„Die Welt und der Platz für uns alle darin wurde viel zu zerbrechlich“ Kamile Zaveckaite, Pianistin _ Wien 9.10.2022

Liebe Kamilė, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?  

Mein Tagesablauf ist jeden Tag sehr unterschiedlich. Es hängt davon ab, wann das nächste Projekt, die nächste Veranstaltung, Konzert stattfindet. Wenn ich viele Konzerte nacheinander gebe, ist mein Tagesablauf sehr positiv aufregend, aber gleichzeitig (bevor das Konzert am Abend kommt) ,,langweilig´´. An dem Tag, an dem ich ein wichtiges Konzert habe, kann ich nicht vieles anderes machen, was ich normalerweise in meinem Alltag schaffe: Bücher lesen, E-Mails schreiben, Admin Arbeit machen, Yoga machen, Kaffee mit Freunden trinken. Sogar kann ich nicht so viel, wie gewöhnlich, an dem Tag üben! Ich bin, sozusagen, in Vorbereitung um am Abend, beim Konzert sehr viel Energie auszugeben. Deswegen ist mein ganzer Tag bis dahin immer langsamer als sonst, weil ich mich sparen muss. Ich kann an solchen Tagen nicht so viel neue Information hineinbringen, was Neues lernen oder hart an meine weiteren Projekten arbeiten. Ich will meine Gedanken nicht stören, dafür meditiere ich und konzentriere mich nur auf das Konzert. Folglich freue ich mich, nach stressigen Phasen, auf ruhigere Momenten in meinem Tagesablauf, damit ich alle meine Hobbys und weiteren Aufgaben nachholen kann.

Was ich aber fast immer an einem Tag schaffe, ist die lange Kaffee-Routine am Morgen. 🙂

Kamilė Zaveckaitė_ Pianistin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Diese Frage ist im heutigen Kontext natürlich sehr sensibel. Jeder von uns könnte auf diese Frage eine andere Antwort geben. Und jeder hat das absolute Recht sein eigenes Verständnis und seine Meinung davon zu haben. Ich finde es sehr charmant, wie unterschiedlich wir sind. Ich möchte die Menschen und mich selbst immer dazu ermutigen, weniger über dieses Thema zu urteilen, nachdrücklicher zu sein und zu verstehen, dass was für mich als kleines Detail im Leben erscheint, kann für jemanden doch viel bedeuten. Und wir sollten sie auf ihre Weise erleben lassen.

Was ich aber persönlich für besonders wichtig finde, ist die physische und mentale Gesundheit. Ohne sie verliert alles seinen Wert. Man darf nie vergessen, sich um sich selbst zu kümmern. Denn niemand außer dir selbst hat die Macht dazu.

Am Ende des Tages, unter Berücksichtigung von kleinen oder großen Wichtigkeiten im Leben, spielt nichts eine Rolle, wenn es keinen Frieden auf der Welt gibt. Es fällt mir sehr schwer, meine alltäglichen Probleme als wichtig zu betrachten, wenn Menschen in meiner Nähe völlig ihr Leben verlieren. Die Welt und der Platz für uns alle darin wurde viel zu zerbrechlich. Deshalb müssen wir weitermachen, stark bleiben, denen helfen, die in Not sind, und jeden Tag wertschätzen, den wir zum Leben bekommen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?

In der Tat steht die Welt vor großen Veränderungen und ich glaube fest daran, dass Kunst den Geist verlorener Menschen retten kann, weil sie das Einzige auf der Erde ist, das transzendentale Innereien hat. Ich habe das Gefühl, dass Musik so viel Schönheit und Gutes in sich trägt, dass sie definitiv einen Geist und Verstand heilen kann. Wie Joseph Haydn sagte: „Musik ist die Sprache, die jeder auf der Welt verstehen würde. Es ist die einzige Sprache, die mehr Frieden schafft als Krieg.´´ Daher ist in Zeiten der Ungewissheit das Innere Selbst das Einzige, dessen wir uns sicher sein können. Und heute braucht dieser innere Geist verzweifelt Unterstützung, die Musik und Kunst sicherlich geben kann. Alles, was wir tun müssen, ist nur daran festzuhalten, um uns selbst nicht zu verlieren.

