„Dass es eine offenere Welt sein wird“ Melanie Stocker, Designerin _ Kennelbach/Vorarlberg 24.1.2023

Liebe Melanie, wie sieht dein Tagesablauf aus?

Ich bin ein Morgenmensch. Ich muss also abends auch früh ins Bett, damit ich mich am Morgen gut aushalten kann. Es folgt ein typischer Familien-Morgen bis 8 Uhr, und dann Rückzug in mein Kämmerlein zur Arbeit.

Früher suchte ich kreative Impulse immer im Außen. Auf Reisen oder Ausstellung. Städtetrips oder Magazinen. Durch die Pandemie musste ich umdenken. Jetzt suche ich in meinem Inneren und versuche die Essenz des neuen Produktes aufzuspüren. In dieser Arbeit kann ich mich ganz verlieren. Zum Ausgleich brauche ich Bewegung und frische Luft. Ich treffe mich also regelmäßig mit meiner Katze auf der Terrasse. Da versuche ich dann zu atmen. Oder streichele halt eben die Katze.

Neben der Arbeit brauche ich regelmäßig Sport. Nichts löst Probleme so schnell wie ein erhöhter Puls, der in den Ohren rauscht und das Denken in immer wiederkehrender Schleife verhindert. Laufen und Gewichtheben versuche ich mindestens jeden zweiten Tag einzubauen. Es gibt auch aufregendere Tage – aber auch Tage, an denen wirklich nichts Nennenswertes passiert. Auch schön.

Melanie Stocker – Hendl, Designerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Beziehungen. Wir sollten uns wieder alle mehr an unseren Beziehungen festhalten. Liebe, Freundschaften, Zuneigung, Familie … Das ist es, was der Mensch braucht, um glücklich zu sein. Diese Konzentration weg vom egoistischen „Ich“ und hin zum gemeinschaftlichen „Wir“ wird uns auch als Gesellschaft heilen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?

Viel zu lange hat man sich verkrusteten, gemeinschaftlichen Regeln hingegeben, die einfach jedem übergestülpt wurden. Das funktioniert jetzt aber nicht mehr. Das Individuum und die gesellschaftliche Vielschichtigkeit schält sich gerade mühsam aus ihrem Ei. Wir stehen an einer Schwelle, an der wir entscheiden müssen, ob wir uns als Person, aber auch in der Masse neu erfinden können. Die Welt wird sich ändern. Als Optimistin bin ich – trotz der momentanen weltlichen Lage – davon überzeugt, dass es eine offenere Welt sein wird. Vielleicht spielen materielle Dinge, zwangsläufig, nicht mehr so eine große Rolle. Vielleicht wird es anstrengend, weil sich jeder erst einmal selber definieren muss und ein Mitlaufen in der Masse nicht mehr so einfach möglich ist. Und welche Rolle dabei die Kunst innehat? Sie muss natürlich die Möglichkeiten aufzeigen. Sie muss mit all ihren zur Verfügung stehenden Mitteln zeigen, wie das geht: Individuum sein. Das ist ja nicht einfach.

Was liest du zurzeit?

Immer wenn ich ein für mich uninteressantes Buch lese, beginne ich parallel mit einem zweiten, oder gleich mit einem dritten. Ich habe mir selbst auferlegt, dass ich alle Bücher, die ich beginne, auch zu Ende lese. Dann langweile ich mich halt an drei Büchern gleichzeitig. Das letzte Buch, das mich nicht gelangweilt hat, war „Miroloi“ von Karen Köhler. Das war gut und zeigt, wie verrückt die gesellschaftlichen Ordnungen von außen betrachtet sein können. Man möchte gerne urteilen, und merkt aber leider, dass man ja im selben Glashaus sitzt.

Welches Zitat möchtest du gerne mitgeben?

Ich setzte meinen Fuß in die Luft, / und sie trug. Von Hilde Domin – denn Mut und Tatendrang wird immer belohnt. Zumindest mit dem Gefühl von bewusst gelebtem Leben.

