Immer zuerst grünen Tee. Dann nach Tagesbedarf kuscheln, essen, arbeiten. Meine Tage variieren, ich mäandere zwischen den Künsten, dem Broterwerb, dem Yoga hin und her. Nicht ohne Struktur, das könnte ich nicht. Aber die Freiräume dazwischen lassen mich atmen, denken, schreiben. Das ist Luxus, ich weiß.
Anna Zepnick, Autorin, Musikerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Zu atmen. Durchzuatmen. Zu schnell sind wir erregt über Dinge, die in der Rückschau oft nur halb so wichtig sind. Zuzuhören. Schon dann hat der andere Mensch das Gefühl, geachtet zu werden. Mitzufühlen. Und schließlich zu handeln. Jeder Mensch dort, wo er es für wichtig hält.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Für mich ist jeder Tag ein Aufbruch, ein Neubeginn. Was gestern war, kann heute noch gelten, muss aber nicht. Dafür sensibel zu sein, sporne ich mich immerfort an. Und davon zu berichten, das kann Kunst, das kann Literatur, das kann Musik, darüber schreibe ich, das versuche ich auszudrücken, wenn ich musiziere. Meine persönlichen menschlichen Erfahrungen in ein Nachvollziehbares zu transformieren, Mitfühlen und Mitdenken und Mithandeln zu ermöglichen. Austausch auf allen Ebenen.
Was liest Du derzeit?
Carlos Franz: Das Quartett der Liebenden, ein Roman über Darwin, einen Maler und eine Frau.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„die Schläfer kommen nicht zur Ruh
die Lichter- und Geräuschkulisse schwillt
die Endgeräte senden immerzu
wir müssen niederknien“
aus GLIMM von Kerstin Becker
Vielen Dank für das Interview liebe Anna, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literatur-, Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Anna Zepnick, Autorin, Musikerin
Zur Person_Anna Zepnick, geboren, aufgewachsen, beschult und studiert in Dresden. Diplom und Konzertexamen als Pianistin. Arbeitet als Musikerin und Yogalehrerin. Liebt Sprache, seit sie sie beherrscht. Initialbegegnung waren die Bibel und die Grimmschen Märchen.
Schreibt seit 2012 intensiv. 2007 Drehbuch „Mascha, der Kater und der kleine Elefant“, Balancefilm Dresden 2015 Vertonung „so ist das mit dem glück“ / Etta Scollo, Album „tempo al tempo“, Jazzhaus Records, 2016 Gedichte in „Richtungsding X“, Zeitschrift für Gegenwartsliteratur, Herausgeber J. Laarmann, Düsseldorf, 2020 Hörbuch „und singt ewige lieder“ (gefördert durch ein Denkzeit-Stipendium der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen) annazepnick.bandcamp.com 2022 Teilnahme an Lyrikwerkstatt von Andreas Altmann, Poesiefestival Vollradisroda 2022 Bühnenpremiere von „und singt ewige lieder“ am Societaetstheater Dresden https://www.societaetstheater.de/veranstaltung/und-singt-ewige-lieder/
Foto_privat
4.4.2023_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.
Anselm Retzlaff, Dichter; Lyriker und Aphoristiker.
Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:
Anselm Retzlaff, Dichter; Lyriker und Aphoristiker
Zur Person_Anselm Retzlaff wurde 1991 in Radebeul geboren und verbrachte seine Kindheit in Meißen. Er besuchte dortige Schulen und arbeitete danach im Theater Meißen, wo er auch vier Jahre in der Jugendtheatergruppe tätig war. Nach einer Ausbildung zum Ergotherapeuten in Kreischa zog er sich zurück in seine Heimatstadt und arbeitete zwei Jahre für den Hahnemannzentrum Meißen e.V. In dieser Zeit, den Jahren 2020 und 2021 veröffentlichte er seine ersten beiden Gedichtbände: „Chrysalis – bis zur aufgehenden Sonne: Mystische Gedichte und Gedanken“ und „Singsang: Vom Sein des Selbst. Gedichte“ In ihnen, die einen Einblick in sein Schaffen seit seinem zwanzigsten Lebensjahr geben, widmet er sich der Grundfragestellung seines Lebens: „Was ist Liebe, Was ist Erleuchtung, und Wer bin Ich.“
Er ist Sohn des Künstlers Markus Retzlaff und selbst Zeichner und Buchillustrator.