Was liest Du derzeit?

Im Moment beende ich die Lektüre der griechischen Mythologie. Die ich schon zu Schulzeiten gelesen habe, aber nicht so genau und chronologisch. Ich kam darauf zurück, nachdem mir aufgefallen war, dass ich nicht immer die Bezüge zu griechischen Göttern oder mythologischen Figuren in anderen Kunstwerken wiedererkenne, was ein großer und in gewisser Weise beschämender Verlust ist. Meiner Meinung nach ist die griechische Mythologie so wertvoll. Es ist ein Spiegelbild vergangener Zivilisationen und liefert uns entscheidende Einblicke in historische Ereignisse, alte Kulturen, Beziehungen, menschliche Allianzen und vieles mehr.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Angesichts all der Herausforderungen, denen sich die Menschen stellen müssen, möchte ich einen Gedanken teilen, der uns daran erinnert, dass alles begrenzt ist. Aber das Leben mit Beschränkungen ist genau das, was dem Leben den Sinn gibt. Der Sinn des Lebens ergibt sich aus den Herausforderungen, denen wir gegenüberstehen. Und all die Herausforderungen wegzunehmen, macht das Leben uninteressant.

Es ist irgendwie schön zu wissen, dass niemand ewig leben wird. Diesen Ritt des Lebens mit all seinen Höhen und Tiefen genießen zu können, ist daher das schönste Geschenk, das man sich selbst machen kann.

Kamilė Zaveckaitė_ Pianistin

Vielen Dank für das Interview liebe Kamilė, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musik- Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Kamilė Zaveckaitė, Pianistin

Fotos: Karolina Pancernaite

7.10.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Wir werden von mangelnden Jobangeboten aufgehalten“ Raphael Stompe, Schauspieler _ Wien 8.10.2022

Lieber Raphael, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich stehe um 6:30 auf und werde von meiner Katze niedergekuschelt. Das ist mittlerweile zu einem morgendlichen Ritual geworden und dem muss natürlich genug Zeit gewidmet werden, damit Bella (meine Katze) einen guten Start in den Tag hat. Danach trinke ich Kaffee und meditiere. Und dann beginnt der kreative Teil, in dem ich an diversen Projekten arbeite, dabei kommen meistens Drehbücher, neue Fotos, Videos – oder Kurzgeschichten heraus (von den Romanen sprechen wir an dieser Stelle mal nicht). Dazu kommt eine halbe Stunde Sprechtraining und dann oft mein Muggle – Job, also der Job, den ich neben dem Schauspielen und Schreiben verfolge da es, seit uns Corona wie ein riesiger Meteorit erwischt hat, nicht mehr ganz so einfach ist rein von der Kunst zu leben. Und abends schleppe ich mich jeden zweiten Tag noch zum Karatetraining – Körper und Geist müssen frisch gehalten werden. Dazu kommen noch Schauspielunterricht, Proben und Castings, die aber meistens gut über den Tag verteilt sind.

Wenn der Tag besonders lang war, belohne ich mich oft mit einer meiner Lieblingsaktivitäten, dem Lesen in der Badewanne. Momentan ist es allerdings mehr zu einem Lesen auf der Couch geworden, da eine volle Badewanne, während der Strom- und Gaskriese mehr und mehr zu einem Luxusgut verkommt.

Raphael Stompe, Schauspieler

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich denke ein gutes Mindset ist, wie schon immer im Kunstbereich, das Nonplusultra. Ich habe schon so viele Freunde / Kollegen gesehen, die mit ihren selbst auf die Beine gestellten Projekten Großartiges vollbracht und ihren Durchbruch geschafft haben. Also einfach dranbleiben, lächeln und nicht vergessen Freunde und KollegInnen zu inkludieren. Weil 1. ist es viel leichter gemeinsam Großes zu vollbringen und 2. ist es auch viel netter und 3. die anderen freuen sich.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Die Kunst selbst hat eine Spiegelwirkung, sie reflektiert das aktuelle Geschehen, oder den Zeitgeist, oder wie auch immer man das nennen mag. Wir als Künstler haben die Möglichkeit Schwierigkeiten, Brennpunkte und Events aufzugreifen und in unseren Werken aufzuarbeiten. Das ist meiner Ansicht nach, neben dem erholenden Effekt von Kunst – den darf man natürlich nicht außer Acht lassen, der wichtigste. Man überlege nur was für eine unglaubliche Aktualität das Stück „Die letzten Tage der Menschheit“ gerade hat – und das wurde 1922 geschrieben von einem Künstler (Karl Kraus), der seine Erfahrungen weitergeben wollte. Wir haben als Künstler die Chance mit unserem Publikum gemeinsam zu reflektieren und damit auch Spannungen zu lösen, Wege aufzuzeigen und Gedanken- und Lernprozesse auszulösen. Das heißt wir haben eine riesige Verantwortung zu tragen. Jetzt wollen wir natürlich alle spielen und zeigen was wir können und werden von mangelnder Präsenz, mangelnder Zeit und mangelnden Jobangeboten (ja, wir sind viele) aufgehalten.