Melanie Stocker – Hendl, Designerin

Vielen Dank für das Interview liebe Melanie, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Design,- Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Melanie Stocker – Hendl, Designerin

https://deepwhiteblack.com/nachhaltige-mode/

Fotos_A.Lamprecht

15.12.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Gäbe es“ Renate Pittroff, Regisseurin _ Give Peace A Chance _ Wien 23.1.2023

GIVE PEACE A CHANCE

Gäbe es

  In der

  Vergesslichen welt

  Einen

   Platz,

  Einen ort,

  An dem

eChtes

  Erinnern

 An die

              sChrecken und

verbrecHen

         dAnn

      kanN ein

       weChsel

  gelingEn


Renate Pittroff , 28.12.2022

Renate Pittroff, Regisseurin, Medienkünstlerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Renate Pittroff, Regisseurin, Medienkünstlerin

wechselstrom, christoph theiler, renate pittroff (wechsel-strom.net)

Foto_Christoph Theiler

Walter Pobaschnig _ 28.12.2022.

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„ob die Gesellschaft sich in Zukunft Kunst leisten will“ Peter Hudler, Cellist _ Wien 23.1.2023

Lieber Peter, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich teile den Tag in Übezeit, Admin-Zeit und Freizeit ein und versuche immer auch Zeit für mich zu finden, für Joggen, Qi Gong etc. Außer es gibt Proben und Konzerte dann ist alles sehr flexibel.

Peter Hudler, Cellist

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Auf sich selbst besonders gut aufpassen, um mit den diversen Krisen gut umgehen zu können und „Ruhe zu bewahren“. Dann kann man auch ein bisschen auf die Anderen aufpassen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?

Die Musik und die Kunst werden mit Sicherheit eine große Rolle spielen, weil die Menschen immer den Spiegel der Kunst benötigen, um sich ihrer Gefühle und Emotionen bewusst zu werden und sich mit ihrem Inneren zu verbinden, das wird noch viel wichtiger werden in Zukunft. Die Frage ist, ob die Gesellschaft in Zukunft glauben wird, sich das leisten zu wollen. Ich hoffe natürlich schon.

Was liest Du derzeit?

Ein Buch von Sarah Bakewell über Michel de Montaigne. Und ein kleines

Büchlein von John Cleese über Kreativität.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Die Zukunft unserer Welt wird allen Völkern gemeinsam sein – oder sie wird sich als eine sehr unwirtliche Zukunft erweisen. (L. Bernstein)

Vielen Dank für das Interview lieber Peter, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Peter Hudler, Cellist

Zur Person_

Peter Hudler, geboren 1980 bei Wien, studierte am Konservatorium Wien und am Mozarteum Salzburg, wo er Bachelor sowie Master im Konzertfach Violoncello mit Auszeichnung abschloß. Er nahm an Meisterklassen ua. am IMS Prussia Cove und an der Accademia Chigiana Siena bei Enrico Dindo, Antonio Meneses, Enrico Bronzi, Thorleif Thedeen, Pieter Wispelwey und anderen teil. Als Kammermusiker hat er unter anderem von Thomas Riebl und Rainer Schmidt wichtige Impulse bekommen.

Peter Hudler lebt als freischaffender Musiker in Wien. Er ist in verschiedenen Ensembles und Gruppierungen tätig und scheut dabei auch nicht vor Ausflügen in andere Genres und stilistischen Experimenten zurück. Sein Cross Over Soloprogramm, das das Cello in seiner gesamten Bandbreite an stilistischen Möglichkeiten auslotet, ist auch international erfolgreich und wurde mehrfach prominent auf Ö1 vorgestellt. Mit dem Duo Schrammelbach tritt er auch als Arrangeur, Sänger und Lieder-Komponist in Erscheinung. Die Solo-CD Cello On Fire erscheint 2022 bei Gramola Wien. Peter Hudler ist seit 2019 künstlerischer Leiter der Konzertserie Cello Expansion in Wien, in der er in hochklassigen Kammermusik-Konzerten mit renommierten Gästen (ua. Paul Gulda, Christoph Meier, Thomas Riebl, Stefan Mendl), Cross Over Projekten (ua. Schrammelbach) und innovativen Soloprogrammen rund ums Violoncello auftritt. (www.celloexpansion.com,) Er hat Erfahrung als Pädagoge ua. an der Wiener Musikakademie und als Gast der Barenboim/Said Foundation, hat in zahlreichen Orchester-Projekten ua. bei der Camerata Salzburg, bei den Tonkünstlern Niederösterreich und beim Mozarteum Orchester Salzburg mitgewirkt und war als Solocellist in Norwegen beim Northern Opera and Symphony Orchestra und in Dänemark bei den Danish Chamber Players engagiert. Mehr Informationen: www.peterhudler.com

Foto_Julia Wesely

11.12.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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Literatur Fotonovel_“Ich rufe wieder alle Spielgefährten aus meiner Kindheit“ _50.Todesjahr Christine Lavant _ acting Yvonne Brandstetter, Schauspielerin _ Wien 22.1.2023

Yvonne Brandstetter, Schauspielerin _ Wien _ acting
Fotonovel _ „Ich rufe wieder alle Spielgefährten“

Christine Lavant, Schriftstellerin (1915 – 1973)



Ich rufe wieder alle Spielgefährten

aus meiner Kindheit, die so einsam war



In meinem Herzen sind sie wunderbar

und stark wie einst; sie sind die unverjährten

Trostgründe gegen alle Trauer.