Anselm Retzlaff „Elysium“ Lyrik, Prosa 2023, Broschur, 12 x 20 cm, 70 Seiten, mit einer Zeichnung von Saskia Metz und einer vom Autor, Notschriften Verlag ISBN 978-3-948935-39-9
In seinem dritten und persönlichsten Band mit Lyrik und Prosa will Anselm Retzlaff nur noch eines: Die eine Wahrheit des absolut göttlichen Selbst vermitteln. Er kommt zu dem Schluss: Wer der Jugend, dem inneren Kind nicht treu bleibt, muss vom Alter Weisheit erlernen. Denn intuitives Ich-Bin ist nicht von Erfahrung abhängig. Er nimmt uns mit auf seine Spur nach dem eigenen Ich – dem Selbst aller Wesen. Ultimativ allein und ungeteilt, Zeuge allen Lebens.
Liebe Ursula Nocchieri, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Es gibt für mich keinen geregelten Tagesablauf, jeder Tag sieht anders aus und das ist schön. Aber normalerweise – wenn in der Früh keine Termine angesetzt sind – stehe ich um etwa 8 Uhr auf, vormittags werden E-Mails beantwortet, Termine vereinbart, meine Social Media Kanäle bedient. Nachmittags habe ich meist Besprechungen oder ich gönne mir einen Plausch mit Freunden. Im Falle eines terminfreien Nachmittags arbeite ich meine administrativen Angelegenheiten ab, bearbeite Regiebücher, erstelle Probenpläne, suche Texte für meine Lesungen, dh ich mache meine „Hausübungen“ für aktuelle Projekte. Abends sind fast täglich Proben angesetzt, oder eigene Auftritte (deren Proben meist vormittags stattfinden). An meinen seltenen freien Abenden gehe ich ins Theater und sehe mir Produktionen von KollegInnen an. Oder ich besuche meine Söhne (24 und 26 Jahre alt), die in einer „Brüder WG“ zusammen ganz in der Nähe meiner Wohnung in Wien wohnen.
Ursula Nocchieri, Schauspielerin, Regisseurin und Trainerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Ruhe bewahren, allen Lebewesen mit Respekt und Wohlwollen begegnen, sich mit Freunden austauschen, Zeit mit der Familie verbringen, sich in Dankbarkeit üben und vor allem jeden Tag bewusst erleben und genießen.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
In Bezug auf die Frage, was in dieser Zeit des Aufbruchs wesentlich ist, kann ich nur nochmals auf meine vorhergehende Antwort hinweisen. Mensch bleiben, nicht zur Maschine oder zu ferngesteuerten, funktionierenden Mitläufern werden. Sich auf das Wesentliche konzentrieren, einen Filter für belastende und Angst machende Nachrichten und Ereignisse aufbauen, ohne dabei unsensibel dafür zu werden. Sich die Frage stellen, was wirklich wichtig ist.
Theater hatte immer schon die Aufgabe, sich unangenehmen Dingen, Missständen sowie politischen wie gesellschaftlichen Themen zu widmen, die in anderen Bereichen schwer oder gar nicht angesprochen werden können. Und sie den Menschen vor Augen zu führen. Abgesehen davon ist natürlich auch die Unterhaltung und die Ablenkung der Menschen von Sorgen und Ängsten mit erheiterndem und humorvollem Programm nicht zu unterschätzende „Therapie“. Gerade in Zeiten der Unruhe und vor anstehenden Veränderungen brauchen die Menschen auch einen Zufluchtsort, an dem sie für ein paar Stunden Distanz zum Alltag und den damit verbundenen Problemen gewinnen können. Oder damit „von außen“, also als Zuseher und nicht direkt involviert, konfrontiert werden und zum Nachdenken oder auch zur Findung von eigenen Wegen angeregt werden.
Was liest Du derzeit?