Nina Batik (Schauspielerin) und Raphael Stompe

Und natürlich bleiben auch die Theater und Produktionsfirmen nicht von den aktuellen Krisen verschont und damit werden die Jobs ein wenig rarer – aber genau das gibt uns eine Chance, die ich wirklich hervorheben möchte: Macht euer eigenes Ding. Es ist jetzt genau die Zeit, um das Projekt, das ihr schon immer machen wolltet ins Leben zu rufen. Dreht den Film, den ihr schon immer drehen wolltet. Schreibt das Drehbuch, das ihr schon immer spielen wolltet. Habt Spaß dabei und arbeitet im Team – Kunst ist, auch wenn wir das manchmal gerne so sehen, kein Einzelsport. The Rise of the Artists – ich denke es wäre eine gute Zeit diesen Titel in die Tat umzusetzen.

Was liest Du derzeit?

Ich lese momentan drei Bücher:  „Creating Character Arcs” – K.M. Weiland, (1. Fortbildung ist wichtig 2. Muss ich noch ein paar der Charaktere meines Fantasy Buchs überarbeiten). „Auditioning for Film and Television” – von Nancy Bishop (Fortbildung) und „Eric” – Terry Pratchett (Als Sprechtraining [laut vorlesen] und Nahrung für die Seele).

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

We all die. The goal isn’t to live forever, the goal is to create something that will. ~ Chuck Palahniuk, Diary

Raphael Stompe, Schauspieler

Vielen Dank für das Interview lieber Raphael, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Raphael Stompe, Schauspieler

http://www.raphael-stompe.at/

Fotos_1 privat; 2,3,4,6 Mihael Wuzem; 5 LeoDang.

6.10.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Gehe“ Anna Rottensteiner, Schriftstellerin _ Give Peace A Chance _ Innsbruck 8.10.2022

GIVE PEACE A CHANCE


Gehe

Im kriegerischen Kreis der Sprache, in der ich

Verliebt war das erste Mal

Einst wie jetzt hinter Zäunen & Grenzen

Petersburg Leningrad Petrograd

Es war Love & kein War, Pazifismus bei beiden

Am Küchentisch Welten erklärt, Lektüren erzählt

Chance hatten wir keine

Es war Kaltzeit zwischen den Zonen

A – B –

C – kyrillisch für S, so hieß er: Sergej

Hatte Melancholie & Mut & froh kann ich sein, denn zu

Alt ist er heute. Ob er noch lebt? / Flieht alle, flieht! Lasst P. erbärmlich allein sein!

Nahe dem Wald von Isjum Remarques Drei Kameraden im Schlamm, bei

Charkiv, Relikt eines Russen, am Küchentisch einst war’s präsent, den

Ermordeten & ihren Lieben kein Trost, mir treibt es die Tränen hervor


Anna Rottensteiner, 21.9.2022

Anna Rottensteiner, Schriftstellerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Anna Rottensteiner, Schriftstellerin

Foto_privat

Walter Pobaschnig _ 21.9.2022.

