und danach sieht es im Vorfeld schon aus.

Darf ich Dich abschließend zu einem Malina Akrostichon bitten?

Meine Fähigkeit, Gedichte zu schreiben.

Akrostichon? Musste ich nachschlagen, das Wort.

Lieber das Dichten jenen überlassen, die es

In sich tragen und spüren und

Nicht wie ich darauf angewiesen sind, vom Gedicht

Angefallen zu werden. Oder an der Hand genommen.

Karin Peschka, Schriftstellerin _
Romanschauplatz „Malina“ Ingeborg Bachmann (1971) _
 50.Todesjahr_Ingeborg Bachmann_ Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom)

Vielen Dank, liebe Karin Peschka, für Deine Zeit in Wort und Bild bei „Malina“, alles Gute und viel Freude und Erfolg weiterhin!

Station bei Malina_Roman Ingeborg Bachmann_Wien_1971

Karin Peschka, Schriftstellerin _ Wien _

2023 _ 50.Todesjahr_Ingeborg Bachmann_ Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom)

Interview und alle Fotos_ Walter Pobaschnig

Aktueller Roman von Karin Peschka _

„Dschomba“ Karin Peschka. Otto Müller Verlag. 2023.

„Karin Peschkas Sprachreich ist ein Wunderland des Lebens, das überrascht, fasziniert und bereichert.“

„Dschomba“ Karin Peschka. Otto Müller Verlag.

Walter Pobaschnig, 4_23

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„Es ist Zeit für gelebten Humanismus“ Sandra Reinhart, Schriftstellerin _ Berlin 11.4.2023

Liebe Sandra, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Mein Alltag ist eigentlich immer wieder der gleiche. Familienleben, Liebesleben mit meinem Herzmann, momentan die Fortbildung… Und dazwischen sich immer wieder Freiräume schaffen, um schreiben zu können.

Ich hätte gerne mehr Raum für die Kunst! Manchmal habe ich das Gefühl, dass es mir als Frau immer noch einen Spagat abverlangt um alles unter einen Hut zu bekommen, dort braucht es mehr Gleichberechtigung.

Sandra Reinhart, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ein  aufmerksameres und liebevolleres Miteinander. Es ist definitiv eine Zeit des Umbruchs und bei all dem Irrsinn, der hier passiert, ist es  gerade unsere „kleine“ Welt, die uns jetzt Halt geben kann. Große Veränderungen fangen ja bekanntlich klein an.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Schwierige Frage…

Gesellschaftlich gesehen, wäre eine „Entgiftung des Geistes“ notwendig. Es geschieht so viel Unrecht aus Egoismus und Engstirnigkeit,  aus einem noch zu starkem patriarchalem Machtstreben heraus. Es ist Zeit für gelebten Humanismus. Was eine große Portion Mut erfordert,  sich einzugestehen, dass wir alle auf unsere eigene Art und Weise etwas ändern müssen. Wir dürfen wieder lernen, unseren Lebensraum und unsere Mitmenschen wert zu schätzen und die Welt für nachfolgende Generationen zu schützen.

Künstlerisch ist die Frage einfacher zu beantworten. Erreichen wir nur eine Person mit unserem Schaffen, dann haben wir die Welt schon ein Stückchen verändert… Und der Sinn und die Aufgabe der Kunst ist erfüllt…

Was liest Du derzeit?

Jens Böttcher: Das Leben ist sinnlos wenn du nicht liebst

Martina Laubner, Bettina Lindmeier, Anika Lübeck: Schulbegleitung in der inklusiven Schule

Gabriel Wolkenfeld: Nebelatlas

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Dieses Zitat begleitet mich schon längere Zeit:

“ Zwischen den Zeilen liegt der stille Friede des Himmels“

 Jens Böttcher

Vielen Dank für das Interview liebe Sandra, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literatur-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Sandra Reinhart, Schriftstellerin

Zur Person_

Kurzbio_Sandra Reinhart wurde am 21. Januar 1978 im Landkreis Aschaffenburg geboren. Ihre ersten literarischen Versuche machte sie im Alter von 18 Jahren.  Sie ist auch als Bloggerin aktiv. Auf Facebook betreut sie ihre Seelenherzseite.