Ich mache gerade eine Ausbildung im Bereich Kinder- und Jugendtheater und muss über Fachbücher Rezensionen schreiben. Im Moment ist es das Buch „Der poetische Körper“ von Jacques Lecoq.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Das „Ich“ ist nebensächlich. Man muss herausfinden, wie die Lebewesen und die Dinge sich bewegen und wie sie sich in uns spiegeln. Man muss der Horizontalen und der Vertikalen, all dem was auf unantastbare Weise außerhalb von einem selbst existiert, den Vorzug geben. Im Verhältnis zu diesen Anhaltspunkten in der äußeren Welt wird die Person sich selbst offenbar.“
Vielen Dank für das Interview liebe Ursula, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Theater-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Ursula Nocchieri, Schauspielerin, Regisseurin und Trainerin
Zur Person_ Ursula Nocchieri, geb. 1962 in Wien, Schauspielerin, Regisseurin und Trainerin, Ausbildung in der „International School of Humor“ sowie bei internationalen SchauspiellehrerInnen. Schauspiel, Regie, Kabarett, Moderationen, Vorträge und Lesungen. Clown- und Theaterworkshops für Erwachsene, Kinder und Jugendliche und als Motivationstraining für Manager runden ihr künstlerisches Repertoire ab. Vier Jahre Leitung des Lenautheaters Stockerau (www.lenautheater.at). 2020 Gründung des Theatervereins „Il Salottino“ mit Fokus auf Produktion klassischer Theaterstücke. Schauspieltrainerin beim Kindertheater International (www.kindertheater-international.at) sowie in der Musik- und Kunstschule Waidhofen/Ybbstal. Sprachen: Deutsch, Englisch, Italienisch, Französisch.Info: www.uschi-nocchieri.at
Foto_privat
31.3.2023_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.
Seit 1986 als freischaffende Schauspielerin tätig (u. a. Burgtheater, Theater in der Josefstadt, Volkstheater, Theater der Jugend , Theater Drachengasse, Theater an der Wien,Sommerspiele Kobersdorf, Sommerspiele Melk , Raimundspiele Gutenstein…) diverse TV Produktionen, Dozentin für Rollengestaltung, Musikalische Auftritte mit Timmel&Steiner
Der Beginn des 20.Jahrhunderts. Die Welt beginnt sich in den Vorboten des Krieges dunkel zu verwandeln. Und da ist das Mädchen. Neun Jahre alt. Das in dieser Dunkelheit aufwächst und nach Licht, Erleben, Luft, Selbstbestimmung ringt…Sylvie.
Doch sie bleibt unverstanden in der Familie. Diese Freiheit persönlichen Weges abseits von Gesellschaft und Norm wird nicht erlaubt. Es gilt zu biegen und brechen…
Sylvie sucht ihre Seele zu bewahren, ihre Gefühle, Träume. Sie lernt Andree kennen. Wie sie, neun Jahre alt. Ein Austausch beginnt, Gemeinsamkeiten, Wege öffnen sich…
Und es gilt die eigene Seele in Gesellschaft und Zeit zu retten…gemeinsam…
Dieser Roman im Nachlasswerk von Simone de Beauvoir, einer der bedeutendsten literarischen, philosophisch-feministischen Stimmen der Moderne, begeistert paradigmatisch in all der Einzigartigkeit ihres Werkes, das Sprache und gesellschaftlichen Anspruch in höchster Perfektion verbindet.
Simone de Beauvoirs Adoptivtochter Sylvie Le Bon de Beauvoir ermöglicht 70 Jahre nach Niederschrift die Veröffentlichung dieses autobiographischen Textes, der auch wesentlich eine hommage an ihre so früh verstorbene Freundin Zaza ist.
Besonders hervorzuheben ist auch der Foto-, Brief- und Faksimileanhang mit erstmals gezeigten sensationellen Fotos von Beauvoir und Lebenszeugnissen der großartigen Schriftstellerin, Philosophin und Aktivistin.
„Die Unzertrennlichen“, Simone de Beauvoir. Roman. Rowohlt Verlag.
Station bei Malina_Roman Ingeborg Bachmann_Wien_1971
Liebe Franziska Serokina Lindenthaler, welche Bezüge und Zugänge gibt es von Dir zu Ingeborg Bachmann?
Ich liebe Gedichte, davon einige von Ingeborg Bachmann.
Wie siehst Du Leben und Werk Ingeborg Bachmanns? Gibt es besondere Gedichte, Text, die Du hervorheben möchtest?
Ich wusste bis vor unserem Shooting nicht sehr viel über ihr Privatleben. Habe mir nun einiges durchgelesen, dabei sind mir sogar die Tränen gekommen.
So viel unerfüllte Sehnsucht und Schmerz.
Das Gedicht, „Abschied von England“ finde ich sehr schön.
Abschied von England
Ich habe deinen Boden kaum betreten,
schweigsames Land, kaum einen Stein berührt,
ich war von deinem Himmel so hoch gehoben,
so in Wolken, Dunst und in noch Ferneres gestellt,
daß ich dich schon verließ,
als ich vor Anker ging.