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„anderswo II“ Sylvia Geist, Schriftstellerin _ Give Peace A Chance _ Flieth/D 7.10.2022

GIVE PEACE A CHANCE

anderswo II


ganz kurz sehe ich

im dämmerlicht manchmal etwas wie eine

verhandlung zwischen hier und da

eine neue fältelung der karte. jetzt

pläne für  

euch uns dich mich! vokabeln für

angst sind viele:

corps auch corpse undsoweiter auch

entfernung auch

anderswo.

charkiv mariupol sjewjerodonezk

hundert weitere orte lagen einmal

alle in dieser oblast und werden

nun erinnert von mir die nie da war als magna

carta aus geschilderten straßen und zu

erreichbar um sie zu verlassen


Sylvia Geist 27.9.202

Sylvia Geist, Schriftstellerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Sylvia Geist, Schriftstellerin

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Foto_privat

Walter Pobaschnig _ 27.9.2022.

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„Es wird viel um Versöhnung und Wiedergutmachung gehen“ Nora Krehan, Schauspielerin _ Wien 7.10.2022

Liebe Nora, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich öffne das Fenster und atme die frische Tagesluft ein, bevor ich mich leise in die Küche begebe, um meine Kinder nicht vor meinem ersten Schluck Kaffe zu wecken. Meist gelingt mir das nicht und sie stürzen mir mit tausend Wünschen entgegen. Also mache ich ihre Palatschinken vor meinem Kaffeegenuss. Wenn es mir gelingt, genieße ich es, die Stimmung des neuen Tages und das was die Nacht herangespült und offen gelassen hat, mit dem neuen Tag sich vermischen zu lassen.

Der restliche Tag verläuft dann sehr unterschiedlich. Er setzt sich vor allem aus den Elementen Yoga, Shiatsu, Lebensmittelrettung, Kochen, Essen und Trotzanfallseindämmung zusammen.

Nora Krehan, Schauspielerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Erkennen des eigenen und Akzeptanz des anderen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Schauspiel, Theater, der Kunst an sich zu?

Es wird viel um Versöhnung und Wiedergutmachung gehen. So schnell und tief wie die Risse entstanden sind, werden sie sich wahrscheinlich nicht schließen lassen, aber Kunst hat immer eine Sonderstellung und kann als Joker beim Vermitteln zwischen den Lagern eingesetzt werden. Kunst kann sich immer viel mehr leisten als eine Einzelperson, da sie ja frei von persönlichen Befindlichkeiten, Machtansprüchen und Ängsten ist und anderen Gesetzen unterliegt.

Was liest Du derzeit?

„Matou“ von Michael Köhlmeir und daneben Bücher mit Shiatsuinspirationen wie „Den Geist verwurzeln“ oder „Das Tao der Frau“

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben? 

„Im Gegenüber bist Du auch selbst“

Nora Krehan, Schauspielerin

Vielen Dank für das Interview liebe Nora, viel Freude und Erfolg für alle großartigen Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

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Nora Krehan, Schauspielerin

Alle Fotos_Walter Pobaschnig _ Stadtpark Wien 8_22

1.9.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Propofol“ Corinna T.Sievers. Roman. Frankfurter Verlagsanstalt

Schon die erste Seite des dritten Romans der Züricher Schriftstellerin Corinna T.Sievers trifft in aller Kraft von Sprache wie die „Axt“ Kafkas in das „gefrorene Eis“ von Leben, Welt, Zeit.

Da ist Bernard Rohr, Chefchirurg, 65 Jahre. In seinem Beruf geht es täglich um alles. Jetzt steht eine Operation bevor. Die Trennung „siamesischer Zwillinge“. Eine Herausforderung, ein Druck, dem er täglich mehr und mehr ausgesetzt ist. Er versucht im Narkosemittel „Propofol“ wie in der Suche nach Lust abzutauchen unter dieses „gefrorene Meer“ täglicher Anspannung und Überforderung. Und jetzt steht die Operation bevor, in der er alles entscheiden muss…

Corinna T.Sievers, Bachmannpreisteilnehmerin 2018, gelingt es mit Ihrem neuesten Roman brilliant eine literarische Phänomenologie von Mensch und Zeit direkt, schonungslos und hintergründig zu verfassen. Es ist eine Analyse von Rationalität, Emotion, Lust und Sozietät, in Ebbe und Flut zwischen Beruf und persönlicher Glückssuche.