Ihr Ziel ist es, ihre Text und Gedichte allen Menschen zugänglich zu machen. Das Gedicht Sternentraum ist 2022 in der Frankfurter Bibliothek erschienen. Regelmäßig nimmt die Autorin an Lesungen im Berliner Raum teil. Derzeit arbeitet sie an ihrem ersten Gedichtband.

Die Autorin ist Mutter von drei Kindern und lebt mit ihrem Partner in Berlin.

Foto_privat

5.3.2023_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Geliebter,“ Renate Pirker, Künstlerin _ Give Peace A Chance _ Völkermarkt 11.4.2023

GIVE PEACE A CHANCE


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Renate Pirker, 30.3.2023

Renate Pirker, Künstlerin


Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Renate Pirker, Künstlerin

Foto_privat

Walter Pobaschnig _ 30.3.2023

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„Wir brauchen zwingend mehr kitschige Sonnenaufgänge“ Sybille Lengauer, Schriftstellerin _ Haltern am See/D 10.4.2023

Liebe Sybille, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Da ich mich seit ein paar Monaten durch eine depressive Episode quäle, ist mein Tagesablauf recht monoton. Ich gehe zur Arbeit, kümmere mich um Haushalt und Tiere und verbringe sehr viel sinnentleerte Zeit auf dem Sofa. Ich esse ungesund, schlafe schlecht, sehe mir dummes Zeug im Internet an und schreibe zu wenig.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Durchatmen und einen kühlen Kopf bewahren. Unsere Welt ist komplex. Wir müssen nicht zu allem, immer eine Meinung haben.

Wir brauchen zwingend mehr kitschige Sonnenaufgänge.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Es ist alles ein ständiger Aufbruch und Neubeginn, das letzte Jahrhundert war voll davon und dieses wird nicht anders sein. Wir leben in interessanten Zeiten. Ich sehe Literatur und Kunst in vielfältigen, begleitenden Rollen. Von der Verarbeitung gesellschaftlicher Traumata bis hin zur klassischen Trivialunterhaltung – alles wird gebraucht, um uns durch die kommenden Krisen zu bringen.

Was liest Du derzeit?

„Die Brüder Karamasow“ – Dostojewski

„Flying Dutch“ – Tom Holt

„Farbatlas Nutztierrassen“ – H.H. Sambraus

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Leg die Waffe aus der Hand, Bruder.“

Vielen Dank für das Interview liebe Sybille, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Sybille Lengauer, Schriftstellerin

Zur Person_Sybille Lengauer, Jhg. 1980, Schwerpunkt Gedichte und Kurzgeschichten, Letzte VÖ „Ziemlich schlechte Nachrichten“ bei Rodneys Underground Press.

HP: hirnwichsen.wordpress.com

Foto_privat

Walter Pobaschnig _ 4.3.2023

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„Granatwerfer am Morgen“ Katrin Bernhardt, Schriftstellerin _ Give Peace A Chance _ Bad Fischau-Brunn/AUT 10.4.2023

GIVE PEACE A CHANCE


Granatwerfer am Morgen

Irrsinn der Zeit

Verlorene Leben, verlorene Träume

eines ganzen Volks, zweier Völker


Pflichtbewusst schreiten sie ins Feld

Eilen ihrem Ende entgegen und nicht in die

Arme ihrer Geliebten, ihrer Mütter

Chimäre des Krieges

Ebenbild des Todes


Albtraumhaftes Wesen


Chaos unter seiner Herrschaft

Hufe aus

atomaren Waffen

Niederlege ich dich, Kind, zwischen Polyestertüchern mit

Camouflagemuster und aufgebrochenen

entzweiten Häuserreihen


Katrin Bernhardt, 29.3.2023 

Katrin Bernhardt, Schriftstellerin, Musikerin, Künstlerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Katrin Bernhardt, Schriftstellerin, Musikerin, Künstlerin

Zur Person_

geb. 1982, Studium der Klassischen Archäologie und Philosophie an der Universität Wien, Promotion. arbeitete als PR-Assistentin, Archäologin, Lehrerin an einer Mittelschule und Projektentwicklerin

seit 06/ 2022 Fokussierung auf die Arbeit als Schriftstellerin und bildende Künstlerin

Literatur

Preise&Nominierungen

2023 Österreichische Gesellschaft für Literatur, Writer in Residence, Casa Litterarum, (geplant für 2025)