Die Apfelbäume vor der alten Mauer,

ein Dornenbusch mit vielen roten Beeren

am sanften Hügel, den die schweren

Schatten der Linden schützend überfluten.



Ein schmaler Bach mit roten Weidenruten,

Taubnesselblüten, die man ausgesogen,

weil sie so voll mit süßem Honig waren;




seltsame Falter haben sie umflogen;

in ihrem scheuen lockenden Gebaren

glichen sie irgendeinem Zauberding:

Man hätte sie so gerne sanft erlöst.

Doch wenn man sie mit zarten Fingern fing,

ward einem stets ein Fürchten eingeflößt,

und man entließ sie traurig in die Ferne.





Ach, kommt doch wieder, Falter, Blumen, Sterne!



Bringt meiner Kindheit milde Einsamkeit

in meine abgebrauchten Stunden,

darin ich keine andre Frucht gefunden

als äußerste Verlassenheit.



Yvonne Brandstetter, Schauspielerin _ Wien _ acting
Fotonovel _ „Ich rufe wieder alle Spielgefährten“

Christine Lavant, Schriftstellerin (1915 – 1973)

Literatur im Bild_Fotonovel

Ich rufe wieder alle Spielgefährten _ Christine Lavant

Band „Die unvollendete Liebe“

Ich rufe wieder alle Spielgefährten

aus meiner Kindheit, die so einsam war.

In meinem Herzen sind sie wunderbar

und stark wie einst; sie sind die unverjährten

Trostgründe gegen alle Trauer.

Die Apfelbäume vor der alten Mauer,

ein Dornenbusch mit vielen roten Beeren

am sanften Hügel, den die schweren

Schatten der Linden schützend überfluten.

Ein schmaler Bach mit roten Weidenruten,

Taubnesselblüten, die man ausgesogen,

weil sie so voll mit süßem Honig waren;

seltsame Falter haben sie umflogen;

in ihrem scheuen lockenden Gebaren

glichen sie irgendeinem Zauberding:

Man hätte sie so gerne sanft erlöst.

Doch wenn man sie mit zarten Fingern fing,

ward einem stets ein Fürchten eingeflößt,

und man entließ sie traurig in die Ferne.

Ach, kommt doch wieder, Falter, Blumen, Sterne!

Bringt meiner Kindheit milde Einsamkeit

in meine abgebrauchten Stunden,

darin ich keine andre Frucht gefunden

als äußerste Verlassenheit.

Yvonne Brandstetter, Schauspielerin _ Wien _ acting
„Ich rufe wieder alle Spielgefährten“
Christine Lavant _

50.Todesjahr_Christine Lavant _ Schriftstellerin (1915 – 1973)

Idee _ Walter Pobaschnig

Inszenierung/Regie _ Yvonne Brandstetter/Walter Pobaschnig

Kostüm/Style_Yvonne Brandstetter

Alle Fotos _ Walter Pobaschnig

Herzlichen Dank an das Mercure Grand Hotel Biedermeier Wien für die freundliche Kooperation!

Walter Pobaschnig 1_2023

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„Tanz ist immer ein Aufbruch“ Silke Grabinger, Choreografin & Performerin _ Linz 22.1.2022

Liebe Silke, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Immer unterschiedlich. Es kommt darauf an, ob ich konzeptioniere. Es ein Proben- oder ein Meetingtag ist.

Silke Grabinger, Choreografin & Performerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Eigentlich immer noch das gleiche wie vorher. Sich selbst treu zu sein.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Tanz/Theater, der Kunst an sich zu?

Der Tanz oder die Performance ist immer ein Aufbruch. Da es meistens eine autiobiografische Komponente hat bzw. immer eine neue Stückentwicklung ist, die sich vorwiegend nicht an literarischen Texten orientiert. Das Adaptieren per sie und dem Universum ins Auge zu blicken, bleibt.