In der Perspektive des Ich-Erzählers wird ein einmaliges literarisches Drama wie Referenzspiel zwischen Sinn, Sehnsucht nach Anerkennung, Liebe und der Angst vor dem Tod, dem Alleinsein entwickelt, in dem alles drin ist – Parabel, Novelle, Komödie, Anekdote – episch, dramatisch, lyrisch in einem.

Es ist Literatur, die Zeit und Gesellschaft packt und ganz nah am Menschen in Grund und Abgrund von Existenz und Sehnsucht ist. Von der ersten Seite an ist es wie ein Sog. Jeder Satz holt mehr hinein in die Lebensgeschichte Bernards und diese Spannung lässt bis zur letzten Seite nicht nach. Ein einmaliges Literatur- und Lesegeschenk!

„Ein moderner schonungsloser Faust Roman, der erschüttert wie begeistert!“

Walter Pobaschnig  10_22

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„Die Zeit steht nicht still und wir auch nicht“ Mischa Vogl, Schauspielerin _ Wien 6.10.2022

Liebe Mischa, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Situationsabhängig immer anders.

Generell mache ich fast jeden Tag mein Training (Ballett), Gesang und Atemübungen damit ich fit bleibe. Sonst liebe ich es, im Garten zu arbeiten, da ich von der Natur viel Kraft und Energie schöpfe. Ein Fixpunkt, den ich jeden Tage habe, ist, meine Katzenlady Maureen zu füttern und zu bemuttern.

Mischa Vogl _ Schauspielerin, Musical-Darstellerin,
staatlich diplomierte Ballett- Tänzerin für Bühnentanz

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Die Ruhe bewahren. Sich die Frage zu stellen, ob ich mit meinem Tun zufrieden bin, und was ich verändern sollte. Auch mal nichts tun, und es einfach kommen lassen. Was gut für einen ist, annehmen.

Jetzt ist eine Zeit, in der wir uns auf uns selbst besinnen sollten, um Altes loszulassen, damit Neues kommen kann.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater, der Literatur, der Kunst an sich zu?

Aufbruch und Neubeginn hat immer einen Zauber des Neuen in sich. Wenn man sich die Geschichte anschaut, 1960er, 70er, 80er und so weiter, waren diese Jahrzehnte nur so geprägt von Umbrüchen, sei es gesellschaftlich, Musik, Mode, nur um einige aufzuzählen.

Die Zeit steht nicht still, und wir auch nicht. Jetzt stehen wir wieder vor großen Veränderungen, das muss nicht schlecht sein. Es ist das Ungewisse, was vielen Angst und Panik macht. Aber sind wir nicht auch in gewissen Maße selbst dafür verantwortlich? Haben wir Dinge nicht eine Zeit laufen lassen, ohne uns Gedanken darüber zu machen? Jetzt müssen wir uns dafür verantworten. Klingt hart, aber eine Veränderung heißt Abschied von festgefahrenen Gewohnheiten nehmen und offen sein für Neues.

Wir haben die Möglichkeit uns weiter zu entwickeln, und wir werden gezwungen sein, an uns selbst zu arbeiten, jede/r auf seine Art und Weise. Und da kann Theater, Literatur und Kunst eine große Rolle spielen. War nicht schon immer Kunst in jeder Form eine Art Sprachrohr der Gesellschaft?

Künstler:innen öffnen uns neue Zugänge und zeigen Perspektiven auf, geben Gedankenanstöße. Wir sind in einer Zeit, in der nicht mehr das Streben nach Oberflächlichkeit angesagt ist. Es geht um Wahrhaftigkeit, um Ehrlichkeit. Wir sollten Veränderungen annehmen lernen.

Mischa Vogl, Bühnenfoto _San Francisco USA, City Hall

Was liest Du derzeit?

Guillaume Musso, Nacht im Central Park

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Die Zeit verwandelt uns nicht, sie entfaltet uns nur.

Vielen Dank für das Interview liebe Mischa, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Mischa Vogl _Schauspielerin, Musical-Darstellerin, staatlich diplomierte Ballett- Tänzerin für Bühnentanz

Fotos_1 Oliver Petermann; 2 privat.