2022 Arbeitsstipendium Illustration, Bilderbuch „Dori Dachs ist heute faul“, BMKOES

2022 Artist in Residence im Künstleratelier Paliano / Italien, Land Burgenland

2005 FM4 Wortlaut, Longlist (Top 3 %)

2000 Jugendkulturpreis des Landes Burgenland

1998 Förderungspreis der Burgenlandstiftung Theodor Kery, Bereich Literatur und Publizistik

1997 Förderungspreis des Jugendliteraturwettbewerbs des Landes Burgenland

Publikationen

Derzeit Verlagssuche für den Roman „Verleumdungen“ (gefördert durch das Land Burgenland) und das selbstillustrierte Bilderbuch „Dori Dachs ist heute faul“ (gefördert durch das BMKOES)

Monographien

„Aufbrechen“, Lyrik, edition lex liszt 12, 2020.

„Auf bittere Haut geschrieben“, Lyrik, edition lex liszt 12, 2013.

„Die Gesichtslosen“, Erzählungen, Verlag Bibliothek der Provinz, 2000.

„Fluchtplan lebt nicht mehr“, Lyrik, Verlag Bibliothek der Provinz, 1998.

„Fallen ohne Aufprall“, Lyrik, Eigenverlag, 1995.

in Anthologien, Zeitschriften, im Rundfunk und Internet (Auswahl)

Literarisches Österreich. Zeitschrift des Österreichischen Schriftsteller/innenverbands, 2022, S. 12-18.

literaturhaus.at und literaturhausnö.at, Aktion „Stimmen gegen den Krieg“, 2022.

ORF, Radio Burgenland, Sendung Extra – Kunst und Kultur, 26.11.2020.

Poesiegalerie.at, mehrere Gedichte, 2020-2022.

R. Prosser, Ch: Szalay (Hrsg.), wo warn wir? ach ja: Junge Österreichische Gegenwartslyrik, Limbus, 2019.

Bibliothek deutschsprachiger Gedichte (Hrsg.), Ausgewählte Werke XXII, 2019.

ORF, Ö1, Nachtbilder, 2018.

Lichtungen – Zeitschrift für Literatur, Kunst und Zeitkritik Nr. 151/XXXVIII, 2017.

Landesschulrat Burgenland (Hrsg.), „Lesen ab 10. Gedankenplätze. Ein burgenländisches Lesebuch für Schülerinnen und Schüler der Mittelstufe“, edition lex liszt 12, 2017.

Mitgliedschaften

PEN-Club Austria

Österreichischer Schriftsteller/innenverband

IG Autorinnen Autoren

Literar-Mechana

BILDENDE KUNST

Performances, Versuchsanordnungen und Installationen zu den Themenfeldern Ritual und Gender

Malerei in Misch- und Acryltechnik auf Leinwand, Leintuch und Papier

Preise&Nominierungen

2022 Förderpreis für Bildende Kunst, Land Burgenland, shortlist

2022 Compass Festival, Leeds / UK, shortlist (Top 30)

2021 Viertelfestival NÖ 2022, Projektförderung

Ausstellungen

11/2023 Interaktive Versuchsanordnung und Ausstellung „Das letzte Hemd hat viele Taschen“, Schloss Bad Fischau (in Planung)

06/2023 Ausstellung, Pumpenhaus, Thermalbad Bad Fischau-Brunn (in Planung)

2022 Förderpreis für Bildende Kunst 2022, Kulturzentrum Mattersburg

2022 NÖ Tage der Offenen Ateliers, Bad Fischau-Brunn (solo)

2022 „Das letzte Hemd hat viele Taschen“, Ziegelmuseum Ziersdorf (solo)

2022 „Finde die Frau“, Ordination Dr. Winhofer-Stöckl, Mattersburg (solo)

2022 „Lockdown“, FORUM Bad Fischau-Brunn, Schloss Fischau

2022 „Das letzte Hemd hat viele Taschen“, Schloss Jedenspeigen (solo)

2012 „Kunstspinne“, NN-fabrik, Oslip

2010 „schik IV – Family“, schikaneder, Wien

Mitgliedschaften

Bildrecht

Kulturvernetzung Niederösterreich

Musik

2004–2013 Gründungsmitglied, Sängerin und Texterin der Band Xenesthis

Zahlreiche Supportshows für internationale Acts, Festivalauftritte und Konzerte in Österreich (u. a. Hauptbühne des Nova Rock Festivals 2009), Deutschland, Slowenien, Italien