Du hast meine Augen geschlossen
mit Meerhauch und Eichenblatt,
von meinen Tränen begossen,
hieltst du die Gräser satt;
aus meinen Träumen gelöst,
wagten sich Sonnen heran,
doch alles war wieder fort,
wenn dein Tag begann.
Alles blieb ungesagt.
Durch die Straßen flatterten die großen grauen Vögel
und wiesen mich aus.
War ich je hier?
Ich wollte nicht gesehen werden.
Meine Augen sind offen.
Meerhauch und Eichenblatt?
Unter den Schlangen des Meers
seh ich, an deiner Statt,
das Land meiner Seele erliegen.
Ich habe seinen Boden nie betreten.
Ingeborg Bachmann, Abschied von England,
Du bist wie Ingeborg Bachmann als Künstlerin von Salzburg nach Wien gezogen. Was bedeutet Dir Wien und welche Erfahrungen hast Du hier als Künstlerin gemacht?
Ich wohne mittlerweile schon seit fast 11 Jahren in Wien und bin fast verwundert darüber, dass ich immer noch hier bin. Anfangs hatte ich Startschwierigkeiten und musste mich erst mal einfinden. Wien kann sehr unfreundlich und grau sein, das hat mich oft an meine Grenzen gebracht, mir aber auch geholfen, mich weiterzuentwickeln. Mittlerweile liebe ich Wien und kenne auch die Sonnenseiten.
Gab es in Deinen Schauspiel-, Kunstprojekten bisher Berührungspunkte zu Ingeborg Bachmann?
Leider noch nicht, ich würde mich aber sehr darüber freuen. Mir hat es sehr gefallen, während unseres Shootings ein bisschen in ihre Welt einzutauchen.
Unser Shooting Ort Schönbrunn ist auch für seine Konzerte berühmt. Ingeborg Bachmann schätzte Musik auch sehr, begann früh mit dem Komponieren und arbeitete später an Librettis. Was bedeutet Dir Musik und welche Projekte gibt es da? Schreibst Du auch?
Musik ist und war für mich immer schon ein sehr großer Teil meines Lebens. Ich habe damals mit 5 Jahren mein erstes Radiogerät, mit integriertem CD-Player geschenkt bekommen. Danach habe ich immer wieder die CD Sammlung meiner Eltern geplündert. Sally Oldfield, Randy Crawford und Eric Clapton bilden sozusagen den Soundtrack meiner Kindheit. Ich höre extrem viel Musik, bin täglich am Musik entdecken und schreibe selbst auch Songs und Gedichte, die ich bis jetzt noch nicht veröffentlicht habe. Da kommt aber bestimmt noch was J
Was sind für Dich zentrale Themen, Aussagen der Literatur Bachmanns?
Unterdrückung durch fremdbestimmte Rollenbilder, die Suche nach der eigenen Identität, Umgang mit traumatischen Erlebnissen, Projektion der eigenen Wünsche auf andere Personen und eine ständige Suche nach dem Glück.
Welche Bedeutung kommt dem Werk Ingeborg Bachmanns heute zu?
Ich glaube, dass jede Person, ganz individuelle Dinge, aus ihren Werken für sich mitnehmen kann. Es gibt so viel zu finden.
Der Roman „Malina“ (1971) spielt in Wien. Wie siehst Du das Konzept des Romans?
So tragisch die Geschichte ist, finde ich es interessant, wie sie die äußeren und inneren Schauplätze beschreibt. Ich mag außerdem die ungewöhnliche Auf- und Einteilung der Handlung und Themen.
Wie siehst Du die Prozesse von Frausein und Identität heute?
Ich denke, dass es immer noch viel zu viel Unterdrückung, fremdbestimmte Rollenbilder und ungerechte Erwartungshaltungen gegenüber Frauen gibt.
Die Suche nach der eigenen Identität ist sehr individuell. Ich glaube, dass wir oft unbewusst das Gefühl haben, uns irgendwelchen Begriffen fügen zu müssen. Auf der anderen Seite helfen uns diese Begriffe auch dabei, uns zu orientieren.
Ich persönlich habe bei meiner Identitätssuche immer sehr viel Fragen an mich selbst. Mehr als Antworten, aber da bin ich im Laufe der Zeit draufgekommen, dass schönerweise, manchmal auch Antworten kommen, ohne dass ich mich etwas gefragt habe.