10.8.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Die Kamera“ Elfie Semotan/Ferdinand Schmatz. Residenz Verlag, 2022

Elfie Semotan, in Österreich geborene und international tätige wie in New York und Wien lebende Fotografin beeindruckt über Jahrzehnte in der Originalität, Kreativität und Variation ihrer Fotokunstarbeiten in Mode, Portrait, Reportage und weiteren Stilrichtungen. Ihr so selbstbewusst verfolgter persönlicher wie künstlerischer Weg ist vielseitiger Impulsgeber moderner Fotografie und Kunst.

Ferdinand Schmatz, vielfach ausgezeichneterSchriftsteller, unter anderem mit dem Christine Lavant Preis (1999), Georg Trakl Preis (2004), Literaturwissenschaftler, ehemaliger Juror beim Ingeborg Bachmann Preis, Universitätsprofessor (2012 – 2020 Leiter des Instituts für Sprachkunst an der Universität für Angewandte Kunst Wien) führt mit Elfi Semotan ein Gespräch über die Faszination und weite Welt des Kamerablickes und dessen ästhetischen Möglichkeiten, Herausforderungen und Überraschungen.

Das Gespräch dieser außergewöhnlichen Kunstpersönlichkeiten, welches von Fotos Elfie Semotans spannend begleitet ist (Kameramodelle, Fotobeispiele), beeindruckt von Beginn im spielerischen Dialog interessanter ästhetischer wie persönlicher Zugänge, Entwicklungen und Positionen. Es ist ein Genuss da gleichsam zuhören zu dürfen und über Form, Inhalt künstlerischer Fotografie im Kontext von individuellem Verständnis wie Anwendung und Perspektive einzigartiges zu erfahren.

„Ein wunderbarer Dialog wie vielseitiger Impuls zur Kunst der Fotografie!“

Walter Pobaschnig 9_22

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„anderswo I“ Sylvia Geist, Schriftstellerin _ Give Peace A Chance _ Flieth/D 6.10.2022

GIVE PEACE A CHANCE

anderswo I

gehe ich

in mich hinein

verstumme ich

ein mund wie ein briefschlitz als hätte ich

papier zu fressen in der

einzelzelle wo das zahlwort

andere die wahre also kaum besiegbare

chimäre zu mir mutiert ja mich

entsetzt. und doch

abern die botenstoffe meiner zerebralen flucht

chemie mir eine möglichkeitsform mehr ins

herz: wäre ich eine

andere könnte ich es sein

nahe saporischschja in diesen

chrysalidennächten in denen aller anderer orte sich

entpuppen als einer


Sylvia Geist 27.9.2022

Sylvia Geist, Schriftstellerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Sylvia Geist, Schriftstellerin

https://www.sylviageist.de/

Foto_privat

Walter Pobaschnig _ 27.9.2022.

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„Garten zu Friedhof“ Tania Rupel Tera, Schriftstellerin _ Give Peace A Chance _ München 5.10.2022

GIVE PEACE A CHANCE

Garten zu Friedhof

In der selben Erde, wo Gemüse und Blumen Wurzeln schlugen

Vater und Sohn ruhen jetzt. Aber haben sie Frieden?

Einsam, verloren schaut sie sich um

Pechschwarz ihr Kopftuch

Eine Frau erhebt ihre Stimme, erzählt von ihrem Schicksal – in der

Abendreportage

Circa 2 Minuten lang, damit wir hier

Einen Eindruck bekommen

Augenblicklich sperrt ein Kloß meinen Hals

Chaos von Emotionen, Schmerz, Zorn, eigenen Sorgen

Himmel, wer stoppt diesen Wahnsinn? Hört endlich auf

Atem anhalten; Aushalten; Ausdauer …

Noch lange kreisen Worte wie Drohnen im Hirn

Courage, Courage im Halbschlaf weiter. Vielleicht machen sich die Worte auf den Weg und finden das ferne Land, das auf dem ewigen Vulkan steht? Mit ihren unbeirrbaren, stabilen Buchstaben, biegsamen Silben, mit ihren Geistern aus Geduld

Eines Tages vielleicht … In der Nacht surft die Freiheit auf der brennenden Luft und fällt in die Lava hinein




Tania Rupel Tera, 12.9.2022

Tania Rupel Tera _Schriftstellerin und Künstlerin  

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Tania Rupel Tera _Schriftstellerin und Künstlerin  

Foto: privat

Walter Pobaschnig _ 12.9.2022.

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