Reviews und Interviews in internationalen und nationalen Magazinen

Musikvideo “Reflections” mit über 286.000 views

Veröffentlichungen

2011 “Thou shalt not”, LP, Come Clean Records

2010 “Chaos”, EP

2007 “Sick of pitch-black”, LP, noiseheadrecords

2006 “Shades”, EP

2006 “Straight to Infinity”, EP

2005 “Immanis”, EP

Foto_privat


Walter Pobaschnig _ 29.3.2023

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„Kunst als ehrlicher Ausdruck meiner Wahrnehmung und meines Empfindens“ Phobe Violet, Violinistin _ Station in Schönbrunn _ Wien 9.4.2023

Phoebe Violet_Violinistin, Sängerin, Komponistin, Malerin _ Wien _
Station in Schönbrunn
Phoebe Violet_Violinistin, Sängerin, Komponistin, Malerin _ Wien _
Station in Schönbrunn

Liebe Phoebe Violet, wir sind hier an einem strahlendem Frühlingsmorgen im Wiener Schloss Schönbrunn. Welche Bezüge, Zugänge gibt es von Dir zu diesem zentralen Wiener Bezugspunkt? Was schätzt Du hier besonders?

Ich bin mehrmals die Woche in Schönbrunn, meistens aus sportlichen Gründen. Ich nehme hier die Jahreszeiten wahr und die dadurch erzeugte fabelhafte Farbpalette der Natur. Die ständige Veränderung ist für mich sehr inspirierend.


Ist es auch ein Ort der künstlerischen Inspiration für Dich?

Oh ja, und wie!


Könntest Du Dir vorstellen hier im Schloss zu leben?

Nein.


Was schätzt Du am Frühling?

Die fantastische Hoffnung, dass der Winter doch ein Ende hat.


Du hast wieder einen wunderbaren Style in den Farben rot/schwarz für das Fotoshooting gewählt. Welche Überlegungen hattest Du da?

Ich dachte an die gelbe Fassade mit den dunkelgrünen Jalousien des Schlosses. Da war Rot ein guter Kontrast. Und schwarz mit goldenem Schmuck, alles leicht überdimensioniert, so wie dieser Ort. Monarchie bedeutet für mich nur das Stehlen und Ausbeutung anderer Menschen, Kulturen. Ich repräsentiere diesen Ort nicht mit Stolz, sondern eher in Form von Trauer.


Was bedeutet Dir Mode?

Ein tägliches Theaterspielen. Ich liebe es.


Es ist hier ein Ort mit viel Geschichte, persönlicher wie weltgeschichtlicher. Wie siehst Du das Leben und den frühen Tod von Kaiserin Elisabeth „Sissy“?

Ihre Geschichte ist mit viel Mythos verbunden. Ich habe mich bis jetzt nur auf oberflächlicher Art mit ihrem Leben beschäftigt. Ich glaube aber, wenn eine Person in so einem Umfeld geboren wird und aufwächst, bedeutet es kein schönes Leben. Viel Gewicht, viel Vergangenheit, viele Verhaltensregelungen. Und dann noch dazu, was es politisch bedeutet, in so einem Kreis existieren zu müssen. Für mich einen Alptraum.


Was macht für Dich Liebe, Leben aus?

Alles.


Was sind Deine kommenden Projekte?

Ich nehme Ende März mein nächstes Album auf, worauf ich mich schon sehr freue. Ein neues Stück für das großartige Ensemble “Kammerfunk” habe ich komponiert und wird am 11. April in Niederösterreich uraufgeführt, darauf freue ich mich auch sehr! Ich versuche meine neueste Komposition “Agua”, eine musikalische Tanz Performance ohne Tänzer*innen – klassische Minimalismus mit Einflüssen von Ritual und Yoruba Musik -, auf der Bühne zu bringen. Und in meiner Malerei-Welt arbeite ich gerade an einer neuen Bilderserie mit Ölfarben aus Wasserlandschaften, die meisten in Dämmerung. Das sind ungefähr meine Haupt Ankerpunkte gerade, die mir sehr viel Freude bereiten.


Welche Themen sind Dir in Deiner Musik, Kunst wichtig?

