Liebe Sybille, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Da ich mich seit ein paar Monaten durch eine depressive Episode quäle, ist mein Tagesablauf recht monoton. Ich gehe zur Arbeit, kümmere mich um Haushalt und Tiere und verbringe sehr viel sinnentleerte Zeit auf dem Sofa. Ich esse ungesund, schlafe schlecht, sehe mir dummes Zeug im Internet an und schreibe zu wenig.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Durchatmen und einen kühlen Kopf bewahren. Unsere Welt ist komplex. Wir müssen nicht zu allem, immer eine Meinung haben.
Wir brauchen zwingend mehr kitschige Sonnenaufgänge.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Es ist alles ein ständiger Aufbruch und Neubeginn, das letzte Jahrhundert war voll davon und dieses wird nicht anders sein. Wir leben in interessanten Zeiten. Ich sehe Literatur und Kunst in vielfältigen, begleitenden Rollen. Von der Verarbeitung gesellschaftlicher Traumata bis hin zur klassischen Trivialunterhaltung – alles wird gebraucht, um uns durch die kommenden Krisen zu bringen.
Was liest Du derzeit?
„Die Brüder Karamasow“ – Dostojewski
„Flying Dutch“ – Tom Holt
„Farbatlas Nutztierrassen“ – H.H. Sambraus
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Leg die Waffe aus der Hand, Bruder.“
Vielen Dank für das Interview liebe Sybille, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Sybille Lengauer, Schriftstellerin
Zur Person_Sybille Lengauer, Jhg. 1980, Schwerpunkt Gedichte und Kurzgeschichten, Letzte VÖ „Ziemlich schlechte Nachrichten“ bei Rodneys Underground Press.
HP: hirnwichsen.wordpress.com
Foto_privat
Walter Pobaschnig _ 4.3.2023