Was liest Du derzeit?

Ich lese vieles gleichzeitig aufgrund von Recherche. Partitur von Anton Bruckner 9te Symphonie liegt am Nächsten.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Der Mensch hat überall und immerzu eine Würde. So vermag man es aus rechtlichen und politischen Grundsatzerklärungen unserer Zeit vernehmen. Unantastbar ist sie, nichts für sie eintauschbar und damit hat der Mensch selbst einen absoluten Wert. Die Reaktion der Kritik darauf ist die des Neins, „So ist es nicht!“, weder hat er sie an allen Orten der Welt, noch hatte er sie zu allen Zeiten. Das Fortleben alter Übel, die Sklaverei, der Krieg, die Ungleichheit der Geschlechter und Nationen sowie das Aufkommen neuer Nöte, das Verlustig-Gehen bisherigen Lebensraums, die Ausbeutung von Crowd- und Clickwork, kurz all die Menschenrechtsverletzungen weisen solche Feststellungen in ihre Grenzen. Doch damit wechselt die kritische Entgegnung nicht die Seiten, schlägt sich nicht auf die der auch aufgrund ihrer Härte rechthaberischen Realität. Ihren verneinenden Ausspruch mit dem in den Sätzen über die Menschenwürde liegenden Anspruch verknüpfend reformuliert sie ihren Einspruch: „Würde die Menschheit ganzheitlich in befreiter Form leben, so würde der Mensch überall und im Immerzu der Zukunft eine Würde haben.“ Dieses „würde“ öffnet innerhalb der Welt den Raum einer anderen Welt; beide sind zwar nicht identisch, sollten es in der Absicht der Kritik jedoch sein.

Der zum Hilfszeitwort geronnene Konjunktiv steht aber zur Würde in keinem derart äußerlichen Verhältnis, wie dies zunächst erscheinen mag. Seit der Renaissance liegt ein Menschenbild vor, das nicht bloß sagt, der Mensch ist dies oder jenes Bestimmte, das ist seine Natur, sondern vielmehr darauf verweist, der Mensch sei derjenige, der sagen kann „Ich würde X“ und ausgehend von diesem kreativen Akt die Möglichkeit hat, diese Äußerung über ein hoffnungsvolles „Ich werde … sein“ zu einem tatsächlichen „Ich bin X“ zu verwandeln – das ist seine Natur, freie Kultur zu schaffen. Und gerade in dieser offenen Bestimmung des Menschen als Wesen der Freiheit – sei sie kreativ oder moralisch gedacht –, wurde seine Besonderheit gesehen; die Würde des Menschen liegt dieser Vorstellung zufolge in seiner Fähigkeit, zu sich selbst und zur Welt „Ich würde …“ sagen zu können.

Gemahnte die Kritik an der Welt ein, Würde sei nicht so universell, wie sie sein sollte, so folgt aus deren Bestimmung wiederum, dass das „Ich würde …“ nicht in seiner gewünschten Umfassendheit gewährleistet ist. Dass es tendenziell im Gedanken verleibt und nicht ins Handeln eingehen kann, ist Ausdruck dessen. Von beiden Richtungen gilt es diesem Umstand entgegenzuwirken, mit der Intensivierung individueller, kreativer Akte sowie der gesellschaftlichen Verstärkung des würdevollen Behandelns der Einzelnen, das Achten der Würde überhaupt erst ermöglichend. Stimmte dadurch die Lebens- und Gesellschaftsform des Menschen mit dem klassischen, inhaltlichen Grund des Zuspruchs von Würde einmal schließlich überein, wäre die (selbst)schöpferische Freiheit aller Einzelnen zugleich die Freiheit der Gesellschaft, so würde die Würde wahrhaft wirklich. Sie würdelose Würde und zugleich Anbruch der wahren Zeit des würdevollen Ich würde im allgemeinen, dann indikativischen, Wir würden.