Das ändert sich ständig, je nach Projekt. Was ich immer erreichen möchte, ist ein ehrlicher Ausdruck meiner Wahrnehmung und meines Empfinden.


Wäre dies hier auch ein Ort für ein Konzert für Dich?

Ja. Der große Saal im Schloss ist wirklich wunderschön. Früher habe ich immer wieder mit Schönbrunner Schloss Orchester in dem Saal gespielt und es war jedes mal ein besonderes Gefühl. Auch in der Orangerie. Obwohl ich nicht mag, was dieses Gebäude politisch repräsentiert, kann ich auf jeden Fall die Arbeit und Energie schätzen, die hineingesteckt wurde, um so einen majestätischen Ort zu schaffen.

Was würdest Du Franz Joseph und Elisabeth von Österreich sagen, fragen wollen?

Ob sie mich kurz nach Frankreich bringen könnten, um Claude Monet und Claude Debussy kennenzulernen – ich gehe davon aus, dass ich diejenige bin, die zurück in die Zeit reist.

Darf ich Dich abschließend zu einem Schönbrunn Akrostichon bitten?

So

sChön, soll es

Heißen. Ich warte auf die

TÖne

eiNer

Blütezeit

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Unendlichen

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MeNschheit

Phoebe Violet_Violinistin, Sängerin, Komponistin, Malerin _ Wien _
Station in Schönbrunn

Station in Schönbrunn_

Phoebe Violet_Violinistin, Sängerin, Komponistin, Malerin

https://www.phoebeviolet.com/news

Interview und alle Fotos_Walter Pobaschnig _Wien_3.2023

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Walter Pobaschnig 3_23

„Gib mir, was mir gehört, sagt der eine“ Bastian Kresser, Schriftsteller _ Give Peace A Chance _ Koblach/Vbg. 9.4.2023

GIVE PEACE A CHANCE


G ib mir, was mir gehört, sagt der eine.

I ch will nicht, sagt der andere. Es gehört dir nicht.

V erbale Drohungen. Zuerst. Dann

E skalation.


P raktiziert Gewaltlosigkeit, heißt

E s im Hinduismus oder im Buddhismus. Habe ich irgendwo mal gehört.

A ber wen interessiert das noch?

C haos und

E goismus sind in.


A ltruismus ist out. So macht es zumindest oft den Anschein.


C ome together, right now, sangen die Beatles und meinten damit den Frieden. Vielleicht.

H ate leads to suffering, sagt Yoda und er hat recht damit.

A ngst – vor Krieg, Leiden, Menschensterben und Elend.

N ein sagen zum Krieg. Ja zum Frieden. Es klingt so einfach.

C ome together. Right Now.

E in Wunsch. Mein Wunsch. Unser Wunsch. Bitte. Bitte.


Bastian Kresser, 26.3.23

Bastian Kresser, Schriftsteller

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Bastian Kresser, Schriftsteller

Aktueller Roman_“Als mir die Welt gehörteBastian Kresser. Braumüller Verlag 2023.

„Als mir die Welt gehörteBastian Kresser. Braumüller Verlag 2023.

Man ist, wer man beschließt zu sein. Victor Lustig, bekannt als „der Mann mit den tausend Gesichtern“, erfand sich sein Leben lang neu. Vom Taschendieb mauserte er sich zu einem
der berühmtesten und kreativsten Trickbetrüger, Geldfälscher und Hochstapler der Geschichte. Neben seinem größten Coup, dem erfolgreichen „Verkauf“ des Eiffelturms an einen Schrotthändler, gelang es ihm unter anderem, Al Capone übers Ohr zu hauen sowie dermaßen viel Falschgeld drucken und in Umlauf bringen zu lassen, dass er beinahe das gesamte amerikanische Finanzsystem aus den Angeln hob. Doch was passiert, wenn der scheinbar unverwundbare Charmeur beschließt, sich nicht länger an seine eigenen Regeln zu halten? Es beginnt ein Katz-und-Maus-Spiel mit dem FBI und dem Secret Service – und das Netz zieht sich langsam zu …

„Als mir die Welt gehörteBastian Kresser. Braumüller Verlag 2023.