Ich denke, manchmal is es auch einfach auch völlig okay, mal keine Antworten auf seine eigenen Fragen zu haben, denn diese allein sind oft auch schon ein schöner Weg.
Wie siehst Du das Ende des Romans „Es war Mord“?
Da muss ich gestehen, dass ich ihn noch nicht gelesen habe. Steht jetzt auf meiner Liste J
Hättest Du mit Ingeborg Bachmann gerne einen Tag in Wien verbracht und wenn ja, wie würde dieser aussehen?
Natürlich! Sehr gerne sogar. Ich denke wir würden mit einem Besuch, in einem alten Kaffeehaus starten und dann durch die Stadt spazieren und uns sehr viel unterhalten.
Was sind Deine derzeitigen Projektpläne?
Bald wird man meine Stimme wieder im Radio hören, Näheres darf ich bald bekannt geben. Ansonsten darf ich aktuell keine genaueren Infos verraten aber so viel kann ich schon mal sagen; heuer werden ein paar schöne Projekte veröffentlicht, auf die ich mich schon sehr freue J
Darf ich Dich abschließend zu einem Malina Akrostichon bitten?
Frühmorgens mit meinen beiden Hunden in den Wald, vormittags Proben von „KASSANDRA“ von Magda Woitzuck in der Regie von Christina Gegenbauer – ich spiele die Hekabe – für die Sommerspiele Melk.
Nachmittags Proben mit meinen Student:innen der Filmacademy für die Abschlussproduktion im Theater Drachengasse von „ Wir sind die Guten“ von Mark Ravenhill (Ich führe Regie)
Abends eine große Runde mit meinen beiden Hunden, zwischendurch Konzept-Vorbereitung für eine Musikrevue, die ich mit Laien im Herbst erarbeiten werde.
Alexandra Maria Timmel Schauspielerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Was wohl für uns alle immer wichtig ist: Über den Tellerrand schauen, emphatisch sein und bleiben, den Humor nicht verlieren, durchatmen, immer wieder innehalten, aufmerksam sein!
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Das Theater / die Kunst ist und bleibt das kritische Auge auf unsere Gesellschaft. Die äußerliche Bedrohung unserer Existenz hat sich zu den Jahren 2020/21 geändert. Nun ist es nicht mehr die Pandemie, die uns fordert, sondern der Krieg in nächster Nähe und die damit verbundenen Auswirkungen auch auf unser Leben. Die Herausforderungen sind groß geblieben. Der Rechtsruck in Europa macht dies deutlich! Ein wacher, aufmerksamer Blick und damit ein kritischer Kommentar bleibt unerlässlich!!
Was liest Du derzeit?
Meine Textbücher und damit verbunden Sekundärliteratur. Zwischendurch freue ich mich über ein Gedicht von Mascha Kaleko, Rainer Maria Rilke, Erich Kästner , Rupert Henning , Kurt Tucholsky, Johanna Amort….
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Die einzige Konstante im Leben ist die Veränderung.
Alexandra Maria Timmel Schauspielerin
Vielen Dank für das Interview liebe Alexandra Maria, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Theater-, Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Alexandra Maria Timmel, Schauspielerin
Zur Person_Alexandra Maria Timmel, Schauspielerin
Fotos_Fabian Steppan
30.4.2023_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.
Casting, ja, es wird gecastet die elster, der pirol, die
Egal nein wieder nicht, dann wird’s wohl werden
Elisabeth Wandeler-Deck, 1.5.2023
Elisabeth Wandeler-Deck, Schriftstellerin improvisierende Musikerin (Klavier, Gitarre, Wörter)
Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:
Elisabeth Wandeler-Deck, Schriftstellerin improvisierende Musikerin (Klavier, Gitarre, Wörter)
Zur Person_Elisabeth Wandeler-Deck
geboren 1939, aufgewachsen in Zug, lebt in Zürich-Affoltern und anderswo. Schriftstellerin improvisierende Musikerin (Klavier, Gitarre, Wörter). Viele Buchveröffentlichungen, zuletzt „attacca holdrio“, Lyrik, edition sacré, Zürich 2020; versionenlust ECHO, edition Howeg, Zürich 2022; Antigone Blässhuhn Alphabet so nebenher, Ritter Verlag Klagenfurt 2022. Bildtextarbeiten im Netz. Mitglied des Improvisationsquartetts bunte hörschlaufen. Basler Lyrikpreis 2013, Werkjahr der Stadt Zürich 2017, Writer in Residence in Maggia TI 2023.