 (Ludwig Felhofer nach einem Konzept von Silke Grabinger 2023 Würde)

Vielen Dank für das Interview liebe Silke, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Tanz-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Silke Grabinger, Choreografin & Performerin

https://silk.at/silk/silke-grabinger/

Foto_Meinrad Hofer

2.12.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„gib schatten eine chance“ Alke Stachler, Schriftstellerin _ Give Peace A Chance _ Augsburg 22.1.2023

GIVE PEACE A CHANCE


gib schatten eine chance

gib ruhe

gib zurück, was du gestohlen hast

ich hatte momente, in denen ich mich schön fühlte

ich hatte momente, in denen ich verzeihen konnte

alles zugeben

ich hatte mein ich

nie versiegendes glutnest

verwunschenes nest, vergiftet, ver-vipert

verzeihen verlernen, verzeihen versuchen

verwundungen neu aufrollen, und zwar ja, alle

sie aus nestern holen, aus der überwinterung holen, nein, sprengen

es ist wie fallen und fallen und nie aufschlagen

ein aber, ein alp

ein wort, das etwas anderem entspringt als dem mund

guten morgen phantasma

guten morgen omen

*

pusten, bis es nicht mehr wehtut

pusten, damit es nicht mehr wahr ist

also ohne ende

etwas, das nach blut riecht, sich nicht mehr schließen will

etwas unter dem fingernagel

abrakadabra, weiß ist die farbe des sich-ergebens

aber trage blau zur abwehr

falle in fallen, die gott gestellt hat

falle durch den himmel

möchte jetzt in der wiese knien

für etwas beten, aber was genau

chaos szenen aus der zwischenwelt

zwischen alptraum und alptraum

chormusik zum untergang, zum sinken, knien, liegen

es ist ein innere organe neu aufrollen

und ja, alle

ein liebeszauber mit fingernägeln, nein, friedens-

elfische liebe, elfischer frieden, elfisches schluchzen

*

aber weinen ist gut, nein, toll

aufwachen und es ist plötzlich dunkel geworden

aber weinen reinigt

schwemmt das schwarz aus den pupillen

alles, was die stimmen singen

*

codewort alptraum, codewort gespenst

geisterfahrt in den eigenen magen

in die wirbelsäule, nein, hindurch

hälse brechen, genauer gesagt wirbel

hiob, ich kann nicht mehr

wann war die welt zuletzt ein stück glas

die unterwelt

ein stück knochen

die härteste substanz am menschlichen körper sind immer noch tränen

nein, ist der zahnschmelz

alpträume von nach innen wachsendem gras

liebes journal

anti-bilder, die sich eingravieren

in diesem moment verlässt etwas meinen körper

wahrscheinlich bin ich es

nach apfel riechen, nach blut, das sagte ich schon

nach abfall, nach innenleben

nach schmelzendem zahn

citrone im auge, nur daher die tränen, chimären-tränen

säure ist der dritte vorname der angst

zwing deinen körper zu verstehen

etwas durchnummerieren, eine elegie schreiben, nein, tausend

in den wald weinen wie in ein taschentuch

wie in den ärmel des liebsten

wie in sonstwas


Alke Stachler, 16.1.2023

Alke Stachler, Schriftstellerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Alke Stachler, Schriftstellerin

Foto_privat

Walter Pobaschnig _ 16.1.2023

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„Gebildete Adabeis, geladen zur Abendgesellschaft“ Isabella Breier, Schriftstellerin _ Give Peace A Chance _ Wien 21.1.2023

GIVE PEACE A CHANCE


Gebildete Adabeis, geladen zur Abendgesellschaft

imponierender Interventionen,

völlerten und

erklärten vorm Grillgut der famosen Festung das A und T von Appeasement.

Plötzlich gab’s kein Halten mehr bei den

emphatischen Phrasen, sie liefen

angespannten Blicken entgegen oder mit

cholerischen Kontern

einfallsreich ins Ausfalltor, wo viele Adjektive hausten und alle alles am besten wussten.

Alt- und Jungvögel scharrten den Schall in die Schlucht, es echote etliche

C … hancen

h … ancen

a … ncen

n … cen

c … en

e … n


Isabella Breier, 7.1.2023

Isabella Breier, Schriftstellerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Isabella Breier, Schriftstellerin

Zur Person_Isabella Breier

*1976 in Gmünd/NÖ; aufgewachsen in Wels; Studium der Philosophie und Germanistik in Wien; 2000: Geburt ihrer Tochter Hannah Medea; 2005: Dissertation zu Cassirers „Philosophie der symbolischen Formen“ und Wittgensteins „Sprachspielbetrachtungen“; seit damals u.a. Lehrkraft für Deutsch als Fremd- und Zweitsprache; regelmäßige Aufenthalte in Südmexiko; zahlreiche Veröffentlichungen (Lyrik, Prosa) in Literaturzeitschriften und Anthologien

Aktuelle Veröffentlichung:

Grapefruits oder Vom großen Ganzen (Groteske). Wien: fabrik.transit 2022/2023

https://www.fabriktransit.net/grapefruits.html

Fotos_privat


Walter Pobaschnig _ 7.1.2023

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„Das Leben spielt in Zwischentönen und Nuancen“ Philipp Hager, Schriftsteller _Lunz am See/NÖ 21.1.2023

Lieber Philipp, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Nach dem Aufstehen sind erstmal die Kinder an der Reihe. Nachdem ich sie in Kindergarten und Schule gebracht habe, wandere ich mit einem Kaffee zu meinem Steh-Schreibtisch mit Sicht auf die Berge und schreibe dort 2-3 Stunden an meinem Roman. Anschließend drehe ich noch eine Runde mit unseren Hunden, ehe die Kinder wieder heimkommen. Der Nachmittag gehört den Kleinen. Am Abend eine bis zwei Stunden Lesen und falls Restenergie vorhanden ist, noch am Roman arbeiten.

Philipp Hager, Schriftsteller 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Sich vor Augen halten, dass die Dinge sich in den seltensten Fällen schwarz-weiß verhalten. Das Leben spielt viel mehr in Zwischentönen und Nuancen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Es gibt ja das Paradox, dass Krisenzeiten immer Aufstiegszeiten für die Kunst sind. Weil viele Menschen verunsichert sind – und die Kunst es versteht, Orientierung, Vergewisserung, Perspektiven zu bieten.

Was liest Du derzeit?

Ich lese immer mehrere Bücher gleichzeitig. Heute Abend nehme ich Paula McLain’s „Madame Hemingway“ zur Hand.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest du uns mitgeben?

„Immer gehen, wohin kein Wegweiser zeigt.“ Das stammt aus Schwarzer Frühling von Henry Miller und ist eines meiner Lieblingszitate.

Vielen Dank für das Interview lieber Philipp, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Philipp Hager, Schriftsteller 

https://www.philipp-hager.com/

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17.9.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Wach und neugierig sein und ein bis zwei gute Freunde“ Céline Lassalle, Verlegerin _ Berlin 20.1.2023

Liebe Céline, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Zwei, drei Tage in der Woche sitze ich Vor- und Nachmittags in der Stabi, wo ich lese, Texte editiere und schreibe. An den anderen Tagen gehe ich diversen Brotjobs nach, zeichne und kümmere mich darum, dass mein Sohn in der Schule hinterherkommt. An den Wochenenden treffe ich auch mal wieder ein paar Menschen auf kleinen Konzerten.

Céline Lassalle, Verlegerin 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich weiß es doch auch nicht. Wach und neugierig sein und ein bis zwei gute Freunde.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Sich nicht dem Mainstream ergeben, sondern für kleine eigene Entdeckungen einstehen.

Was liest Du derzeit?

Zuletzt einen Essayband von Magnus Klaue aus dem XS-Verlag, nun lese ich „Die Selbstmordrate bei Clowns“ von Serhij Zhadan aus der Edition Fototapeta.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

It’s nice to be important, but it’s more important to be nice.

Keine Angst vor Stagnation. (Zitat eines Songtexts von Húhú Úhú)

Vielen Dank für das Interview liebe Céline, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Buchprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Céline Lassalle, Verlegerin 

Foto_privat.

22.11.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Grausame Opfer auf den Blutaltären“ Hannes Wendtlandt, Autor _ Give Peace A Chance _ Klagenfurt 20.1.2023

GIVE PEACE A CHANCE


Grausame Opfer auf den Blutaltären

Im Namen Gottes und der Irreführer

Von oben heißt’s: du stirbst!

Ermordet bleibt die Wahrheit liegen

Protest brutal im Keim erstickt

Erklärt man Unrecht nun zu Recht

Ausgelöschte Seelen, in Masse aufgelöst

Chöre begleiten ihren Marsch

Es herrscht der Tod und nennt sich Sieg

All das seit Jahrtausenden

Courage braucht es jetzt

Herunter mit den Fahnen

An Hymnen schweigt euch aus

Nur eine Waffe noch: das Wort

Charakter kennt keinen Befehl

Eine geeinte Welt, Milliarden Leben

Hannes Wendtlandt, 22.11.2022

Hannes Wendtland, Autor, Übersetzer, Journalist und
Musiker

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Hannes Wendtlandt, Autor, Übersetzer, Journalist und
Musiker

https://hannes-wendtlandt.jimdofree.com/

Foto: privat

Walter Pobaschnig _ 22.11.2023

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