ISBN-13: 978-3-99200-340-2

erschienen: 30.03.2023

Seiten: 368

Format: 12,40×20,50

Ausgabe/Einband: Buch / gebunden

Bastian Kresser

Foto_Stefan Wilfinger

Walter Pobaschnig _ 26.3.2023

https://literaturoutdoors.com

„die Wut zum Weitermachen“ Fee Katrin Kanzler, Schriftstellerin _ Langenau/ D 9.4.2023

Liebe Fee, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Es gibt die Brotjobtage, die gehören nicht mir. Das ist ein fremder Tagesablauf, nicht meiner.

Der Eigene hingegen, an den anderen Tagen, sieht so aus: Aufstehen, Kaffee trinken und dabei in den Büchern von KollegInnen lesen. Ich zelebriere das regelrecht, im Winter mit pinkfarbener, brennender Mittelfingerkerze, im Sommer draußen im Freien. Anschließend sitze ich am Rechner und arbeite. Zuallermeist an einem Manuskript, manchmal an Konzepten für Veranstaltungen oder Medienpräsenz. Dass ich auch irgendwas essen muss, merke ich oft erst am späten Nachmittag.

In den übrigen Stunden passiert sehr wahrscheinlich etwas hiervon: Zeichnen, malen, Computer spielen, in Laufschuhen um den Block traben, Kapitalismus und Patriarchat verfluchen, im Internet surfen, Filme schauen, schneidern, soziale Kontakte und meine paar wenigen Hinterhofpflanzen pflegen.

Fee Katrin Kanzler, Schriftstellerin, Künstlerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Wer sind alle? Falls Menschen im Kunst-, Literatur-, Kulturbetrieb gemeint sind: Es ist ein Bereich, in dem die vielfältigen Krisen sehr schnell und sehr direkt spürbar sind. Die Polster sind für viele sehr dünn. Insofern wünsche ich uns am besten vermutlich zwei Dinge: Starrsinn, zum einen. Die Energie, die Ausdauer, die Wut zum Weitermachen. Und zweitens, ganz schlicht und ergreifend: Geld.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Schon wieder: Alle? Ich habe den Eindruck, dass es gesellschaftliche Kräfte gibt, die nichts lieber wollen als die Regeln, nach denen gespielt wird, beim Alten zu belassen. Auch wenn das bedeutet, dass Landschaften austrocknen oder fortgespült werden, reale wie metaphorische. Für Aufbruch und Neubeginn ist es wesentlich, widerspenstig zu bleiben oder zu werden, Widerspruch zu wagen und zu dulden, sei es persönlich oder in Kunst und Gesellschaft.

Was liest Du derzeit?

Wie unfair, ich würde hier am liebsten Werbung für so viele KollegInnen machen, und die aktuell Gelesenen sind ja eher zufällig, nämlich Teresa Präauer mit »Oh Schimmi« und Leona Stahlmann mit »Diese ganzen belanglosen Wunder«. Deshalb nenne ich noch zwei zusätzliche Werke, in die ich immer wieder hineinschauen kann: Lisa Kränzlers »NOON« und Stefanie Sourliers »Das weiße Meer«.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

»Dienstanweisungen, Druckmittel und Dauerschleifen hebelt das Malen aus. Kein Katzbuckeln, kein Einstecken, kein Runterschlucken heute, in die Tonne mit der Freundlichkeit, der Glattheit, den Geschmeidigkeitsposen, das wird kein Vorbild, sondern ein Gemälde.« Das Zitat stammt aus einem Text, an dem ich gerade arbeite.

Vielen Dank für das Interview liebe Fee, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Fee Katrin Kanzler, Schriftstellerin, Künstlerin

Zur Person_Fee Katrin Kanzler,

1981 in Ulm geboren, studierte Philosophie und Anglistik in Tübingen und Stockholm. Sie war Stipendiatin des Klagenfurter Literaturkurses, erhielt den Förderpreis für Literatur der Stadt Ulm und ein Jahresstipendium für Literatur vom Land Baden-Württemberg. Ihr Roman »Die Schüchternheit der Pflaume« (Frankfurter Verlagsanstalt, 2012) war für den »aspekte«- Literaturpreis für das beste deutschsprachige Debüt des ZDF nominiert. 2016 erschien ihr Roman »Sterben lernen«. 2020 und 2022 war sie Finalistin beim Irseer Pegasus.

Auf https://www.fairy-club.de ist auch ihre bildkünstlerische Arbeit zu sehen.

Foto_privat

24.2.2023_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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