Aktuelle Buchneuerscheinung Elisabeth Wandeler-Deck:
Elisabeth Wandeler-Deck, Antigone Blässhuhn Alphabet so nebenher. Ritter Verlag
„Das Blässhuhn: es taucht unter, kommt an unerwartetem Ort und Zeitpunkt wieder zum Vorschein, so auch Antigone, als volatile Figur, Fragestellung, Projektionsfläche. Als widersetzliches Mädchen trägt sie, der Etymologie ihres Namens nach, ein „Gegen“ in sich wie auch „Geburt“ und „Abstammung“, zieht Spuren nach verwandtschaftlichen Banden und durchkreuzt literarische Felder. Ein Ordnungsprinzip von A bis Z steckt den täuschend klaren Rahmen ab für Prosaminiaturen, Gedichte, Notate und Listen, Thesenhaftes oder in Zeitungen Vorgefundenes zu Affoltern und Baden, den lokalen Koordinaten einer für Reflexion, Theorie und Traumhaftes ebenso wie für Konkret-Soziales durchlässigen Textur.
Durch das fragile alphabetische Raster hindurch bricht sich das Diskontinuierliche, Wilde und Chaotische der Erscheinungen, Beobachtungen und Gedanken Bahn – von Elisabeth Wandeler-Deck virtuos zum Ausdruck gebracht in immer wieder neuen Formfindungen, die ihre Qualität gerade aus der Apperzeption von Sprüngen, Unterbrechung und Kontamination beziehen. Antigone Blässhuhn Alphabet so nebenher ist ein ästhetisch wie politisch brisantes Buch: ein flirrendes Dokument von Selbstverortung und präzises Modell kalkulierter Überschreitung.“
Liebe Barbara Gassner, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Diese Woche war sehr abwechslungsreich. Inhaltliche Vorbereitung einer Rede mit jemandem, die auf einem Kongress sprechen muss. Proben für eine Aufführung in der Regie Beate Thalbergs, in der ich im Juni Natalie Bauer-Lechner spiele, eine spannende Musikerin und aufmüpfige Gefährtin Gustav Mahlers. Es ist der 2. Anlauf nach einer Absage im letzten Jahr wegen Corona. Wir haben Zeit gewonnen.
Barbara Gassner, Schauspielerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Ich kann sagen, was für mich wichtig ist. Mir nahe Menschen sehen, mich mit ihnen austauschen und uns ermutigen. Überrascht werden von neuen Begegnungen. In meiner nächsten Umgebung mitkriegen, ob und wie sich ein respektvolles Miteinander abbildet. Hinschauen! Frohsinn wird unterschätzt!
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Wesentlich bleibt der Mut.
Das Theater wird überrannt werden. Wir werden neben der KI bestaunt werden, wie jetzt die Tiere im Zoo. Ein einziges Fest der Lebenden.
Was liest Du derzeit?
Birgit Birnbacher. „Wovon wir leben“
Jetzt will ich alles von ihr lesen.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Ich mag keine Zitate. Sie sind sehr formbar. Vielleicht kenn ich aber einfach keine richtig Guten.
Vielen Dank für das Interview liebe Barbara, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Theater-, Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Barbara Gassner, Schauspielerin
Zur Person_Barbara Gassner hat in Graz an der Hochschule ihre Ausbildung zur Schauspielerin gemacht und ihr erstes Engagement am Stadttheater Aachen angetreten.
Sie hat seither in Deutschland, der Schweiz und Österreich in zahlreichen Produktionen mitgewirkt. In Wien hat sie nach vier Produktionen im Theater Hamakom zwei eigene Projekte realisiert. Die andere Hälfte des Himmels und Sagt man eigentlich noch Indianer. Beide Projekte kamen im Volkskundemuseum Wien zur Aufführung und hatten die wechselvolle Geschichte ihrer VorfahrInnen zum Inhalt.
Sie spricht für den ORF / Ö1.
Im Kino ist sie demnächst in Veni Vidi Vici von Daniel Hoesl zu sehen. Außerdem demnächst im TV in Zwei gegen die Bank in der Regie von Clara Stern.
Foto_Severin Koller
28.4.2023_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.